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Donnerstag, 26. April 2018

Avengers: Infinity War - The Avengers: Infinity War (2018)

http://www.imdb.com/title/tt4154756/

Während die Avengers immer wieder damit beschäftigt waren, die Welt vor Gefahren zu beschützen, mit denen ein einzelner Held alleine nicht fertig wird, ahnten sie nicht, dass im Schatten des Alls jemand die Strippen zog. Doch nun tritt dieser intergalaktische Despot ans Licht: Thanos (Josh Brolin) hat das Ziel, alle sechs Infinity-Steinen zu sammeln. Diese Artefakte würden ihm unglaubliche Macht verleihen und die Realität nachhaltig verändern. Iron (Robert Downey Jr.), Captain America (Chris Evans), Thor (Chris Hemsworth) und ihre Mitstreiter müssen erkennen, dass alles, wofür sie bislang gekämpft haben, in Gefahr ist. Das Schicksal der Erde hängt davon ab, dass sie sich trotz aller Differenzen und auch ausgetragener Kämpfe nicht nur noch einmal zusammenraufen, sondern auch neue Verbündete finden - etwa die Guardians Of The Galaxy um Star-Lord (Chris Pratt), Gamora (Zoe Saldana) und Drax (Dave Bautista)…

Nachdem der letzte MARVEL-Film "Black Panther" allen Skeptikern ins Gesicht schlug und mal eben ein paar Rekorde, unter anderem als erfolgreichster (aber nicht bester!) MARVEL-Film einfuhr, warteten alle Fans nun gespannt auf den schon vor langer Zeit angekündigten Showdown in "Avengers: Infinty War". Und mit fast schon banaler Leichtigkeit schaffte es auch dieser Streifen im Vorfeld auf ein paar Rekorde zu brechen, denn die Vorverkaufszahlen schnellten nach Bereitstellung der Kinokarten in unermessliche Höhen und verwiesen erneut DC-Fanboys und gleichzeitige MARVEL-Hater in ihre Schranken, die über soziale Plattformen schon wieder zum Boykott des neuen Superlativenfilms aufgerufen hatten - und damit erneut kläglich scheiterten. Warum auch? Entweder ist ein Film gut oder schlecht - die Wertung ergibt sich von allein. Da ist weder Boykott noch willentlicher Hass notwendig, nur weil es MARVEL eben besser macht als DC. Aber na gut. Die Fangemeinde immerhin lies sich nicht darauf ein und bescherte "Avengers: Infinty War" einen grandiosen Kinostart.


"Wir sind jetzt im Endspiel", sagt Benedict Cumberbatchs Doctor Strange im letzten Abschnitt des bis dahin schon unbestreitbar epischen "Avengers: Infinity War" - und mehr als in jedem anderen von Comics abgeleiteten Superhelden-Gebräu, das man erwähnen könnte, gibt es auch nur einen Hauch einer ähnlichem Tragödie in einem Franchise, das für Millionen von Fans eine ähnliche Rolle zu spielen scheint wie die Mythologie für die Griechen. Dieser grandiose, brachiale (vorläufige) Abschluss zu einem für manche Kinogänger schon überfüllten Bereich des allgemeinen Superhelden-Universums ist eine Drei-Komponenten-Mischung aus großartigem Witz, spannender Dramatik und durchweg deterministischer Action, insgesamt eine Gleichung, die bis zum Finale komplett umgedreht wird und den wahrlich überraschenden, nahezu schockierenden Höhepunkt des Films bildet. "Think Big" war und ist zweifelsohne der passendste Satz hier - für Budget, Umfang, Bildgewalt und vermutlich auch Größe des globalen Publikums.

Zurück in Zeiten Hollywoods großer Studiohochzeiten rühmte sich die großartigste Gesellschaft von allen, MGM, einmal "mehr Sterne zu haben, als es im Himmel gibt". Nun, MARVEL könnte dieses Argument wohl heute ebenso machen, und dabei ist fast alles aus diesen Hause oft nur Vorgeplänkel gewesen, ausgerichtet auf größere filmische Abschlüsse, in denen sich dann Hauptcharaktere begegnen und deren erste Hälfte im Grunde lediglich darauf ausgerichtet ist, eine semikohärente Art zu finden, sie in dasselbe dramatische Kartendeck zu mischen. Aber wie schaffen es nun Ultra-Egoisten wie Benedict Cumberbatchs Doctor Strange, Iron Man von Robert Downey Jr., Thor von Chris Hemsworth, Chris Evans' Steve Rogers, Tom Hollands Spider-Man und sogar Chadwick Bosemans ruhigeren Black Panther sich das heroische Scheinwerferlicht miteinander zu teilen, während es hier auch einige Wagnisse und Heldentaten erfordert, die von mindestens einem weiteren Dutzend Charakteren mit ungewöhnlichen Talenten ausgeführt werden?


Die scharfsinnige Antwort der Autoren Christopher Markus und Stephen McFeely und der Regisseure Anthony und Joe Russo unter der Leitung von MARVEL-Film-Meister Kevin Feige ist es, diesen Stau der Egos anzuerkennen und das Publikum beim Aufeinandertreffen dieser Charaktere zum Lachen zu bringen. Dieser Effekt ist sowohl weit gestreut als auch präzise, kalkuliert und witzig genug, um zunächst entwaffnend und letztlich einschmeichelnd für den Zuschauer zu sein. Mit begrenzterer Bildschirmzeit als sie es vielleicht gewohnt sind und noch begrenzterem Bewegungsspielraum, bringen die Schauspieler und Charaktere One-Liner und scharfe Bemerkungen mit einer Extraschippe sarkastischer Verachtung. Sie schießen mit ihren heroischen Charakterzügen aber deswegen nicht übers Ziel hinaus, und darunter findet man doch weit mehr subtile Kommentare (nicht so subtil im Fall von Mark Ruffalos und Chris Evans' Rollen) über die Frustration, zwei unterschiedliche Persönlichkeiten im Leben zu sein. Allein mit dem Zusammentreffen der "Avengers" und den "Guardians Of The Galaxy" schlug MARVEL hier also erst einmal eine Richtung ein, die versucht, klamaukigen und sarkastischen Witz zu vereinen. Und dies gelingt mit nur einem Schriftzug.

Doch bei "Infinity War" ist längst nicht alles so witzig. Im Gegenteil. Schon sehr früh kommt auch das tragische Element zum Tragen, lässt so manchen Zuschauer sicher mit offenem Mund dasitzen und es multiplizieren sich nach und nach Vorahnungen, die Doctor Strange dann auch artikuliert. Für all die Action - und davon gibt es reichlich -, die die Superhelden hervorbringen, ist der Mann, der hier die Handlung steuert, der bisher immer nur angedeutete, aber nie zentrale Thanos, der hervorragend von Josh Brolin gespielt wird. Thanos, ein in sich brütender Titan - "The Mad Titan" -, dessen erklärtes Ziel es ist, die Ordnung im Universum wieder herzustellen, auch wenn das bedeutet, dass erst einmal 50% zufällig ausgewählter Wesen daran glauben müssen. Und genau für diesen Weg zur universellen Dominanz benötigt er sechs "Infinity-Steine". Jeder dieser verschiedenfarbigen Edelsteine verleiht unterschiedliche Kräfte - und fast jeder tauchte in einem der voran gegangenen MARVEL-Filme schon einmal auf. Und eines ist von Beginn an klar: wenn er sie bekommt (und mit seinen "Infinity-Gauntlet, einem riesigen metallenen Handschuh, vereint), wird er immer unschlagbarer. Aber Thanos ist nicht einfach nur stark, er bringt zusammen mit seiner Entschlossenheit und rohen Gewalt auch eine philosophische Intelligenz mit und verleiht sich selbst damit eine gewissen Tiefe, die für MARVEL-Bösewichter eigentlich eher ungewöhnlich ist.


Die imposante und unbestreitbare Gefahr, die Thanos damit darstellt, und die Art und Weise, wie er mit jedem Stein, den er erwirbt, exponentiell zunimmt, wird nach einiger Zeit ziemlich ernst. Was also als durchaus ernste Bedrohung beginnt (die End-Credits-Sequenz von "Thor: Ragnarok" hatte diese bereits angeteasert) - mit der riesigen Auswahl an Comicfiguren, die ihre Rollen tragen, inklusive eines Bruce Banners im mittleren Alter, der humorvoll so außer Übung ist, dass er sich gar nicht mehr in den Hulk verwandeln kann, oder eines Tony Stark, der noch einmal mit Gwyneth Paltrows Pepper Potts scherzt, oder sogar Tom Hollands Peter Parker, der hier wieder so kindisch aussieht, dass er sich zu fragen scheint, was er in dieser Gesellschaft macht. Dave Bautistas Drax stiehlt dafür erneut jede Szene, in der er ist; Scarlett Johansson und Don Cheadle bekommen absolut nichts Neues oder Originelles zu tun; Chris Evans versucht, seine "Captain America"-Zeit hinter sich zu lassen - verwandelt sich im Laufe des Films in etwas wirklich Bedrohliches und Grimmiges, etwas, das in der Tat ernst genommen werden muss - und sogar die Aussicht, dass das Böse gewinnen kann.

Markus und McFeely haben alle drei "Captain America"-Filme geschrieben und nun "Avengers: Infinity War" einen geschickten, witzigen, manchmal glitzernden Touch verliehen, der Humor verbreitet und verhindert, dass dieser lange Film jemals schwergängig wird. Die Russo-Brüder haben bei den letzten beiden "Captain America"-Filmen Regie geführt und bringen noch einen etwas fluffigen Ansatz dazu, der verhindert, dass die Action hier ernsthaft nachlässt. Und das Ausmaß dieser Action ist erstaunlich. Einige davon befindet sich im Weltraum oder in verschiedenen Bereichen desselben, während andere Szenen in New York und anderswo auf der Erde spielen. Wenn der intergalaktische Konflikt in Wakanda, der afrikanischen Heimat von Black Panther, endet, ist das ein kleiner Anfang, zumindest lässt sich das erhoffen, denn vermutlich wird jeder, der diesen Film gesehen hat, nach diesem Finale einen riesigen Diskussionsbedarf haben - auch wenn die nicht minder erschütternde After-Credits-Sequenz noch etwas Erfreuliches anteasert.


Aber ein weiterer dramatischer roter Faden, der sich durch die schon zu Beginn teilweise sehr überbordernde und daher manchmal unübersichtliche Handlung zieht, ist die bis dahin etwas in den Hintergrund gerückt Gestalt von Vision (Paul Bettany), der den letzten, entscheidenden Infinity-Stein besitzt und sich mit Elizabeth Olsens Wanda Maximoff / Scarlet Witch nach Schottland aufgemacht hat, bevor beide von der "Black Order", Thanos "Heeresleitung" aufgespürt wird. Die "Black Order" (oder auch "Thanos' Kinder") ist der größte Schwachpunkt der Story. Wer die Comics nicht kennt ist völlig aufgeschmissen, hat er doch kaum Möglichkeit zu erkennen, wer nun  Ebony Maw (Tom Vaughan-Lawlor),  Cull Obsidian (Terry Notary), Proxima Midnight (Carrie Coon) und Corvus Glaive (Michael James Shaw) überhaupt sind, wo sie herkommen und warum sie Thanos helfen. Vorher traten sie nie in Erscheinung und m an kann sie nun schulterzuckend einfach hinnehmen als das was sie sind: superböse Helfer des Titanen. Das ist etwas schade, denn gerade die "Black Order" hätte etwas mehr Hintergrund benötigt. Doch in dem mit 149 Minuten sowieso schon sehr langen (aber nie langatmigen!) Streifen... wo wäre dafür noch Platz gewesen? So kennt man die 4 Bösewichter im Film kaum beim Namen und wenn man ihn doch mal aufschnappt hat man ihn gleich wieder vergessen.

Aber nach Thanos ist die wichtigste Figur von allen, und die Figur, die der Geschichte in "Avengers: Infinity War" viel von ihrer tragischen Statur verleiht, Zoe Saldanas Gamora, die Adoptivtochter von Thanos. Die Beziehungskiste der beiden wird in Rückblenden erzählt, die allmählich aus dem fernen Hintergrund auftauchen und eine gewichtige Rolle spielen - sowohl in der Handlung als auch in der ultimativen thematischen Resonanz des Werkes. Die Art und Weise, wie Saldana hier ihre Gamora spielt, ist höchst dramatisch und zu dem Zeitpunkt, in der Thanos und Gamoras Beziehung wirklich in den Mittelpunkt rückt, hat sich der Film bereits ziemlich merkwürdig von einer leichtfüßigen, spaßigen Stimmung zu einer der klassischen Tragödie verschoben - eine nicht gerade unbedeutende Leistung in einer von Comics abgeleiteten Unterhaltung.


Und ohne spoilern zu wollen, ist dann auch das Finale von "Avengers: Infinity War" erschreckend, und kein MARVEL-Fan wird gehen, bevor der lange Abspann dem traditionellen Teaser am Ende Platz macht, was das Ende des Films an sich noch einmal verstärkt, indem er noch mehr Fragen aufstellt und tatsächlich keine Antworten liefert. Dies wird auch sicher das erwünschte Ergebnis erreichen, dass Millionen von Fans darüber diskutieren, was dies alles bis zum nächsten Film, der erst in einem Jahr, genauer: am 25. April 2019 in die Kinos kommt, bedeuten könnte. Alles, was der Zuschauer sicher weiß, ist, dass hier alles passieren kann. Und somit stellt sich keine Frage, denn kaum zwei Monate nach der Veröffentlichung von "Black Panther" ist MARVEL (und natürlich Disney) mit einem weiteren der teuersten Filme, die je produziert wurden, zurückgekehrt und hat einen weiteren der größten Werbespots aller Zeiten hervor gebracht. Dieses Franchise wird in absehbarer Zeit garantiert nicht verschwinden. So viel ist sicher.

9/10


Von WALT DISNEY STUDIOS gab es die 4-teilige Filmreihe exklusiv bei BestBuy in einem Metall-Slipcase, welches die 4 Filme auf 4K Ultra-HD Blu-ray im Steelbook enthielt.


Quellen
Inhaltsangabe: Marvel / Disney

Mittwoch, 24. April 2019

Avengers: Endgame (2019)

https://www.imdb.com/title/tt4154796/

Thanos (Josh Brolin) hat also tatsächlich Wort gehalten, seinen Plan in die Tat umgesetzt und die Hälfte allen Lebens im Universum ausgelöscht. Die Avengers? Machtlos. Iron Man (Robert Downey Jr.) und Nebula (Karen Gillan) sitzen auf dem Planeten Titan fest, während auf der Erde absolutes Chaos herrscht. Doch dann finden Captain America (Chris Evans) und die anderen überlebenden Helden auf der Erde heraus, dass Nick Fury (Samuel L. Jackson) vor den verheerenden Ereignissen gerade noch ein Notsignal absetzen konnte, um Verstärkung auf den Plan zu rufen. Die Superhelden-Gemeinschaft bekommt mit Captain Marvel (Brie Larson) kurzerhand tatkräftige Unterstützung im Kampf gegen ihren vermeintlich übermächtigen Widersacher. Und dann ist da auch noch Ant-Man (Paul Rudd), der wie aus dem Nichts auftaucht und sich der Truppe erneut anschließt, um die ganze Sache womöglich doch noch zu einem guten Ende zu bringen...

Mit einem bloßen Fingerschnippen lies im Jahr 2018 Thanos und MARVEL die Fans im Regen stehen. Einfach so. Fassungslos verließen Zuschauer den Saal. Hatten wir das tatsächlich gerade gesehen? "Avengers: Infinity War" endete mit einem der bösesten Cliffhanger aller Zeiten. Ein Jahr Warten hieß es nun, bis der zweite Teil der Infinity-Saga, "Avengers: Endgame" in die Kinos kommen sollte. Um den Titel rankten sich lange Zeit Spekulationen, doch schließlich sollte Doctor Strange recht behalten, als er sagte "Jetzt sind wir im Endspiel." / "Now we're in the Endgame." Es ist vermutlich kaum zu glauben, aber es ist unheimlich schwer, eine spoiler-freie Rezension zu "Avengers: Endgame" zu verfassen, doch dies ist sie. Und, ehrlich gesagt, sollte man auch diese Rezension wahrscheinlich trotzdem immer noch nicht lesen, sofern man den Film noch nicht gesehen hat.

Je weniger man über "Avengers: Endgame" weiß, desto eher wird man den Film genießen können, denn die Trailer verraten rein agr nichts über das, was man serviert bekommt - was gut (und in letzter Zeit vor allem selten geworden) ist. Natürlich hätten man nun auch keine Rezension dieses Films angeklickt, wenn man nicht wissen wöllte, wie MARVELs Superhelden-Geschichte, das auf einem Jahrzehnt an Filmen aufbaut, beschaffen ist, aber man kann mit Fug und Recht behaupten, dass "Avengers: Infinity War", mehr als jeder "Star Wars"-Film ist "Avengers: Endgame" wirklich eine Geschichte, die erlebt werden muss. Am besten ist, man vergisst all die Beeinflussung an vagen Teaser-Trailern, die perfekt kalibrierten Interviews und irgendwelche Leaks und lässt sich einfach mitreißen, denn MARVEL liefert mit diesem Film eine passende und überraschend poetische Belohnung für die Infinity Saga.


Was man von "Avengers: Endgame" mitnehmen kann, hängt - und das muss man ehrlich sagen - viel davon ab, in wie weit man mit den vorigen einundzwanzig Filmen des mächtigen MCU verbunden ist, was man daraus mitgenommen und behalten hat. Es ist nicht nötig, diese Filme oder gar ihre Handlung zu kennen, um "Avengers: Endgame" zu verstehen, aber dieser Film verbindet unfassbar viele Teile, Filme und Situationen, dass sich manch einerfragen könnte, woher und warum und die, die sich mit diesem Universum bestens auskennen, bekommen einen so unfassbar guten Fan-Service, dass es einem mehr als nur einmal die Tränen in die Augen trebt. Insgesamt ist "Avengers: Endgame" ein Film, der das gesamte Wissen über das MCU in vollem Umfang belohnt.

Über den Film lässt sich nun auch wenig sagen, ohne zumindest auf seine Wendungen einzugehen, aber man kann mit Sicherheit sagen, dass "Avengers: Endgame" ein kleines Wunder an Überraschungen ist, sowohl was die Erzählweise als auch den logistischen Ehrgeiz angeht. In "Avengers: Infinity War" sprach Thanos von der Notwendigkeit eines Gleichgewichts, und "Avengers: Endgame" erreicht dieses Ziel mit überraschender Zuversicht. In den geschickten Händen der Drehbuchautoren Christopher Markus und Stephen McFeely und der Regisseure Joe und Anthony Russo bewegt sich der Film zwischen Drama und Komödie, Action und SciFi und bietet neben einigen der düstersten und emotional aufrichtigsten Szenen in der Geschichte der MCU auch ein paar der witzigsten und nachdenklichsten. Hier gibt es etwas weniger witzige Momente als in "Avengers: Infinity War", aber der Films selbst ist doch heiterer und oft freudiger, als man es von einer Geschichte erwarten könnte, die mit den Folgen von Thanos Fingerschnipsen beginnt.



"Avengers: Endgame" ist ein Film, der sich anfühlt, als wäre er von Fans für Fans gemacht worden - bis zu dem Punkt, an dem einige Szenen zweifellos als regelmäßiger Fanservice bezeichnet werden können. Es ist jedoch schwierig, diese Momente als zynische Verstrickung zu sehen, so sehr wie verdiente und effektive Hommagen an die Momente, Charaktere und Beziehungen, in die der interessierte Zuschauer in den letzten elf Jahren so hineingewachsen ist. Mehrere Szenen wirken wie eine Comicseite, die zum Leben erweckt wird, und dies ist eine äußerst aufregende Erkenntnis, die einen dazu zwingt, die schiere Reichweite dessen, was MARVEL Studios-Chef Kevin Feige und sein Team zusammengetragen haben, zu erfassen.

Während "Avengers: Infinity War" sein Bestes getan hat, um mit einer riesigen Gruppe von Helden aus verschiedenen Bereichen und noch unterschiedlicheren Orten zu jonglieren, die die gesamte MCU-Geschichte abdeckt (mit teilweise etwas gemischten Ergebnissen, je nachdem, wen man fragt), ist es kein Spoiler zu sagen, dass "Avengrs: Endgame" seinen Fokus folgerichtig auf die ursprünglichen sechs Avengers (mit einem Hilfe von den anderen Überlebenden) legt, wobei jeder einen wohlverdienten Moment - oder mehrere - im Scheinwerferlicht erhält. Die Kosten für das Ableben so vieler Charaktere sind hoch, aber es zahlt sich hervorragend aus. Markus und McFeelys Skript erlaubt einige unerwartete Entwicklungen bestimmter Helden, darunter auch einige Entscheidungen, die sicherlich unübersehbar waren, aber Fans der heiligen Dreifaltigkeit der MCU, Iron Man, Captain America und Thor, sollten viele ikonische Momente finden, um zufrieden den Saal zu verlassen, auch wenn einiges ganz bitter schmeckt. Das heißt nun auchnicht, dass andere Charaktere nicht gleichermaßen ausschlaggebend sind. Zur gleichen Zeit haben mehrere Helden weniger zu tun, als man vielleicht erwarten würden, aber wenn man das MCU als Ganzes und eine potenzielle Zukunft in Betracht zieht, könnte man sehen, warum sich die Autoren entschieden haben, diesen speziellen Weg von 14.000.605 Möglichen zu beschreiten, die hätten gegangen werden können.


Es wurde viel aus dem epischen Film mit einer Dauer von 181 Minuten gemacht, aber wenn man bedenkt, wie dicht die Atmosphäre ist (und "Avengers: Endgame" packt wirklich viel in diese übergroße Laufzeit ein), fühlt sich das Tempo beim ersten Anblick straffer an als bei "Avengers: Infinity War". Die Hauptkritik (oder zumindest das einzige, über das man in breitem Sinne diskutieren könnte, ohne irgendetwas zu verderben), die sich gegen Avengers richtet, ist, dass Endgame dasselbe Problem hat, welches auch die meisten anderen MARVEL-Filme bisher ebenso geplagt hat: eine übermäßige Abhängigkeit von überproduzierten CGI-Schlachten, die trotz allem zu groß und zu aufwändig in der Inszenierung sind und man kommt nicht umhin zu sagen, das dies in betäubende Pixel-auf-Pixel-Orgien übergeht. Das ist alles beeindruckend, ohne Frage, und sieht auchnoch brachial-grandios aus, aber hier fehlt an mancher Stelle das Herz. Der Film enthält mehrere eindrucksvolle Versatzstücke, die die Handlung effektiv mit emotionalen Einsätzen begründen, und sie erweisen sich als einige der Höhepunkte der Erzählung, aber wenn sich der Fokus auf eine größere Leinwand erweitert, geht etwas von der Dringlichkeit und Klarheit verloren. Glücklicherweise behält ein Großteil der Geschichte einen klaren Fokus und bestimmte Ziele bei, die unsere Helden verfolgen müssen. Dies gibt "Avengers: Endgame" einen Impuls und eine Dichte, die es selbst in den ruhigeren, mehr von den Charakteren bestimmten Momenten antreibt.


In diesen Momenten, in denen "Avengers: Endgame" hervorragend ist, kann man - so episch wie manche Kampfsequenzen auch sein mögen - auch Einblicke in die mentalen Zustände unserer Helden erhalten, auf eine Weise, für die wir in früheren Team-Ups selten Zeit hatten. Es gibt Pausen für Trauer, Schuld, Liebe und Sehnsucht, was letztendlich die eskalierende Aktion umso lohnender macht.

Aber die größte Leistung von "Avengers: Endgame" ist vielleicht, wie es unser Verständnis und die Wertschätzung der Filme, die ihm vorausgingen, vertieft. Dies ist wirklich ein Höhepunkt für ein komplettes Franchise, nicht nur eine Lösung für den Cliffhanger von "Avengers: Infinity War". Auch wenn man nun weiß, dass das MCU dank der bereits in Entwicklung befindlichen Prequels, Fortsetzungen und Spin-Offs in der einen oder anderen Form fortbestehen wird, lässt sich nicht leugnen, dass dies das Ende einer Ära ist - nicht nur für unsere Helden, sondern für eine Generation von Fans, die gewachsen sind und sich verändert haben und mit ihnen ihre eigenen Familien geschmiedet haben. Das Endgame mag der letzte Film sein, in dem Stan Lee erscheint, aber dank dieser unauslöschlichen Charaktere und der Schauspieler, die sie mit Leben erfüllt haben, fühlt es sich an, als sei sein bedeutendes künstlerisches Erbe in guten Händen.


Zusammenfassend ist "Avengers: Endgame" ohne Zweifel der ehrgeizigste, emotionalste und ergreifendste Film des Marvel Cinematic Universums, der es zudem schafft, mehr als ein Jahrzehnt Storytelling in einem selbstbewussten (und meist kohärenten) Höhepunkt zusammenzubringen - eine Hürde, über die viele andere Blockbuster-Franchisen in ihren letzten Zügen stolpern, straucheln und stürzen.

Dies wird unweigerlich jahrelange heftige Debatten unter den Fans provozieren, und ein übermäßiges Vertrauen auf unordentliche CGI-Action wird einige Aufmerksamkeit auf sich ziehen, aber in Bezug auf Herz und Seele hält "Avengers: Endgame" nichts zurück. Dies war vielleicht nicht der einzige Weg für MARVEL, das erste Kapitel seiner weitläufigen Superhelden-Saga zu beenden, aber wenn er mit 14.000.605 möglichen Ergebnissen konfrontiert wird, gelingt es ihm, eine überraschende und befriedigende Sache zu sein. Schlicht und ergreifend grandios.

9,5/10

Von WALT DISNEY STUDIOS gab es die 4-teilige Filmreihe exklusiv bei BestBuy in einem Metall-Slipcase, welches die 4 Filme auf 4K Ultra-HD Blu-ray im Steelbook enthielt.


Quellen
Inhaltsangabe: Marvel / Disney