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Als sich ein Videofilmer auf eine Online-Anzeige für einen Ein-Tages-Job in einem abgelegenen Bergdorf meldet, muss er feststellen, dass sein Klient nicht das ist, was er zunächst zu sein scheint.
"Creep" ist ein gutes Beispiel dafür, wie wenig ein Horrorfilm eigentlich braucht, um unangenehm zu werden. Patrick Brice reduziert seinen Debütfilm fast vollständig auf zwei Männer, eine Kamera und eine zunehmend verstörende Begegnung. Videofilmer Aaron (Patrick Brice) nimmt einen scheinbar einfachen Auftrag von Josef (Mark Duplass) an, der für sein ungeborenes Kind ein Videotagebuch aufnehmen möchte. Was zunächst nur seltsam wirkt, entwickelt sich langsam zu einem psychologischen Katz-und-Maus-Spiel. Gerade diese langsame Verschiebung von sozialer Peinlichkeit zu echter Bedrohung ist die große Stärke des Films. Mark Duplass' Josef ist gleichzeitig freundlich, lächerlich, manipulativ und beunruhigend - und gerade weil Duplass nicht permanent auf "Psychopath" spielt, bleibt seine Figur zunächst schwer einzuschätzen. Patrick Brice hält als Aaron glaubwürdig dagegen und vermittelt überzeugend, warum sein Charakter trotz wachsender Zweifel immer wieder versucht, die Situation zu entschärfen.
Auch die Inszenierung überzeugt durch ihre Konsequenz. Die Handkamera wirkt nicht wie ein aufgesetzter Genre-Gimmick, sondern ergibt sich logisch aus Aarons Tätigkeit. Musik, aufwendige Effekte und klassische Horrorkulissen spielen kaum eine Rolle. Stattdessen entstehen Spannung und Atmosphäre durch Blicke, Pausen, Dialoge und kleine Grenzüberschreitungen. Das macht "Creep" erstaunlich intim und teilweise unangenehm realistisch. Doch Aarons Entscheidungen wirken mit zunehmender Laufzeit teilweise schwer nachvollziehbar, und der Film verlangt dem Zuschauer einiges an Geduld ab. Außerdem verliert die zweite Hälfte etwas von der subtilen Ambivalenz des starken ersten Abschnitts. "Creep" ist kein besonders blutiger oder spektakulärer Horrorfilm, sondern ein kleines, clever konstruiertes Psychospiel, das seine Wirkung hauptsächlich aus zwei starken Darstellern und einer konsequent minimalistischen Inszenierung bezieht. Besonders Mark Duplass macht Josef zu einer Figur, von der man kaum wegsehen kann. Die beklemmende Atmosphäre und der trockene, teilweise schwarze Humor funktionieren hervorragend, während die etwas konstruierten Entscheidungen und die im späteren Verlauf weniger subtile Dramaturgie eine höhere Wertung verhindern.


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