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Freitag, 3. Juni 2022

Top Gun: Maverick (2022)

https://www.imdb.com/title/tt1745960/

Aufgrund seiner Probleme mit Autoritäten hat es Flieger-Ass Maverick (Tom Cruise) nie geschafft, die ganz große Karriere in der Navy zu machen. Anstatt Orden konnte er so vielmehr disziplinarische Verfahren sammeln. Nachdem er erneut über das Ziel hinausgeschossen ist, wird er kurzerhand zu seiner alten Elite-Flugschule Top Gun versetzt. Dort soll er die jungen Flieger*innen, unter denen sich auch Rooster (Miles Teller), der Sohn seines verstorbenen besten Freundes Goose (Anthony Edwards) befindet, auf eine Mission vorbereiten, die eigentlich unmöglich zu bewerkstelligen ist: Das schwer geschützte Nuklearprogramm eines fremdes Landes muss zerstört werden. Weniger als drei Wochen bleiben zur Vorbereitung. Maverick hat nun alle Hände voll damit zu tun, die besten Absolvent*innen der vergangenen Jahre zu einem Team zu formen, damit der Einsatz nicht zum Selbstmordkommando verkommt. 

36 Jahre, nachdem "Top Gun" mit seiner actionreichen Formation an Grumman F-15 Tomcats die Kinoleinwände und die Herzen der Zuschauer mit Mach 2,2 eroberte, kommt nun, mit 2 Jahren Verspätuzng, bedingt auch hier durch die Covid-19-Pandemie, die Fortsetzung in die Kinos. In "Top Gun: Maverick", der atemlosen, Schwerkraft und Logik widersprechenden Fortsetzung, die irgendwie allen Sinn der Welt ergibt, obwohl sie mehr als drei Jahrzehnte nach dem Original des verstorbenen Tony Scott spielt, bezeichnet ein Admiral Tom Cruises Marineflieger Pete Mitchell - Rufzeichen "Maverick" - als "the fastest man alive". Eine Szene, die zum Schmunzeln einlädt und die sicher nicht ganz unabsichtlich an eine Szene in "Mission: Impossible - Rogue Nation" erinnert, als Alec Baldwins hochrangiger Alan Hunley Cruises Ethan Hunt für "die lebende Manifestation des Schicksals" hält. In keinem dieser Fälle beziehen sich Cruises Co-Stars ausschließlich auf seine fiktive Leinwandfigur. Sie sprechen auch (oder besser gesagt, in erster Linie) über das fortwährende Vermächtnis von Cruise, dem Schauspieler selbst.

Ganz realistisch betrachtet, verdient unser furchtloser und immer gut aussehender Actionheld beide Beurteilungen mit einer großzügigen Portion Applaus, denn er ist einer der kostbaren Überbleibsel echter Film-Superstars von einst, ein langsam schwindender Begriff von ikonischer Unsterblichkeit, den kein Actionstar heutzutage mehr in der Lage ist zu erreichen. In der Tat verdient Cruises beständiges Engagement für die Hollywood-One-Man-Show - zusammen mit dem irrsinnigen Maß an körperlichem Geschick, welches er unfehlbar auf den Tisch legt, indem er darauf besteht, seine Stunts selbst zu machen - den gleichen hohen Respekt, der normalerweise für die ganz und gar methodischen Typen wie Daniel Day-Lewis reserviert ist. Selbst wenn man die Tatsache übersieht, dass Cruise mit Filmen wie "Geboren am vierten Juli", "Magnolia", "Tropic Thunder" und "Collateral" einer der begabtesten und vielseitigsten dramatischen und komödiantischen Schauspieler ist, wird man nie vergessen, warum man sich einen Tom-Cruise-Film anschaut, was zu einem großen Teil seinem oben erwähnten dauerhaften Engagement zu verdanken ist. Wie viele andere bekannte Namen und Gesichter können heutzutage von sich behaupten, "ein einzigartiges Kinoerlebnis" zu garantieren und dieses auch jedes Mal zu liefern- und das noch ohn Ausnahme?

"Top Gun: Maverick" ist ein guter Adrenalinschub von Regisseur Joseph Kosinski, der seinem Hauptdarsteller erlaubt, genau das zu sein, was er ist - ein etablierter Star - und der gleichzeitig die emotionalen und dramatischen Aspekte seines Vorgängers mit einer gesunden (aber nicht übertriebenen) Dosis Nostalgie aufwertet. Nach einer Titelkarte, die erklärt, worum es sich bei "Top Gun" handelt - dieselbe, die den Zuschauer 1986 in die Welt der erstklassigen Navy-Piloten einführte -, findet man Maverick in einer Rolle am Rande der US-Marine, wo er als unerschrockener Testpilot vor der vertrauten Kulisse von Kenny Loggins' "Danger Zone" arbeitet. Es ist wenig überraschend, dass er schon bald zu einer Art One-Last-Job-Mission als Lehrer für eine Gruppe von Top-Gun-Absolventen gerufen wird. Und sein Auftrag ist genauso obskur und politisch verquer wie im ersten Film. Es gibt einen ungenannten Feind - nennen wir ihn Russland, weil es wahrscheinlich Russland ist -, einige Ziele, die zerstört werden müssen, einen Flugplan, der verrückt klingt, und einen Plan, der von allen erfolgreichen Top-Gun-Rekruten verlangt, in gefährlich niedriger Höhe zu fliegen. Aber ist es machbar?

Die Chancen stehen wie immer schlecht, wenn man sich Details der Operation - die den Fliegeranwärtern in einem an "Mission: Impossible" erinnernden Stil erklärt werden - so ansieht. Aber man darf durchaus überrascht sein, dass das menschliche Drama, das die Drehbuchautoren Ehren Kruger, Eric Warren Singer und Christopher McQuarrie nach einer Geschichte von Peter Craig und Justin Marks inszenieren, ansprechender ist als die Aussicht auf die halsbrecherische Mission. Zu den potenziellen Rekruten gehört unter anderem Leutnant Bradley "Rooster" Bradshaw (großartig: Miles Teller), der Sohn des verstorbenen "Goose", dessen Unfalltod Maverick immer noch genauso verfolgt wie jeden Fan des ersten Teils. Und als ob Roosters verständliche Abneigung gegen ihn nicht schon genug wäre (trotz Mavericks unverhohlenem Beschützerinstinkt ihm gegenüber), gibt es auch noch Skeptiker, die Mavericks Referenzen anzweifeln - Jon Hamm's Cyclone zum Beispiel kann nicht verstehen, warum Mavericks Feind, der sich in einen Freund verwandelt hat, Iceman (Val Kilmer, der mit einer zu Tränen rührenden Rolle zurückkehrt), auf ihn als Lehrer für die Mission besteht. Erschwerend kommt hinzu, dass Maverick mit Penny Benjamin (eine bezaubernde Jennifer Connelly) liiert ist. Hui-ui-ui, was für eine Verstrickung, in der man seine Nation verteidigen und eine bestimmte Art von amerikanischem Stolz zelebrieren soll...

In einer anderen Verpackung hätte dieses ganze Tohuwabohu und stolze "High-Five", welches in "Top Gun: Maverick" zu sehen ist, grenzwertig bis unerträglich sein können. Aber glücklicherweise scheint Kosinski, dessen allgemein unterbewerteter Film "Only The Brave" jetzt hoffentlich ein zweites Leben findet, genau zu wissen, welche Art von Film er abzuliefern hat. In seinen Händen hält der Ton von "Top Gun: Maverick" eine feine Balance zwischen gut gelaunter Eitelkeit und halb ernster Selbstironie, komplett mit vielen zitierfähigen Sprüchen und überraschenden, emotionalen Momenten.

In gewissem Sinne nimmt der Film Begriffe wie Freundschaft, Loyalität, Romantik und Bro'mance am ernstesten. Alles andere, was diese Begriffe umgibt - wie der patriotische Egoismus - wirkt wie ein spielerisches Augenzwinkern und eine Verschönerung, um einen Actionfilm der alten Schule zu gestalten. Und weil dieser Modus eindeutig von der gesamten Besetzung geteilt wird - von einem denkwürdigen Ed Harris, der um mehr Leinwandzeit bittet, über den immer großartigen Glen Powell als verführerisch übermütiger "Hangman", Greg Tarzan Davis als "Coyote", Jay Ellis als "Payback", Danny Ramirez als "Fanboy", Monica Barbaro als "Phoenix" und Lewis Pullman als "Bob" -, läuft "Top Gun: Maverick" voll und ganz auf der Siegergeraden. "Top Gun: Maverick" lebt zuweilen ganz von seiner mitreißenden Harmonie auf der Leinwand. Ein Beweis dafür ist die intensive, feurige Chemie zwischen Connelly und Cruise - das ist wirklich sexy - und (in einer nostalgischen Anspielung auf das Original) eine ziemlich sinnliche Strandfußballsequenz, die von Claudio Miranda mit karminroten Farbtönen und suggestiven Schatten aufgenommen wurde.

Doch auch die Actionsequenzen - all die Tiefflüge, Luftkämpfe und Cruise auf einem Motorrad in seiner originalen Top Gun-Lederjacke - sind die atemberaubenden Stars von "Top Gun: Maverick", oft untermalt von Harold Faltermeyers feierlicher Originalmusik (unterstützt durch Einschübe von Hans Zimmer und Lorne Balfe). Berichten zufolge wurden alle Flugszenen - von denen einige für Cruise die reinsten Höllenmomente sind - in echten F/A-18 der US-Marine gedreht, für die die Darsteller in einem verblüffenden Prozess ausgebildet werden mussten. Die authentische Arbeit, die in jede Einstellung eingeflossen ist, zeigt sich deutlich. Wenn die Jets die Atmosphäre durchschneiden und in rasiermesserscharfen Bewegungen über den Boden ihres Ziels streifen - alles kohärent geschnitten von Eddie Hamilton -, dann erzeugen sie damit ein Gefühl, was sich wunderbar anfühlt und der größten Leinwand würdig ist, die man überhaupt finden kann. Ebenso würdig für die große Leinwand sind die emotionalen Einschläge von "Top Gun: Maverick", die eine unerwartete Wucht entfalten. Sicher, man könnte sich auf einen weiteren Ausflug mit "Maverick" gefasst machen, aber vielleicht nicht auf einen, der am Ende ein oder zwei Taschentücher erfordert.

8,5/10

Quellen: 
Inhaltsangabe: Paramount

Mittwoch, 12. Juni 2013

Top Gun (1986)

http://www.imdb.com/title/tt0092099/

Der junge Lieutenant Pete „Maverick“ Mitchell (Tom Cruise) ist ein Kampfpilot bei der United States Navy. Bei einer heiklen Mission müssen Maverick und sein Waffensystemoffizier Nick "Goose" Bradshaw (Anthony Edwards) die Befehle ihres Kommandanten Stinger (James Tolkan) missachten, um einem Kameraden zu helfen, der eine Panikattacke bekommen hat. Dadurch werden Maverick und Goose von Stinger widerwillig für die Ausbildung bei der United States Navy Fighter Weapons School, genannt "Top Gun" vorgeschlagen. Dort liefert sich Maverick gleich eine Rivalität mit dem Flugschüler Tom "Iceman" Kazanski (Val Kilmer). Außerdem bekommt er durch seine rücksichtslose Flugweise Probleme. Er gewinnt zwar regelmäßig Flugkämpfe, z.B. gegen Ausbilder Leutnant Commander Rick "Jester" Heatherly (Michael Ironside), bricht dabei jedoch Einsatzregeln und handelt nicht gerade teamfähig.

First Of All: Mir ist es völlig schnuppe, ob hier zuviel Pathos an den Tag gelegt wird oder ob das ganze Teil allgemein als Werbefilm für Navy oder Army bewertet wird: ich mag "Top Gun" einfach. Und auch einer der wenigen Actionfilme die ich schon mehrfach gesehen habe - und jetzt sogar in 3D!

Natürlich kennt fast jeder diesen Film über das Fliegerass Maverick (Tom Cruise) der mit einem Flügelmann Goose (Anthony Edwards, vielen noch besser bekannt als Dr. Mark Greene aus "E.R.: Emergency Room"), die nach einem halsbrecherischem Manöver in die Fliegerschule Top Gun geschickt werden, um hier die Ausbildung zu Elitefliegern zu absolvieren. Und natürlich kommt dem Protagonsiten auch sein Ego in den Weg, dass er vorrangig bekämpfen muss, um der beste der besten zu werden. Dass es dabei auch Querschläger und grobe Tiefpunkte gibt ist klar - und gehört mittlerweile zu jedem 08/15-Film. Doch es ist nicht nur die stimmige Story, die genau die richtige Portion an Action und Drama hat, sondern allem voran die grandiosen Flugszenen, die nun - in 3D - noch besser rüberkommen. Und komisch - der Film wird auch bei mehrmaliger Sichtung einfach nicht langweilig, auch wenn ich mittlerweile fast jeden Satz mitsprechen kann. Die Nebendarsteller sind mit Tom Skerritt, Michael Ironside, Kelly McGillis und Val Kilmer ebenso grandios besetzt wie die beiden Hauptdarsteller. James Tolkan und Michael Ironside punkten dabei jedoch vor allem durch ihre taffe Selbstironie und spielen den Rest gnadenlos an die Wand. Regisseur Tony Scott hat diesen Film einfach toll inszeniert, daran gibt es nichts zu rütteln: er hat keine Längen, hält immer ein gewisses Niveau und ist zudem perfekt geeignet um einfach nur zuzusehen und sich zu unterhalten.

Der Soundtrack (unter anderem von Kenny Loggins) ist zudem einer der fetzigsten - nicht besten! - die ich je gehört habe, hier passt einfach jeder Titel wie der "Arsch auf den Eimer". Und was wäre "Hot Shots", wenn es "Top Gun" nie gegeben hätte? Richtig - nichts.

Die 2013er 3D-Konvertierung ist klasse, hätte ich so nicht vermutet. Und wie erhofft hält sie vor allem in den Flugszenen das was sie verspricht. Es sieht beinahe so aus, als wäre der Film schon immer in 3D gewesen und ähnlich wie bei "Titanic 3D" schaut man fasziniert in die neue dritte Dimension des Films und entdeckt so kleine Details, die einem vorher verborgen waren. Schön auch zu sehen, dass der Film nicht willenlos totgefiltert und glattgebügelt wurde, wie das häufig bei HiDef-Auswertungen der Fall ist - im Gegenteil: der Film hat einen vergleichsweise recht hohen Grain-Anteil, der sogar manches Mal überhand nimmt, aber so auch irgendwie einen beinahe dreckigen Look vermittelt. Toll.

8,5/10

Quellen: 
Inhaltsangabe: Paramount

Samstag, 30. Mai 2026

Star Wars: The Mandalorian And Grogu - The Mandalorian & Grogu (2026)

https://www.imdb.com/de/title/tt30825738/

Nach dem Sturz des Dunklen Imperiums haben sich die verbliebenen Kriegsherren in der Galaxis zerstreut. Während die aus den Trümmern errichtete Neue Republik versucht, die hart erkämpften Errungenschaften der erfolgreichen Rebellion zu bewahren, erhält sie Unterstützung von Din Djarin (Pedro Pascal), einem erfahrenen mandalorianischen Kopfgeldjäger, und seinem jungen Schützling Grogu. Die beiden bekommen den Auftrag Rotta den Hutten (Jeremy Allan White) zu retten, während die paar versprengten Warlords des zerschlagenen Imperiums weiterhin versuchen, an der neuen Ordnung zu rütteln und selbst wieder zu Macht zu gelangen.

"The Mandalorian And Grogu" ist der erste "Star Wars"-Kinofilm seit fast sieben Jahren - und er kommt nicht wie ein episches Vehikel, sondern wie eine verlängerte, aber gut inszenierte Doppelfolge der gleichnamigen Serie. Jon Favreau, der Schöpfer der Serie, führte Regie, schrieb das Drehbuch gemeinsam mit Dave Filoni und produzierte den Film - eine Kontinuität, die Fans vollends entlohnt, die aber auch die Grenzen des Projekts deutlich macht: 

Der Film ist zweigeteilt: Die erste Hälfte ähnelt einer Ansammlung von Fetch-Quests, die sich um die Verfolgung imperialer Überreste drehen; die zweite Hälfte kehrt zur Serie zurück, zu jenen Stellen, wo sie am besten war - Abenteuer, bei denen Mando und Grogu gemeinsam kämpfen und Lehren über Familie lernen. Der Film bietet explosive Action, fantastische Anspielungen, Cameos und Hommagen, gigantische Kampf-Szenen und schöne Bilder aus der "Star Wars"-Welt. Die Action-Beats kommen alle paar Minuten, damit niemand einschläft. Grogu, der eukalyptusfarbene Lehrling - zierlich, animatronisch, mit faltigem Gesicht und wackelnden Ohren - kontrastiert mit der sonstigen glatten Ästhetik. Seine ausdrucksstarken Augen und lebendigen Ohren sind voll sichtbar, und er bleibt nach wie vor entzückend charmant. Die Beziehung zwischen Mando und Grogu trägt den Film - sie kämpfen gemeinsam, lernen voneinander, und die Familien-Botschaft ist hier glaubwürdiger als in der dritten Staffel der Serie. Pedro Pascal spielt Mando mit schneller Intensität, robuster Stärke und unerschütterlichem Stoizismus, auch wenn er immer maskiert bleibt und gerade mal 5 Minuten sein Gesicht zeigen darf. Sigourney Weaver ist offenbar auf Autopilot, aber ihre Präsenz wirkt. Martin Scorsese spricht ein paar Zeilen mit story-relevanten Informationen - ein herrlicher Moment, gerade weil Scorsese 2019 noch zum Disney/MARVEL/Star Wars-Franchise sagte, dass sich solch ein Kino wie ein "Freizeitpark" anfühle und "kein echtes Kino" sei. Das macht seine Aussage im Film, als Mando seine Figur, das Ardennianer-Alien und Sandwich-Koch Hugo Durant, großzügig bezahlt ("Dafür erzähle ich euch was immer ihr wollt") besonders amüsant. Auch amüsant sind die kleinen Anspielungen und Szenen, die Favreau bewusst in den Film einbaute: Eine der markantesten Verfolgungsjagden im Film ist eine direkte Hommage an William Friedkins berühmten Crime-Klassiker von 1971: "Brennpunkt Brooklyn", eines der Gebäude  Ein Gebäude auf Shakari, welcher derb an "Blade Runner" erinnert, trägt den Namen "Weathers Apollo", eine direkte Widmung an den 2024 verstorbenen Schauspieler, der in der Serie den Greef Karga spielte. Die Arena-Kämpfe scheinen direkt aus "Gladiator" zu stammen und dass die Arena "rein zufällig" wie das Schachspiel aus "Star Wars: Epsiode IV: Eine neue Hoffnung" aussieht und dann auch noch dieselben Kreaturen auftauchen ist auch kein Zufall. Auch Jonny Coynes Darstellung des Janu ist stark von Telly Savalas selbstgefälliger, charismatischer Interpretation von Bonds größtem Widersacher Ernst Stavro Blofeld beeinflusst, und die verschneite Kulisse scheint auch die Schauplätze für den epischen Auftakt von "The Mandalorian and Grogu" inspiriert zu haben, in dem Din Djarin - genau wie James Bond in "James Bond 007: Im Geheimdienst Ihrer Majestät" - einen Berg hinabfährt, um die Welt zu retten. Nur dass Din das mit einem imperialen AT-RT tut (es ist schließlich immer noch "Star Wars"). Din Djarins Kopfgeldjäger-Gegner Embo (gesprochen von Co-Autor Dave Filoni, der auch in der Bar ein eindeutiges Cameo hat) ist ein Kyuzo, eine außerirdische Spezies, die nach dem Schwertmeister aus "Die sieben Samurai" benannt wurde, gespielt von Seiji Miyaguchi. Kurosawas Held tritt zwar würdevoller auf als der skrupellose Söldner aus "The Mandalorian And Grogu", ist aber genauso tödlich. Und vergessen wir mal nicht die Aufnahmen von X-Wings und Kampfpiloten vor dem sonnendurchfluteten Horizont. Die Bilder sind beeindruckend, was vor allem daran liegt, dass sie aus Tony Scotts Blockbuster "Top Gun" von 1986 stammen. 

Und dies sind Punkte, die einem Filmfan das Herz höher schlagen lassen. Klar, "The Mandalorian And Grogu" fühlt sich immer noch sehr wie zwei verlängerte Episoden der Serie an, die an einem Punkt zusammengenäht wurden. Die erste Hälfte ist intermittierend unterhaltsam, aber auch irgendwie mühsam. Trotz gestochen scharfer Aufnahmen wirkt das Bild zu dunkel und zu schlammig. Action-Sequenzen sind fast verdeckt, einzelne Beats schwer zu entziffern. Der Film ist zudem sehr laut - ich habe noch nie so extravagante Blaster-Geschosse gehört. Es toppt nicht die seismische Bombe, die Jango Fett in "Star Wars Episode II: Angriff der Klonkrieger" zündet, doch es rummst ordentlich. Und apropos rummst: Der Score von Ludwig Göransson ist der eigentliche Star des Films. Elektronische Klänge, vermischt mit klassischen Tönen - das passt wunderbar und bleibt im Ohr. Das Ergebnis ist damit kaum langweilig, aber nicht so begeisternd, wie Favreau, Filoni und Noah Kloor vielleicht beabsichtigt hatten. Man kann nur noch einmal betonen: Es wirkt alles oft weniger als ein Film, als eine verlängerte Folge der Serie. Doch alldem zum Trotz fühlt sich "The Mandalorian And Grogu" auch sehr richtig an. Er ist ein charmantes "Star Wars"-Kino-Comeback nach fast sieben Jahren. Er bietet explosive Action, eine Prise Humor, Emotionen und Abenteuer - und er ist wirklich spaßig trotz kleinerer Mängel, Logiklöcher (die sogar Kindern auffallen) und Ungereimtheiten. Doch er spielt wie eine mittelbeste Doppelfolge der Serie, und ich bin nicht sicher, ob er der begeisternde Hit ist, den Disney braucht, um das Kinoerlebnis für das "Star Wars"-Franchise wiederzubeleben. Viele werden den Kinobesuch vermeiden und auf den Stream warten. Bei Kindern, für die dieser Film eindeutig gemacht ist, wird er wahrscheinlich sehr gut ankommen - und für eine Generation, die noch nicht die Freude von "Star Wars" auf der großen Leinwand erlebt hat, ist er wahrscheinlich gut genug - ein unterhaltsamer, actionreicher Weltraum-Western, der nicht den Sprung zum echten Kinofilm schafft. Er ist gut genug für eine neue Generation - aber vielleicht nicht der alles-begeisternde Hit, den Disney oder das "Star Wars"-Franchise braucht.

7/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Disney/Lucasfilm