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Donnerstag, 11. April 2024

Godzilla x Kong: The New Empire - Godzilla x Kong: Das neue Imperium (2024)

https://www.imdb.com/title/tt14539740/

Einige Zeit nach den Ereignissen von "Godzilla vs. Kong" wird die Menschheit weiterhin von Riesenechse Godzilla beschützt, während Riesenaffe Kong in der Hohlerde nach seinen Artgenossen sucht. Als die Titanen-Überwachungsorganisation Monarch um Wissenschaftlerin Ilene Andrews (Rebecca Hall) ein mysteriöses Signal auffängt, ist es mit dem vorübergehenden Frieden jedoch vorbei: Gemeinsam mit ihrer Ziehtochter Jia (Kaylee Hottle), dem Podcaster Bernie (Brian Tyree Henry) und dem Titanen-Tierarzt Trapper (Dan Stevens) reist sie in die Hohlerde, wo Kong in der Zwischenzeit eine überraschende Entdeckung gemacht hat. Unterdessen scheint sich Godzilla an der Oberfläche auf einen weiteren Kampf der Titanen vorzubereiten...

Das Sequel „Godzilla x Kong: The New Empire” von Regisseur Adam Wingard ist der fünfte Film des sogenannten MonsterVerse, welches 2014 mit "Godzilla" von Warner ins Leben gerufen wurde. Und man kann schon eingangs erwähnen, dass es ein spektakulärer (wenn auch hohler) Kampf der Könige ist. "Godzilla x Kong: Das neue Imperium" ist im Grunde das, was passieren würde, wenn man einen Teil des gesamten "Godzilla"-Universums nimmt: eine visuell atemberaubende, sensorische Extravaganz, die aber nur ein Crescendo und keine Ansammlung ist. Der gesamte Film präsentiert eine Action-Sequenz nach der anderen. Es ist völlig atemlos und maßlos übertrieben, eine Reizüberflutung par excellence  - aber irgendwie kann man dem Film auch nicht böse sein, selbst wenn nicht alles zusammenpasst.

Die hiesige Geschichte ist ziemlich klar für MonsterVerse-Neulinge gedacht - was toll wäre, wenn das auf jeden zutreffen würde, der den fünften Film der Reihe sieht, aber diese Person kann man sich nur schwer vorstellen. Jeder Mensch weiß, dass beide dieser titelgebenden Alpha-Titanen über jahrzehntelange Erfahrung verfügen, und diejenigen, die an erster Stelle stehen, sind Superfans, die jedes einzelne Detail auswendig gelernt haben. Dass die menschlichen Charaktere erneut einen Schock und Verwirrung durch eine weitere "elektrische Anomalie" erleben - in einem Universum, in dem seismische Wellen und elektrische Ströme seit jeher eine Rolle bei Godzillas Auftritten spielen -, infantilisiert die leidenschaftlichsten Zuschauer und stellt lediglich eine verpasste Chance für phantasievolleres Schreiben dar. Klar, wenn man sich auf diese Grundlagen besinnt, bleibt "Godzilla x Kong: Das neue Imperium" im Einklang mit der klassischen Mythologie, aber an diesem Punkt sollten die Charaktere diese Signale von Anfang an erkennen. Hier gibt es eine Chance zum Aufbau - der Zuschauer muss sich nicht dumm stellen und von Anfang an den Respekt vor den Charakteren verlieren.

"Godzilla x Kong: Das neue Imperium" setzt schon früh seine "Godzilla oben, Kong unten"-Dynamik ein, daher weiß man, dass die beiden Feinde nach "Godzilla vs. Kong" zu einer Einsicht gelangt sind, dass sie sich gegenseitig vernichten, sollten sie von ihren jeweiligen Wegen abweichen. Aber es ist für niemanden ein Schock, dass dieser fragile Frieden nicht lange anhält. Kong fungiert als Hauptmonster, was ihn sofort in ein menschlicheres, sensibleres Licht wirft, in das man sich leicht hineinversetzen kann. Der Mega-Affe zeigt aber deutliche Alterserscheinungen durch sein ergrauendes Fell und ist schwächer und verletzlicher als je zuvor. Sein Gefühl der Sterblichkeit ist es, das den Wunsch nach familiärer Verbindung ausdrückt und das bestimmt den größten Teil der Handlung sowohl für den Affen als auch für den Menschen. Es ist auch der Grund, warum sich Dr. Ilene Andrews (Rebecca Hall) enttäuschender Weise von der starken, intelligenten Protagonistin von "Godzilla vs. Kong" zu einer mütterlichen Figur entwickelt, die durch die Liebe zu Adoptivtochter Jia (Kaylee Hottle) und einem alten College-Kumpel gemildert wird. Es hilft nicht, dass Ilenes Möglichkeiten, zu glänzen, unter der schweren Last der Titanen leiden, obwohl sie wohl die menschliche Hauptfigur ist. Kongs Gefühle und die der anderen Affen, die er aufsucht, wirken stärker als ihre.

Darüber hinaus tritt Andrews gegenüber dem Neuzugang Trapper - einem Monstertierarzt, gespielt von Dan Stevens - in den Hintergrund und dient lediglich dem Zweck, bestimmte Handlungsstränge voranzutreiben, indem er sie aus antiken Ruinen vorliest. Es gibt ein paar vorgetäuschte emotionale Momente, die ins Leere laufen - die Frage ist, warum man sich überhaupt die Mühe macht, die Idee einer Mutter-Tochter-Verbindung in einem Monsterfilm darzustellen? Für Emotionen ist keine Zeit! Ein neuer, intellektuell fortgeschrittenerer Bösewicht spornt das Team der Weltretter an - was sonst? - zusammenkommen, um die Welt zu retten. Während kleine Details unter den Teppich gekehrt werden, ist Wingards Vorstellungskraft für ununterbrochene Action und beeindruckende Bilder auf einem Allzeithoch. Während das alles auf jeden Fall beeindruckend ist und der Aufbau der Welt im wahrsten Sinne des Wortes nicht von dieser Welt ist, spielen in "Godzilla x Kong: Das neue Imperium" viel zu viele Elemente eine Rolle. Es ist eine Reizüberflutung. Wingard, ein bekennender Fan der beiden Titelcharaktere, hat es vielleicht übertrieben und uns schnell in eine Welt entführt, die alte Weisheit, fortschrittliche Technologie und urzeitliche Länder miteinander verbindet. Es sieht alles großartig aus, aber da der Zuschauer durch viele dieser Umgebungen rast, ist es schwierig, einen bleibenden Eindruck zu gewinnen. Bevor man sich überhaupt fragen kann: "Wie findet Bernie das alles eigentlich so schnell heraus?" ist man am nächsten Ort. Die einzige Tiefe, die man bekommt, ist die der Hohlerde - obwohl "Godzilla x Kong: Das neue Imperium" tiefer in die unterirdische Heimat der Titane eindringt als "Godzilla vs. Kong" oder die Apple TV+ Monarch-Serie. 

"Godzilla x Kong: Das neue Imperium" greift stark auf Anleihen zurück und kreiert eine Mischung aus bei den Fans beliebten Teilen vergangener Science-Fiction-Hits. Auf jedem Hektar der Hohlerde gibt es ein bisschen "Jurassic Park", einen Beinahe-Doppelgänger für die Orks aus "Der Herr der Ringe", den Nachtkönig in Titanengestalt aus "Game Of Thrones" und ein echtes Sternentor aus "Stargate" Und irgendwie und aus irgendeinem Grund erinnert der Trapper doch sehr an Star-Lord - aber in unsympathisch und bissiger. Der neue Bösewicht hingegen ist ein erbitterter Gegner, der seinesgleichen sucht. Der Skar-König ist rücksichtslos, furchterregend und grotesk, und er hat Kongs Spezies dazu versklavt, naja, was genau zu tun, ist unklar, aber es hat die Hohlerde in eine Mordor-artige Höllenlandschaft verwandelt, und das allein macht ihn zu einer Bedrohung. Neben seiner gewaltigen Reichweite und einer Peitsche aus Knochen ist die furchterregendste Waffe von Skar King die Kontrolle, die er nicht nur über die Affenrasse, sondern auch über Shimo ausübt, eine uralte Kreatur, die als der mächtigste Titan von allen gilt.

Backup kommt also in Form eines weiterentwickelten Godzilla, der nach einem Kampf, von dem man sich wünschte, dass man mehr sehen würden, eine schockierende rosa Farbe annimmt. Kong, ausgestattet mit einem "Infinity War"- Machthandschuh, verbündet sich mit seinem neuen Kumpel, um sich einem unerbittertem Kampf mit Skar King zu stellen. Es ist absolut unglaublich anzusehen, wie die Monster-gegen-Monster-Action neue Höhen erreicht. Lohnt es sich, sich im Vorfeld dieses königlichen Grollens durch das menschliche Drama zu quälen? Sicher. In diesem Moment hätte man auf Hall und Co. verzichten können, aber es macht verdammt viel Spaß, wenn man nicht zu viel darüber nachdenkt.

"Godzilla x Kong: Das neue Imperium" ist damit ein visueller Nervenkitzel wie aus dem Bilderbuch, unterbrochen von kurzen Momenten erzwungener Emotionen und sonst sehr wenig. Regisseur Adam Wingard hat viel Spaß mit Kreaturen, Farben und Kameraführung und ist geschickt darin, den Fans mit einem imposanten neuen Bösewicht die übertriebene Monster-Action zu bieten, die sie sich wünschen. Leider gibt es keine Zeit, die man dafür aufwenden kann, den Dingen einen Sinn zu geben oder sie überhaupt wichtig zu machen, und den wenigen emotionalen Schlägen fehlt es an der nötigen Spannung, um eine Verbindung herzustellen, abgesehen von einigen sehr gut gemachten Momenten zwischen Kong und seinen Hohlerde-Verwandten.

6,5/10 

Quellen:
Inhaltsangabe: Warner Bros.
Poster/Artwork: Warner Bros.

Samstag, 15. Juni 2019

Godzilla: King Of The Monsters - Godzilla II: King Of The Monsters (2019)

https://www.imdb.com/title/tt3741700/

Fünf Jahre nach dem ersten Auftauchen von Godzilla und den „Muto“ getauften Titanen lebt die Welt in ständiger Angst vor weiteren Urzeit-Monstern. Die Wissenschaftsorganisation Monarch, die sich bislang autark um sämtliche Vorkommnisse rund um die Titanen kümmerte, wird von der Regierung vor die Wahl gestellt: Entweder sie begibt sich unter staatliche Aufsicht, oder Godzilla und alle weiteren bekannten Titanen werden getötet, um weitere Katastrophen zu vermeiden. Dr. Emma Russell (Vera Farmiga) hat derweil ein Bio-Sonar-System namens Orca entwickelt, mit dessen Hilfe sie mit den Urzeit-Riesen kommunizieren und ihnen sogar Anweisungen geben kann. Dafür benötigt sie jedoch die jeweils passende Frequenz der Titanen. Das Gerät fällt schließlich in die Hände des Öko-Terroristen Alan Jonah (Charles Dance), der Emma und ihre Tochter Madison (Millie Bobby Brown) entführt und sämtliche auf der Erde schlummernden Titanen aufwecken will. Als schließlich Godzillas Erzfeind, der dreiköpfige Drache King Ghidorah aus seinem Schlaf erwacht, bricht die Hölle los…

2014 kreierte Regisseur Gareth Edwards ein neues Monsterversum mit seinem Film "Godzilla" und lieferte damit einen ansprechenden Appetizer auf kommende Filme. 2017 kam dann auch "Kong: Skull Island" in die Kinos und nun darf wieder die riesige Echse ran. Am Ende von "Godzilla" lag San Francisco in Schutt und Asche, Godzillas Kampf mit dem Muto-Männchen hatte seine Spuren hinterlassen und die Menschheit ist sich mittlerweile der Existenz von Riesenmonstern bewusst. Blöd nur, dass die beiden Monster nicht die einzigen auf der Erde waren. So entspinnt sich in "Godzilla: King Of The Monsters" eine ökoterroristische Geschichte, die nicht nur für die Befreiung weiterer Monster, sondern auch für resigniertes Kopfschütteln beim Zuschauer sorgt. Zahlreiche Haupt-, Neben- und Opferfiguren auf allen Seiten und ein parallel stattfindendes Familiendrama komplettieren einen unnötigen Story- und Figuren-Ballast. Ein Ballast, der nicht nur ordentlich Zeit und Raum einnimmt, sondern auch für reichlich Logiklöcher sorgt.


Doch irgendetwas fasziniert an diesem komischen Monsterverse und Godzilla wäre eben nicht der König der Monster, wenn er den überschüssigen Story- und Figurenwulst nicht einfach mit einem brüllendem Schulterzucken beiseiteschieben könnte. Genau das gelingt ihm unter der leidenschaftlichen Regie des Newcomers und des bekennenden Kaiju-Fans Michael Dougherty. Beeindruckender hat man die brachialen Kämpfe zwischen den ikonischen Titanen noch nie gesehen. Wenn die riesigen Urgewalten aufeinander treffen, bleibt kein Kaiju-Fanherz ruhig und kein Mund geschlossen. Mit einem einzigartigen Zusammenspiel aus Farbgebung und Lichtstimmung erzeugt man unvergessliche Bilder. Aber nicht nur die Bilder und spektakulären Monster-Fights lassen das Kaiju-Fanherz höher schlagen. Neben den überflüssigen Story-Parts schafft man es auch, die Essenz der originalen "Godzilla"-Filme einzufangen. Elemente aus den verschiedensten Streifen finden hier ihre Verwendung und verdiente Huldigung. So japanisch war noch kein Hollywood-Streifen zuvor.


Wie so oft beim einem zweiten Teil macht es hier das Ausmaß. Alles ist etwas größer, alles ein bisschen teurer. Dabei ist das Monsterdesign und die -action über jeden Zweifel erhaben. Wunderschön getrickst, übersichtlich inszeniert und einfallsreich choreografiert. Die düstere Verknüpfung japanischer Mythologie mit biblischen Strafen und Ökobotschaft, fühlt sich einigermaßen organisch und frisch an. Der Cast aus unterforderten Kinogrößen, sympathischen Newcomern und aufstrebenden Fernsehstars täuscht weitgehend über die doch recht uninteressanten Charaktere hinweg. Und wie es das Handbuch für Katastrophenfilme vorsieht, werden Genreproduktionen gerne mit einer gehörigen Portion Familiendrama am liebsten dysfunktional verknüpft. Auch hier bringt die nahende Katastrophe eine Scheidungsfamilie wieder zusammen, wobei die menschlichen Figuren kaum glänzen können, weil sie nur vergleichsweise vergessenswerte Szenen spendiert bekommen. Wie immer absolut unnötig.


Aber damit vereint "Godzilla: King Of The Monsters“ gewissermaßen alle Stärken und Schwächen des jungen Franchises: edle Schauwerte, ein mitunter konfuses Storytelling (hier, sobald sich die Geschichte auf mehrere Schauplätze verlagert), unpassende Humor Einlagen und ausgetrampelte Handlungspfade. Doughertys legt inhaltlich einen Schwerpunkt auf die alles umspannende Regierungsorganisation "Monarch", erweitert das Universum um neue Fraktionen und - das ist wohl das Wichtigste - jeder Menge neuer, alter Monster. Trotz des mythologischen Unterbaus und der angesprochenen christlichen Symbolik (Kaijus als sintflutartige Strafe für menschliche Überheblichkeit, die Auferstehung Godzillas etc.) suhlt sich Dougherty vor allem in den trashigen B-Movie-Wurzeln der Reihe. Und damit werden gleich ein halbes Dutzend bizarrer Kreaturen von der Kette gelassen und aufeinandergehetzt.

Das schaut trotz Dauerregen gut und übersichtlich aus, hat eine gewisse Bedeutsamkeit und man verliert nie den Blick für die gigantischen Ausmaße der Schlachten. Untermalt wird das Spektakel von Bear McCrearys donnernden Retro-Soundtrack, der lustvoll den Original-Score zitiert. Hier hat der Film, wie es sich gehört, seine größten Stärken. "Show, not tell." - dieses uralte Kinoprinzip haben aber offenbar nur die Kaijus verinnerlicht. Als wahre Expositions-Monster entpuppen sich ihre menschlichen Gegenparts, denen die undankbare Aufgaben zukommt, permanentes Worldbuilding zu betreiben (und grundsätzlich zehn Schritte zu dicht an die Monsterkämpfe zu tapsen). Das gilt besonders für die Figur Sam Coleman, die Hälfte Comic Relief und Hälfte Erklärbär ist - in besonders lichten Momenten auch mal gleichzeitig.

Der ganz, ganz große Fang ist so auch "Godzilla: King Of The Monsters" nicht und fügt sich aber gerade deshalb sehr harmonisch in das Franchise. Man darf gespannt sein auf das kommende Gipfeltreffen zwischen King Kong und Godzilla, in dem Indie-Darling Adam Wingart Regie führen wird. "Godzilla: King Of The Monsters" jedenfalls ist ein brachiales Kaiju-Fest, voll mit Fanservice und spürbarer Leidenschaft und für Fans des Genres jedenfalls ein absolutes Muss. Lang lebe der Kaiju-König unter den Hollywood-Filmen!

7/10

Von WARNER BROS. Home Entertainment kommt der Film auch als "Limited 2-Disc-Edition" mit Ultra HD Blu-ray und Blu-ray im Steelbook.


Quellen:
Inhaltsangabe: Warner Bros.

Mittwoch, 10. Januar 2024

ゴジラ-1.0 - Gojira Mainasu Wan - Gojira -1.0 - Godzilla Minus One (2023)

https://www.imdb.com/title/tt23289160/

Japan, 1945: Kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs täuscht der Kamikaze-Pilot Koichi Shishima (Ryunosuke Kamiki) technische Probleme bei seinem Flugzeug vor und landet auf der Insel Odo. Hier begegnet er zum ersten Mal der Riesenechse Godzilla, die die gesamte Insel dem Erdboden gleichmacht. Zwei Jahre später: Shishima ist inzwischen nach Tokio zurückgekehrt, wo er Frau und Kind hat. Zur gleichen Zeit machen Berichte die Runde, dass der durch Atomtests im Bikini-Atoll mutierte Godzilla mehrere US-Kriegsschiffe zerstört hat und sich bereits auf den Weg nach Japan befindet... 

"Godzilla" wird 2024 70 Jahre alt, und um das zu feiern, wartete seine Muttergesellschaft Toho Studios bis Ende 2023 mit der Veröffentlichung des ernstesten "Godzilla"-Films der letzten Zeit. "Godzilla Minus One" ist möglicherweise auch der ernüchterndste und am wenigsten extravagante in Japan produzierte "Godzilla"-Film seit dem ursprünglichen Bild der nuklearen Kaiju-Katastrophe von 1954 (obwohl "Godzilla 1985"-Fans vielleicht anderer Meinung sind). Einige Kritiken zu "Godzilla Minus One" lobten den Film bereits als eskapistischen Publikumsliebling. Angesichts des düsteren, aber ausgewogenen Tons der menschenzentrierten Szenen ist der Grund dafür leicht zu verstehen. "Godzilla Minus One" spielt im Jahr 1946 und folgt (nach einer kurzen Einführung) einer erschöpften Gruppe ehemaliger Militärs, die sich zusammenschließen, um den beliebtesten Kaiju-Antihelden aller Zeiten zu besiegen. Hier ist Godzillas Präsenz eine Selbstverständlichkeit, wie sie sie nach Dutzenden von Filmen und Spin-off-Projekten wahrscheinlich auch sein sollte. Und wenn traumatisierte Überlebende wie der in Ungnade gefallene Kamikaze-Pilot Koichi Shikishima (Ryunosuke Kamiki) Godzilla nicht aufhalten können, wird er Ginza zerstören und dann durch ganz Tokio stampfen.

Shikishima ist von der Schuld des Überlebenden motiviert. In einer etablierten Szene auf der Insel Odo zielt Shikishima mit seiner Bordkanone auf Godzilla, kann sich aber nicht dazu durchringen, zu schießen. Infolgedessen sterben mehrere Armeekameraden und der letzte Überlebende, Tachibana, muss ihre Leichen begraben. Die Wiederbelebung von Shikishima letztlich patriotischem Mojo hat Priorität, da diese Art nationalistischer Leidenschaft offenbar für den Kampf gegen Godzilla unerlässlich ist. Gleichzeitig sind Shikishima Angehörige immer noch sehr tot, sodass er sich nun um andere Überlebende kümmern muss, von denen die meisten ebenfalls ihre Angehörigen, ihr Zuhause und ihren Kampfeswillen verloren haben. Dieser letzte Teil ist entscheidend, aber die Überwindung des spirituellen Niedergangs ist auch ein großer Teil von Shikishima und damit der Geschichte von Godzilla in "Godzilla Minus One".

"Ich würde gerne noch einmal versuchen zu leben", sagt Shikishima mit kantiger Aufrichtigkeit. Sein starkes Bedürfnis, sich zu beweisen, wird von anderen Ausgestoßenen wie Kenji Noda (Hidetaka Yoshioka), einem ehemaligen Waffeningenieur, und dem letzten Überlebenden der Insel, Sosaku Tachibana (Munetaka Aoki), zwar erreicht, aber nie vollständig erfüllt. Diese Jungs deuten nur auf ihre inneren Dämonen hin; Sie alle tragen das Trauma des zweiten Weltkrieges oft buchstäblich auf der Zunge, da die Asche und der Schmutz des Nachkriegsaufschwungs sie bereits überholt haben. Einige weibliche Protagonisten, wie Shikishima selbstlose Hausbesetzer-"Freundin" Noriko Oishi (Minami Hamabe) und ihre frisch verwaiste Adoptivtochter Akiko (Sae Nagatani), geben ihm ebenfalls mehr Gründe zum Kämpfen, obwohl ihre Handlungsfähigkeit und Persönlichkeit noch eingeschränkter sind als die von Shikishimas männlichen Co-Stars .

Oh ja, das Kaiju Godzilla ist übrigens auch in "Godzilla Minus One" zu sehen und er wird mit offensichtlicher Ehrfurcht behandelt. "Godzilla Minus One" ist ein gut kalibrierter Popcorn-Film, und man kann ihn in der Art und Weise sehen, wenn seine Macher mit den Assoziationen der Fans spielen. Es ist wahrlich ein Ereignis, wenn er zum ersten Mal in diesem Film brüllt oder seinen Feueratem einsetzt. Godzilla-Fans werden sich wahrscheinlich auch angemessen geschmeichelt fühlen durch die strategische Verwendung einiger Song-Hinweise aus Akira Ifukubes mittlerweile ikonischer "Gojira"-Partitur. Die Musik von Ifukube ist nahtlos eingearbeitet, ohne dabei sehr nach neuer Musik des "Godzilla Minus One"-Komponisten Naoki Sato zu klingen, der eine dröhnende Orchesterklangwand errichtet, über die seine Streicher wie ein Surfer auf einer gewaltigen und immer höher werdenden Welle gleiten. Es ist eine der mitreißendsten und nervenaufreibendsten Originalmusiken in einem aktuellen "Godzilla"-Film. Taktisch eingesetzte Stille und stimmungsvolle Hintergrundgeräusche unterstreichen und verstärken das ohnehin schon überwältigende Geschehen auf dem Bildschirm.

Die Veröffentlichungspolitik und deren Zeitpunkt könnte jedoch nicht undankbarer sein. Dies ist der erste in Japan produzierte Live-Action-Godzilla-Film seit "Shin Godzilla", einem stilistisch abenteuerlichen Katastrophenfilm und politischen Farce (vor allem gegen den Katastrophenschut des Landes) sowie einer modernen Interpretation einer beliebten Figur. Die Toho Studios waren in den letzten sechs Jahren nicht untätig, obwohl man das angesichts der relativen Bedeutung der von Warner Bros. produzierten amerikanischen "MonsterVerse"-Reihe vielleicht annehmen könnte. Der Kinostart in Deutschland war jedenfalls limitiert - und zwar so sehr, dass man schon suchen musste, um überhaupt ein Kino zu finden, dass den Film noch ausstrahlt. 

Doch offensichtlich ist "Godzilla Minus One" Tohos Versuch, die Figur ihres schuppigen Stars als spektakulären und traditionellen Publikumsliebling in den Vordergrund zu rücken. Sie fanden den richtigen Mann für den Job in Regisseur Takashi Yamazaki. Er gibt Godzilla-Fans viele Gründe, "Godzilla Minus One" im Kino zu sehen. Er hat einen klaren Blick für Action und ein gutes Gespür für das Wohlfühlmelodram. Yamazakis Stil wirkt, ebenso wie die Politik seines Films, im Vergleich zu seinen Vorgängern nur konservativ. Und er hat damit einen sehr guten Godzilla-Film gemacht, wenn nicht sogar einen großartigen.

8,5/10

Quellen
Inhaltsangabe: Peppermint Enterprises
Poster/Artwork: Toho Studios