In den Büros eines japanischen Unternehmens findet man eine Frauenleiche. Kurz vor ihrem Ableben hatte die professionelle Mätresse scheinbar noch Sex. Polizeiinspektor Smith (Wesley Snipes) wird hinzugezogen, bekommt aber zuvor die Instruktion, einen John Connor (Sean Connery) abzuholen, der als Experte für die japanische Kultur gilt. Als die beiden dann schließlich vor Ort sind, ist für Web die Sache eindeutig. Connor meint jedoch, dass hinter dem Mord noch ganz andere Motive stehen. Die Firma, in der die Frau getötet wurde, gehört zu den einflussreichsten japanischen Kartellen. Die Ermittler decken einen Krieg auf, geführt hinter edlen Kulissen und mit unterschiedlichsten Waffen...
"Rising Sun" ist einer jener 90er-Jahre-Thriller, die zugleich größer und kleiner wirken, als sie auf den ersten Blick erscheinen. Größer, weil sie mit Sean Connery und Wesley Snipes zwei starke Stars in eine Geschichte über Mord, Macht und kulturelle Reibung setzen; kleiner, weil der Film unter seiner elegant polierten Oberfläche nie ganz die Schärfe erreicht, die sein Stoff eigentlich verspricht. Der Film, inszeniert von Philip Kaufman nach dem Roman von Michael Crichton, beginnt mit einem Mordfall in einem Hochhaus einer japanischen Firma in Los Angeles. Die Ermittlungen führen die Detectives John Connor, gespielt von Sean Connery, und Web Smith, gespielt von Wesley Snipes, in ein Netz aus Videoaufnahmen, Unternehmensintrigen, politischen Spannungen und einem Verdacht, der sich immer wieder verschiebt. Was "Rising Sun" sofort interessant macht, ist sein Doppelcharakter. Einerseits ist es ein klassischer Thriller über einen möglicherweise manipulierten Tatort und eine Vertuschung, andererseits ist er auch ein Film über den Blick selbst: Wer beobachtet wen, wer kontrolliert die Bilder, und wie viel Wahrheit steckt in einer Aufnahme, die vielleicht schon verändert wurde? "Rising Sun" lebt stark von Präsenz, Dialog und Atmosphäre, aber die eigentliche Kriminalgeschichte ist eher mechanisch als überraschend.
Trotzdem wäre es zu einfach, den Film auf seine Schwächen zu reduzieren. Seine Bildsprache und seine stilistische Sicherheit ist grandios, und liefert fesselnde Spannung und zwei brillante Stars. Er ist oft reizvoller, wenn man ihn als Stimmungskino betrachtet, weniger als streng konstruierten Whodunit. Der Umgang mit dem Japan-Thema ist daher der vielleicht heikelste Aspekt des Films. Bereits bei Erscheinen wurde "Rising Sun" für seine Darstellung japanisch-amerikanischer Machtverhältnisse kritisiert und teils als japanfeindlich gelesen. Die Verfilmung versucht zwar, die schärfsten Kanten des Romans abzuschleifen, doch ganz los wird sie den Verdacht nicht, dass kulturelle Differenz hier öfter als dramatischer Motor denn als wirklich differenziert betrachtetes Thema genutzt wird. Gerade deshalb ist die Frage nach dem Blickwinkel zentral. Der Film spielt in einer amerikanischen Großstadt, wird aber durch japanische Unternehmensarchitektur, Verhaltensrituale und Machtcodes geprägt. Dadurch entsteht eine Atmosphäre, die für das westliche Thrillerkino damals frisch wirkte, heute aber auch als Produkt eines bestimmten exotisierenden Zugriffs lesbar ist. Spätere Kritiken und Rückblicke betonen genau diesen Punkt: Die filmische Welt ist interessant, aber sie ist nicht immer frei von den kulturellen Vereinfachungen ihrer Zeit.
In der Besetzung liegt dennoch viel von der anhaltenden Attraktivität des Films. Sean Connery spielt John Connor mit jener Mischung aus Autorität, Charme und Ironie, die ihn in den 90ern so verlässlich machte. Wesley Snipes bringt als Web Smith eine ruhigere, wachere Energie ein, die dem Film gut tut, und Harvey Keitel verleiht der Geschichte eine rauere, bedrohlichere Kante. Auch Cary-Hiroyuki Tagawa wird in mehreren Rückblicken als bemerkenswerte Präsenz hervorgehoben. Phil Kaufman inszeniert das Ganze mit einer für Hollywood-Thriller jener Zeit typischen Mischung aus Glanz und Paranoia. Die 125 Minuten Laufzeit lassen den Film stellenweise etwas schwerfällig erscheinen, und diese Patina aus Dialoglast, Plotverdichtung und Unentschlossenheit wiegt irgendwo zu schwer. Dennoch funktioniert "Rising Sun" in vielen Momenten gerade deshalb, weil er nicht nur auf Action setzt, sondern auf Misstrauen, Machtspiele und die Spannung zwischen institutioneller Ordnung und versteckter Gewalt.
Das Ergebnis ist kein großer Genre-Klassiker, aber ein intelligenter, oft sehr sehbarer Thriller, der sich bis heute nicht vollständig auf eine einfache Bewertung reduzieren lässt. Wer einen straffen Krimi mit überraschender Härte erwartet, wird gelegentlich auf Distanz gehalten. Wer aber Interesse an einem stilbewussten, politisch und kulturell aufgeladenen Thriller aus der Hochphase der 90er-Jahre hat, bekommt hier einen Film, der mehr Gesprächsstoff als reine Plotbefriedigung liefert. Und am Ende bleibt "Rising Sun" ein Film der Reibung: zwischen Starpower und Skript, zwischen Atmosphäre und Logik, zwischen politischer Brisanz und Genre-Unterhaltung. Er ist nicht der schärfste Thriller seiner Zeit, aber einer der interessantesten, weil er zeigt, wie ein großes Studioformat zugleich faszinierend, irritierend und unvollständig sein kann. Genau das macht ihn auch heute noch sehenswert.

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen