Ito (Joe Taslim), ein Elite-Vollstrecker, kehrt zu seinem heimischen Clan in Jakarta zurück, nachdem er einige Zeit bei den berüchtigten South East Asia Triaden verbracht hat. Was er vorfindet, ist eine Welt voller Verrat und Chaos - als die Banden mit einer blutigen Kampagne versuchen, ihren Einflussbereich zu vergrößern...
Wenn über moderne Actionfilme gesprochen wird, fallen oft dieselben Titel. Doch wer glaubt, nach den "John Wick"-Filmen oder "The Raid" bereits alles gesehen zu haben, sollte einen Blick auf "The Night Comes for Us" werfen. Regisseur Timo Tjahjanto liefert hier ein kompromissloses Actionfeuerwerk ab, das sich kaum um Konventionen schert und stattdessen voll auf spektakuläre Kampfchoreografien, intensive Atmosphäre und gnadenlose Härte setzt. Das Ergebnis ist ein Film, der für Fans des Action-Genres zu den absoluten Highlightszählen dürfte. Allein die kreative Inszenierung und die außergewöhnlich hohe Qualität der Actionsequenzen reißen einen vollends mit und lassen "The Night Comes For Us" an keiner Sekunde auch nur kurz langweilig werden. Für mich einer der besten asiatischen Actioner.
Die Geschichte beginnt mit Ito (Joe Taslim), einem Elite-Vollstrecker der berüchtigten Triaden-Organisation South East Asian Six Seas. Während eines brutalen Einsatzes entscheidet er sich gegen die Befehle seiner Auftraggeber und rettet ein junges Mädchen vor einem Massaker. Damit macht er sich selbst zur Zielscheibe. Plötzlich wird der einst gefürchtete Killer von seinen ehemaligen Verbündeten gejagt, während eine ganze Armee von Auftragsmördern auf ihn angesetzt wird. Man sieht: die Handlung ist bewusst simpel aber ansprechend geradlinig gehalten. Verrat, Loyalität, Schuld und Erlösung bilden das emotionale Fundament, doch man kann kaum behaupten, dass die Geschichte die größte Stärke des Films sei. Das muss sie allerdings auch nicht sein. Tjahjanto weiß offenbar sehr genau, weshalb die Zuschauer Filme wie diesen einschalten - und liefert genau das in beeindruckender Qualität: Action, bei der man die Augen aufreißt und einem die Kinnlade herunterklappt.
Schon die erste größere Actionsequenz macht deutlich, dass hier keine Kompromisse gemacht werden. Messer, Macheten, Drähte, Schusswaffen, Billardkugeln oder schlicht die eigenen Fäuste – nahezu alles wird zur Waffe. Die Kämpfe sind außergewöhnlich kreativ choreografiert und gleichzeitig erstaunlich übersichtlich gefilmt. Während viele moderne Actionfilme ihre Schläge hinter hektischen Schnitten verstecken, lässt "The Night Comes For Us" seine Darsteller tatsächlich arbeiten. Das Ergebnis sind Kämpfe, die roh, intensiv und körperlich spürbar wirken - und das macht den Film zu einem der brutalsten Actionfilme der letzten Jahre. Rein vom Gewaltlevel her stellt er sogar "The Raid" in den Schatten.
Aber auch die Besetzung ist ein wesentlicher Grund dafür. Joe Taslim bringt als Ito genau die Mischung aus physischer Präsenz und stiller Melancholie mit, die seine Figur benötigt. Noch stärker ist allerdings das Ensemble um ihn herum. Besonders Iko Uwais, bekannt aus "The Raid", sorgt in seiner Nebenrolle für einige der besten Szenen des Films. Hinzu kommen Julie Estelle, Sunny Pang und Zack Lee, die durch die Bank weg beweisen, warum Indonesien inzwischen als eines der spannendsten Zentren des modernen Actionkinos gilt. Beeindruckend ist außerdem, wie der Film seine Gewalt inszeniert. Sie dient nicht bloß als Selbstzweck, sondern vermittelt die Konsequenzen der Entscheidungen seiner Figuren. Die Kämpfe wirken schmerzhaft, chaotisch und erschöpfend. Jeder Treffer hat Gewicht, jede Verletzung hinterlässt Spuren. Dadurch entsteht eine Intensität, die den erfahrenen Actionfan in mir überrascht hat.
Die größte Schwachpunkt des Film ist, wie zu erwarten, seine Handlung. Diese verliert sich im Mittelteil gelegentlich etwas zwischen den zahlreichen Figuren und Fraktionen und man merkt deutlich, dass der Streifen narrativ nicht vollends mit seiner visuellen Wucht mithalten kann. Dennoch überwiegen die Stärken deutlich. Besonders die Atmosphäre des kriminellen Untergrunds von Jakarta, die düsteren Bilder und die fast schon apokalyptische Grundstimmung verleihen dem Film eine eigene Identität. Tjahjanto inszeniert keine glamouröse Actionwelt, sondern ein brutales Universum, in dem Gewalt immer nur neue, blutigere Gewalt hervorbringt.
Für Fans von Action und brutaler Inszenierung ist "The Night Comes For Us" genau richtig. Er ist ein wuchtiger, kompromissloser und beeindruckend inszenierter Actionfilm, der einen von der ersten bis zur letzten Minute mitreißt. Die Handlung bleibt zwar relativ simpel und die extreme Gewalt dürfte nicht jedermanns Sache sein, doch die herausragenden Kampfsequenzen, das starke Ensemble und die düstere Atmosphäre machen den Film zu einem der besten Actionbeiträge der letzten Jahre. Für Genrefans ist er nahezu Pflichtprogramm.

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