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Sonntag, 4. Dezember 2016

Ghostbusters (Extended Cut) (2016)

http://www.imdb.com/title/tt1289401/

Abby Yates (Melissa McCarthy) hat schon immer an Gespenster geglaubt, es ist ihr ganz egal, ob man sie dafür belächelt. In einem heruntergekommenen Labor erforscht sie das Paranormale, unterstützt wird sie von der schrägen, aber genialen Ingenieurin Jillian Holtzmann (Kate McKinnon), die allerlei abgefahrene Anti-Geister-Waffen bastelt. Abbys alte Freundin Erin Gilbert (Kristen Wiig) hat das umstrittene Forschungsgebiet hingegen schon lange für eine Karriere als seriöse Physikerin aufgegeben, was einst zum Bruch zwischen den beiden Partnerinnen geführt hat. Doch als Erin kurz vor einer Festanstellung an der renommierten Columbia-Universität steht, wird sie von der gemeinsamen Geisterforschervergangenheit eingeholt. Sie bittet Abby um Hilfe, aber die wittert schnell eine ganz andere Gelegenheit und schleppt Erin mit zu einem Herrenhaus aus dem 19. Jahrhundert, in dem es zu einer Geistererscheinung gekommen sein soll. Nach diesem Termin ist nichts mehr so wie vorher: Die Frauen mischen als Ghostbusters New York auf und erhalten durch die resolute U-Bahn-Angestellte Patty Tolan (Leslie Jones) weitere Verstärkung.

Beinahe schon zu viel Kritik und Hass musste die "Ghostbusters"-Neuauflage schon vor der Kinopremiere im Sommer 2016 einstecken: das Ergebnis war letztendlich vorwiegend Gegenstand einer schon fast politischen Feminismus-Diskussion. Nach jahrzehntelangen Überlegungen zu einem dritten Teil entschied man sich für einen Reboot mit weiblichen Charakteren an der Stelle von Bill Murray, Dan Akroyd, Harold Ramis und Ernie Hudson zu realisieren. Es wäre auch schwer gewesen, die alte Crew zusammenzustellen. Ramis ist leider mittlerweile verstorben und die 3 verbliebenen "Ghostbusters" lehnten die Zusammenarbeit für einen weiteren Teil rigoros ab. Bereits kurz vor dem Kinostart im Juli 2016 wurde bekannt, dass Regisseur Paul Feig einen rund 15 Minuten längeren (und hier besprochenen) "Extended Cut" erstellt hat, mit dem man dann zur Heimkino-VÖ rechnen konnte. Ob diese frühzeitige Ankündigung letztendlich auch einen Einfluss auf das recht magere Kinokassenergebnis hatte oder die negative Grundhaltung vieler alter Fans und den prinzipientreuen Hatern Schuld ist - der Film floppte trotz insbesondere anfangs durchaus passablem Score auf ganzer Linie. Der ganz große Wurf ist die Neuauflage auch wirklich nicht geworden, allerdings auch nicht ganz so schlimm wie erwartet.

Aber wer hätte dann noch geahnt, dass eine erweitere Fassung einen mittelmäßigen Film noch schlechter macht? Sage und schreibe 51 abweichende Stellen, davon 23 Mal Alternativmaterial und 5 komplette Umschnitte mit einer Differenz zum Kinocut mit ca. 965 Sekunden. Und als Fazit kann man auch direkt festhalten, dass trotzdem kein großartig anderer Film entstanden ist. Wer also mit der Kinofassung nichts anfangen konnte, wird auch in der Langfassung defintiv nicht zum Fan werden. Am wesentlichsten auffällig ist bei den längeren Erweiterungen, dass Wiigs Charakter Erin in vielen Szenen in Fettnäpfchen tritt bzw. sozial unbeholfen dargestellt wird und das bemüht professionelles Auftreten bröckelt, welches sie gegenüber McCarthys Abby insbesondere in der ersten Hälfte aufrecht erhalten will. Dazu gehört auch ein zusätzlicher (und völlig sinnfreier) Subplot mit ihrem Freund. Die von Kate McKinnon dargestellte Jillian bekommt ebenfalls deutlich öfter die Chance, ihre Verrücktheit (und zum Augenrollen anregendes Product Placement) zu demonstrieren und ähnlich sieht es bei Chris Hemsworths Charakter Kevin aus, der hier noch dümmer agiert (obgleich dies eigentlich unmöglich erschien). Er bekommt zum Ende hin noch eine längere (auf Zwang lustige und daher öde) Tanzszene, welche während der Abspann-Sequenz zumindest im Ansatz auch schon in der Kinofassung angedeutet wurde. Zu guter Letzt kann man hier vielleicht noch eine weitere fast einminütige und damit fragwürdige Szene nennen, in der McCarthy jede Menge Schleim kotzt.

Man sieht also: der Kinocut war nicht nur aufgrund des Pacings definitiv die bessere Wahl, denn auch der Humor, der in der Kinofassung schon recht tief angesiedelt war, wird hier um einiges unterboten. Immerhin ist eine Fortsetzung mittlerweile gecancelled worden und auch wenn man sich zusammenriss und den Mädels immerhin eine Chance mit einer Sichtung des Streifens - egal in welcher Fassung - gewährte, so ist und bleibt das Reboot der "Ghostbusters" ein Flop. Einer mit Ansage.

4,5/10

Exklusiv bei SATURN gibt es den Film im Steelbook. Soweit, so noch nichts Besonderes, hätte dieses Steelbook nicht das Original-Logo der Ghostbusters als großer gummierter und detailgetreuer Magnet dabei. Außerdem beinhaltet das Set den Kino- und den Extended Cut des Films.


Quellen
Inhaltsangabe: Sony / Columbia Pictures
Poster/Artwork: Sony / Columbia Pictures

Donnerstag, 21. März 2024

Ghostbusters: Frozen Empire (2024)

https://www.imdb.com/title/tt21235248/

Nach ihrem Kampf mit Gozer kehrt die Familie Spengler an den Ort zurück, an dem alles begann: in die für Geisterjäger ikonische Feuerwache in New York City. Von hier starten Gary (Paul Rudd), Callie (Carrie Coon), Trevor (Finn Wolfhard) und Phoebe (Mckenna Grace) ihre Missionen und legen sich in der Großstadt mit einer Vielzahl von fiesen Kreaturen an - doch nicht alle sind von der neuen Anti-Geister-Einheit begeistert. Wieder einmal kämpft Bürgermeister Walter Peck (William Atherton) dafür, die Ghostbusters aus dem Verkehr zu ziehen. Nach einem missglückten Einsatz, bei dem ein beachtlicher Sachschaden verursacht wird, reicht es Peck dann endgültig und er bittet die Familie Spengler zum Rapport - mit schwerwiegenden Folgen, denn fortan darf Phoebe nicht mehr an den Protonenstrahler und soll stattdessen ein normales Teenager-Leben führen. Doch als ein antikes Artefakt in der Millionenstadt auftaucht, wird die Lage brenzlig. Denn in diesem schlummert ein altertümlicher Gott, der nur darauf wartet, endlich befreit zu werden und seinen frostigen Zorn über die Menschheit zu bringen. Jetzt wird jeder Mann respektive Frau an den Geisterfallen gebraucht!

Aufgrund des weltweiten Erfolgs des Reboots "Ghostbusters: Afterlife" in den Kinos und im Heimkino-Bereich bestätigte Sony Pictures bereits im April 2022 die Arbeiten an einer Fortsetzung - und löste dmait Begeisterungsstürme aus. Der Arbeitstitel lautete damals noch "Firehouse" bzw. "Hell’s Kitchen" und gab einen guten Denkanstoß dafür, dass der neue Film wieder in New York City spielen werde. Die Darsteller des vorherigen Films, einschließlich Paul Rudd und Carrie Coon, wurden wieder verpflichtet, im März 2023 wurden zudem Kumail Nanjiani, Patton Oswalt, James Acaster und Emily Alyn Lind als Darsteller bekanntgegeben und während der Dreharbeiten wurde William Atherton am Set gesichtet. Der Kinostart war ursprünglich für Dezember 2023 geplant, wurde aber wegen des SAG-AFTRA-Streiks verschoben. Dann ein (meist) ungutes Zeichen: Im Dezember 2023 fanden Nachdrehs in Atlanta statt. Und was hat es gebracht? 

Vor allem eines: Das "Ghostbusters"-Universum scheint furchtbar überfüllt zu werden. Der neueste Film der Reihe, die in diesem Jahr ihr 40-jähriges Jubiläum feiert, zeigt eine Vielzahl alter und neuer Geisterjäger, darunter die (verbleibenden) Mitglieder der Originalbesetzung, die in "Ghostbusters: Afterlife" vorgestellten Charaktere und eine Vielzahl exzentrischer neuer Figuren werden in zukünftigen Filmen sicherlich eine Rolle spielen. Die einzigen, die ausgelassen werden, sind die weiblichen Geisterjäger aus dem völlig zurecht gescholtenen Neustart von 2016 - und das ist auch gut so.

Man kann aber ruhigen gewissens konstatieren, dass sich "Ghostbusters: Frozen Empire" große Mühe gibt, die Fans der Serie mit vielen nostalgischen Rückblicken zufrieden zu stellen - und das gelingt größtenteils auch. Es ist nicht annähernd so gut wie das klassische Original von 1984, aber das muss er auch nicht sein. Ein wenig frischer Wind tut dem Franchise ganz gut - das bewies "Ghostbusters: Afterlife" bereits einmal. Und eines kann man auch schon sagen: Die Protonenpacks funktionieren immer noch und genau so gut, ebenso wie die altbekannte Formel. 

Das Drehbuch von Jason Reitman und Regisseur Gil Kenan muss also nicht so viel Arbeit leisten wie der letzte Film, da die Charaktere gut etabliert sind und sich, wie eine ansprechend laute Eröffnungssequenz zeigt, glücklich in ihre neuen Rollen als Geisterjäger eingelebt haben. Sie haben sich auch in ihrem neuen Zuhause eingelebt, dem beliebten Feuerwehrhaus von Tribeca, das das Hauptquartier der ursprünglichen Geisterjäger war, was dem Film den Vorteil verschafft, dass er in New York City und nicht in Oklahoma spielt. An Oklahoma ist zwar nichts auszusetzen, aber wenn man ehrlich ist, gibt es in New York City noch viel mehr Geistergefühl. Einige von ihnen, wie zum Beispiel der geliebte Slimer, leben noch immer im Feuerwehrhaus. Ganz zu schweigen von den entzückenden Mini-Marshmellowmännern, die ihren Weg in den "Big Apple" gefunden haben und nun dort weiterhin Chaos anrichten. Sie sind die Minions des Franchise geworden. Ganz einfach, ganz sauber, ganz schnell - weil sie auch einfach die besten Gags auf ihrer Seite haben.

Doch gerade als Gary (Paul Rudd), Callie (Callie Coon) und die Kinder Trevor (Finn Wolfhard) und Phoebe (Mckenna Grace) in Schwung kommen, werden sie vom Erzfeind des Originalfilms, Walter Peck, der Bürgermeister New Yorks, in die Mangel genommen. Er wird erneut von dem großartigen William Atherton gespielt, dessen Karriere als Filmschauspieler 52 Jahre zurückreicht, und es ist eine Freude, ihn auf der Leinwand zu sehen. Fast genauso viel Spaß macht der Cameo-Auftritt des erfahrenen Charakterdarstellers John Rothman, der seine Rolle als Geschäftsführer der öffentlichen Bibliothek New Yorks aus dem ersten Film wiederholt.


Als ein bösartiger Gott namens Garraka aus einer Kugel befreit wird und in der Stadt Chaos anrichtet, indem er eine Legion entflohener Geister beschwört und seine Kräfte einsetzt, um eine neue Eiszeit auszulösen, treten neue und alte Geisterjäger in Aktion. Nun, "Frühling" ist vielleicht nicht das beste Wort, um Ray Stantz (Dan Aykroyd) zu beschreiben, der jetzt Moderator einer YouTube-Show ist, und Peter Venkman (Bill Murray), der etwas charakteristisches tut. Beiden sieht man definitiv ihr Alter an, nur Winston Zeddemore (Ernie Hudson), heute wohlhabender Gründer eines paranormalen Forschungslabors, sieht nur wenig anders aus als vor vierzig Jahren. Leider kommt Bill Murray in dem Film nicht allzu oft vor, was den Eindruck erweckt, dass er nur dann aufgetaucht ist, wenn er Lust dazu hatte. Nichtsdestotrotz fügt er erwartungsgemäß jedes Mal, wenn er auftaucht, seine willkommene komische Note hinzu. Mit von der Partie ist auch Annie Potts‘ immer bezaubernde Janine, die endlich die Chance bekommt, sich in ihren Anzug zu kleiden. 

Celeste O’Connors Lucky und Logan Kims Podcast wiederholen ihre Auftritte aus "Ghostbusters: Afterlife", obwohl ihnen nicht wirklich viel zu tun gegeben wird. Zu den amüsanteren Neuzugängen gehören Kumail Nanjiani als Nadeem, der die Ereignisse in Gang setzt, indem er unabsichtlich die Kugel mit dem rachsüchtigen Gott verkauft; Patton Oswalt als Bibliotheksforscher, der gerne hilfreiche Informationen bereitstellt; und James Acaster als Lars, ein drolliger Wissenschaftler in Winstons Labor.


"Ghostbusters: Frozen Empire" doktort nicht mit der ausgefeilten Formel herum und balanciert seine Lacher und Schrecken sorgfältig auf die luftige Art und Weise aus, was für ein angenehmes, unterhaltsames, wenn auch seichtes Anschauen sorgt. Aber der Film liefert einige schöne emotionale Momente mit einer Nebenhandlung über Phoebes aufkeimende Freundschaft mit Melody (Emily Alyn Lind), dem Geist eines Teenager-Mädchens, das bei einem Mietshausbrand ums Leben kam. 

Ihre erste Begegnung, als sie nachts Schach in einem verlassenen Washington Square Park spielen (wahrscheinlich das unglaublichste Handlungselement in einem Film, in dem Hunderte von Geistern durch die Stadt toben), erweist sich als berührend und irgendwie süß. Und es zeigt weiter, dass Grace, deren Figur bezaubernd mit der gleichen Brille wie ihr Großvater Egon Spengler (der leider viel zu früh verstorbene Harold Ramis) ausgestattet ist, im weiteren Verlauf die MVP des Franchise sein könnte.

Wie beide Reitmans vor ihm hält Regisseur Gil Kenan den Ton des Films im Spannungsfeld zwischen verspielt und spannend. Einfallsreiche Versatzstücke in der New York Public Library (ausgerechnet mit einem Müllsack!) unterbrechen eher wissenschaftsintensive Ausstellungsszenen (ganz zu schweigen von sorgfältig kuratierten Momenten voller Easter-Eggs, die Fans zum Lachen bringen sollen). Der Rest der Besetzung schafft es trotzdem angenehm, die Witze und geisterzerstörenden Possen im Zaum zu halten. Doch insgesamt ist "Ghostbusters: Frozen Empire" eine brauchbare Fortsetzung für dieses mittlerweile vier Jahrzehnte laufende Franchise. Egal, was den Ton und die Struktur angeht, es spiegelt alles wieder, was in der Vergangenheit funktioniert hat. Nach dem Fehlschlag an den Kinokassen (und den vernichtenden Kritiken), die Paul Feigs "Ghostbusters" im Jahr 2016 erlebten, zeigt diese Reihe keine Anzeichen dafür, dass das Rad neu erfunden wird. Es gibt auch keinen Grund dafür. Es gibt Geister, die geschnappt werden müssen. Es besteht eine existenzielle Bedrohung, die dringend abgewendet werden muss. 

Man kann sich wahrscheinlich schon vor Filmbeginn vorstellen, was in dem frostigen, entscheidenden Kampf des Films passieren wird. Und ja, es könnte durchaus der Ohrwurm eines Liedes sein, das de facto zur Hymne dieser Filme geworden ist. Aber es gibt zumindest eine angenehme Zeit dazwischen. - der Weg ist hier das Ziel. Und eine wenn auch pauschal formulierte Botschaft über die Arbeit als Team oder vielleicht auch über die Familie. "Ghostbusters: Frozen Empire" ist aber insgesamt lebhaft und effizient, vielleicht geradezu übertrieben, und fühlt sich wie geschaffen dafür, so viele Fortsetzungen auf die Beine zu stellen, wie sich die Fans vielleicht wünschen. Manchmal hat man das Gefühl, dass der Film sich zu sehr anstrengt, besonders wenn es darum geht, die Spielzeit aller Charaktere auszubalancieren. Meistens meistert es den Balanceakt aber gut und erweckt auf jeden Fall den Eindruck, dass alte und neue Darsteller bereit sind, weiterhin die Fackel zu tragen - oder in diesem Fall die Protonenpakete.

7,5/10

Quellen
Inhaltsangabe: Sony / Columbia Pictures
Poster/Artwork: Sony / Columbia Pictures

Dienstag, 9. August 2016

Ghostbusters (2016)

http://www.imdb.com/title/tt1289401/

Abby Yates (Melissa McCarthy) hat schon immer an Gespenster geglaubt, es ist ihr ganz egal, ob man sie dafür belächelt. In einem heruntergekommenen Labor erforscht sie das Paranormale, unterstützt wird sie von der schrägen, aber genialen Ingenieurin Jillian Holtzmann (Kate McKinnon), die allerlei abgefahrene Anti-Geister-Waffen bastelt. Abbys alte Freundin Erin Gilbert (Kristen Wiig) hat das umstrittene Forschungsgebiet hingegen schon lange für eine Karriere als seriöse Physikerin aufgegeben, was einst zum Bruch zwischen den beiden Partnerinnen geführt hat. Doch als Erin kurz vor einer Festanstellung an der renommierten Columbia-Universität steht, wird sie von der gemeinsamen Geisterforschervergangenheit eingeholt. Sie bittet Abby um Hilfe, aber die wittert schnell eine ganz andere Gelegenheit und schleppt Erin mit zu einem Herrenhaus aus dem 19. Jahrhundert, in dem es zu einer Geistererscheinung gekommen sein soll. Nach diesem Termin ist nichts mehr so wie vorher: Die Frauen mischen als Ghostbusters New York auf und erhalten durch die resolute U-Bahn-Angestellte Patty Tolan (Leslie Jones) weitere Verstärkung.

32 Jahre nach dem ersten und 27 Jahre nach dem zweiten Auftritt der "Ghostbusters" wagte sich Melissa McCarthys Lieblingsregisseur Paul Feig an ein im Vorfeld äußerst kritisch erwartetes Reboot, dessen Trailer auf YouTube den Titel "Unbeliebtester Trailer aller Zeiten" einheimste. Die Kritik beruhte aber etwa nicht auf der Frage, ob die Geschichte gut wird oder die Effekte mit denen von damals mithalten können, die Fangemeinde stieß sich viel mehr am Geschlecht der Geisterjäger. Und wenn man ehrlich ist, dann ist es auch ein wenig befremdlich, wenn die komplette Besatzung der Geisterjäger aus den ersten beiden Teilen von jetzt auf gleich geschlechtgewandelt wird. Denn dieses Phänomen betrifft beileibe nicht nur die Helden, sondern auch die Sekretärin, die in Feigs Version nun - natürlich - männlich ist. Aber gut, das könnte ja funktionieren, denn über "Barrieren" wie Geschlechter zu diskutieren und welches Geschlecht nun in welchen Film gehört ist gerade heute völlig absurd und gleichzeitig naiv.


Feigs Version der "Ghostbusters" ist in aller erster Linie ein Reboot, kein Remake, auch wenn man im Film viele Parallelen zum 84er Original ziehen kann. Und auch beim Cast kann man im Grunde nicht meckern, mag er einem nun persönlich gefallen oder nicht. Ich persönlich bin definitiv kein Fan von Melissa McCarthy, zu plump sind ihre Filme, zu banal ihr Spiel, auch wenn sie stets mit vollem Einsatz auftritt. Aber mit Kate McKinnon hat man einen gewissen durchgeknallten Ausgleich. Womit man schon beim Thema ist: durchgeknallt. Das ist der Film definitiv und während man sich kaum zu einem echten, ehrlichen Lacher durchringen kann und in wenigen Szenen maximal schmunzelt, fällt einem spätestens bei der schlampigen Charakterzeichnung auf, wie plump hier versucht wurde, eine halbwegs anständige Action-Komödie auf die Beine zu stellen. Nur mit sehr, sehr viel Wohlwollen nimmt man nämlich den Frauen ihre Rollen als "Wissenschaftlerinnen" ab. Sie sind eigentlich alles andere. Sie sind kindisch, teilweise wahnsinnig (Aus welchem Grund würde man sonst eine Protonen-Kampffaust erfinden?), laut, schrill und im Inneren immer noch kleine, 14-jährige Mädchen. Da hat es nur Chris Hemsworth schlimmer erwischt, der in seiner Rolle aus Sekretär genau auf das herunter gestuft wird, was in den 80ern mit Frauen gemacht wurde: Hauptsache gut aussehen, aber beim "bis 3 zählen" viermal ins Stocken geraten. Damit passiert dem Film genau das, was alle Befürworter im Vorfeld eigentlich kritisiert hatten: Frauenfeindlichkeit. Denn leider verliert sich hier das Drehbuch in typischen Frauenrollen und wird sogar rassistisch, wenn die einzig schwarze Geisterjägerin keine Wissenschaftlerin ist und sich richtig schön als Klischeeschwarze präsentieren darf. Da sagt Patty Tolen ernsthaft im Interview, dass dies doch kein Problem ist. Scheinbar hat sie sich mit der Diskriminierung nicht weit genug auseinander gesetzt. Wenn dann noch, nachdem wirklich jedes Frauenklischee erfüllt ist, die Männer als dumme Idioten gezeigt werden, dann erleben wir eben auch noch gleichzeitig den umgekehrten Sexismus und da werden natürlich auch sämtliche Klischees abgefeiert.


Auch wenn der Streifen also taffe Mädels in den Hauptrollen hat, so sind sie doch eigentlich typische Frauenbilder und damit auch gar nicht cool. Da hilft es wenig, dass Feig dankenswerter Weise seinen sonst so üblichen Fäkalhumor auf ein für ihn tatsächlich merkbares Minimum heruntergefahren hat. Nein, dieser Film fängt nicht einmal den Geist des Originals ein und verpulvert schon zu Beginn sämtliche Munition. Das Original war keine alberne Komödie. Es nahm sich selbst ernst und baute aus der ernsthaften Bedrohung einen unterschwelligen Humor. Ein Spagat, den heute kaum ein Film schafft. Dies gelang nicht nur durch das gute Schauspiel, sondern auch durch gelungene Dialoge. Genau hier scheitert Feigs Film. Dumme Gags, viele Actionszenen und eine langweilige Geschichte. Da reicht es auch nicht die eine oder andere Szene zu kopieren, damit der Fan abgeholt wird. Auch der Soundtrack kann nicht völlig überzeugen. Zwar ist der Originalscore noch enthalten, aber gerade das Thema wurde arg schlecht remixed. Poppig: ja, cool: nein.

Nein, "Ghostbusters" ist echt kein Über-Hit und das liegt noch nicht mal an den Mädels, die trotz aller Albernheiten auch einige coole Szenen haben und insgesamt noch eine gute Figur machen. Die coolste Sequenz hat wohl McKinnon im Showdown und treibt einem tatsächlich ein kleines Grinsen ins Gesicht. Die Story ist aber einfach viel zu oberflächlich und nur unzureichend erklärend. Das hatte Ivan Reitman bei seiner Version wesentlich besser raus, er verknüpfte besser Geschichte und daraus resultierende Gags, setzte Effekte gekonnt ein und spielte mit kleinen Frechheiten. Dies kann Feig einfach nicht. Konnte er noch nie. Klar sind hier die Geister wesentlich 'schöner' (weil CGI-lastiger) und der 3D-Effekt kann mehr als einmal aufgrund toller Tiefenschärfe und sich anbietender PopOuts überzeugen, aber aufgrund des hohen Fremdschämfaktors und der Unglaubwürdigkeit der Charaktere langweilt man sich spätestens im Mittelteil. Das furiose und effektreiche Ende kann dann noch einmal die Augen aufziehen, rettet aber den Film nicht mehr aus seiner Mittelmäßigkeit. Einziger Pluspunkt ist da noch, dass jeder, aber auch wirklich jeder(!) Charakter der alten Besatzung einen Cameo-Auftritt hat. Nach dem Abspann deutet der Film noch eine Fortsetzung an, bringt tatsächlich den Torwächter "Zuul" ins Spiel und führt damit zu einem weiteren "Och nee, bitte nicht!"-Gefühl. Man kann nur hoffen, das, sollte wirklich eine Fortsetzung folgen, ein wenig mehr auf die Geschichte geachtet und die Albernheiten auf ein erträgliches Maß zurückgefahren werden. Ansonsten kann man zu einem zweiten Teil nur sagen: lasst es einfach bleiben.

5/10

Exklusiv bei SATURN gibt es den Film im Steelbook. Soweit, so noch nichts Besonderes, hätte dieses Steelbook nicht das Original-Logo der Ghostbusters als großer gummierter und detailgetreuer Magnet dabei. Außerdem beinhaltet das Set den Kino- und den Extended Cut des Films.


Quellen
Inhaltsangabe: Sony / Columbia Pictures
Poster/Artwork: Sony / Columbia Pictures