Mittwoch, 25. Februar 2026

Crime 101 (2026)

https://www.imdb.com/de/title/tt32430579/

Davis (Chris Hemsworth) ist ein ebenso brillanter wie unberechenbarer Dieb, dessen waghalsige Raubzüge die Ermittler immer wieder ins Leere laufen lassen. Als er einen letzten, alles entscheidenden Coup vorbereitet, kreuzt die desillusionierte Versicherungsmanagerin Sharon (Halle Berry) seinen Weg. Widerwillig müssen beide zusammenarbeiten, obwohl sie einander kaum trauen. Zugleich tritt Orman (Barry Keoghan) auf den Plan - ein skrupelloser Konkurrent, der keine Grenzen kennt. Während der millionenschwere Raub immer näher rückt, kommt Detective Lt. Lubesnik (Mark Ruffalo) der Spur des Teams gefährlich nahe. Je enger sich das Netz aus Intrigen und Misstrauen zieht, desto deutlicher wird, dass niemand unversehrt aus dem Spiel hervorgehen kann.

Ein weiterer Heist-Film, der so tut, als würde er das Genre neu erfinden - und in seinen besten Momenten kommt er diesem Anspruch erstaunlich nahe. In seinen schwächeren hingegen wirkt er eher wie ein sehr eleganter Aufsatz über Filme wie "Heat" und "Thief", geschrieben von jemandem, der ein bisschen zu verliebt in seine eigenen Fußnoten ist. Regisseur Bart Layton verlegt Don Winslows Novelle an den sonnenverbrannten Rand des 101 Freeway, wo ein Juwelendieb seine Raubzüge wie eine Art mobiles Kunstprojekt inszeniert. Chris Hemsworths Mike Davis plant den einen letzten Coup, Halle Berry spielt eine desillusionierte Versicherungsbrokerin, die ausgerechnet durch die Verbrechen wieder so etwas wie Glauben an Ursache und Wirkung gewinnt, während Mark Ruffalo als Detective Lou Lubesnick die klassische Polizistenrolle mit müder Melancholie auffüllt. Der Film ist weniger an der Mechanik des Raubs interessiert als an der Psychologie: Drei Figuren an der Schwelle - zum großen Geld, zur moralischen Bankrotterklärung, zum Punkt ohne Rückkehr. 

Hemsworth spielt Davis als jemanden, der sein eigenes Mythos-Marketing glaubt: charmant, kontrolliert, aber mit diesem feinen Zucken im Blick, wenn klar wird, dass Kontrolle in dieser Welt eine Höflichkeitsfloskel ist. Berry bekommt die Undankbarkeitsrolle - die Figur, die ständig rechnen muss, ob sie gerade Komplizin, Opfer oder Versicherungsrisiko ist - und macht aus Sharon Colvin eine stille Hauptfigur, die Szene für Szene an Gewicht gewinnt. Ruffalo wiederum spielt den Cop, der schon zu viele Tatorte gesehen hat, um noch an klare Trennlinien zwischen Jäger und Gejagtem zu glauben; Kritiken heben zu Recht hervor, dass er dem moralischen Unterbau des Films Konturen verleiht. Layton bietet mit "Crime 101" eine Mischung aus dokumentarischer Schärfe und stylisierter Fiktion: Die Heists sind weniger Spektakel als Choreografien von Routine, Beobachtung und kleinen Fehlern.

Der Highway 101 wird dabei zur Figur - ein Band aus Asphalt, an dem die USA vorbeirauschen, während im Off Schmuck, Identitäten und Sicherheiten den Besitzer wechseln. Wer nach den hyper-präzisen Uhrwerk-Coups der "Ocean’s Eleven"-Schule sucht, wird hier eher ein "Heat"-nahes Pulsieren aus Planung, Gegenplanung und schmutzigem Zufall finden. Im Pantheon der Heist-Filme sitzt "Crime 101" dennoch irgendwo zwischen Michael Manns existenzialistischer Kälte in "Heat" und der nervösen Gegenwartsdiagnose von Filmen wie "No Sudden Move" oder "Cash Truck".  Wie "Heat" interessiert ihn weniger der Coup als die Lebensbilanz der Männer (und hier endlich auch einer Frau), die ihn ausführen oder verhindern sollen.  Im Gegensatz zu den verspielten Schaubuden von "Ocean’s Eleven" oder den Genre-Mashups "Army Of The Dead" und "Ambulance" verzichtet Layton weitgehend auf ironischen Kommentar und setzt auf ein nüchternes, fast sprödes Thrillergerüst. Das Ergebnis ist kein Genrereboot, aber eine spürbar ernsthafte, moderne Variation, die eher in einem Double Feature mit "Thief" und "The Bank Job" funktionieren würde als in einer Reihe mit Casino-Zaubertricks. 

"Crime 101" ist unterm Strich einer dieser Heist-Filme, die weniger Kinosessel zerwühlen als Hirnwindungen: stilvoll, gut gespielt und klüger, als sein Plot auf den ersten Blick vermuten lässt. Er erreicht nicht ganz die Gravität eines "Heat" oder die ikonische Leichtigkeit eines "Ocean’s Eleven", aber er bewegt sich souverän in ihrer Umlaufbahn - und gibt dem Genre genau das, was es am nötigsten braucht: Figuren, deren innerer Einbruch spannender ist als der im Juweliergeschäft.

7/10

Quellen:
InhaltsangabeFilmstarts
Poster/Artwork: Amazon MGM Studios/Working Title Films/RAW/Wild State/The Story Factory

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