https://www.imdb.com/de/title/tt26443616/Wissenschaftler haben eine Technologie entwickelt, mit der menschliches Bewusstsein in lebensechte Robotertiere "gehüpft" werden kann, sodass Menschen als Tiere mit echten Tieren sprechen können. Die tiervernarrte Teenagerin Mabel nutzt diese Technik und übernimmt den Körper eines 3D‑gedruckten Robo-Bibers, um die Geheimnisse der Tierwelt zu erforschen. Dabei freundet sie sich mit dem echten Biberkönig George an und erkennt, dass ein gieriger Bürgermeister beziehungsweise Bauträger plant, den Lebensraum der Tiere zu zerstören. Gemeinsam mit den Tieren versucht Mabel, diesen Plan zu vereiteln, gerät aber zunehmend in einen Konflikt zwischen ihrem Eingreifen und dem natürlichen Gleichgewicht des Ökosystems.

"Hoppers" ist einer dieser Pixar-Filme, die auf dem Papier wie eine reine High-Concept-Spielerei ohne wirkliche Relevanz wirken - und dann, Szene für Szene, zu etwas werden, das viel persönlicher ist, als die Prämisse vermuten lässt. Es ist eine Studie über Verantwortung, Macht und die Frage, was wir der Welt schulden, die wir bewohnen. Die Ausgangssituation ist bewusst überdreht: Wissenschaftler entdecken eine Technologie, mit der sich menschliches Bewusstsein in lebensechte Robo-Tiere "hoppen" lässt. Mabel Tanaka, 19, Tierliebhaberin und moralisch deutlich unnachgiebiger als die Erwachsenen um sie herum, nutzt diese Technik, um als Roboter-Biber undercover im Tierreich zu agieren und eine drohende Zerstörung des lokalen Habitats zu verhindern. Pixar und Regisseur Daniel Chong legen diese Welt als Doppelspiegel an: Auf der einen Seite die hyperregulierte Menschenwelt mit ihrem aalglatten Bürgermeister Jerry Generazzo (Stimme: Jon Hamm), auf der anderen ein chaotischer, politisch erstaunlich klar strukturierter Tierkosmos, angeführt vom regal auftretenden Biberkönig George (Bobby Moynihan). Die Science-Fiction-Idee ist hier weniger technischer Diskurs als moralisches Instrument: Wenn Menschen als Tiere auftreten können, wird jede menschliche Entscheidung buchstäblich zur Frage, wessen Körper, wessen Lebensraum sie in Mitleidenschaft zieht.
Mabel ist als Protagonistin ein klassischer Pixar-Charakter neuen Zuschnitts: jung, störrisch, überfordert - und in einer Welt, die sie darum bittet, ihre Prinzipien etwas biegsamer zu machen. Ihre Reise in den Robo-Körper ist weniger Flucht vor der Realität als verschärfte Konfrontation mit ihr: Als Biber kann sie sich der Tierwelt nicht mehr als sentimentale Beobachterin nähern, sie wird Mitverantwortliche. King George ist dabei mehr als Comic Relief; seine Mischung aus Majestät und neurotischer Unsicherheit gibt der Geschichte ein doppeltes Herz, das an die besten Nebenfiguren des Studios erinnert. Und Jerry Generazzo ist ein wirklich schleimiger, hassenswerter Antagonist, der aber nie ganz zur Karikatur verkommt, weil das Drehbuch sein Lächeln immer einen Tick zu lange stehen lässt.
Dass "Hoppers" emotional funktioniert, liegt an seiner Herzlichkeit, mit der er Situationen und Interaktionen umgeht. Und er begreift die Verbundenheit des Menschen mit seiner Umwelt als Geflecht von Konsequenzen wie kaum ein anderer. Und das ist auch wichtig. Gerade heute. In der Tradition von "
WALL·E" und "
Alles steht Kopf" lässt Pixar Schmerz zu - hier sind es vor allem Familien- und Generationskonflikte - und nutzt ihn als Sprungbrett für Empathie, nicht für Zynismus.

Chong inszeniert "Hoppers" als ausgesprochen physische Komödie, in der der Robo-Biber-Körper selbst zur slapstickhaften Versuchsanordnung wird - ein Fremdkörper in beiden Welten, menschlich übersteuert, tierisch fehlkalibriert. Der Humor ist elektrisierend, teilweise herrlich düster und auch gewagt - eine Mischung, die mehr bei Erwacshenen als bei Kidnern ankommet. Aber "Hoppers" ist auch voll von großen, teilweise absurden Einfällen, die dennoch erstaunlich zielsicher landen. Und dabei bleibt der Film auch tonal erstaunlich sicher: Das Etikett "Lustigster Pixar-Film bis jetzt", welches ihm angeheftet wird, steht nicht im Widerspruch zu der Ernsthaftigkeit, mit der er über Umweltzerstörung, politische Verharmlosung und jugendlichen Aktivismus spricht. Typisch für Pixar liegt der schärfste Witz oft im Subtext: in Nebensätzen, in kurzen Blicken der Tiere, in der Art, wie die Gruppe der "Hoppers" - jener, die die Technik nutzen - zwischen Faszination und moralischem Unbehagen schwankt.
Im Kern ist "Hoppers" ein Film über Stellvertretung: Wer spricht für wen, wer handelt für wen, und mit welchem Recht? Mabels Fähigkeit, sich in einen Tierkörper einzuloggen, ist Privileg und Übergriff zugleich; sie ermöglicht Kommunikation, aber sie kolonisiert auch eine Perspektive, die nicht ihre eigene ist. Gleichzeitig verhandelt der Film unsere ökologische Gegenwart mit einer Direktheit, die für einen Familienfilm bemerkenswert ist: Die Zerstörung des Habitats ist hier kein abstraktes oder gar konstruiertes Problem, sondern eine absehbare, geografisch konkrete Katastrophe, ausgelöst von genau benennbaren Interessen. Die Tiere, die sich gegen die Menschen erheben wollen, spiegeln den naheliegenden Impuls der Rache; Mabels Aufgabe ist es, einen anderen, verantwortlicheren Umgang zu finden - eine Ethik der Verbundenheit, nicht der Vergeltung.
Vermutlich ist "Hoppers", gerade wegen der niedrigen Erwartungshaltung einer der besten Filme, die Pixar jemals gemacht hat. Er fühlt sich wie ein klassischer Pixar-Film an und dies ist kein pures Schwelgen in verklärter Nostalgie, sondern eine ehrliche Anerkennung seiner thematischen Ambition. "Hoppers" fragt zielgenau, was passiert, wenn wir unsere Verbundenheit mit der Natur nicht nur rational anerkennen, sondern körperlich erfahren müssten - und zieht daraus überraschend radikale Konsequenzen. Und dies ist nicht nur für Kinder leicht verständlich, sondern gibt Erwachsenen einen kleinen Klaps in die Magengrube.
In der Filmografie des Studios markiert "Hoppers" nach der (angekündigten) fünften Spielzeuggeschichte und dem Sequel auf Sequel auf Sequel die Rückkehr zu einem Originalstoff, der sein Genre - hier die Science-Fiction-Komödie mit Tierperspektive - nicht als Limit, sondern als Sprungbrett versteht. Dass der Film bereits vor seinem regulären Kinostart als "lustigster Film des Jahres" vermarktet wurde ist selbstredend eine Marketingformel - aber hier verweist sie auf etwas Entscheidendes: die Lust, wieder etwas zu riskieren.
Neben der technischen Cleverness ist der interessanteste Aspekt des Films der Moment, in dem Mabel begreift, dass das "Hoppen" kein Ausweg mehr ist, sondern ein Bekenntnis. In diesem Moment, in dem Verantwortung schwer wird und der Film trotzdem leicht bleibt, ist "Hoppers" am überzeugendsten - und genau dort verdient er seinen Platz im Kanon der Pixar-Geschichten, die mehr tun, als nur Welten zum Leuchten zu bringen.
8/10
Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Disney/Pixar
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