James Sunderland (Jeremy Irvine) ist fassungslos, als er den Brief öffnet. In dem mysteriösen Umschlag befindet sich nämlich Nachricht über den Verbleib seiner Frau Mary (Hannah Emily Anderson). Und die sollte eigentlich tot sein – so jedenfalls James' bisherige Überzeugung. Die geheimnisvolle Botschaft lockt ihn nach Silent Hill, doch statt Gewissheit erwartet ihn dort eine finstere Zwischenwelt, in der ihm verschiedenste Gedanken und Wesen nach dem Leben trachten. Wie soll er hier überhaupt noch einen klaren Gedanken fassen, geschweige denn seine Frau Mary wiederfinden – wenn sie denn tatsächlich noch leben sollte...
Nach "Silent Hill" und "Silent Hill: Revelation" ist nach gut 13 Jahren "Return To Silent Hill" eine dieser Spieleverfilmungen, bei denen man spürt, dass das Original wie ein Geist durch jede Szene spukt - nur leider ist der Film selbst weit weniger furchteinflößend als seine Vorlage. Er sieht aus wie "Silent Hill", klingt wie "Silent Hill", fühlt sich aber an wie ein fremdgesteuertes Computerspiel - ohne dass man selbst den Controller in der Hand hat. Regisseur Christophe Gans kehrt zurück und adaptiert diesmal explizit einen wirklich zweiten Teil: James (Jeremy Irvine), hier ein traumatisierter Künstler, erhält einen Brief von seiner toten großen Liebe Mary und folgt ihr zurück in die nebelverhangene Geisterstadt. Die Grundidee - Schuld, Trauer, psychischer Zerfall - ist eins zu eins aus dem Spiel übernommen, aber der Film findet selten eine eigene filmische Sprache dafür; vieles wirkt wie brav nachgestellte Zwischensequenz. Atmosphärisch sitzt Gans zunächst auf sicherem Terrain: Der ikonische Nebel, das verrottende Kleinstadt-Americana, das Umschlagen in die rostige "Otherworld" - das sieht immer noch stark aus und trifft die Oberfläche der Vorlage ziemlich genau. Doch was im Spiel durch langsame Erkundung, Rätsel und beklemmende Stille funktioniert, reduziert sich hier zu einem Parcours aus "Kennst du das noch?"-Momenten, die als Fanservice funktionieren, aber als Spannungskurve erstaunlich flach bleiben.
Typisch für "Silent Hill" sind nicht Jump-Scares, sondern psychologischer Horror, Symbolik und Monster, die direkt aus der Schuld und Sexualangst der Figuren gekrochen kommen. "Return To Silent Hill" übernimmt Pyramidhead und die ikonischen Krankenschwestern fast pflichtschuldig - sie sehen cool aus, erzeugen aber weit weniger existenzielles Grauen als im Spiel. Der Film lässt James letztendlich im Grunde nur von Landmarke zu Landmarke stolpern, verfolgt von bekannten Kreaturen, ohne dass Rätsel, Entscheidungen oder innere Logik der Stadt den Horror rhythmisch strukturieren. Das Ergebnis ist eine Reihe hübscher Albtraumbilder, die eher wie ein Showreel des Franchise-Designs wirken als wie eine konsistente Abwärtsspirale in einen schuldgetränkten Albtraum. Jeremy Irvine gibt sich auch Mühe, James' Schuldgefühle und Verzweiflung sichtbar zu machen, doch das Drehbuch lässt ihn meist reaktiv bleiben - ein Mann, der Dinge anschaut, wegrennt und gelegentlich leidend in die Dunkelheit starrt. Hannah Emily Anderson hat als Mary/Maria-Variationen durchaus interessante Momente; die Idee der multiplen Identitäten und wechselnden Rollen aus dem Spiel blitzt auf, wirkt aber eher behauptet als sorgfältig aufgebaut. Nebenfiguren wie die Therapeutin, die vor allem in fragmentierten Spiegelbildern auftaucht, bleiben vage skizziert und verstärken das Gefühl, dass der Film sich in seiner Traumlogik eingerichtet hat, ohne den Figuren einen emotional fassbaren Anker zu geben. Im Vergleich zum ersten "Silent Hill"-Film, der trotz Schwächen starke emotionale Beats und eine klare Mutter‑Kind-Motivation bot, fühlt sich "Return To Silent Hill" distanzierter und seltsam abstrakt an.Während die 2006er-Verfilmung oft als eine der stärkeren Spieleadaptionen genannt wird und "Silent Hill: Revelation" von 2012 wiederum gilt als hastige, weichgespülte Fortsetzung ohne echtes Verständnis für den psychologischen Kern der Vorlage gilt, liegt "Return To Silent Hill" irgendwo dazwischen: etwas besser als "Silent Hill: Revelation", was Atmosphäre und Ernsthaftigkeit angeht, aber weit davon entfernt, die Tiefe des Spiels einzufangen. Dem Spiel gelingt es, James’ Reise durch Gameplay, Symbolik und Horror zu einem einzigen, schmerzhaften Geständnis zu verdichten; der Film erzählt dieselbe Geschichte im Prinzip nach, ohne sie je emotional zu besitzen – wie eine Kopie, die nur die Konturen, nicht aber die Textur übernommen hat. "Return To Silent Hill" ist als Horrorthriller letztlich visuell reizvoll, musikalisch dank Akira Yamaoka wirkungsvoll unheimlich, und er wird Fans einige wohlige Wiedererkennungs-Schauer bescheren. Aber als eigenständiger Film und als Adaption eines der besten Horrorspiele aller Zeiten bleibt er merkwürdig blass - ein Spaziergang durch ein Museum großartiger Ideen, in dem die Exponate schöner sind als das, was der Kurator damit zu sagen hat.


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