Sonntag, 29. Oktober 2017

Silver Bullet - Der Werwolf von Tarker Mills (1985)

http://www.imdb.com/title/tt0090021/

Tarker Mills ist eine typische, verschlafende Kleinstadt im Nordosten der USA. Hier ist die Welt noch in Ordnung - zumindest bis eine bestialische Mordserie die Anwohner in Aufruhr versetzt. In einer Vollmondnacht im Januar beginnt es: Mehrere grausam zugerichtete Leichen werden gefunden, aber keinerlei Hinweise auf den Mörder. Die Polizei vermutet einen psychopatischen Serienkiller, doch der an den Rollstuhl gefesselte Marty Coslaw (Corey Haim) hat einen ganz anderen Verdacht. Der Elfjährige vermutet, dass ein leibhaftiger Werwolf sein Unwesen in ihrem beschaulichen Städtchen treibt! Die Ereignisse in den folgenden Vollmondnächte sollen ihm recht geben, doch niemand will dem Jungen glauben. Zusammen mit seiner Schwester Jane (Megan Follows) macht sich Marty auf die Suche nach dem Untier...

Allgemein wird den Verfilmungen der Geschichten von Stephen King fast pauschal eine mindere Qualität attestiert. Wie oft wird moniert, dass die Filme - bis auf wenige Ausnahmen - unbrauchbar sind. Selbstverständlich müssen die meisten Filme leicht isoliert von der literarischen Quelle betrachtet werden, ein Film kann einem Buch im seltensten Fall das Wasser reichen, allein was Ausführlichkeit und Charaktertiefe angeht. Manchmal lässt sich das nicht ausklammern, besonders wenn die Ursprungsgeschichte gerade dadurch erst ihre Klasse bezog, aber das muss nicht immer der Fall sein. Man könnte also behaupten, "Der Werwolf von Tarker Mills" hat den Vorteil, nicht auf einem der großen Klassiker Kings zu beruhen, sondern auf einer seiner zahlreichen Kurzgeschichten, die inhaltlich nicht unbedingt zu seinen Meisterstücken zählen. Die Fallhöhe und Ansprüche sind geringer, am mangelnden Transfer von psychologischer Komplexität kann man kaum scheitern. Selbst der Drehbuchautor Stephen King nicht, der später noch eindrucksvoll beweisen sollte, wie riesig der Unterschied zwischen einem guten Roman- und Skriptautor doch ist. Bei "Der Werwolf von Tarker Mills" gelingt es King aber doch seiner eigenen Stimmung treu zu bleiben und ein funktionelles Drehbuch zu verfassen, das natürlich keine höheren Ansprüche zu bedienen hat, aber seinen Zweck erfüllt und dazu noch anständig umgesetzt wurde.

Überraschenderweise von einem Neuling, Daniel Attias, der nach seinem Spielfilmdebüt nur noch als Serienregisseur aktiv sein sollte. Dies ist sein bis heute einziger Kinofilm, der durchaus kompetent inszeniert ist. Er verfügt über dieses typische Stephen-King-Flair: eine verschlafene Kleinstadt, deren heile Welt aufgerüttelt wird vom übernatürlichen Bösen, das sie heimsucht. Mit leichten Coming-of-Age-Anteilen versehen gleicht "Der Werwolf von Tarker Mills" einer (nicht kindgerechten) Gute-Nacht-Geschichte, einem Märchen, in dem die belächelten Außenseiter in Person des behinderten Marty (Corey Haim) und seines versoffenen Onkel Red (Gary Busey) sich dem entgegenstellen, was ihre Gemeinde in Vollmondnächten dezimiert. Die Figuren sind einfach, aber sympathisch skizziert und vor allem gelingt Attias eine homogene Abstimmung aus trügerischer Idylle und stimmungsvollen Schreckensmomenten. Wenn er seine Kreatur zuschlagen lässt, dann gerne ohne Samthandschuhe und clever in Szene gesetzt. Masken und Effekte sind für eine kleinere 80er-Produktion gut gemacht, werden trotzdem nicht über Gebühr strapaziert, um doch negativ auffallen zu können. Man sieht genug, aber nicht zu viel, die Mitte treffsicher erwischt.

Auf seine schlichte Art und Weise gelingt es dem Streifen seine Spannung und Atmosphäre schnell aufzubauen und kontinuierlich zu halten, ohne dabei in höhere Gefilde vorzustoßen. Das braucht er auch nicht. Es ist einer dieser Filme, die so wie sie sind ganz einfach gut funktionieren und durch ihre liebevolle Umsetzung überzeugen. Das Finale fällt leider zu hastig und dünn aus, sonst kann sich das schon sehen lassen. Etwas "Stand by Me", etwas mehr "The Howling", ein guter Cast (u.a. noch Everett McGill oder Terry O’Quinn) und eine angenehme Grundstimmung schnüren ein nettes Paket zusammen, dass auch ohne (aber besonders mit) 80er-Nostalgie anständig anzusehen ist.

7/10

Von KOCH Media/STUDIOCANAL erschien der Film im limitierten Mediabook. Dieses beinhaltet den ungeschnittenen Film auf Blu-ray und DVD, sowie jede Menge Bonusmaterial.