Sonntag, 1. Februar 2026

Deathgasm II: Goremageddon - Deathgasm 2: Goremageddon (2025)

https://www.imdb.com/de/title/tt32606305/

Die Geschichte setzt Jahre nach dem ersten "Deathgasm" ein: Brodie (Milo Cawthorne), einst Held des "Metalpocalypse", ist inzwischen ein heruntergekommener, frustrierter Ex-Metalhead. Seine Beziehung zu Medina (Kimberley Crossman) ist zerbrochen, sie macht als erfolgreiche Sängerin Karriere, während er mit Alkohol und verpassten Chancen kämpft; einzig sein alter Freund Giles hält noch zu ihm. Als ein "Battle of the Bands" namens "Noizequest" winkt, sieht Brodie seine Chance auf eine zweite Karriere - und vielleicht auf die Rückeroberung von Medina. Weil ihm aber seine alten Bandkollegen Zakk und Dion fehlen, schlägt er im berüchtigten Black Hymn-Buch die Nekromantie-Abschnitte auf und beschließt, die toten Freunde kurzerhand wieder auferstehen zu lassen. Das gelingt - mit dem kleinen Haken, dass Zakk und Dion nun als fleischhungrige Zombies zurückkehren...

"Deathgasm II: Goremageddon" ist weniger eine Fortsetzung als ein noch hemmungsloserer, bluttriefender Nachschlag zu einem Kultfilm, der von Anfang an wie eine pubertäre Randnotiz des Heavy-Metal-Horrors wirkte. Der Film ist laut, dumm im kalkulierten Sinn, exzessiv - und genau darin erstaunlich zielstrebig: Er will nichts anderes, als ein Liebesbrief an Splatter, Metal und schlechteste Fäkalwitze zu sein.

Der Mittelteil des Films zeigt Brodie und Giles im verzweifelten Versuch, ihre untoten Bandmates vor der Welt (und die Welt vor ihnen) zu schützen. Die beiden Zombies entwickeln dabei unterschiedliche "Lebensstile": Zakk schwankt zynisch zwischen Metal-Posertum und moralischem Anfall und bezeichnet sich irgendwann als "Zombaner" (Zombie-Veganer), der zwar Gelüste hat, aber niemanden töten will. Dion dagegen, seit jeher der von Giles drangsalierte Nerd, nutzt seine zweite Chance, um sich anhand seines Dungeons-&-Dragons-Wissens in eine Art untoten "Dungeonmaster" zu verwandeln. Je mehr sie fressen, desto mehr kehrt ihr Verstand zurück - was für eine Reihe grotesk-komischer Situationen sorgt, in denen halb rekonstruierte Kumpels mit Eingeweiden im Mund sarkastische Sprüche klopfen. Gleichzeitig richtet ihr unstillbarer Hunger in der Kleinstadt Greypoint ein Massaker an: Nachbarn, Passanten, Polizisten - alle werden potenziell zu Teil des "Büfetts". In bester Fortsetzungslogik eskaliert das Ganze, als Dions Experimente und Brodies Unfähigkeit, seine Freunde zu "kontrollieren", eine regelrechte Armee kostümierter Zombies entfesseln. Im letzten Akt kollidieren mehrere Ebenen: Noizequest als große Bühne, Brodies Versuch, Medina zurückzugewinnen, und die wachsende Zombiehorde, die die Stadt in ein Schlachtfeld verwandelt. Die Gigs, Proben und Backstage-Momente werden von immer absurd brutaleren Setpieces unterbrochen, in denen das Blut in Strömen fließt und Körperteile wie Penisse in Slow-Motion durch die Luft fliegen.

Brodie muss sich schließlich entscheiden, ob ihm seine musikalischen Ambitionen und nostalgische Kumpeltreue wichtiger sind als das nackte Überleben - seines eigenen wie das der Menschen, die ihm etwas bedeuten. Die emotionalen Beats - Versöhnungsversuch mit Medina, Verantwortung für das angerichtete Chaos, Abschied von den Freunden ein zweites Mal - sind bewusst einfach gestrickt und dienen vor allem als Klammer für den Splatter-Wahnsinn. "Deathgasm II: Goremageddon" geht tonal ein Stück weit weg vom eher "okkulten" Krieg des ersten Films gegen die Dämonenkraft Aeloth. Stattdessen rückt die Fortsetzung den Buddy-Film-Aspekt in den Vordergrund, mit deutlichen Parallelen zu Werken wie "Fido" oder "Warm Bodies": untote Freunde, die gleichzeitig Gefahr und Herzstück der Erzählung sind. Der Humor ist dabei noch eine Spur derber als im Vorgänger: endlose Penis‑, Sperma‑ und Kotz-Gags, Running Gags um Brodies "Jerk rags" und eine generelle Lust an "Middle-School-Bathroom-Graffiti"-Humor. Wer schon beim ersten Teil mit dieser Art von Witzen gefremdelt hat, wird hier kaum bekehrt; für Fans wirkt es aber wie genau die versprochene Zuspitzung. 

Brodie wird bewusst als Antiheld inszeniert: ein Loser, der seinen jugendlichen Triumph nie losgelassen hat und im Scheitern stecken geblieben ist. Sein Wunsch, Noizequest zu gewinnen und Medina zurückzugewinnen, wirkt erstaunlich klein im Vergleich zur drohenden Apokalypse - was den Witz verstärkt, dass er buchstäblich das Ende der Welt riskiert, um ein paar persönliche Kränkungen zu heilen. Zakk und Dion sind das eigentliche emotionale Zentrum, gerade weil ihre Zombiesituation zwischen Running Gag und echter Tragik pendelt. Dass sie mit jeder gefressenen Leiche mehr "Mensch" werden, macht jeden Biss zu einem moralischen Trade-off zwischen Empathie und Massenmord - und gibt der Splatterorgie einen unerwarteten Funken Melancholie. Medina dient vor allem als Prüfstein dafür, ob Brodie erwachsen werden kann, während neue Figuren wie der Emo-Frontmann Jesse Dead und ein überzeichneter Sozialarbeiter das Feld der "Feindbilder" erweitern: verwässerter "Heartcore"-Pop und staatliche Bevormundung als Anti-Metal-Karikaturen. 

"Deathgasm II: Goremageddon" eine Liebeserklärung an handgemachte Splattereffekte im Geist von frühen Peter-Jackson-Werken wie "Braindead", aber auch "Tanz der Teufel". Obwohl das Budget sichtbar begrenzt ist, nutzen Regie und Effekte jede Gelegenheit, den Bildschirm mit Kunstblut, Latex und Eingeweiden zu fluten - von der früh im Film gezeigten Szene, in der eine Nachbarin Zakk buchstäblich die faulige Faust "herunterwürgt", während ihre Innereien über den Mund herausgezogen werden, bis hin zu Fahrrad-Cops, deren Köpfe in ihre eigenen Körper geprügelt werden. Besonders bleibt die "Glory-Hole"-Massakerszene im Gedächtnis, die eine Rekordzahl an auf der Leinwand verstümmelten Penissen inszeniert. Wer auf diesen Grad an Tabubruch und Körperkomik anspringt, findet hier nahezu idealtypische Erfüllung; wer sich eher an Subtilität erfreut, wird spätestens hier aussteigen. Musikalisch punktet der Film mit einem massiven Metal-Soundtrack, an dem unter anderem Matthew Kiichi Heafy von Trivium beteiligt ist und der bis hin zu Cameos von Bands wie GWAR und Anvil reicht. Die Musik ist nicht bloße Kulisse, sondern treibende Kraft der Inszenierung - "Deathgasm" bleibt damit dem Versprechen treu, Metal nicht nur als Thema, sondern als Ausdrucksform zu nutzen.

Hinter der lärmenden Oberfläche beginnt man sich nach der emotionalen Struktur zu fragen. Im Kern erzählt "Deathgasm II: Goremageddon" von einer Figur, die nicht erwachsen wird: Brodie ruft buchstäblich seine tote Jugend zurück, anstatt sich mit Verlust, Scheitern und Veränderung auseinanderzusetzen - und das Universum antwortet, indem es ihm seine "guten alten Zeiten" als verwesende, unkontrollierbare Zombies zurückschickt. Die Freundschaftsdynamik - Brodie, Zakk, Dion, Giles - funktioniert damit wie eine toxische Nostalgieblase: Man will, dass alles wieder so wird wie früher, nur cooler, doch jeder Schritt in diese Richtung entfesselt mehr Chaos. Dass sich Zakk und Dion mit jedem Mord mehr ihrer selbst erinnern, kommentiert nebenbei, wie sehr Identität auch aus dunklen, destruktiven Impulsen gespeist werden kann - die Frage ist, ob man sie zügelt oder glorifiziert. Gleichzeitig spiegelt die Figur des Emo-Sängers Jesse Dead das Spannungsfeld zwischen "authentischer" Szene und kommerziell geglätteter Pose; "Deathgasm II: Goremageddon" schlägt sich - wenig überraschend - ganz auf die Seite des lärmenden, schmutzigen Exzesses.

"Deathgasm II: Goremageddon" funktioniert damit vor allem für Fans des ersten Films. Der Ton, der Humor, die Figurenkonstellation und selbst bestimmte Plotbausteine sind eng an Teil eins angelehnt; wer damals schon nichts damit anfangen konnte, wird hier nicht umgestimmt. Gleichzeitig wird betont, dass der zweite Teil im Vergleich etwas kleiner wirkt: weniger kosmische Bedrohung, mehr Beziehungs- und Buddy-Komik, was die Erwartung einer "größeren", apokalyptischeren Fortsetzung teilweise unterläuft. Trotz begrenztem Budget und mancher dramaturgischer Wiederholung kann man den Film jedoch für seine Konsequenz, seine handgemachten Effekte und seine unverblümte Dreckigkeit loben. Das ist sicherlich kein Film für jedermann - aber er weiß sehr genau, für wen er ist. Für diese Zuschauer liefert "Deathgasm II: Goremageddon" genau das, was der Titel verspricht: eine Over-the-Top-Gore-Oper über Metalheads, die buchstäblich nicht loslassen können.

6/10

Quellen:
InhaltsangabeFilmstarts
Poster/Artwork: Raven Banner Entertainment/Fish Entertainment/Hangar 18 Media

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