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"Rubber" ist durch seine eingebaute Metaebene eine Huldigung des Sinnlosen: In der kalifornischen Wüste versammelt sich eine Schar von Menschen. Gespannt lauschen sie einem Vortrag des lokalen Sheriffs Chad (Stephen Spinella) über das filmische Element "No Reason" - eine gewisse Sinnlosigkeit in Filmen, die jede Handlung vorantreibt. Um selbst Zeuge des "No Reason" werden zu können, bekommen die Wüstenbesucher Ferngläser in die Hand. In der entfernten Landschaft beobachten sie einen zum Leben erwachten Autoreifen, der mittels Telekinese Tiere und menschliche Köpfe zum Explodieren bringt...
"Rubber" ist einer dieser Filme, bei denen die eigentliche Frage weniger lautet, ob die Idee funktioniert, sondern wie lange man bereit ist, sich auf ihre Konsequenzen einzulassen. Quentin Dupieux macht aus einem herrenlosen Autoreifen namens Robert einen telekinetischen Killer und verbindet absurden Horror mit einer selbstbewussten Parodie auf Genrefilm, Zuschauerhaltung und filmische Erzählregeln. Die Inszenierung ist dabei deutlich interessanter als die eigentliche Handlung. Robert rollt durch die kalifornische Wüste, entwickelt telekinetische Kräfte und beginnt, Gegenstände, Tiere und Menschen zu zerstören. Parallel beobachtet eine Gruppe von Zuschauern das Geschehen mit Ferngläsern - ein ebenso simpler wie cleverer Kniff, mit dem Dupieux die Beziehung zwischen Film und Publikum sichtbar macht. Der Film kommentiert fortwährend seine eigene Künstlichkeit und verweigert sich bewusst klassischer Logik. Auch visuell besitzt "Rubber" einen eigenständigen Charme. Die weiten Wüstenlandschaften, die reduzierte Bildsprache und der bewusst trockene Soundmix verleihen dem Geschehen eine fast hypnotische Wirkung. Besonders gelungen ist, wie Dupieux den Reifen selbst zur Figur macht: Ohne Gesicht oder Sprache bekommt Robert durch Bewegung, Rhythmus und Montage erstaunlich viel Persönlichkeit. Die Spezialeffekte sind dabei nicht auf spektakulären Realismus ausgelegt, sondern unterstützen den bewusst künstlichen Charakter des Films. Stephen Spinella als Lieutenant Chad und Jack Plotnick als Zuschauer beziehungsweise Filmfigur tragen die Metaebene mit bewusst überzeichnertem Spiel. Roxane Mesquida ergänzt das Ensemble als Sheila. Gerade die Darsteller akzeptieren die absurde Prämisse, ohne sie durch übertriebene Erklärungen zu zerstören. Das passt zum Grundprinzip des Films: sinnlose und völlif absurde Dinge geschehen, weil sie eben geschehen.Allerdings wird Dupieux’ Konzept auf Spielfilmlänge auch zur Belastungsprobe. Die Idee ist originell, die Umsetzung mutig, aber die dramaturgische Entwicklung bleibt bewusst dünn. Nach dem anfänglichen Überraschungseffekt wiederholen sich bestimmte Muster, und aus der subversiven Idee wird phasenweise schlicht Leerlauf. Doch letztlich ist "Rubber" ein originelles, wunderbar bescheuertes und formal durchaus intelligentes Filmexperiment. Dupieux beweist Mut, einen Killerreifen zum Mittelpunkt eines Films zu machen und gleichzeitig die Mechanismen des Kinos selbst aufs Korn zu nehmen. Die Inszenierung, der trockene Humor und die ungewöhnliche Metaebene funktionieren immer wieder hervorragend. Gleichzeitig trägt die zentrale Idee keine 85 Minuten ohne Ermüdungserscheinungen. Wo der Film anfangs überraschend und anarchisch wirkt, erscheint er später zunehmend selbstverliebt und repetitiv. Dem zum Trotz kann man mit "Rubber" eine wunderbare Zeit haben - wenn man bereit dafür ist.



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