Freitag, 6. November 2015

Spectre - James Bond 007: Spectre (2015)

http://www.imdb.com/title/tt2379713/

Geheimdienst-Chef M (Ralph Fiennes) gerät unter Druck. Max Denbigh (Andrew Scott), der neue Leiter des Centre for National Security, zweifelt an der Relevanz des MI6 – und an der des besten Mannes im Hause: James Bond (Daniel Craig). 007 ist gerade wieder auf einer nicht genehmigten Solo-Mission unterwegs, in Mexiko City, nachdem er eine kryptische Nachricht aus seiner Vergangenheit erhielt. Danach trifft er in Rom Lucia Sciarra (Monica Bellucci), die hübsche, eiskalte Witwe eines berühmten Kriminellen, mit deren Hilfe er einer finsteren Geheimorganisation namens "Spectre" auf die Spur kommt. Bond bittet Moneypenny (Naomie Harris) und den Technikexperten Q (Ben Wishaw), ihm dabei zu helfen, die Tochter seines alten Erzfeindes Mr. White (Jesper Christensen) aufzuspüren: die Ärztin Madeleine Swann (Léa Seydoux). Nur sie hat die entscheidende Information, das Mysterium hinter Spectre zu lüften und den mysteriösen Mann (Christoph Waltz) dingfest zu machen, der an der Spitze steht…

Zugegeben - nach dem grandiosen "Skyfall" war es tatsächlich sehr schwer für Regisseur Sam Mendes noch einen weiteren bombastischen Craig-Bond-Streifen abzuliefern. Doch "Spectre", der mittlerweile vierte Ausflug von Daniel Craig als Doppelnull-Agent im Geheimdienst ihrer Majestät vereint tatsächlich als erster der neuen Reihe alle klassischen Elemente eines Agentenfilms. Dazu gehören abwechslungsreiche Schauplätze, ein überlebensgroßer Superschurke, dessen physisch beeindruckender Handlanger und eine Geheimbasis am Ende der Welt, ein ansprechendes Bondgirl, beachtlich viel trockener Humor, M plus Q plus Moneypenny, technische Spielerein inklusive einem schicken Auto und natürlich ein Schuss britischer Humor. Dies alles versprüht massenhaft Retro-Charme, während die Action zeitgemäß-furios inszeniert bleibt.

Nach einer wirklich perfekten Anfangs-Sequenz beim "Tag der Toten" in Mexico, die wirkt, als wäre sie aus einem Guss, verflacht "Spectre" aber leider zunehmend aufgrund eines etwas zu holprigen Drehbuchs, welches einmal zu oft den einfachen Ausweg (Die Uhr, wirklich?) wählt, hanebüchener Vergangenheits-Erklärung bzw. -Umdeutung, einem etwas stereotyp aufspielenden Christoph Waltz, der seine gewohnte Dauerrolle mittlerweile im Schlaf spielen und deshalb den Film nicht zu einem Meisterwerk erheben kann, da er auch kaum für Überraschungsmomente sorgt. Dazu kommt ein teilweise ziemlich gelangweilt wirkender Daniel Craig. Die beiden Damen sind dafür gut: Léa Seydoux ist als neues Bondgirl vielleicht kein Supermodel, dafür aber wirklich überzeugend in ihrer Rolle und Naomie Harris ist immer noch eine wirkliche Bereichung in ihrer Rolle als Moneypenny. Lediglich Monica Bellucci war verschenkt. Ralph Fiennes ist ja eigentlich in jeder Rolle top, so auch hier - und Ben Whishaw als Q war wirklich toll, bekam etwas mehr Screentime und konnte so sein Talent unter Beweis stellen - in "Spectre" wirkt er allerdings immer noch etwas unterfordert.

Insgesamt wirkt die ganze Besetzung aber auch zufrieden damit, dass hier alles lediglich bessere solide Kost ist. Den Drang verspüren, einfach etwas mehr geben zu wollen, schimmert nur sehr selten durch. Leider nimmt der Trailer darüber hinaus auch noch viele Handlungsstränge vorweg und lässt den Zuschauer so den Lauf der Handlung in gewisser Weise vorausahnen - schade, denn bei zweieinhalb Stunden Laufzeit hätte man sich dann doch deutlich mehr erhofft. Nicht, dass etwa Langeweile aufkommt - der Film verfliegt geradezu - aber trotzdem fehlt das gewisse Etwas, was einen nach dem Kinobesuch völlig zufrieden aus dem Saal kommen lässt. Was den Mythos James Bond ausmacht ist nämlich  seine Verwundbarkeit, bedingt durch Arroganz oder das gute Herz, er ist seinen Gegnern gleichzeitig einen Schritt voraus und einen hintendran, und hat im Zweifelsfall immer die nötige Portion Glück. Der Inbegriff dessen was ein jeder Mann träumt. Die Couchlandung zu Beginn stellt ebendies unter Beweis und zeigt, dass zwischen einem gelungenen One-Liner und unpassendem Slapstick ein deutlicher Unterschied besteht.

Diese Zwiespältigkeit zieht sich durch die ganze Story. Es ist das alte Dilemma und dieser Teil tut sich damit etwas schwerer als seine direkten Vorgänger, er will sich nicht recht entscheiden, ob er "Bourne" oder "Mission: Impossible" sein will. Entsprechend reicht ein Superschurke alleine nicht mehr als Bedrohung aus, in moderner Manier muss das ganze System hinterfragt werden. Nötig hätte ein Franchise wie das des Doppelnull-Agenten das natürlich kaum, aber um etwas wirklich Beeindruckendes zu erschaffen fehlt es hier merklich an Mut. Was schade ist, denn die Rezeptur funktioniert nach wie vor. Nur der Ton, welchen der starke Trailer anschlägt, wird nicht recht getroffen.

7,5/10

Von TWENTIETH CENTURY FOX kam der Film im limitierten Ultra-HD Blu-ray/Blu-ray Steelbook:


Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: MGM

Donnerstag, 5. November 2015

The Breakfast Club - Der Frühstücksclub (1985)

http://www.imdb.com/title/tt0088847/

Der Musterchüler Brian Johnson (Anthony Michael Hall), der athletische Andrew Clark (Emilio Estevez), die gut betuchte Claire Standish (Molly Ringwald), der Raufbold John Bender (Judd Nelson) und die typische Außenseiterin Allison Reynolds (Ally Sheedy) müssen gemeinsam an einem Samstagmorgen in der Schulbibliothek nachsitzen. Ihre Aufgabe ist es, einen Aufsatz über ihre Persönlichkeit zu schreiben. Unter der Aufsicht des unsouveränen Lehrers Richard Vernon (Paul Gleason) entwickelt sich zwischen den unterschiedlichen Jugendlichen ein dynamischer Prozess, in dessen Verlauf sie erkennen, dass sie zwar individuelle Persönlichkeiten sind, aber auch viele Gemeinsamkeiten haben. Die klaren Grenzen zwischen den einzelnen Schülern weichen zugunsten eines komplexeren Bildes auf, das Raum für eine differenzierte Betrachtung jenseits simpler Klischees lässt...

"The Breakfast Club" punktet vor allem mit Nostalgiebonus und seiner Message, beeindruckt durch seinen Minimalismus. Vielleicht ist gerade heute wichtiger denn je, dass Vorurteile überwunden werden und das Miteinander in der Vordergrund tritt. In diesem Fall hat der Film auch nichts an seiner Aktualität verloren und spiegelt immer noch einen Teil der heutigen Schülerschaft wieder, die von Außenseitern, Sportskanonen, Nerds, Wichtigtuern, Clowns und Mauerblümchen geprägt ist und stets heterogen in Grüppchen auftritt. An dieser Stelle versucht es der Film erst gar nicht mit unterschwelligen Botschaften aufzuwarten, sondern knallt es seinen Zuschauern vor den Kopf. Er verlangt kein bloßes Nicken, sondern ein Hinterfragen, eine Selbstreflexion und ein Verständnis anderen gegenüber.

Sinnbildhaft dafür ist wohl die Gesprächsrunde gegen Ende des Films, die mit zeitloser Relevanz den Status dieses Klassikers erst so richtig untermauert. Wenn die vordergründigen Charakter-Klischees der einzelnen Teenager aufgebrochen werden, die Masken langsam fallen und Regisseur John Hughes durch die einfühlsame Dekonstruktion seiner anfangs aufgebauten Stereotypen zum vielschichtigen Kern der jungen Erwachsenen durchdringt. Ab dem zeitpunkt wird das wahre Talent dieses Regisseurs erst so richtig offenbart, dem es nun auch gelingt, weit über bloße Unterhaltung hinaus einen differenzierten, aufmerksamen Blick für die wahren Gefühle und Verhaltensweisen der Figuren zu zeigen. Hier werden einfache Antworten nicht einfach akzeptiert und eine schmerzvolle Selbsterkenntnis und Offenheit tritt zutage, die im Nachhinein leider etwas plakativ für ein Happy End genutzt wird.

Aber diese Mischung aus unterhaltsamen Nachempfinden und gleichzeitig einfühlsamen Verständnis für die Zielgruppe in Verbindung mit den tollen Darstellern und dem wunderbar transportierten Zeitgeist-Gefühl macht aus "The Breakfast Club" bis heute einen wirklich gelungenen Film mit verdientem Klassiker-Status, der neben anderen Meisterwerken wie "The Graduate" eine wahre Blaupause zahlreicher, nachfolgender Coming-of-Age-Generationen-Porträts wurde.

8/10

Mittwoch, 4. November 2015

The Gambler (2014)

http://www.imdb.com/title/tt2039393/

Der Literaturprofessor Jim Bennett (Mark Wahlberg) hat ein echtes Problem. Seine Spielsucht bringt ihn immer wieder in äußerst prekäre Situationen, besonders wenn man bedenkt, wem er alles Geld schuldet. Seine reiche Mutter (Jessica Lange), die ihren Sohn längst abgeschrieben hat, ist da wohl noch das geringste Problem. Viel gefährlicher dagegen ist der Gangster Neville (Michael Kenneth Williams), der sein Geld mit Nachdruck zurückfordert und für den ein Leben nichts anderes ist als ein Pfand. Das Glücksspiel hat für Bennett längst die Welt der Spieltische verlassen und prägt nun sein gesamtes Leben. Ganz davon abgesehen, dass er eine heikle Affäre mit einer seiner Studentinnen (Brie Larson) hat, begibt er sich bald auf illegales und riskantes Terrain, um die zwielichtigen Persönlichkeiten, mit denen er sich eingelassen hat, auszutricksen. Das erregt schließlich auch die Aufmerksamkeit des Kredithais Frank (John Goodman), der ein fast schon väterliches Interesse an Bennetts Zukunft hegt. Doch inwieweit kann Bennett ihm wirklich trauen?

Ein Film für Melancholiker. Völlig gedankenverloren verweilt Jim Bennett (mal ganz anders und sehr gut: Mark Wahlberg) immer wieder für einen Augenblick. Man weiß nicht genau, ob er sich selbst und sein Leben reflektiert oder ganz entgegen der ursprünglichen Annahme einfach nur Leerlauf im Kopf hat. Wie seine Studentin Amy Philipps (grandios und irgendwie faszinierend: Brie Larson) irgendwann im Verlaufe zu ihm sagt: "Du bist einer dieser Menschen, die ohne Probleme geboren wurden, sich dann aber alle möglichen von selbst anschaffen."

Jim nimmt vielleicht nur ein einziges Mal die falsche Abzweigung; schon ist alles dahin. Er ist gefangen im leidigen Strudel des Versagens. Aber vielleicht immer noch ein Lächeln auf den Lippen. Sieht er denn glücklich aus? Das Leben besteht nicht nur aus materiellen Werten. Ständige Selbstreflexion führt zu unsäglichem Leid. Da kann man ein Lied von singen. Aber nicht zu laut, das weckt die anderen auf. Es geht also ruhig und bedächtig zu in "The Gambler". Ganz anders als vermutet, als vom Trailer suggeriert, handelt es sich hierbei nicht um einen coolen Zockerthriller, es ist vielmehr ein melancholisches Psychogramm eines Menschen, der die wohl bestmögliche Ausgangssituation, die man heutzutage immer noch haben kann in den Wind schießt und sich lieber den Fragen des Existenzialismus stellt.


Fast schon beneidenswert. Auch wenn man fast überwiegend mit einem aufkeimenden  Fragezeichen auf der Stirn dasitzt, funktioniert die Geschichte wunderbar - wenn man sich denn darauf einlässt. Aber genau deshalb muss man vielleicht ähnlich veranlagt sein und in etwa verstehen (eventuell gar nachvollziehen) können, weshalb Jim sich so verhält und so handelt. Denn das ist manchmal ganz und gar unlogisch (wenn man mal stark vom westlichen Handlungsfeld ausgeht), aber bei näherer Betrachtung doch absurd-sympathisch. Ein Mann in der Identitätskrise seines Selbst, aber auch stellvertretend für eine ganze Gesellschaft, für die ganze Menschheit. Hier wird gar nicht mal mehr die Frage nach einem Sinn des Lebens gestellt. Diese Überlegungen sind mittlerweile doch obsolet geworden. Passend dazu - und zu weitaus mehr noch - ist dann des Protagonisten Umgang mit Geld.

Allerdings haben Charakterrollen für mögliche Oscar-Nominierungen offensichtlich seit einigen Jahren bei männlichen Schauspielern einen Magerwahn ausgelöst. Nach Christian Bale, Matthew McConaughey oder Jake Gyllenhaal hat es nun auch Mark Wahlberg erwischt, der noch in Filmen wie "The Fighter" auf seinen stählernen Körper angewiesen war. Für "The Gambler" hat er angeblich 27 Kilo abgespeckt, weswegen John Goodman nur mit dem Kopf schütteln sollte. An so eine Magerkur würde das Schwergewicht wohl nicht mal im Traum denken. Goodman weiß auch trotz oder dank seiner Leibesfülle wieder zu überzeugen und hat mit seiner Erklärung des "Fuck You-Status" einen richtig genialen Moment. Auch Jessica Lange spielt die Rolle der verbitterten Mutter verdammt gut. Ihr von Botox entstelltes Gesicht ist allerdings ein Grauen. "The Gambler" überzeugt davon abgesehen aber nicht nur schauspielerisch. Obwohl eine Straffung dem Film gut getan hätte, harmonieren vor allem die sehr ausdruckstarken Bilder perfekt mit dem richtig guten Soundtrack und schaffen somit eine ganz besondere Atmosphäre, die von Beginn an in den Bann zu ziehen weiß.

7,5/10

Exklusiv bei Saturn gab es den Film im Steelbook. Mit einem schlichten, aber schönem Innendruck und einem passenden und dazu glanzlackierten Äusseren...

[COLLECTION] Iron Man Mark 42 (Quarter Scale Maquette) (Exclusive Edition) (Iron Man 3)

http://www.sideshow.com/

Der Meister aller Klassen, Sideshow Collectibles, hat sich mit langjährigen Mitarbeitern von "Legacy Effects Studio", die unter anderem für die Special Effects in allen drei "Iron Man"-Filmen verantwortlich sind, zusammengetan, um zwei ultimative Sammlerstücke zu entwickeln.


Die über 50 Zentimeter hohe Statue steht auf einer thematisch passenden Basis, bereit lozuschlagen! Dieses Leinwand-geprüfte Original besticht durch Detailtreue und Genauigkeit und kommtmit einem maskierten und einem unmaskierten Portait, welches eine unglaubliche Ähnlichkeit zum titelgebenden Helden, Robert Downey jr. aufweist. Mit einem Hochglanz-Lackauftrag und punktgenauen Lichteffekten auf der Brust, den Augen und den Händen hält dies Statue jedes noch so winzige Detail der berühmten "Iron Man"-Figur fest.

 

Sonntag, 1. November 2015

Stretch (2014)

http://www.imdb.com/title/tt2494280/

Limo-Fahrer Stretch (Patrick Wilson) hat sich ganz schön was eingebrockt: Er hat Spielschulden in Höhe von 6000 Dollar gemacht und soll diese nun innerhalb von 24 Stunden begleichen. Andernfalls könnte es für ihn reichlich ungemütlich werden. Um das nötige Geld innerhalb der geforderten Zeit aufzutreiben, nimmt er einen brisanten Auftrag an. Denn sein mysteriöser, sehr exzentrischer Klient ist ein Millionär (James Badge Dale), der sowohl für seltsame Sonderwünsche und einen ausschweifenden Lebensstil bekannt ist, was auch großzügiges Trinkgeld einschließt. Doch die Begegnung mit dem Millionär soll nicht die einzige Merkwürdigkeit dieser Nacht bleiben, denn je später der Abend wird, desto durchgeknallter werden die Gestalten, auf die er an jeder Ecke trifft.

"Stretch" ist einer dieser Filme, die wirken, als kämen sie zehn bis fünfzehn Jahre zu spät und wären besser in der Ära Ende der 90er oder Anfang der 2000er aufgehoben, in welcher eine selbstironische Gangster-Komödie nach der anderen produziert wurde. Zwischen einigen zu flach geratenen, nicht wirklich zündenden Gags, mal mehr, mal weniger plump eingestreuten Cameo-Auftritten und einer sehr simpel gestrickten Handlung kommt sie aber auch hier immer wieder zum Vorschein, die liebenswerte Seite von Regisseur Joe Carnahan. Er bringt in seinem wirklich straff durchgezogenen Tempo letztlich doch einige irrwitzige Ideen unter, in denen das ungezügelte Chaos regiert, bei dem Carnahan an sympathische Eskapaden seiner "Smoking Aces"-Zeiten anknüpft. Der rockig-elektronische Soundtrack passt hervorragend und ebenfalls passend sind die Schauspielleistungen, bei denen die Darsteller mit sichtlicher Freude aufdrehen (Patrick Wilson und Chris Pine sind so unterhaltsam wie lange nicht mehr). Zusammen mit der handwerklich überzeugenden Inszenierung wird aus "Stretch" so ein kurzweiliges Sehvergnügen, bei dem der Spaß an der überdrehten Situationskomik und den spritzigen Performances schließlich so manche negative Aspekte glättet. Originell geht anders, doch Carnahan zieht sein Ding mit Herzblut durch und das gefällt.

6,5/10

Saving Private Ryan - Der Soldat James Ryan (1998)

http://www.imdb.com/title/tt0120815/
https://letterboxd.com/film/saving-private-ryan/

6. Juni 1944. Amerikanische Soldaten landen in "Omaha Beach", wie das Operationsgebiet in der Normandie genannt wurde. Eine Gruppe von acht Soldaten, die den Sturm auf die Küste überlebt, erhält den Auftrag den Fallschirmjäger James Ryan (Matt Damon), dessen drei Brüder bereits im Krieg gefallen sind und der selbst als vermisst gilt, ausfindig zu machen und nach Hause zu schicken. Während die Soldaten unter dem Kommando von Captain John Miller (Tom Hanks) immer tiefer in feindliches Gebiet eindringen, stellen sie sich allmählich die Frage, warum sie sich in Lebensgefahr bringen sollen, um einen einzelnen Mann zu retten. Umgeben von der brutalen Realität des Krieges und zermürbt von den Auseinandersetzungen innerhalb der Truppe, durchlebt die Einheit, von Desertion und Feigheit bis hin zu Heldentum und Selbstaufopferung, alle Facetten des grausamsten und verheerendsten Konflikts der bisherigen Menschheitsgeschichte.

Steven Spielberg sagte einmal: "Mein Vater brachte Geschichten vom Krieg nach Hause, und er erklärte mir immer wieder, dass es nichts Glorreiches ist. Was ich in diesem Film versuchte, war, sich dem Aussehen und dem Klang und sogar dem Geruch des Kampfes, wie er wirklich ist, zu entsprechen."

Die Ladeluken der Landungsboote öffnen sich. Ein Kugelhagel aus deutschen MGs prasselt auf die Soldaten nieder. Männer kippen um wie Domino-Steine. Gestandene Soldaten lehnen Arm in Arm an Panzersperren. Ängstlich. Weinend. Gebete gen Himmel rufend. Gliedmaßen fliegen durch die Luft. Gedärme liegen verstreut am Strand herum. Das Meer ist rot, von Blut durchtränkt. Leichen, wohin man sieht. Pures Chaos. Bedrückender, markerschütternder, ja schlichtweg perfekter kann man einen Kriegsepos nicht beginnen. Mit seinem Omaha-Beach-Intro hat Regisseur Steven Spielberg Filmgeschichte geschrieben. Nie zuvor wurde Krieg erschütternder, realistischer oder glaubwürdiger inszeniert. Nie brachte ein Film den Zuschauer schon nach seinen ersten Minuten auf den harten Boden der Tatsachen. Spielbergs Bildgewalt ist gewaltig, schier unglaublich - einmal mehr unterstützt von den herausragenden Klängen eines John Williams und unglaublich authentischen Soundeffekten. Und wenn auch nicht in solcher Größe – das wäre zu viel des Guten gewesen - feuert er diese audiovisuellen Salven während der gesamten Lauflänge weiter. Immer und immer wieder.

Auch kommen viele dreistündige Verfilmungen um eine gewisse Langatmigkeit nicht herum, aber dieses fünffach Oscarprämierte Meisterwerk umgeht dieses Problem. Spielberg verknüpft eine - zugegeben - recht dünne, abenteuerlastige Story mit der rohen Brutalität des Krieges, stellt die Sinnlosigkeit der Mission, einen einzelnen Soldaten zu retten und dafür viele andere möglicherweise zu opfern, eindrucksvoll dar und zieht den Zuseher mit seiner Geschichte über brüderlichen Zusammenhalt, Sehnsucht nach der Heimat und das zerstörerische Element Krieg komplett in seinen Bann. Ein simples Drehbuch avanciert so zu einem mitreißenden Gefühls-Drama. Man fiebert regelrecht mit Cpt. Millers (Tom Hanks) Einsatztrupp um Sgt. Horvath (Tom Sizemore), Pvt. Reiben (Eward Burns), Pvt. Jackson (Barry Pepper), Pvt. Mellish (Adam Goldberg), Medic Wade und (ganz stark Giovanni Ribisi) und Cpl. Upham (Jeremy Davies) mit, jeder Treffer in deren Körper fühlt sich an wie eine eigene Kugel in der Brust.

Nicht zuletzt liegt das an dem grandiosen Cast, aus dem es neben einem wie immer meisterlichen Tom Hanks überraschenderweise auch Vin Diesel, der Private Carparso spielt, herauszuheben gilt. Zwischen den zahlreichen Gefechtsszenen nimmt sich Spielberg immer wieder Zeit, die Charaktere vorzustellen, mehr und mehr von ihnen zu enthüllen und so auch beim Zuschauer genügend Sympathie und Tiefgang zu entwickeln, der einigen (Anti-)Kriegsfilmen aufgrund ihrer nüchternen Betrachtungsweise eben fehlt. "Saving Private Ryan" ist da eben anders. Er ist mit Sicherheit aber auch einseitiger, pathetischer, subjektiver und somit nicht gerade ein Paradebeispiel für einen Anti-Kriegsfilm. Für den Anti-Amerikaner mag das ein willkommener Nährboden sein, aber man kann diese Parteiergreifung, die nie in ein klassisches "Gut-und-Böse-Schema" übergeht (denn auch Amerikaner erschießen sich Ergebene, zudem ist das Grundmotiv Heimatrückkehr und nicht Deutschenhass) durchaus als das Zünglein an der Waage sehen, welches Spielbergs Werk für zu einem hervorragendem emotionalen Drama macht.

Die Glorifizierung bzw. Heroisierung von Cpt. Miller und seinen Männern sowie der amerikanische Patriotismus reißen mit. Dass das vielen Zuschauern sauer aufstößt ist da fast klar, jedoch hätte ohne diese Glorifizierung Spielbergs Kracher vor allem gegen Ende in dieser Form einfach nicht funktioniert. Denn genau diese heroischen Momente in den Schlussszenen sind es nämlich, die spätestens bei dem Satz "I hope that, at least in your eyes, I’ve earned what all of you have done for me." jedem die Tränen in die Augen treiben, die alle Dämme brechen lassen und "Saving Private Ryan" zu einem Meisterwerk erheben. Perfekt Inszeniert und untermalt mit einem, wenn nicht dem, besten Score des Genres.

9,5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: 
DreamWorks Pictures/Paramount Pictures/Amblin Entertainment/Mutual Film Company

Burying The Ex - Weg mit der Ex (2014)

http://www.imdb.com/title/tt3339674/

Erst glaubte Max (Anton Yelchin) mit seiner Freundin Evelyn (Ashley Greene) das große Los gezogen zu haben, doch mit der Zeit entpuppt sie sich als ziemlich kontrollsüchtig und seine Zweifel an der Kompabilität mit seiner Herzensdame werden immer lauter. Als er dann auch noch Olivia (Alexandra Daddario) kennenlernt, die nicht nur heiß ist, sondern deren Herz wie seines für Horrorkram schlägt, fasst er den Entschluss, endgültig einen Schlussstrich unter die Beziehung zu setzen. Doch ehe er diesen in die Tat umsetzen kann, kommt Evelyn bei einem bizarren Unfall ums Leben. Aber der Spuk ist damit nicht etwa zu Ende, denn kurze Zeit später steht seine untote Freundin wieder vor seiner Tür und ist noch obsessiver und anstrengender, als sie es schon zu Lebzeiten war. Sie ist zurückgekehrt, um ihn an das Versprechen zu erinnern, das sie sich gegeben haben: Nämlich, dass ihre Liebe für immer halten soll.

In "Weg mit der Ex" betrachtet man - wenn man so will geradlinig und eindimensional ein Beziehungsszenario, in dem der liebenswerte Max (Anton Yelchin) mit seiner naiv-exzentrischen Freundin (Ashley Greene) konfrontiert wird, bei der man sich erstens fragt, wie die beiden eigentlich zusammengekommen sind und sie zweitens am liebsten für ihre nervtötende, verabscheuungswürdige Art eigenhändig köpfen möchte. In der Beziehung der beiden herrscht nicht nur ein emotionales Ungleichgewicht, nein, der männliche Part möchte einfach nur noch da raus. Zurück in seinen Horrorspaßladen, in dem die künstlerische Freiheit durch telefonische Instruktionen seiner permanent abwesenden Chefin unterbunden wird. Die Beziehung wird letztlich durch den ungeplanten Tod Evelyns und nicht durch die angestrebte Aussprache beendet, aber wenn dann der Ringkampf zwischen der bald widergekehrten Freundin und seiner neuen Flamme Olivia beginnt, bei dem dann endlich auch mal ein bisschen Blut spritzt, wird es endlich etwas horrorlastiger. Rückblickend scheint der Bluthebel dann trotzdem irgendwie ein bisschen geklemmt zu haben, zumindest lässt eine Horrorkomödie auf etwas mehr Gekröse hoffen, als man hier final sieht.

Und eigentlich sind auch alle Charaktere mehr oder weniger auch zu einseitig dargestellt: Evelyn will ihren Freund einfach und letztlich für die Ewigkeit an sich binden, die naive Olivia will unbedingt Max, Travis ist nur damit beschäftigt irgendwelche Frauen ins Bett zu kriegen... der einzige, der so etwas wie Tiefe bekommt ist Max. Er ist eigentlich auch der Einzige, der aus der wirklichen Welt entsprungen sein könnte und möchte nur ehrliche Liebe, verstanden werden und seinen eigenen Horrorladen eröffnen, in dem er sich ganz seiner Kreativität widmen kann. Doch dem stellen sich natürlich die bereits erwähnten Probleme in den Weg und die gilt es aus dem Weg zu räumen. Streckenweise etwas überzogen und manchmal unaufgeregt passiert das auch, doch den blutig-witzigen Horror-Trip, den man hier ob des Titels und des Genres erwarten könnte, bekommt man hier insgesamt leider nicht.

"Weg mit der Ex" ist eben nur ein nettes, kleines Filmchen, das seinen Weg konsequent geht und insgesamt eigentlich nur mit Anton Yelchin begeistert, dessen Charakter der ein oder andere sicher nachempfinden kann. Er ist in letzter Konsequenz also in der Tat eine Liebesschmonzette nach Schema, weiß aber durch die Umkehrung des Gendertypus und die charmant-ehrliche Hauptfigur doch noch zu überzeugen und ist doch noch zu empfehlen.

6,5/10