Michelle Fuller (Emma Stone) steht an der Spitze eines riesigen Biomedizinkonzerns. Also Privatperson wie als Chefin führt sie ein strenges Regiment: Ihr Wecker klingelt um 4.30 Uhr, also fast noch mitten in der Nacht. Bevor es für sie ins Büro geht, wird für die körperliche Fitness gesorgt. Disziplin erwartet sie auch von ihren Mitarbeitern. Vor 17.30 Uhr darf niemand an Feierabend denken. Ihre Firma hat sich der Herstellung von Medikamenten für den Opioidentzug gewidmet. Doch bei Erprobung und Einsatz genau dieser Medikamente kamen auch Menschen zu Schaden - so etwa Teddys (Jesse Plemons) Mutter Sandy (Alicia Silverstone). Teddy ist jedoch haufenweise Verschwörungserzählungen verfallen und glaubt deshalb, einem noch viel größeren Problem gegenüberzustehen: Aliens. Und Michelle soll insgeheim eines davon sein. Also beschließt Teddy zusammen mit seinem Cousin Don (Aidan Delbis), Michelle zu entführen, in seinem Keller einzuschließen und sie dann irgendwie dazu zu bringen, zusammen mit den anderen auf der Erde geglaubten Aliens zu verschwinden.
Yorgos Lanthimos' Remake der südkoreanischen schwarzen Science-Fiction-Komödie "Save The Green Planet!" aus dem Jahr 2003 "Bugonia" ist eine schräge Mischung aus Verschwörungswahn und schwarzer Komödie, die er mit seiner typischen Groteske aufpeppt: Damit stößt Lanthimos schnell an die Grenzen des Glaubwürdigen - und entfaltet genau dort die volle Stärke des Films. Was als absurd-komische Entführung beginnt, mündet in ein Psycho-Duell über Paranoia, Macht und Realität. Sobald Teddy (Jesse Plemons) und Don (Aidan Delbis) Michelle (Emma Stone) in ihren Keller gesperrt haben, quälen sie mit Verhören und versuchen, ihre "Alienhaut" aufzuschneiden - doch Michelle kontert mit kalter Logik und Manipulation. Lanthimos karikiert hier Verschwörungstheoretiker als gutmütige Spinner und Konzernbosse als emotionslose Aliens; es geht um Bienensterben, Unternehmensgier und die Dystopie unserer Zeit, die "nicht fiktional" sei, wie der Regisseur selbst sagt.
Emma Stone glänzt als Michelle: von eisiger Dominanz zu verletzlicher Verunsicherung - ihr viertes Lanthimos-Projekt nach "The Favorite", "Poor Things" und "Kinds Of Kindness". Jesse Plemons stiehlt die Show als reflektiert-höflicher Teddy, der im Anzug verhört und paradox Sympathie weckt; seine Oscar-Nominierung 2026 als bester Darsteller ist verdient. Aidan Delbis als naiver Don rundet das Trio ab, unterstützt von Alicia Silverstone in Rückblenden. Alle drei tragen die 120 Minuten, trotz mancher knapper Längen. Lanthimos' Stil ist in jeder Szene unverkennbar: verzerrte Karikaturen, zynischer Humor und psychologische Spannung machen "Bugonia" zu einer Groteske über die Gegenwart. "Bugonia" zwingt den Zuschauer, zwischen Wahrheit und Wahn zu unterscheiden - und der Film tut dies auch mit eine gewissen Biss, auch wenn die Pointe Superheldenmäßig wirkt. Doch während die Darsteller und Satire mühelos als grandios zu bezeichnen sind, mildern komplexe Plots, lahmes Pacing und kontroverse Enden des Gefühl - deutlich, aber teils prätentiös. Für Fans von "The Lobster" oder "Poor Things" ist "Bugonia" ein definitives Muss; andere könnten den Wahnsinn scheuen.
8,5/10
Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Element Pictures/Square Peg/CJ ENM



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