https://www.imdb.com/de/title/tt7574556/
Barb (Emma Thompson) reist in die entlegene Wildnis Minnesotas, um den letzten Wunsch ihres verstorbenen Mannes zu erfüllen: Seine Asche soll an jenem See verstreut werden, an dem ihre gemeinsame Geschichte begann. Abgeschnitten von der Außenwelt und ohne jede Möglichkeit, Hilfe zu rufen, wird sie Zeugin eines Verbrechens. Eine junge Frau (Laurel Marsden) wird verschleppt und in einer verlassenen Hütte gefangen gehalten. Ohne Unterstützung bleibt Barb keine Wahl, als selbst zu handeln. Ihr Versuch, das Opfer zu befreien, entwickelt sich zu einem gefährlichen Überlebenskampf – gegen das brutale Entführer-Paar (Judy Greer und Marc Menchaca) ebenso wie gegen die lebensbedrohliche Kälte der einsamen Landschaft.
"Dead Of Winter" ist ein Thriller, der sich anfühlt wie ein klassisches Kammerspiel im Schnee: formal sehr ordentlich, atmosphärisch dicht - und zugleich weniger mutig, als seine Prämisse verspricht. Emma Thompson trägt den Film mit einer Präsenz, die größer ist als das Genrevehikel, das sie umgibt. Die Prämisse des Schneesturm-Thriller ist klassisch: kein Empfang, defektes Auto, knappe Munition - ein vertrautes Set an Genre-Versatzstücken, das Regisseur Brian Kirk solide, aber sehr erkennbar abarbeitet. Der Gewaltgrad ist dabei spürbar, aber nie exploitativer Selbstzweck: Es gibt blutige Auseinandersetzungen, improvisierte Operationen mit Angelschnur und Haken, Gefahren im Eis und körperlich harte Konfrontationen, doch der Film bleibt im Rahmen eines Mainstreamthrillers, der eher auf Spannung als auf Gewaltexzesse zielt. Im Unterschied zu härteren Survival-Stoffen wie "Wind River" benutzt "Dead Of Winter“ seine Brutalität vor allem als Katalysator für Barb - eine Witwe, die aus ihrer Trauer in eine unerwartete Handlungsfähigkeit gestoßen wird.
"Dead Of Winter" sticht deswegen aus der Riege der Schnee-Thriller-Filme heraus, weil er eine ganz gewöhnliche Frau in eine Situation zwingt, die jeden normalen Menschen überfordern müsste - und zeichnet sie trotzdem nicht zur Superheldin, sondern zur hartnäckigen, verletzlichen Überlebenden. Dennoch ist es ein Thriller, der sich so stark auf seine Darsteller verlässt, dass er mehr mit ihnen anfangen sollte: Die emotionalen Einschübe um Trauer und Schuld geben Thompson Nuancen, unterbrechen aber den Spannungsbogen, statt ihn zu vertiefen - was "Dead Of Winter" letztlich zu einem sehenswerten, aber nicht unvergesslichen Winter-Albtraum macht.


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