https://letterboxd.com/film/see-no-evil/
Nach einem Reitunfall hat die junge Sarah (Mia Farrow) ihr Augenlicht verloren und verbringt ihre Genesungszeit auf dem abgelegenen Landsitz ihrer Verwandten im englischen Berkshire. Dort lebt sie bei ihrer Tante Betty Rexton (Dorothy Alison), ihrem Onkel George Rexton (Robin Bailey) und ihrer Cousine Sandy Rexton (Diane Grayson). Während sie sich langsam an ihr neues Leben gewöhnt, geschieht in ihrer Abwesenheit ein grausames Verbrechen. Als Sarah zurückkehrt, ahnt sie zunächst nicht, dass sie sich in unmittelbarer Gefahr befindet. Bald muss sie feststellen, dass ein unbekannter Killer noch immer in ihrer Nähe ist. Da Sarah blind ist, wird ihr vertrautes Zuhause plötzlich zu einem gefährlichen Labyrinth, in dem sie sich allein auf Gehör, Tastsinn und ihr Gedächtnis verlassen kann...
Richard Fleischers "See No Evil" - auch unter dem Titel "Blind Terror" und in der deutschen "Übersetzung" "Stiefel, die den Tod bedeuten" bekannt - ist ein klassischer britischer Psychothriller, der aus einer einfachen Prämisse erstaunlich viel Spannung gewinnt. Die nach einem Reitunfall erblindete Sarah (Mia Farrow) verbringt ihre Genesungszeit auf dem Landsitz ihrer Familie. Ohne es zu wissen, befindet sich dort bereits ein Mörder, der ihre Angehörigen tötet. Als Sarah schließlich allein zurückbleibt, wird ihre Blindheit vom Handicap zum entscheidenden Element eines nervenaufreibenden Katz-und-Maus-Spiels, bei dem der Zuschauer stets mehr weiß als die Protagonistin.
Fleischer inszeniert den Film angenehm geradlinig und setzt weniger auf spektakuläre Schocks als auf dramatische Ironie: Das Publikum sieht die Gefahr, während Sarah sie nicht sehen kann. Die Berkshire-Landschaft und das abgelegene Anwesen verstärken dabei die beklemmende Isolation. Der entscheidende Trumpf ist Mia Farrow. Sie spielt Sarah verletzlich, aber keineswegs hilflos und vermittelt überzeugend, wie sie sich ihre Umgebung über Gehör, Tastsinn und Erinnerung erschließt. Allerdings folgt die Handlung letztlich einem bekannten Thriller-Schema, manche Entscheidungen der Figuren wirken konstruiert und die Spannung wird nicht über die gesamte Laufzeit gleich konsequent gehalten. Zudem kann die extreme Gefährdung Sarahs stellenweise eher sadistisch als wirklich psychologisch wirken. "See No Evil" ist letztlich kein revolutionärer Thriller (schon gar nicht aus heutiger Sicht) , aber ein ausgesprochen wirkungsvoller Vertreter seines Genres. Die starke Hauptdarstellerin, die atmosphärische Inszenierung und das konsequent ausgespielte Blindheitsmotiv machen ihn auch heute noch sehenswert - vorausgesetzt, man kann mit einem gelegentlich etwas altmodischen und harten Thriller-Stil leben.


Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen