Manchmal ist es doch wirklich besser, einfach mal im Bett liegen zu bleiben. Ted (Tim Roth) ist der neue Page im ehemals noblen, nun heruntergekommenen Hotel "Mon Signor" und soll dort ausgerechnet in der Sylvesternacht zu seinen ersten Diensten antreten. Im Verlaufe des Abends gerät Ted zunächst an die "Honeymoon Suite", wo ein mysteriöser Hexenbund versucht, mit obskuren Ritualen an "Die fehlende Zutat" zu gelangen. Weiter geht’s zu einem psychopathischen Ehemann, welcher in Ted den Lover seiner Frau sieht und diesen zugleich mit Psychosexspielchen beschäftigt. In der dritten Episode macht sich ein knallharter Latino-Gangster (Antonio Banderas) mit seiner Frau auf den Weg zu einer wilden Silvesterparty und vertraut dabei Ted seine Kinder an. Doof nur, dass sich diese im Laufe des Abends immer mehr zu kleinen Terroristen entwickeln... Die letzte Station bildet das Penthouse, wo Chester Rush (Quentin Tarantino) und seine durchgedrehte Gefolgschaft (mit dabei Bruce Willis) Silvester feiern. Als wäre das nicht schon schlimm genug, soll nun Ted den Vollstrecker einer alten Hitchcock-Wette spielen, in der ein Mann seinen kleinen Finger darauf verwettet, dass er es schafft, ein Feuerzeug zehnmal in Folge anzuzünden...
Vier Regisseure (Allison Anders, Alexandre Rockwell, Quentin Tarantino und Robert Rodriguez), vier Hotelzimmer, eine Silvesternacht und ein unglückseliger Page namens Ted, gespielt von Tim Roth, der zwischen Ritualen, Ehekrieg, verwöhnten Kindern und einem absurden Promi-Wetteinsatz hin- und hergejagt wird, als wäre er die einzige Zigarettenkippe in einem überfüllten Aschenbecher. "Four Rooms" ist einer dieser Episodenfilme, die das Chaos nicht vermeiden, sondern geradezu als Programm feiern. Das Ergebnis ist etwas ungleichmäßig, aber nie langweilig. Dies ist ein Film mit einem herrlich komischen Segment, einem brauchbaren und zwei, die nur behäbig funktionieren - also ein Mischmasch, der mehr über die Temperamente seiner Macher verrät als über die Klammerhandlung selbst. Doch gerade darin liegt auch sein Reiz: "Four Rooms" ist keine sauber austarierte Anthologie, sondern ein Ausbruch unterschiedlicher komischer Instinkte, die sich in denselben Flur verirrt haben.
Am stärksten ist der Film, wenn er Tim Roth einfach laufen lässt. Ted ist kein klassischer Held, sondern ein überforderter Überlebender, dessen Nacht immer grotesker wird, ohne dass der Film ihm jemals die Würde eines Auswegs gönnt. Roth spielt ihn mit genau der richtigen Mischung aus Nervosität, Unterwürfigkeit und zunehmend genervter Resignation. Dass er den ganzen Abend überlebt, ist bereits ein kleiner Triumph; dass er dabei halbwegs bei Verstand bleibt, ein Wunder. Besonders auffällig ist die Lust am Exzentrischen. Die einzelnen Episoden sind wie kleine Laboratorien des Geschmacks: Allison Anders setzt auf Hexen und weibliche Dynamik, Alexandre Rockwell auf ein morbides Ehedrama, Robert Rodriguez auf hyperaktive Kinder und Tarantino auf selbstverliebte Gewaltpossen, die er mit seinem typischen Sprachwitz auflädt. Nicht alles sitzt, und nicht alles soll sitzen. Der Film lebt gerade davon, dass die Folgen seiner Ungleichheit sichtbar bleiben.Mehr noch, der Film nutzt seine eigene Instabilität als Energiequelle. Ein sauberer Episodenfilm würde die Übergänge glätten; "Four Rooms" stolpert lieber charmant durch seine eigene Silvesternacht, als würde er jederzeit über eine Champagnerflasche oder einen verfluchten Türspion fallen. Manche Einfälle wirken zu lang, manche Pointen zu laut, manche Szenen wie Skizzen statt voll ausformulierten Geschichten. Aber gerade die Übertreibung macht den Reiz aus: Hier geht es nicht um Ausgewogenheit, sondern um den Rausch des Überdrehten. Am Ende bleibt "Four Rooms" ein Film, der nicht aus Geschlossenheit lebt, sondern aus Temperament. Er ist ein ungleiches, aber vergnügliches Experiment, das einmal glänzt, einmal schwankt und sich nie so verhält, als wolle es jemandem gefallen. Und genau deshalb ist er, trotz aller Brüche, ein ziemlich zimmerlauter Spaß: Man verlässt ihn nicht mit dem Gefühl eines perfekten Films, sondern mit dem Erinnerungswert einer Nacht, in der man nie wusste, welche Tür als Nächstes aufgehen würde.


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