https://www.imdb.com/de/title/tt8814476/https://letterboxd.com/film/supergirl-2026/Kara Zor-El alias Supergirl (Milly Alcock) feiert ihren 23. Geburtstag mit einer Sauftour - und zwar zusammen mit ihrem Hund Krypto quer durch die Galaxis. Abstand zur Erde ist ihr eigentlich ganz recht, denn auf diesem Planeten steht sie sowieso nur im Schatten ihres Cousins Superman (David Corenswet). Außerdem stammen die beiden zwar vom selben Planeten, nämlich Krypton, haben jedoch ein gänzlich unterschiedliches Verhältnis zu ihrer einstigen Heimat. Denn Superman ist bereits als Baby auf der Erde gelandet, während seine Cousine mit eigenen Augen ansehen musste, wie ihre kryptonische Heimatstadt Argo unterging. Doch sie und Krypto bleiben nicht lange alleine, denn sie geraten an Ruthye Marye Knoll (Eve Ridley), die den Tod ihres Vaters rächen will. Der wurde von dem Fiesling Krem (Matthias Schoenaerts) getötet. Doch erst als dieser auch Supergirls Hund Kryto vergiftet, schließt sich die Heldin Ruthyes Mission an...

Mit "Supergirl" versucht das neue DC-Universum, seiner zweiten großen Heldin nach Superman einen deutlich anderen Charakter zu geben. Kara Zor-El (Milly Alcock) ist keine strahlende Idealistin, sondern eine junge Frau, die den Untergang Kryptons miterlebt hat und mit ihrem Trauma alles andere als gut klarkommt. Zum 23. Geburtstag zieht sie lieber betrunken durch die Galaxis, als sich um die großen Probleme der Welt zu kümmern. Erst die junge Ruthye (Eve Ridley), deren Vater vom brutalen Krem (Matthias Schoenaerts) ermordet wurde, bringt Kara dazu, Verantwortung zu übernehmen. Und das ist auch grundsätzlich eine interessante Ausgangslage, weil der Film Supergirl bewusst als Gegenentwurf zu David Corenswets Superman positioniert. Während Kal-El die Hoffnung verkörpert, ist Kara zunächst von Verlust, Wut und Orientierungslosigkeit geprägt. Milly Alcock trägt diese widersprüchliche Figur erstaunlich souverän. Sie kann gleichzeitig lässig, verletzlich, zynisch und sympathisch sein und verleiht Kara eine raue Persönlichkeit, die sich angenehm von den üblichen makellosen Superhelden unterscheidet.

Auch Eve Ridley macht als Ruthye einen guten Job. Die Beziehung zwischen dem Mädchen und Kara bildet das emotionale Zentrum des Films. Aus der zunächst widerwilligen Zweckgemeinschaft entwickelt sich langsam eine Verbindung zwischen zwei Menschen, die mit Verlust und Rache sehr unterschiedlich umgehen. Gerade hier besitzt "Supergirl" einige seiner besten Momente. Das Drehbuch von Ana Nogueira versucht, Superheldenkino mit einer klassischen Rachegeschichte und Elementen eines Space-Westerns zu verbinden. Die Vorlage "Supergirl: Woman Of Tomorrow" von Tom King und Bilquis Evely liefert dafür eine passende Grundlage. Leider verschenkt der Film einen Teil dieses Potenzials. Matthias Schoenaerts spielt Krem zwar körperlich bedrohlich, doch die Figur bleibt als Bösewicht erstaunlich eindimensional. Seine Grausamkeit wird vor allem behauptet, statt sie dramaturgisch interessant zu machen. Damit fehlt Supergirl ein Gegenspieler, an dem sich ihre moralische Entwicklung wirklich reiben könnte. Auch Jason Momoa als Lobo ist ein zweischneidiges Vergnügen: Momoa hat sichtlich Spaß an der Figur und sorgt für einige der lautesten Momente, wirkt aber gleichzeitig wie ein Fremdkörper in einer Geschichte, die eigentlich Kara und Ruthye gehören sollte. Als wäre er da, um da zu sein, nicht um der Geschichte weiter zu helfen.

Visuell ist das Ergebnis dagegen durchaus beeindruckend. Regisseur Craig Gillespie und Kameramann Rob Hardy erschaffen eine dreckige, ungewöhnlich physische Science-Fiction-Welt mit heruntergekommenen Raumstationen, fremdartigen Planeten und einem bewusst rauen Look. Statt glänzender Superheldenästhetik gibt es Bars, Gefängnisse, Raumschiffe und außerirdische Grenzregionen, die eher an einen Space-Western erinnern. Auch das Produktionsdesign von Neil Lamont gehört zu den stärkeren Elementen des Films. Gillespie wollte bewusst eine gewisse Unordnung und Textur in die riesige Blockbuster-Produktion bringen - und das sieht man. Weniger überzeugend ist die Action. Zwar gibt es einige ordentliche Kämpfe und spektakuläre Flugsequenzen, doch gerade in den größeren Szenen verliert die Inszenierung häufig an Übersichtlichkeit. Schnelle Schnitte, CGI und eine teilweise hektische Kamera sorgen dafür, dass die eigentliche Wucht der Auseinandersetzungen nicht immer ankommt. Was bei Kara als Ausdruck ihrer Wut funktionieren soll, wirkt gelegentlich schlicht unruhig. Auch hier fällt "Supergirl" hinter die besten modernen Superheldenfilme zurück.

Interessanter ist die musikalische Seite. Claudia Sarne kombiniert elektronische und orchestrale Elemente und gibt Kara ein eigenes musikalisches Thema, das ihre Entwicklung von der verbitterten Außenseiterin zur verantwortungsbewussteren Heldin begleitet. Dazu kommen zahlreiche Pop-Songs, die den rebellischen Charakter der Figur unterstreichen. Der Soundtrack passt damit grundsätzlich gut zum ungewöhnlichen Ton des Films, auch wenn die ständige Mischung aus Songs, Humor, Action und Drama manchmal etwas beliebig wirkt. Überhaupt ist der Ton das größte Problem. "Supergirl" möchte gleichzeitig düsteres Charakterdrama, intergalaktisches Abenteuer, Buddy-Movie, Rachewestern und lockere DC-Komödie sein. Einzelne Elemente funktionieren durchaus, zusammen wirkt das Ganze aber nicht immer harmonisch. Manche Szenen nehmen Karas Trauma ernst, kurz darauf folgt ein Gag oder ein überdrehter Lobo-Auftritt. Die Mischung erinnert stellenweise an die lockere kosmische Tonalität von James Gunns früheren Arbeiten, ohne deren Rhythmus und Präzision zu erreichen.

Positiv ist immerhin, dass "Supergirl" nicht voraussetzt, dass man das gesamte neue DC-Universum kennt. Superman taucht zwar auf, wird aber nicht zum heimlichen Hauptdarsteller. Stattdessen nutzt der Film den Kontrast zwischen den beiden Cousins, um zu zeigen, wie unterschiedlich dieselbe Herkunft einen Menschen prägen kann. Das funktioniert wesentlich besser als die vielen kleinen Verbindungen und Cameos, die ansonsten leicht nach Franchise-Pflichtprogramm aussehen könnten. Unterm Strich bleibt "Supergirl" ein Film mit einer guten Hauptdarstellerin und einer interessanten Heldin, der seine eigene Qualität aber nicht konstant erreicht. Milly Alcock besitzt eindeutig das Charisma, um diese Version von Kara Zor-El über mehrere Filme zu tragen. Die Welt, in die man sie stellt, ist visuell spannend und groß genug für weitere Geschichten. Nur hätte das Drehbuch dieser starken Figur einen ebenso starken Konflikt und einen überzeugenderen Bösewicht gönnen müssen. So bleibt ein unterhaltsames, teilweise überraschend melancholisches Weltraumabenteuer, das immer wieder zeigt, was daraus hätte werden können. "Supergirl" ist weder der große Fehlstart, noch der erhoffte Befreiungsschlag für das DC-Universum. Dafür ist zu viel gelungen - und gleichzeitig zu viel verschenkt worden.
6,5/10
Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: DC Studios/Troll Court Entertainment/The Safran Company/Domain Entertainment
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