Sonntag, 1. Februar 2026

좀비딸 - Jombittal - My Daughter Is A Zombie (2025)

https://www.imdb.com/title/tt36553678/

Lee Jung-hwan (Jo Jung-suk) ist allein­erziehender Vater und Zootiertrainer, der mit seiner pubertierenden Tochter Soo-a (Choi Yu-ri) im Dauerclinch liegt - bis eine Zombie-Epidemie Seoul trifft und alle Alltagskonflikte schlagartig nebensächlich werden. Auf der Flucht aus der Stadt wird Soo-a gebissen, verwandelt sich im Auto in einen Zombie, und Jung-hwan steht vor der unmöglichen Wahl, sein Kind zu töten oder als Untote weiter zu beschützen. Er entscheidet sich für einen dritten Weg: Er bringt Soo-a in sein Küstendorf Eunbong-ri zu seiner Mutter Kim Bam-sun (Lee Jung-eun) und versucht, seine "Zombie-Tochter" mit denselben Methoden zu zähmen, mit denen er im Zoo Raubtiere trainiert. Während die Regierung Infizierte gnadenlos eliminiert, versteckt die Familie das Mädchen im Haus, und Jung-hwan entwickelt ein Trainingsprogramm, das zwischen liebevoller Fürsorge, slapstickhaftem Chaos und verzweifelter Hoffnung changiert.

"My Daughter Is A Zombie" verbindet Zombie-Komödie, Familiendrama und Coming-of-Age zu einem erstaunlich warmherzigen Genrefilm, der weniger Angst vor Untoten als vor dem Erwachsenwerden und Loslassen hat. Der Film funktioniert vor allem über seine emotionalen Wahrheiten - die Logik der Zombie-Seuche ist der eigentliche Nebenschauplatz, das Verhältnis zwischen Vater und Tochter der eigentliche Motor. Trotz weltweiter Pandemie und staatlicher "sofort schießen"-Politik ist "My Daughter Is A Zombie" im Kern eine Feelgood-Komödie mit melancholischem Unterton. Der Film nutzt den Horror-Background, um elterliche Ängste - Kontrollverlust, Entfremdung, die Angst, das eigene Kind nicht wiederzuerkennen - in überzeichneter Form sichtbar zu machen, ohne je in reinen Zynismus abzurutschen. Dabei ist die tonale Balance entscheidend: Grober Körperhumor und Situationskomik stehen direkt neben Momenten echter Trauer und existenzieller Bedrohung. Dass diese Mischung funktioniert, liegt daran, dass der Film seine Figuren ernst nimmt; die Zombies werden nie bloß zur Witz-Requisite, sondern bleiben konkrete Gefahr, an der sich die familiäre Liebe bewähren muss.

Visuell setzt der Film auf klare, zugängliche Bilder, die eher den emotionalen Rhythmus als Schauwerte in den Vordergrund stellen - typisch koreanisch: bunt, fröhlich. Die Großstadt-Sequenzen in Seoul sind hektisch geschnitten und nutzen ein eher dokumentarisch wirkendes Handkamera-Gefühl, um das Chaos des Ausbruchs einzufangen, ohne in spekulativen Splatter zu verfallen. Im Kontrast dazu stehen die ruhiger komponierten Einstellungen im Küstendorf: Weite Totalen, die das Meer und die engen Gassen zeigen, unterstreichen das Gefühl eines scheinbaren Rückzugsortes, in dem Gefahr und Geborgenheit dicht beieinander liegen. Immer wieder rückt die Kamera auf mittlere Distanz an die Figuren heran, wenn kleine Verhaltensänderungen bei Soo-a sichtbar werden - ein Zucken, eine Reaktion auf Musik -, wodurch die emotionale Entwicklung wichtiger wird als der Sprungschock. Das ländliche Eunbong-ri ist bewusst als Gegenbild zur apokalyptischen Großstadt angelegt: Hier herrscht die Illusion von Normalität, die vom Dorfstolz auf den "Null Infizierte"-Status genährt wird. Diese Normalität ist allerdings brüchig, da die Dorfbewohner, Behörden und alte Bekannte jederzeit zur Bedrohung für Soo-a werden können, sobald ihr Zustand auffliegt. Das Haus der Großmutter wird so zur zentralen Bühne - halb Versteck, halb Trainingsarena. Requisiten wie der traditionelle Rückenkratzer der Oma, auf den Soo-a als Zombie auffällig reagiert, verankern das Übernatürliche im kulturellen Alltag und machen die Familiendynamik greifbar komisch und zugleich emotional.

Cho Jung-seok gibt Jung-hwan eine Mischung aus clownesker Körperlichkeit und echter Verzweiflung; sein Timing zwischen Panik, Überfürsorglichkeit und improvisiertem Tiertrainer-Pathos treibt viele der besten Szenen. Gerade in Momenten, in denen seine Figur scheitert - wenn das Training ins Chaos kippt oder die Angst um die Tochter ihn überrollt - zeigt der Film die Verletzlichkeit hinter der Komik. Choi Yu-ri als Soo-a muss den schmalen Grat zwischen physischem Zombie-Spiel und Resthumanität meistern und macht das vor allem über Körperhaltung und punktuelle "Aufblitzmomente" von Erinnerung und Freude, etwa beim Tanzen. Lee Jung-eun als Großmutter Bam-sun ist das heimliche Herz des Films: Ihre Mischung aus Strenge, trockenem Humor und bedingungsloser Akzeptanz erdet die Geschichte und sorgt für einige der emotional stärksten Szenen. Die Nebenfiguren - vom alten Schulfreund als Apotheker bis zur zurückgekehrten Jugendliebe Yeon-hwa, die zur entschlossenen Zombiejägerin geworden ist - erweitern das Ensemble um Perspektiven auf Schuld, Trauer und Rache. Dass aus manchen Konstellationen nicht das volle komische oder dramatische Potenzial geschöpft wird, deutet Kritik an, mindert aber den Kernfokus auf die Dreiecksbeziehung Vater-Tochter-Großmutter nur begrenzt. An dieser Stelle muss auch noch der Kater "Meowmeow" erwähnt werden, der - trotz manch sichtlicher CGI-Überlastung - immer wieder die Szenerie auflockert und letztlich sogar verdeutlicht, dass auch ein Tier eine enge Verbundenheit zu einem Menschen aufbaut. 

Wie viele starke Genrefilme (hier ist unbedingt "Cargo" zu nennen) nutzt "My Daughter Is A Zombie" sein Genre als Metapher: Der Zombie-Virus steht weniger für abstrakten Horror als für alles, was ein Kind "anders" macht - Krankheit, psychische Krise, Pubertät oder soziale Ausgrenzung. Wenn die Gesellschaft mantra-artig wiederholt, "Zombies sind nicht mehr deine Liebsten", stellt der Film genau diese Behauptung in Frage und zeigt, wie weit elterliche Liebe gehen kann, um das Gegenteil zu beweisen. Das Training der Tochter - Erinnerungen aktivieren, Routinen einüben, alte Vorlieben wie Tanzen nutzen, um sie "zurückzuholen" - liest sich fast wie eine Überhöhung realer Pflege- und Therapiearbeit bei degenerativen oder neurodiversen Zuständen. Der Film plädiert für Akzeptanz und Empathie, ohne die objektive Gefahr zu romantisieren, und schafft damit ein Spannungsfeld, in dem die Frage, was "Menschlichkeit" ausmacht, ehrlicher wirkt als in vielen ernsten Dramen. "My Daughter Is A Zombie" ist beileibe kein Film, der primär über Innovation innerhalb des Zombie-Genres überzeugt, sondern über die Art, wie er universelle Gefühle in einen verspielten Rahmen packt. Die Mischung aus Slapstick, sentimentaler Familiengeschichte und politischem Hintergrund (Staat, der das Abweichende eliminiert) ist nicht immer perfekt ausbalanciert, aber der emotionale Kern bleibt klar und berührend. Die Regie nimmt sich genug Zeit für kleine Momente - ein Blick zwischen Vater und Tochter, eine Geste der Großmutter, ein beinahe-normaler Familienabend -, um aus einer absurden Prämisse eine glaubhafte Beziehungsgeschichte zu formen. Wer im Zombie-Film mehr als Schockeffekte sucht, findet hier ein warmes, manchmal etwas ungleichmäßiges, aber sehr menschliches Stück Genrekino über die Frage, wann man sein Kind loslassen muss - und wann unter keinen Umständen.

9/10

Quellen:
InhaltsangabeFilmstarts
Poster/Artwork: Next World Entertainment

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