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Samstag, 28. Juni 2014

Starship Troopers (1997)

http://www.imdb.com/title/tt0120201/

In ferner Zukunft herrscht endlich Frieden auf der Erde. Einzig und allein die Einteilung in Soldaten und Zivilisten unterscheidet die Menschen. Trotzdem lauert Gefahr: Killer-Insekten aus einer anderen Galaxie haben der Erde den Krieg erklärt. Ihr Ziel ist es, alles Leben zu zerstören, und die Angreifer scheinen unbesiegbar. Eine Armee junger Soldaten wird auf den feindlichen Planeten geschickt, um in einer letzten großen Schlacht die Menschheit vor ihrer Ausrottung zu bewahren. Unter ihnen befindet sich auch Johnny Rico (Casper van Dien), der einst zum Militär ging, um seiner Freundin zu imponieren. Er steht nun vor einem Kampf, den keiner der Beteiligten jemals vergessen wird, denn die Starship Troopers haben ihren Gegner mehr als unterschätzt...

Oberflächlich betrachtet wirkt Paul Verhoevens "Starship Troopers" wie ein gradliniger, actionreicher und effektvoller Sci-Fi-Kriegsfilm, der eine ordentliche Sause hinlegt. Blickt man aber etwas tiefer, so erkennt man, dass sich Verhoeven bei dieser wagen Buchadaption etwas gedacht hat. "Starship Troopers" ist nicht nur ein donnerter Sci-Fi-Film, nein, er ist durchaus auch ein Film, der nahezu geniale satirische Züge aufweist. Und diese satirischen Züge kommen nicht zu knapp! Militarismus und Glorifizierung von Kampf und Krieg werden hier ganz groß geschrieben. Verhoeven stellt diese Begriffe in seinem Film so wunderbar überzeichnet dar, dass jedem klar sein müsste, über was sich hier lustig gemacht wird. Der heroische und patriotische Score von Komponist Basil Poledouris setzt dem ganzen dann auch noch die Krone auf. Absolut grandios und absolut passend!

Neben den ganzen satirischen Tönen hat "Starship Troopers" natürlich noch mehr zu bieten. Verhoeven-typisch gibt es wieder einige krasse Gewaltspitzen, die auch nicht gerade zimperlich sind. Die Action ist ausgewogen und toll inszeniert, die Effekte sind gelungen und auch der Cast macht seine Arbeit gut, obwohl "Starship Troopers“ mit Casper van Dien, Denise Richards, Dina Meyer, Clancy Brown und Neil Patrick Harris bei weitem nicht luxuriös besetzt ist. Paul Verhoeven hat mit seinem "Starship Troopers" definitiv einen der besten Sci-Fi-Filme der 90er Jahre abgeliefert, der bis heute einen gewissen Kultstatus genießt und das auch zurecht. Ein Film, der ab und zu und immer wieder mal im Player landet. Einige werden wegen der tollen Action bleiben, manche die Satire bewundern, aber die meisten werden schockiert weglaufen. Nichtsdestotrotz bleibt "Starship Troopers" ein Meilenstein. Besser hätte man es schlicht nicht machen können.

8,5/10

Donnerstag, 23. Mai 2019

Starship Troopers 2: Hero Of The Federation - Starship Troopers 2: Held der Föderation (2004)

https://www.imdb.com/title/tt0367093/

Eine Einheit der Mobilen Infanterie findet sich in misslicher Lage wieder: Auf einem Planeten, der nicht für Menschen gemacht ist, muss die Truppe vor fiesen Alien-Insekten fliehen. Ein Mann nach dem anderen stirbt, und doch können sich die Jungs bis zu einem verlassenen militärischen Vorposten durchschlagen. Hier halten sie den Käfer-Ansturm zunächst mit Erfolg auf. Sie machen außerdem einen Überlebenden aus, den einstigen Kriegshelden Dax (Richard Burgi). Er wurde degradiert und in den Arrest geworfen, weil er seinen kommandierenden Offizier getötet hat, wie er offen gesteht. Dax gibt an, dass sein Vorgesetzter nicht der war, für den ihn alle halten...

"Starship Troopers 2" ist die Direct-To-DVD-Fortsetzung von Paul Verhoevens Sci-Fi-Kultfilm "Starship Troopers". Der Kampf Menschen gegen Bugs geht hier in die nächste Runde, mit einem Budget von sieben statt 100 Millionen Dollar. Wenn zu einem Blockbuster eine Direct-to-Video-Fortsetzung gedreht wird, kommt dabei selten etwas richtig Brauchbares heraus. Etwa sieben Jahre nach "Starship Troopers" schmiss man mit "Held der Föderation" genau eine solche unnötige Fortsetzung hinterher. Das hat mit dem Original kaumetwas zu tun und am ehesten ist das Teil wohl dazu da, um noch ein wenig Geld mit dem Titel zu verdienen. Gebraucht hätte man das nun wirklich nicht.

Gleich der Anfang ist komplett misslungen und dauert dazu noch viel zu lange. Bereits hier fallen die ganzen negativen Aspekte des Films auf. Die Darsteller besitzen nicht ansatzweise das Kaliber der aus dem ersten Teil, hinzu gesellt sich eine relativ billige Optik. Die namenlosen Statisten hetzen sich durch dunkle Kulissen, die den Planeten darstellen sollen, aber davon erkennt man rein gar nichts und man bemerkt hier einfach schon, dass da vorne und hinten Budget gefehlt hat. Phil Tippett, eigentlich Spezialist für visuelle Effekte und in dieser Funktion auch beim ersten Teil an Bord, wollte wohl unbedingt selbst Regie führen. Als Regisseur taugt er deutlich weniger, denn die Inszenierung befindet sich auf einem leicht gehobenen TV-Niveau. Außerdem kann "Held der Föderation" absolut nicht mit so starken Effekten dienen. Man kann sicherlich auch ohne viel Geld ein paar coole Effekte kreieren, aber wenn es um Computeranimationen geht, ist das ohne das gewisse Kleingeld einfach nicht hinzubekommen. Man sieht es, denn die Bugs sehen hier viel schlechter aus. Zum Glück kommen die nach der zu langen Actionszene anfangs aber sowieso kaum noch vor.

Sobald etwas Ruhe eingekehrt ist, widmet man sich nämlich der zweiten Hälfte und diese wird tatsächlich etwas besser. Zwar bleiben die Kulissen relativ langweilig, dafür hat man sich in der Story etwas Neues ausgedacht. Nun benutzen diese Bugs Menschen auch als Wirt; "Alien" lässt grüßen. Diesen Braten kann man zwar schon sehr früh riechen und originell ist das absolut nicht, doch so kommt es wenigstens zu ein paar anderen Szenen, die schon fast etwas an Body-Horror erinnern. Wo die animierten Effekte eher enttäuschen, sind die Splatterszenen gar nicht so schlecht getrickst und hinterher wird es schon noch ziemlich deftig. Man gewöhnt sich auch an den ein oder anderen Darsteller und kann mit diesen Leistungen dann leben. In der zweiten Hälfte ist nach langer Durststrecke eigentlich genug los; es gibt noch etwas Action und selbst wenn keine Spannung aufkommt, ist es nicht zu langweilig. Wenn man also bis dahin durchhält, wird man zumindest noch ein wenig belohnt. Nur der Score nervt wirklich permanent, denn er klingt zu billig und ist in vielen Szenen absolut unpassend.

"Held der Föderation" hat mit "Starship Troopers" streng genommen nichts mehr zu tun. Er bietet eher eine weitere von zahlreichen Varianten und setzt dabei verstärkt auf Horror. Die erste Hälfte ist sehr mäßig, aber die zweite Hälfte holt den Karren zumindest ein Stück weit aus dem Dreck. Das Szenario ist hier zwar alles andere als originell, doch ein paar Szenen sind ganz gut gemacht und es gibt auch noch genug Splatter zu sehen. Wer mit mittelprächtigen Darstellerleistungen leben kann und nichts dagegen hat, dass die Charaktere absolut austauschbar sind, wird sich hier vielleicht noch kurzweilig unterhalten lassen können. Trotzdem kann man im Endeffekt sagen, dass es "Held der Föderation" absolut nicht gebraucht hätte.

4/10

Von NAMELESS Media kommt der Film in HD im auf 222 Stück limitierten Mediabook:

Sonntag, 30. August 2020

Starship Troopers: Traitor Of Mars (2017)

https://www.imdb.com/title/tt6977240/

20 Jahre ist es mittlerweile her, seit General Johnny Rico (Stimme im Original: Casper Van Dien) der Mobilen Infanterie beigetreten ist und sich zunächst als gewöhnlicher Soldat seine Sporen verdiente. Nach heftigen Gefechten und Verwundungen stieg er unter der Führung von seinem ehemaligen Lehrer Rasczak auf und nahm bei seinem Tod dessen Position ein. Heute ist Rico ein erfahrender Veteran, der scheinbar alles erlebt hat auf dem Schlachtfeld - oder doch nicht? Vor den ekligen und todbringenden Bugs hat die Menschheit jedenfalls noch keine Ruhe gefunden und nun haben die überdimensionalen Krabbelviecher auch noch eine Satellitenstation auf dem Mars eingenommen. Rico und eine Gruppe junger Rekruten werden auf den roten Planeten geschickt, um ihn von dem Bug-Befall zu säubern. Und überraschenderweise trifft Rico bei seiner Mission auf eine alte Bekannte: Dizzy Flores (Dina Meyer)...

Nach "Starship Troopers: Invasion" kam der fünfte Teil der "Starship Troopers"-Reihe auf den Markt - erneut als computeranimiertes Feature. Wenn man mit dem Vorgänger keine Probleme hatte, wird man sich auch dieses Werk gut anschauen können. Im Grunde genommen ist das nicht besser geworden, aber auch nicht schlechter. Die größten Probleme liegen erneut in der Story, denn man gibt sich diesbezüglich schon lange keine Mühe mehr. Johnny Rico (im Originalton sogar wieder von Casper Van Dien gesprochen) kämpft gegen die Bugs, die dieses Mal den Mars angreifen. Einen bösen Sky Marshal gibt es auch wieder und neue Zutaten fallen den Drehbuchautoren irgendwie nicht ein. Am meisten stört daran, dass sich in dieser Reihe niemals eine Kontinuität aufgebaut hat. Dass "Starship Troopers: Invasion" nichts mehr mit den Vorgängern gemeinsam hatte, war irgendwie logisch, aber nun kommt der nächste computeranimierte Film heraus und trotzdem steht das Werk komplett für sich. Zwar gibt es wieder bekannte Charaktere zu sehen und diese werden sogar durch ein Wiedersehen mit einer alten Bekannten erweitert, aber die Story nutzt dies niemals, um ein Fortsetzungs-Feeling aufzubauen. Von der Geschichte her ist da eigentlich genügend los und trotzdem bekommt man nur Altbekanntes serviert. Ein paar Neuerungen wären schön. Einziger Lichtblick ist da, dass man jetzt wieder ein paar satirische Noten zu sehen bekommt. Während der Vorgänger diese komplett ausgeblendet hat, gibt es in "Traitor Of Mars" wieder die typischen News zu sehen und ein paar Seitenhiebe sind da erkennbar. Ist zwar nicht sonderlich anspruchsvoll, geht aber zumindest in die richtige Richtung.

Aus handwerklicher Sicht ist der Film durchaus besser gelungen. Die Schauplätze und die Bugs sehen deutlich besser animiert aus und in manchen Szenen erkennt man es gar nicht mehr so sehr, dass hier alles computeranimiert wurde. Leider liegen die Schwächen der Animationen gerade in den Menschen, was echt schade ist. Ansonsten hat Shinji Aramaki, der erneut Regie führte, seine Arbeit aber definitiv solide gemacht. Fünf Jahre sind in der technischen Welt ja auch eine Menge. "Traitor Of Mars“ ist zwar nicht das Nonplusultra des grafisch möglichen, aber optisch ist der Streifen schon besser. Das Ganze ist nicht so düster ausgefallen und lebt gar nicht mal so selten von einer guten Prise Humor. Die Atmosphäre atmet pure Science-Fiction und wer das mag, wird eigentlich ganz gut bedient. Aufregende Unterhaltung stellt das nicht unbedingt dar, doch langweilen tut man sich ebenfalls nicht. Der Handlungsverlauf lässt in der ersten Stunde nicht so viel Action zu, doch hinterher bekommt man diese dann noch geboten. Das macht keinen ganz so stumpfen Eindruck, wie beim Vorgänger und trotzdem gibt es ein paar Längen zu viel. Das liegt einfach daran, dass die Handlung nicht sonderlich interessant ist.

6/10

Quellen
Inhaltsangabe: Sony Pictures

Samstag, 29. Juni 2013

Starship Troopers: Invasion (2012)

http://www.imdb.com/title/tt2085930/

Nach einer Attacke der Bugs auf einen Außenposten der Föderation, wird das Raumschiff Alesia zur Unterstützung in die Region gesendet. Die Besatzung soll den Stützpunkt evakuieren und sich um Überlebende kümmern. Doch noch bevor die geborgenen Passagiere der Alesia weiter in Richtung Erde verfrachtet werden können, wird die Crew von Carl Jenkins vom Ministerium für Paranormale Kriegsführung auf eine geheime Mission in einen mysteriösen Nebel geschickt. Hier werden die abgekämpften Trooper für eine weitere Rettungsmission benötigt, die deutlich weitreichendere Folgen haben könnte, als sie sich zunächst vorstellen können...

Ich liebte den allerersten "Starship Troopers". Er war sarkastisch, brutal, ironisch und einfach nur cool. Mittlerweile geht es mit "Starship Troopers: Invasion" in Form eines computergenerierten Animationsfilm weiter, welches Paul Verhoeven 1997 angestoßen hatte. Der Film sammelt eine ganze Menge Pluspunkte: eine halbwegs glaubwürdige, wenn auch holprige Story, sehr gute Animationen und dazu wird nicht mit Blut, Gewalt und nackter Haut gegeizt. Allerdings bleiben die Charaktere sehr oberflächlich gezeichnet und man hat auch das Gefühl, dass die Machern ein wenig von "Dead Space" geklaut haben. Naja. Trotzdem sehenswert, vor allem für Freunde der japanischen Animationskünste.

6,5/10

Sonntag, 16. Oktober 2016

テラフォーマーズ - Tera Fōmāzu - Terra Formars (2016)

http://www.imdb.com/title/tt4433646/

Im 21. Jahrhundert hat man damit begonnen, den Mars mithilfe von Algen und Kakerlaken bewohnbar zu machen. Über 500 Jahre später bricht schließlich eine Expedition auf, um den Roten Planeten auszukundschaften und von dem Ungeziefer zu befreien. Doch was die Mannschaft (u.a. Hideaki Ito und Emi Takei) dort erwartet, ist ein wahrer Albtraum: Die Kakerlaken sind in der Zwischenzeit zu humanoiden Monstern mutiert, die ihren Lebensraum nicht so einfach aufgeben wollen und die Crew sofort angreifen. Der Kampf gegen die zahlreichen Kreaturen scheint zunächst chancenlos, doch eine neu entwickelte Droge verschafft den Besatzungsmitgliedern schließlich außergewöhnliche Kräfte und ruft in ihnen selbst erstaunliche Mutationen hervor. Mit diesen neuen Fähigkeiten stürzen sich die letzten Überlebenden der Raumfahrer in eine alles entscheidende Schlacht.

Die seit 2011 veröffentlichte Manga-Reihe "Terra Formars" von Autor Yū Sasuga und Zeichner Ken’ichi Tachibana hat bereits etliche Kontroversen provoziert. Die Ausgaben der in schwarz-weiß gezeichneten Reihe sind zwar mehrfach preisgekrönt und gingen allein in Japan weit mehr als zehn Millionen Mal über die Ladentheke, der Inhalt jedoch löste heftigste Rassismusvorwürfe aus. Der Kampf von größtenteils weißen Helden gegen schwarze Hünen provoziert solche Gedanken schon allein durch die Bildsprache, dazu kommen Nebenfiguren wie "Adolf Reinhardt" und "Eva Frost" sowie ein gottgleicher blonder Held namens Joseph Gustav Newton, der auch direkt aus einem feuchten Nazi-Traum entsprungen sein könnte.

Bei der Kino-Realverfilmung von Kultregisseur Takashi Miike gab es einen solchen Aufschrei nun allerdings nicht. Seine Version der "Terra Formars" gleich einer seltsam anmutenden Mischung aus "Starship Troopers" und "Power Rangers", wobei dieses Machwerk von Miike beiden regelrecht spottet. Die ersten 10 Minuten beginnt der Film dabei sogar noch recht interessant und es werden ziemliche Erwartungen geweckt; im Endeffekt läuft das Ganze dann aber darauf hinaus, dass sich die Hauptdarsteller durch ein Mutagen in Insekten-"Power Ranger" verwandeln und sich die ganze Zeit mit schlecht gemachten CGI Mensch-Kakerlaken-Mutanten herumprügeln. Der eigentlich vor keiner Kontroverse zurückschreckende Regisseur adaptiert nur einen kleinen Ausschnitt aus dem Manga, in dem die oben genannten Figuren gar nicht vorkommen. Aber selbst diesen hat er dann trotz angedeuteter Gore-Szenen noch zusätzlich glattgebügelt. Das Ergebnis ist so zwar deutlich unproblematischer als die Vorlage, aber leider auch ziemlich langweilig.

Aber es sind vorrangig die grauenhafte CGI-Effekte, die jeder Asylum-Streifen besser (oder zumindest gleichwertig) macht. Dazu gesellen sich größtenteils unglaublich schlechte Schauspieler. Obwohl in Rückblenden einzelne Mitglieder der Crew vorgestellt werden, taugt keines davon zur Identifikationsfigur – selbst wenn das Geschwisterpaar Shokichi (Hideaki Ito) und Nanao (Emi Takei) vehement in diese Richtung gedrückt wird. Wenn an einer Stelle Bösewicht Ko Honda (Shun Oguri) mit wirren Worten und überdrehter Körperakrobatik seinen wahren Plan offenbart, nimmt eine der Figuren mit einem wenig überzeugten "Was?" dem Zuschauer das Wort aus dem Mund. Auch das daran angeschlossene "Das ist absurd!" würde man sofort unterschreiben. Absurd ist ebenso der bunt zusammengewürfelte Soundtrack/Score, der sich nicht so recht entscheiden kann, ob er entsprechende Szenarien Hard-Rock-lastig, oder eher elektronisch unterlegt. Wäre nicht der grenzdebile Humor, der den Film irgendwie dann gerade doch noch als Trash durchgehen lässt und den Zuschauer in der einen oder anderen Szene sogar ein Schmunzeln entlocken kann - der Streifen wäre rettungslos verloren. Es ist bezeichnend, dass einem der spöttische Kommentar des Off-Sprechers beim schnellen Tod zweier Kämpfer, dass man nun ja gar nicht erfahren werde, was ihnen denn ihre ungenutzten (und auch ziemlich unnützen) Käfer-Fähigkeiten wohl im Kampf gebracht hätten, positiver in Erinnerung bleibt als fast jede tatsächlich eingesetzte Spezialfähigkeit. Wer etwas in Sachen Entomologie dazulernen möchte, dem sei diese "Survival-Doku" wärmstens ans Herz gelegt, ansonsten ist "Terra Formars" ein trashiges Kurzfilmmaterial, das auf quälend lange 108 Minuten aufgepumpt wurde.

4/10

Von SPLENDID Film ist der Film auch als limitiertes Blu-ray/DVD-Mediabook im Hardcoverschuber mit übergroßen Postkarten zum Film erschienen:

Donnerstag, 26. Juli 2018

Pacific Rim: Uprising - Pacific Rim 2: Uprising (2018)

https://www.imdb.com/title/tt2557478/

Es sah danach aus, als würde Jake Pentecost (John Boyega) eine glorreiche Zukunft als Jaeger-Pilot haben und die Menschheit so im gigantischen Roboter vor den riesigen Wassermonstern Kaiju beschützen. Damit hätte er in die Fußstapfen seines Vaters Stacker treten können, der sich im Widerstand gegen die Kreaturen aus einer anderen Welt opferte. Aber weil Stacker in Jakes Schwester Mako Mori (Rinko Kikuchi) mehr Hoffnungen legte und der junge Mann die Erwartungen des Vaters nie zu erfüllen vermochte, schmiss er das Pilotentraining und landete in der Unterwelt, wo er Dieb und Schwarzmarkthändler wurde. Doch die Menschheit braucht ihn im Angesicht einer nie zuvor gesehenen Bedrohung. Mako führt ein neues Team junger Jaeger-Piloten an, zu dem auch Jake stoßen soll. Gemeinsam mit seinem Rivalen Lambert (Scott Eastwood), der Hackerin Amara (Cailee Spaeny) und der ebenso mutigen wie konfliktbeladenen Jules Reyes (Adria Arjona) wird Jake Teil der wichtigen Verteidigungstruppe…

Guillermo del Toros Vorgänger war angesichts der sonstigen kreativen Schaffenskraft seines Schöpfers keineswegs herausragend, doch die Begeisterung, mit der er sich seinen Kindheitstraum erfüllt hat, sorgte zusammen mit den bildgewaltigen Roboter-Monster-Gefechten dafür, dass "Pacific Rim" damals voll überzeugte. Der wilde Mix aus Anime-Elementen, Kaiju-Monstermovie und Bay-scher "Transformers"-Action machte einfach Spaß.


Das Sequel nun, welches 5 Jahre später in die Lichtspielhäuser kam, kämpft nun ein wenig damit, dass es eigentlich gar nichts weiter zu erzählen gibt. "Pacific Rim: Uprising" atmet dabei in zweierlei Hinsicht eindeutig den Geist der 1950er-Jahre. Vordergründig natürlich als Reminiszenz an das Kaiju-Genre, das mit "Godzilla" seinen Urknall feierte, darüber hinaus teilt es aber auch den reaktionären Zeitgeist dieser vom Kalten Krieg geprägten Epoche, in der eine stets wehrhafte Nation (hier Weltgemeinschaft) in ständiger Alarmbereitschaft gegen einen entmenschlichten Gegner sein muss.  Die Story in "Pacific Rim: Uprising" ist von Beginn an dennoch arg dünn und wird auch noch künstlich am Leben erhalten. Dabei wird man das Gefühl nicht los, dass die Macher zwar wollten, aber ihnen irgendwann die Ideen ausgingen. Darüber hinaus wurden vom Original nur einige Figuren herübergerettet und dementsprechend schnell mussten neue Identifikationsfiguren geschaffen werden, was einer Filmreihe selten gut tut. Die Charaktere sind genauso flach wie im Vorgänger, John Boyega als Sohn des Helden Stacker Pentecost stellt sich dabei allerdings gar nicht so schlecht an und channelt seine "Star Wars"-Rolle ganz brauchbar, während Scott Eastwood kaum mehr als ein blasser Ankerpunkt für das weiße mitteleuropäische Publikum abgibt.


Als Sympathieträger ist er eher zu gebrauchen als Charlie Hunnam in "Pacific Rim". Sehr nervig sind allerdings die Teenies, die als neue Jaeger-Piloten und damit Rekruten herhalten sollen, allerdings den Eindruck erwecken, als seien sie schon mit dem Schuhebinden überfordert. Besonders die vorlaute Amara, die mal eben einen eigenen Solo-Jaeger zusammengebaut hat (ist klar...), strapaziert gewaltig die Nerven. Doch da kommt wieder der Anime-Charakter durch, denn dort werden grundsätzlich Kids mit solchen Mechs in die Schlacht geschickt. In puncto Action will "Pacific Rim: Uprising" seinen Vorgänger überflügeln. Es geht häufiger und noch brachialer zur Sache, allerdings auch noch ein Sück weit unglaubwürdiger. Der anonyme Dronenkrieg entwickelt sich zum Boomerang, stattdessen müssen in einem extrem befremdlichen Coming-of-Age-Subplot Kinder in die Kampfmaschinen steigen/erwachsen werden und sich dabei von verdienten Veteranen Lektionen in Ethik und Moral geben lassen.

Was Paul Verhoeven 1997 noch in Form der Fascho-Satire "Starship Troopers" konsequent umdachte, wird hier zum bierernsten Eventmovie. Den Bogen in die Gegenwart schlägt "Pacific Rim: Uprising" dadurch, dass diese ganzen Motive weniger politisch motiviert, sondern wie reines Zielgruppenkalkül daherkommen - wie übrigens der ganze Film, der extrem durchdiversifiziert wirkt und offenbar primär für den asiatischen Markt konzipiert wurde. Handwerklich gibt es eigentlich gar nicht so viel auszusetzen, bis auf die Tatsache, dass die Action-Setpieces vergleichsweise sporadisch gesät sind und stattdessen geradezu unangenehm oft gesprochen wird.

Die Moves der tonnenschweren Giganten sind zudem eine Spur zu flüssig und menschlich. Da waren die Jungs beim Motion Capture etwas übermotivert. Gut sieht diese Zerstörungsorgie auf jeden Fall aus, sie ist nur eben ziemlich kopflos. Aber wen stört das schon in dem Genre? Kurz und gut: "Pacific Rim: Uprising" ist ein schönes Beispiel wie kapitalistische Marktlogik in billigen Ideen mündet. Diese DNA trug bereit der Vorgänger in sich, dafür konzentrierte er sich dankenswerter Weise mehr auf Container, die in den Händen der Jaeger zu Schlagringen umfunktioniert wurden und anderen infantilen Quatsch. Es ist ein unnötiges, aber aufgrund des Trashfaktors und der Action immerhin ein unterhaltsames Sequel. Ron Perlmans Cameo wurde angeblich aus Zeitmangel herausgeschnitten, dabei ist die Laufzeit gar nicht so gigantisch. Schade.

6/10


Der Film erschien in der 4K Ultra HD-Variante amazon-.de-exklusiv auch im limitierten Steelbook.


Quellen
Inhaltsangabe: Warner Bros.

Freitag, 2. Juli 2021

The Tomorrow War (2021)

https://www.imdb.com/title/tt9777666/

Der Untergang der Welt ist nah! In der nicht allzu fernen Zukunft des Jahres 2051 haben Aliens einen vernichtenden Kampf gegen die Menschheit begonnen, der kaum zu gewinnen ist. Um die menschliche Rasse vor dem kompletten Niedergang zu bewahren, nutzen Wissenschaftler die letzte Chance, die ihnen bleibt: Mit Hilfe einer neu entwickelten Technik werden Soldatinnen und Zivilisten aus vergangenen Zeitepochen in die Zukunft geholt. Ex-Soldat und Lehrer Dan Forester (Chris Pratt) zählt zu den Auserwählten, die für die Zukunft der Welt eintreten müssen. Ihre Fähigkeiten und besonderen Kampftechniken sollen die Aliens in die Knie zwingen. Der weltweite Krieg hält jedoch auch persönliche Veränderungen für Dan bereit, der nur mit der Unterstützung seines entfremdeten Vaters Slade (J.K. Simmons) die Welt beschützen kann. Denn gemeinsam mit Slade und der Wissenschaftlerin Vicki Winslow (Yvonne Strahovski) wird er auf eine ganz besondere Mission geschickt... 

Ein großer, dummer, manchmal langweiliger, manchmal lustiger Sci-Fi-Kriegsfilm mit Zeitreisen und reichlich Vaterkomplexen, der einen Haufen normaler Leute durch ein Wurmloch in die Zukunft schickt, um die menschliche Rasse zu retten: Chris McKays "The Tomorrow War" hat so viel zu bieten, dass selbst die Protagonisten gehetzt werden: Gewöhnliche Zivilisten, die eingezogen wurden, um in der nahen Zukunft gegen außerirdische Monster zu kämpfen, bekommen nur ein paar Tage Militärtraining, bevor sie sich dem (sehr unheimlichen) Feind (die sog. "White Spikes") stellen. Diese haben Gliedmaßen, Tentakel, Zähne, Keulen und blitzschnelle Bewegungen - und unterscheiden sich am Ende gar nicht so sehr von den Monstern in den "A Quiet Place"-Filmen. Glücklicherweise kommt der Anführer der menschlichen Widerstandstruppe vorgebildet daher: Als Biologielehrer, der auch schon Truppen im Irak geführt hat, ist Dan Forester (Chris Pratt) der richtige Mann für den Moment, auch wenn der erst in 30 Jahren kommen wird. Actionreich und solide inszeniert mit der Ausrichtung auf Familienunterhaltung hätte man sich diesen Streifen sogar im Kino vorstellen können. "The Tomorrow War" ist ein Film, der einen nach den bitter-süßen Nuancen von "Starship Troopers" sehnen lässt. Vieles davon ist schlichtweg kitschig (und mit 2 Stunden und 18 Minuten zu viel des Mittelmaßes), aber als ein Film die Definition von mitreißend angemessen.

Die Thematik ist auch nicht gerade neu. Bereits in "Terminator" wurde die Zeitreisethematik eingesetzt, um einein Vorteil in einem sonst aussichtslosen, ewig andauernden Kampf zu erlangen. In "The Tomorrow War" hält sich Regisseur McKay gar nicht erst lange mit Erklärungen auf und serviert in guter, alter "Ist eben so"-Manier seine Version des "Jump-Link"-Zeitreisekrieges, sodass man als Zuschauer am besten auch gar nicht weiter darüber nachdenkt, um den Film wirklich genießen zu können. Der Zuschauer, genau wie die Protagonisten werden gleich zu Beginn regelrecht und im wahrsten Sinne des Wortes in den Film geworfen und finden sich in einer apokalyptischen Welt wieder. Dann blendet der Film 28 Jahre zurück in einen Vorort, wo Dan Forester ein High-School-Biologielehrer ist, der beruflich nicht vorankommt, und der Vater eines 8-jährigen Wissenschaftsgenies namens Muri (Ryan Keira Armstrong). Er ist mitten in einer ausgelassenen Weihnachtsfeier bei sich zu Hause und sieht sich ein Fußballspiel im Fernsehen an, als etwas Unheimliches passiert: Eine lila elektromagnetische Wolke erscheint in der Mitte des Spielfelds, und aus der Wolke entsteigt ein S.W.A.T.-Team aus dem Weltraum. Ihre Anführerin (Jasmine Mathews) spricht zu den Zuschauern. "Wir sind Sie", sagt sie, "dreißig Jahre in der Zukunft." In nur 11 Monaten, sagt sie, werden alle Menschen vom Angesicht der Erde getilgt sein, "wenn ihr uns nicht helft."

"The Tomorrow War" handelt von einer außerirdischen Schlacht auf Leben und Tod, die im Jahr 2051 ausgetragen wird und für die sich die Erdenbürger von heute opfern müssen. Es wird die erste internationale Wehrpflicht eingeführt, wobei jeder Einsatz nur sieben Tage dauert. Doch die meisten derer, die in den Krieg "springen", kehren nicht zurück. Die Überlebensrate beträgt weniger als 20 Prozent - es ist die Zukunft als Fleischwolf. Nebenhandlunsgplatz ist der Vaterkonflikt, der mal wieder den altbackenen Weg beschreitet, sich seiner Pflicht zu ergeben, um ein höheres Ziel zu erreichen, obwohl Familie intensiv darum bittet, eben diesen Weg nicht zu beschreiten. Doch das höhere Ziel ist Dans entfremdeter Vater James (J.K. Simmons), der seinen Sohn vor langer Zeit verlassen hat, und der nun ein regierungsfeindlicher Einsiedler ist, der seine technischen Fähigkeiten für zwielichtige Zwecke einsetzt. Klar, dass ich hier weiteres Konfliktpotential auftut.

Es gibt unfreiwillig komische Momente in "The Tomorrow War" (wie etwa die Art und Weise, wie Muri die Giftformel entdeckt, nach der sie sucht), aber das Kitschigste an dem Film ist vielleicht einfach, dass der Film ein wahres Sammelecken für einen Sci-Fi-Blockbuster- ist: Aliens, Klimawandel, eine Reise in die Zukunft, um den Kurs der Menschheit zu ändern, "Interstellar"-Vater-Tochter-Umarmungen über die Zeit hinweg. Nichts, was man nicht schon einmal gesehen hätte. Der Kreaturen-Designer Ken Barthelmey hat jedenfalls sein Geld verdient, indem er Biester erschaffen hat, vor denen es sich zu fliehen lohnt; und dass McKay, der zwischen der Regie von "The Lego Batman Movie" und der kommenden Fortsetzung steht, ziemlich gut darin ist, reale Schauspieler in die Action einzubinden. Obwohl der Film vor zu vielen Zufällen strotzt und sich auf den einen oder anderen fragwürdigen Handlungspunkt verlässt, um seinen emotionalen Bogen zu spannen, funktioniert das Monster-killen gut genug, dass man sich kaum beschweren kann. Der Nervenkitzel erreicht einen scheinbar natürlichen Endpunkt; drei oder vier Dialogzeilen sind alles, was nötig wäre, um einen emotionalen und logischen Schlusspunkt zu setzen. Aber Dean macht weiter und fügt eine lange und waghalsige Mission hinzu, die nicht im Ansatz plausibel ist. Andererseits sieht man aber einen Film, in dem ein paar Wissenschaftler eine eigentlich unaufhaltsame Monsterhorde auslöschen, während sie in der Zeit hin und her hüpfen. Das kann man auch mal so durchgehen lassen.

7/10

Quellen:
Inhaltsangabe
: amazon Video

Mittwoch, 8. Oktober 2014

Edge Of Tomorrow (2014)

http://www.imdb.com/title/tt1631867/

Eigentlich kämpft Major Bill Cage (Tom Cruise) vom Schreibtisch aus gegen die außerirdischen Invasoren, die sogenannten Mimics. Doch für die entscheidende Schlacht in Frankreich werden auch die letzten Reserven mobilisiert, und so kommt Cage zu einem unfreiwilligen Einsatz an vorderster Front. Völlig untrainiert im Kampf gegen Aliens ist er lediglich Kanonenfutter und überlebt demgemäß den ersten Tag nicht. Doch bevor er den Tod findet, gelingt es Cage, ein Alpha-Alien der Mimics im Nahkampf zu erledigen. Wie durch ein Wunder erwacht Cage an dem gleichen Tag seines ersten und einzigen Einsatzes – nur um gleich wieder zu sterben, und aufzuwachen… Cage ist durch den Kontakt mit dem Mimic in eine Zeitschleife geraten und macht das Beste daraus: Mit jedem wiederholten ‘Ersteinsatz’ lernt Cage dazu und erwirbt sich so zusätzliche hilfreiche Fertigkeiten im Krieg gegen die Aliens. Zusammen mit der kampferprobten Rita Vrataski (Emily Blunt) macht sich Cage daran, den Schlüssel zur finalen Vernichtung der Aliens zu finden...

Was für ein Brett von Film! Es ist beinahe schon beängstigend, denn mit "Edge Of Tomorrow" hat man schon wieder einen überaus gelungenen Tom Cruise-Streifen vor sich liegen. So gerne ich ihn als Zivilist boykottieren würde, sein Gespür für gute Filme und für ihn passende Rollen ist unfassbar einmalig - mir fällt aus dem Stehgreif jedenfalls kein Darsteller ein, der so einen beeindruckenden Output ohne große Fehlgriffe im Lebenslauf hat.

Der Film selbst bedient sich schamlos aus dem Ideen-Fundus der Filmgeschichte und vereint so auf seine eigene Art Elemente aus "Und täglich grüßt das Murmeltier", "Starship Troopers" und jedem x-beliebigen Kriegsfilm. Was Cruise' letzter Streifen ("Oblivion") an Kunst zu bieten hatte, wird hier einfach durch knallharte Arcade-Action ersetzt. Und das ist mehr als gelungen! Aber ich mag auch diese Thematik sehr gern: Die Handlung ist vergleichbar mit einem, sich auf tausende Kilometer erstreckenden, ineinander verwobenen Labyrinth. Anfangs sind alle Optionen offen; mal verirrt man sich schon beim ersten Versuch heillos, dann beim nächsten Versuch kommt man schon etwas näher ans Ziel, um sich halt dann von einem falschen Abzweig in die Irre führen zu lassen.

Dann wieder, muss man von vornherein einen völlig anderen Ansatz wählen. Und so weiter und so fort... und in diesem Konstrukt werden die Actionszenen so sehr lebendig und mitreißend, wenn auch ein wenig "over-the-top" dargestellt, dass es eine Lust ist, tzuzusehen. Mit einem krachendem Soundtrack von Christophe Beck, der mir bisher mit noch keinem seiner Soundtracks wissentlich aufgefallen wäre.

 "Edge Of Tomorrow" ist ein Action/SciFi-Thriller mit Zeitschleifenthematik, der nie langweilt, technisch vollkommen überzeugt und mit Emily Blunt die perfekte Darstellung einer weiblichen Actionrolle zeigt. Wenn man will, könnte man über Verherrlichung von Militärgehabe und Waffenfetischismus meckern. Aber eine bedeutsame Botschaft erwarte ich bei dieser Art von Film eh nicht - das Ziel, bestens unterhalten worden zu sein, ist jedenfalls erfüllt. Doch der eigentliche Grund, warum der Film bei mir so punktet ist, der teilweise recht zynische Humor. Und dieser Film hat mich nicht selten ernsthaft zum Lachen gebracht. Und alleine das ist schon Grund genug für eine gute Bewertung.

8/10

Exklusiv bei amazon.de erschien der Film im limitierten Steelbook, welches auch die 3D-Version beinhaltet.

Freitag, 24. Juli 2020

Flesh+Blood - Fleisch & Blut (1985)

https://www.imdb.com/title/tt0089153/

Im Jahr 1501, dem ausgehenden Mittelalter, herrschen in Europa Barbarei und wüste Gewalt vor. Lord Arnolfini (Fernando Hilbeck) will sich die Skupellosigkeit einer kampferprobten Söldnertruppe um ihren Anführer Martin (Rutger Hauer) zunutze machen, um seine Feinde zu besiegen. Als er den Söldnern jedoch den Lohn für ihr ruppiges Engagement verweigert, zieht er sich deren grimmigen Zorn auf sich. Martin und seine Leute wollen sich den Betrug Arnolfinis nicht gefallen lassen und planen, Rache zu üben. Zunächst entführen sie Prinzessin Agnes (Jennifer Jason Leigh), die zukünftige Braut von Arnolfinis Sohn, und missbrauchen sie. Trotz der erfahrenen Gewalt will Agnes bei Martin bleiben, der das Land mit seinen Leuten mordend und brandschatzend in Angst und Schrecken versetzt. Arnolfini versucht, dem wieder Einhalt zu gebieten, und rüstet sich für den Kampf mit den Söldnern...

Zwei Jahre vor seinem großen Hollywood-Durchbruch drehte Paul Verhoeven bereits seinen ersten (co-produzierten) US-Kinofilm, das wenig zimperliche Mittelalterspektakel "Flesh+Blood". Der Name ist hier Programm, könnte noch durch "Dreck + Gestank" ergänzt werden. Verhoevens Darstellung des blutjungen, sechzehnten Jahrhundert bietet davon reichlich, keine edelen Ritter mit schimmernder Rüstung oder verträumte Robin-Hood-Romantik. Nun darf lediglich darüber spekuliert werden, inwieweit Paul Verhoevens Film der vielerorts beschworenen historischen Authentizität wirklich auch gerecht wird, doch verzichtet "Flesh+Blood" auf die romantisierende Darstellung des Spätmittelalters früherer Ritter- und Abenteuerfilme und zeigt stattdessen eine düstere, dreckige und vom nackten Kampf ums Überleben geprägte Welt. Identifikationspotential sucht man hier vergeblich, denn man bekommt ausnahmslos hochgradig ambivalente Figuren, die sich ihr Überleben in einer rauen und harten Welt sichern müssen. In der Gruppe ist man zwar stärker, doch letzten Endes ist sich jeder immer noch selbst der Nächste. Schlamm, Wolkenbrüche, der Geruch von Tod und Pest in der Luft, Plünderung, Mord und Vergewaltigung, Verhoeven präsentiert eines der dunkelsten Kapitel der Menschheitsgeschichte als einen dreckigen Moloch mit starken Kerlen und Frauen, die entweder ihre Weiblichkeit ablegen oder stehts zu Diensten sein müssen.

Die Inszenierung des Niederländers ist druckvoll und gemessen an den Mitteln (letztendlich ist das ein B-Movie der 80er Jahre) optisch und atmosphärisch erstaunlich gelungen. Die Sets und die Ausstattung wirken authentisch, wobei dazu zu sagen ist, dass es in "Flesh+Blood" so gut wie keine aufwendigen Massenszenen oder epische Schlachten gibt, wie sie aus einigen anderen Historienfilmen bekannt sind. Es ist schon zu bemerken, dass sich nicht so viele Darsteller und Statisten am Set befunden haben können, das ist aber so gekonnt in Szene gesetzt, dass es an Dynamik und Action nicht mangelt. Die Darsteller, die dort waren, können zudem voll überzeugen. Ganz vorne, natürlich, Verhoevens Landsmann Rutger Hauer, wie immer mit enormer Präsenz und Ausstrahlung, aber gleich dahinter die zuckersüsse Jennifer Jason Leigh, die sich hier erstaunlich oft sehr freizügig zeigt.

Etwas zwiespältig und sicher reichlich Diskussionsstoff bietet die Darstellung von Leighs Figur Agnes. Ähnliche Vorwürfe wurden ja auch Sam Peckinpah immer wieder gemacht, und zuerst hinterlässt "Flesh+Blood" einen vergleichbaren Eindruck. Allerdings mildern die weiteren Entwicklungen das Ganze etwas ab, dennoch vielleicht etwas gewagt. Grundsätzlich sollte aber jedem klar sein, "Flesh+Blood" ist eher ein Action- und Abenteuerfilm, als ein historisch korrekter Streifen. Das hat schon B-Movie-Flair und dient rein der Unterhaltung. Vollkommen in Ordnung, wenn es denn funktioniert. Etwas kürzer hätte es vielleicht sein können, zwei Stunden ist für den Stoff leicht zuviel. "Flesh+Blood" versteht sich mehr als Zeitbild und weniger als handlungsorientierter Film, doch trotz der episodenhaften Erzählstruktur, die nur von einem eher losen roten Faden zusammengehalten wird, vermag das alles zu fesseln. Obwohl Verhoevens Stil hier noch nicht ganz so stark ausgeprägt ist wie in seinen späteren Filmen, so schimmern das Genie und die inszenatorische Finesse des meisterhaften Provokateurs dennoch immer mal wieder durch, wenn sich nicht selten das Verstörende mit dem Erhabenen kreuzt. "Flesh+Blood" mag sich vielleicht nicht neben Großtaten wie "Robocop" oder "Starship Troopers" einreihen, doch Verhoeven lässt nun erstmals auch außerhalb von Europa aufhorchen und kann sein Talent unter Beweis stellen und das trotz des verheerenden Einspielergebnisses an den Kinokassen 1985. Am Ende steht gute, recht deftige Unterhaltung, die einfach klasse umgesetzt ist.

8/10

Von KOCH Films erschien der Film im limitierten Mediabook. Dieses beinhaltet den ungeschnittenen Film auf Blu-ray und DVD, sowie jede Menge Bonusmaterial.

Quellen
Inhaltsangabe: Koch Films

Mittwoch, 15. Februar 2023

Ant-Man And The Wasp: Quantumania (2023)

https://www.imdb.com/title/tt10954600/

Als Scott Langs (Paul Rudd) Tochter Cassie (Kathryn Newton) ein Gerät entwickelt, durch das eine Kommunikation mit dem Quantum-Reich möglich werden soll, ist das keine gute Idee. Und bald finden sich nicht nur Cassie, "Ant-Man" Scott und seine Mitstreiterin "The Wasp" Hope Van Dyne (Evangeline Lilly) in dem mystischen Reich wieder. Gemeinsam mit Hopes Eltern Hank Pym (Michael Douglas) und Janet Van Dyne (Michelle Pfeiffer) müssen sie einen Ausweg finden, doch bahnen sich erst einmal ihren Weg durch diese mysteriöse Welt, in welcher sie auf auf fremde Kreaturen und eine versteckte Zivilisation treffen. Dabei erfahren sie, dass viel mehr möglich ist, als sie jemals gedacht haben und auch Janet noch Geheimnisse aus ihren Jahrzehnten da unten hat. Und sie treffen auf einen so mysteriösen wie mächtigen Mann: Kang (Jonathan Majors)...

Es ist soweit: Phase 5 des MCU startet mit "Ant-Man And The Wasp: Quantumania" und auch hier gab es im Vorfeld viel zu berichten. Unter anderem sprach Hauptdarsteller Paul Rudd über die Vorbereitungen für seine Rolle als Ant-Man im dritten Teil des Franchise und führte aus, dass er sich körperlich stark verändert und hart gearbeitet hat, um in Form zu kommen. Frühe Kritiker schrieben nach den ersten Presse-Screenings, dass der dritte Teil der "Ant-Man"-Reihe "wie eine psychedelische Achterbahn voller beängstigender und witziger Kuriositäten, plus einem sehr bedrohlichen Kang" sei. Zudem träfen wohl "große "Star Wars"-Vibes auf das MCU in seiner freakigsten und originellsten Form". Und nicht zuletzt berichteten die Reviewer von dem "Mechanical Organism Designed Only for Killing", kurz M.O.D.O.K., der im Jahr 2021 sein Debüt in seiner gleichnamigen, animierten Serie "M.O.D.O.K." feierte und über einen Jonathan Majors" in Höchstform.

Wenn man "Ant-Man And The Wasp: Quantumania" sieht, fallen einem sofort zwei Dinge auf: Erstens lässt der Film San Francisco, den Schauplatz der früheren Ant-Man-Abenteuer ziemlich schnell hinter sich und begibt sich auf eine ausgedehnte Reise in die Geheimnisse und Wunder des Quantenreichs; und zweitens haben sich die Hauptdarsteller - Scott Lang / Ant-Man (Paul Rudd), Hope Van Dyne / The Wasp (Evangeline Lilly), Hank Pym (Michael Douglas), Janet Van Dyne (Michelle Pfeiffer) und Cassie Lang (Kathryn Newton) - zu nichts Geringerem als einer echten, dynamischen Superheldenfamilie zusammengefunden. Das weckt wohl nicht ganz zufällig Erinnerungen an die Fantastischen Vier zu, die schon in den 1960er Jahren als solche bezeichnet wurden. Und obwohl noch zwei Jahre bis zu deren offiziellen Start im MCU vor uns liegen, haben einige Aspekte der Vier, wie die zänkische Familieneinheit und die Abenteuer in psychedelischen kosmischen Gefilden, ihren Weg in die "Ant-Man"-Filme gefunden, insbesondere in Quantumania. Das sollte allerdings keine große Überraschung sein. 

Der Regisseur der "Ant-Man"-Trilogie, Peyton Reed, entwickelte bereits 2003 einen "Fantastic Four"-Film für 20th Century Fox, Jahre bevor das MCU ins Leben gerufen wurde und sogar noch länger, bevor die Muttergesellschaft der Marvel Studios, Disney, Fox aufkaufte und die Rechte an den Vier zurücknahm. "Ich habe 'Fantastic Four' damals, ich glaube 2002 oder 2003, etwa ein Jahr lang entwickelt, lange vor dem MCU", erklärt Reed. "Und das habe ich absolut in diese Filme einfließen lassen, besonders in Quantumania. Ich bin mit der Liebe zu den 'Fantastic Four' aufgewachsen, und dann habe ich bei der 'Ant-Man'-Familie Regie geführt, und es gibt Ähnlichkeiten. Sie sind eine Art dysfunktionale Familie von Superhelden im Marvel-Universum. Und bei den Fantastischen Vier gingen sie in die Negative Zone, und hier ist es das Quantenreich." Reeds aufgegebener "Fantastic Four"-Film sollte in den 1960er Jahren spielen und das Team in seinem Alltag begleiten, aber seine Vision wurde vom damaligen Fox-Chef Tom Rothman zugunsten einer traditionelleren Ursprungsgeschichte in der Gegenwart verworfen. Unter der Regie von Tim Story wurde "Fantastic Four" 2005 mit mittelmäßigen Kritiken, aber soliden Einspielergebnissen veröffentlicht. Es folgte "Fantastic Four: Rise Of The Silver Surfer" im Jahr 2007 und ein katastrophales Reboot im Jahr 2015, bevor Marvel die Rechte zurückbekam.

Wenn es jedoch um die "Ant-Man"-Filmreihe geht, konnte man bereits 2015 das Potenzial sehen, das Edgar Wright in das Projekt einbrachte, bevor er den Regiestuhl an Peyton Reed übergab. In der Fortsetzung von 2018, einem Film, der eine Erkundung des faszinierenden und seltsamen Quantenreichs versprach, bekam man nur sehr wenig von diesem mysteriösen Gebiet zu sehen. Die Ant-Man-Filme gingen auch sparsam mit der fesselnden Technologie um, um die sich die Geschichte dreht, und sparten sich die großen Geschütze oft für klimatische Schlachten und gelegentliche Gags auf. Sogar Scott Langs (Paul Rudd) Lieblingsmomente als Held drehen sich selten um Ereignisse aus seinen eigenen Abenteuern, denn er spricht eher über den Kampf an der Seite von Captain America in "Civil War" oder als er half, Thanos zu besiegen, als über irgendetwas, das in Peyton Reeds Filmreihe passiert ist. Eine Zeit lang fühlt sich "Ant-Man And The Wasp: Quantumania" wie die Verwirklichung von Scott Langs Möglichkeiten an, da der dritte Film dieser Reihe endlich die Seltsamkeiten, die verrückte Technik und die Familienbande, die die ersten beiden Filme versprachen, aufgreift. "Ant-Man And The Wasp: Quantumania" wird zu einer Mischung aus Fantastic Voyage und den Knowhere-Segmenten aus "Guardians Of The Galaxy" - eine interessante Mischung, die den Film sofort von den bisherigen Abenteuern von Ant-Man und Wasp (Evangeline Lilly) abhebt. Ein Vibe von "Star Wars" und sogar "Starship Troopers" schwebt mit - das passt und gefällt.

Tatsächlich sieht man Kang (Jonathan Majors), der in der grandiosen Serie "Loki" eingeführt wurde, hier noch vor Scott Lang, denn "Ant-Man And The Wasp: Quantumania" beginnt im Quantenreich, und wir erfahren, dass Janet van Dyne (Michelle Pfeiffer), während sie dreißig Jahre lang in diesem subatomaren Universum festsaß, auch mit dem Mann zusammentraf, den man später als Kang kennenlernen wird. Bevor Scott und Hope überhaupt auftauchen können, hat Kang bereits Anspruch auf diesen Film erhoben. Zurück im normalen Universum in der Gegenwart ist Scott ein Star, der ständig auf der Straße gesehen wird, der kostenlosen Kaffee bekommt (obwohl der Barista in einer sentimental wirkenden Anspielung auf Stan Lees Cameos in den vorherigen Filmen des MCU bis zu seinem Tod, glaubt, er sei "Spider-Man") und der jetzt mit seinem Buch "Look Out For The Little Guy" ein Bestseller-Autor ist. Er ist endlich wieder mit seiner Freundin, der umwerfenden Tech-CEO Hope Van Dyne (Evangeline Lilly), ihren Eltern Hank (Douglas) und Janet (Michelle Pfeiffer), die in "Ant-Man And The Wasp" von 2018 aus dem Quantenreich gerettet wurden, und seiner Tochter Cassie (Kathryn Newton) vereint. (Letztere ist zum Teenager gealtert, während er jenseits der Zeit festsaß und Hope, Hank und Janet aufgrund der Ereignisse von "Avengers: Infinity War" und "Avengers: Endgame".) Cassie arbeitet mit Hank Pym (Michael Douglas) und Hope an einem Weg, das Quantenreich zu erforschen, ohne jemals wieder hineingehen zu müssen. Cassie führt ihre Erfindung der ganzen Familie vor, und Janet bringt sie sofort dazu, das Gerät abzuschalten, da es ein Signal an ihren Standort sendet. Doch bevor sie das Signal abstellen können, werden Scott, Hope, Hank, Janet und Cassie in die Quantenwelt gesaugt und treffen bei ihrem erneuten Fluchtversuch auf die Kreaturen, die diese Welt bewohnen.

Die Ant-Man-Filme haben die verrückte Wissenschaft der Pym-Partikel nie vollständig in die Filme integriert, da wir meist nur einen Vorgeschmack auf die Möglichkeiten bekommen und wie Ant-Man hat sich auch das Quantenreich je nach Bedarf des MCU weiterentwickelt. Einst war es eine Leere zwischen Elementarteilchen, aus der noch nie jemand zurückgekehrt war, dann wurde es zu einem Zeitreise-McGuffin, und jetzt ist es ein ganzes Fantasy-Abenteuer-Universum, das in den mikroskopischen Räumen unseres eigenen existiert. Das ist ein Comic-Konzept, das noch nie einen Sinn ergeben hat und auch nie ergeben wird, und das deshalb ein zuverlässiges Vehikel für Spaß bleibt. Das Quantenreich ist ein Land, das weiter erforscht werden sollte, da man fast sofort eine solide Gruppe neuer Charaktere kennenlernt, darunter den telepathischen Quaz (William Jackson Harper), die Freiheitskämpferin Jentorra (Katy O'Brian) und einen riesigen Bottich voller Glibber, der von David Dastmalchian gesprochen wird. Schon nach ein paar Minuten im Quantenreich sehen wir, dass dies viel interessanter ist als alles in den beiden vorherigen "Ant-Man"-Filmen.

"Ant-Man And The Wasp: Quantumania" gelingt es auch gut, die Dinge, die in den ersten beiden Filmen gut funktioniert haben, weiterzuentwickeln. Zum Beispiel wird die Technologie hier durchgehend auf lustige Weise eingesetzt. Es gibt intelligente Ameisen, verrückte Schiffe, die anscheinend von Schleimwürmern gesteuert werden, und jede Menge Possen, die die Größe verändern. Wir bekommen sogar die Rückkehr von Corey Stolls Darren Cross, der jetzt M.O.D.O.K. spielt, mit einem riesigen Kopf, der immer wieder beunruhigend gruselig ist. Die meisten der Ant-Man-Kräfte beschränken sich immer noch auf Scott, Hope und jetzt Cassie, die klein schrumpfen, jemanden schlagen und dann wieder groß werden, aber wenigstens sieht diese Welt endlich, welche Möglichkeiten sie hat. Aber Majors als Kang der Eroberer wirbelt das alles durcheinander - im Guten wie im Schlechten. Majors' Kang liefert eine ganz andere, aber nicht weniger unglaubliche Leistung ab. Er ist ein hervorragender Bösewicht, der seiner Figur Nuancen und Subtilität verleiht. Vor allem in den Rückblenden mit Janet sehen wir Kang als eine Figur, die unter der Last des Wissens um alles, was in der gesamten Zeit und in jedem Multiversum geschehen kann und wird, begraben scheint. Er glaubt, dass seine Handlungen gut sind, weil er weiß, wie sich alles entwickeln wird, doch die Zeitlinien sind durch sein Wissen zerstört worden. Majors macht diese Figur anfangs sympathisch, verbirgt aber auch nie die Bedrohung und den Schrecken, die er jederzeit auslösen kann. Wie man aus der Serie "Loki" gelernt hat, gibt es viele Kangs in der Welt, und dies wird in Zukunft sicherlich zu vielen Gelegenheiten für Majors führen, mit der Breite, den Details und den Schichten dieser Figur(en) zu spielen. Mehr als alles andere ist "Ant-Man And The Wasp: Quantumania" eine großartige Einführung in die Arbeit von Majors mit dieser Figur, von der wir in den nächsten Jahren noch viel mehr sehen werden, und es ist wirklich aufregend zu sehen, was er mit dieser Figur in Zukunft machen wird.

Eine Variante dieses berüchtigten Marvel-Comic-Bösewichts hat man ja bereits in der Disney+ Show "Loki" kennengelernt, aber während "He Who Remains" extravagant und wild war, ist Kang stählern und finster. Majors trifft den facettenreichen Charakter von Kang voll und ganz, ein Mann, der sich mit der Zeit mit seiner Domäne belastet fühlt und dennoch den feurigen Willen hat, sie zu nutzen, um unvorstellbare Ziele zu erreichen. Es wird so viel Aufwand betrieben, um zu zeigen, wie mächtig und gefährlich Kang ist, dass die Ironie umso köstlicher wird, wenn er gegen den Trottel antreten muss, der mit Ameisen spricht. Zu sagen, dass die Kräfteverhältnisse zwischen Ant-Man und Kang ungleich sind, ist eine starke Untertreibung. In den Comics ist Kang eine Bedrohung auf Avengers-Niveau, die Thanos ebenbürtig ist - eine Bedrohung, bei der selbst ein komplettes Team der Avengers froh wäre, wenn es aus einem direkten Kampf als Sieger hervorgehen würde. Es ist also ein Verdienst von Drehbuchautor Jeff Loveness und Regisseur Peyton Reed, dass sie Wege gefunden haben, wie Ant-Man tatsächlich eine Chance hat, und diese Ideen sorgen für einige kreative Actionszenen. Allerdings werden die Einsätze in diesen Kämpfen oft zu kurz gegriffen, so dass die Gefahren, die aufgebaut werden, letztlich etwas zahnlos wirken.

Davon abgesehen ist das die primäre Funktion von "Ant-Man And The Wasp: Quantumania" - die Einführung des nächsten großen Bösewichts für die nächsten Phasen des Masterplans des MCU. Obwohl die Geschichte mit der coolen Technologie und der Familiendynamik auf eine Art und Weise beginnt, die eindrucksvoller ist als in allen vorherigen Filmen, wird der Film schnell zur Kang-Show. Und das ist nicht unbedingt schlecht, denn Majors ist absolut das Beste an diesem Film, aber es fühlt sich an wie die Einführung eines Hauptcharakters, der sich auf die erste Scott-Lang-Geschichte stürzt, die tatsächlich weiß, was sie tun soll.

Darüber hinaus sind alle Zutaten für ein solides Scott Lang/Hope van Dyne-Familienabenteuer vorhanden, und die beiden Schauspieler liefern einige ihrer besten Leistungen im MCU ab, aber die Geschichte wird überholt. Während Scott schon immer von seiner Tochter motiviert wurde, steht hier Cassies und Scotts Bindung im Vordergrund, was zu einigen süßen Wortwechseln und Momenten führt, die Ant-Man das Gefühl geben, mehr ein Held zu sein als nur ein kleiner Witz. Es könnte auch ein ganzer Film mit Douglas und Pfeiffer sein, die hier beide hervorragend sind. Indem hier Douglas erlaubt wird, die seltsame Pym-Technologie zu übernehmen, bekommt man einige lustige Momente über seine Liebe zu Ameisen zu sehen, und Pfeiffer bekommt endlich die Gelegenheit, in diesem Universum etwas Zeit im Rampenlicht zu verbringen, vor allem, wenn man auf ihre Zeit im Quantenreich zurückblickt. Newton ist ebenfalls eine gute Ergänzung zu dieser Superheldenfamilie und stellt einen weiteren großartigen neuen Charakter im MCU dar, der leicht in die Fußstapfen eines unserer ursprünglichen Helden treten könnte. 

In "Ant-Man And The Wasp: Quantumania" gibt hier eine faszinierende Welt zu erkunden, und Ant-Man kommt endlich der vollen Entfaltung des Potenzials seiner Figur und dieses Konzepts nahe, aber leider wird das alles vom Eroberer Kang überholt. Fast die gesamte Geschichte spielt im Quantenreich, einem bizarren Ort, an dem die Wesen Brokkoli als Köpfe haben und fliegende Mitochondrien als Transportmittel benutzen. Es gibt zwar jede Menge noch nie dagewesenes Sci-Fi-Material zu bestaunen, jedoch wirkt alles etwas wie computergenerierte Dekoration, die nichts mit den Ereignissen zu tun hat. Über diese unübersehbaren Kleinigkeiten in den visuellen Effekten könnte man hinwegsehen, wenn sich "Ant-Man And The Wasp: Quantumania" nicht so sehr auf das visuelle Spektakel als eines seiner Hauptmerkmale stützen würde. Das Tempo des Films ist geradezu halsbrecherisch. Doch auch wenn die Geschichte zwar etwas klobig wirkt, und der Look des Films selbstbewusst, sicher und fesselnd - das alles wirkt in sich rund. Zum Vergleich: In Disneys jüngstem Animationsfilm "Strange World" verirrt sich ebenfalls eine Familie in einer unheimlichen Sci-Fi-Landschaft - aber es gibt eine Erklärung, die all die Merkwürdigkeiten miteinander verbindet. In ähnlicher Weise treffen wir in der Quantenwelt auf eine Gruppe von Charakteren, aber genau wie ihre Heimat tragen sie nicht viel mehr zu "Ant-Man And The Wasp: Quantumania" bei, außer ein paar Witzen und einer Möglichkeit, die Handlung voranzutreiben. Niemand verkörpert dieses Problem mehr als Bill Murrays Figur, dessen eine Szene völlig belanglos wirkt. "Ant-Man And The Wasp: Quantumania" ist damit ein vielversprechender Start für Phase 5 des Marvel Cinematic Universe, und es ist toll zu sehen, wohin die Reise gehen könnte.

8,5/10

Quellen
Inhaltsangabe: Marvel / Disney
Quellen: DenOfGeek