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Mittwoch, 6. November 2013

V/H/S 2 - S-VHS (2013)

http://www.imdb.com/title/tt2450186/

In einem abgedunkelten Raum stehen vor einer Wand mehrere Reihen von flackernden Monitoren übereinander gestapelt. Die Kamera fängt ein Videotape ein, auf dem ‘Watch this’ steht. Dieser Einladung folgt umgehend eine zitterige Hand, die das Tape seiner Bestimmung entgegen trägt. Das Grauen, von dem wir nun Zeuge werden, kennt keinen Namen, denn es ist das Böse an sich.

Der Vorgänger hatte mir ja recht gut gefallen und dann lief auf dem diesjährigen FantasyFilmFest der Nachfolger "S-VHS". Also wars ein Blindkauf für mich - und einer der sich mal so richtig gelohnt hat. Mehr als ein mal dachte ich mir während des Films: "Was zum Teufeeeeeeeel?" Aber das spricht eigentlich nur für "S-VHS" aka "V/H/S 2". Was man hier geboten bekommt ist sicher keine Found-Footage Standartkost, sondern richtig, richtig durchgeknallte Scheiße, geniale Ideen und dabei richtig gute Effekte. Erklärt wird nichts, der Horror passiert einfach und man weiß nicht wieso. Wie schon in "V/H/S" gibt es keine Anhaltspunkte für das Geschehen. Man denkt sich immer nur "Shit just got real" und so ist es dann eben auch. Hat mir sogar besser gefallen als der erste Teil, da "V/H/S" noch ein paar Längen hatte bzw. teilweise etwas arg anstrengend anzusehen war. Hier wird aber bei den einzelnen Kurzfilmen generell gar nicht lang gefackelt und es geht gleich mächtig zur Sache. Alle Filmchen konnten durch die Bank weg überzeugen und brachten mich dazu, wie gebannt hinzustarren. Extrem packend, teilweise sogar irgendwie echt witzig (nicht unfreiwillig) und total absurd.

Aber zu den einzelnen Filmen:

Die Rahmenhandlung bildet "Tape 49", in der ein Detektiv mit seiner Partnerin auf die Suche nach einem verschwunden Studenten geht. Das Appartement des Gesuchten ist offensichtlich verlassen, nur laufen noch die TV-Geräte und ein Stapel Videokassetten liegt achtlos auf dem Boden. Und während der Detektiv das Haus unter die Lupe nimmt, beginnt seine Begleitung die Filme zu sehen...

Es beginnt mit "Phase I Clinical Trials" mit einer sehr genialen Idee: einem Unfallopfer wird ein künstliches Auge - eine Kamera - eingepflanzt. Ein Prototyp, mit dem er wieder normal sehen können soll. Das tut er auch - und sogar mehr als zuvor: denn nun sieht er Geister und Tote, die um ihn herum auferstehen und ihm gar nicht wohlgesonnen sind... Allein für die Idee - 7,5/10

Weiter geht es mit "A Ride In The Park" und einer fast unschlagbaren Idee. Wer kommt schon darauf, sich eine GoPro auf den Fahrradhelm zu setzen, um dann von einem Zombie gebissen zu werden, nur damit der Zuschauer ab nun das Geschehen aus der Zombie-Cam erleben kann? Klasse gemacht, grandiose Idee und geht richtig zur Sache! - 9/10

"Safe Haven" lies mich anfangs etwas zweifeln, was hier jetzt kommen soll. Aber das Ding entwickelt sich und man begleitet als Teil eines Kamerateams einen Massensuizid einer Sekte, der auch das Team selbst alsbald involviert und sogar noch eine teuflische Überraschung innehat! Grandios! - 8/10

Der letzte hat mich dann leider nicht so überzeugt. "Slumber Party Alien Abduction" erzählt die Geschichte einer typischen "Home Alone"-Party, die irgendwann außer Kontrolle gerät, weil Aliens das Haus angreifen und die Gäste (Kinder, Hunde) umbringen. Das war aufgrund der Wackelkamera am Hund zwar nett gemeint, aber mir zu viel. Das einzig schlechte Segment trotz guter Idee. - 5/10

... tja und dann werden wir wieder ins "Tape 49" entlassen, dass ebenfalls noch ein kleines Schmankerl zu bieten hat. Ehrlich: wäre "The ABCs Of Death" so gewesen wie der hier, dann hätte ich mich vor Freude überschlagen. So rückt "V/H/S 2" an die Spitze der "Found-Footage"-Episodenhorrorfilme. Insgesamt sehr geil!

7/10

In Deutschland ist der Film mal wieder nicht ungeschnitten zu bekommen. Mittlerweile gibt es auch einen Schnittbericht für die fehlenden Szenen: S-VHS. In der in Deutschland erschienenen Fassung fehlen glatte 5 Minuten und 22 Sekunden!!! Dafür kann man aber (auch wieder einmal) bei unseren Nachbarn in Österreich und der Schweiz die ungeschnittene Fassung in einem  schicken Mediabook käuflich erwerben:


Quellen:
Inhaltsangabe: Sunfilm Entertainment / LFG
Poster/Artwork: The Collective Studios/Bloody Disgusting/8383 Productions/CTC Unika/Studio71

Mittwoch, 16. Juli 2025

V/H/S/99 (2022)

https://www.imdb.com/de/title/tt21651560/

m ersten Segment mit dem Titel „Shredding“ begibt sich eine Nachwuchs-Punkband (u. a. Jesse LaTourette) auf die Spuren ihrer legendären Vorbilder, die im Laufe einer Massenpanik von ihren eigenen Fans zu Tode getrampelt wurden. Im folgenden „Suicide Bit“ will die Uni-Anfängerin Lily (Ally Ioannides) einer Studentinnenverbindung beitreten. Als Aufnahmeprüfung soll sie eine Nacht in dem Sarg verbringen, aus dem eine andere Bewerberin einst spurlos verschwand. In „Ozzy‘s Dungeon“ wird dann ein TV-Showmaster (Steven Ogg) von einer Mutter (Sonya Eddy) entführt, deren Tochter sich in seiner Sendung verletzt hatte. In „The Gawkers“ wiederum geifert ein Haufen Vorstadt-Jünglinge einer hübschen neuen Nachbarin hinterher – nur um zu realisieren, dass Sandra (Emily Sweet) alles andere als ein normales Mädchen ist. Im abschließenden „To Hell And Back“ wollen zwei Doku-Filmer (Archelaus Crisanto, Joseph Winter) eine okkultistische Séance drehen. Doch anstatt einen Dämon auf Zelluloid bannen zu können, landet das Duo mit seiner Kamera selbst in der Hölle …

"V/H/S/99" ist der fünfte Teil der aus jeweils lose miteinander verbundenen Found-Footage-Kurzfilmen zusammengesetzten Horror-Reihe, taucht tief in das Y2K-Zeitalter ein und serviert fünf neue Segmente, die stilistisch wild schwanken - irgendwo zwischen grobem Slasher, absurder Komödie und makabrer Spukgeschichte. Der Trash-Charme und die stilistische Vielfalt machen Spaß, auch wenn die Qualität von Beitrag zu Beitrag variiert und nicht jedes Segment wirklich zündet.

Statt einer klassischen, stringenten Rahmenerzählung gibt es diesmal immer wieder Einschübe mit Spielzeugsoldaten. Diese sind belanglos und schaffen keinen inhaltlichen Kitt zwischen den Episoden - ein echtes Manko im Gesamteindruck. Mit "Shredding" will eine Teenie-Punkband ihren Mut beweisen und bricht nachts in einen abgebrannten Club ein, der mit einer düsteren Legende behaftet ist. Der Stil erinnert an eine Mischung aus Jackass und Creepypasta: hysterischer Humor, rohe Kamera und jede Menge schrille Überdrehtheit. Die Figuren sind laut und nervtötend – das sorgt immerhin für Genugtuung, sobald der blutige Horror über sie hereinbricht. Als Opener bleibt das Segment eher oberflächlich, macht aber als kurzer Schockmoment Laune. Stärker geht es mit "Suicide Bid" weiter. Ein Initiationsritual einer Studentenverbindung läuft grausam schief und eskaliert zu einer albtraumhaften, klaustrophobischen Horrorsequenz. Die Story setzt auf klassische Urban Legends mit ziemlich effektiven Jumpscares. Spannung und Enge werden greifbar - handwerklich eine der stärkeren Episoden, auch wenn das Ende konventionell bleibt.

Mit "Ozzy’s Dungeon" bekommt ein TV-Game-Show-Host die Quittung für seine sadistischen Methoden: Als eine Kandidatin schwer verletzt wird, nimmt ihre Familie blutige Rache. Hier wird der 90er-Jahre-Spielshow-Irrsinn in groteske Splatter-Bilder übersetzt. Dieses Segment ist wild, seltsam und manchmal schwer erträglich, glänzt aber durch seine abgefahrene Energie und originelle Bildsprache. Im dritten Segment, "The Gawkers" wird eine Gruppe jugendlicher Nachbarskinder beim Voyeurismus selbst zum Opfer. Die Chemie der Darstellenden wirkt natürlich und authentisch nervig, der Humor sitzt - das schaurige Ende knallt, auch wenn die visuellen Effekte beim großen Twist etwas billig wirken. Trotzdem eines der gelungensten Segmente, da es den Zeitgeist der 90er ironisch einfängt und mit Horror paart. Im vierten und letzten Segment, "To Hell And Back" geraten zwei Dokumentarfilmer bei einer Dämonenbeschwörung tatsächlich in die Hölle. Das Segment überzeugt als blutiges, rasant inszeniertes Finale mit einfallsreichen Sets, rabenschwarzem Humor und der auffälligsten Nebenfigur des Films: Die Dämonin Mabel (Melanie Stone) sorgt sogar für echte Sympathiewerte. Der gelungene Spannungsbogen und der kreative Höllentrip machen diesen Beitrag zum heimlichen Highlight der Sammlung.

"V/H/S/99" versteht es, die späten 90er als Zeitkapsel heraufzubeschwören - vom Soundtrack über Settings bis zur rebellisch-rohen Found-Footage-Optik. Die Atmosphäre ist deutlich mehr auf schrillen Horror und pubertären Humor ausgelegt als auf subtilen Grusel. Manches wirkt karikiert, manches verliert sich in übertriebenem Klamauk - doch für Fans von handgemachtem VHS-Horror gibt’s hier reichlich Splatter, Freakshow und Street-Credibility. Die Qualität und Originalität der Beiträge schwanken, aber die Abwechslung hält wach. "V/H/S/99" ist für Genrefans eine solide bis gute Ergänzung zur Reihe: Einige Geschichten begeistern durch Kreativität und Tempo, andere bleiben blass oder nervig. Wer auf wilde Anthologien, popkulturelle 90er-Referenzen und abgefahrene Horror-Ideen steht, wird auf seine Kosten kommen - andere werden den Film schnell ad acta legen.

5,5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Tiberius Film
Poster/Artwork: Bloody Disgusting/Cinepocalypse Productions/Studio71

Mittwoch, 11. Juni 2025

V/H/S/Beyond (2024)

https://www.imdb.com/de/title/tt32880932/

Das dokumentarisch anmutende, in sechs Segmente aufgeteilte "Abduction/Adduction" bildet den Rahmen für aus "Found Footage"-Material auf mysteriösen Videokassetten zusammengefügte Geschichten über angebliche Beweise für außerirdisches Leben: In "Stork" stößt eine Gruppe Cops (Thom Hallum, James C. Burns, Jolene Andersen, Tyler Andrews, Vas Provatakis und Phillip Andre Botello) bei ihren Ermittlungen zu einer Reihe von verschwundenen Kleinkindern auf ein Haus, in dem seltsame Aktivitäten vor sich gehen. In "Dream Girl" schleichen sich zwei Paparazzi (Sayandeep Sangupta und Rohan Joshi) auf das Set eines Bollywood-Films, um exklusive Bilder der populären Schauspielerin Tara (Namrata Sheth) zu schießen und vielleicht ein wenig exklusive Geheimnisse über sie aufschnappen zu können. Allerdings erfährt das Duo dann mehr über Tara, als ihm lieb ist. In "Live And Let Dive" verwandelt sich ein als Geburtstagsgeschenk gedachter Fallschirmsprung in einen wahnsinnigen Überlebenskampf, als das Flugzeug der Partygäste (u. a. Bobby Slaski, Hannah McBride, Rhett Wellington) mit einem Alien-Raumschiff kollidiert. In "Fur Babies" dringen junge Tierschützer*innen (Matthew Layton, Braedyn Bruner, Kevin Bohleber, Cameron Krugman und Jenna McCarthy) in das Heim der Betreiberin (Libby Letlow) einer Tagesstätte für Hunde ein und bereuen es schnell. In "Stowaway" untersucht schließlich die selbsternannte UFO-Forscherin Halley (Alanah Pearce) seltsame Lichter, die über der kalifornischen Mojave-Wüste schweben. Dabei findet sie endlich die Belege, nach denen sie schon ihr ganzes Leben lang sucht - doch war dieser Triumph das, was als Nächstes passiert, wirklich wert?

"V/H/S/Beyond" ist der siebte Teil der 2012 mit "V/H/S - Eine mörderische Sammlung" gestarteten Found-Footage- und Anthologie-Horrorreihe und setzt einen kühnen Schritt in Richtung Sci-Fi und übernatürlicher Bedrohungen. Die siebte Anthologie der Reihe präsentiert sechs neue, teils experimentelle Segmente, die das Genre erweitern und zugleich die bewährte DIY-Atmosphäre bewahren.

"Stork" - Ein Albtraum im Polizeieinsatz: Jordan Downeys Segment "Stork" eröffnet die Anthologie mit einem düsteren Thriller: Ein SWAT-Team stößt bei der Suche nach entführten Babys in einem heruntergekommenen Haus auf übernatürliche Gefahren. Die Mischung aus Polizeirealismus und Horror erzeugt eine dichte Atmosphäre, die von verstörenden Bildern und einem intensiven Spannungsaufbau geprägt ist. Ein herausragendes Beispiel für Horror, der sich aus dem Alltäglichen speist. "Dream Girl" - Bollywood trifft auf Horror: Virat Pals "Dream Girl" überrascht mit einer Mischung aus Bollywood-Flair und Horror: Zwei Paparazzi dringen in die Welt einer Schauspielerin ein, die dunkle Geheimnisse verbirgt. Die Inszenierung als Musikvideo und die unerwartete Wendung verleihen dem Segment Originalität. Trotz kleinerer Schwächen bleibt es ein unterhaltsamer Beitrag.

"Live And Let Dive" - Adrenalin im freien Fall: Justin Martinez' "Live And Let Dive" folgt einer Gruppe von Fallschirmspringern, die während eines Sprungs auf ein UFO stoßen. Die Mischung aus Action, Sci-Fi und Horror wird durch beeindruckende POV-Aufnahmen unterstützt. Obwohl die Story etwas dünn ist, bietet das Segment spannende Unterhaltung. "Fur Babies" - Ein verstörender Blick hinter die Kulissen: Die Long-Brüder präsentieren mit "Fur Babies" eine groteske Geschichte über eine Hundetagesstätte mit dunklen Geheimnissen. Der Humor ist makaber, die Bilder verstörend, was an Werke wie „Tusk“ erinnert. Trotz seiner Exzentrik bleibt das Segment in Erinnerung. "Stowaway" - Ein leiser, aber intensiver Abschluss: Kate Siegel gibt mit "Stowaway" ihr Regiedebüt und liefert gemeinsam mit Mike Flanagan ein atmosphärisches Stück über eine Mutter, die einem UFO auf der Spur ist. Die ruhige Erzählweise und die subtile Spannung machen dieses Segment zu einem Höhepunkt der Anthologie. 

Den Rahmen der Geschichte bildet "Abduction/Adduction: Das verbindende Element der Anthologie bildet ein Mockumentary-Ansatz, der sich mit den Ursprüngen der VHS-Bänder und der Geschichte von Außerirdischen beschäftigt. Obwohl es interessante Einblicke bietet, bleibt es hinter den einzelnen Segmenten zurück. "V/H/S/Beyond" bietet alles in allem eine abwechslungsreiche Sammlung von Horror-Geschichten, die das Genre erweitern und neue Perspektiven einnehmen. Während einige Segmente stärker überzeugen als andere, bleibt die Anthologie insgesamt ein gelungenes Experiment, das sowohl Fans der Reihe als auch Neueinsteiger anspricht.

7/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Tiberius Film
Poster/Artwork: Shudder/Studio71/Cinepocalypse Productions/Spooky Pictures

Donnerstag, 17. Juli 2025

V/H/S/85 (2023)

https://www.imdb.com/de/title/tt22640398/

Eine Naturkatastrophe führt zu einer erschreckenden Entdeckung, zu schockierendem Terror auf einem sonnenüberfluteten See und zu einem Performance-Kunstwerk, das versucht, mit einem neuen Gott Kontakt aufzunehmen. Wie hängen diese Ideen zusammen? Der Found-Footage-Franchise kehrt zurück mit mehr noch mehr unheimlichen Wesen als zuvor.

 Mit "V/H/S/85" wird die Found-Footage-Horrorreihe zum sechsten Mal fortgesetzt - und dabei zieht der Film alle 80er-Register: Grobkörnige VHS-Ästhetik, authentische Zeitkolorit-Referenzen und ein Sammelsurium verstörender Kurzgeschichten. Der Qualitätsstandard schwankt wie gewohnt, insgesamt liefert der Film aber eine mittelmäßig bis gute Anthologie ab, die sowohl langjährige Fans als auch Retro-Horror-Enthusiasten erreichen dürfte.

Die Rahmenhandlung bildet "Total Copy" und imitiert eine investigative TV-Shows der 80er, die einem Forscherteam folgt, das einen mysteriösen, fernsehbesessenen Jungen untersucht. Diese Rahmenhandlung zählt zu den stärkeren der gesamten Reihe, überzeugt durch Atmosphäre und einen irritierenden, beklemmenden Aufbau. Der Einstieg "No Wake & Ambrosia" erinnert an klassische Teenie-Camping-Horrorfilme mit See-Setting - erst scheinbar klischeehaft, dann jedoch mit cleveren Twists rund um tödliche Schüsse, Auferstehung und einen völlig entgleisenden Familienkult. Besonders der Überraschungseffekt und die kreative Wendung sorgen für einen der unterhaltsameren Beiträge.  

Ein Nachrichtenteam wird in "God Of Death" beim 1985er-Erdbeben in Mexiko unter die Erde gespült und stößt in einer Höhle auf aztekische Relikte - und uralte Götter. Das Segment kombiniert geschickt Katastrophenkino, Found-Footage und Mythologie, besticht durch klaustrophobische Spannung und ist cineastisch wie inhaltlich ein herausragender Beitrag des Films. Ein Sprung in experimentellen Techno-Horror bietet dann "TKNOGD": In einer düsteren Performance-Art-Show wird mit (damals revolutionärer) VR-Technologie kokettiert, was zum Kontakt mit einer anderen Welt führt. Der Part punktet vor allem durch Schauwerte und abgefahrene Ideen, bleibt aber inhaltlich der schwächste Teil der Sammlung. In "Dreamkill" steht eine Reihe unheimlicher Snuff-Videobänder im Mittelpunkt, die ein Ermittlerteam bei einer brutalen Mordserie verfolgen muss. Das Storytelling ist unkonventionell, blutig und nihilistisch; Freunde expliziter Splatterbilder kommen auf ihre Kosten. Insgesamt solide, aber mit Überlänge und teils unnötiger Härte. 

Der große Pluspunkt von "V/H/S/85" ist der gelungene 80er-Look - Filter, Sound und Bildästhetik fühlen sich authentisch und nicht künstlich nostalgisch an. Die meisten Segmente setzen stark auf praktische Effekte und expliziten Gore, teilweise bis an die Grenze des Geschmackvollen. Inhaltlich bleibt der Film jedoch inkonsistent: Einzelne Beiträge heben das Niveau, andere sind deutlich konventioneller oder wenig innovativ. Dennoch: Der Film wirkt insgesamt geschlossener und konsistenter als andere Teile der Reihe. Die Verwebung der Geschichten funktioniert dieses Mal besser, auch wenn nicht jedes Segment zündet und besonders das technologische Experiment herausfällt. Damit ist "V/H/S/85" ein gelungenes Comeback für die Reihe. Der Film ist ein Fest für 80er-Horror-Fans und bietet im besten Moment exzentrischen, blutigen Found-Footage-Grusel mit erfrischenden Ideen – schwächelt aber, wie die Franchise-typisch, durch einige weniger starke Episoden. Für Genrefans absolut sehenswert, für alle anderen zumindest solide Horrorkost.

6/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Studio71/Cinepocalypse Productions/Bloody Disgusting/Reserva Films

Mittwoch, 16. Juli 2025

V/H/S/94 (2021)

https://www.imdb.com/de/title/tt14867006/

1994: Eine SWAT-Spezialeinheit entdeckt beim Sturm eines Drogenlabors eine Reihe von Videokassetten mit verstörenden Aufnahmen, die auf einen dunklen Kult hinweisen. Unter anderem darauf zu sehen: ein verrückter Wissenschaftler, der an einer biomechanischen Waffe bastelt, ein Reporter, der einer düsteren Legende auf der Spur ist, ein Mann bei einer Totenwache und Militärs, die eine übernatürliche Macht in die Finger bekamen, mit deren Hilfe sie die Regierung stürzen könnten...

"V/H/S/94" führt das Found-Footage-Konzept der Reihe solide fort und überzeugt mit seinem typisch grobkörnigen Retro-Charme und einer abwechslungsreichen Auswahl an Kurzgeschichten, auch wenn nicht jedes Segment gleichermaßen zündet. Insgesamt präsentiert sich der vierte Teil als ein mittelmäßig bis guter Anthologie-Horror, der vor allem Fans des Formats zufriedenstellen dürfte.

Die Rahmenhandlung ("Holy Hell")  um ein SWAT-Team, das ein verlassenes Gebäude samt Ritualkult und verstörenden Tapes durchsucht, liefert zwar eine dichte, düstere Atmosphäre, bleibt jedoch inhaltlich schwach, wenig originell und das mit Abstand schwächste Glied der Sammlung. Mit "Storm Drain" (Regie: Chloe Okuno) sucht in einem urbanen Mythos-Setting ein Reporterteam nach dem legendären "Rat Man" im Kanalsystem. Dieses Segment punktet mit schäbiger, sehr 90er-Jahre-typischer Optik, gelungenen Creature-Effekten und einer guten Mischung aus Suspense und Absurdität. Es hat ikonische Bilder und bringt mit einer cleveren Schlusspointe echten Anthologie-Charme. In "The Empty Wake" (Regie: Simon Barrett) hält eine Frau Nachtwache neben einem seltsamen Sarg - und natürlich bleibt der Verstorbene nicht lange ruhig. Das Segment spielt gekonnt mit klassischen Gruselmotiven und erzeugt durch Sounddesign und Kameraarbeit eine intensive Atmosphäre, löst sich aber zum Ende in gängige Klischees auf. Dennoch ein solides, wenn auch vorhersehbares Gruselerlebnis. 

Das dritte Segment, "The Subject" (Regie: Timo Tjahjanto) ist eine wahnsinnige Mixtur aus "Tetsuo: The Iron Man" und "Frankenstein’s Army": Ein verrückter Wissenschaftler erschafft aus Menschen Cyborg-Monster. Die Creature-Designs und Splatter-Effekte sind spektakulär, auch wenn der over-the-top-Actionstil etwas aus der Anthologie herausragt. Für Genre-Fans ist dies ein Highlight, wenngleich sicher nicht jeder etwas damit anfangen kann. Im letzten Segment, "Terror" (Regie: Ryan Prows) experimentiert  eine rechtsextreme Miliz mit übernatürlichen Waffen - wenig subtil, aber spannend und mit interessantem "Vampir"-Twist. Die Figuren sind überraschend vielschichtig für die Kürze, und besonders das Finale sorgt für makabre Unterhaltung. Es hebt sich durch originelle Idee und Sozialkommentar ab.

Die "V/H/S 94"-Segmente variieren also in ihrer Qualität, aber der durchgängig raue Look und die düstere, manchmal richtig ekelige Atmosphäre sind eine klare Stärke des Films. Während das Schauspiel nicht durchgehend überzeugt, hält das Format Fans durch den schnellen Wechsel der Stile und Ideen bei der Stange. Im Vergleich zu den Vorgängern gilt die Auswahl der Stories als stimmiger und insgesamt abwechslungsreicher. "V/H/S/94" ist eine Empfehlung für alle, die Found-Footage-Horror und Kurzgeschichten lieben. Nicht jeder Beitrag ist ein Volltreffer, das Niveau schwankt spürbar - doch gerade die gelungenen Segmente und der 90er-Retro-Grusel sorgen dafür, dass man als Horrorfan auf seine Kosten kommt. In der Summe mittelmäßig bis gut, mit starken Momenten, die mehr bieten als Durchschnitt.

6/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Bloody Disgusting/Cinepocalypse Productions/Hangar 18 Media/Raven Banner Entertainment/Studio71

Sonntag, 29. März 2015

V/H/S: Viral (2014)

http://www.imdb.com/title/tt3704538/

Ein außer Kontrolle geratener Eiswagen rast durch das nächtliche Los Angeles, verfolgt von der Polizei. In der Hoffnung, vielleicht die nächste YouTube-Sensation zu werden, machen sich Dutzende Teenager auf, um jenes Spektakel oder ähnlich aufsehenerregende Vorkommnisse auf Video festzuhalten. Doch diese Sehnsucht nach Aufmerksamkeit soll ihnen bald selbst zum Verhängnis werden. Ein Umhang, der einst Houdini persönlich gehört haben soll, verleiht dem Hobby-Zauberer Dante (Justin Welborn) die Fähigkeiten, endlich selbst berühmt zu werden. Doch der Preis, den er dafür zahlen muss, ist hoch. Der Tüftler Alfonso (Gustavo Salmerón) hingegen hat es endlich geschafft, eine Maschine fertigzustellen, die ein Tor in eine andere Welt hinter den Spiegeln öffnet. Er findet sein Spiegelbild, stellt aber zu seinem Entsetzen fest, dass die Parallelwelt sich auf äußerst morbide Weise von unserer eigenen unterscheidet. Auf der Suche nach spektakulären Aufnahmen verschlägt es schließlich vier Adrenalinjunkies (u.a. Nick Blanco) mit ihren Skateboards nach Tijuana. Alles läuft gut bis der abgelegene Schauplatz ihrer Dreharbeiten zum Mittelpunkt des Rituals eines mexikanischen Todes-Kults wird.

Gemessen an den zuweilen verrückten, kreativen und atmosphärischen Vorgänger der "V/H/S"-Reihe, ist dieser dritte Teil fast schon eine Beleidigung. Denn was die ersten beiden Teile gut gemacht haben wird jetzt einfach hier über Bord geworfen. Auch hier wird aus einer Rahmenhandlung ("Vicious Cycles") heraus drei kurze Grusel-/Horrorgeschichten erzählt, aber diese verlieren gegenüber den großartigen beiden Vorgängern etwas an Boden. Außerdem sind sie zusammenhangslos zusammengewürfelt. Nicht, dass es bei den beiden Vorgängern anders gewesen wäre, aber da bekam man zumindest suggeriert, dass sich jemand gerade diese Filme ansehen würde.

Die erste Episode, "Dante The Great", handelt von einem Magier und seinem Zauberumhang, der nur dann seinem Meister gehorcht , wenn er mit frischen Fleisch gefüttert wird, welches er sich dankenswerter Weise auch selbst zu holen vermag. Am Ende gibt es einen netten Gruseleffekt, das war okay. Nicht schlecht also, aber noch ausbaufähig. "Parallel Monsters" ist die zweite Geschichte, die schon ein wenig komplexer daherkommt und es sogar schafft, den Zuschauer bis zum Ende bei der Stange zu halten. Die Parallelwelt ist aber auch böse. Warum und wieso erfährt man nicht, aber das ist auch nicht wirklich wichtig. Wichtig ist nur, dass fiese Geschlechtsorgane immer und jederzeit zu schocken (ekeln) wissen. Die dritte Kurzgeschichte, "Bonestorm", ist eine fast reine Slasher-Episode, in der eine knochige Sekte ein paar Skateboarder angreift und diese sich mit Brett und Waffe effektvoll zu wehren wissen. Auch nicht übel, aber auch nicht wirklich gut und neu.

"Gorgeous Vortex", ist die "fehlende" vierte Episode, die nur im Mediabook  enthalten ist. Abgesehen davon, dass absolut nicht klar ist, was der Regisseur mit dieser Episode ausdrücken wollte, so ist sie rein visuell ein Augenschmaus - und das nicht nur wegen der hübschen Protagonistin, sondern auch wegen dem Monster. "V/H/S: Viral"  ist auf seine Art nicht schlecht. An abgefahrenen Ideen mangels nicht, an der Umsetzung in klassischer Filmsprache schon. Dank der uninspirierten Storyline und der wahllos zusammengewürfelten Versatzstücke leider der schlechteste Teil der Reihe.

5,5/10

Von dem Indie-Label "OFDb-Filmworks" kommt der Film, passend zu "S-VHS" im limitierten und nummerierten Mediabook:


Quellen:
Inhaltsangabe: OFDb Filmworks
Poster/Artwork: The Collective Studios/Bloody Disgusting/8383 Productions/Studio71

Montag, 20. Mai 2013

V/H/S - V/H/S: Eine mörderische Sammlung (2012)

http://www.imdb.com/title/tt2105044/

In fünf Geschichten erzählen fünf Regisseure im Found-Footage-Stil ihre ganz eigenen Film gewordenen Phantasien. Rahmenhandlung stellt eine Gruppe von jungen Leuten dar, die den Auftrag erhalten, in ein abgelegenes Haus einzubrechen, um ein VHS-Tape zu entwenden. Das Videomaterial, das sie vorfinden, raubt ihnen den Atem – und den Verstand...

Tatsächlich ein etwas anderer Horrorfilm, im kinematografischem Stile von "Stephen King's Cat’s Eye" oder "Tales From The Crypt" und im filmischen von jedem x-beliebigen "Found-Footage"-Filmchen. Es ist also ein Episodenfilm und darin sehe ich die Stärken und auch Schwächen. Was fehlt, ist einfach der Sinn der Rahmenhandlung. Die ist einfach nur ein... Rahmen eben. Damit man einen Grund hat zu zeigen, was man eben zeigt. Also ist sie quasi gänzlich überflüssig. Die einzelnen Kurzgeschichten an sich sind eigentlich allesamt ziemlich gut, auch wenn sie sich teilweise etwas in die Länge ziehen und man sich fragt, wo das Ganze eigentlich hinführen soll. Dies gilt vor allem für die ersten beiden Stories. Die übrigen Geschichten brauchen dagegen nicht sehr lange um richtig in Fahrt zu kommen. Ein paar typische Horrorklischees werden bedient, diese halten sich aber glücklicherweise in Grenzen. Der bereits angesprochene Wackelkamerastil ist zwar manchmal echt anstrengend, schafft aber auch eine gewisse Intensität und die Effekte sehen einfach viel echter aus. Mir hat das ganze - im Gegensatz zu manch anderem Episodenmachwerk der letzten Jahre (hier seien "The ABCs Of Death" oder auch "The Theatre Bizarre" angesprochen) - ziemlich gut gefallen, auch habe ich mich ein paar mal gehörig erschrocken. Die Storys sind auch allesamt kreativ, lassen aber viele Fragen unbeantwortet, was letztendlich zum Punktabzug führt. Für ordentliche Horror-Unterhaltung reicht der Film locker, nur der Stil ist eben wirklich gewöhnungsbedürftig. Doch ohne ihn hätten aber die Geschichten vielleicht nicht so gut gewirkt wie sie es so eben tun.

6,5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Sunfilm Entertainment
Poster/Artwork: The Collective Studios/Bloody Disgusting/8383 Productions/Studio71

Sonntag, 20. November 2016

Southbound - Southbound: Highway To Hell (2015)

http://www.imdb.com/title/tt4935334/

Auf einem verlassenen Highway mitten in der Wüste kreuzen sich eines Nachts die Schicksale mehrerer Reisender, deren größte Prüfung ihnen erst noch bevorsteht. Denn in dieser finsteren Nacht scheinen ihre schlimmsten Albträume wahr zu werden: Die beiden Freunde Mitch (Chad Villella) und Jack (Matt Bettinelli-Olpin) stolpern auf der Flucht vor ihrer Vergangenheit blutüberströmt in ein abgelegenes Diner. Eine Rockband (Hannah Marks, Nathalie Love und Fabianne Therese) lässt sich von einem ominösen Ehepaar (Susan Burke und Davey Johnson) mitnehmen, als ihr kleiner Tourbus schlappmacht. Ein Geschäftsmann (Mather Zickel) versucht verzweifelt, das Leben eines Mädchens zu retten, das er angefahren hat. In einer Bar unweit davon sorgt derweil ein aufgebrachter Mann (David Yow), der verzweifelt nach seiner verschollenen Schwester sucht, für Aufruhr, während in der Region eine Familie (Kate Beahan, Gerald Downey und Hassie Harrison) in ihrem Urlaub von einer Bande Maskierter terrorisiert wird.

"Von den Machern von V/H/S", wie es so schön auf dem Cover heißt, bekommt man nun eine neue Horror-Anthology, bestehend aus 5 Kurzfilmen, die irgendwie, irgendwo miteinander verknüpft sind, geboten. Und das Beste daran ist: endlich mal keine Wackelkamera und/oder Found Footage. "Southbound" ist ein kleiner, dreckiger und teilweise recht blutiger und zeigefreudiger Streifen, der über seine gesamte Laufzeit zu unterhalten weiß. Die Episoden sind kurzweilig, die eine mehr, die andere weniger gut, aber alle immerhin mindestens Mittelmaß, sodass man den einen oder andern 'Ausrutscher' gern verzeiht. Doch zu den einzelnen Episoden.

#1 "The Way Out"
Der Aufhänger für das gesamte Spektakel beginnt wie ein Roadmovie, in dem alles Wichtige schon längst passiert zu sein scheint. Die Straße führt ins Nirgendwo, die beiden Ganoven können fahren wohin sie auch wollen - es führt sie immer und immer wieder an denselben Ort (zurück). Nicht schlecht als Einstieg und macht Lust auf mehr. Leider sind die CGI-Monster etwas billig gemacht und auch zu schnell zu offen zu sehen, sodass hier ein ganz großer Teil an Spannung einfach flöten geht. Immerhin gibt es einen ordentlich derben Kill und eine hübsche Überleitung. - 6/10

#2 "Siren"
Die in der Überleitung gesehenen Rockermädels haben einen Platten. Dumm, in so einer wüstenartigen, trostlosen Gegend. Da kommt das nette Ehepaar, welches bereitwilig Hilfe anbietet gerade recht, doch der aufmerksame Zuschauer weiß sofort: das wird nicht gut ausgehen. Und tatsächlich, denn spätestens wenn die beiden wortkargen Söhne gemeinsam mit den drei Mädels das Abendessen einnehmen wäre jeder andere längst gegangen. Doch hier offenbart sich Kult und Sekte, gepaart mit ein paar netten Hexenzaubern, die zwei Drittel der Mädels in ihren Bann ziehen. Schade, hier wurde viel verschenkt, denn alles ist so schon mal da gewesen, viel zu zahm und nur minder interessant. - 4/10

#3 "The Accident"
Dafür ist die dritte Episode ein Kracher. Mädel Nr. 3 kommt gerade so mit dem Leben davon und wird prompt von einem Auto derbe überfahren. Der Fahrer will helfen, doch in all seiner Not findet er kaum Hilfe. Also muss er selbst ran und je mehr er helfen will und je mehr er dem angerufenen Notruf vertraut, desto schlimmer wird alles. "The Accident" ist herrlich blutig, überaus spannend und schaurig-schön böse. Denn eines ist spätestens nach ein paar Minuten klar: der angerufene Notruf ist gar kein Notruf... "The Accident" ist für jeden Gorefan ein kleines Fest. Blutig, dreckig und dazu noch gut gespielt. Super. - 8/10

#4 "Jailbreak"
Sobald der Mann das krankenhaus endlich verlassen hat sieht man auch, wer hinter dem Notruf steckt. Doch dieser hat kaum Zeit sich zu sammeln, schon stürmt ein Mann mit einer Schrotflinte in der Hand den kleinen, düsteren Laden und sucht nach seiner Tochter. Doch die Menschen lachen ihn nur aus und man sieht noch, wie eine klauenbesetzte Hand den Rücken des Mannes aufreisst. Schwerverletzt nimmt dieser einen weiteren Mann als Geisel, der ihn zu seiner Tochter führen soll. Doch die will, als sie sie endlich gefunden haben, gar nicht weg. Im Gegenteil... "Jailbreak" ist nicht schlecht, doch traut sich zu wenig. Hier hätte etwas mehr Monster (im Vergleich zum ersten Kurzfilm) nur gut getan. - 6/10

#5 "The Way In"
Hier schließt sich der Kreis (indem er sich öffnet) und alles was man in "The Way Out" vermisst hatte, wird plötzlich beleuchtet und als Zuschauer kommt man um einen Aha-Effekt nicht drumherum. Auch wird einem spätestens hier klar, dass wir alle gefangen sind und dieser letzte kleine, dreckige Home-Invasion-Beitrag setzt "Southbound" noch ein Krönchen auf und lässt plötzlich auch "The Way In" in einem guten Licht erstrahlen. Das reicht, um "Southbound" insgesamt eine Empfehlung für Genrefans auszusprechen, die sich nicht scheuen, altbekanntes und altbewährtes auf neue Art erneut durchgekaut zu sehen. - 7/10

Kompetent gefilmt, solide gespielt, angenehm splatterig, flott erzählt, mit coolen 80er Sound unterlegt, viele Vexierspiele mit unterschiedlichen Horror-Motiven, eigentlich stimmt alles an dem Film. Mit etwas Phantasie lässt sich zwar erahnen was das Gezeigte bedeuten dürfte, aber am Ende bleibt zuviel Interpretationsfreiraum und zu viel Ungewissheit. "Southbound" ist daher insgesamt ein sehenswerter, gelungener und vor allem interessanter Beitrag im Horrorgenre.

6,5/10

Von SUNFILM auch im limitierten Mediabook erhältlich:


Quellen: 
Inhaltsangabe: Sunfilm

Montag, 4. Februar 2019

México Bárbaro - Barbarous Mexico (2014)

https://www.imdb.com/title/tt3363888/

Acht junge, wilde Genre-Regisseurinnen und Regisseure haben sich versammelt, um der Sagenwelt ihres Landes furchterregendes Leben zu verleihen: Ihre Geschichten erzählen von Räubern, die auf ihrer Flucht von einem verführerischen Geist verfolgt werden. Sie zeigen, dass ein Joint einen diabolischen Fluch mit sich bringen kann, uralte schamanische Rituale und wie diebische Kobolde auch vor den intimsten Kostbarkeiten nicht haltmachen. Egal, ob auf der erschreckenden "Insel der Puppen", im unwirklichen Kratergebiet der mexikanischen Gebirgsregion oder bei einer Feier zum "Tag der Toten": Niemand ist sicher! "México Bárbaro" entführt in ein Land, das voll ist mit gierigen Legenden, welche die Menschen mit Grauen erfüllen. Von surrealem Grusel bis zu blutrünstigem Terror: In diesem Episodenfilm ist jeder Schrecken versammelt, den Mexiko zu bieten hat!

Filmische Anthologien haben in den letzten Jahren geradezu eine starke Renaissance erlebt. Egal ob man an die beiden "ABCs Of Death", "Southbound" oder die "V/H/S"-Trilogie denkt - sie alle zeigen, manchmal in einer größeren Geschichte verschachtelt, Episodenfilme in Kurzfilmlänge. Ganz egal, was davon man nun bevorzugt, von Low-Budget bis Hollywood-Mainstream, die Qualität reicht - unabhängig vom Budget - von grauenhaft schlecht bis ausgezeichnet. "México Bárbaro" (alias "Barbarous Mexico") bringt nun acht Regisseure aus Mexiko zusammen, um acht verstörende Horror-Geschichten zu erzählen. Da es sich um separate Kurzgeschichten handelt, die außerhalb dieser Kollektion nicht miteinander verwandt sind und in keine Rahmenhandlung eingebunden sind, kann man diese auch getrost einzeln bewerten.

"Tzompantli", geschrieben und inszeniert von Laurette Flores Bornn, macht den Anfang. Menschen verschwinden und es gibt nur Gerüchte über ihren Verbleib. Ein Mann riskiert seine eigene Sicherheit, um sich mit einem Informanten zu treffen, der sagt, er wisse, was da geschieht. Anstatt der typischen Drogenkartellgeschichte, die man vielleicht erwartet hätte, erzählt der Informant eine viel beängstigendere Geschichte und führt unseren mutigen Detektiv zu einer Werkstatt, in der ein verstörendes Geheimnis wartet. Das ist dann für den Auftakt auch eine ansprechend gruselige Geschichte, die in eine andere Richtung geht, als man zunächst erwarten würde - was immer ein Plus ist. Ein guter Einstieg mit gutem Grusel. Allerdings sollte man tunlichst vermeiden, den Begriff "Tzompantli" zu googeln - es könnte den Spaß an dieser Geschichte verderben. An zweiter Stelle steht "Jaral de Berrios", Regie von Edgar Nito und geschrieben von Edgar Nito und Alfredo Mendoza. Ein paar Diebe, von denen einer mit einem Bauchschuss schwer verletzt ist, suchen und finden in einem verlassenen Gebäude Schutz. Der Verletzte sagt, der Ort sei verflucht, aber der andere wendet sich ab und schaut sich um. Sehr bald erfahren man, wie gefährlich dieser Ort für die Anwesenden wirklich ist. "Jaral de Berrios" ist eine großartige, übernatürliche / geisterhafte Geschichte mit einer guten Balance aus Angst und Verrücktheit, ganz zu schweigen von Brutalität. Genau mit der richtigen Laufzeit, passt.

Ein Bereich, in dem "México Bárbaro" definitiv Erfolg hat, ist seine Vielfalt. Es gelingt ihm, das Sub-Genre von Story zu Story zu verändern, die Gänge so zu wechseln, sodass alles relativ frisch bleibt, aber auch nicht zu sehr, dass es sich wie ein unzusammenhängendes Chaos anfühlt. Während nun die ersten beiden Geschichten dunkel und ernst waren, trägt "Drena", geschrieben von Aaron Soto, ein wenig blöden Humor und viel Gemeinheit zum Film bei. Ein Mädchen findet eine Leiche in einem Graben und in seinen Fingern befindet sich noch ein letzter Rest einer Zigarette, welchen sie natürlich mit nach Hause nimmt. Im Laufe der Nacht langweilt sie sich und entschließt sich, das Ding zu rauchen, was eine kleine Kreatur veranlasst, aus ihrer Wand zu kommen. Diese Kreatur verlangt das Menstruationsblut ihrer Schwester und wenn dieses Blut nicht innerhalb von zwölf Stunden übergeben wird, saugt es ihre Seele aus ihrem Hintern. Das kann man ohne weiteren Kommentar stehen lassen, aber dies ist erstaunlicherweise komisch und schmutzig zugleich. Ein anderes komisches Segment folgt, "La Cosa mas Preciada", geschrieben von Isaac Ezban. Dies ist die Geschichte eines jungen Paares, das ein Zimmerchen für eine Nacht gemietet hat, wo sie zum ersten Mal Sex haben möchten. Wie man es erwarten würde, werden sie unterbrochen, in diesem Fall von einem alten Mann, der auf dem Gelände arbeitet. Er sagt, dass sie eigentlich nicht da sein sollten, und warnt sie, nicht nach Einbruch der Dunkelheit das Zimmer zu verlassen, sondern auch nichts draußen zu lassen, da "sie" es stehlen werden. Sie ignorieren seine Warnungen (wer hätte es geahnt?), und schon bald leiden sie auf sehr unangenehme Weise daran. Diese Geschichte ist genauso doof wie böse.

Die ganze Dummheit, die in den beiden vorangegangenen Geschichten inne lag, wird in Lex Ortegas "Lo Que Importa es lo de Adentro" völlig aus dem Fenster geworfen. Er konzentriert sich auf eine Mutter und ihre zwei Kinder, die sich beeilen müssen, um am Morgen fertig zu werden. Während es den Anschein hat, dass der kleine Junge in den Augen der Mutter nichts richtig machen kann, wiederholt das kleine Mädchen immer wieder "Boogey!", Während es auf einen Mann draußen zeigt, etwas, das den Zorn seiner Mutter anzieht. Wenn sie an dem Mann vorbeigehen, ist er nett zu Mutter und Sohn, zieht aber vor dem kleinen Mädchen Grimassen. Am späten Nachmittag geht der kleine Junge hinaus, um Fußball zu spielen und kommt nie wieder... An dieser Stelle würden Spoiler viel zu viel verraten, aber was als nächstes passiert, ist verstörend und unerwartet, um es gelinde auszudrücken. Der Autor und Regisseur Jorge Michel Grau bringt als sechsten Beitrag "Munecas" ins Spiel. Er folgt einer Frau, die, wie man schnell erkennen kann, gerade etwas Schrecklichem entkommen ist und sich vor jemandem versteckt. Sie wurde geschlagen, ist blutig, dreckig und müde, aber sie kämpft immer noch mit einem Mann, der doppelt so groß ist. Dieser Teil von "México Bárbaro" ist außerordentlich brutal, aber erst wenn man erkennt, woher der Mann kam und was dort vor sich geht, erkennt man die Abgründigkeit und Verwirrung, mit der Grau bis dahin den Zuschauer zu narren wusste. Nicht übel.

"Siete Veces Siete", eine von Paulo Rique verfasste und von Ulises Guzman inszenierte Geschichte beginnt verrückt und wird immer verrückter. Sie beginnt mit einem Mann, der in ein Leichenschauhaus geht, eine Leiche zu seinem Lastwagen bringt und dann zu einem Teich mitten im Nirgendwo fährt. Von dort wenden sich die Dinge ins Surreale. Man sieht - unter anderem - einen brennenden Mann auf einem Pferd, eine nackte Frau, aus der Spinnenbeine herausbrechen und eine wiederbelebte Leiche. Die Art und Weise, wie diese seltsamen Gestalten durch eine Kombination aus Flashbacks und aktueller Handlung zusammengefügt wird, liefert eine Geschichte, die auf ihrem Höhepunkt eine der brutalsten, heftigsten und surrealen Rache-Geschichten enthüllt, die man seit einiger Zeit gesehen haben dürfte. "México Bárbaro" endet mit der achten Episode, Gigi Saul Guerreros' "Dia de los Muertos", und der Erzählung von einer Frau, die erklärt, wie sie von ihrer Mutter gelernt hat, stark zu sein. In einem Raum voll wenig bekleideter junger Damen, die, wie man bald erfährt, alle in einem Nachtclub als Tänzerinnen beschäftigt sind. Nur heute Nacht fügen sie die Gesichtsfarbe und die Dekoration hinzu, die mit "Dia de los Muertos" (dem "Tag der Toten") einhergeht. So entgegenkommend diese Frauen für ihre meist männliche Klientel sind, werden sie sehr schlecht behandelt, beleidigt, befummelt und erniedrigt. Aber die Dinge werden sich gerade für die Gewalttätigen wenden - und das nicht zum Besten.

In "México Bárbaro" werden einige Segmente meisterhaft mit künstlerischer Vision behandelt und andere werden von einer schlechten CGI fast zerstört. Die Stile der einzelnen Regisseure reichen von Schwarz-Weiß bis hin zu körnigen Rückgängen im Grindhouse-Bereich und allem, was dazwischen liegt. Einige Kurzfilme sind in ihren kulturellen Wurzeln offensichtlich, während es ein paar anscheinend an etwas mangelt, was diese an Mexiko bindet, das einzige, was diese Segmente in irgendeiner Weise zusammenhält. Der herausragende Punkt ist Edgar Nitos "Jaral de Berrios". Sein kurzer Beitrag ist aus technischer Sicht richtig gut. Zwischen dem Sounddesign, den Visuals und dem Set erreicht Nitos schönes westliches Horrorsegment den gesamten Film aber viel zu früh. Aus der Perspektive der Geschichte gibt Nito gerade genug Futter, um mehr erforschen zu wollen. Er schreibt nicht genau, welche Legende er erforscht, gibt Ihnen aber trotzdem eine vollständige Erzählung. Dann gibt es mit Isaac Ezbans "La Cosa Mas Preciada", das bereits erwähnte Grindhouse-Stilsegment, das sich stark an den Horror der amerikanischen Achtziger orientiert. Er verbindet amerikanischen Stil mit den Maya-Geistern ("Alux"). Diese mythologischen Kreaturen sind traditionell kleine Kobolde, die mit dem Wald oder anderen natürlichen Umgebungen in Verbindung stehen. Ezbans Einstellung zu den Alux ist viel beunruhigender. Es ist klar, dass Ezban auf Humor setzt, aber der Mensch ist verzogen. Ezban schafft es, den Würgereflex der Zuschauer zu testen, und nie war man erleichterter, dass man sich auf die nächste Minute konzentrieren kann.  Der dritte Platz könnte Aaron Sotos "Drena" sein, der sich scheinbar nur um einen Menstruationsknebel dreht, der an inzestuöse Erotik grenzt. Ja, das ist verrückt. Sotos Kurzfilm scheint an keiner erkennbaren Tradition oder Legende zu fehlen und fühlt sich sowohl technisch als auch narrativ aus allen Segmenten am meisten unterentwickelt an.

Konzeptionell ist "México Bárbaro" allgegenwärtig. Ohne klare Regeln, um diese Segmente miteinander zu verknüpfen, leidet er am meisten unter seiner Inkonsistenz. Es sind trotz des guten Unterhaltungsfaktors zu wenige "Highs" und diese sind auch noch zu weit voneinander entfernt. Die "Lows" können trotzdem mit ihrer bizarren Herangehensweise bezaubern. Die wahre Enttäuschung lag bei den Segmenten, die nur einen Einblick in die Geschichte geben; diejenigen, die sich aufgrund ihrer fehlenden Darstellung als unvollendet und schamlos fühlten. Dies ist hart, gewalttätig und weitgehend unvorhersehbar. Als Feier der kulturellen Tradition, der Legenden und der Folklore aus Schrecken kann man dies als Erfolg werten. Noch nie war man neugieriger auf Mexikos Mythologie. So funktionieren alle Geschichten adäquat als Kurzfilme, und manche scheinen eben reif zu sein, um sich zu Filmen mit voller Länge auszudehnen (Edgar Nito, wenn Sie Ihr Segment bitte in ein vollständiges Feature umwandeln könnten, wäre das sehr zu begrüßen). Es gibt viel Blut und Gekröse, einige echte Angst-Momente und viele unerwartete Wendungen, die selbst den erfahrenen Zuschauer erreichen können. Empfehlenswert.

6,5/10

Von RAWSIDE/WICKED VISION erschien der Film im limitierten Mediabook, welches den ungeschnittenen Film auf BD und DVD beinhaltet und dazu mit jeder Menge informativen Bonusmaterial ausgestattet ist.

Samstag, 1. November 2025

Videoteka - Videotheque (2024)

https://www.imdb.com/de/title/tt8112188/

Ein Kleinkrimineller versteckt sich auf der Flucht vor der Polizei in einer verlassenen Videothek und verbringt die Nacht damit, drei bizarre Horrorfilme auf VHS zu schauen. Jede Episode entfaltet dabei eine eigene, schräge Geschichte und zieht den Protagonisten immer tiefer in eine groteske und bedrohliche Parallelwelt, in der Realität und Fiktion zunehmend verschwimmen. Die Rahmenhandlung verbindet die drei episodenhaften Geschichten und verleiht dem Film eine düster-nostalgische Atmosphäre im Retro-Setting der Videothek...

Der serbische Episodenhorror "Videoteka" versucht sich eindeutig als Hommage an die "V/H/S"-Reihe und verbindet eine visuell auffällige Rahmenhandlung mit drei voneinander unabhängigen Episoden. Gleich die erste Episode sticht positiv hervor und erinnert in ihrer rauen Machart an eine wilde, surreale Variante von "The Revenant". Sie besitzt einen dreckigen, körnigen VHS-Look, mit einer fast halluzinatorischen Stimmung und ruppigem, übersteigertem Tonfall, der sich von den anderen Teilen abhebt. Leider bleibt sie trotz dieses Einfalls innerhalb des Konzepts seltsam oberflächlich, bietet wenig erzählerische Tiefe - aber visuell zieht sie den Zuschauer dennoch in ihren Bann. Die zweite Episode schlägt einen klassischeren Horrorton an und bleibt solide, aber sie wirkt wie routinierte Genrekost: Der Spannungsbogen ist konventionell, die Charaktere funktionieren als Archetypen, und statt wirklich zu überraschen, verlässt sich das Segment auf bekannte Muster. Ihr handwerkliches Niveau ist ordentlich, doch Tempo und Dramaturgie gehen kaum Risiko ein - ein durchschnittlicher Beitrag, der Fans des Genres nicht enttäuscht, aber auch kaum begeistern wird. 

Die dritte und letzte Episode wagt erzählerisch am meisten, kreiert eine vielschichtige Geschichte mit zahlreichen Nebenfiguren und einer undurchsichtigen, unheimlichen Hauptfigur, doch das narrative Gewicht und die Länge führen bald zu Verzettelung; die Handlung gerät ins Stocken, verliert die innere Spannung und wirkt am Ende in ihrer Komplexität unnötig aufgebläht und weniger fokussiert als die Vorgänger. Gerade sie hätte von einer strafferen Führung und einem stärkeren Bezug zum Videothek-Konzept profitiert. Als Bindeglied dient die Rahmenhandlung um den Dieb, die mit einer coolen 80s-Neon-Ästhetik punkten kann - das Setting, die Beleuchtung und die stylische Kameraarbeit von Lazar Bogdanović schaffen die ikonischen Bilder eines Retro-Kulturschocks, doch auch hier bleibt das Potenzial der Videothek als mythischer Erinnerungsort nur angedeutet und ungenutzt. Statt das Szenario wirklich zu erforschen, dient es als bloße Kulisse für die Anthologie. Die Darsteller geben sich Mühe, besonders Relja Popović bleibt im Gedächtnis, dennoch überragen die einzelnen Episoden das Ensemble, und der Humor schwankt zwischen gelungenem Genre-Zitat und unfreiwilligem Cringe. Insgesamt besitzt "Videoteka" Charme und einige starke Momente, aber erzählerisch bleibt vieles disparat, die Geschichten wirken weder ganz abgeschlossen noch provozieren sie echte Spannung - ein Film, der als Gesamtkonzept unterhaltsam und visuell stimmig ist, aber in der Ausführung wie ein Sammelsurium unfertiger Ideen erscheint. Die Wertung der Episoden fällt gemischt aus: Die erste ist wild und atmosphärisch, die zweite routiniert und solide, die dritte ambitioniert, aber überfrachtet; die Rahmenhandlung etabliert Atmosphäre, aber bleibt unter ihren Möglichkeiten - ein kritischer, aber nicht uninteressanter Beitrag zum Horror-Anthologie-Genre.

5,5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: amazon Video
Poster/Artwork: amazon Video

Montag, 27. April 2015

The ABCs Of Death 2 (2014)

http://www.imdb.com/title/tt2926810/

Sterben muss jeder. Aber die Art und Weise kann so unterschiedlich sein, wie man es sich nur vorstellen kann. Oder besser gesagt, wie diese 26 Regisseure es sich vorstellen können. In "The ABCs of Death 2" wurden wieder unterschiedlichste Filmemacher ausgewählt, die ihre Horrorvisionen von Tod und Sterben in Kurzfilmen mit dieser Sammlung auf die Leinwand bannen. Für jeden Buchstaben des Alphabets gibt es eine neue Möglichkeit, ins Gras zu beißen. Der Zuschauer muss sich auf Knochenbrüche, Enthauptungen, Kopfschüsse, Beißattacken, Messerstiche, Autounfälle, menschenfressende Hamburger, Kämpfe von Hund gegen Mensch, Verbrennungen, Monster und allerlei weitere absurde, schaurige und brutale Tode einstellen.

Deutlich besser als der sehr fäkallastige Vorgänger. Doch auch hier - und das ist im Grunde klar - kann nicht jede der Episoden ins Schwarze treffen. Eines haben alle gemeinsam: sie sind entweder verstörend oder blutig, aber wie immer haben die Asiaten in Punkto Skurrilität die Nase ganz weit vorn. Mit 26 Episoden, die den Film auf überraschend kurzweilige 2 Stunden bringen ist mit dem zweiten Teil aber immerhin ein wesentlich besserer und auch irgendwie runderer Film gelungen. Die Fortsetzung bietet dem Zuschauer ein paar mehr Highlights. Aber nun zu den einzelnen Episoden:

"A is for Amateuer": ein ziemlich solider Auftakt mit gelungener Pointe.
"B is for Badget": nett und herrlich trashig.
"C is for Capital Punishment": die derbe Splatterszene ist kompromisslos und handgemacht, kurzzeitig kommt sogra Spannung auf.
"D is for Deloused": Stop-Motion mit einem Touch von David Lynch, komisches Ding.
"E is for Equilibrium": einfach ein netter kleiner gag für Zwischendurch.
"F is for Falling": seltsame Episode, die nicht recht weiß wohin.
"G is for Grandad": diese Episode lief als einer der Vorfilme auf den nights 2015 - skurril und immerhin lustig.
"H is for Head Games": aus künstlerischer Sicht ganz gut gemacht, aber ohne wirkliche Story.
"I is for Invincible": eine sehr skurrile Story mit gelungenen Make Up-Effekten.
"J is for Jesus": gehört zu den besseren Geschichten, wie ein kleiner, sehenswerter Kurzfilm.
"K is for Knell": ebenfalls nett, mit viel Atmosphäre und unheimlicher Grundidee.
"L is for Legacy": verstörend schlecht, und somit auch eine der schlechtesten Episoden.
"M is for Masticate": kurzzeitiges Schmunzeln und gut gefilmt, nett.
"N is for Nexus": etwas vorhersehbar, aber nicht übel.
"O is for Ochlocracy": wirklich originelle Grundidee, überraschend und mal etwas anderes.
"P is for P-P-P Scary!": eine kleine Hommage an die S/W-Komödien mit witzigen Einfällen, aber auch reichlich nervtötend.
"Q is for Questionnaire": sehr skurril, aber unterhaltsam.
"R is for Roulette": ein deutscher Kurzfilm, lief ebenfalls als einer der vier Vorfilme auf den nights 2015 und ist dazu noch sehr solide gemacht und bietet ein rätselhaftes Ende.
"S is for Split": solider Thriller mit gutem Splitscreen-Einsatz und überraschendem Ende.
"T is for Torture Porn": der Titel lässt eine ähnliche Story wie "Libido" aus Teil 1 erahnen, aber hier wird es noch abstruser und ekliger.
"U is for Utopi": eine etwas ungewöhnliche Grundidee, die aber am Ende zündet.
"V is for Vacation": einer der Höhepunkte der zweiten Hälfte und die zweitbeste Story des Films. Simpel, aber dreckig und sehr krass inszeniert.
"W is for Wish": liebevoll und originell getrickst, aber inhaltlich etwas mau und unfreiwillig komisch.
"X is for Xylophone": der dritte Film, den man schon von den nights kannte. Harte Story, sehr krankes Ende, ein typischer Bustillo/Maury eben.
"Y is for Youth": der vierte Film der nights mit einer sehr skurrilen und abgedrehten Story.
"Z is for Zygote": und damit ein gekonnter Abschluss des Films, der zwar inhaltlich Reserven hat, aber mit extrem verstörend ekelhaften und herausragenden Make Up-Effekten auftrumpfen kann

Für Horror-Trashfans ist "The ABCs Of Death 2" durchaus eine unterhaltsame Empfehlung, hat ein paar gute Höhepunkte. Das Konzept mit 26 verschiedenen Regisseuren ist eben Segen und Fluch zugleich, denn so fallen die qualitativen Schwankungen eben immer deutlich auf...

5,5/10

In Deutschland erscheint eine stark gekürzte Fassung mit 23 Kurzfilmen unter dem Titel "23 Ways To Die". Es fehlen die Episoden "C is for Capital Punishment" (von Julian Gilbey), "D is for Deloused" (Stop Motion von Robert Morgan) und "T is for Torture Porn" (von Jen and Sylvia Soska). Bei unseren Nachbarn in Österreich ist allerdings ein limitiertes Mediabook von NSM/CAPELIGHT auf den Markt gekommen, welches einmal gut zum Vorgänger passt und zudem alle Episoden, ungeschnitten und unzensiert beinhaltet: