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Mittwoch, 22. Mai 2013

Watchmen (2009)

http://www.imdb.com/title/tt0409459/

Das Jahr 1985 in einer alternativen Realität: Richard Nixon (Robert Wisden) ist zum fünften Mal in Folge Präsident, in Vietnam haben die USA gewonnen. Die durchs nukleare Wettrüsten herbeigeführte Eskalation steht kurz bevor - niemand ist in der Lage, die drohende Apokalypse abzuwenden. Weder der durch einen Strahlenunfall zum gottgleichen Dr. Manhattan (Billy Crudup, Der gute Hirte, Almost Famous) mutierte Physiker Jon Osterman, noch die maskierten Watchmen, die durch einen Staatserlass in den Ruhestand gezwungen wurden. Damit ist es jedoch abrupt vorbei, als ein vermummter Attentäter auftaucht und den Comedian (Jeffrey Dean Morgan) aus dem Fenster eines Wolkenkratzers wirft. Der letzte noch aktive Vigilant, der Soziopath Rorschach (Jackie Earle Haley), sieht darin einen Angriff auf alle noch verbliebenen Watchmen und begibt sich auf die Jagd nach dem Mörder. Mit der Hilfe seiner Ex-Kollegen Dan Dreiberg alias Night Owl II (Patrick Wilson), Laurie Juspeczyk alias Silk Spectre II (Malin Akerman) und Adrian Veidt (Matthew Goode), dem klügsten Mann der Welt, deckt Rorschach eine schreckliche Verschwörung auf...

"Who Watches The Watchmen?" - Heute habe ich "Watchmen" bestimmt zum zehnten oder gar elften Mal geschaut und mich wieder keine Minute gelangweilt, obwohl ich den Streifen mittlerweile fast auswendig mitsprechen kann. Als ich den Film 2009 im Kino sah, war ich so überwältigt und fasziniert, dass ich völlig geflasht nach Hause gefahren bin. Es ist erstaunlich, wie detailgetreu Regisseur Zack Snyder diesen Film inszeniert hat. Bis auf sehr wenige Passagen und Dialoge hält sich der Film sehr dicht an die Buchvorlage von Alan Moore. Durch die grandiose Optik, die klasse schauspielerische Leistung jedes einzelnen Darstellers, allen voran Jackie Earle Haley ("Rorschach"), der Score, die Musik und den düsteren Stil kann man sich sehr gut in die Handlung vertiefen. Dadurch ist die Verfilmung - wenn man den Foren glauben darf - nicht weniger unterhaltsam als das Comic selbst.

Die vielen philosophisch-moralischen Aspekte dieser ziemlich düsteren und politischen Handlung einer alternativ-fiktiven vergangenen Version der USA, sorgen nicht zuletzt dank der hervorragenden Dialoge für den perfekten Filmgenuss. Der Film beginnt schon mit einem Paukenschlag: der Comedian wird getötet und bildet somit eine gelungene Einführung in die düstere Handlung und entfacht schon damit ein spannendes Feuer, das einen nicht mehr loslässt. Vor diesem Mord, ist im Fernsehen eine Talkshow über den vermutlich anstehenden Atomkrieg zwischen Amerika und Russland zu sehen. Wer ist dieser Unbekannte und was ist sein Motiv? Kann der Atomkrieg verhindert werden? Der Anti-Held Rorschach geht dem mysteriösen Tod des Comedians nach und lässt den Zuseher beinahe beiläufig seine finsteren Zitate hören. Ich habe selten Filme gesehen, bei dem so zynische und doch faszinierend Zitate vorkommen wie bei diesem. "Watchmen" wird von da an mit jeder Minute spannender.

Die Charakterzeichnung ist absolut brillant. Snyder räumt den gebrochenen Charakteren sehr viel Zeit zur Vorstellung und Entwicklung ein. Diese untypischen Superhelden sind nicht wie die Helden die wir sonst so kennen, im Gegenteil. Sie handeln brutal und unmoralisch. Ein wichtiger Unterschied zu den meisten anderen Comics ist somit vor allem das gnadenlose Verhalten der Helden, sowie ihre problembelastete Vergangenheit. Jeder von ihnen hat ihre eigenen Probleme, Ziele und Komplexe. Die Protagonisten sind ausgezeichnet beschrieben und haben eine unterschiedliche Auffassung von Moral, womit sich ihre Vorgehensweise auch von Charakter zu Charater unterscheidet, wodurch wiederum eine tolle Abwechslung entsteht. Die Brutalität in diesem Film lässt sich dabei nicht von der Hand weisen: diese ist weit weg von den üblichen Superhelden-Hau-Drauf-Orgien, sondern geht schroff und überaus blutig zur Sache.

Trotz seiner langen Laufzeit von fast 3 Stunden ist "Watchmen" zu keiner Minute langweilig, denn diese Länge ist wichtig, man lernt zu verstehen und deckt nach und nach die Vergangheit der Individuen auf. Erst gegen Ende werden dann all die Fragen geklärt und die Vorgehensweise bestimmter Helden verstanden. Und das ist teils sehr überraschend und unvorhersehbar. Ein Geschenk, welches man sehr selten in einer Comicverfilmung bekommt.

Der Film zählt somit zu meinen absoluten Favourites und doch bleibt ihm die Höchstnote verwehrt. Zu banal wird so manches Mal mit Gewalt umgegangen, zu unlogisch erscheint mancher Schritt. Aber dies sind nur kleine Tropfen auf den heißen Stein. Nicht jeder wird einen Draht zu "Watchmen" aufbauen können, denn dieser Film ist wohl eine sehr einzigartige Comicverfilmung, die man so nicht erwartet hätte. Aber genau das finde ich so exzellent, eine untypische Comic-Handlung mit ausgezeichneter Musik, die jedes Mal gut in die Szene passt und nebenbei ein wenig Kulturgeschichte mit einbezieht. Dies alles ist so prachtvoll, so düsterer verpackt und bietet einen so fantastischen Nóir-Stil, das ich einfach nicht anders konnte, als ihn zu mögen.

9/10

Von NAMELESS Media kommt der Film in HD im auf 500 Stück limitierten Mediabook und beinhaltet neben dem Kinocut und der Ultimate Edition auch das Insert "Tales of the Black Freighter" auf DVD:


Quellen: 
Inhaltsangabe: Paramount
Poster/Artwork: Paramount

Freitag, 17. Januar 2014

Watchmen (Ultimate Cut) (2009)

http://www.imdb.com/title/tt0409459/

Das Jahr 1985 in einer alternativen Realität: Richard Nixon (Robert Wisden) ist zum fünften Mal in Folge Präsident, in Vietnam haben die USA gewonnen. Die durchs nukleare Wettrüsten herbeigeführte Eskalation steht kurz bevor - niemand ist in der Lage, die drohende Apokalypse abzuwenden. Weder der durch einen Strahlenunfall zum gottgleichen Dr. Manhattan (Billy Crudup, Der gute Hirte, Almost Famous) mutierte Physiker Jon Osterman, noch die maskierten Watchmen, die durch einen Staatserlass in den Ruhestand gezwungen wurden. Damit ist es jedoch abrupt vorbei, als ein vermummter Attentäter auftaucht und den Comedian (Jeffrey Dean Morgan) aus dem Fenster eines Wolkenkratzers wirft. Der letzte noch aktive Vigilant, der Soziopath Rorschach (Jackie Earle Haley), sieht darin einen Angriff auf alle noch verbliebenen Watchmen und begibt sich auf die Jagd nach dem Mörder. Mit der Hilfe seiner Ex-Kollegen Dan Dreiberg alias Night Owl II (Patrick Wilson), Laurie Juspeczyk alias Silk Spectre II (Malin Akerman) und Adrian Veidt (Matthew Goode), dem klügsten Mann der Welt, deckt Rorschach eine schreckliche Verschwörung auf...

Der Film, der Science-Fiction, Krimi und Mystery-Thriller zugleich ist, spielt im Jahre 1985 in einem fiktiven Amerika. Maskierte Superhelden sind Teil des alltäglichen Lebens und die "Uhr des jüngsten Tages" - die den Stand der Spannungen zwischen den USA und der Sowjetunion anzeigt - steht auf fünf vor zwölf. Als einer seiner früheren Kameraden ermordet wird, beginnt der heruntergekommene, aber nicht minder entschlossene maskierte Rächer Rorschach zu ermitteln und kommt einem geheimen Plan auf die Spur, demzufolge alle Superhelden verraten und getötet werden sollen. Rorschach verbündet sich daraufhin erneut mit den ehemaligen Mitgliedern der Liga, die schon in früheren Zeiten gemeinsam gegen das Verbrechen gekämpft haben - eine bunt gemischte Truppe ehemaliger Superhelden, von denen allerdings nur einer wahre Superkräfte besitzt - und erahnt allmählich, welch eine Verschwörung hinter dem Mord steckt: Ein Geheimnis, das tief in die Vergangenheit zurckführt und das katastrophale Folgen für die Zukunft haben könnte! Es ist nun ihre Mission, über die Menschheit zu wachen - doch wer wacht über die Wächter?

Die Kinofassung von "Watchmen" habe ich ja nun schon mehrfach gesehen. Da wurde es mal Zeit für eine Erweiterung aus den USA. Der "Director's Cut" macht die Geschichte aber nicht nur um unnötige Szenen länger (beispielsweise etwas längere alternative Szenen), sondern auch um einiges an gut gesetzter Erklärung und etwas brutalerer Action. Die Unterschiede, zwischen dem, was dem deutschen Publikum vorgesetztwurde und der amerikanischen Fasung gibt es wie immer hier: schnittberichte.com. Doch der hier besprochene "Ultimate Cut" integriert zudem noch die (animierte) Geschichte um den "Black Freighter" ("Tales of the Black Freighter") und macht den Film noch einmal um knapp 30 Minuten länger. Damit kommt der "Ultimate Cut" auf eine Laufzeit von beachtlichen 215 Minuten! Interessierte können auch diese interessanten Erweiterungen hier: schnittberichte.com nachlesen. Am Film selber ändert sich kaum etwas, nicht an der Stimmung, der Story, nicht an der Bewertung. Allein Rorschachs Charakter erhält ein wenig mehr Tiefe. Der "Ultimate Cut" macht den Film auch insgesamt runder und kann auf ganzer Länge perfekt unterhalten. Ein grandioser und herrlich misanthroper Film! Eine verdammt gute Comic-Verfilmung, die sicher immer wieder mit Christopher Nolans "Batman"-Filmen verglichen werden wird.



"Why would I save a world I have no longer any sake in?"

Der Horizont geht auch weiter als nur schwarz/weiß. "Watchmen" zeigt, wie viele dieser Charaktere einen Sinneswechsel im Laufe der Story durchleben. Rohrschach erkennt, dass sein einfaches Moralsystem auf Dauer nicht funktioniert und die Welt und die Menschen zu komplex sind, um keine Grauzonen zuzulassen. Der Comedian erfährt die Folgen seiner Taten. Er trägt Verantwortung dafür und erkennt den Wert des Lebens. So wie auch Manhattan, durch die Menschen, die beinahe einem Wunder gleichen, ihn erkennt. Er merkt, dass er nicht alles weiß und verstehen kann, selbst nicht so simpel wirkende Sachen wie die Natur des Menschen. Ozymandias bleibt mehr oder weniger bei seiner Einstellung. Er ist aber keinesfalls ein Bösewicht, er denkt nur weiterhin rational. Und Snyder gibt der Grafic Novel eine visuell & auditiv würdige Umsetzung mit einem Gespür das zeigt, dass er erkennt woran es in der Vorlage ankommt und tollen Ideen kombiniert mit sehr viel und genauem Bezug zur Vorlage, genauso wie man (trotz ein paar Längen) diesen Comic adaptieren sollte. Wahnsinnig gut.

"Miracles. Events withs odds so astronomical they're effektively impossible, like oxygen spontanesously becomming gold. But the world is full of people, so crowded with these miracles that they become comman and we forget... I almost forgot the exitement of not knowing."

 9/10

Von NAMELESS Media kommt der Film in HD im auf 500 Stück limitierten Mediabook und beinhaltet neben dem Kinocut und der Ultimate Edition auch das Insert "Tales of the Black Freighter" auf DVD:


Quellen: 
Inhaltsangabe: Paramount
Poster/Artwork: Paramount

Donnerstag, 12. Januar 2017

The Night Watchmen (2016)

http://www.imdb.com/title/tt4102722/

Es ist Justins (Max Gray Wilbur) erster Abend im neuen Job, und schon wünscht er sich, er hätte die Stelle als Nachtwächter in der "Baltimore Gazette" besser nicht angenommen. Nicht nur, dass seine Kollegen ihn einem menschlichen Kegeltest unterwerfen und ihn stoisch mit dem falschem Namen 'Rajeeve' anreden - es scheint auch so, als hätte der ganze Trupp im Keller des Bürokomplexes einen an der Waffel: Ken (Ken Arnold) lässt den Ex-Marine raushängen, Jiggetts (Kevin Jiggetts) ist süchtig nach Donuts und Luca (Dan DeLuca) soll angeblich mal drei Leute umgebracht haben. Zu allem Überfluss legt das Redaktionsteam eine Nachtschicht ein und ein mysteriöser Sarg landet irrtümlich in der Tiefgarage. Dieser enthält einen Vampir... im Clownskostüm! Erst einmal in Freiheit macht sich das blutdürstige Monster mit seinen quietschenden Schuhen sofort über die Belegschaft her und während die Infektion rasend schnell um sich greift, sehen sich unsere heldenhaften Nachtwächter einer wachsenden Armee aggressiver Kreaturen gegenüber.

Regisseur Mitchell Altieri kennt man ja zusammen mit Phil Flores eher unter dem Pseudonym "The Butcher Brothers" - und die wiederum lieferten einige nicht ganz so schlechte Horrorflicks ab, die in den Grundfesten nun nicht gerade vor Originalität strotzten, aber immerhin unterhielten und als solide Horrorkost bezeichnet werden durften. Altieris aktueller Soloausflug "The Night Watchmen" reiht sich in diese Etikettierung mühelos ein und ist doch ein klein wenig besser als alle bisherigen Ergüsse Altieris. Der Film bedient sich zwar einiger personeller Klischees, wie dem Quoten-Schwarzen, dem in gebrochenem Englisch sprechendem Latino, der angeblich ja ein eiskalter Killer sein soll, der heißen Büromaus, die zusätzlich zum Sexappeal noch kämpft als hätte sie noch nie etwas anderes getan und dem blutjungen Anfänger, der gerade sowieso nichts besseres zu tun hatte. Nein, Originalität hat "The Night Watchmen" nur in Bezug auf seinen herrlichen, zum Schmunzeln anregenden Humor, einiger schöner, splattriger Szenen und seiner gradlinigen Art, von der man sowieso schon weiß, wie und wo sie hinführen wird.

Zugegeben, in Horrorstreifen war auch Rumänien noch nie ein vertrauenswürdiges Land und alles was von dort aus in einem Sarg verschifft wird, sollte man besser in selbigem lassen. Das es hier nun unbedingt ein Clown sein musste, der dem Vampirismus anheim fiel sei mal gerade in Bezug auf letztjährige Ereignisse dahingestellt. Clowns sind seit langem nur noch bedingt gruselig und eigentlich wäre man mit etwas mehr Banalität besser gefahren. Über diesem Umstand kann man aber genausogut großzügig hinwegsehen und sich lieber auf den Kampf Mensch gegen 'Zompire' konzentrieren. Zompire? Ja, es sind keine typischen Vampire. Altieri vermischt Zombies (Blutrünstigkeit, Jagdlust und Aussehen) mit Vampiren (Blutdurst, Fangzähne und Angreifbarkeit) und bildet so eine etwas neuere - und man kann schon sagen durchaus gelungene - Symbiose aus beiden Monstern.


Dankenswerter Weise legt der Film auch gleich los, ohne sich zu lange auf eine öde werdende Einleitung zu versteifen. Neben ein paar witzigen Dialogen und zur Einführung der Personen ausreichenden Szenen geht es so nach nur 20 Minuten bereits zur Sache. Ab diesem Zeitpunkt tritt Mitchell Altieri mächtig aufs Gaspedal und lässt es bis zum Ende nur selten wieder los. Einige gute Gags und Einfälle retten dabei vor dem Gefühl das alles schon einmal gesehen zu haben, auch wenn hier längst nicht alles neu ist. Dass dann irgendwann Drogen in Grasform namens "Hebrew Kush" zum Einsatz kommen um die Kreaturen zu verlangsamen ist dabei noch einer der lahmeren Gags. Die Effekte sind eine Mischung aus (vor allem gegen Ende deutlich sichtbarem) CGI und (wesentlich besserer) Handarbeit und erfüllen ihren blutigen Job. Teilweise erinnern ein paar der Figuren an alte Bekannte aus "From Dusk Till Dawn" und auch sonst gibt es einige gut platzierte Verweise, seien diese nun in Worte gekleidet oder im Hintergrund angedeutet, auf andere Vampirstreifen.

Aber die Schauspieler haben spürbar Spaß an ihrer Arbeit (allen voran Kevin Jiggetts, der sich für keinen klischeebelasteten Spruch zu schade ist) und erhaschen sich so ein paar gute Sympathiepunkte beim Publikum. Mit der totalen Überzeichnung der Szenerie und der offensichtlichen Blöd- und Affektiertheit der Protagonisten kann man als Zuschauer aber insgesamt seinen Spaß haben - wenn man nicht allzu viel erwartet. "The Night Watchmen" ist einfach ein weiterer Komödien-Splatter-Horror, der (dank der guten Kameraarbeit) an einigen Stellen eine gute Atmosphäre aufbaut und so für Spaß und gute Laune sorgen kann. Zusammen mit dem rockigen Soundtrack der Achtziger kann man hier eigentlich kaum etwas falsch machen.

7/10

Der Film wird am 24. Februar 2017 von SPLENDID, die mir den Film freundlicherweise zur Rezension zur Verfügung gestellt haben, auf DVD und Blu-ray veröffentlicht.

Freitag, 25. September 2020

Watchmen (2019)

https://www.imdb.com/title/tt7049682/

Tulsa, Oklahoma. Fast 100 Jahre sind vergangen, seitdem in dem Ort ein rassistisches Pogrom gegen die schwarze Bevölkerung stattgefunden hat. Und wieder sind die Wogen am Überschäumen. Vor drei Jahren hatte eine radikale Bürgermiliz, die "Siebte Kavallerie", in einer großangelegten Aktion Polizisten und deren Familien angegriffen, viele ermordet. Die Polizei reagierte damit, dass die meisten Überlebenden den Dienst quittierten und die neu aufgebaute örtliche Polizei sich durch das Tragen von Masken sowie Geheimhaltung ihrer Identitäten schützt. Einzig der damalige und aktuelle Polizeichef Judd Crawford (Don Johnson) steht erhobenen Hauptes in der Öffentlichkeit. Anders hingegen Detective Angela Abar (Regina King). Nach dem Massaker verließ sie dem Schein nach die Polizei, eröffnete eine Bäckerei. Als die "Siebte Kavallerie" nun erneut mit einer Gewalttat ins Rampenlicht zurückkehrt – und in einem Bekenner-Video in den Masken auftritt, wie sie einst der Vigilant Rohrschach trug – gehört sie zu denjenigen, die hart durchgreift. Und doch immer Angst haben muss, dass sie und ihre Familie ins Fadenkreuz der Rassisten gerät. Bald kommt es zu einer Bluttat, die die FBI-Agentin Laurie Blake (Jean Smart) nach Tulsa bringt. Die war einst als Silk Spectre bekannt...

https://www.imdb.com/title/tt7401958/
1. Es ist Sommer und wir haben bald kein Eis mehr (It's Summer And We're Running Out Of Ice)
Watchmen beginnt mit dem Black Wall Street Massaker in Tulsa. Ein Mädchen wird von ihre Eltern getrennt und muss ein Baby retten. Über neunzig Jahre später jagt Angela Abar das Mitglied der Seventh Kavalry, das Officer Charlie Sutton angeschossen hat. Diese Verfolgungsjagd fordert das Leben einiger Mitglieder der Seventh Kavalry. Judd, der nun eigentlich Sutton im Krankenhaus besuchen möchte, wird entführt und gehängt, während Angela zu seiner Leiche beordert wird und dort einen Mann im Rollstuhl antrifft. Irgendwo bereitet ein alter Lord ein Schauspiel vor... - 8,5/10

https://www.imdb.com/title/tt8862414/
2. Meisterleistungen der Comanchen-Reitkunst (Martial Feats Of Comanche Horsemanship)
O.B., der Vater des Mädchens aus der ersten Folge, findet während seines Einsatzes im ersten Weltkrieg deutsche Propaganda. In der Gegenwart bringt Angela den Mann in ihr Versteck, wo er sich als Will und ihr Großvater zu erkennen gibt. Er warnt sie vor dem dunklen Doppelleben von Judd, an das sie zunächst nicht glauben will. Als sie jedoch ein Ku-Klux-Klan-Kostüm in seinem Schrank findet, ist sie überzeugt. Als sie ihn festnehmen will, um die Gründe für sein Wissen herauszufinden, wird das Auto samt Will von einem magnetischen Hubschrauber entführt. Das Schauspiel des alten Lords führt zur Verbrennung der Schauspieler. Direkt danach werden allerdings neue Klone erschaffen... - 8/10

https://www.imdb.com/title/tt8862418/
3. Sie wurde von Weltraumschrott erschlagen (She Was Killed By Space Junk)
Laurie Blake vom FBI kommt dem Mord an Judd auf die Spur. Bei seiner Beerdigung begegnet sie Angela, wo ein Attentäter versucht, alle Anwesenden umzubringen. Laurie und Angela können die Trauergemeinde retten und geraten daraufhin in ein Gespräch. Angela warnt sie dabei vor Judds zweiter identität. Der Lord unterschreibt währenddessen eine Erklärung mit dem Namen Adrian Veidt... - 9/10

https://www.imdb.com/title/tt9106932/
4. Wenn dir meine Geschichte nicht passt, schreib deine eigene (If You Don't Like My Story, Write Your Own)
Angela erfährt mehr von Wills Herkunft und findet in ihrem Auto eine Pillendose. Nach dieser Pillendose erkundigt Will sich über Lady Tri..eu bei Angela. Trieu, dessen haus von einem Weltraumobjekt besetzt wird, fordert von Will, ehrlich zu Angela zu sein. Er verweist darauf, dass die folgenden Tage sowieso Klarheit bringen sollten. Veidt erprobt währenddessen mithilfe eines Katapults die Grenzen seiner Gefangenschaft. Er schleudert damit weitere Klone so weit wie es geht und züchtet nebenbei neue heran... - 8/10

https://www.imdb.com/title/tt9106956/
5. Ein wenig Angst vor Blitzen (Little Fear Of Lightning)
Wade ist immer noch traumatisiert vom Angriff Adrian Veidts auf ihn. Wade, Laurie und Cynthia sprechen über die Pillen von Angela und finden heraus, dass es sich dabei um Nostalgia handeln muss, das die Erinnerungen von anderen Personen enthält. Joe gibt vor, er und Judd seien nur in der Kavalry gewesen, um sie im Zaum zu halten. Veidts Pläne sorgen außerdem bei Wade für einen großen Schock. Als Laurie versucht, Angela festzunehmen, da sie die Schuld ihres Großvaters gesteht, nimmt Angela die Pillen zu sich. Veidt scheint in Europa eingesperrt zu sein. Er möchte durch zu Buchstaben zusammengelegten Leichern nach Hilfe rufen, wird daraufhin jedoch erneut zurechtgewiesen... - 8/10

https://www.imdb.com/title/tt9111462/
6. Dieses außergewöhnliche Wesen (This Extraordinary Being)
Angela erlebt die Erinnerungen ihres Großvaters. Dieser kämpfte als maskierter Held gegen die Rassisten. In einem Ausbruch von Wut und Rachegelüsten attackiert ein blutrünstiger Will all diejenigen, die an Operation "Cyclops", dem Versuch durch Hypnose für bürgerkriegsähnliche Zustände zu suchen, beteiligt sind. June, seine Frau, nimmt ihren gemeinsamen Sohn mit nach Tulsa, da sie mit Wills unbändiger Wut nicht zurechtkommt. Bevor Angela bei Lady Trieu aufwacht sieht sie noch, dass Will auch Judd hypnotisiert hatte. - 9,5/10

https://www.imdb.com/title/tt9111408/
7. Eine fast schon religiöse Ehrfurcht (An Almost Religious Awe)
Angela ist immer noch dabei, sich vom Nostalgia zu erholen. Trieu möchte Manhattan vor der Kavalry retten. Angela attackiert ihren Mann, den sie Jon nennt und er verfärbt sich blau. Sie kommt dadurch an eine Disk, auf der das Symbol von Manhattan zu sehen ist... - 9/10

https://www.imdb.com/title/tt8865566/
8. Kommt ein Gott in eine Bar... (A God Walks into Abar)
Doctor Manhattan trifft im Jahr 2009 das erste Mal auf Angela Abar. Er lässt seinen Charme spielen und kann sie davon überzeugen, dass er in Zukunft mit ihr zusammen sein wird. Die beiden tauschen Informationen in der Gegenwart aus, die dadurch, dass Doctor Manhatten Zeit nicht linear erlebt, auch schon in der Vergangenheit existieren. Veidt gräbt einen Fluchttunnel, weil er ein Hufeisen als glücksbringendes Zeichen deutet... - 9,5/10

https://www.imdb.com/title/tt9209842/
9. Sieh, wie sie fliegen (See How They Fly)
Adrian Veidt wird von seiner Tochter, Trieu, gerettet. Sie will Manhattans ganze Kraft stehlen. Manhattan teleportiert Veidt und die anderen allerdings nach Kamak. Veidt lässt Tintenfische regnen und tötet damit seine eigene Tochter. Laurie und Wade überführen Veidt und Angela isst eines der vielen Eier, die aufgeräumt werden müssen. Am Ende versucht sie, wie Doctor Manhattan auf Wasser zu laufen... - 9/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Warner Bros.

Dienstag, 27. August 2013

Sucker Punch (Extended Cut) (2011)

http://www.imdb.com/title/tt0978764/

Nach "300" und "Watchmen" wurde dieser Film im Vorfeld mit so viel Spannung erwrtet, wie man es kaum beschrieben kann. Die Trailer versprachen ein visuelles Meisterwerk. Und das ist es auch geworden, aber auch leider dabei geblieben.

Baby Doll (Emily Browning) wird von ihrem sadistischen Stiefvater (Gerard Plunkett) in die Nervenheilanstalt von Brattleboro, Vermont, geschickt, wo sie einer Lobotomie unterzogen werden soll. Um mit der Situation besser umgehen zu können flüchtet die Hauptfigur von "Sucker Punch" in eine fantastische Vorstellungswelt, in der sie fortan ums Überleben kämpfen muss. Ihr zur Seite stehen weitere Insassen der Nervenheilanstalt, mit denen sie sich angefreundet hat. Schon bald plant Baby Doll die Flucht aus dieser alternativen Realität, doch dazu muss sie fünf Objekte stehlen, um der Gefangenschaft eines verrückten Unbekannten zu entgehen. Parallel dazu tickt auch in der realen Welt die Uhr, denn es bleiben Baby Doll nur fünf Tage, bis sie ihr Schicksal ereilen wird. Doch dann beginnen in Sucker Punch die Grenzen zwischen Traum und Realität zu verschwimmen...

Regisseur Zack Snyder hat im Nachhinein für seinen Film "Sucker Punch" viel Kritik einstecken müssen und wenn man ehrlich ist, dann weiß jeder sofort: der Film ist mit Sicherheit kein Meisterwerk. Aber er hat eben einige Elemente , die ihn zu einem hätten werden lassen können. Der Anfang, der durch Hauptdarstellerin Emily Brownings Gesangs-Cover zu "Sweet Dreams" perfekt unterlegt wird, ist so genial und macht Lust auf mehr... leider flacht der Film dann etwas ab und verliert sich später in zwar spektakulären aber doch allzu übertriebenen und damit belanglosen Kampfsequenzen. Der fantastische Soundtrack (unter anderem mit "Yoav", "Blörk" und "Skunk Anansie" passt wie die Faust aufs Auge und gibt mit seinem rockigem Charme genau die Stimmung wieder, die die Bilder visuell vermitteln. Mal laut, mal traurig, mal Actionreich, mal emotional.


Ich habe nach den Kritiken dann gedacht, in der Story wäre weniger Substanz, als dann doch letztendlich enthalten war. Ich erwartete, dass es im Film nur um brachiale Kämpfe geht. Aber nein. Die Hintergrundgeschichte ist durchaus vernünftig und sogar interessant. Erinnert - wie schon gesagt - zwar leicht an "Inception", hat aber nicht dessen kalte, analytische Atmosphäre, sondern seinen eigenen Znyder-typischen comichaften Charme. Es gibt auch keine philosphischen Phrasen über den Sinn der Exentenz oder ähnliches und auch keine übergeordnete Symbolik, aber das braucht der Film auch nicht. Es wird eine gute Stimmung aufgebaut und man ist durchaus geneigt bis zum Ende weiterzugucken. Die Dialoge sind zwar auch nicht der Weisheit letzter Schluß, aber auch nicht völlig bescheuert. Zudem bleiben die Charaktere im Großen und Ganzen recht blass. Besonders bei den Hauptdarstellerinnen hätte ich mir etwas mehr Individualität und charakterische Tiefe gewünscht. Aber die Mädels sind offenbar nur dafür da, um gut auszusehen. Was im Prinzip auch reicht. Sie geben alle auch keine schauspielerische Glanzleistung ab.


Bei "Sucker Punch"scheiden sich eben die Geister. Klar, ist die Traum-im-Traum-Realität - wie schon bei "Inception" leicht verwirrend und es gibt reichlich Logikfehler. Dennoch ist er für mich ein visuelles wie auch akustisches Meisterwerk. In den Szenen wo Baby Doll anfängt zu tanzen und dann in ihre Traumwelten versinkt, waren wirklich beeindruckend und gut gemacht. Außerdem lässt er viel Platz für Spekulationen und Interpretationsmöglichkeiten was mir persönlich ebenso sehr gut gefiel. Aber mir hat der Film auch insgesamt sehr gut gefallen; optisch und aukustisch ist er oft einfach eine Wucht. Er will im Grunde auch nur unterhalten und kein tiefgründiges Meisterwerk oder eine vertrackte Reise zum Sein - und das schafft er locker. Toll.

8/10

Amazon.de-exklusiv gab es ein Steelbook, von dem es zwar mittlerweile eine zweite Auflage gibt, die aber im Gegensatz zur Erstauflage keine Glanzlackierung hat und innen nicht bedruckt ist. Das Steelbook beinhaltet die Kinofassung und die hier besprochene Extended Edition und ist bei amazon.de nur noch über Marketplace zu haben:

Donnerstag, 29. April 2021

LXG - The League Of Extraordinary Gentlemen - Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen (2003)

https://www.imdb.com/title/tt0311429/

In einer alternativen Realität des Jahres 1899 versucht eine geheimnisvolle Organisation, die Welt in einen Krieg zu stürzen. Um diesen Plan zu vereiteln, wird der legendäre Abenteurer Allan Quatermain (Sean Connery) aus seinem Exil in Afrika geholt. Der inzwischen sichtbar gealterte Quatermain wird in eine geheimnisvolle Organisation eingeführt - in die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen, dem wohl exklusivsten Club überhaupt. Ihm gehören so illustre Gestalten an wie Tom Sawyer (Shane West), Kapitän Nemo (Naseeruddin Shah), Dorian Gray (Stuart Townsend) oder Dr. Henry Jekyll (Jason Flemyng). Der Oberschurke, den es Dingfest zu machen gilt, nennt sich „Das Phantom“. Das erste Ziel der Gentlemen ist Venedig, wo sich die Staatsoberhäupter aller führenden Nationen zu einer geheimen Konferenz treffen, um über eine gemeinsame Vorgehensweise gegen die aufkommende Bedrohung zu beraten... 

Basierend auf der gleichnamigen Comicreihe von Alan Moore ("Watchmen") hat "Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen" Anfang der 2000er Jahrevor allem aufgrund seiner katastrophalen Rezensionen für Schlagzeilen gesorgt. Die Verrisse haben sich förmlich überschlagen und obgleich der Film finanziell durchaus erfolgreich war, gilt er noch heute als einer der schlechtesten Filmeder jüngeren Kinogeschichte und als jenes Werk, welches Sean Connery zu Grabe getragen hat. Einen Ruf, den er - zumindest teilweiße - zu Unrecht trägt, denn obwohl der Film sicher alles andere als gelungen ist, so hat er dennoch einige Qualitäten, die zumindest ansatzweise zu überzeugenwissen. Zu verdanken hat er diese zweifelsohne seiner Vorlage, welche erhinsichtlich einer werksgetreuen Adaption zwar mit Füßen tritt, die ihm abernichtsdestotrotz einige zentrale Ideen ermöglicht. Es ist der zumindesthalbwegs ernstzunehmenden Umsetzung dieser Eckpunkte geschuldet, dass sich derFilm gerade noch so mit einer Bruchlandung retten kann.

Mit einer Mischung aus Größenwahn, Wagemut und ehrlicher Anerkennung versammelt "Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen" ein buntes Potpourri an literarischen Größen, angefangen bei Kapitän Nemo über Dorian Grey bis hin zu James Moriarty. Die Einführung der Charaktere ist jedoch genauso schwach wie die schlecht gealterten Actionszenen. Ausgestattet werden die Figuren nämlich mit den rudimentären Charaktermerkmalen ihres jeweiligen Vorbilds und sind bestenfalls Skizzen, so dass auch Nichtkenner niemals überfordert werden. Überraschenderweise führt das zu einererstaunlich homogenen Gruppierung, obwohl die Wurzeln der Figuren freilich schnell hinter sich gelassen werden. Eine wirklich interessante Auseinandersetzung findet genau so wenig statt, wie man sich auf der anderen Seite plumpe Wortspiele und überflüssige Anspielungen erspart. Trotzdem liegt allein in dieser Versammlung literarischer Helden bereits die größte Stärke des Films, denn ein jeder von ihnen ist größer als dieser bestenfalls mittelmäßige Blockbuster und birgt dadurch Facetten und Faszinationen, die ein eigens erdachter Charakter in einem solchen Actionvehikel niemals leisten könnte. Die fehlende Dynamik ist sicherlich dem schlechten Drehbuch geschuldet.

Warum "Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen" nichtsdestotrotz ein ärgerlicher Film ist, liegt auf der Hand und ist sicherlich nicht nur dem vergeudeten Potential geschuldet. Obgleich die 90er mit ihren katastrophalen CGI-Effekten bei Drehstart bereits drei Jahre zurücklagen, machen sich die Ausläufer dessen noch immer schmerzlich bemerkbar.In diesem lautstarken Effektgewitter droht gerade bei längeren und unglaublich repetitiv gestalteten Actionszenen jegliche Orientierung und Anspannung verloren zugehen. Gerade der zu Beginn durchaus funktionale Unterbau einer typischen Weltrettungsmission gerät zusehends ins Schwanken und verschwindet bald komplett. Vielmehr gilt es dann sich motivationslos durch größere Mengen an Feinden zu schlagen ohne so recht zu wissen, was eigentlich passiert.

"Van Helsing" aus dem Folgejahr schlägt zwar in etwa in dieselbe Kerbe und ist auch kein Geniestreich, aber der Film besitzt das gewisse etwas. "Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen" hat aber allein wegen Sean Connery einen besonderen Wert, denn es war der letzte Leinwand Auftritt der Filmlegende.Er selbst hätte sich sicherlich ein anderes Ende seiner Karriere verdient (oder gewünscht) aber immerhin spielt er seine Rolle als Alan Quatermain gewohnt souverän und passend. Und damit sticht er immerhin noch hervor, denn der Rest ist im Grunde nur traurig. Inkompetent inszeniert und vor allem viel zu lustlos erzählt.

6/10

Quellen: 
Inhaltsangabe: Twentieth Century Fox

Montag, 12. August 2013

Kick-Ass (2010)

http://www.imdb.com/title/tt1250777/

Irgendwann 2010 sah ich einen Trailer zu einem Film namens "Kick-Ass". Und der Trailer war... komisch. Ein kleines Mädchen und ein Typ als Superhelden verkleidet...? 'Das geht in die Hose', so dachte ich und ließ den Kinobesuch aus. Dann las ich eine Kritik nach der anderen, die den Film beinahe über alle Maßen in den Himmel lobten und ich kaufte mir "auf gut Glück" die Scheibe - sogar im limitierten Steelbook....

Fast unsichtbar in der Schule und mit einem Haufen Comics im Schrank ist Dave Lizewski (Aaron Taylor-Johnson) ein völlig durchschnittlicher Teenager – zumindest bis er die Entscheidung fällt, ein Superheld zu werden. Er schlüpft in ein grün-gelbes Ganzkörperkostüm, setzt sich eine Maske mit Schlitzen für Augen und Mund auf, schnappt sich zwei Bleirohrkampfknüppel und zieht als ‘Kick-Ass’ in den Kampf gegen das Böse. Das einzige Problem dabei ist allerdings, dass er auf seinen nächtlichen Patrouillen nicht mal ein winziges Fünkchen Superkraft zu bieten hat und sich vor Schurken in Acht nehmen muss, die etwas mehr Power aufweisen. Doch dann gelingt ihm tatsächlich sein erster großer Kampf und so wird er zum MySpace-Helden. Ebenfalls maskiert, aber schon länger mit todbringendem Ernst im Geschäft sind zwei andere selbst ernannte Rächer, auf die Kick-Ass bald trifft: eine unaufhaltsame 11-Jährige, die ihr rasiermesserscharfes Doppelschwert als Hit Girl (Chloë Grace Moretz) schwingt, sowie ihr panzerbrechender Vater (Nicolas Cage), der erbarmungslos als Big Daddy zupackt. Dazu gesellt sich mit Red Mist noch ein weiterer Superheldennachahmer. Diese eigenwillige und durchaus energische Allianz bekommt es aber schnell auch mit mächtigen Feinden zu tun und wird durch die heimtückischen Machenschaften von Gangsterboss Frank D’Amico (Mark Strong) auf eine tödliche Probe gestellt.

Was für ein genialer Film. Es macht wahnsinnig Spaß mit anzusehen, wie Regisseur Matthew Vaughn mit jeder Erwartung des Zuschauers bricht und dem Superheldengenre tatsächlich etwas Neuartiges abgewinnt, indem er seine kleine Coming-Of-Age Stilblüte sehr sauber in die heutige YouTube Generation einarbeitet. Hier sind es im wahrsten Sinne des Wortes Antihelden, die sich durch Dreck und Blut kriechen um sich - erst am Ende - den Heldentitel auch verdient zu haben. Nicht nur die Erzählstruktur, nein, auch die Darsteller, die Choreografie, die Musik, der Humor - hier passt alles wie die Faust aufs Auge - und ist zudem so realistisch wie nur möglich erzählt. Der Humor ist teils so derb und böse, dass es eine wahre Freude ist - und wenn Hit-Girl loslegt, dann frage ich mich so amnches Mal ernsthaft, warum der Film "nur" eine 16er Freigabe erhalten hat, denn einige Szene sind äusserst graphisch und überlassen nichts der Phantasie. Dazu rockt der Soundtrack passend mit The Prodigy, Primal Scream, Ellie Goulding und sogar Ennio Morricone, dessen "Per Qualche Dollaro In Piu" ("Für ein paar Dollar mehr") gerade richtig kommt, als Hit-Girl aufräumt. Überhaupt kann man kaum ein negatives Argument finden, außer vielleicht die Liebesgeschichte. Aber die gehört auch wieder zum Kontext und ist so gesehen auch nicht schlimm... ach. So ist "Kick-Ass" eine Achterbahnfahrt, quasi ein "Watchmen" in niedlich. Genial.

Ich freue mich regelrecht auf "Kick-Ass 2", der in der nächsten Woche bei uns anläuft. Dieses Mal lasse ich den Kinobesuch nicht aus.

9/10

Zum ersten Teil gibt es ein limitiertes Steelbook, das mittlerweile wieder neu aufgelegt und nachproduziert wird. Die Erstauflage erkennt man allerdings am glänzenden Finish.


Quellen: 
Inhaltsangabe: Universal Pictures

Sonntag, 11. August 2024

Rebel Moon Part Two: The Scargiver - Rebel Moon Teil 2: Die Narbenmacherin (Director's Cut) (2024)

https://www.imdb.com/title/tt23137904/

Nach den Ereignissen aus "Rebel Moon Teil 1: Kind des Feuers" treten Kora (Sofia Boutella) und ihre Mitstreiterinnen und Mitstreiter, die sie auf verschiedenen Planeten für ihre Rebellion gegen das tyrannische Imperium gewinnen konnte, auf dem Mond Veldt in einer großen Entscheidungsschlacht gegen ihre übermächtig erscheinenden Feinde an. Der imperiale Admiral Noble (Ed Skrein) erweist sich dabei einmal mehr als fieser Manipulator, während sich die Frauen und Männer auf Koras Seite mit ihrer jeweiligen Vergangenheit auseinandersetzen müssen, wenn sie den Kampf für sich entscheiden wollen...

Wenn man etwas über Zack Snyder sagen kann, dann, dass er noch nie einen Director’s Cut gemacht hat, der nicht gleichzeitig auch die bessere Version des Films war. Filme wie "Watchmen" (3 Stunden und 35 Minuten), "Batman v Superman: Dawn Of Justice" (3 Stunden und 2 Minuten) und "Zack Snyder's Justice League" (4 Stunden und 2 Minuten) sind allesamt Werke, die die Drei-Stunden-Grenze locker überschritten, im offensichtlichen Interesse, die übergroßen Visionen und Ambitionen des Filmemachers zu verwirklichen und zum Leben zu erwecken. Tatsächlich wäre es schwierig, nicht zu behaupten, dass die breitere Palette eines Director’s Cut in jedem einzelnen Fall das Werk wesentlich verbessert; wobei die damit einhergehende Verlängerung der Dauer ein grundlegendes Element der Verbesserung darstellt. In dieser Hinsicht unterscheiden sich die Veröffentlichungen der Director's Cuts von Snyders zweiteiligem Netflix-Originalfilm "Rebel Moon", die zusammen satte 6 Stunden und 17 Minuten lang sind, kaum.

In ihrer anfänglichen "gekürzten" (sprich 4 Stunden und 16 Minuten) Form erzählten "Rebel Moon Teil Eins: Ein Kind des Feuers" und "Rebel Moon Teil Zwei: Die Narbenmacherin" eine aufgezwungene Variation von "Sieben Samurai", was zwar sicherlich eine gewisse Inspiration für die Werbung war und wahrscheinlich sogar die Schnitte strukturierte, aber im Vergleich letztlich keinen Vorteil brachte - immerhin sprechen wir hier von einem klinisch fokussierten 3 Stunden und 30 Minuten langen Meisterwerk - und die schiere Breite von Snyders Wundertüte an Hinweisen und Referenzen unterschätzte: ein Merkmal der beiden Filme, das jedem klar wurde, der mit dem Regisseur oder den im Werk offensichtlichen Kürzungen vertraut war. Während die anfänglichen Teile von "Rebel Moon", ähnlich wie Kurosawas Meisterwerk, ihre Vorgehensweise darin fanden, dass eine ausgestoßene Kriegerin (Sofia Boutella) weitere Krieger (Djimon Hounsou, Doona Bae, Staz Nair und Elise Duffy) um sich scharte, um ein kleines Dorf vor einer weit überlegenen und aggressiven äußeren Macht zu verteidigen, ist dies in den neuen Kapiteln ein gemeinsamer roter Faden, aber schon in den ersten Momenten des Films wird deutlich, dass sie nur ein Strang einer viel umfassenderen, weitläufigeren Betrachtung imperialer Gewalt und der alles verzehrenden Phase sind, in die sie in ihrem Spätstadium eintritt, wenn sie beginnt, die Biomacht nicht nur in ihren Kolonien, sondern auf allen Gebieten, einschließlich ihres eigenen Kerns, zu kannibalisieren.

Um konkreter zu werden: Die versprochenen R-Rated-Verfilmungen, die wir hier haben, beginnen mit einem völlig neuen Szenario, das etwa 20 der zusätzlichen 85 Minuten von "Rebel Moon Teil 1: Kind des Feuers (Director's Cut)" einnimmt. Darin verwüstet das Imperium - der militärische Arm der Mutterwelt, regiert vom Tyrannen Balisarius (Fra Fee), der den König (Cary Elwes) in einem Staatsstreich abgesetzt hat - eine Welt, die die Anführer einer militanten Rebellenbewegung (Ray Fisher und Cleopatra Coleman) beherbergt hat, indem es den Anführern auf brutale Weise die Gehirne ausgießt und die hilflose Bevölkerung mit Phasern verdampft, bevor es den Planeten selbst in Asche verwandelt (denken Sie an den Todesstern, aber ohne die Gnade eines einzigen Schusses, der die Arbeit erledigt), und das alles auf Befehl seines skrupellosen Admirals (Ed Skrein). Diese Ergänzung fügt hilfreich die genauen Einsätze und psychologischen Qualen der Helden ein, die der Film schließlich zusammenstellen wird, und bereitet gleichzeitig die Bühne für die sorgfältiger erforschte Mythologie hinter den früheren wohlwollenden (tatsächlich magischen) Monarchen dieser Welt und die Abweichung, die ihr Regierungsapparat durch diese Usurpatoren erfahren hat. In diesem Sinne werden die verbleibenden Ränder der breiteren unzensierten Ränder der neuen Kapitel weiter ausgefüllt mit einem größeren Interesse an Sex, Fluchen, einem durch und durch blutigeren Kampfgefühl und einer freien Formgebung von Snyders Bereitschaft, seine Lieblingsinteressen mit Zeit zu referenzieren, die er in Nebenhandlungen mit Robotern und orkähnlichen Bestien verbringt, um einen riesigen Graphic Novel-Wandteppich von lächerlichen Ausmaßen zusammenzufügen.

Es wäre lohnenswert, dies nun einer Analyse zu unterziehen: Funktioniert diese erweiterte Form von Snyders Leidenschaftsprojekt oder hilft sie, die ursprünglichen Teile zu verbessern, die insgesamt von den Kritikern durchweg negativ und vom Publikum mit grundsätzlicher Ambivalenz aufgenommen wurden? Etwas. Was früher gut gelungen ist, wird nur verbessert, da mehr Zeit darauf verwendet wird, die Action zu stärken und ungezügelt zu lassen, die Snyder schon immer hervorragend beherrschte; während der größere Umfang dieser Leinwand es dem Regisseur ermöglicht, seine ursprünglicheren archetypischen Interessen mit Nachdruck zu erkunden. Was die Director’s Cuts beispielsweise deutlich machen, ist, dass dies zwar sehr wohl eine Anspielung auf Kurosawas "Sieben Samurai" und Lucas' "Star Wars" als Ganzes sein kann. Wir befinden uns in einer Filmwelt, in der es keine Zeit für Subtilität gibt, und Snyder verzichtet größtenteils darauf, was bedeutet, dass es weiterhin Schwächen in der Erklärung gibt, wenn die Krieger in einer Reihe versammelt sind oder ihre Hintergrundgeschichten auf die gleiche Weise erzählen; dennoch kann Snyder so auch zeigen, was er erzählen möchte, und das Gladiatoren- oder Fantastische ebenso erforschen wie den einsamen Schwertkämpfer oder den Aristokraten.


Insofern der Zuschauer also das Gefühl haben soll, dass dies ein Universum ist, in dem das Imperium alles bei lebendigem Leibe auffrisst, sollte es nicht überraschen, dass dies buchstäblich der Fall ist; Snyder gehört einer Schule der Mythenbildung an, in der der Körper ein Konzept ist und Konzepte verkörpert werden müssen: Die Kriegsmaschinen werden mit Leichen gefüttert und diese Maschinen weinen, während die Situation einer Bauerngemeinschaft, die die Ernte oder Kampfbereitschaft mit ritualisiertem freiem Sex feiert, für eine Figur zu einer Möglichkeit wird, ihre Gefühle in Bezug auf ihren Platz in dieser Gemeinschaft im Hinblick auf die Kontrolle auszudrücken, die sie beim Geschlechtsverkehr behält oder aufgibt. Es versteht sich von selbst, dass dieser Ansatz nicht jedermanns Sache ist. Snyder stellt seinen Ansatz eindeutig in die Tradition der Stummfilmepen, während er sich daneben kreuz und quer von allem bedient, was er will - nichts ist ausgeschlossen, wenn es eine Idee und das Gefühl dahinter zum Leben erweckt.

Die Reaktionen auf diesen Ansatz sind normalerweise gemischt, und in diesen neuen Kapiteln wird sich daran wahrscheinlich nicht viel ändern, selbst in Bezug auf die aufgemotzte, hypergewalttätige Action, die manche letztlich eher betäubend finden werden. Snyders Arbeit als sein eigener Kameramann war ebenfalls ein Bereich der Bestürzung, aber hier werden die Bilder insgesamt mit einem Sinn für Ausgewogenheit und Schärfe behandelt. Im eigentlichen Sinne ist die Verwendung ansonsten unauffälliger neuer Musik vielleicht die deutlichste Schwäche; aber selbst dies wird manchmal durch ziemlich mitreißende Verwendungen von diegetischem Sound und Snyders neu entdecktes Interesse an der Einbeziehung von Liedern als Teil seiner Bemühungen, das Ursprüngliche in der Charakterisierung von Einzelpersonen oder Gemeinschaften hervorzurufen, ausgeglichen.

Trotzdem ist es vielleicht am besten, sich auf die großen Konturen dieses Projekts zu konzentrieren, um zu versuchen, eine Zusammenfassung oder Schlussfolgerung zu erreichen. Im Wesentlichen könnte man "Rebel Moon" am besten als eine vollständig realisierte Graphic Novel bezeichnen, ähnlich wie "Zack Snyder's Justice League" sein Versuch war, einen Film aus Comic-Panels zu machen. Als Übung in ästhetischer Bombast gibt es nur wenige zeitgenössische Filmemacher, die bereit sind, alle möglichen Mittel zu finden, um alles auszuloten, was in einem Werk von Blockbuster-Ausmaßen möglich ist. Ganz zu schweigen von den grundlegenden antiimperialistischen Gefühlen eines Werks, in dem Guerilla-Widerstand als uneingeschränkt gut angesehen wird, koloniale Kriegsmaschinen das Gefüge von Raum und Zeit mit den Knochen der Besiegten zerreißen und die Tränen der Kinder und die bloße Idee jeglicher Art von falscher Ausgewogenheit einfach dem gesunden Menschenverstand zuwiderlaufen. All dies mag sehr wohl kitschig sein, es mag sogar etwas simpel manichäisch sein, und doch hat Snyder hier eine großartige Vision des Kampfes zusammengetragen, die in einem Verständnis der Art und Weise verwurzelt ist, wie ungezügelte, schwindende Macht alles kannibalisiert, was sie sieht. Dieses Gefühl moralischer Klarheit verstärkt nur die Stärke der visionären Exzentrizität und der kolossalen Vorstellungskraft, die Snyder in seine groß angelegten Projekte einfließen lässt. Wird jeder sechs oder mehr Stunden davon brauchen? Sicherlich nicht. Aber man kann nur hoffen, dass einer unserer interessantesten zeitgenössischen Filmemacher weiterhin so unheilbar eigenwillig sein kann.

6/10

Quellen: 
Inhaltsangabe: Netflix
Poster/Artwork: Netflix

Freitag, 25. Oktober 2013

Man Of Steel (2013)

http://www.imdb.com/title/tt0770828/

Schon früh entdeckt Clark Kent, dass er über außergewöhnliche Kräfte verfügt, die ihn von allen anderen Menschen unterscheiden. Sein Vater erzählt ihm daraufhin, dass er vor vielen Jahren von Krypton auf die Erde gesandt wurde. Als junger Mann macht sich Clark schließlich auf die Reise nach seinem Ursprung und nach der Antwort auf die Frage: Wieso wurde ich auf die Erde gesandt? Wie lautet mein Auftrag? Um die Welt vor der kompletten Zerstörung zu retten und um als Symbol der Hoffnung für die Menschheit zu gelten, muss sich Clark als wahrer Held offenbaren. Als Gegner des Superhelden treten in Man of Steel zwei Überlebende vom Planeten Krypton auf: der verschlagene General Zod und seine bösartige Partnerin Faora.

Regisseur Zack Snyder mag ich. Spätestens seit "Watchmen" und"300". Der Mann hat es einfach drauf Bilder zu produzieren, die irgendetwas Episches inne haben und die einen immer wieder wie gebannt vor dem Bildschirm fesseln können. Als ich hörte, dass mit "Man Of Steel" ein Superman-Reboot von ihm kommt, war ich sofort Feuer und Flamme - undhabe den Film doch im Kino verpasst. Seis drum, denn nun habe ich die Limitierte Edition des Films im passenden Steelbook zu Hause und konnte nicht anders als gleich den Player anzuwerfen.

Die Story beginnt auf Krypton und mit Kal'Els Geburt, während sich der Planet selbst schon am Rande der Zerstörung befindet. Und damit hat man auch gleich alle beisammen: die liebenden Eltern (Russell Crowe spielt einen phantastischen Vater Jor'El), den Gegenspieler General Zod (ebenfalls klasse: Michael Shannon) und natürlich ein Baby-Kal'El, noch nackt, wie er eben zur Welt kam. Und dort schon entwickelt sich die Kontroverse, die gleich mit voller Wucht und bildgewaltig über dem Zuschauer (mit der Zerstörung Kryptons) zusammenkracht - man merkt sofort: da war nicht nur Snyder am Werk, auch Christopher Nolan ("The Dark Knight" Trilogie) hatte hier gewaltigen Einfluss. Es ist nicht mehr ganz so maßlos übertrieben, sondern im Rahmen einer Superheldenverfilmung, ruhig erzählt, episch, untermalt mit der stimmigen Musik von Hans Zimmer. Aber dann wird der Film hektisch, schneidet hin und her und ganz plötzlich ist dann, nach ein wenig mehr Vorgeschichte und Flashbacks plötzlich Superman da. Tja, das ging mir zu schnell. Also ich suche  nicht mein Leben lang nach meinen Eltern und ziehe dann, sobald ich sie finde, einen Neoprenanzug mit rotem Cape über und mache mich daran die Welt zu retten - nur weil ich zwei Minuten mit dem Abbild meines Vaters parliere. Auch Kevin Costners Rolle als Clarks Stiefvater ist mir ein wenig zu kurz geraten und erinnerte mich in Teilen an die "Spider-Man"-Trilogie von Sam Raimi. Denn die Stiefväter agieren so unauffällig auffällig gleich, um ihren Adoptivsöhnen den richtigen Pfad zu weisen, dass es fast schon schmerzt.

Naja und dann, wenn die Welt am Abgrund ist, kommt natürlich Superman, der seinen Namen passenderweise von Lois Lane (Amy Adams, die ich im FIlm gar nicht mochte, ja, die mir sogar in ihrer Rolle unsympatisch war) bekommt, und rettet sie, indem er halb Metropolis dem Erdboden gleich macht. Das fetzt schon irgendwie, aber sollte Superman nicht eigentlich Menschen beschützen, anstatt sie mit Häusern und Tanklastwagen zu bewerfen? Gut, er hat auf General Zod gezielt, aber das Ergebnis spricht gegen ihn. Auch finde ich es immer wieder fremdschämartig lächerlich, wenn sich auf der Straße zwei Superwesen Autos um die Ohren schlagen und durch Häuser katapultieren, und die ängstlichen Anwohner laufen in ihre Häuser und versperren symbolisch die Holztür(!) - *facepalm*

Nette, kleine Gags im Hintergrund lassen einen lächeln (Superman wird von Zog gegen ein Baugerüst geworfen und im Hintergrund sieht man nur kurz "160 Day since the last accident" - und die "1" und die "6" fallen herunter). Sowas ist nett und zum Glück nicht in übertriebenem Maße eingebaut. Es lockert auf. Und dann - nach knapp zweineinhalb Stunden ist der Film rum und war eigentlich viel zu kurz. Viel mehr Geschichte um den jungen Clark Kent hätte ich mir gewünscht, dafür ein bissel weniger Endkampf - der nimmt nämlich fast die ganze letzte Stunde ein. Und dann fängt Clark natürlich auch noch seinen Job beim "Daily Planet" an - und man mag es kaum für möglich halten - kein Mensch erkennt den Helden - nur weil er eine Brille trägt. Aber das war schon früher so und hat mich schon damals gestört und es stört mich auch heute noch.

Das 3D ist wie so oft überflüssig, denn es spricht weder für noch gegen den Filmgenuß. Es verleiht dem Film eine schön, gleichmäßige Tiefe und verzichtet fast völlig auf Pop-Outs. Einzig bei den schnellen Kampfszenen strengt es etwas an und man irgendwie das Gefühl irgendetwas verpasst zu haben. Dennoch trübt das nicht den Gesamteindruck des Films. Es ist ein gutes Re-Re-Reboot. Es passt in die heutige Zeit und weiß mit bombastischen Szenen grandios zu unterhalten. Da darf man gespannt sein, ob einer zweiter Teil kommt. Ich vermute mal ja, denn auch der Teil hier hat extremes Wiedersehenspotential. Nicht unbedingt in 3D, aber cool war er schon.

7,5/10

Passend zum Titel gibt es ein schickes Steelbook, auf dem der Film auch in 3D enthalten ist:

Quellen: 
Inhaltsangabe: Warner Bros.
Poster/Artwork: Warner Bros.

Samstag, 16. Januar 2016

The Incredible Hulk - Der unglaubliche Hulk (2008)

http://www.imdb.com/title/tt0800080/

Wenn Menschen wütend sind, reagieren sie unterschiedlich. Der eine schreit rum, der nächste lässt seine Aggression an Gegenständen aus. Bruce Banner (Edward Norton) hingegen verwandelt sich in das grüne Monster Hulk, sobald sein Puls die Marke von 200 Schlägen pro Minute übersteigt. Weil General "Thunderbolt" Ross (William Hurt) Hulks Kräfte für militärische Zwecke ausschlachten wollte, floh Banner nach Brasilien. Dort arbeitet er seitdem an Entspannungstechniken und schuftet in einer Limonaden-Fabrik. Durch einen unglücklichen Zufall stößt das US-Militär jedoch auf die Spur des Flüchtigen. Banner muss erneut abhauen und schleicht sich zurück in die USA, wo er mit der Unterstützung von Ross' Tochter Betty (Liv Tyler) nach einer Kur für seinen Zustand forschen will. Dabei wird er erneut von Ross gestört, der die versammelte US-Kriegsmaschinerie auf den grünen Muskelprotz hetzt. Als auch dies nicht hilft, Hulk zu stoppen, setzt sich der kampfbesessene Marine Emil Blonsky (Tim Roth) freiwillig ähnlichen Experimenten wie einst Banner aus, um dem Hulk als würdiger Gegner gegenüberzutreten...

Nach dem genialen "Hulk" von Ang Lee bedurfte es 5 Jahre später einer Fortsetzung, die die Figur des Hulk so langsam aber sicher als weiterführende Origin-Geschichte in das Marvel Cinematic Universe integrieren sollte. "The Incredible Hulk" gilt derweil aber bei vielen Fans als einer der schlechteren Filme der Marvel-Studios, womit ihm allerdings in jeder Hinsicht Unrecht getan wird. Denn Louis Leterrier erreicht eine weitere Stufe auf der Karriereleiter als Regisseur, da er es doch tatsächlich schafft, in einen scheinbar lupenreinen Zerstörungsfilm einige sinnvolle und sehenswerte Actionszenen einzubauen, die etwas kreativer sind als simples "Hulk Smash!". Zu verdanken ist das hauptsächlich dem Einsatz von Tim Roth als Elitesoldat Emil Blonsky: Dieser stellt durch geniale Taktiken trotz anfänglicher physischer Unterlegenheit einen würdigen Gegner für den Hulk dar, dessen Szenen jedoch durch die mit rein menschlichen Kontrahenten, wie die Verfolgungsjagd durch die Slums, in den Schatten gestellt werden. Blonsky selbst ist dabei ein typischer Unsympath, dessen Rolle als Schurke sich natürlich sofort herauskristallisiert, denn obwohl solche einseitig bösen und daher wenig vielschichtigen Antagonisten oft langweilig und eintönig sind, dienen sie hier keineswegs lediglich als Mittel zum Zweck, um die Handlung ins Laufen zu bringen und einen zu besiegenden Bösewicht einzuführen.


Dabei wird auch die Einstellung des Helden beleuchtet, der als Privatperson Bruce Banner die Friedfertigkeit in Person ist, was es aber nicht leichter macht, sich als Hulk zurückzuhalten; einzig und allein die Liebe in Form von Liv Tyler als Betty Ross hat in dem Fall noch Einfluss. Die, die alles durcheinanderbringen, sind die Militärs mit ihrer aggressiven Natur, die ja auch in der Realität Konflikte schaffen, wo eigentlich keine sind. In dieser Rolle leistet hier William Hurt als General Ross gute Arbeit (kann aber Sam Elliot aus dem Vorgänger nicht das Wasser reichen) und als neutraler Charakter zwischen den Fronten, der am Anfang die Helden unterstützt, mit der Zeit aber immer mehr seine eigene Philosophie entwickelt, ist Tim Blake Nelson als Samuel Sterns hervorzuheben. An die Wand gespielt werden die aber trotzdem alle von Edward Norton, der in fast jeder seiner Rollen brillant rüberkommt. Mark Ruffalo ist zwar ein toller Schauspieler und ein richtig guter Bruce Banner bei den "Avengers", aber Edward Norton passt einfach zu gut in diesen Film wenngleich das zu grobe Design des Hulks ist hier etwas weniger ansprechender ist als im Vorgänger und in den späteren "Avengers"-Filmen. Schön ist dennoch, wie der frühere Hulk-Darsteller Lou Ferrigno als Cameo eingebaut wird, Stan Lee sowieso und zusätzlich zum Auftritt von Robert Downey Jr. am Ende, welches auf sehenswerte Weise zu den "Avengers" überleitet. Eine weitere Stärke des Films liegt in seiner Atmosphäre, die sich trotz ein paar eingestreuter Gags ziemlich düster und ernst hält. Zudem wird im Gegensatz zu späteren Marvel-Filmen auch nicht davor zurückgeschreckt Blut zu zeigen, obwohl auf Schönheit von Landschaften und bildgewaltige Szenen wie im Dschungel oder bei den Slums zurückgegriffen wird, die die beeindruckende Ästhetik des Films genauso unterstützen wie der Soundtrack. An Meisterwerke wie die "Dark Knight"-Trilogie, die "Watchmen" oder "V wie Vendetta" kommt "Der unglaubliche Hulk" zwar auf keinen Fall heran, aber unter den früheren Marvel-Filmen hat er ganz klar die grüne Nase vorn.

7/10

Von UNIVERSAL PICTURES gab es in Großbritannien exklusiv bei zavvi.com die "UNIVERSAL HULK COLLECTION" in 4K Ultra-HD, welche "Hulk" und "The Incredible Hulk" enthält.


Quellen:
Inhaltsangabe: Marvel / Disney