Donnerstag, 26. Oktober 2017

[KINO] Jigsaw (2017)

http://www.imdb.com/title/tt3348730/

Der Killer Jigsaw alias John Kramer (Tobin Bell) ist seit über zehn Jahren tot. Dennoch tauchen auf einmal immer mehr Leichen überall in der Stadt auf, die alle auf grässliche Weise zu Tode gekommen sind. Als die Ermittlungen beginnen, wird schnell klar, dass bei der Vorgehensweise der Morde alles auf das tote kriminelle Genie und den alten Bekannten hindeutet, das so oft im Hintergrund die Strippen gezogen hatte:
John Kramer. Ist der Jigsaw-Killer zurück? Oder steckt ein anderer hinter den Morden? Ist einer seiner Schüler zum Lehrer geworden und führt Jigsaws Erbe fort? Die Spiele haben begonnen...

Als sich James Wan und Leigh Whannell den ersten "Saw"-Film - und das war im Jahr 2004 - erdachten, hatten sie sicherlich nicht damit gerechnet, dass dies der Auftakt zu einem der erfolgreichsten Horror-Franchises der jüngeren Kinogeschichte werden würde. Es ist sowieso verwunderlich, dass glatte sieben Teile der Reihe existieren, denn aufmerksamen Zuschauern und Fans der Reihe dürfte nicht entgangen sein, dass der Jigsaw-Killer eigentlich seit "SAW III" nicht mehr existiert. Ab diesem Zeitpunkt wurden alle möglichen und unmöglichen Versuche seitens der Macher ins Kalkül gezogen um die Reihe fortzusetzen, selbst wenn man dabei alle Logik über Bord warf. Aber gerade dieser letzte Umstand schießt "Jigsaw" gewaltig ins Knie. Denn was macht man, wenn der Haupt-Antagonist einer sehr erfolgreichen Filmreihe aus dem Leben scheidet und man ihn zurück bringen will? Genau. Man verpasst ihm einen ähnlich wahnsinnigen Lehrling, spielt mit Zeitebenen und baut unzählige Flashbacks rein, um Jigsaws Vorgeschichte unnötig aufzublähen und sogar ins Absurde zu ziehen. Das wurde mit jedem neuen Film nach "SAW III" jedoch problematischer, Jigsaw irgendwie in die Handlung reinzuzwängen und seine Screentime wurde von Mal zu Mal immer kürzer. 

Auch in "Jigsaw" spielt der Namensgeber eine Rolle, doch leider ist diese so ungeschickt eingebaut, dass man als Zuschauer bereits nach dem Fund der zweiten Leiche weiß, wohin der Hase (erneut) läuft. Noch schlimmer ist aber, dass man den Lehrling beinahe sofort identifiziert, denn wo uns das gesamte "SAW"-Franchise ab Teil IV immer wieder versuchte in die Irre zu führen, lief es doch letztendlich auf den einen, eigentlich unmöglichen Killer hinaus. Und dieses Konzept lässt auch "Jigsaw" nicht unter den Tisch fallen. Dabei hätte man hier neue Wege gehen können, doch die Spierig-Brothers, welche als Regisseure fungierten, entschlossen sich, lieber auf altbewährten, aber ausgetretenen Pfaden zu wandeln. Wieder sind es eine Handvoll Menschen, die allesamt ein jeweils schreckliches Geheimnis haben und nun zusammenarbeiten müssen, um den fiesen Fallen des Täters zu entkommen. Diese sind aber längst nicht mehr so fies wie die Fallen zuvor, obwohl natürlich auc Blut fließt und der ein doer andere recht eklige Effekt zu bewundern ist. Gerade die "Laser Neck-Trap" bietet einen schönen Goreffekt, aber auch die "Bike-and-Swirl"-Trap verrichtet "ordentliche Arbeit". Aber gelegentlich kommt bei den Fallen-Szenen sogar echte Spannung auf, die spätere Sequels der Reihe vermissen ließen. Leider hat man aber das Gefühl, dass trotz der FSK18-Freigabe an diversen Stellen gekürzt wurde, um eben dieses Rating zu erhalten. Im direkten Vergleich zu den Unrated Versionen des "SAW"-Franchises ist "Jigsaw" tatsächlich eher harmlos, wenngleich auch zeigefreudiger als so manch anderer Horrostreifen der letzten Jahre. 

Deutlich uninteressanter wird es immer, wenn die Handlung von den Spielen zu den Ermittlungen im Fall von Jigsaws neuer Mordserie wechselt, denn die klischeehaften Polizisten und Pathologen sind genau so uninteressant und austauschbar wie die Opfer des Serientäters, nur dass sie nicht den Bonus haben, in regelmäßigen Abständen zersägt, aufgespießt oder zerrissen zu werden. Um der klassischen "SAW"-Bauplan treu zu bleiben, beinhaltet "Jigsaw" neben einfallsreichen Fallen und solider Härte auch diverse Twists, die sich zuspitzen, wenn die hier hier sehr vorhersehbaren Handlungsstränge gegen Ende zusammenlaufen. Seinen Höhepunkt erreicht Jigsaw jedoch, wenn Tobin Bell endlich die Bühne betritt und binnen weniger Sätze die Zuschauer daran erinnert, dass er immer noch das Herz der Reihe. Da er sein Gesicht nicht hinter einer Maske versteckt, ist er schauspielerisch gefordert und schafft es wieder einmal durch Ruhe, Bedrohlichkeit auszustrahlen.

Die Spierig-Brüder haben mit "Jigsaw" die Reihe damit nicht neu erfunden, sondern vielmehr einen Film inszeniert, der ganz im Geiste seiner Vorgänger steht. "Jigsaw" ist trotz diverser Querverweise und Hommagen an die früheren Filme so ausgelegt, dass auch Neueinsteiger sich zurechtfinden könnten. Aber das einige rückwirkende Ergänzungen der Vorgeschichte geradezu haarsträubend sind, eindimensionale Kanonenfutter-Charaktere ihre Rollen herunterspielen und der finale Twist schon meilenweit im Vorfeld gerochen werden kann, machen "Jigsaw" zu einem sehr mittelmäßigen Teil der Reihe. Da kann man nur hoffen, dass nun wirklich Schluss ist.


5,5/10