Samstag, 23. Mai 2026

Ladies First (2026)

https://www.imdb.com/de/title/tt34611082/

Damien Sachs (Sacha Baron Cohen) verfügt über Wohlstand, Einfluss und zahlreiche unverbindliche Beziehungen. Auf dem Weg zur CEO-Position einer führenden Werbeagentur wirkt seine berufliche und private Situation stabil und klar strukturiert. Doch ein unerwartetes Ereignis führt dazu, dass er in einer parallel aufgebauten Realität erwacht. Dort sind gesellschaftliche und wirtschaftliche Machtverhältnisse verschoben, Frauen nehmen dominante Positionen ein, und vertraute Strukturen innerhalb der Unternehmenswelt bestehen nicht mehr in der bisherigen Form. Innerhalb dieses neuen Systems muss Damien seine Rolle neu bestimmen und sich in einem veränderten beruflichen Umfeld orientieren. Alex Fox (Rosamund Pike) begegnet ihm in dieser Ordnung als einflussreiche Akteurin, die nun eine zentrale Stellung im Machtgefüge einnimmt. Aus der ehemals bestehenden Asymmetrie entwickelt sich eine direkte berufliche und persönliche Konfrontation, in der beide ihre Positionen behaupten und Einfluss im Arbeitsalltag sichern wollen.

Der Film beginnt mit einer dankbar überspitzten Prämisse und leidet doch an derselben Krankheit wie viele High-Concept-Komödien der Streaming-Ära: Er weiß ziemlich genau, was er sagen will, aber nicht immer, wie er es über die Dauer eines ganzen Films lebendig hält. Das Ergebnis ist eine glatt produzierte, ordentlich gespielte, aber letztlich zu einspurige Satire, die sich auf ihren Rollenwechsel verlässt, lange nachdem der eigentliche Witz erklärt worden ist. Die Story ist schnell erzählt: Damien Sachs, ein selbstzufriedener Werbemanager, wacht nach einem Unfall in einer Parallelwelt auf, in der Frauen die gesellschaftliche und berufliche Macht innehaben. Diese Umkehrung bildet den Kern des Films und was zunächst wie eine scharfe, elegante Idee wirkt, wird von Beginn an sehr deutlich ausgestellt. Doch der Film entwickelt seine Pointe nicht, sondern wiederholt diese so oft, das die Mechanik seines Konzepts schon früh offen gelegt wird und kaum Raum für Überraschung bleibt.

Der Film will die üblichen Geschlechterklischees spiegeln, um ihre Absurdität sichtbar zu machen. In seinen besten Momenten gelingt das auch: Die verdrehten Machtverhältnisse haben hin und wieder eine klare, bittere Komik, und einzelne Szenen treffen ziemlich genau den Ton zwischen Spott und Unbehagen. Doch die Satire ist zu oft so brav, dass sie ihre eigene Frechheit unterläuft. Sacha Baron Cohen spielt Damien mit jener Mischung aus Selbstüberschätzung und panischer Verlorenheit, die man von ihm erwarten darf, und Rosamund Pike bringt die nötige Kälte und Präzision mit, um den Rollentausch nicht zur bloßen Klamotte werden zu lassen. Gerade Pike ist hier die überzeugendere Präsenz, weil sie auch dann noch Autorität ausstrahlt, wenn das Drehbuch ihr nur die Funktion der ernüchternden Gegenkraft gibt. Auch das Ensemble um Charles Dance, Fiona Shaw, Emily Mortimer und Richard E. Grant verleiht dem Film mehr Gewicht, als das Material eigentlich verdient. Das ist einer der Gründe, weshalb "Ladies First" nie wie ein Desaster wirkt; es ist eher ein Film, der sichtbar über bessere Elemente verfügt, als er sinnvoll zusammensetzt. 

"Ladies First" scheitert gelegentlich daran, dass er nicht menschlich genug ist, um über seine Pointe hinaus zu tragen. Er ist nicht böse genug für echte Reibung und nicht leichtfüßig genug für pure Eskapadenkomik. Selbst die kürzere Laufzeit hilft da nur bedingt. Dem Film geht schon nach kurzer Zeit die Puste aus, weil die Grundidee sehr früh auserzählt ist und danach nur noch Variationen derselben Lektion folgen. Auch "Ladies First" ist damit kein Totalschaden, sondern ein Film, der sein Thema korrekt erkennt und doch zu früh aufhört, es mit Witz, Mut oder Grausamkeit zu vertiefen. Am Ende bleibt ein Film, der mehr nach dem Klang einer guten Idee als nach einer guten Ausführung klingt. Er hat talentierte Schauspieler, eine brauchbare Form, einige treffende Spitzen und ein Thema, das klar genug ist; aber er besitzt nicht die komödiantische Kühnheit, die aus einer netten Prämisse eine bleibende Satire machen würde. Ein klassischer Fall eines Films, den man respektiert, während man auf die bessere, schärfere Version derselben Idee wartet.

5,5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: 3dot productions/Four by Two Films/Netflix

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen