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Montag, 15. August 2022

Benedetta - Blessed Virgin - Benedetta (2021)

https://www.imdb.com/title/tt6823148/

Im 17. Jahrhundert wird die italienische Nonne Benedetta (Virginie Efira) in ihrem Konvent in der Toskana von schrecklichen Visionen heimgesucht. Diese sind nicht nur von religiöser, sondern auch von erotischer Natur. Eine ihrer Mitschwestern, Bartolomea (Daphne Patakia), steht ihr in ihrer Verstörung zur Seite und aus der freundschaftlichen Beziehung entwickelt sich langsam eine romantische Liebesaffäre. Derartige amouröse Verhältnisse sind unter Ordensschwestern natürlich strengstens verboten. Würde die Äbtissin (Charlotte Rampling) oder der Nuntius (Lambert Wilson) von den beiden Frauen Wind bekommen, gäbe es einen handfesten Skandal, der die Kirche erschüttern könnte. Zunächst gelingt die Geheimhaltung auch und Benedetta lässt sich in fast schon mystischer Ausformung verehren. Doch schon bald wird sie von ihrer Vergangenheit eingeholt - und erneut auf eine harte Probe gestellt... 

Paul Verhoeven verfilmte mit "Benedetta" das Sachbuch "Immodest Acts: The Life Of A Lesbian Nun In Renaissance Italy" von Judith C. Brown, welches 1987 veröffentlicht wurde. Buch und Film behandeln die unwirklich klingende Geschichte der Nonne Benedetta Carlini, die aufgrund zahlreicher religiöser Visionen bis zur Äbtissin aufsteigt, bevor bei einer Untersuchung ihre homosexuelle Beziehung zu der Nonne Bartolomea ans Licht kommt.

Verhoevens Erzählung beginnt mit einem jungen Mädchen, das nach einem ihr angeblichen wiederfahrenem Wunder in ein Kloster aufgenommen wird - nur gegen entsprechende Bezahlung, versteht sich. Achtzehn Jahre später beginnt sie eine Affäre mit einer Novizin. Sexuelle Aktivitäten hinter Klostermauern von zwei Menschen, die beide keine kleinen Kinder mehr sind - das sieht die katholische Kirche gar nicht gerne. Auf der anderen Seite mehren sich aber auch Anzeichen, dass Benedetta eine Wiedergängerin Jesu sein könnte. Wie also verfährt man mit einer derartigen Personalie? Die potenziellen Wunder finanziell ausschlachten oder ein Exempel wegen Ketzerei statuieren? Und wie verfährt man mit den Kritiker(inne)n , die Benedetta der Blasphemie beschuldigen? Schwierig, schwierig. Es ist nicht zuviel zu verraten, dass nahezu alle, die nicht komplett unten in der kirchlichen Hierarchie stehen, mehr oder weniger ausschließlich ihre ganz eigene Agenda zu verfolgen scheinen - notfalls auch im Zickzack-Kurs. Prinzipientreue gilt nur insofern, dass man zuallererst an sich selbst glaubt, in zweiter Linie an die Kirche, in dritter Linie an irgendwelche Zeichen des Aberglaubens und - eher so nebenbei - vielleicht sogar an Gott. Der finale Dialog zwischen Benedetta und dem Nuntius könnte das gar nicht bissiger auf den Punkt bringen. Das ist feinster, bitterer Humor nach Verhoeven-Art eben.

Ganz egal, wie man zu Benedettas Fall auch stehen mag: Die Inszenierung erweckt den Eindruck, dass sie bereits in sehr jungen Jahren verstanden haben muss, wie man zu argumentieren hat, wenn man es innerhalb der katholischen Kirche zu etwas bringen will. Dass ihr andererseits ihr Übermut im Weg steht, steht auf einem anderen Blatt. Aber indirekt legt sie durch ihr Verhalten derart viele eiternde Pestbeulen der Kirche offen, dass sie so oder so zu einer Bedrohung für den Vatikan wird - und sei es nur in der Form, dass sie im Falle eines Unterganges auch einige hohe Tiere mit in den Abgrund reißen würde. Unter dem Strich erweist sich "Benedetta" als boshaft-bissige Karikatur eines moralisch verkommenen Klerus, die auch ganz nebenbei noch einige glaubenstheoretische Fragen aufwirft und trotzdem auch den Voyeurismus des Publikums ins Visier nimmt. Zwar könnte man Verhoeven vorhalten, dass er ganz offensichtlich kühl kalkuliert eine regelrechte Checkliste an Provokationen abarbeitet. Allerdings hat sein Drehbuch auch ausreichend Fleisch auf den Rippen, um als anklagendes Drama durchzugehen. Mit fast schon diebischer Freude reiht er Nunsploitation-Auswüchse an glaubentheoretische Einwürfe, die wiederum von einer möglichen Fraud Story durchbrochen werden. Der Ansatz ist ganz gewiss nicht neu, dürfte bisher aber nur ganz selten (wenn überhaupt) mit vergleichbaren finanziellen und stilistischen Mitteln verfilmt worden sein. Projekte wie dieses bekommt man eben nur mit einem entsprechenden Namen gestemmt. Paul Verhoevens erotisch aufgeladenes Historiendrama will natürlich bewusst provozieren und polarisieren, kann darüber hinaus aber auch durch sein historisches Setting und gute Darsteller punkten. Neben einigen Fragen, die der Film über Religion, Sexualität oder die Rolle der Frau aufwirft und die zum Nachdenken anregen, tragen diverse Verhoeven-typisch explizite Szenen zum vordergründigen Unterhaltungswert des Films bei. Insgesamt liefert Verhoeven, was sein Name verspricht: Einen Arthaus-Film mit Mainstream-Einschlag, der über seine volle Laufzeit gut unterhält. Für erzkonservative Christen vermutlich jedoch eher ungeeignet.

7/10

Quellen
Inhaltsangabe: Capelight / Koch Films

Samstag, 30. Januar 2021

Elle (2016)

https://www.imdb.com/title/tt3716530/

Die Geschäftsfrau Michèle (Isabelle Huppert) ist erfolgreiche Leiterin einer großen Videospielfirma und gehört zu den großen Namen in der Branche. Ihren Erfolg verdankt sie vor allem ihrer rigorosen, rücksichtslosen Arbeitsweise, die auch ihre Konkurrenten zu spüren bekommen. In ihrem Liebesleben zeigt die Karrierefrau dieselbe unterkühlte Attitüde wie im Berufsleben. Doch als Michèle eines Tages in ihrem Zuhause von einem Fremden überfallen und brutal vergewaltigt wird, verändert sich ihr Leben schlagartig. Dass der Täter draußen unerkannt herumläuft, lässt Michèle keine Ruhe, doch Anzeige erstatten will sie nicht. Mit eisernem Willen entschließt sie sich dazu, auf eigene Faust die Spuren ihres Peinigers zu verfolgen, um sich an ihm zu rächen. Michèles riskantes Unterfangen gerät schon bald außer Kontrolle... 

Direkt zu Beginn die Vergewaltigung, die der Zuschauer nur hört, aber nicht sieht. Aha, denkt man im Stillen, das will der holländische Regiesseur Paul Verhoeven dem Zuschauer ersparen. Aber falsch gedacht. Er wird uns bis zum Schluss immer wieder an der Nase herumführen, mit Erwartungen spielen und das tut er meisterlich. Der Beginn ist also bereits ein Schlag in die Magengrube und alles was danach folgt höchst suspekt. "Elle" ist wahrlich kein einfach zu verdauender Film. Inmitten der Konventionen brechenden Erzählung rund um das Opfer einer Vergewaltig spielt Isabelle Huppert meisterhaft und führt alle an der Nase herum. Zum Teil auch sich selbst. Gegen jede Erwartung entwickelt sich hier ein Schauspiel, dass faszinierend und abstoßend zugleich ist. Die Schauspielerin verleiht der Figur so unglaublich viele Facetten und schafft es, die seelische Zerstörtheit dieser Frau glaubhaft zu spielen. 

"Elle" ist ein einzigartiges Erlebnis, welches die moralischen und filmischen Grenzen der Zuschauer auslotet und mit seiner Unverfrorenheit sämtliche Rollenbilder auf den Kopf stellt. Das spitzt sich bisweilen zu einem packenden und waschechten Thriller zu, um dann mit der nächsten Offenbarung zu überraschen. Dabei funktionieren aber nicht alle Subplots und gerade jener um den Sohn der Protagonistin fühlt sich arg konstruiert und fremd an. Der Vorwurf, der Film bagatellisiere Vergewaltigung, wurde oft in Rezensionen thematisiert. Aber man muss konstatieren: Nein, das tut er nicht. Er stellt Vergewaltigung nicht als lustvolle Tat eines vollbeherrschten, guten Menschen dar, daher ist keine der Vergewaltigungen erotisch im Sinne einer erregenden Wirkung. Der Täter ist ein dissozierter Psychopath, der zu liebevollem Sex unfähig ist, die Schreie während der Tat klingen nie lustvoll, immer gequält, es wird von Michèle als "krank" bezeichnet, sie hat Rachefantasien, der Vergewaltiger kommt auch nicht gut davon. Es ist schade, wenn man in der Bewertung des Films einfach bei der simplen Empörung über die Vergewaltigung stehen bleibt und gar nicht nach den tieferen Schichten und Zusammenhängen fragt. Michèle ist voller "Altlasten": ganz tief sitzende Schuld und Groll gegen ihren Vater, Konflikte mit der Mutter, das Scheitern der Beziehung zu Richard, der Sohn, der auch nichts merkt, etc. Dass Michèle nicht direkt die Polizei ruft, ist sehr realistisch. Viele Opfer sind völlig verwirrt, geben sich selbst die Schuld, sind traumatisiert. Genau wie diese muss Michèle erst wieder zu sich selbst finden. Und davon handelt der Film.

Somit handelt es sich hier nicht wirklich um einen Thriller sondern eher um ein tiefgründiges Psycho-Drama. Spannung gibt es daher nur teilweise. Viel mehr muss man versuchen, sich in die Figur der Michèle Leblanc einzufühlen. Das kann schon unangenehm und manchmal auch anstrengend sein. Alles in allem ist das kein angenehmer Film, aber aufgrund der fantastischen Leistung Hupperts kann man sich hier schon in den Sog menschlicher Abründe ziehen lassen.

Unkonventionell, unmoralisch und dennoch faszinierend. Paul Verhoevens Werk lotet mit einer beeindruckenden Isabelle Huppert und seiner höchstkontroversen Thematik die Grenzen des Zuschauer aus. Der Film leistet, was reaktionäre Feministinnen und die übliche Schar von hypermoralisierenden Medien-Richtern nicht zu Stande bringen: Er hat den Mut zu differenzieren. Und zum Glück hat er einen fähigen Stab, der diese schwierige Aufgabe zu lösen versteht.

7,5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: MFA

Freitag, 13. November 2020

Showgirls

https://www.imdb.com/title/tt0114436/

Die attraktive Tänzerin Nomi Malone (Elizabeth Berkley) zieht aus der amerikanischen Provinz nach Las Vegas, um sich dort ein neues Leben aufzubauen. Aber die Erfüllung ihres Traums von einer großen Karriere als Showgirl liegt noch in weiter Ferne. Denn nachdem Nomi gleich an ihrem ersten Tag in der Stadt der Sünde ausgeraubt wird, muss sie aus Geldnot einen Job als erotische Tänzerin in dem schäbigen Striplokal Cheetah's annehmen. Dort bekommt sie jedoch die Chance, für Cristal Connors (Gina Gershon), den Star der erfolgreichen Bühnenshow "Goddess" im Stardust-Hotel, zu tanzen. Begeistert von der Schönheit und dem Talent der naiven Newcomerin, verschafft Cristal ihr ein Engagement in der Show. Schnell stellt Nomi fest, dass die Welt voller Glitzer und Glamour auch eine Kehrseite hat, die aus Missgunst, Intrigen und Gewalt besteht. Doch die junge Tänzerin ist bereit, für ihren Traum fast jeden Preis zu zahlen... 

An "Showgirls" scheiden sich die Geister. Die einen halten ihn für Verhoevens schlechtesten Film, da er ihrer Ansicht nach lediglich nackte Brüste zur Schau stellt und jegliche Substanz vermissen lässt. Die anderen halten ihn für eine gelungene Satire auf die Welt hinter den Kulissen der Glitzerstadt Las Vegas, Nevada. Der Film beschreibt die Geschichte einer Tänzerin in Las Vegas in den für Verhoeven typischen sexuell aufgeladenen und gewaltdarstellenden Bildern. Dass dies gerade beiom biederen US-Publikum für mehr als einen Skandal sorgte, war vermutlich ganz bewusst provoziert. Das finanzielle Ergebnis der Kinoauswertung war dementsprechend "desaströs". Das Budget betrug geschätzte 45 Mio. US-Dollar, wovon der Film weltweit lediglich 37,7 Mio. US-Dollar wieder einspielte. Erst durch die guten Ergebnisse im Videoverleih und die "respektable" Verwertung auf DVD wurde der Film zu einem finanziellen Erfolg und spielte zwischen 1996 und 2004 mehr als 100 Millionen Dollar ein. Der Film erhielt im Jahr 1996 die Goldene Himbeere in sieben Kategorien, darunter für Elizabeth Berkley, Joe Eszterhas und Paul Verhoeven. Verhoeven holte als erster Regisseur überhaupt die Goldene Himbeere persönlich ab. Er war außerdem für sechs weitere Goldene Himbeeren nominiert, darunter für Kyle MacLachlan und Gina Gershon, d. h. mit insgesamt 13 Nominierungen belegt der Film bisher den Spitzenplatz. Im Jahr 2000 wurde er zum Schlechtesten Film der 1990er Jahre gekürt, im Jahr 2005 zum schlechtesten Film der ersten 25 Jahre, in denen die Goldene Himbeere vergeben wurde. 

Quentin Tarantino lobte "Showgirls" als einen der wenigen großen Sexploitationfilme des Hollywood-Studiosystems und bekannte sich genauso als Fan des Films wie der Filmemacher Jacques Rivette. Die Filmkritiker Jonathan Rosenbaum und Charles Taylor verteidigen "Showgirls" als völlig missverstandene Satire auf das Showgeschäft in den USA. "Showgirls" ist damit vieles, aber vor allem eines: unterbewertet und äußerst missverstanden - irgendwie unverständlich. Natürlich badet der Film vor allem in Klischees und hat nur selten den Mut, die Charaktere aus ihren Rollen ausbrechen zu lassen, sodass sich ind er Entwicklung der Story kaum Übverraschungen zeigen. Doch er hat etwas von einem Autounfall, bei dem man schlicht nicht wegsehen kann - und das liegt nicht an der expliziten Zurschaustellung nackter Tatsachen. Es ist auf seine Art und Weise bezeichnend, dass dieser Film, der dem männlichen Blick des Kinos den Spiegel vorhält, auf so viel Ablehnung stieß. 

"Showgirls" ist ein Film, der zur damaligen Zeit von den Kritikern auf das Übelste verrissen wurde, der seiner Zeit voraus war, eigentlich zeitlos ist, aber vor allem heute kaum aktueller sein könnte. Verhoeven zerpflückt den amerikanischen Traum und mit ihm die Unterhaltungsindustrie, die durch und durch als misogyn enttarnt wird. Es gibt lediglich eine Protagonistin und keine einzige männliche Identifikationsfigur, denn früher oder später stellen sich ohne weiteres alle Männer im Film als Arschlöcher heraus. Das ist natürlich reichlich überspitzt, der Film aber auch eine bitterböse Satire, die der visuellen Lust den Kampf ansagt. So geht es zwar um die Fetischisierung oder, wie der Titel bereits nahelegt, um das Anschauen von Frauen - doch die Erotik bleibt, trotz der Allgegenwart von nackter Haut, aus. Durch das Fehlen der männlichen Identifikationsfigur, der fehlenden Spiegelung eines idealen Ichs, geht jegliche Kontrolle über den Blick verloren. Ein Kontrollverlust der sich wiederum in den absurden, unerotischen, eher komischen Sexszenen widerspiegelt, in welchen viel mehr ein weiblicher Blick etabliert wird. Das wird unter anderem bei dem von Cristal arrangierten Lapdance deutlich, dem diese beiwohnt und zuschaut, während Zack der tanzenden Nomi völlig ausgeliefert ist. Und dennoch kann Nomi sich den patriarchalischen Mächten innerhalb des Films nicht entziehen. Mit dem eigentlichen Ziel in Las Vegas Tänzerin zu werden, wird sie dort schließlich zum absoluten Fetischobjekt und löst Cristal als "Goddess" im Stardust ab. Es bedarf erst der völligen Eskalation, damit sie erkennt und sich den männlichen Einflüssen (auf brutale Weise) entziehen kann. Am Ende behauptet sie zwar zu sich selbst gefunden zu haben, doch dem Straßenschild der letzten Einstellung zufolge, ist sie auf direktem Wege nach Los Angeles, wo das Spiel womöglich von neuem beginnt. 

8/10

Von CAPELIGHT PICTURES erschien der Film hierzulande in einem tollen Mediabook:


Quellen
Inhaltsangabe: Capelight Pictures
Testauszüge: Wikipedia

Freitag, 24. Juli 2020

Flesh+Blood - Fleisch & Blut (1985)

https://www.imdb.com/title/tt0089153/

Im Jahr 1501, dem ausgehenden Mittelalter, herrschen in Europa Barbarei und wüste Gewalt vor. Lord Arnolfini (Fernando Hilbeck) will sich die Skupellosigkeit einer kampferprobten Söldnertruppe um ihren Anführer Martin (Rutger Hauer) zunutze machen, um seine Feinde zu besiegen. Als er den Söldnern jedoch den Lohn für ihr ruppiges Engagement verweigert, zieht er sich deren grimmigen Zorn auf sich. Martin und seine Leute wollen sich den Betrug Arnolfinis nicht gefallen lassen und planen, Rache zu üben. Zunächst entführen sie Prinzessin Agnes (Jennifer Jason Leigh), die zukünftige Braut von Arnolfinis Sohn, und missbrauchen sie. Trotz der erfahrenen Gewalt will Agnes bei Martin bleiben, der das Land mit seinen Leuten mordend und brandschatzend in Angst und Schrecken versetzt. Arnolfini versucht, dem wieder Einhalt zu gebieten, und rüstet sich für den Kampf mit den Söldnern...

Zwei Jahre vor seinem großen Hollywood-Durchbruch drehte Paul Verhoeven bereits seinen ersten (co-produzierten) US-Kinofilm, das wenig zimperliche Mittelalterspektakel "Flesh+Blood". Der Name ist hier Programm, könnte noch durch "Dreck + Gestank" ergänzt werden. Verhoevens Darstellung des blutjungen, sechzehnten Jahrhundert bietet davon reichlich, keine edelen Ritter mit schimmernder Rüstung oder verträumte Robin-Hood-Romantik. Nun darf lediglich darüber spekuliert werden, inwieweit Paul Verhoevens Film der vielerorts beschworenen historischen Authentizität wirklich auch gerecht wird, doch verzichtet "Flesh+Blood" auf die romantisierende Darstellung des Spätmittelalters früherer Ritter- und Abenteuerfilme und zeigt stattdessen eine düstere, dreckige und vom nackten Kampf ums Überleben geprägte Welt. Identifikationspotential sucht man hier vergeblich, denn man bekommt ausnahmslos hochgradig ambivalente Figuren, die sich ihr Überleben in einer rauen und harten Welt sichern müssen. In der Gruppe ist man zwar stärker, doch letzten Endes ist sich jeder immer noch selbst der Nächste. Schlamm, Wolkenbrüche, der Geruch von Tod und Pest in der Luft, Plünderung, Mord und Vergewaltigung, Verhoeven präsentiert eines der dunkelsten Kapitel der Menschheitsgeschichte als einen dreckigen Moloch mit starken Kerlen und Frauen, die entweder ihre Weiblichkeit ablegen oder stehts zu Diensten sein müssen.

Die Inszenierung des Niederländers ist druckvoll und gemessen an den Mitteln (letztendlich ist das ein B-Movie der 80er Jahre) optisch und atmosphärisch erstaunlich gelungen. Die Sets und die Ausstattung wirken authentisch, wobei dazu zu sagen ist, dass es in "Flesh+Blood" so gut wie keine aufwendigen Massenszenen oder epische Schlachten gibt, wie sie aus einigen anderen Historienfilmen bekannt sind. Es ist schon zu bemerken, dass sich nicht so viele Darsteller und Statisten am Set befunden haben können, das ist aber so gekonnt in Szene gesetzt, dass es an Dynamik und Action nicht mangelt. Die Darsteller, die dort waren, können zudem voll überzeugen. Ganz vorne, natürlich, Verhoevens Landsmann Rutger Hauer, wie immer mit enormer Präsenz und Ausstrahlung, aber gleich dahinter die zuckersüsse Jennifer Jason Leigh, die sich hier erstaunlich oft sehr freizügig zeigt.

Etwas zwiespältig und sicher reichlich Diskussionsstoff bietet die Darstellung von Leighs Figur Agnes. Ähnliche Vorwürfe wurden ja auch Sam Peckinpah immer wieder gemacht, und zuerst hinterlässt "Flesh+Blood" einen vergleichbaren Eindruck. Allerdings mildern die weiteren Entwicklungen das Ganze etwas ab, dennoch vielleicht etwas gewagt. Grundsätzlich sollte aber jedem klar sein, "Flesh+Blood" ist eher ein Action- und Abenteuerfilm, als ein historisch korrekter Streifen. Das hat schon B-Movie-Flair und dient rein der Unterhaltung. Vollkommen in Ordnung, wenn es denn funktioniert. Etwas kürzer hätte es vielleicht sein können, zwei Stunden ist für den Stoff leicht zuviel. "Flesh+Blood" versteht sich mehr als Zeitbild und weniger als handlungsorientierter Film, doch trotz der episodenhaften Erzählstruktur, die nur von einem eher losen roten Faden zusammengehalten wird, vermag das alles zu fesseln. Obwohl Verhoevens Stil hier noch nicht ganz so stark ausgeprägt ist wie in seinen späteren Filmen, so schimmern das Genie und die inszenatorische Finesse des meisterhaften Provokateurs dennoch immer mal wieder durch, wenn sich nicht selten das Verstörende mit dem Erhabenen kreuzt. "Flesh+Blood" mag sich vielleicht nicht neben Großtaten wie "Robocop" oder "Starship Troopers" einreihen, doch Verhoeven lässt nun erstmals auch außerhalb von Europa aufhorchen und kann sein Talent unter Beweis stellen und das trotz des verheerenden Einspielergebnisses an den Kinokassen 1985. Am Ende steht gute, recht deftige Unterhaltung, die einfach klasse umgesetzt ist.

8/10

Von KOCH Films erschien der Film im limitierten Mediabook. Dieses beinhaltet den ungeschnittenen Film auf Blu-ray und DVD, sowie jede Menge Bonusmaterial.

Quellen
Inhaltsangabe: Koch Films

Montag, 16. April 2018

Zwartboek - Black Book - Das schwarze Buch (2006)

http://www.imdb.com/title/tt0389557/

September 1944: Sämtliche Familienmitglieder der jüdischen Revuesängerin Rachel (Carice van Houten) werden bei einem Hinterhalt ermordet. Sie muss während des Zweiten Weltkriegs aus Berlin vor den Nazis fliehen und sucht im Süden der Niederlande Unterschlupf. Rachel schließt sich einer jüdischen Widerstandsgruppe an. Sie nennt sich nun Ellis de Vries und wird als Spionin der Niederländer bei den Nationalsozialistin eingeschleust. Damit will sie sich auch an denen rächen, die das Leben ihrer Liebsten auf dem Gewissen haben. Sie bändelt schließlich mit dem ranghohen SS-Offizier Müntze (Sebastian Koch) an. Er fühlt sich zu der jungen Frau hingezogen und bietet ihr eine Stelle als Schreibkraft an...

Sechs Jahre nach "Hollow Man" meldete sich der einstige Skandalregisseur Paul Verhoeven mit einem Beitrag zur Kriegszeit zurück, der beinahe schon ein wenig untypisch für ihn ist. Überzeichnete Darstellung von Gewalt und Sex findet sich hier nicht, ebensowenig wie schwarzer Humor und fieser Zynismus - was dem Werk aber auch nicht gut getan hätte. Nein, "Zwartboek" ist ein sehr spannender Kriegsthriller, der den holländischen Widerstand zur Zeit der Nazibesatzung gegen Ende des Zweiten Weltkriegs thematisiert. Man wird Zeuge des Geschehens durch die Augen der Jüdin Rachel Stein, die ihre Familie in einem Hinterhalt der Nazis verliert, sich danach den Widerstandskämpfern anschließt und für sie als Spionin arbeitet. Dabei gerät sie in ein brandgefährliches Spiel aus Lügen und Verrat, bei dem sie ihr Leben mehr als einmal aufs Spiel setzt. Verhoevens "Zwartboek" ist von der grundlegenden Thematik, der Ausstattung und der Besetzung her durchaus vergleichbar mit Tarantinos "Inglourious Basterds", nähert sich der Geschichte allerdings auf weitaus realistischere Weise. Bei Verhoeven gibt es keine Schwarzweißmalerei, sämtliche Charaktere sind ambivalent, allein den "guten Widerstandskämpfer" und den "bösen Nazi" gibt es hier nicht. Keiner der Charaktere hat hier wirklich eine weiße Weste, jeder macht sich auf irgendeine Art und Weise schuldig. Dies zeigt sich besonders darin, dass der Film mit dem Ende des Krieges selbst noch lange nicht beendet ist und man hier Zeuge wird, wie die einstigen Opfer selbst zu Tätern werden, was in der allgemeinen Rezeption des Krieges viel zu selten thematisiert wird. Ohne die Verbrechen der Nazis relativieren zu wollen, entschuldigt derFilm dennoch nicht, dass Kollaborateuren (die teilweise ja durchaus nachvollziehbare Gründe für ihr Handeln hatten) nach dem Krieg Schlimmes angetan wurde.

Zudem ist auch positiv anzurechnen, dass die Nazis hier nicht Hollywoodlike dämonisiert, sondern als Menschen dargestellt werden. Den, wenn man so will, "Oberbösewicht" des Films (also besser gesagt, den negativsten Charakter) sieht man hier beispielsweise in einer Szene besoffen und nackt auf die Toilette wanken. Als diabolische Monster erscheinen die Nazis hier nicht - was sie freilich nicht weniger widerwärtig macht. Besonders erwähnenswert ist auch die Tatsache, dass Verhoeven hier versteckte Kritik an der Außenpolitik der USA eingebaut hat. Wenn die Nazis hier ähnliche Foltermethoden wie amerikanische Soldaten und Geheimdienstmitarbeiter in Gefängnissen wie Guantánamo anwenden oder sich strikt weigern "mit Terroristen zu verhandeln", kommt einem da schon George W. Bush und sein "Krieg gegen den Terror" in den Sinn. Verhoeven übt hier Kritik am Krieg an sich, an militärischen Institutionen und generell dem Einbeziehen der Zivilbevölkerung in militärische Konflikte. Der Film wurde dabei auch mit vereinzelten Nóir-Anleihen angereichert. Es geht um Spionage, Verrat, Macht, Gier, Opportunismus und vor allem um die Frage, wem man in solchen Zeiten vertrauen kann. Die Hauptfigur wird fast zu einer Art Femme Fatale und ist anderen Frauenfiguren aus Verhoevens Filmen (wie der Prinzessin Agnes aus "Flesh + Blood") sehr ähnlich. Um zu überleben, setzt sie vor allem ihre Reize ein und ist letztlich hin- und hergerissen zwischen zwei Parteien. Besonders loben muss man natürlich Verhoevens Gespür für gute Schauspieler. Der Film wird getragen von einer wirklich exzellenten internationalen Besetzung. Carice van Houten wirkt als Rachel mal verletzlich, mal manipulativ, aber immer nahbar für den Zuschauer. Sebastian Koch überzeugt als SS-Mann mit einem Gewissen. Die hassenswerten Charaktere geben Waldemar Kobus und Christian Berkel, wobei besonders letzterer äußerst bedrohlich und respekteinflößend wirkt. Der restliche Cast ist auch nur zu loben. Paul Verhoeven hat mit "Zwartboek" einen sehr spannenden, realistischen Thriller abgeliefert, der immer authentisch wirkt und der zeigt, dass es im Krieg keine Sieger gibt und Geschichte sich auf irgendeine Weise immer wiederholt (das macht besonders das Ende mit seiner bösartigen Pointe deutlich). In Amerika wäre diese Art Film vermutlich wohl nicht gedreht worden, diese europäische Produktion hat Hollywood da so einiges voraus. Komplex und vielschichtig, stellenweise brutal und auch mit vereinzelter Erotik, was aber immer in den Dienst der Geschichte gestellt wird und nie zum Selbstzweck verkommt. Sehr sehenswert.

8,5/10

Mittwoch, 1. Juni 2016

Basic Instinct (1992)

http://www.imdb.com/title/tt0103772/

Der berühmte Rockstar Johnny Boz (Bill Cable) ist tot. Beim Liebesakt wurde er brutal mit einem Eispickel hingerichtet und mit einem weißen Seidenschal ans Bett gefesselt. Schnell gerät Catherine Tramell (Sharon Stone), die Freundin des Mordopfers, ins Visier der beiden Ermittler Detective Nick Curran (Michael Douglas) und Gus Moran (George Dzundza), denn immerhin war sie noch in der Nacht vor dem Mord mit dem Opfer zusammen. Auch die Veröffentlichung ihres letzten Buches, in welchem ein Rockstar mittels Eispickel umgebracht wird, trägt nicht zu ihrer Entlastung bei. Während Catherine Tramell sich dem polizeilichen Verhör erfolgreich entziehen kann und an ihrem neuen Buch schreibt, verfällt Detective Nick Curran der eiskalten Blondine, nichtsahnend, dass ausgerechnet ein Polizist in ihrem nächsten Werk das Mordopfer ist...

Paul Verhoeven und Joe Eszterhas, da haben sich zwei gefunden. Das psychologische Spiel mit eigentlich trivialen Oberflächen beherrschen beide ausgezeichnet, so wie sie Provokation akzentuieren, die Gewalt und die Lust daran mit intensiver Analyse zur Verführung ausstellen und das Wechselverhältnis von Opfer und Täter zu einem Akt der Ekstase ballen.

Der Film ist vollkommen zurecht einer der bekanntesten Thriller der 90er-Jahre. Die Geschichte beinhaltet ein perfides Katz- und Maus-Spiel das bis Schluss ungemein spannend bleibt. Ein souveräner Michael Douglas spielt sich mit Ach und Krach auf Augenhöhe mit der heißen wie kalten Sharon Stone, die mit dieser mutigen Rolle Weltruhm erlange, nachdem viele Stars sie ausgeschlagen hatten, obwohl sie bereits in "Total Recall" im Schatten von Arnold Schwarzenegger einen sehr attraktiven Auftritt hinlegte.

Zudem bietet "Basic Instinct" eine ausgewogene Mischung aus Erotik und Thriller und erinnert in seiner Machart an die Filme von Alfred Hitchcock. Er ist ruhig aber straff inszeniert und funktioniert insbesondere durch die coole Noir-Grundstimmung, glänzend unterstützt durch Jerry Goldsmiths geheimnisvoll und sexy anmutende, in den richtigen Momenten wuchtige Musik. Es ist auch einer jener wenigen Filme, in denen der Score allen Darstellern die Show stiehlt. Was Jerry Goldsmith hier komponiert hat, ist schlichtweg sensationell und taucht die Story in eine dauerhaft unwirkliche düstere und soghafte Welt der Erotik und des Verbrechens.

Der Film ist eine meisterliche Spirale aus Gewalt, Sex und seelischen Abgründen und besticht durch eine gewohnt starke Inszenierung Verhoevens, eine tolle, wendungsreiche und durchgehend spannende Story und köstliche Dialoge. Ein wahrlich exellent gespielter Thriller, der einen bis zum Ende mit den Charakteren mitfiebern lässt und den Zuschauer mit großer Sicherheit vom Abschalten abhält bis man dieses Meisterwerk der Filmgeschichte bis zum bitteren Ende genießen durfte.

8/10

Von STUDIOCANAL erschien der Film in 4K Ultra-HD in UK im limitierten DigiPak.


Quellen:
Inhaltsangabe
: Studiocanal

Samstag, 28. Juni 2014

Starship Troopers (1997)

http://www.imdb.com/title/tt0120201/

In ferner Zukunft herrscht endlich Frieden auf der Erde. Einzig und allein die Einteilung in Soldaten und Zivilisten unterscheidet die Menschen. Trotzdem lauert Gefahr: Killer-Insekten aus einer anderen Galaxie haben der Erde den Krieg erklärt. Ihr Ziel ist es, alles Leben zu zerstören, und die Angreifer scheinen unbesiegbar. Eine Armee junger Soldaten wird auf den feindlichen Planeten geschickt, um in einer letzten großen Schlacht die Menschheit vor ihrer Ausrottung zu bewahren. Unter ihnen befindet sich auch Johnny Rico (Casper van Dien), der einst zum Militär ging, um seiner Freundin zu imponieren. Er steht nun vor einem Kampf, den keiner der Beteiligten jemals vergessen wird, denn die Starship Troopers haben ihren Gegner mehr als unterschätzt...

Oberflächlich betrachtet wirkt Paul Verhoevens "Starship Troopers" wie ein gradliniger, actionreicher und effektvoller Sci-Fi-Kriegsfilm, der eine ordentliche Sause hinlegt. Blickt man aber etwas tiefer, so erkennt man, dass sich Verhoeven bei dieser wagen Buchadaption etwas gedacht hat. "Starship Troopers" ist nicht nur ein donnerter Sci-Fi-Film, nein, er ist durchaus auch ein Film, der nahezu geniale satirische Züge aufweist. Und diese satirischen Züge kommen nicht zu knapp! Militarismus und Glorifizierung von Kampf und Krieg werden hier ganz groß geschrieben. Verhoeven stellt diese Begriffe in seinem Film so wunderbar überzeichnet dar, dass jedem klar sein müsste, über was sich hier lustig gemacht wird. Der heroische und patriotische Score von Komponist Basil Poledouris setzt dem ganzen dann auch noch die Krone auf. Absolut grandios und absolut passend!

Neben den ganzen satirischen Tönen hat "Starship Troopers" natürlich noch mehr zu bieten. Verhoeven-typisch gibt es wieder einige krasse Gewaltspitzen, die auch nicht gerade zimperlich sind. Die Action ist ausgewogen und toll inszeniert, die Effekte sind gelungen und auch der Cast macht seine Arbeit gut, obwohl "Starship Troopers“ mit Casper van Dien, Denise Richards, Dina Meyer, Clancy Brown und Neil Patrick Harris bei weitem nicht luxuriös besetzt ist. Paul Verhoeven hat mit seinem "Starship Troopers" definitiv einen der besten Sci-Fi-Filme der 90er Jahre abgeliefert, der bis heute einen gewissen Kultstatus genießt und das auch zurecht. Ein Film, der ab und zu und immer wieder mal im Player landet. Einige werden wegen der tollen Action bleiben, manche die Satire bewundern, aber die meisten werden schockiert weglaufen. Nichtsdestotrotz bleibt "Starship Troopers" ein Meilenstein. Besser hätte man es schlicht nicht machen können.

8,5/10

Mittwoch, 9. April 2014

Total Recall - Die totale Erinnerung (1990)

http://www.imdb.com/title/tt0100802/

In ferner Zukunft führt Bauarbeiter Douglas Quaid (Arnold Schwarzenegger) ein zufriedenes Leben mit seiner attraktiven Ehefrau Lori (Sharon Stone). Einzig seine immer wiederkehrenden Albträume vom Planeten Mars quälen ihn und so entschließt er sich zu einer virtuellen Reise auf den Roten Planeten, die er dank des Traumurlaub-Anbieters Rekall Incorporated bequem von der Erde aus vornehmen kann. Doch bei der Erinnerungsimplantation geht etwas schief und Quaids Leben ändert sich radikal. Plötzlich hält ihn seine Umgebung für einen internationalen Top Agenten und Profikiller, der in den Unabhängigkeitskampf des Mars involviert ist. Ist er wirklich derjenige, der er zu sein glaubt? Hat das Recall-Vefahren eine alte Gehirnwäsche beseitigt oder nur einen neuen Traum eingepflanzt. Quaid begibt er sich auf die gefährliche Suche nach seiner wahren Identität.

Nachdem sich Paul Verhoeven mit "Robocop" in Hollywood bewiesen hatte, stand mit "Total Recall" 1990 schon der nächste Sci-Fi-Film mit ihm als Regisseur in den Startlöchern. Und glücklicherweise viel die Wahl auf Verhoeven, denn sonst wäre der Streifen sicher nicht das geworden was er heute ist. Nämlich ein weiterer Kultfilm des Genres!

"Total Recall" ist zu allererst mal brachial-geniales Unterhaltungskino der ganz besonderen Art. Eine extrem spannende Geschichte wird erzählt, die Action ist fantastisch inszeniert und auch die Spezial Effekte inkl. Make-Up Effekte sind von Hand gemacht und liebevoll gestaltet. Was "Total Recall" jetzt allerdings etwas vom normalen Popcorn-Kino abhebt, ist die Tatsache, dass Verhoeven hier durchaus ein wenig Anspruch mit hinein gemischt hat. Er erzählt die Geschichte Blockbuster-typisch, lässt aber Platz für Interpretationen in der Handlung, was ganz speziell für den Schluss des Films gilt. Die helle Abblendung zum Schluss lässt dem Filmfan nämlich genug Platz zum philosophieren. In Sachen Gewalt macht Verhoevens "Total Recall" aber auch keine Gefangenen. Zwar merkt man schon, dass man in den Gewaltspitzen von Haus aus die Schere anlegt hat, aber im Prinzip geht es auch hier ordentlich und vor allem explizit zur Sache. Untermalt wird die ganze blutige Action von Meisterkomponist Jerry Goldsmith, der hier einen seiner besten Scores der 90er Jahre ablieferte. Rein technisch betrachtet kann man also von "Total Recall" schon mal einiges erwarten, aber auch die Schauspieler sind an dieser Originalität beteiligt. Vor allem Arnold Schwarzenegger liefert hier eine wundervolle Performance ab und zeigt, dass er schon ein gewisses Talent für solche Rollen besitzt. Sharon Stone, Michael Ironside, Ronny Cox und Rachel Ticotin sind außerdem auch verdammt sehenswert.

"Total Recall" ist irgendwo Kult, eine Genrefilm der einen enormen Unterhaltungsfaktor zu bieten hat, was er vor allem einem offenen Inszenierungsstil zu verdanken hat, den damals nur ein Paul Verhoeven beherrschte. Ein Streifen, der sehr oft in meinem Player landet und der immer wieder perfekt unterhält.

8,5/10

Von STUDIOCANAL erschien der Film ungeschnitten auf Ultra HD Blu-ray / Blu-ray mit jeder Menge Bonusmaterial auf einer Extra-Disc und dem originalen Soundtrack-CD in einem schicken DigiPak:


Quellen
Inhaltsangabe: Studiocanal

Montag, 30. September 2013

Hollow Man - Unsichtbare Gefahr (Director's Cut) (2000)

http://www.imdb.com/title/tt0164052/

Der brillante und ehrgeizige Wissenschaftler Sebastian Caine (Kevin Bacon) und sein Team haben im Auftrag des Pentagon eine Substanz entwickelt, die es vermag, Menschen unsichtbar zu machen. Caine, berauscht von seiner Entdeckung, ignoriert alle Risiken und startet einen gefährlichen Selbstversuch. Der wissenschaftliche Durchbruch gelingt! Caine wird vor den Augen seiner Kollegen unsichtbar. Doch das Experiment bleibt nicht ohne Nebenwirkungen: Die Droge macht extrem gewalttätig, der Wissenschaftler wird zu einer todbringenden Gefahr für seine Umgebung. Verzweifelt versuchen Caines Kollegen Linda McKay (Elisabeth Shue) und Matthew Kensington (Josh Brolin) ein Gegenmittel zu entwickeln, das den Unsichtbaren in Schach hält. Caine jedoch findet Gefallen an seiner neu gefundenen Macht und beginnt, in seinen Kollegen eine unmittelbare Bedrohung für sein Leben zu sehen, die er bekämpfen muß.

Die Idee ist eigentlich gar nicht so schlecht; "Hollow Man" ist von der ersten bis zur letzten Minute äußerst spannend, und hat nicht nur sehr gelungene Effekte zu bieten, sondern kann zudem mit einem großartigen Kevin Bacon punkten, der, obwohl sein Charakter eben dies nicht ist, äußerst sympathisch herüber kommt. Die restlichen Darsteller des, wie ich finde, fantastischen Casts, können ebenfalls überzeugen, und obwohl die Story des Streifens keinen Preis für Einfallsreichtum gewinnen wird, wurde sie dennoch sehr solide umgesetzt. Man sieht mit Freude zu wie sich der Unsichtbare immer mehr zum kranken Psychopathen entwickelt. Ein bisweilen ganz unterhaltsamer Fantasythriller, der eindeutig besser ist als sein Ruf und ein sehr gelungener, brutaler actionreicher Thriller, den man sich immer wieder ansehen kann, da er niemals langweilig wird.

7,5/10

Quellen:
InhaltsangabeFilmstarts
Poster/Artwork: Sony Pictures

Donnerstag, 18. April 2013

Robocop (Unrated Director's Cut) (1987)

http://www.imdb.com/title/tt0093870/

Eine Firma mit dem Namen OCP (Omni Consumer Products) will aus Detroit “Delta City” machen. Dazu muß aber zuerst einmal das Verbrechen aus der Stadt entfernt werden, das hier momentan viel Macht besitzt. Dick Jones, die rechte Hand des Chefs von OCP, hat daher einen Roboter entwickelt, der die Polizei der Stadt entlasten und sogar ersetzen soll. Doch schon im ersten Test erweist sich der Cyborg als untauglich, aber Dicks Mitarbeiter Bob Morton hat eine andere Idee: Statt eines reinen Roboters will er einen RoboCop bauen, der ein menschliches Bewußtsein hat. Hierzu brauchen sie einen toten Polizisten, den sie auch schnell haben, als Alex Murphy an seinem ersten Tag im Dienst ermordet wird. Die Synthese aus Mensch und Roboter gelingt, nur hat die Sache einen Haken: RoboCop verbringt mehr Zeit damit, seine Mörder – also die von Alex – zu finden, als die Verbrecher der Stadt zu bekämpfen.

Den Film kennt wohl jeder Action-Fan. "Robocop" gilt bis heute als ultrabrutaler Sci-Fi Klassiker von Paul Verhoeven der in seinem Unrated Director's Cut sogar noch eine gute Schippe an blutspritzender Gewalt drauflegt. Die übertriebene Gewaltdarstellung sorgte schon 1987 für Probleme, als es um die Freigabe des Films ging.

Aber allen Schauwerten zum Trotz ist der satirische Ton des Films unübersehbar: wenn man sieht wie ein Mitarbeiter von OCP während einer Präsentation von Kampfroboter ED-209 vollkommen zerfetzt wird und ein anderer dann nur panisch meint "Ruft mal jemand einen Arzt!" obwohl jeder weiß das da kein Arzt der Welt mehr was retten kann, dann zeugt das durchaus von einem gewaltig ironischen und schwarzen Humor. Aber auch abgesehen von der Brutalität hat der Film auch eine gute Story zu bieten die verknüpft ist mit fieser Gesellschaftssatire, sehr gut aufgelegte Darsteller die wohl verstanden haben das sie nicht nur in einer banalen Actionschlachtplatte mitspielen und klasse Effekte ohne CGI.

 
Schauspielerisch kann man - wie gesagt - keinem etwas vorwerfen. Peter Weller hat hier die Rolle seines Lebens verkörpert, Kurtwood Smith gibt einen der wohl coolsten und abgeklärtesten Bösewichte ever, Ronny Cox ist klasse als korrupter OCP-Mitarbeiter, Miguel Ferrer als dessen eifersüchtige und konkurrierende Rivale kommt auch gut rüber.... Paul Verhoeven war wohl einfach in der Lage seinen Darstellern die versteckte Satire seines Films hier zu vermitteln und die dementsprechend guten Leistungen von ihnen zu bekommen.

Einfach eine klasse 80er Jahre Actiongranate die mit gehörig viel Satire, Ironie und schwarzem Humor punkten kann und dieser Form auch durchaus ein Unikat in dem Genre ist. Zumindest ist mir bis heute kein Film untergekommen der solch brachiale Action und zynische Satire so gekonnt verbunden hat und damit aus einer 08/15-Actionhandlung tatsächlich mehr rausgeholt hat als eigentlich da war. Nicht oscarreif vielleicht, aber durchaus intelligente und vor allem bombenmäßige Unterhaltung!


Der hier besprochene "Unrated Director's Cut" ist der Kinofassung in allen Belangen vorzuziehen.Einen Vergleich gibt es wie imemr hier: schnittberichte.com.

8/10


Von Eightyfour Entertainment kommt der Film auch im auf 333 Stück limitierten Mediabook.