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Mittwoch, 26. August 2026

The End Of Oak Street (2026)

https://www.imdb.com/title/tt27165187/
https://letterboxd.com/film/the-end-of-oak-street/

Ein rätselhaftes kosmisches Ereignis reißt die Nachbarschaft der Familie Platt aus ihrer gewohnten Umgebung und versetzt sie an einen unbekannten Ort, an dem Dinosaurier die Landschaft beherrschen. Für Denise (Anne Hathaway), Greg (Ewan McGregor) sowie ihre Kinder Brian (Christian Convery) und Audrey (Maisy Stella) beginnt damit ein gefährlicher Überlebenskampf. In der fremden Welt lauern zahlreiche Bedrohungen, denen die Familie nur gemeinsam entgegentreten kann. Während sie nach einem Ausweg sucht und versucht, sich in der ungewohnten Umgebung zurechtzufinden, wird der Zusammenhalt der Platts immer wieder auf die Probe gestellt. Um die Herausforderungen zu meistern und einen Weg zurück nach Hause zu finden, müssen sie sich aufeinander verlassen und den Gefahren der prähistorischen Welt stellen.

David Robert Mitchell ist zurück - und er bringt Dinosaurier mit. Acht Jahre nach "Under The Silver Lake" meldet sich der Regisseur von "It Follows" mit "The End Of Oak Street" überraschend im großen Mainstream-Kino zurück. Produziert von J. J. Abrams und mit Anne Hathaway und Ewan McGregor prominent besetzt, verbindet der Film nostalgisches 80er-Jahre-Abenteuerkino mit Science-Fiction, Familiendrama und handfestem Dinosaurier-Survival. Das Ergebnis ist nicht ganz der große Klassiker, den seine ambitionierte Ausgangslage verspricht, aber ein ausgesprochen unterhaltsames und atmosphärisches Abenteuer. Was zunächst wie ein ziemlich verrückter "Jurassic Park"-Abklatsch klingt, entwickelt sich erfreulicherweise zu einer Mischung aus mehreren bekannten Spielberg- und Amblin-Motiven. Genau darin liegt zugleich die größte Stärke und Schwäche des Films. "The End Of Oak Street" liebt das Abenteuerkino der 1980er-Jahre ganz offensichtlich. Die Vorstadt, die Kinderfiguren, die Familie in einer außergewöhnlichen Situation, die Dinosaurier und die Mischung aus Spannung und Sentimentalität erinnern immer wieder an eine Zeit, in der große Genreunterhaltung noch stärker von Figuren als von Franchise-Mythologien lebte. 

Mitchell kopiert Spielberg allerdings nicht einfach. Wer "It Follows" kennt, erkennt schnell seine Handschrift wieder. Schon dort machte er vertraute amerikanische Wohngegenden zu unheimlichen Orten. Auch hier beginnt der Schrecken nicht sofort mit einem Dinosaurierangriff, sondern mit kleinen Veränderungen, die zunächst kaum einzuordnen sind. Die sommerliche Vorstadt wirkt plötzlich falsch: Die Hitze nimmt zu, Pflanzen erscheinen, wo sie nicht hingehören, und die Umgebung entwickelt eine merkwürdige Fremdartigkeit. Diese langsame Verschiebung vom Alltäglichen ins Unheimliche gehört zu den gelungensten Elementen des Films. Dabei ist die Kameraarbeit von Michael Gioulakis ein wichtiger Trumpf. Mitchell nutzt ungewöhnliche Bildkompositionen, Split-Diopter-Aufnahmen und sorgfältig aufgebaute Räume, um die vermeintliche Sicherheit der Vorstadt zu unterlaufen. Die Dinosaurier werden nicht permanent ins Bild gestellt, sondern teilweise über Geräusche, Bewegungen und die Reaktionen der Figuren angekündigt. Das erzeugt stellenweise tatsächlich Spannung, statt lediglich CGI-Spektakel abzuspulen. 


Die Dinosaurier selbst sind natürlich das große Verkaufsargument - und der Film weiß das. Glücklicherweise behandelt Mitchell sie nicht ausschließlich als digitale Attraktionen. Gerade die Begegnungen mit den Tieren besitzen häufig etwas Bedrohliches und Unberechenbares. Der Film versteht, dass ein Dinosaurier nicht unbedingt permanent brüllen und Menschen jagen muss, um beeindruckend zu sein. Ein Schatten, ein Geräusch oder ein plötzlich auftauchender Kopf können bereits reichen. Hier unterscheidet sich "The End Of Oak Street" wohltuend von manchen neueren "Jurassic World"-Filmen, deren Dinosaurier zunehmend wie austauschbare Actionmonster behandelt wurden. Doch letztlich geht es gar nicht hauptsächlich um Dinosaurier. Der eigentliche Kern des Films ist die Familie Platt. Anne Hathaway und Ewan McGregor spielen zwei Menschen, deren Ehe bereits vor der Katastrophe Risse zeigt. Die außergewöhnliche Situation zwingt sie, alte Konflikte beiseitezuschieben und sich wieder aufeinander zu verlassen. Hathaway verleiht Denise dabei eine bemerkenswerte Mischung aus Verletzlichkeit und Entschlossenheit. McGregor wiederum spielt Greg weniger als klassischen Actionhelden denn als Vater, der verzweifelt versucht, seine Familie zusammenzuhalten. Auch Maisy Stella und Christian Convery funktionieren überzeugend als Kinderfiguren, ohne dass der Film sie zu den üblichen nervigen Teenagerklischees degradiert. Gerade Audrey und Brian tragen einen Teil des emotionalen Gewichts der Geschichte. 

Das Drehbuch hat allerdings eine gewisse Unentschlossenheit. "The End Of Oak Street" möchte gleichzeitig Familienfilm, Dinosaurierabenteuer, Mystery, Science-Fiction-Thriller und nostalgischer 80er-Jahre-Film sein. Die Mischung funktioniert erstaunlich oft, aber nicht immer harmonisch. Manche Ideen werden eingeführt, ohne später ausreichend vertieft zu werden. Andere wirken wie Überbleibsel aus einem völlig anderen Film. Gerade hier liegt der Abstand zu den großen Vorbildern. Spielberg konnte in "E.T.", "Jurassic Park" oder "Vergessene Welt. Jrassic Park" Abenteuer, Humor, Familiengeschichte und Spektakel miteinander verbinden, ohne dass die einzelnen Bestandteile wie separate Filme wirkten. Mitchell kommt diesem Gleichgewicht nahe, erreicht es aber nicht vollständig. Auch die nostalgische Ebene kann gelegentlich etwas zu offensichtlich wirken. 80er-Jahre-Ästhetik ist inzwischen selbst zum Genre geworden. "The End Of Oak Street" bemüht sich zwar, nicht ständig mit dem Ellenbogen darauf hinzuweisen, dass es ein 80er-Film sein möchte, doch die Referenzen auf das klassische Amblin-Kino sind unübersehbar. Das funktioniert für Zuschauer, die diese Art von Abenteuer lieben, ausgesprochen gut - kann aber auch den Eindruck erwecken, dass Mitchell eher mit Erinnerungen an bessere Filme arbeitet als mit einer völlig eigenen Filmsprache.

Zum Glück besitzt der Film genügend eigene Qualitäten, um nicht ausschließlich von Nostalgie abhängig zu sein. Besonders die familiäre Dynamik gibt dem Abenteuer eine emotionale Grundlage. Die Dinosaurier sind die äußere Bedrohung; die persönlichen Konflikte der Platts bilden die innere. Das ist klassisches Abenteuerkino, aber Mitchell erzählt es mit einem leicht düsteren Unterton, der immer wieder an seine Horrorfilme erinnert. Auch Michael Giacchinos Musik trägt entscheidend zur Atmosphäre bei. Sie darf groß und orchestral werden, ohne jede Szene mit emotionalem Zuckerguss zu überziehen. In Verbindung mit Gioulakis' Bildern entsteht so ein Film, der tatsächlich nach großem Kino verlangt. Bemerkenswert ist außerdem, dass Mitchell nach acht Jahren Pause einen deutlich zugänglicheren Film vorlegt, ohne seine eigene Identität vollständig aufzugeben. "It Follows" war ein minimalistischer Horrorfilm, "Under The Silver Lake" ein verschrobener Neo-Noir. "The End Of Oak Street" ist dagegen eindeutig auf ein größeres Publikum zugeschnitten. Trotzdem bleibt Mitchells Interesse an fremd gewordenen vertrauten Räumen erhalten. Die Vorstadt ist bei ihm erneut kein sicherer Ort - nur diesmal stehen hinter dem Gartenzaun keine unsichtbaren übernatürlichen Verfolger, sondern Dinosaurier.


Die Schwächen liegen vor allem in der Dramaturgie. Nicht jede Szene besitzt das gleiche Gewicht, und der Film hätte an einigen Stellen durchaus straffer erzählt werden können. Einige Wendungen sind vorhersehbar, und wer einen besonders tiefgründigen Science-Fiction-Film erwartet, wird von der relativ simplen Mythologie enttäuscht sein. Trotzdem überwiegt am Ende der positive Eindruck. "The End Of Oak Street" ist kein "Jurassic Park", und er möchte es vermutlich auch gar nicht sein. Er ist vielmehr ein liebevoller, manchmal düsterer Rückblick auf eine Form des Abenteuerkinos, die heute seltener geworden ist: eine Geschichte über eine Familie, die in einer unmöglichen Situation zusammenfinden muss - mit Dinosauriern als ziemlich überzeugendem Argument für familiären Zusammenhalt.

"The End Of Oak Street" verbindet 80er-Jahre-Nostalgie, Science-Fiction, Familiendrama und Dinosaurierabenteuer zu einem unterhaltsamen Gesamtpaket. Anne Hathaway und Ewan McGregor geben dem Spektakel eine glaubwürdige emotionale Grundlage, die jungen Darsteller überzeugen, und David Robert Mitchell findet immer wieder Bilder, die deutlich mehr Atmosphäre besitzen als ein gewöhnlicher Blockbuster. Gleichzeitig ist der Film erzählerisch nicht ganz so mutig wie seine Prämisse und kann sich von seinen Spielberg- und "Jurassic Park"-Vorbildern nie vollständig lösen. Wer großes, klassisch erzähltes Abenteuerkino vermisst, dürfte hier dennoch auf seine Kosten kommen. "The End Of Oak Street" ist vielleicht nicht das Meisterwerk, das aus dieser verrückten Ausgangsidee hätte entstehen können - aber ein sympathischer, spannender und visuell starker Sommerfilm, der seine Dinosaurier ernst genug nimmt, um tatsächlich Spaß zu machen.

7/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkWarner Bros. Pictures/Domain Entertainment/Bad Robot/Jackson Pictures

Sonntag, 5. Juli 2026

Westworld (1973)

https://www.imdb.com/title/tt0070909/
https://letterboxd.com/film/westworld/

Im Freizeitpark der Zukunft kann jeder den Helden spielen! Ob Cowboy, Ritter oder römischer Herrscher - der Fantasie sind kaum Grenzen gesetzt. Die Gegner und Statisten sind allesamt Androiden, die "verletzt" oder gar "getötet" werden können, während den Menschen durch eine spezielle Sensorik in den Waffen nichts geschehen kann. Peter Martin (Richard Benjamin) und John Blane (James Brolin) beschließen den Wilden Westen unsicher zu machen. Durch einen Systemfehler geraten die Androiden außer Kontrolle und die Sicherheitsprotokolle für die Waffen werden aufgehoben. Aus dem Spiel wird plötzlich tödlicher Ernst. Der mechanische Revolverheld (Yul Brynner), den Peter bereits zweimal im Duell geschlagen hat, macht sich - gemäß seiner Programmierung - auf die Suche nach seinem Gegner, um Rache für die Niederlage zu nehmen...

Lange bevor Michael Crichton mit "Jurassic Park" ein weltweites Phänomen erschuf, beschäftigte ihn bereits eine Frage, die bis heute nichts von ihrer Faszination verloren hat: Was passiert, wenn Technologie versagt und die Kontrolle über künstlich erschaffene Welten verloren geht? Die Antwort lieferte er 1973 mit "Westworld", einem Science-Fiction-Thriller, der nicht nur als Regiedebüt Crichtons beeindruckte, sondern auch den Grundstein für zahlreiche spätere Filme und Serien legte. Aus heutiger Sicht wirkt manches technisch überholt, doch die Ideen hinter dem Film sind erstaunlich modern geblieben. Was "Westworld" auch mehr als fünf Jahrzehnte nach seiner Veröffentlichung so interessant macht, ist die enorme Weitsicht seiner Grundidee. Themen wie künstliche Intelligenz, Automatisierung und die Gefahren technologischer Abhängigkeit wirken heute aktueller denn je. Besonders eindrucksvoll bleibt die Figur des namenlosen Revolvermannes, gespielt von Yul Brynner. Mit seinem schwarzen Outfit und seinem emotionslosen Blick wird er schnell zur eigentlichen Hauptattraktion des Films. Anfangs dient er lediglich als Attraktion für die Besucher, doch sobald die Systeme versagen, entwickelt er sich zu einer unaufhaltsamen Bedrohung. Seine stoische Präsenz verleiht dem Film eine Spannung, die bis heute hervorragend funktioniert. 

Dabei nimmt sich "Westworld" zunächst überraschend viel Zeit für den Aufbau seiner Welt. Crichton interessiert sich sichtbar für die Möglichkeiten seines futuristischen Freizeitparks. Die ersten Szenen wirken fast wie eine Werbebroschüre für Delos und laden den Zuschauer dazu ein, sich selbst vorzustellen, wie es wäre, in eine perfekt simulierte Vergangenheit einzutauchen. Diese ausführliche Einführung verleiht der späteren Eskalation zusätzliches Gewicht. Gleichzeitig sorgt sie jedoch dafür, dass der Film im ersten Drittel etwas gemächlicher wirkt. Sobald die Katastrophe beginnt, entwickelt sich "Westworld" jedoch zu einem spannenden Verfolgungsthriller. Die zweite Hälfte lebt vor allem von der simplen, aber effektiven Idee eines Gegners, der niemals müde wird, niemals aufgibt und immer näher kommt. Die Spannung entsteht weniger durch Action als durch die stetig wachsende Ausweglosigkeit der Situation. In dieser Hinsicht funktioniert der Film auch heute noch erstaunlich gut. 

Natürlich merkt man dem Film sein Alter an. Die Figuren bleiben teilweise recht oberflächlich, und einige Dialoge wirken aus heutiger Sicht etwas hölzern. Auch die Spezialeffekte besitzen nicht mehr dieselbe Wirkung wie in den 1970er-Jahren. Gleichzeitig liegt darin aber auch ein gewisser Charme. Besonders interessant ist, dass "Westworld" zu den ersten Filmen gehörte, die digitale Bildbearbeitung einsetzten - ein kleiner technischer Meilenstein, dessen Bedeutung oft übersehen wird. Letztlich bleibt "Westworld" ein faszinierender Science-Fiction-Klassiker, dessen Einfluss auf das Genre kaum überschätzt werden kann. Viele seiner Konzepte wurden später von anderen Filmen und Serien weiterentwickelt, doch die ursprüngliche Vision besitzt bis heute ihren ganz eigenen Reiz.

7/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Metro-Goldwyn-Mayer

Sonntag, 22. Februar 2026

Cold Storage (2026)

https://www.imdb.com/de/title/tt8879928/

Teacake (Joe Keery) und Naomi (Georgina Campbell), zwei junge Angestellte eines Selfstorage-Unternehmens auf dem Gelände eines ehemaligen US-Militärstützpunkts, erleben ihre turbulenteste Nachtschicht, als ein parasitärer Pilz aus der versiegelten untersten Ebene ausbricht, wo er vor Jahrzehnten von der Regierung eingeschlossen wurde. Mit steigender Temperatur im Untergrund vermehrt sich der hoch ansteckende, schnell mutierende Mikroorganismus und entfesselt seinen gehirnkontrollierenden, körperzerstörenden Schrecken auf Menschen und andere Lebewesen. Gemeinsam mit einem ergrauten, pensionierten Bioterror-Agenten versuchen Teacake und Naomi, die Bedrohung einzudämmen und das drohende Aussterben der Menschheit zu verhindern.

"Cold Storage" ist ein Film, der genau weiß, was für ein Publikum er bedienen möchte, sodass er sich gar nicht erst mit Zwischentönen aufhält: Er ist Horror-Komödie, Seuchenthriller und Buddy-Movie in einem - und meistens funktioniert dieser Eigenbau besser, als man erwarten dürfte. Die Ausgangslage könnte direkt aus einem vergessenen 90er-Videothekenregal stammen: In den 1980ern wird in einem australischen Nest ein parasitärer Pilz entdeckt, der ganze Körper übernimmt, aufbläht und platzen lässt - ein winziger, schleimiger Weltuntergang, den ein Bioterror-Spezialist der Regierung in einem unterirdischen Bunker einfriert. Jahrzehnte später ist dieser Bunker längst zur Basis eines Self‑Storage-Unternehmens umfunktioniert worden, der militärische Vorbau zur banalsten Form der Spätkapitalismus-Architektur: Abstellräume für das, was keiner mehr sehen will. Hier arbeiten Teacake (Joe Keery) und Naomi (Georgina Campbell), zwei Nachtkräfte, die eher mit Kleinkram und Kundenproblemen rechnen als mit der Apokalypse; doch als steigende Temperaturen das Tiefkühlgefängnis des Pilzes destabilisieren, bahnt sich das Organismus seinen Weg nach oben. In dem Moment, in dem die ersten Infektionen auftreten, betritt auch der gealterte Spezialist aus der Vergangenheit die Bühne - ein wettergegerbter Bioterror-Operative, der ganz genau weiß, was hier auf dem Spiel steht.

Regisseur Jonny Campbell findet rasch einen Ton, der an "Tremors" erinnert: ein Horror-Szenario, das nur knapp neben der Farce vorbeischrammt, sich aber nie ganz der Parodie hingibt. Das Prolog-Kapitel im australischen Outback setzt diesen Akzent: groteske Tode, ein Hauch Science-Fiction der alten Schule, dazu eine leicht überdrehte Ernsthaftigkeit, die das Publikum einlädt, zu lachen und zusammenzuzucken - oft innerhalb derselben Einstellung. Diese Doppelspur - Schauer und Schmunzeln - trägt sich in die Haupthandlung hinüber, wenn die Lagerhalle zum Labyrinth wird: "Cold Storage" ist nicht subtil, er ist kinetisch, fast trotzig frontale Genreunterhaltung. Campbell inszeniert die Gänge, Fahrstühle und Metalltüren als klaustrophobische Spielwiese, in der der Film von Jumpscare zu Körperschock zu Slapstick schaltet, manchmal innerhalb einer Szene. Joe Keery und Georgina Campbell spielen Teacake und Naomi als zwei Menschen, die man eher in einer Indie-Komödie über prekäre Jobs erwarten würde als im Kampf gegen einen Pilz mit Weltherrschaftsambitionen. Ihre Dynamik lebt von Sticheleien, gegenseitigem Überbieten und einem unterschwelligen Verbündetsein; sie sind nicht die Ursache der Katastrophe, sondern jene, die am schnellsten begreifen, dass man sich der Realität stellen muss, wenn sie schon einen Spind weiter lauert. Liam Neeson tritt als abgekämpfter Bioterror-Profi auf, dessen Präsenz fast schon ein eigenes Subgenre evoziert: der Mann, den man anruft, wenn alle anderen längst weggelaufen sind. Er bringt eine Schwere in den Film, die nicht ironisch gebrochen wird, sondern wie ein Anker wirkt - jede seiner Szenen erinnert daran, dass hinter der Komik eine echte, wenn auch pulpige, Bedrohung steht. Die Nebenrollen - darunter Sosie Bacon, Vanessa Redgrave und Lesley Manville - verleihen der Pilz-Pandemie jene Gesichter und Stimmen, die aus einer abstrakten Gefahr eine Reihe sehr konkreter menschlicher Einsätze machen. 

"Cold Storage" lebt von der Lust am Übertreiben: Körper schwellen an, platzen, werden zu unförmigen Wirtshüllen eines Bewusstseins, das nur einen Instinkt kennt - Ausbreitung. Der Film genießt diese Exzesse, aber er versucht zugleich, sein Publikum nicht mit Zynismus zu bestrafen; er zeigt, was passiert, wenn ein Mikroorganismus ganze Lebensläufe verschlingt, und findet dennoch immer wieder Momente echter Sympathie für seine Figuren. Dabei ist er, und das darf man ihm ankreiden, manchmal allzu sehr ein Kind des digitalen Zeitalters: Wo schleimige Practical Effects das Potenzial zum Kultfilm hätten, vertraut "Cold Storage" etwas zu häufig auf CGI, das eher funktional als denkwürdig wirkt. Die digitale Überformung nimmt einigen Bildern das Gewicht, das ein Film mit dieser Körperfixierung eigentlich haben könnte, und doch bleibt der Gesamteindruck: ein zombie-naher, ausgelassener Filmspaß, der versteht, dass die eigentliche Energie aus der Interaktion seiner Figuren kommt, nicht aus jedem einzelnen Effektshot.

David Koepp, der nicht nur die Romanvorlage schrieb, sondern auch das Drehbuch, kennt das Terrain der Genre-Großformate; seine Arbeit an "Jurassic Park" und "Mission: Impossible" zeigt sich hier in der Fähigkeit, komplexe Bedrohungen in klar strukturierten, publikumsfreundlichen Setpieces zu organisieren. "Cold Storage" erreicht nie die Klasse der großen Horror-Komödien, die er zitiert - die Balance aus Schrecken und Witz ist nicht immer makellos, manches Setpiece wirkt nach Formel mehr als nach Inspiration. Aber wie bei vielen Filmen, die sich unerschrocken in die zweite Reihe des Genres stellen, liegt sein Reiz in der Art, wie er mit seinem Publikum kommuniziert: Er will, dass wir lachen, wenn es knallt, uns ekeln, wenn es schwappt, und doch genug mit diesen Menschen fühlen, um den Ausgang nicht gleichgültig hinzunehmen. "Cold Storage" ist vielleicht kein Klassiker, aber ein guter Abend im Kino - ein Film, der das Rad nicht neu erfindet, sondern es verflüssigt, mutiert und uns ins Gesicht schleudert, und der damit ziemlich genau das hält, was sein Versprechen vermuten lässt. 

7/10

Quellen:
InhaltsangabeFilmstarts
Poster/Artwork: Studiocanal/Ciné+OCS/Bibi Film tv

Samstag, 5. Juli 2025

Jurassic World: Rebirth - Jurassic World: Die Wiedergeburt (2025)

https://www.imdb.com/de/title/tt31036941/

Fünf Jahre nach den Ereignissen auf Isla Nublar leben Dinosaurier und Menschen in einer fragilen Koexistenz. Doch die drastischen ökologischen Veränderungen des Planeten zwingen die urzeitlichen Kreaturen zunehmend in isolierte äquatoriale Gebiete zurück. Ein Team aus Experten – darunter Zora Bennett (Scarlett Johansson), Duncan Kincaid (Mahershala Ali), Dr. Henry Loomis (Jonathan Bailey), Martin Krebs (Rupert Friend) und Reuben Delgado (Manuel Garcia-Rulfo) begibt sich in geheimer Mission auf eine abgelegene Insel, um genetisches Material von den größten Dinosauriern zu Land, zu Wasser und in der Luft zu gewinnen – ein entscheidender Schritt zur Entwicklung eines revolutionären Heilmittels. Doch die Mission nimmt eine unerwartete Wendung, als sie auf eine gestrandete Familie treffen, deren Boot von Wassersauriern zerstört wurde. Gemeinsam finden sie sich auf einer verbotenen Insel wieder, die einst als geheime Jurassic-Park-Forschungseinrichtung diente. Hier lauern nicht nur einige der gefährlichsten Dinosaurier, sondern auch ein finsteres Geheimnis, das tief unter der Oberfläche der Insel verborgen liegt. Während sie ums Überleben kämpfen, decken sie eine Wahrheit auf, die die Geschichte der Dinosaurier und ihre Beziehung zur Menschheit für immer verändern könnte.

Wenn ein totgeglaubtes Franchise wie "Jurassic Park" zu neuem Leben erweckt wird, geschieht dies meist mit knirschender Nostalgie, hohem Budget – und niedrigem Anspruch. Doch "Jurassic World: Die Wiedergeburt" widerlegt dieses Klischee auf beinahe elegante Weise. Was Regisseur Gareth Edwards hier abliefert, ist mehr als ein weiterer Aufguss vergangener Dino-Größe. Es ist ein bewusst gesetzter, atmosphärisch dichter Neustart, der die Essenz des Originals aufgreift (ihn an vielen Stellen nicht ganz subtil zitiert) und zugleich mutig eigene Wege beschreitet.

Edwards - ohnehin ein Regisseur, der das große Bild zu inszenieren versteht, ohne das Menschliche aus den Augen zu verlieren - wählt einen Weg, der den Zuschauer nicht sofort mit actiongeladenem Bombast überfordert. Stattdessen erlaubt er der Geschichte, sich zu entfalten. Es ist der klassische Aufbau: Eine abgelegene Insel, geheimnisvolle Ziele einer mächtigen Pharmafirma, eine Crew mit unterschiedlichen Interessen - doch die Art, wie Spannung aufgebaut wird, erinnert deutlich an Spielbergs Original von 1993. Edwards spielt mit Licht, Schatten und Geräuschen. Er lässt die Kamera verweilen, hört dem Wind zu, bevor er den Boden beben lässt. Und wenn das erste Brüllen ertönt, ist es nicht Lärm - es ist ein Ereignis.

Das Drehbuch von David Koepp, der bereits das Original mitverfasst hatte, überrascht dabei mit erzählerischer Stringenz und pointiertem Dialog. Koepp schafft es, eine neue Generation von Figuren glaubwürdig zu zeichnen - ohne die Alten einfach zu kopieren. Zora Bennett, verkörpert von Scarlett Johansson, ist keine unnahbare Superheldin, sondern eine Figur mit Brüchen, klaren Zielen und einem inneren Konflikt, der dem Film emotionale Tiefe gibt. Jonathan Bailey als Paläontologe Dr. Henry Loomis bringt eine Mischung aus Neugier, Ehrfurcht und Wissenschaftsromantik mit, wie sie einst Sam Neill verkörperte - aber ohne in Imitation zu verfallen. Ihr Zusammenspiel trägt den Film über weite Strecken, weil sie nicht nur funktionieren, sondern ein echtes emotionales Zentrum bilden. 

Mahershala Ali als Kapitän Duncan Kincaid ist eine ruhige Kraft inmitten des Chaos - kontrolliert, erfahren, uneitel. Sein Spiel bringt Würde in eine Rolle, die in anderen Händen leicht zur bloßen Funktion hätte verkommen können. Auch Rupert Friend als skrupelloser Unternehmenschef liefert genau die Mischung aus Zynismus und kontrollierter Arroganz, die einen glaubwürdigen Antagonisten ausmacht. Dabei bleibt die Geschichte stets fokussiert - ein klares Ziel: genetisches Material von drei verschiedenen Dinosaurierarten zu sichern, bevor die Insel unwiederbringlich verloren ist. Es ist eine klassische Abenteuermission, doch sie funktioniert, weil sie mit Dringlichkeit, Klarheit und innerer Logik erzählt wird - obwohl sich viele offensichtliche Filmfehler eingeschlichen haben. Visuell ist "Jurassic World: Die Wiedergeburt" ein Meisterstück. Kameramann John Mathieson, der bereits für Ridley Scotts "Gladiator" die Bilder einfing, setzt auf analoge Eleganz. Große Panoramen wechseln sich mit intimen, beinahe dokumentarischen Close-ups ab. Wenn ein Titanosaurus in einem von Grasland bedeckten Tal gemächlich den Kopf hebt, dann geschieht das nicht als visuelle Machtdemonstration, sondern als ehrfürchtiger Moment. Hier lebt die Magie wieder auf, die Spielberg einst mit dem ersten Blick auf den Brachiosaurus erschuf. Die Dinos wirken physisch - teils durch exzellentes Animatronic-Design, teils durch gezielt eingesetzten CGI, das eben nicht alles zeigt, sondern andeutet. Ein Highlight ist eine nächtliche Szene mit Flugsauriern, die ein gestrandetes Forschungsschiff umkreisen - choreografiert wie ein Tanz zwischen Bedrohung und Schönheit.

Der Score von Alexandre Desplat vermeidet das allzu Offensichtliche. Er zitiert John Williams’ ikonische Themen nur spärlich, setzt vielmehr auf eine neue klangliche Identität, die unterschwellig arbeitet - atmosphärisch, emotional, aber nie aufdringlich. Die Musik dient der Geschichte, nicht der Marke. Besonders in den ruhigeren Szenen entfaltet sich Desplats Gespür für musikalische Subtilität.

Was diesen Film wirklich besonders macht, ist seine Balance. Es ist kein naiver Nostalgie-Trip, sondern ein klug gebautes Abenteuer mit Herz, Charakter und Maß. Edwards schafft es, die Gefahr der Dinos wieder spürbar zu machen, ohne in reinen Survival-Horror abzurutschen. Gleichzeitig verankert er das Geschehen fest in den zwischenmenschlichen Beziehungen. Es gibt überraschend stille, nachdenkliche Momente - etwa wenn Dr. Loomis mit einem jungen Mädchen spricht, das seine Eltern verloren hat, und ihr erklärt, warum Dinosaurier nie wirklich ausstarben - ein Monolog, der ebenso poetisch wie wissenschaftlich fundiert ist.

"Jurassic World: Die Wiedergeburt" ist nicht nur die Rückkehr der Dinosaurier, sondern auch die Wiedergeburt einer Erzählweise, die in Hollywood selten geworden ist: Spannung durch Aufbau, Wirkung durch Zurückhaltung, Emotion durch Figuren. Der Film hat Tempo, aber auch Atem. Er respektiert das Publikum, seine Intelligenz und seine Erinnerung an das, was Kino bedeuten kann. Nun kann man durchaus der Ansicht sein, dass der Film lediglich kopiert und neu einfügt, hier und da eine Nuance verändetr und auch übertreibt, dich letztlich: was will man anderes machen? Eine Fahrt einer Familie durch einen Park, auf dem die Zuschauer die Dinos sehen und auf der nichts weiteres passiert? Nee. Es ist ein Film, der nicht nur dem Franchise, sondern auch dem Abenteuerfilm insgesamt neues Leben einhaucht. Und er tut es mit Stil, Herz und einem beeindruckenden Gespür für das, was Kino groß machen kann. Die Dinos sind zurück - und sie waren selten so lebendig.

7/10

Quellen:
Inhaltsangabe:Universal Pictures
Poster/ArtworkUniversal Pictures

Mittwoch, 19. Juni 2024

บึงกาฬ - Bueng Kan - The Lake (2022)

https://www.imdb.com/title/tt21399082/

Irgendwo, in einer abgelegenen Ecke Thailands findet ein kleines Mädchen (Wanmai Chatborirak) ein außergewöhnlich großes Ei am Ufer eines Sees. Fasziniert nimmt sie es mit nach Hause. Am nächsten Tag, während die Einheimischen ihrer täglichen, harten Arbeit auf den Reisfeldern nachgehen, passiert dann etwas Schreckliches: Plötzlich werden sie von einer riesigen, mysteriösen Kreatur angegriffen, die aus dem Wasser steigt. Für die Menschen entbrennt ein grausamer, nahezu aussichtsloser Kampf ums Überleben und das Monster hinterlässt eine Schneise der Zerstörung. Stetig arbeitet es sich immer weiter in Richtung größerer Siedlungen vor. Als die Regierung den Ernst der Lage endlich realisiert, wird das Militär eingeschaltet. Doch weder Maschinengewehrkugeln noch deutlich schwerere Geschütze scheinen das Ungeheuer aufhalten zu können...

Die erste halbe Stunde lang hält der thailändische Kaiju-Film "The Lake" ein gutes, blutiges Tempo aufrecht, während die Kreaturen überall aufzutauchen scheinen und eine Spur der Zerstörung und Leichen hinterlassen. Diese Szenen wurden offensichtlich von Bong Joon Hos "The Host" beeinflusst, sind aber so effektiv inszeniert, dass man darüber hinwegsehen kann. Auch die Effekte, eine Mischung aus handgemachten Effekten und CGI, sind überdurchschnittlich gut. Leider zeigt das Drehbuch, sobald das Tempo langsamer wird, einige fragwürdige Handlungsstränge. Der Autor Lee Thongkham und Co-Regisseur Aqing Xu verschwenden hervorragende Anfangs- und Produktionswerte für eine Handlung, die sich in häuslichen Nebenhandlungen mit kaum entwickelten Charakteren verliert. Es gibt auch Momente, in denen der Dialog selbst ungewollt komisch ist, etwa wenn ein Polizeidienstleiter den Inspektor dazu auffordert, sich für seine Unhöflichkeit zu entschuldigen, bevor sie ihm den Ort des letzten Angriffs der Kreatur verrät. Nachdem "The Lake" in seinen Nebenhandlungen steckengeblieben ist, geht es endlich wieder zur Sache, mit einem von "Jurassic Park" inspirierten Moment, in dem das Muttergeschöpf in Kaiju-Größe auf der Suche nach seiner vermissten Familie ist. Es ist nichts, was man nicht schon einmal gesehen hat. Und gerade als es so aussieht, als würde er in dem zerstörerischen Amoklauf, auf den man gewartet hat, enden, verpufft der Film irgendwie. Eine "Fünf Jahre später"-Coda, die eine Fortsetzung vorbereitet, hilft der Sache auch nicht weiter. Es gibt zwar ein paar gute Szenen und interessante Ideen, aber sie sind es nicht wert, sich den Rest des Films anzusehen.

4/10

Quellen
Inhaltsangabe: Splendid
Poster/Artwork: Splendid

Donnerstag, 11. April 2024

Godzilla x Kong: The New Empire - Godzilla x Kong: Das neue Imperium (2024)

https://www.imdb.com/title/tt14539740/

Einige Zeit nach den Ereignissen von "Godzilla vs. Kong" wird die Menschheit weiterhin von Riesenechse Godzilla beschützt, während Riesenaffe Kong in der Hohlerde nach seinen Artgenossen sucht. Als die Titanen-Überwachungsorganisation Monarch um Wissenschaftlerin Ilene Andrews (Rebecca Hall) ein mysteriöses Signal auffängt, ist es mit dem vorübergehenden Frieden jedoch vorbei: Gemeinsam mit ihrer Ziehtochter Jia (Kaylee Hottle), dem Podcaster Bernie (Brian Tyree Henry) und dem Titanen-Tierarzt Trapper (Dan Stevens) reist sie in die Hohlerde, wo Kong in der Zwischenzeit eine überraschende Entdeckung gemacht hat. Unterdessen scheint sich Godzilla an der Oberfläche auf einen weiteren Kampf der Titanen vorzubereiten...

Das Sequel „Godzilla x Kong: The New Empire” von Regisseur Adam Wingard ist der fünfte Film des sogenannten MonsterVerse, welches 2014 mit "Godzilla" von Warner ins Leben gerufen wurde. Und man kann schon eingangs erwähnen, dass es ein spektakulärer (wenn auch hohler) Kampf der Könige ist. "Godzilla x Kong: Das neue Imperium" ist im Grunde das, was passieren würde, wenn man einen Teil des gesamten "Godzilla"-Universums nimmt: eine visuell atemberaubende, sensorische Extravaganz, die aber nur ein Crescendo und keine Ansammlung ist. Der gesamte Film präsentiert eine Action-Sequenz nach der anderen. Es ist völlig atemlos und maßlos übertrieben, eine Reizüberflutung par excellence  - aber irgendwie kann man dem Film auch nicht böse sein, selbst wenn nicht alles zusammenpasst.

Die hiesige Geschichte ist ziemlich klar für MonsterVerse-Neulinge gedacht - was toll wäre, wenn das auf jeden zutreffen würde, der den fünften Film der Reihe sieht, aber diese Person kann man sich nur schwer vorstellen. Jeder Mensch weiß, dass beide dieser titelgebenden Alpha-Titanen über jahrzehntelange Erfahrung verfügen, und diejenigen, die an erster Stelle stehen, sind Superfans, die jedes einzelne Detail auswendig gelernt haben. Dass die menschlichen Charaktere erneut einen Schock und Verwirrung durch eine weitere "elektrische Anomalie" erleben - in einem Universum, in dem seismische Wellen und elektrische Ströme seit jeher eine Rolle bei Godzillas Auftritten spielen -, infantilisiert die leidenschaftlichsten Zuschauer und stellt lediglich eine verpasste Chance für phantasievolleres Schreiben dar. Klar, wenn man sich auf diese Grundlagen besinnt, bleibt "Godzilla x Kong: Das neue Imperium" im Einklang mit der klassischen Mythologie, aber an diesem Punkt sollten die Charaktere diese Signale von Anfang an erkennen. Hier gibt es eine Chance zum Aufbau - der Zuschauer muss sich nicht dumm stellen und von Anfang an den Respekt vor den Charakteren verlieren.

"Godzilla x Kong: Das neue Imperium" setzt schon früh seine "Godzilla oben, Kong unten"-Dynamik ein, daher weiß man, dass die beiden Feinde nach "Godzilla vs. Kong" zu einer Einsicht gelangt sind, dass sie sich gegenseitig vernichten, sollten sie von ihren jeweiligen Wegen abweichen. Aber es ist für niemanden ein Schock, dass dieser fragile Frieden nicht lange anhält. Kong fungiert als Hauptmonster, was ihn sofort in ein menschlicheres, sensibleres Licht wirft, in das man sich leicht hineinversetzen kann. Der Mega-Affe zeigt aber deutliche Alterserscheinungen durch sein ergrauendes Fell und ist schwächer und verletzlicher als je zuvor. Sein Gefühl der Sterblichkeit ist es, das den Wunsch nach familiärer Verbindung ausdrückt und das bestimmt den größten Teil der Handlung sowohl für den Affen als auch für den Menschen. Es ist auch der Grund, warum sich Dr. Ilene Andrews (Rebecca Hall) enttäuschender Weise von der starken, intelligenten Protagonistin von "Godzilla vs. Kong" zu einer mütterlichen Figur entwickelt, die durch die Liebe zu Adoptivtochter Jia (Kaylee Hottle) und einem alten College-Kumpel gemildert wird. Es hilft nicht, dass Ilenes Möglichkeiten, zu glänzen, unter der schweren Last der Titanen leiden, obwohl sie wohl die menschliche Hauptfigur ist. Kongs Gefühle und die der anderen Affen, die er aufsucht, wirken stärker als ihre.

Darüber hinaus tritt Andrews gegenüber dem Neuzugang Trapper - einem Monstertierarzt, gespielt von Dan Stevens - in den Hintergrund und dient lediglich dem Zweck, bestimmte Handlungsstränge voranzutreiben, indem er sie aus antiken Ruinen vorliest. Es gibt ein paar vorgetäuschte emotionale Momente, die ins Leere laufen - die Frage ist, warum man sich überhaupt die Mühe macht, die Idee einer Mutter-Tochter-Verbindung in einem Monsterfilm darzustellen? Für Emotionen ist keine Zeit! Ein neuer, intellektuell fortgeschrittenerer Bösewicht spornt das Team der Weltretter an - was sonst? - zusammenkommen, um die Welt zu retten. Während kleine Details unter den Teppich gekehrt werden, ist Wingards Vorstellungskraft für ununterbrochene Action und beeindruckende Bilder auf einem Allzeithoch. Während das alles auf jeden Fall beeindruckend ist und der Aufbau der Welt im wahrsten Sinne des Wortes nicht von dieser Welt ist, spielen in "Godzilla x Kong: Das neue Imperium" viel zu viele Elemente eine Rolle. Es ist eine Reizüberflutung. Wingard, ein bekennender Fan der beiden Titelcharaktere, hat es vielleicht übertrieben und uns schnell in eine Welt entführt, die alte Weisheit, fortschrittliche Technologie und urzeitliche Länder miteinander verbindet. Es sieht alles großartig aus, aber da der Zuschauer durch viele dieser Umgebungen rast, ist es schwierig, einen bleibenden Eindruck zu gewinnen. Bevor man sich überhaupt fragen kann: "Wie findet Bernie das alles eigentlich so schnell heraus?" ist man am nächsten Ort. Die einzige Tiefe, die man bekommt, ist die der Hohlerde - obwohl "Godzilla x Kong: Das neue Imperium" tiefer in die unterirdische Heimat der Titane eindringt als "Godzilla vs. Kong" oder die Apple TV+ Monarch-Serie. 

"Godzilla x Kong: Das neue Imperium" greift stark auf Anleihen zurück und kreiert eine Mischung aus bei den Fans beliebten Teilen vergangener Science-Fiction-Hits. Auf jedem Hektar der Hohlerde gibt es ein bisschen "Jurassic Park", einen Beinahe-Doppelgänger für die Orks aus "Der Herr der Ringe", den Nachtkönig in Titanengestalt aus "Game Of Thrones" und ein echtes Sternentor aus "Stargate" Und irgendwie und aus irgendeinem Grund erinnert der Trapper doch sehr an Star-Lord - aber in unsympathisch und bissiger. Der neue Bösewicht hingegen ist ein erbitterter Gegner, der seinesgleichen sucht. Der Skar-König ist rücksichtslos, furchterregend und grotesk, und er hat Kongs Spezies dazu versklavt, naja, was genau zu tun, ist unklar, aber es hat die Hohlerde in eine Mordor-artige Höllenlandschaft verwandelt, und das allein macht ihn zu einer Bedrohung. Neben seiner gewaltigen Reichweite und einer Peitsche aus Knochen ist die furchterregendste Waffe von Skar King die Kontrolle, die er nicht nur über die Affenrasse, sondern auch über Shimo ausübt, eine uralte Kreatur, die als der mächtigste Titan von allen gilt.

Backup kommt also in Form eines weiterentwickelten Godzilla, der nach einem Kampf, von dem man sich wünschte, dass man mehr sehen würden, eine schockierende rosa Farbe annimmt. Kong, ausgestattet mit einem "Infinity War"- Machthandschuh, verbündet sich mit seinem neuen Kumpel, um sich einem unerbittertem Kampf mit Skar King zu stellen. Es ist absolut unglaublich anzusehen, wie die Monster-gegen-Monster-Action neue Höhen erreicht. Lohnt es sich, sich im Vorfeld dieses königlichen Grollens durch das menschliche Drama zu quälen? Sicher. In diesem Moment hätte man auf Hall und Co. verzichten können, aber es macht verdammt viel Spaß, wenn man nicht zu viel darüber nachdenkt.

"Godzilla x Kong: Das neue Imperium" ist damit ein visueller Nervenkitzel wie aus dem Bilderbuch, unterbrochen von kurzen Momenten erzwungener Emotionen und sonst sehr wenig. Regisseur Adam Wingard hat viel Spaß mit Kreaturen, Farben und Kameraführung und ist geschickt darin, den Fans mit einem imposanten neuen Bösewicht die übertriebene Monster-Action zu bieten, die sie sich wünschen. Leider gibt es keine Zeit, die man dafür aufwenden kann, den Dingen einen Sinn zu geben oder sie überhaupt wichtig zu machen, und den wenigen emotionalen Schlägen fehlt es an der nötigen Spannung, um eine Verbindung herzustellen, abgesehen von einigen sehr gut gemachten Momenten zwischen Kong und seinen Hohlerde-Verwandten.

6,5/10 

Quellen:
Inhaltsangabe: Warner Bros.
Poster/Artwork: Warner Bros.

Donnerstag, 3. August 2023

Meg 2: The Trench - Meg 2: Die Tiefe (2023)

https://www.imdb.com/title/tt9224104/

Jonas Taylor (Jason Statham) und sein Kollege (Wi Jing) leiten ein Forschungsteam, das einen nicht ganz ungefährlichen Tauchgang plant, der das Team rund um die beiden in bisher kaum erkundete Tiefen des Ozeans führen soll. Gänzlich ungestört bleiben die Meeresforscher auf ihrer waghalsigen Mission jedoch nicht. Denn auch ein knallhart kompromisslos vorgehendes Unternehmen für Unterwasser-Bergbau hat bei der Suche nach wertvollen und noch abbaubaren Rohstoffen ein Auge auf die noch unausgebeuteten Tiefen geworfen. Doch als gleich mehrere der Meg genannten riesigen Urzeithaie aus den finsteren Ecken der ozeanischen Untiefen auftauchen, scheint der Konflikt mit dem gierigen Konzern im wahrsten Sinne des Wortes auf einmal eher das kleinste Problem zu sein. Der Kampf ums schiere Überleben beginnt und entwickelt sich schnell zu einem Rennen an die rettende Oberfläche.

Keiner, niemand, wirklich niemand hätte daran geglaubt, dass sich "The Meg" eine Fangemeinde aufbauen hätte können. Und doch - obwohl die familienfreundliche 2018er Action-Horror-Kreaturenkomödie von Jon Turteltaub mit eher mittelmäßigen Kritiken abgestraft wurde - war die Begeisterung für den Megalodon groß. Vermutlich lag das an der Nähe zu "Jurassic World" und dem Warner Monster Universe mit King Kong und Godzilla, welches den Film, der sich mit der Prämisse verkaufte, dass Action-Star Jason Statham gegen einen riesigen prähistorischen Hai antritt. Und doch war es schon eine kleine Enttäuschung, dass "The Meg" nur sehr wenig von Statham und dem Hai zu bieten hatte. Aber in einer Branche, in der Geld eine nicht unwesentliche Rolle spielt, wurde Stathams Vorliebe für gigantische Haikämpfe für "Meg 2: The Trench" wieder aufgegriffen, wobei Turteltaub auf bizarre Weise durch den britischen Filmemacher Ben Wheatley ersetzt wurde. Bizarr, weil Wheatley sich bisher eher an psychologisch schädlichen Filmen wie "High Rise" erfreut hat, die oft eine düstere, schwarze Komödie beinhalten, und obwohl so ein Vehikel wie "Meg 2" in der Tat von einer Injektion dunklen Humors profitieren würde, schreit der Mann nicht gerade: "Bucht mich für einen Killerhaifilm!"

Was auch immer der Grund dafür war, dass Wheatley zustimmte, "Meg 2" zu drehen, er ist sich zumindest bewusst, dass das, was er macht, nicht besonders gut ist - das Drehbuch von Jon Hoeber, Erich Hoeber und Dean Georgaris lässt sehr viel zu wünschen übrig - und es ist dieses Selbstbewusstsein, das dem Film hilft, seine viel zu großzügige Laufzeit von 116 Minuten zu überleben. Die Geschichte ist verworren, und taugt gerade mal als Aufhänger - man braucht einfach keine stundenlange Exposition, wenn es um einen Film über Riesenhaie geht. Jedenfalls begrüßt "Meg 2" Stathams einfallsreichen Jonas Taylor mit einer einleitenden Actionsequenz, die sich anfühlt, als könnte sie aus einem beliebigen Katalog des Actionstars geklaut werden. Trotz der Tatsache, dass zu viele seiner Co-Stars den letzten Film überlebt haben - eine weitere Sünde des ersten Films war es, sich mit seinem umfangreichen Schauspiel-Ensemble zu sehr anzufreunden - sind Cliff Curtis und Page Kennedy die einzigen beiden Schauspieler, die hier wieder an Bord sind, aber es ist völlig in Ordnung, wenn man sich nicht an sie erinnert, denn "Meg 2" dient so ziemlich als eigenständiger Film. Alles, was man wissen muss, ist, dass das Trio Teil eines Forschungsteams ist, das auf einem Tauchgang die Geheimnisse der Tiefen des Ozeans erforscht. Der unterirdische Graben ist eine Art unerschlossene Barriere, die, sobald sie durchdrungen ist, einen Haufen kolossaler Megalodons an die Oberfläche bringt, wo sie Chaos anrichten.

Aber wenn es doch nur so schnell und einfach wäre. "Meg 2" scheint nicht aus den Fehlern seines Vorgängers gelernt zu haben und lässt seine größte Verlockung für den Großteil seiner Laufzeit außen vor. Die knappe erste Hälfte von Wheatleys Horror-Möchtegern-Actioner sind Statham und seiner Crew von austauschbaren Opfern gewidmet, die in Taucheranzügen über den Meeresboden spazieren. Ihre Tauchkapsel wird sabotiert - und es ist keine große Überraschung, wer dahinter steckt, und man erfährt, dass es neben den Megs (dieses Mal 3) auch noch einen Riesenkraken gibt, mit dem sich die armen Protagonisten herumschlagen müssen, aber das alles erweist sich letztlich nur als lächerliches Futter für das eigentliche Glanzstück des Films: seine verrückte letzte Stunde.

Die Verschmelzung von Riesenhaien und Tintenfischen mit bewaffneten Terroristen und Dinosauriern - warum auch nicht!? - "Meg 2" wird erst im letzten Drittel so richtig lebendig, als er alle Vorsicht über Bord wirft, sich selbst übertrumpft und den Irrsinn seiner Prämisse mit einem deutlichen Augenzwinkern umarmt; schade nur, dass es so lange gedauert hat, bis es soweit war. Als die Megs endlich ein Inselresort ansteuern, in dem sich die Gäste nicht schnell genug in Sicherheit bringen können - nämlich in das Maul eines riesigen Hais (Punkte für Wheatley, weil er eine POV-Aufnahme aus dem Inneren des Haifischmauls eingebaut hat) - wappnet sich Statham, um es mit ein wenig mehr als Speeren und einem Jetski mit den Haien aufzunehmen, was zu echtem "Money Shot"-Kino führt, das davon zeugt, dass Wheatley weiß, welche Art von Film er wirklich macht. "Meg 2: Die Tiefe" ist damit beileibe noch kein guter Film. Aber er scheint das auch zu wissen, und wenn man als Zuschauer bereit genug ist ist, sich diesem (erwartbaren) Irrsinn hinzugeben, kann man mit diesem Creature-Feature Spaß haben - man muss nur viel zu viel unnötige "Handlung" über sich ergehen lassen, um dahin zu gelangen.

6,5/10

Quellen
Inhaltsangabe: Warner Bros.

Freitag, 3. Februar 2023

Jurassic World: Dominion - Jurassic World: Ein neues Zeitalter (Extended Cut) (2022)

https://www.imdb.com/title/tt8041270/

Vier Jahre sind vergangen, seit die paradiesische Insel Isla Nublar zerstört wurde. Die Welt hat sich innerhalb dieses Zeitraums stark verändert und ein neues Zusammenleben zwischen Mensch und Dinosaurier geschaffen. Es ist ein Miteinander als auch ein Gegeneinander, in dem das Recht des Stärkeren zweifellos an der Spitze der natürlichen Ordnung steht. Das empfindliche Gefüge kann sich jedoch nur bedingt als zukunftsweisendes Modell behaupten, denn noch immer machen einige Dinosaurier Jagd auf Menschen. Owen Grady (Chris Pratt) und Claire Dearing (Bryce Dallas Howard) müssen sich gegen die Urzeitechsen behaupten. Auf ihrer Reise rund um den Globus müssen sie auf die dringende Unterstützung und Kenntnisse der Wissenschaftler Dr. Alan Grant (Sam Neill), Dr. Ellie Sattler (Laura Dern) und Dr. Ian Malcolm (Jeff Goldblum) vertrauen. Ihr Wissen über die Echsen kann den Planeten vor dem Untergang bewahren. 

Mit dem gigantischen finanziellen Erfolg der "Jurassic World"-Trilogie ist das Ende des Franchises wohl noch nicht erreicht, wie auch die Produzenten schon durchblicken ließen. Trotz des eher mauen Kritikergebnisses von "Jurassic Park: Ein neues Zeitalter" scheute man sich nicht, für den Heimkinomark den hier besprochenen "Extended Cut" zu veröffentlichen - irgendwoher muss das Geld ja kommen. 12 Minuten zusätzliches Material machen aber den Film letztlich nicht zum Meisterwerk. Er macht den Film - ganz im Gegenteil - nur länger. Es beginnt mit einem gemächlichen Urzeit-Prolog und bietet im weiteren Verlauf längere, aber größtenteils verzichtbare Handlungs- und Charakterzeichnungsmomente und bleibt damit unterm Strich als letzter Teil der "Jurassic World"-Trilogie immer noch der bislang schlechteste Vertreter des Dino-Fanchise.

Regisseur Colin Trevorrow, der schon "Jurassic World" inszenierte und dort die 2-Stunden-Marke knackte, schien beim dritten Teil auch die Laufzeitgrenzen zu sprengen, die für die Mainstream-Kinoauswertung noch vertretbar sind. Trevorrow sowie die Darstellerinnen Bryce Dallas Howard und DeWanda Wise erklärten gegenüber Collider, dass der Extended Cut die eigentliche Kinofassung ist. Ihrer Meinung nach zeigt sich dort viel mehr verbindendes Material, das wichtig für die gesamte Erzählung sei. Für Dinofans sicher erfreulich sind jene Szenen, in denen diese noch ein bisschen Action zeigen, von Blues Angriff auf die Jäger bis hin zum recht humoristischen Segment beim "Untergrund-Dino-Hahnenkampf" in Malta (übrigens einem in Gänze reichlich absurden Handlungsstrang, der genauso unvermittelt endet wie er begann und erfreulicherweise auch nicht noch mehr Raum im Extended Cut erhält).

6/10

Quellen
Inhaltsangabe: Universal Pictures
Poster/Artwork
Universal Pictures

Freitag, 17. Juni 2022

Jurassic World: Dominion - Jurassic World: Ein neues Zeitalter (2022)

https://www.imdb.com/title/tt8041270/

Vier Jahre sind vergangen, seit die paradiesische Insel Isla Nublar zerstört wurde. Die Welt hat sich innerhalb dieses Zeitraums stark verändert und ein neues Zusammenleben zwischen Mensch und Dinosaurier geschaffen. Es ist ein Miteinander als auch ein Gegeneinander, in dem das Recht des Stärkeren zweifellos an der Spitze der natürlichen Ordnung steht. Das empfindliche Gefüge kann sich jedoch nur bedingt als zukunftsweisendes Modell behaupten, denn noch immer machen einige Dinosaurier Jagd auf Menschen. Owen Grady (Chris Pratt) und Claire Dearing (Bryce Dallas Howard) müssen sich gegen die Urzeitechsen behaupten. Auf ihrer Reise rund um den Globus müssen sie auf die dringende Unterstützung und Kenntnisse der Wissenschaftler Dr. Alan Grant (Sam Neill), Dr. Ellie Sattler (Laura Dern) und Dr. Ian Malcolm (Jeff Goldblum) vertrauen. Ihr Wissen über die Echsen kann den Planeten vor dem Untergang bewahren. 

4 Jahre sind vergangen und mit "Jurassic World: Dominion" ("Jurassic World: Ein neues Zeitalter") erfüllt sich der bereits 2015 angeteaserte Titel, denn die Dinos bevölkern mittlerweile die ganze Welt. Nach den Ereignissen in "Jurassic World: Das gefallene Königreich" beginnt der dritte Teil der "Jurassic World"-Trilogie und der sechste Eintrag im gesamten "Jurassic"-Fanchise mit einer expositionslastigen "Now This"-Nachrichtenmontage, die das Publikum darüber informiert, dass die Dinosaurier nun frei in der Welt herumlaufen können, und den Megakonzern BioSyn vorstellt. Obwohl man erwarten würde, dass dies spannend ist und in erster Linie BioSyn vorstellt, dient es eher als Rekapitulation von "Jurassic World: Das gefallene Königreich", als eine auffällige oder notwendige Einführung in den Film. Dieses Segment fühlt sich seltsam an, aber glücklicherweise findet der Film bald eine solidere Grundlage: Von da an wird der Zuschauer nämlich in zwei verschiedene, parallel ablaufende Handlungsstränge eingeführt, die viel mehr gemeinsam haben, als man zunächst glauben machen will.


"Jurassic World: Ein neues Zeitalter" bringt die klassischen "Jurassic Park"-Figuren in großem Stil zurück, angeführt von Ellie Sattler. Ebenso versuchen die Charaktere aus "Jurassic World", ihren Frieden mit einer Welt zu machen, die sie miterschaffen haben, und sich um Maisie Lockwood zu kümmern - das Klon-Mädchen, das sie nach den Ereignissen in "Jurassic World: Das gefallene Königreich" quasi illegal "adoptiert" haben. Der Film führt den Zuschauer in eine nicht völlig neue Welt, aber mit vielen verschiedenen Schauplätzen und Konzepten, die es in der "Jurassic"-Reihe noch nie gegeben hat. Von den verschneiten Bergen der Sierra Nevada über die bevölkerten Straßen der Insel Malta bis hin zum dichten BioSyn-Tal in den italienischen Dolomiten. Die Dinosaurier sind frei und versuchen zu überleben, und die Menschen passen sich an diese sich ständig verändernden Umstände an. Man wird zeuge des illegalen Handels mit Dinosauriern auf dem Schwarzmarkt und erfahren, was passiert, wenn Dinosaurier in den Straßen der Städte ihr Unwesen treiben. Dies ist eine ganz neue "Jurassic World".


Der Film ist bei weitem nicht perfekt - die Handlung ist aufgebläht, das Tempo ist furchtbar übereilt, und viele der Charaktere wirken etwas unpassend - aber zumindest ist er viel besser als der diekte Vorgänger. "Jurassic World: Ein neues Zeitalter" besinnt sich auf die Techno-Thriller-Wurzeln von "Jurassic Park" und taucht in die Macht der Genetik ein, wie man es noch nie zuvor gesehen hat, und einige der Handlungspunkte sind mit Sicherheit etwas, das man leicht in Crichtons Werk hätte sehen können. Natürlich freut man sich sehr, Dr. Alan Grant und Dr. Ellie Sattler wieder zu sehen und im Laufe des Films bei ihren gegenseitigen Neckereien zu beobachten, bei der Interaktion mit anderen Personen und natürlich mit Dinosauriern. Die Chemie zwischen Sam Neill und Laura Dern ist stark wie immer. Und Jeff Goldblum als Dr. Ian Malcolm ist ein weiterer großer Gewinn - dieser Film gehört wirklich zur klassischen "Jurassic Park"-Besetzung. 

Neben den klassischen Charakteren sind auch die Neulinge großartig: Hervorzuheben sind DeWanda Wise als Kayla Watts, Mamoudou Athie als Ramsay, Campbell Scott als Lewis Dodgson und Isabella Sermon als Maisie. Natürlich ist auch BD Wongs Dr. Henry Wu wieder da, und er ist besser als je zuvor. Ja, Dr. Wu bekommt dieses Mal eine größere Rolle und einen stärkeren Bogen - etwas, das schon längst überfällig war. Bryce Dallas Howard kann ihre Muskeln als Claire sowohl körperlich als auch emotional spielen lassen, da man eine gefühlvollere Version der Figur zu sehen bekommt. Chris Pratt hingegen fördert keine neuen Facetten an seiner Figur Owen zutage - er ist so ziemlich derselbe wie in den letzten beiden Filmen, wird aber etwas ernster gespielt und neigt in ernsten Szenen nicht zu deplatzierter Leichtsinnigkeit wie in "Jurassic World: Das gefallene Königreich".

Was die Dinosaurier angeht, so bringt "Jurassic World: Ein neues Zeitalter" mit dem territorialen Therizinosaurus, dem bedrohlichen Giganotosaurus, den winzigen Moros und den bösartigen Atrociraptoren einige gute Neuzugänge in das Franchise. Natürlich gibt es auch einige alte Bekannte zu sehen, wie den Gift spuckenden Dilophosaurus, der eher an die Filme der 80er Jahre erinnert als an "Jurassic Park". Der Pyroraptor ist ein weiteres Highlight, auch wenn leider fast jeder Moment seiner Szene im Trailer zu sehen ist - er wurde sträflich vernachlässigt und es ist geradezu verrückt, dass Dr. Alan Grant ihm nie begegnet. Damit hätte sich der Kreis zu seiner "Dinos stammen von den Vögeln ab"-Rede in "Jurassic Park" geradezu puzzelteilartig geschlossen. Naja. Dass man diese Vorlage ungenutzt lies, bleibt am Ende unverständlich.

Die Schwächen, die sich in Form von einigen sehr seltsamen kreativen Entscheidungen, dem Fehlen wichtiger Dialoge zur besseren Erklärung einiger Handlungspunkte (der Film fühlt sich oft wie eine Fortsetzung eines Films an, den man nie zu sehen bekommen hat) und dem schlimmsten Übeltäter - den Animatronics - äußern. Es gibt viele (viele!) Animatronics in diesem Film, und sie sahen alle sehr gummiartig und steif aus, eher wie Kreaturen aus "Dark Crystal " oder "Star Wars" als wie die lebendigen, atmenden Tiere, die das Stan Winston Studio geschaffen hat. Vielleicht liegt das zum Teil an der Art und Weise, wie sie gefilmt wurden - aber ausgerechnet hier ist zu wünschen, dass die meisten (wenn nicht sogar alle) mit CGI hätten aufgepeppt werden sollen, vor allem der Microceratus. Der Soundtrack hingegen ist recht unterhaltsam und hat seine Momente, aber Giacchino hätte bedeutend mehr der Originalthemen verwenden können - schließlich ist dieser Film der "epische Abschluss" der gesamten Saga und die Rückkehr der Originalfiguren, was mit gewissen thematischen Erwartungen einhergeht.

Doch im Großen und Ganzen ist zu sagen, dass "Jurassic World: Ein neues Zeitalter" trotz aller Kritik noch zu gefallen weiß. Man kann seinen Spaß mit dem Film haben und er hat deutlich mehr Wiedersehenspotential als "Jurassic World: Das gefallene Königreich". Er hat zwar die Schwächen der ersten beiden "Jurassic World"-Filme, aber die von BioSyn angetriebene Handlung und die Rückkehr der klassischen Charaktere heben den Spaß wirklich an. Es ist schwer, keine bestimmten Erwartungen zu haben - dies sollte der Abschluss einer Reihe von Geschichten sein, die 1993 begann, aber letztendlich fühlt es sich einfach wie eine weitere Fortsetzung an. Man wünschte sich nach dem Abspann, dass der Film länger gewesen wäre, um die Geschichte und die Charaktere auszubauen, weniger abgehackt zu sein und einen glaubwürdigeren Einsatz zu zeigen. Ebenso hätten einige der Effekte, sowohl praktische als auch CGI-Effekte, mehr Arbeit gebraucht - es ist bedauerlich, dass einige der CG-Effekte schwach sind, wenn man bedenkt, wie lange sie an dem Film arbeiten mussten (Blue und Beta sind hier ein großer Übeltäter). Doch letztendlich hinterlässt der Film den Wunsch nach mehr - sowohl im Guten als auch im Schlechten - aber vor allem im Guten. Und zum Glück ist "Jurassic World: Ein neues Zeitalter" nicht das Ende, sondern ein brandneuer Anfang. Es wird sicher noch mehr kommen, und der Film macht das deutlich.

6/10

Quellen
Inhaltsangabe: Universal Pictures
Poster/Artwork
Universal Pictures