Teacake (Joe Keery) und Naomi (Georgina Campbell), zwei junge Angestellte eines Selfstorage-Unternehmens auf dem Gelände eines ehemaligen US-Militärstützpunkts, erleben ihre turbulenteste Nachtschicht, als ein parasitärer Pilz aus der versiegelten untersten Ebene ausbricht, wo er vor Jahrzehnten von der Regierung eingeschlossen wurde. Mit steigender Temperatur im Untergrund vermehrt sich der hoch ansteckende, schnell mutierende Mikroorganismus und entfesselt seinen gehirnkontrollierenden, körperzerstörenden Schrecken auf Menschen und andere Lebewesen. Gemeinsam mit einem ergrauten, pensionierten Bioterror-Agenten versuchen Teacake und Naomi, die Bedrohung einzudämmen und das drohende Aussterben der Menschheit zu verhindern.
"Cold Storage" ist ein Film, der genau weiß, was für ein Publikum er bedienen möchte, sodass er sich gar nicht erst mit Zwischentönen aufhält: Er ist Horror-Komödie, Seuchenthriller und Buddy-Movie in einem - und meistens funktioniert dieser Eigenbau besser, als man erwarten dürfte. Die Ausgangslage könnte direkt aus einem vergessenen 90er-Videothekenregal stammen: In den 1980ern wird in einem australischen Nest ein parasitärer Pilz entdeckt, der ganze Körper übernimmt, aufbläht und platzen lässt - ein winziger, schleimiger Weltuntergang, den ein Bioterror-Spezialist der Regierung in einem unterirdischen Bunker einfriert. Jahrzehnte später ist dieser Bunker längst zur Basis eines Self‑Storage-Unternehmens umfunktioniert worden, der militärische Vorbau zur banalsten Form der Spätkapitalismus-Architektur: Abstellräume für das, was keiner mehr sehen will. Hier arbeiten Teacake (Joe Keery) und Naomi (Georgina Campbell), zwei Nachtkräfte, die eher mit Kleinkram und Kundenproblemen rechnen als mit der Apokalypse; doch als steigende Temperaturen das Tiefkühlgefängnis des Pilzes destabilisieren, bahnt sich das Organismus seinen Weg nach oben. In dem Moment, in dem die ersten Infektionen auftreten, betritt auch der gealterte Spezialist aus der Vergangenheit die Bühne - ein wettergegerbter Bioterror-Operative, der ganz genau weiß, was hier auf dem Spiel steht.
Regisseur Jonny Campbell findet rasch einen Ton, der an "Tremors" erinnert: ein Horror-Szenario, das nur knapp neben der Farce vorbeischrammt, sich aber nie ganz der Parodie hingibt. Das Prolog-Kapitel im australischen Outback setzt diesen Akzent: groteske Tode, ein Hauch Science-Fiction der alten Schule, dazu eine leicht überdrehte Ernsthaftigkeit, die das Publikum einlädt, zu lachen und zusammenzuzucken - oft innerhalb derselben Einstellung. Diese Doppelspur - Schauer und Schmunzeln - trägt sich in die Haupthandlung hinüber, wenn die Lagerhalle zum Labyrinth wird: "Cold Storage" ist nicht subtil, er ist kinetisch, fast trotzig frontale Genreunterhaltung. Campbell inszeniert die Gänge, Fahrstühle und Metalltüren als klaustrophobische Spielwiese, in der der Film von Jumpscare zu Körperschock zu Slapstick schaltet, manchmal innerhalb einer Szene. Joe Keery und Georgina Campbell spielen Teacake und Naomi als zwei Menschen, die man eher in einer Indie-Komödie über prekäre Jobs erwarten würde als im Kampf gegen einen Pilz mit Weltherrschaftsambitionen. Ihre Dynamik lebt von Sticheleien, gegenseitigem Überbieten und einem unterschwelligen Verbündetsein; sie sind nicht die Ursache der Katastrophe, sondern jene, die am schnellsten begreifen, dass man sich der Realität stellen muss, wenn sie schon einen Spind weiter lauert. Liam Neeson tritt als abgekämpfter Bioterror-Profi auf, dessen Präsenz fast schon ein eigenes Subgenre evoziert: der Mann, den man anruft, wenn alle anderen längst weggelaufen sind. Er bringt eine Schwere in den Film, die nicht ironisch gebrochen wird, sondern wie ein Anker wirkt - jede seiner Szenen erinnert daran, dass hinter der Komik eine echte, wenn auch pulpige, Bedrohung steht. Die Nebenrollen - darunter Sosie Bacon, Vanessa Redgrave und Lesley Manville - verleihen der Pilz-Pandemie jene Gesichter und Stimmen, die aus einer abstrakten Gefahr eine Reihe sehr konkreter menschlicher Einsätze machen."Cold Storage" lebt von der Lust am Übertreiben: Körper schwellen an, platzen, werden zu unförmigen Wirtshüllen eines Bewusstseins, das nur einen Instinkt kennt - Ausbreitung. Der Film genießt diese Exzesse, aber er versucht zugleich, sein Publikum nicht mit Zynismus zu bestrafen; er zeigt, was passiert, wenn ein Mikroorganismus ganze Lebensläufe verschlingt, und findet dennoch immer wieder Momente echter Sympathie für seine Figuren. Dabei ist er, und das darf man ihm ankreiden, manchmal allzu sehr ein Kind des digitalen Zeitalters: Wo schleimige Practical Effects das Potenzial zum Kultfilm hätten, vertraut "Cold Storage" etwas zu häufig auf CGI, das eher funktional als denkwürdig wirkt. Die digitale Überformung nimmt einigen Bildern das Gewicht, das ein Film mit dieser Körperfixierung eigentlich haben könnte, und doch bleibt der Gesamteindruck: ein zombie-naher, ausgelassener Filmspaß, der versteht, dass die eigentliche Energie aus der Interaktion seiner Figuren kommt, nicht aus jedem einzelnen Effektshot.
David Koepp, der nicht nur die Romanvorlage schrieb, sondern auch das Drehbuch, kennt das Terrain der Genre-Großformate; seine Arbeit an "Jurassic Park" und "Mission: Impossible" zeigt sich hier in der Fähigkeit, komplexe Bedrohungen in klar strukturierten, publikumsfreundlichen Setpieces zu organisieren. "Cold Storage" erreicht nie die Klasse der großen Horror-Komödien, die er zitiert - die Balance aus Schrecken und Witz ist nicht immer makellos, manches Setpiece wirkt nach Formel mehr als nach Inspiration. Aber wie bei vielen Filmen, die sich unerschrocken in die zweite Reihe des Genres stellen, liegt sein Reiz in der Art, wie er mit seinem Publikum kommuniziert: Er will, dass wir lachen, wenn es knallt, uns ekeln, wenn es schwappt, und doch genug mit diesen Menschen fühlen, um den Ausgang nicht gleichgültig hinzunehmen. "Cold Storage" ist vielleicht kein Klassiker, aber ein guter Abend im Kino - ein Film, der das Rad nicht neu erfindet, sondern es verflüssigt, mutiert und uns ins Gesicht schleudert, und der damit ziemlich genau das hält, was sein Versprechen vermuten lässt.


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