Die junge Claire (Millie Brady) ist wegen ihres enormen Schuldenbergs in Schwierigkeiten. Da hört sie von einer klinischen Studie des Pharmakonzerns Blackwood, für die Freiwillige gesucht werden, um ein neues Medikament an sich testen zu lassen. Aufgrund der dafür angebotenen, für ihre Verhältnisse recht üppigen Aufwandsentschädigung meldet sich die junge Frau umgehend an. Das Ganze soll fünf Tage dauern und wird in der Zentrale des Unternehmens durchgeführt, wo den Probanden auch Kost und Logis gestellt werden. Claire ist Teil einer Gruppe etwa Gleichaltriger, zu der außerdem Amir (Ashley Kumar), Paul (Brenock O'Connor), Alison (Abby Fitz) und Vanessa (Shonagh Marie) zählen. Als Versuchsleiterin agiert Dr. Burke (Pollyann McIntosh), die den jungen Leuten stetig steigende Dosen des Mittels verabreicht. Das in Pillenform eingenommene Präparat soll Ermüdung reduzieren – ein Effekt, an dem sowohl die Wirtschaft als auch das Militär höchst interessiert sind. Als sich plötzlich erschreckende Nebenwirkungen zeigen, wird die Studie trotz offensichtlicher Gefahren fortgesetzt. Um die Bedenken unter den Teilnehmer*innen zu zerstreuen, wird ihnen eine Bonuszahlung angeboten...
Manchmal reicht eine einzige starke Idee aus, um einen Horrorfilm sofort interessant zu machen. "Double Blind", das Langfilmdebüt des irischen Regisseurs Ian Hunt-Duffy, setzt genau auf ein solches Konzept: Nach einem fehlgeschlagenen Medikamententest tritt bei den Teilnehmern eine fatale Nebenwirkung auf - wer einschläft, stirbt. Aus dieser simplen, aber äußerst wirkungsvollen Prämisse entwickelt sich ein klaustrophobischer Survival-Thriller, der über weite Strecken überzeugt, sein Potenzial jedoch nicht vollständig ausschöpfen kann. Die größte Stärke des Films ist ohne Zweifel seine Ausgangsidee. Schlaf ist ein Grundbedürfnis, dem niemand dauerhaft entkommen kann - das wusste schon Wes Craven. Genau daraus entwickelt "Double Blind" eine permanente Grundspannung. Jeder Moment der Müdigkeit wird zur Bedrohung, jede Sekunde ohne Schlaf bringt die Figuren näher an den körperlichen und psychischen Zusammenbruch. Diese permanente Anspannung sorgt dafür, dass der Film sein Publikum über weite Strecken effektiv fesselt. Auch das sterile Forschungsgebäude entwickelt sich schnell zu einem unangenehmen Labyrinth aus Fluren, Krankenzimmern und verschlossenen Türen. Mit zunehmender Schlaflosigkeit verschwimmen Realität und Halluzinationen immer stärker, wodurch der Film eine angenehm paranoide Stimmung erzeugt. Dabei setzt Hunt-Duffy weniger auf billige Jump-Scares als auf psychologischen Druck und die zunehmende Verzweiflung seiner Figuren. Millie Brady überzeugt als Claire mit einer glaubwürdigen Mischung aus Entschlossenheit und wachsender Erschöpfung. Sie trägt den Film souverän und schafft es, ihrer Figur auch in den ruhigeren Momenten emotionale Glaubwürdigkeit zu verleihen. Das übrige Ensemble erfüllt seine Aufgaben solide, auch wenn nicht alle Figuren ausreichend Zeit erhalten, um wirklich Konturen zu entwickeln. Angesichts des überschaubaren Budgets wirkt der Film erstaunlich hochwertig. Kamera, Sounddesign und Schnitt arbeiten effektiv zusammen und verstärken das beklemmende Gefühl, dass den Figuren buchstäblich die Zeit davonläuft.Leider trägt die starke Prämisse nur den Anfang mühelos; im weiteren Verlauf fällt es dem Drehbuch schwer, die Spannung kontinuierlich zu steigern. Einige Wendungen wirken vorhersehbar, und spätestens im letzten Drittel wiederholt der Film seine Mechanismen etwas zu häufig. Hinzu kommt, dass manche Figuren recht klischeehaft bleiben. Dadurch verlieren einzelne dramatische Momente etwas von ihrer Wirkung, weil nicht alle Charaktere ausreichend Tiefe erhalten. Auch die Hintergründe des Experiments werden nur oberflächlich beleuchtet. Wer sich umfangreiche Erklärungen oder größere wissenschaftliche Zusammenhänge erhofft, dürfte am Ende mit einigen offenen Fragen zurückbleiben. Dennoch gelingt es "Double Blind", bis zum Schluss spannend zu bleiben. Gerade weil der Film seine Laufzeit auf rund 90 Minuten beschränkt, entstehen kaum größere Längen. Statt sich in komplizierten Mythologien zu verlieren, konzentriert sich Hunt-Duffy auf seine einfache, aber wirkungsvolle Grundidee und setzt diese mit viel Atmosphäre um. Viele Kritiker sahen darin einen vielversprechenden Einstand für den Regisseur und lobten den Film als effektiven kleinen Genrebeitrag mit großer Wirkung.



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