Mittwoch, 25. Oktober 2017

Stand By Me - Stand By Me: Das Geheimnis eines Sommers (1986)

http://www.imdb.com/title/tt0092005/

Gordie (Wil Wheaton), Chris (River Phoenix), Teddy (Corey Feldman) und Vern (Jerry O'Connell) sind vier Freunde. Eines Tages beschließen sie, ihren vermissten Mitschüler Ray Brower zu suchen. Der etwas trottelige und dickliche Vern hat zufällig ein Gespräch zwischen seinem Bruder (Casey Siemaszko) und einem befreundeten Mitglied einer ansässigen Gang aufgeschnappt, in dem sich die beiden über den Aufenthaltsort des Jungen unterhielten, der beim Beerenpflücken von einem Zug tödlich erfasst wurde. Mit nur einigen wenigen Cent ausgestattet, machen sich der um Anerkennung ringende Gordie, der exzentrische Teddy, der aus einer kriminellen Familie stammende Chris und der ängstliche Vern auf, um die Leiche zu finden. Während ihres beschwerlichen Weges, der zwei Tage immer entlang den Bahngleisen führt, stolpern die Jungs von einem Abenteuer ins nächste. Ihre Freundschaft wird zunehmend auf die Probe gestellt...

"I was twelve going on thirteen first time I saw a dead human being. It happened in the summer of 1959. A long time ago. But only if you measure in terms of years. I was living in a small town in Oregon called Castle Rock. There were only 1281 people, but to me it was the whole world."

Rob Reiner lässt Richard Dreyfuss als alternden Autoren (unschwer zu erkennen als Stephen King selbst, der die Romanvorlage verfasste) in die zauberhafte Zeit der ersten Freundschaften zurück blicken - eine Zeit, bevor Mädchen auch nur ansatzweise interessant wurden. "Stand By Me " ist ein magischer Film, wie es ihn selten gibt. Der Soundtrack mit Titeln von The Big Bopper, The Chordettes oder Buddy Holly lässt die Zeit wieder auferstehen, in der Amerika noch unschuldig war: die späten 50er. "Stand By Me" ist kein Horrorfilm, wie man es bei einer Adaption von Stephen King erwarten könnte. "Stand By Me" ist viel mehr ein Drama, ein Jugendfilm über eine längst vergessene Zeit und - nicht zuletzt dank der kongenialen Besetzung - ein absolutes Meisterwerk.

"As time went on we saw less and less of Teddy and Vern until eventually they became just two more faces in the halls. That happens sometimes. Friends come in and out of your life like busboys in a restaurant."

Vier Jungs aus einem Kaff namens Castle Rock irgendwo in Oregon brechen auf, eine Leiche zu finden. Mehr Handlung braucht Rob Reiner nicht, um den Zauber echter Freundschaft auf die Leinwand zu bringen. Immer wieder kommt es zu emotional aufgeladenen Gesprächen zwischen den Jugendlichen, da jeder Probleme mit sich herumträgt: Der eher schüchterne Bücherwurm Gordie (Wil Wheaton) wird von seinen Eltern daheim ignoriert, da dessen älterer Bruder Denny vor einigen Monaten bei einem Autounfall ums Leben kam und diese ihre Trauer nicht überwinden können. Die in der Kleinstadt verachtete Familie von Chris (River Phoenix) besteht aus Kriminellen und er fürchtet, trotz seiner vorhandenen Stärken selbst in diese Spur abzurutschen. Teddy ist gelegentlich gewalttätig und aufbrausend, weil er es von seinem Vater – einem Weltkriegs-Veteran – nie anders lernte. Der übergewichtige und ängstliche Vern ist häufig die Zielscheibe von Spott, selbst unter seinen Freunden.

Gegenseitig sprechen sie sich aber Mut zu. Mut, Dinge zu tun, die ihnen von den Erwachsenen nicht zugetraut, ja, sogar ausgeredet werden. Gordie spricht Chris Mut zu, die höheren Schul-Kurse zu besuchen und Chris bestärkt Gordie darin, zu schreiben (was für Gordies Vater Unfug ist). Chris wird gespielt vom jungen River Phoenix und ist so etwas wie der Chef der Jugendbande. Der verrückte Teddy sowie der dicke Vern sorgen für die Pointen in "Stand By Me", die Reiner wie in allen seinen Filmen gezielt einzusetzen weiss. Reiners Geheimnis, sich nie lange mit einer Pointe aufzuhalten, gibt "Stand By Me" einen wunderbaren Fluss. Die Spannung besteht darin, wie die Vier während des Trips ihre kindliche Unschuld verlieren und sich so dem Erwachsensein einen großen Schritt annähren.

Reiners Film zieht daraus echte Kino Momente, etwa wenn Gordie am frühen Morgen ein Reh beobachtet und entschliesst, dieses Erlebnis mit niemandem zu teilen. Schliesslich ist der Fund der Leiche gar kein Ereignis mehr. Der Zuschauer wird aus der Geschichte geholt durch Richard Dreyfuss als Gordie heute, wie er die Zeit vergessen hat und auch seine Kinder, die doch mit ihm zum See wollten. Der Titelsong "Stand By Me" von Ben E. King setzt ein und es gibt wohl niemanden, dem sich an dieser Stelle nicht die Nackenhaare aufstellen. "Stand By Me" ist ganz großes Kino, das damals wie heute berührt. Dennoch kann man den Verdacht heben, dass den eigentlichen Wert erst heute, als Erwachsener, so wirklich zu schätzen weiß. Und das ist doch das größte Kompliment für einen Film.  

"Although I haven't seen him in more than ten years I know I'll miss him forever. I never had any friends later on like the ones I had when I was twelve. Jesus, does anybody?"

9,5/10