Sonntag, 28. Juni 2026

Sebelum Iblis Menjemput - May The Devil Take You - Der Teufel soll dich holen (2018)

https://www.imdb.com/de/title/tt8765496/

Alfie (Chelsea Islan) ereilt ein böses Schicksal, als ihr Vater auf einmal auf unerklärliche Weise ins Koma fällt. In Wirklichkeit haben sich beide allerdings schon vor Jahren auseinandergelebt und entfremdet. Die junge Tochter ist dennoch getroffen und versucht mit ihrer Stiefschwester Maya (Pevita Pearce) Lösungen und Antworten in einer alten, abgelegenen Villa zu finden. Doch dort stoßen beide auf eine grausame Wahrheit und dunkle Mächte.

Mit "May The Devil Take You" bewies der indonesische Regisseur Timo Tjahjanto einmal mehr, dass er nicht nur Action inszenieren kann. Bevor er mit Filmen wie "The Shadow Strays" oder "The Big 4" internationale Aufmerksamkeit als Action-Spezialist erhielt, lieferte er mit diesem übernatürlichen Horrorfilm eine düstere und blutige Hommage an das klassische Dämonen- und Haunted-House-Kino. Das Ergebnis ist ein Film, der zwar nicht jede Genre-Konvention neu erfindet, seine Vorbilder jedoch mit sichtbarer Leidenschaft und einer beeindruckenden Energie interpretiert. Bereits die Grundidee erinnert an zahlreiche Genreklassiker, von "Evil Dead" bis hin zu asiatischen Geisterfilmen der frühen 2000er-Jahre. Tjahjanto macht jedoch keinen Hehl daraus, dass er diese Einflüsse bewusst aufgreift. Statt Originalität um jeden Preis anzustreben, konzentriert er sich darauf, bekannte Elemente möglichst effektiv umzusetzen. Genau darin liegt eine der größten Stärken des Films.

Atmosphärisch funktioniert "May The Devil Take You" auch ausgesprochen gut. Die abgelegene Villa entwickelt sich schnell zu einem Ort, an dem hinter jeder Tür eine neue Bedrohung lauern könnte. Dunkle Flure, verfallene Räume und verstörende Visionen erzeugen eine konstante Spannung, die den Zuschauer über weite Strecken bei der Stange hält. Ein weiterer Pluspunkt ist Chelsea Islan in der Hauptrolle. Sie verleiht Alfie eine glaubwürdige Mischung aus Verletzlichkeit, Entschlossenheit und emotionaler Tiefe. Gerade weil die Figur nicht als typische Horrorfilm-Protagonistin angelegt ist, entsteht schnell eine Bindung zum Publikum. Auch das übrige Ensemble erfüllt seine Aufgaben solide und trägt dazu bei, dass die familiären Konflikte innerhalb der Geschichte nicht völlig in den Hintergrund geraten. Besonders hervorzuheben sind die praktischen Effekte und die Make-up-Arbeiten. Tjahjanto setzt erfreulich oft auf handgemachte Horrorbilder statt auf übermäßige Computereffekte. Das Ergebnis sind einige wirklich unangenehme und visuell einprägsame Szenen, die Genrefans lange im Gedächtnis bleiben dürften. Die Mischung aus Körperhorror, Dämonenkino und übernatürlichem Terror sorgt für zahlreiche intensive Momente.

Allerdings folgen viele der Schockmomente bekannten Mustern, und der erfahrene Horrorfan riecht manche Wendungen schon 10 Meilen gegen den Wind. Auch die Handlung verliert im Mittelteil gelegentlich etwas an Fokus, wenn immer neue Enthüllungen und übernatürliche Elemente eingeführt werden. Auch eine gewissen Eigenständigkeit fällt bei den zahlreichen Verweise auf Genreklassiker hinten runter. Dennoch gelingt es Tjahjanto, die Geschichte mit genügend Energie und Stil zu erzählen, um diese Schwächen weitgehend auszugleichen. Seine Regie sorgt dafür, dass selbst vertraute Szenarien frisch wirken. Der Film weiß genau, wann er Spannung aufbauen, wann er das Tempo erhöhen und wann er den Zuschauer mit einer besonders verstörenden Szene überraschen muss. Damit gehört er zwar nicht zu den innovativsten Horrorfilmen seiner Zeit, aber durchaus zu den unterhaltsamsten. Gerade Fans klassischer Dämonenfilme und asiatischer Horrorproduktionen finden hier eine gelungene Mischung aus Atmosphäre, Schocks und handwerklich überzeugender Inszenierung.

6/10


Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Netflix/Legacy Pictures/Screenplay Films/Sky Media/Ideate Media

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