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Dienstag, 20. Mai 2025

Final Destination: Bloodlines - Final Destination 6: Bloodlines (2025)

https://www.imdb.com/de/title/tt9619824/

College-Studentin Stefanie (Kaitlyn Santa Juana) wird von wiederkehrenden Albträumen geplagt, in denen sie nicht nur ihre eigene Familie sterben sieht, sondern auch sich selbst. Doch ein Detail stimmt dabei nicht: die Zeit. Denn diese sich in Stefanies Kopf wiederholenden Bilder scheinen aus einem längst vergangenen Jahrzehnt zu stammen. Doch mit der Zeit scheint sie auf ein Muster zu kommen und erkennt, dass der für sie so qualvolle Traum eine 50 Jahre alte Vision ihrer Oma ist. Die konnte damals nämlich zahlreichen Menschen vor dem Tod bewahren, weil sie einfach geahnt hat, dass etwas schlimmes passieren wird. Wie sich nun jedoch zeigt, ist die Gefahr doch noch nicht gebannt. Also kehrt Stefanie in der Hoffnung in ihre Heimat zurück, die eine Person ausfindig zu machen, die den Kreislauf durchbrechen und ihre Familie vor dem sicheren Tod bewahren kann...

Das "Final Destination"-Franchise, in dem der Sensenmann immer cartoonhaftere und komischere Wege findet, sich an denen zu rächen, die glauben, dem Tod entgangen zu sein, ist seit über einem Jahrzehnt auf Eis gelegt. Vielleicht ist das bezeichnend. Doch die Regisseure Zach Lipovsky und Adam B. Stein, die mit dem einfallsreichen Low-Budget-Science-Fiction-Spektakel "Freaks" für Furore sorgten, verleihen dem Film Klasse, ohne sich dabei allzu ernst zu nehmen. 

Ihr sechstes Kapitel bedient sich der bewusst albernen Prämisse und dem grausigen Nervenkitzel, den man von einer 25 Jahre alten Serie erwarten, in der verfluchte Charaktere durch Solarien, Augenoperationen und Holztransporter ihr Ende finden. In "Final Destination" macht der Tod mit seiner Vorliebe für komplizierte Methoden im Stil von Rube Goldberg selbst die banalsten und leblosesten Objekte zu einer Bedrohung, die wir nie wieder mit denselben Augen betrachten werden. Doch wo "Final Destination: Bloodlines" brilliert, ist die clevere und oft teuflische Erzählkunst und die visuelle Umsetzung. Die Dekadenz des Films steht nicht im Widerspruch zum kitschigen Charakter von "Final Destination", sondern entfaltet dessen volles Potenzial.

Nirgendwo wird das deutlicher als in der atemberaubenden Eröffnungsszene, die mit einer Nahaufnahme einer jungen Frau (Brec Bassinger) mit verbundenen Augen beginnt - ein witziges Detail, denn sie ist diejenige, die in die Zukunft sehen wird. Ihr Name ist zufällig auch Iris. Es sind die 60er. Iris wird von ihrem Freund zu einem Überraschungsabend chauffiert. Sie besuchen die Eröffnung eines schicken neuen Restaurants auf einer Aussichtsplattform, wo die magische Aussicht mit gehobenem Essen und Tanz gepaart wird; eine Hausband steigert die ausgelassene Stimmung mit "Shout" der Isley Brothers. Jeder, der die Formel von "Final Destination" kennt, weiß, dass wir Iris’ Vorahnung erleben und dass es für die Feiernden, die sich auf der Tanzfläche mit Glasboden drehen und schreien, nicht gut ausgehen wird. Die Sequenz ist so angelegt, dass sie uns auf Trab hält und uns neugierig auf das macht, was kommt. Doch die Spannung wird auf wundervolle, entspannte Weise gehalten, liebevoll in Szenerie und Chemie zwischen den Figuren vertieft, während die rasante Romantik des Abends die Zuschauer fesselt.

Die vereitelte Katastrophe bereitet nicht nur Iris' Schicksal vor, sondern rückwirkend auch das gesamte "Final Destination"-Franchise. "Final Destination: Bloodlines" führt im Prolog eine Ursprungsgeschichte ein, die spielerisch mit der Mythologie der Serie spielt. Generationen später, in der Gegenwart, wird Iris' Enkelin Stefani (eine perfekt ausgelaugte Kaitlyn Santa Juana) von derselben Vorahnung auf der Aussichtsplattform heimgesucht. Sie gräbt vergrabene Familiengeheimnisse aus, um herauszufinden, was das alles bedeutet. Währenddessen häufen sich die Geheimnisse an den Familiengräbern. Diesmal verfolgt der Tod nicht nur diejenigen, die die auslösenden Ereignisse überlebt haben, sondern auch diejenigen, die deren Fluch geerbt haben. Und weil die Besetzung so charmant sein kann, insbesondere Richard Harmon als bissiger, aber sentimentaler Cousin, drücken wir einigen von ihnen vielleicht sogar die Daumen, dass sie überleben - eine Seltenheit in einem Franchise, in dem wir uns ein Ticket gekauft haben, um alle auf spektakuläre Weise sterben zu sehen. 

Die unterhaltsamsten Morde, die diesmal alles von Gartengeräten bis zu einem MRT beinhalten, haben ein Buster-Keaton-artiges Flair für physische Komik. Diese Sequenzen, wie auch die Handlung als Ganzes, enthalten oft kleine Anspielungen auf die Vergangenheit: Busse, Grills, Deckenventilatoren und Holzscheite haben Cameo-Auftritte - spannende kleine Erinnerungen an das Chaos, das sie in Final Destination anrichten können. Klar, es ist Fanservice, wie ihn so viele feige Reboots bieten. Aber in "Final Destination: Bloodlines" fühlt er sich verdienter an, weil sie oft auf etwas Neues und in einem Fall sogar Bewegendes hinarbeiten.

Die sentimentalste - und vielbeachtete - Hommage an die Vergangenheit des Franchise ist die Rückkehr des verstorbenen Tony Todd als William Bludworth. Der legendäre "Candyman"-Darsteller ist regelmäßig in „Final Destination“ zu sehen und spielt den schelmischen Bestatter, der den potenziellen Todesopfern oft die eine oder andere rätselhafte Wahrheit vor die Füße wirft. Todd, der im Herbst starb, tritt ein letztes Mal als Bludworth auf und hält einen improvisierten Monolog. Zum Abschied regen seine Worte an, die wenige Zeit, die uns noch bleibt, optimal zu nutzen. Die Charaktere, die in dieser Szene zuhören und versuchen, dem Unvermeidlichen zu entgehen, befolgen seinen Rat nicht ganz. Der Film, der einem Franchise über die Verfolgung durch den Tod neues Leben einhaucht, nimmt sich die Idee zu Herzen, jeden Moment auszukosten.

7/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Warner Bros.
Poster/Artwork
New Line Cinema/Practical Pictures/Freshman Year/Fireside Films

Donnerstag, 15. Juni 2023

The Unholy (2021)

https://www.imdb.com/title/tt9419056/

Alice (Cricket Brown) ist ein junge taubstumme Frau, die nach einer angeblichen Heimsuchung durch die Jungfrau Maria auf unerklärliche Weise hören, sprechen und Kranke heilen kann. Als sich die Nachricht verbreitet und Menschen von nah und fern herbeiströmen, um Zeuge ihrer Wunder zu werden, besucht der in Ungnade gefallene Journalist Gerry Fenn (Jeffrey Dean Morgan), der hofft, seine Karriere wiederzubeleben, die kleine Stadt in New England, um Nachforschungen anzustellen. Als sich rundherum erschreckende Ereignisse ereignen, beginnt er sich zu fragen, ob diese Phänomene das Werk der Jungfrau Maria sind oder etwas viel Unheilvolleres...

"The Unholy" ist ein Horrorfilm, in dem mal wieder ein biblischer Kontaext zum Tragen kommt, der den Film anfänglich nicht exotischer klingen lässt als die letzte "Exorzist"-Kopie oder die vorjährige Ausgabe des "Conjuring"-Franchise. Aber "The Unholy" hat eine religiöse Handlung, die tatsächlich auch mal funktioniert. In der Hauptrolle ist eine unbekannte Schauspielerin namens Cricket Brown, die mit ihrer melodiöse Stimme und ebensolchen Gesichtszügen manchmal an die junge Natalie Portman erinnert, zu sehen, die eine taubstumme junge Frau namens Alice spielt. Sie hat Visionen von dem, was sie für die Jungfrau Maria hält. Durch die Aufnahme von Marias Geist kann Alice plötzlich hören und sprechen und Kranke heilen, was Menschenmassen in ihr ländliches Städtchen Banfield, Massachusetts, anlockt. "The Unholy" basiert auf einem Roman von James Herbert aus dem Jahr 1983 und seine Hauptfigur, abgesehen von Alice, ist ein (erneut in Ungnade gefallener) Journalist, namens Gerry Fenn. Er wird von Jeffrey Dean Morgan mit dessen schäbigen Elan gespielt, der ihn zu einem gewinnenden, abgestumpften Stellvertreter für den Skeptiker im Publikum macht. 

Dies ist der erste Spielfilm unter der Regie von Evan Spiliotopoulos, der als Drehbuchautor an Filmen wie "Hercules"  gearbeitet hat, und während er die konventionellen Themen des Megaplex-Horrors trifft, gelingt es ihm, sie mit einer stromlinienförmigen Kohärenz und Direktheit zu gestalten. Die Tropen mögen standardmäßig erscheinen - die blitzartigen Schnitte des Bösen, das Flüstern auf der Tonspur, das verhüllte Gespenst, das immer wieder auftaucht, um den Zuschauer aufzurütteln, wie der "Slender Man" oder "Candyman" oder ein wiederkehrender Geist aus dem dreitausendsten Teil der "Insidious"-Reihe. Das Problem mit zu vielen Horrorfilmen ist, dass sie all ihre Techniken, das Timing und Grinsen in einer stoischen Gleichgültigkeit und erwartbaren Haltung aufbietet, um im Grunde genommen "Buh!" zu sagen. Bei "The Unholy" kann man ein ein paar Mal zusammenzucken, aber jenseits des Gruselfaktors wird die wiederauferstandene Dämonin des Films zu einer echten Figur, die so hypnotisch besessen ist und sich mit einer bedrohlichen Ruckartigkeit bewegt. Die Bilder des Films entstammen einem christlichen Albtraum: die Stigmata (in diesem Fall religiöse Statuen mit eleganten Blutstränen), die Figur der Maria selbst, die in diesem Mantel eine schwarze Maske trägt, die sie als eine geisterhafte Marionette des Todes kennzeichnet.

William Sadler in der Rolle des heiligen, aber zum Tode verurteilten Pater Hagan zitiert Martin Luther und bringt damit das Thema des Films auf den Punkt: "Wo Gott eine Kirche baut, baut der Teufel eine Kapelle." Und Cary Elwes als Bischof Gyre von der Erzdiözese Boston hat einen Bostoner Akzent, der anfangs etwas wackelig ist, aber Elwes setzt ihn gut ein und macht aus dem Bischof einen religiösen Politiker, der es versteht, das Showbiz eines guten Wunders auszunutzen. Er setzt sich dafür ein, die Kirche von Banfield in einen heiligen Schrein zu verwandeln. "The Unholy" schreibt das Buch des religiösen Horrors nicht neu, aber es ist die Art seltener zeitgenössischer Horrorfilm, der tatsächlich Vertrauen in die Geschichte hat, die er erzählt. 

6/10

Quellen
Inhaltsangabe: Netflix
Poster/ArtworkNetflix

Mittwoch, 25. Mai 2022

Candyman (2021)

https://www.imdb.com/title/tt9347730/

Im Chicagoer Viertel Cabrini Green ging lange die Geschichte über den berüchtigten Candyman um, ein mit einem Haken als Hand ausgestatteter übernatürlicher Mörder. Man müsse seinen Namen nur fünfmal in einen Spiegel sagen, um ihn heraufzubeschwören. Jahrzehnte später ziehen Visual Artist  Anthony McCoy (Yahya Abdul-Mateen II) und seine Freundin, Galeriedirektorin Brianna Cartwright (Teyonah Parris), in die inzwischen von der Gentrifizierung erfasste Nachbarschaft. Während Anthonys Künstlerkarriere fast stillsteht, wird er durch eine zufällige Begegnung mit William Burke (Colman Domingo), einem alten Bewohner von Cabrini Green, mit der schrecklichen, wahren Geschichte hinter dem Candyman konfrontiert. Immer tiefer steigt er in die düsteren Einzelheiten hinter der Geisterstory hinab in der Hoffnungen, seinen Malereien neues Leben einzuhauchen. Bald aber steht sein eigener Verstand auf dem Spiel... 

Die Neigung der Hollywoodindustrie, Horrorfilmreihen zu recyceln, erreicht mit "Candyman" von Regisseurin Nia DaCostas zeitgemäßer, relevanter und kluger Neuauflage des Originals von Bernard Rose aus dem Jahr 1992, einen neuen Höhepunkt. Es folgten zwei Fortsetzungen in den Jahren 1995 und 1999, die beide nicht an die Qualität und den Erfolg von Roses Film heranreichten. Mit diesem neuen Teil, der halb als Fortsetzung, halb als Neustart funktioniert, hat Nia DaCosta, würdevoll diese großartige Mischung aus Horror und Sozialkritik wieder aufgenommen. Der Künstler Anthony McCoy ist vor kurzem mit seiner Freundin Brianna, einer Kunsthändlerin, in eine teure Wohnung in Chicago gezogen. Auf der Suche nach Inspiration für eine neue Serie von Kunstwerken befasst sich Anthony mit der Vergangenheit von Cabrini-Green, einem überwiegend von Schwarzen bewohnten Viertel, auf dessen Spuren die Luxussiedlung errichtet wurde. Als er von dem lokalen Mythos des "Candyman" und der gewaltvollen Vergangenheit von Cabrini-Green Kenntnis erlangt, findet er das kreative Material, nach dem er sucht. Er riskiert auch, alte Wunden wieder aufzureißen, die fast 30 Jahre lang versiegelt geblieben waren. "Candyman" ist ein enormes und überzeugendes Werk, dem es gelingt, einen alten Horrorklassiker wiederzubeleben und gleichzeitig einen ganz eigenen Pfad durch das Thema zu beschreiten. Es vermischt den Slasherfilm mit Inhalten wie urbanen Mythen, Rasse und Klasse, Gemeinschaft und einer überraschenden Portion Body Horror. Dabei ehrt Nia DaCosta den Originalfilm, ohne ihre eigenen Intentionen aus den Augen zu verlieren. Der Candyman von 1992 war und ist ein hervorragender Horrorfilm. 

Mit seiner Wiederbelebung im Jahr 2021 wurde die Erzählung der Schwarzen, die dem früheren Film zugrunde lag, von schwarzen Filmemachern aufgegriffen und weiterentwickelt. Eine wirkungsvollere Fortsetzung kann man sich wohl kaum vorstellen. Fans des reinen Horrors kommen hier auf ihre Kosten, denn es wird mit vielen verschiedenen Formen gespielt. Die altmodischen Gräueltaten mit glücklosen Opfern, die von einem unsichtbaren, hakenbewehrten Feind zu Tode geschlachtet werden, sind wieder da und werden hervorragend in Szene gesetzt. Darüber hinaus wirken die übernatürlichen Elemente und die Erzählung des urbanen Mythos stärker und effektiver als je zuvor. Der Originalfilm musste eine tragische Hintergrundgeschichte aus dem 19. Jahrhundert erfinden, um das gleiche Gefühl zu erzeugen. Der neue "Candyman" kann sich für den gleichen Zweck problemlos auf den alten Film verlassen. Geschickt in die Handlung eingeflochten ist sowohl eine zeitgenössische Reflexion der Figur des Candyman im Lichte der Black Lives Matter Bewegung, als auch der generationenübergreifenden Gewalt. Candymans Existenz wird hier in erheblichem Maße neu interpretiert, und diese Veränderung zahlt sich gewaltig aus. Dies ist einer der seltenen und wirkungsvollen Horrorfilme, die über ein einfaches Genrestück hinausgehen. Dies ist ein Horrorfilm, in dem es um etwas geht. Dazu trägt natürlich auch bei, dass das Ganze so stilvoll inszeniert ist. Das Produktionsdesign und die Bildgestaltung sind effektiv und lebendig. Der Einsatz von Gewalt auf dem Bildschirm ist maßvoll und zurückhaltend. Eine Mordsequenz in einer Highschooltoilette ist umso schockierender, weil DaCosta sie auslässt, anstatt sie einzubauen. Hintergrundgeschichte und Folklore werden durch traumähnliche Schattenpuppen dargestellt. Die Darbietungen sind durchweg stark, insbesondere Abdul-Mateens wachsende Ausdrücke des Traumas und Parris' proaktive und detaillierte Leistung in einer Rolle, die eine ziemlich gewöhnliche Nebenrolle hätte sein können. Sie sind repräsentativ für einen rundum beeindruckenden Film. Candyman ist sowohl eine Fortsetzung als auch ein Originalwerk und gehört zu den besseren Veröffentlichungen des Jahres 2021.

7/10

Quellen
Inhaltsangabe: Universal Pictures

Freitag, 1. Oktober 2021

Black As Night (2021)

https://www.imdb.com/title/tt13372884/

Ein junges Mädchen hat Probleme mit ihrem Selbstwertgefühl und findet auf höchst seltsame Weise Hilfe: Sie verbringt ihren Sommer damit, gegen Vampire zu kämpfen. Gemeinsam mit ihrer besten Freundin, dem Jungen, für den sie schon immer geschwärmt hat und einem seltsamen reichen Mädchen, nimmt sie den Kampf gegen das Böse in New Orleans auf. 

Auch "Black As Night" ist ein ansprechender Beitrag zum Horrorgenre, der von amazon im Rahmen seiner "Welcome To The Blumhouse"-Reihe veröffentlicht wurde. In diesem Streifen der amerikanischen Regisseurin Maritte Lee Go geht es um Teenager und Vampire und damit ist eigentlich auch schon klar, dass er sich auf sehr vertrautes Terrain begibt. Doch nicht ganz, denn immerhin setzt er den Fokus auf Frauen und/oder People of Color. Lee Go und Drehbuchautor Sherman Payne mischen Themen aus der bekannten "Candyman"-Reihe mit Gentrifizierung und der Wegwerfbevölkerung aus "The Lost Boys" zu einer Vampirgeschichte, die vor allem durch ihren neuen kulturellen Blickwinkel auffällt. Die Botschaft ist nicht einzigartig oder besonders subtil, die Produktionswerte sind wackelig und es gibt eine herzhafte Portion Exposition Shortcuts, aber diese Teenies haben immehrin Mumm. Shawnas Weg vom unsicheren Mauerblümchen zur selbstbewussten Vampirkillerin ist durchaus liebenswert dargestellt; Keith David spielt an ihrer Seite und verleiht ihr seine stets willkommene Gravitas. Und obwohl es sich oft so anfühlt, als würde sich "Black As Night" damit begnügen, denselben ausgetretenen Pfade zu beschreiten, den auch zahllose Filme vor ihm gingen, findet er immer wieder kleine Momente, die er sein Eigen nennen kann. Und außerdem gibt es eine ganz schön große Menge von Vampiren zu töten.

5,5/10

Quellen
Inhaltsangabe: amazon Video

Sonntag, 27. Dezember 2020

Candyman: Farewell To The Flesh - Candyman 2: Die Blutrache (1995)

https://www.imdb.com/title/tt0112625/

Der legendenumwobene Candyman (Tony Todd) und sein mörderischer Haken sind zurück! Dieses Mal hat er es auf die Lehrerin Annie Tarrant in New Orleans abgesehen (Kelly Rowan), die seinen Namen fünf Mal vor einem Spiegel ausspricht. Kurz darauf wird sie ungewollt Augenzeugin von einigen Schreckenstaten, die der Candyman verübt. Dieser tötete auch einst ihren Vater und für dieses Verbrechen wurde fälschlicherweise ihr Bruder Ethan Tarrant (William O'Leary) zur Verantwortung gezogen. Nun möchte der finstere Killer sich an das nächste Mitglied der Familie Torrent heranmachen und es aus einem ganz bestimmten Grund zu sich ins Jenseits holen. Ob es Annie am Ende gelingen wird, dem unerbittlichen Mörder zu entfliehen und ihn aus der Welt der Menschen zu verbannen?  

Der erste Aufguss der "Candyman"-Reihe verweilt nur ganz kurz, am Anfang, bei der Urban-Legend-Thematik seines Originals um dann aus dem Haken-Mann einen Art Freddy-Krueger-Dämon mit hass-zerfressenden Trauma zu machen. Die Vergangenheit wird mit einem Familiengeheimnis der Protagonistin verquickt, fabriziert daraus eine private Tragödie, was nicht die schlechteste Idee ist, da so der Ursprung vom Bienen-Opfer erforscht wird, entmythologisiert ihn aber auch dadurch. Der "Schwarze" ist weiterhin sexuell erregend, bedrohlich und verführt "weiße" Frauen, das Geschehen wird in ein touristisch-schönen New-Orlean-Karneval-Feeling eingefügt, allerdings Dramatik oder Aufgeregtheit gibt es dabei kaum zu vermelden. Dazu gibt es doofe Drehbuch-Ideen und Unwahrscheinlichkeiten, die in einen unpassenden Spiegel-Spuk-Quark enden. Der überhebliche Radiomoderator-Off-Kommentar und die christliche Banalisierung der Thematik nervt zusätzlich. Weder Fisch noch Fleisch, aber immerhin leidlich unterhaltsam.

5,5/10

Von KOCH Films erschien der Film im limitierten Mediabook. Dieses beinhaltet den ungeschnittenen Film auf Blu-ray und DVD, sowie jede Menge Bonusmaterial.

Quellen:
Inhaltsangabe
: Koch Films

Donnerstag, 28. Juni 2018

Candyman: Day Of The Dead - Candyman 3 - Der Tag der Toten (1999)

https://www.imdb.com/title/tt0165662/

Als der schwarze Maler Robitaille einst in den Südstaaten der USA die Tochter eines Plantagen-Besitzers porträtierte und sich dabei in die weiße Frau verliebte, unterband ihr Vater die Beziehung, indem er ihm die rechte Hand abhackte und ihn von Bienen zu Tode stechen ließ. Aus dieser Tat erwuchs die Legende des Candyman, der all jenige mit seiner Hakenhand heimsucht, die seinen Namen fünfmal hintereinander vor einem Spiegel aussprechen. Als dieses Schicksal eine Nachfahrin seiner ehemaligen Geliebten ereilt, weigert sich diese zunächst, an die Realität des Mythos zu glauben, bis kontinuierlich wachsende Leichenberge sie schließlich überzeugen...

Nach dem superben ersten Film und der unterhaltsamen Fortzsetzung bekommt nun auch der Mythos um den "Candyman" einen dritten Teil spendiert. Die Geschichte um die Enkelin der Familie und um das Geheimnis der Bilder klingt eigentlich recht interessant, doch leider ist diese mit einem viel zu flachen Spannungsbogen erzählt. So kann der Film leider nicht mit seinen Vorgängern in puncto Spannung und Amosphäre mithalten. Zwar gibt es reichlich graphische Gewalt, doch auch mit solchen Mitteln lassen sich die Inhaltsschwächen nicht kaschieren. Zumal man den Effekten ihr B-Film-Niveau teilweise recht deutlich ansieht. Neben der spannungslosen und bestenfalls routinierten Inszenierung ist es vor allem die völlig talentfreie Hauptdarstellerin Donna D'Errico, die zu keiner Sekunde glaubwürdig in die Fußstapfen von Virginia Madsen und Kelly Rowan treten kann, welche den Gesamteindruck des Films noch weiter nach unten zieht. Man hat oft das Gefühl, dass der Regisseur Turi Meyer immer wieder Vorwände und Gründe suchte, einzig ihre großen Brüste in Großaufnahme ins Bild zu holen.

Schauspielerisch agiert das Dargebotene also weit unterhalb des B-Levels, geboten wird also Schulschauspielkunst mehr oder weniger nicht begabter Freizeitschauspieler. Lediglich Tony Todd ist auch hier wieder herausragend in seiner persönlichen Horrorhauptrolle als hakenschwingender Rächer seines eigenen Schicksals. Man hätte wirklich mehr aus der nicht uninteressanten Geschichte machen können, doch Budgetknappheit sowie Fähigkeitseinschränkungen der Schauspieler und Effekttechniker begrenzen die Möglichkeit, einen besseren Film zu machen. Zwar ist "Candyman 3" einigermaßen unterhaltsam und ansehnlich, aber hier wurde sehr viel Potential vergeudet, was wirklich schade ist. Blut ist eben nicht alles.

4/10

Von NSM Records kommt der Film hierzulande ungeschnitten und in HD auch im auf 333 Stück limitierten und nummerierten Mediabook:

Donnerstag, 21. Juli 2016

Candyman - Candymans Fluch (1992)

http://www.imdb.com/title/tt0103919/

Helen Lyle (Virginia Madsen) ist eine Studentin in Chicago, die an einer Arbeit über urbane Legenden sitzt und bei ihren Nachforschungen auf die Geschichte vom Candyman (Tony Todd) stößt. Er war ein Afroamerikaner, der wegen seiner verbotenen Liebe zu einem weißen Mädchen von einer Gang auf brutale Weise hingerichtet wurde. Die Schergen sägten ihm eine Hand ab und übergossen ihn mit Honig, sodass hunderte Bienen ihn zu Tode stachen. Die Legende besagt, dass der Candyman zurückkehrt, wenn sein Name fünf Mal genannt wird. Helen glaubt der Geschichte kein Wort, bis sie selbst den Namen fünfmal ausgesprochen hat. Daraufhin beginnt eine Serie grausamer Morde. Jetzt muss sich die aufgeklärte Studentin dem Dämonen stellen, der in ihrem Umfeld auf brutale Weise sein Werk verrichtet. Dabei kann sie kaum auf Hilfe hoffen, denn niemand glaubt ihr die Geschichte vom Candyman.

Cabrini-Green Homes in Chicago sind Bezeichnungen, die den wenigsten Deutschen ein Begriff sein dürften, in Amerika hingegen als Synonym dafür steht wie Sozialwohnungen in Gegenden voller Armut und Arbeitslosigkeit, aufgrund ihres Charakters viele Menschen auf wenig Raum zu konzentrieren, zum Nährboden für Bandengewalt und Kriminalität werden lässt. Die Besonderheit ist es hierbei besonders das Chicago eigentlich wirtschaftlich gar nicht so arm ist (wie etwa Detroit) und sich die Cabrini-Green Gebäude inmitten der Stadt, meist nur wenige Meter von den wohlhabenderen Gebieten und nicht in ausgelagerten Ghettos befanden. Ironie hierbei ist es wohl dass der Weiße die Probleme des Schwarzen nur wahrnimmt, wenn diese wirklich in Sichtweite seiner Haustür geschehen und nicht irgendwo am anderen Ende der Stadt.

"Candyman" macht sich diese besonderen Umstände zu Nutze, lässt seine Heldin direkt in einem echten Komplex der Cabrini-Green Homes umherlaufen, spricht eine intensive Sprache zwischen den Gängen, in denen authentische Graffitis die urbane Geschichte des Bandenwesens erzählen. Voller analogischer Bilder erzählt der Film von Mythenerschaffungen der Sozialschwachen, der Projektion und letztendlichen Schuldabweisung eigener Missstände auf eine übergeordnete Figur. Ferner erzählt der Film davon, wie die schwarzen Probleme in die heile Welt der Weißen einbrechen, bis diese Teil des Mythos werden. Ironischerweise strauchelt der Film immer dann wenn er Zugeständnisse an das Slasher-Genre macht. Doch diese hätte der Film überhaupt nicht nötig, denn der Film lebt von vielen starken Bildern, die als Horror vollkommen ausgereicht hätten, als den Candyman zusätzlich in den schwächeren Momenten als Hakenschwingenden Bösewicht in Erscheinung treten zu lassen.

Das ist manchmal etwas unglücklich, schadet dem Film aber auch nicht wirklich. Es kann nur, gerade bei einer wiederholten Sichtung, ärgern. Aber die Bilder und die sehr stimmige Musik bringen einen schnell wieder zurück auf die eigentliche Spur der Geschichte. Trotz dieser inhaltlichen Sogkraft wirkt der Film leider manchmal auf narrativer Ebene unentschlossen. In seiner Ruhe lebt er zudem sehr stark von der Atmosphäre die man als Zuschauer auch zulassen muss. Zudem nagt der Zahn der Zeit an dem Film. In den 90ern wirkte das alles sicher noch um ein vielfaches gruseliger. Dennoch ist "Candyman" ein gelungener Genre-Beitrag, der vor allem an der Bildung von sogenannten urbanen Legenden interessiert ist und eine besondere Kraft aus seinem Setting der Sozialbauwohnungen bezieht. Leider wird der Film von vielen Filmkritikern oft vorschnell in die simple Slasher-Ecke geschoben, aber fairerweise muss man zugeben, dass der Film daran auch teils selber schuld ist.

7/10

Von TURBINE Medien kommt der Film im auf 500 Stück limitierten Mediabook uncut / unrated auf BD in HighDefintion und mit 4:3 Retro-Fassung auf DVD.