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Montag, 11. Oktober 2021

The Manor (2021)

https://www.imdb.com/title/tt13372794/

Nach einem schweren Schlagfall zieht Judith Albright (Barbara Hershey) in ein Pflegeheim. Nach und nach beginnt die Frau den Verdacht zu hegen, dass eine übernatürliche Macht Jagd auf die Bewohner der Pflegeeinrichtung macht. Judith will der Bedrohung entkommen, doch dafür muss sie es erst einmal schaffen, die Menschen um sie herum davon zu überzeugen, dass sie imstande ist, allein zu leben und das betreute Wohnen nicht benötigt...

Der von Axelle Carolyn geschriebene und inszenierte Film für amazons "Welcome To The Blumhouse"-Reihe ist "The Manor". Wer sich mit Horrorfilmen auskennt, weiß, dass Pflegeheime nie eine angenehme Atmosphäre verbreiten und auch die Geschichte dieses Films bildet auch da keine Ausnahme. Seltsame, mysteriöse Dinge sieht sie in der Nacht und das Personal ist nicht besondrs aussagefreudig, was in der Situation gipfelt, dass Enkel und Tochter vom Personal gegen die eigene Mutter aufgebracht werden - zu einem Zweck, der erst am Ende enthllt wird. Die Prämisse ist nicht durch und durch unangenehm, sondern einfach nur langweilig; Barbara Hersheys Hauptfigur Tabitha wird in den spärlichen psychologischen Aufregungen des Films immer hilfloser, und dennoch bleibt die Beklemmung über eine Spielfilmlänge hinweg bestehen.

Abgesehen von Hersheys Leistung ist die Umgebung fad, was durch die flache, fernsehtaugliche Ästhetik nicht gefördert wird. Zahlreiche Interaktionen zwischen Tabitha und den Bewohnern der Einrichtung oder ihren Mitbewohnern strotzen nur so vor offensichtlicher Exposition oder sind so voller Nettigkeiten, dass sich alles anfühlt, als würden die Statisten in einem Film ihren Platz einnehmen. Insbesondere die Art und Weise, wie die Bewohner in Erinnerungen an die Vergangenheit schwelgen, wirkt wie eine Simulation von Menschen, die sich nach ihrer Jugend sehnen; natürlich haben sie früher Gras geraucht und getanzt. Der Film hat nicht wirklich viele Ideen, sondern bietet dem Zuschauer lediglich oft Füllmaterial, das nur dazu dient, die Laufzeit dieser 10-Minuten-Kurzgeschichte auf Spielfilmlänge aufzublasen. 

"The Manor" hat somit dasselbe Problem wie bisher alles aus der "Welcome To The Blumhouse"-Reihe stammenden Filme, dass die meisten von ihnen (mit Ausnahme von "Nocturne") eigentlich Kurzfilme hätten sein sollen. Wenigstens hat Carolyn ein ansprechend wildes Ende geschrieben. Es ist nicht ganz das, was man erwarten würde, auch wenn man zuvor mit einigen albernen Stellen konfrontiert wird. "The Manor" hat wenig Taktgefühl, zusammen mit seinen hämischen Schreckmomenten, die mit einer Art Schattengestalt zu tun haben. Die letzten Minuten dieses Films, wie auch "Madres", zeigen ein Konzept, das interessanter gewesen wäre, wenn man es im Detail erforscht hätte, anstatt es nur für einen Twist zu verbraten, der die gesamte Story unter Wert verkauft.

5,5/10

Quellen
Inhaltsangabe: amazon Video

Freitag, 30. Oktober 2020

Between Earth And Sky - The Lie (2018)

https://www.imdb.com/title/tt7945440/

Die Eltern von Kayla (Joey King) sind getrennt und die Jugendliche lebt hauptsächlich bei ihrer distanzierten und kontrollsüchtigen Mutter Rebecca (Mireille Enos). Nun soll Kayla die Ferien in einem Tanz-Trainingslager verbringen, wovon die angehende Tänzerin aber überhaupt nicht begeistert ist. Kaylas Vater Jay (Peter Sarsgaard) soll sie in das Dance Camp fahren, doch auf dem Weg treffen Vater und Tochter auf eine Freundin von Kayla und Kayla besteht darauf, Brittany (Devery Jacobs) mitzunehmen. Bei einer Pause an der verschneiten Straße kommt es dann jedoch zu einem Zwischenfall: Die beiden Mädchen verschwinden zusammen im Wald, doch als Jay nach einem Schrei hinterhereilt, findet er nur noch Kayla auf einer Brücke über einem reißenden Fluss sitzend vor...

"The Lie" ist ein Remake von Sebastian Kos "Wir Monster" aus dem Jahr 2015 und ein Film aus der  "Welcome To The Blumhouse"-Reihe. In diesem Thriller geht es darum, wie weit Eltern, obgleich voneinander getrennt lebend, gehen würden, um das Verbrechen ihres eigenen Kindes zu vertuschen. Nach bereits 10 Minuten ist der Zuschauer bereits mitten im Geschehen und Teil der titelgebenden Lüge geworden. Allerdings benehmen sich die Charaktere bei der Vertuschung der Tat so unrealistisch wirr und teilweise sogar blöde, dass man sich irgendwann regelrecht wünscht, die Sache würde ans Tageslicht kommen. Leider ist dem nicht so und bis zum arg bitteren Ende muss man sich seiner Gefühlswelt im Klaren sein: Zu wem hält man? Zur Tochter oder zu den Eltern? Einige unbeantwortete Fragen in der Story offenbaren zudem Logiklücken und die Charaktere sind in ihren Handlungen limitiert, sodass man an Fehler im Drehbuch glauben könnte. Das wirkt daher alles etwas zu konstruiert und auch die alsbald anlaufenden und recht beiläufig abgehandelten Ermittlungen verwirren mehr, als das sie aufklären. Dennoch ist "The Lie" ein guter und unterhaltsamer, sowie milde spannender Film geworden, den man sich, Interesse vorausgesetzt, durchaus ansehen kann.

6/10

Quellen
Inhaltsangabe: amazon Video

Evil Eye (2020)

https://www.imdb.com/title/tt12882620/

Die in New Orleans lebenden Pallavi (Sunita Mani) lernt eines Tages einen ebenso attraktiven wie sympathischen Mann namens Sandeep (Omar Maskati) kennen. Als sie ihrer Mutter Usha (Sarita Choudhury) in Indien davon erzählt, ist diese zunächst überglücklich, dass ihre Tochter einen Mann gefunden hat. Doch je mehr sie über Sandeep erfährt, desto mehr ist sie überzeugt, dass es sich bei ihm um eine Reinkarnation des Mannes handelt, mit dem sie vor 30 Jahren in einer gewalttätigen Beziehung gefangen war - ein Trauma, von dem sie sich nie wirklich erholt hat. Ihre Familie und ihre Freunde versichern ihr zwar, dass ihre Sorgen um Pallavis Wohlergehen unnötig sind, doch sie reist dennoch nach Amerika, um ihre Tochter zu beschützen...  

"Evil Eye" ist einer der Teile der "Welcome To The Blumhouse"-Reihe, welche in der Kooperation aus amazon und den Blumhouse-Studios, bekannt für einen ordentlichen Horror- und Thriller-Output. Doch bei "Evil Eye" handelt es sich in erster Linie um ein Drama mit Anleihen des Mystery-Horrors. Der Film versucht aus interessanten Themen wie Culture Clash und Geschlechterrollen eine Story aufzubauen, generiert daraus aber kaum Spannung - auch weil zu viele Klischees eingebaut werden und das Regisseur-Du Elan Dassani und Rajeev Dassani etwas zu sehr darauf vertrauen, dass dies auch nach der x-ten Verarbeitung beim Zuschauer funktioniert. Auch die Beziehung zwischen Mutter und Tochter wird vor allem am Anfang immer und immer wieder thematisiert und sogar ansprechend bebildert, jedoch nie vollständig ausgebaut oder vertieft. Zwar beinhaltet der Film Kritik an Sexismus und dem asozialen Glauben, Frauen als Besitztümer zu betrachten, erkauft sich das aber durch eine Rechtfertigung plus Relativierung von Aberglaube und mütterlichem Kontrollwahn. Die arrangierte Ehe, die in Indien bis heute unsagbares Leid verursacht hat, kommt ebenfalls zu unbescholten davon. Das alles wird zwar in stimmungsvollen Bildern präsentiert und die Schaupieeler sind durch die Bank weg glaubwürdig, doch es fehlt der letzte Thrill, der eine Kick, der den Zuschauer nachhaltig packt. Als Kurzfilm wäre "Evil Eye" völlig okay; als Spielfilm mit knapp 90 Minuten Laufzeit passiert hier insgesamt zu wenig.

5/10

Quellen
Inhaltsangabe: amazon Video

Freitag, 1. Oktober 2021

Black As Night (2021)

https://www.imdb.com/title/tt13372884/

Ein junges Mädchen hat Probleme mit ihrem Selbstwertgefühl und findet auf höchst seltsame Weise Hilfe: Sie verbringt ihren Sommer damit, gegen Vampire zu kämpfen. Gemeinsam mit ihrer besten Freundin, dem Jungen, für den sie schon immer geschwärmt hat und einem seltsamen reichen Mädchen, nimmt sie den Kampf gegen das Böse in New Orleans auf. 

Auch "Black As Night" ist ein ansprechender Beitrag zum Horrorgenre, der von amazon im Rahmen seiner "Welcome To The Blumhouse"-Reihe veröffentlicht wurde. In diesem Streifen der amerikanischen Regisseurin Maritte Lee Go geht es um Teenager und Vampire und damit ist eigentlich auch schon klar, dass er sich auf sehr vertrautes Terrain begibt. Doch nicht ganz, denn immerhin setzt er den Fokus auf Frauen und/oder People of Color. Lee Go und Drehbuchautor Sherman Payne mischen Themen aus der bekannten "Candyman"-Reihe mit Gentrifizierung und der Wegwerfbevölkerung aus "The Lost Boys" zu einer Vampirgeschichte, die vor allem durch ihren neuen kulturellen Blickwinkel auffällt. Die Botschaft ist nicht einzigartig oder besonders subtil, die Produktionswerte sind wackelig und es gibt eine herzhafte Portion Exposition Shortcuts, aber diese Teenies haben immehrin Mumm. Shawnas Weg vom unsicheren Mauerblümchen zur selbstbewussten Vampirkillerin ist durchaus liebenswert dargestellt; Keith David spielt an ihrer Seite und verleiht ihr seine stets willkommene Gravitas. Und obwohl es sich oft so anfühlt, als würde sich "Black As Night" damit begnügen, denselben ausgetretenen Pfade zu beschreiten, den auch zahllose Filme vor ihm gingen, findet er immer wieder kleine Momente, die er sein Eigen nennen kann. Und außerdem gibt es eine ganz schön große Menge von Vampiren zu töten.

5,5/10

Quellen
Inhaltsangabe: amazon Video

Freitag, 30. Oktober 2020

Nocturne (2020)

https://www.imdb.com/title/tt11044858/

Juliet (Sydney Sweeney) ist eine begabte klassische Pianistin, doch an der renommierten Musikschule, an der sie studiert, steht sie genauso im Schatten ihrer ebenso talentierten, aber ungleich extrovertierteren Schwester Vivian (Madison Iseman) wie in ihrem ganzen bisherigen Leben. Da nimmt sich Moira (Ji Eun Hwang), eine Kommilitonin von Juliet und Vivian, das Leben und Juliet stiehlt Moiras Notizbuch, das voller brillanter Musiktheorien und rätselhafter Symbole ist. Die von Ehrgeiz und Neid zerfressene Juliet studiert das Buch und gerät schon bald immer mehr unter den Einfluss einer unheimlichen Macht, dir ihr zwar zu Erfolg und Anerkennung verhilft, aber auch immer mehr Kontrolle über sie gewinnt... 

"Nocturne" stammt aus dem französischen und bedeutet "nächtlich", "des Nächtens" oder auch (viel sinngemäßer) "Nacht werdend". Regisseurin Zu Quirkes Spielfilmdebüt und Teil der "Welcome To The Blumhouse"-Reihe ist ein sinnbildlicher und ebenso düsterer Thriller geworden, der gekonnt mit der Angst spielt. Der Angst zu versagen, immer nur die ewige Zweite zu sein. Dem Titel entsprechend wendet sich die ewige Zweite irgendwann vom Licht ab und beschreitet einen dunkleren, verheißungsvolleren Weg in Richtung Siegertreppchen und erinnert damit zu geringen teile an die Geschichte des Dr. Faust. Doch Melancholie und Besessenheit brechen nach und nach Bahn und lassen Juliet (brillant gespielt von Sydney Sweeney) eine völlig greifbare Art von Horror durchleben. Trugbilder, Paranoia, Verfolgungswahn. Der ruhige und relativ unaufgeregte Film bitete darüber hinaus einige interessante Themen, und auch das unheimliche Sounddesign zeichnet den Horrorbeitrag aus. Und doch bleibt die ganz große Begeisterung aus, da vieles hier nicht genügend ausgearbeitet wird. Trotzdem ist "Nocturne" eine Empfehlung wert, vor allem für Genrefans, die nicht immer nur die übliche Kost vorgesetzt bekommen wollen.

6,5/10

Quellen
Inhaltsangabe: amazon Video

Dienstag, 3. November 2020

Black Box (2020)

https://www.imdb.com/title/tt12298506/

Nolan (Mamoudou Athie) hat bei einem Autounfall seine Frau und sein Gedächtnis verloren. Nun hat der alleinerziehende Vater Probleme, den Alltag auf die Reihe zu bekommen und sich um seine junge Tochter Ava (Amanda Christine) zu kümmern. Um endlich wieder Herr über seine Erinnerungen und seinen Verstand zu werden, unterzieht er sich in der Klinik von Lillian (Phylicia Rashad) einer experimentellen Therapie, die Hypnose und VR vereint. Doch bei seinen Ausflügen in sein Gedächtnis sieht sich Nolan immer wieder mit einer unheimlichen Kreatur konfrontiert, die laut Lillian die Versuche seines Verstandes symbolisiert, ihn vor den Traumata in seiner Vergangenheit zu beschützen. Bald schon beginnt Nolan, an sich selbst und an seinen Erinnerungen zu zweifeln...  

"Black Box ist der vierte und letzte Teil der "Welcome To The Blumhouse"-Reihe, welche im Oktober 2020 auf der Streamingplattform amazonPrime veröffentlicht wurde. Als Horrorfilm beworben ist jedoch "Black Box" eher ein SciFi-Thriller-Drama mit kleinen Horrorelementen. Der Film funktioniert auf einer emotionalen Ebene sehr gut, gerade wenn es um das Familiendrama geht, auch die Psychologie dahinter kann sich für einen Psycho-Mystery-Thriller sehen lassen. Ava, die kleine Tochter, die versucht, ihrem depressivem Vater eine lebensbejahende Stütze zu sein und die Trümmer seines Lebens wieder zu ordnen, nur um dann doch vergessen zu werden oder sogar auf rüde Ablehnung stößt, ist eine sehr bewegende emotionale Komponente.Von der technisch-wissenschaftlichen Seite ist das alles aber so dermaßen altbacken, dass es wirkt, als ob es dem Wissensstand der 80er Jahre entsprungen wäre, was, im Zusammenhang mit der Story und im Hinblick auf die Zeit, in der es spielt, etwas albern wirkt. Vom Stil her orientiert sich Regisseur Emmanuel Osei-Kuffour deutlich an Jordan Peele, ohne jedoch jemals in dessen Schuhe zu passen. Immerhin passt der Spannungsbogen, sodass man sich in den 100 Minuten Laufzeit so gut wie nie langweilt. Und das trotz der Vorhersehbarkeit gewisser Geschehnisse, die man, als eingefleischter Cineast, durchaus erahnen kann. Das alles gipfelt in einer bitterbösen Pointe, die sogar eine Weiterführung des Stoffes ermöglichen könnte.

6/10

Quellen
Inhaltsangabe: amazon Video

Freitag, 1. Oktober 2021

Bingo Hell (2021)

https://www.imdb.com/title/tt13372992/

Das Viertel Oak Springs ist gleichermaßen gezeichnet von Lebenskünstlern und Kriminalität. Hier verdienen sich durchtriebene Geschäftsleute mit einem sehr lukrativen Bingospiel eine goldene Nase. Die Rentnerin Lupita (Adriana Barraza) ist in der Gegend dafür verantwortlich, die Nachbarschaft zusammenzuhalten und wehrt sich gegen die immer stärker aufkommende Gentrifizierung. Sie fühlt sich für ihre Altersgenossen verantwortlich und bemerkt deren Verschwinden nach und nach, als sie in deren Häuser geht und nichts als einen Stapel Bargeld entdeckt. Dieser ist natürlich verbunden mit schmutzigen Machenschaften, die jeden in einen Abgrund ziehen, der damit in Berührung kommt. Lupitas Spur führt schließlich zu Mr. Big (Richard Brake), der durch seine eigene Version von Bingo in die Stadt gekommen ist, um den Leuten einen Ausweg aus der wirtschaftlichen und emotionalen Verzweiflung zu zeigen. Doch nichts ist so, wie es scheint...

Mit dem Horror-Thriller "Bingo Hell" geht amazons "Welcome To The Blumhouse"-Reihe in die nächste Runde. Die Story der mexikanischen Co-Autorin/Regisseurin Gigi Saul Guerrero um eine rüstige Rentnerin lässt aber das vor allem titelgebende Spiel, das sich für viele jüngere Menschen wie das Ende des Lebens anfühlt, in einem ganz anderen Licht erscheinen. Guerrero hat eine etwas andere Verwendung für die Vorstellung von Menschen, die über ihre Spielbretter gebeugt sind und hoffen, etwas aus der Gemeinschaftskasse zu gewinnen. Als Veteranin des Horror-Kurzfilms vereint Guerrero in ihrem ersten Spielfilm widersprüchliche Gedanken über Gentrifizierung und Nachbarschaftstreue, Armut und Wohlstand sowie den zweifelhaften Einfluss des organisierten Glücksspiels. 

Hauptdarstellerin Adriana Barraza spielt die Hauptrolle als Lupita, das alternde, aber couragierte Herz ihrer Gemeinde Oak Springs. Sie steht nicht auf Gentrifizierung. Wenn sie mit ansehen muss, wie sich Mitglieder ihrer Gemeinde aus dem Staub machen, weil sie nicht das Geld haben, um die neuen exorbitanten Mieten zu bezahlen, bricht ihr das nicht das Herz, sondern schürt ihre Wut. Lupita ist ein Hitzkopf, und Barrazas Freude an ihren Ausbrüchen treibt die energiegeladene Empörung des Films voran. "Bingo Hell" hat dabei eine Menge sozialer Kommentare zu bieten, aber er predigt nicht. Er greift an.

Guerreros Film vereinfacht diesbezüglich Ursachen und Lösungen nicht zu sehr. Dennoch sind seine Empfehlungen eher ein stumpfes Instrument als ein chirurgisches Werkzeug. Es macht viel Spaß, Barraza und anderen reifen Schauspielern (L. Scott Caldwell, Grover Coulson, Clayton Landey) dabei zuzusehen, wie sie Figuren mit einer gewissen Komplexität verkörpern, aber es ist Richard Brake, der Barraza den besten Sparringspartner bietet. Der unterschätzte Charakterdarsteller liefert mühelos einen weiteren denkwürdigen Bösewicht. Mit Charakteren, denen man die Daumen drückt, einer ordentlichen Portion Gewalt und einer gesunden Akzeptanz des Chaos, macht "Bingo Hell" auch aufgrund seiner ungewöhnlichen Prämisse noch gut Spaß.

6/10

Quellen:
Inhaltsangabe
: amazon Video

Montag, 11. Oktober 2021

Madres - Madres: Der Fluch (2021)

https://www.imdb.com/title/tt13372944/

Das junge mexikanisch-amerikanische Paar Beto (Tenoch Huerta) und Diana (Ariana Guerra) erwarten ihr erstes Kind. Sie ziehen in eine kleine Stadt in Kalifornien, wo Beto sogar eine Stelle als Farmmanager angeboten wird. Die Dinge laufen allerdings nicht so reibungslos, wie es sich die Beiden erhofft haben. Nach und nach weist Diana merkwürdige Symptome auf, während sie von schrecklichen Visionen heimgesucht wird. Die junge Frau stellt fest, dass sie Opfer von einem legendären Fluch wurde...

"Madres" ist ein besonderer Horrorfilm aus amazons "Welcome To The Blumhouse"-Reiihe. Besonders, weil er besonders frustrierend ist, viele Mängel aufweist und sein ganzes Pulver erst kurz vor dem Abspann verschießt. Seine bewegendsten, mitreißendsten Momente haben mit dem kitschigen Genre-Horror überhaupt nichts zu tun und sind nur deshalb erfolgreich, weil zumindest der Zuschauer auf eine Gräueltat in diesem Land aufmerksam gemacht wird. Doch mehr gibt es in diesem Film nicht. Die Charaktere in dem Drehbuch von Mario Miscione und Marcella Ochoa sind immehrin mit einiger Sorgfalt konstruiert, doch das Drehbuch ist viel großartiger darin, etwas aufzuziehen, um es gleich wieder fallen zu lassen. Dianas Gefühl, eine Außenseiterin zu sein, der ihre hispanischen Eltern kein Spanisch beigebracht haben (weil sie sich dafür schämten), ist nuanciert und interessant, aber die Erzählung bietet ihr nicht genug Raum, um diese nuancierte Darstellung zu fördern. Darunter leidet die emotionale Arbeit von Guerra. 

Eine ähnlich hohle Herangehensweise betrifft die Paranoia des Films über die Mutterschaft: "Madres" gelingt es, seine psychologische Wirkung mit routinierten Schreckmomenten und offensichtlichen Bildern zu verflachen und bestimmte Details einfach stehen zu lassen. Damit zeigt "Madres", wie sehr er mit den viszeralen Ideen, die im Spiel sind, nicht umgehen kann. Der Schmerz, der hinter dieser Geschichte steckt, ist weitaus effektiver als der Horror und das macht den Film noch langweiliger, denn anstatt eine Geschichte zu erzählen, die ihre inspirierende Idee auf den Punkt bringt, gibt er nur vor sich wirklich mit dem Thema über geschundene Mütter und Rätsel über die Bevölkerung zu befassen. Die letzten zwei Minuten von "Madres" sind mitreißender als alles andere in diesem Film und dies ist auch der einzige Punkt, an dem der Film wirklich gut ist. 

"Madres" fehlt es viel zu sehr an Schreckmomenten, um auch nur annähernd effektiv zu sein. Ihm fehlt der Rhythmus und der routinierte Horror-Zuschauer wird nur wenig überrascht; selbst die Schreie sind so überlang, dass sie ihren Schock verlieren. Im Allgemeinen ist "Madres" viel zu offensichtlich und sein investigativer Ansatz, mehr über den wahren Schrecken des Ganzen zu erfahren, ist voller Handgriffe mit wenig Innovation. Nein, "Madres" kann bei alldem keinen Blumenstrauß gewinnen.

4/10

Quellen
Inhaltsangabe: amazon Video