Der wortkarge Bandit Juan Miranda (Rod Steiger) und der gescheiterte irische Rebell John Mallory (James Coburn) treffen sich 1913 in den blutigen Wirren der mexikanischen Revolution. Juan sieht in dem Sprengstoffexperten den idealen Partner für einen Überfall auf die Bank von Mesa Verde, kann den Iren aber erst nach einiger Überzeugungsarbeit zur Teilnahme bewegen. In der Stadt angekommen, stellen sie fest, dass die Revolution bereits vor ihnen angekommen ist. Hinter den Panzertüren des Banktresors finden sie nicht etwa das erhoffte Gold, sondern eine Gruppe politischer Gefangener, die Juan sogleich nach ihrer Befreiung zum Revolutionshelden wider Willen erklären. Bald werden er und John zur Zielscheibe der brutalen Regierungstruppen und geraten immer tiefer in eine tödliche Spirale der Gewalt...
"Todesmelodie" ist Altmeister Sergio Leones vielleicht am meisten unterschätzter großer Film: ein Western, der sich in einen Revolutionsfilm verwandelt und dabei nie vergisst, dass politische Umwälzungen für die Menschen vor Ort vor allem Chaos, Verrat und Verlust bedeuten. Unter verschiedenen englischen Titeln bekannt - vor allem als "Duck, You Sucker!" oder "A Fistful Of Dynamite" - erzählt der Film von dem Banditen Juan Miranda und dem irischen Sprengstoffexperten John Mallory, die sich in den Wirren der mexikanischen Revolution widerwillig zusammentun und dabei immer tiefer in eine Geschichte geraten, die größer ist als ihr eigener Profit. Leone dreht hier nicht einfach einen weiteren Spätwestern, sondern eine bitter ironische Ballade über politische Instrumentalisierung. Juan (Rod Steiger) will Geld, Mallory (James Coburn) will sich eigentlich aus der Politik heraushalten, doch die Revolution macht keine solchen einfachen Absprachen. Aus dem geplanten Bankraub wird eine Befreiungsaktion, aus dem Überlebensinstinkt ein politisches Bekenntnis, und aus zwei cleveren Außenseitern werden Figuren, die sich an den Rand eines historischen Mahlstroms stellen, ohne ihn wirklich kontrollieren zu können.
Rod Steiger spielt Juan mit einer Mischung aus grober Komik, Eitelkeit und überraschender Verletzlichkeit. James Coburn verleiht Mallory eine kontrollierte Kälte, die erst im Lauf des Films Risse bekommt. Zwischen diesen beiden Männern entsteht eine seltsame, ungleiche Freundschaft, die den Film menschlich macht, ohne ihn sentimental werden zu lassen. Leone versteht sehr genau, dass große historische Filme dann am stärksten sind, wenn sie die Geschichte nicht von oben, sondern von zwei ziemlich unzuverlässigen, sehr konkreten Männern aus betrachten. Visuell ist "Todesmelodie" Leone pur. Die weiten Landschaften Spaniens, die lange Anstauung von Spannung, die plötzlichen Gewaltausbrüche und die oft fast opernhafte Inszenierung machen den Film zu einem Werk, das zugleich episch und intim wirkt. Morricones Musik trägt dazu entscheidend bei: Sie beginnt nicht einfach, sie baut sich auf, hält inne, schlägt zurück und wird so zum emotionalen Nerv des Films. Man kann kaum anders, als von einer Inszenierung zu sprechen, die Gewalt nicht ästhetisiert, sondern in eine traurige, fast erschöpfte Form von Spektakel verwandelt."Todesmelodie" ist aber auch ein Film, der sich weigert, Revolution als sauberen Mythos zu erzählen. Er zeigt, wie leicht Ideale von Geld, Misstrauen und persönlicher Geschichte verschluckt werden. Dabei ist er immer wieder auch überraschend komisch, dann wieder brutal und schließlich melancholisch; diese Tonwechsel sind nicht Schwäche, sondern Teil seines Charakters. Leone scheint zu sagen, dass Geschichte nicht von Helden gemacht wird, sondern von Menschen, die an dem Versuch, mit ihr mitzuhalten, beschädigt werden. Was den Film heute so stark macht, ist genau diese Mischung aus Wucht und Skepsis. Er hat die große Geste, die man von Leone erwartet, aber auch eine politische Bitterkeit, die ihn von reinen Genrestücken abhebt. "Todesmelodie" ist nicht der glatte, kultisch verehrte Leone-Western, sondern ein rauer, trauriger und manchmal sehr explosiver Film über Männer, die glauben, sie könnten die Geschichte für ihre Zwecke benutzen - und dann entdecken, dass sie selbst längst von ihr benutzt werden. Unterschätzt, hervorragend.


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