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Donnerstag, 10. September 2020

The Abyss - Abyss: Abgrund des Todes (Extended Version) (1989)

https://www.imdb.com/title/tt0096754/

Nach einem Zusammenstoß mit einem unbekannten Objekt sinkt das amerikanische Atom-U-Boot USS Montana auf den Meeresgrund. Die Armee schickt ein Team vier speziell ausgebildeter Navy Seals auf eine Rettungsmission. Die Zeit drängt, da sich feindliche U-Boote auf dem Weg zur Unglücksstelle befinden und ein Hurrikan aufzieht. Unter Führung von Lieutenant Hiram Coffey (Michael Biehn) begibt sich das Team zusammen mit der Ingenieurin Lindsey Brigman (Mary Elizabeth Mastrantonio) auf eine unterseeische Bohrplattform, die für die Mission als Basis dienen soll. Dabei kommt es jedoch nicht nur zu Konflikten mit Brigmans geschiedenem Mann (Ed Harris), der die Plattform betreibt, auch die Navy Seals haben Schwierigkeiten mit der Drucksituation umzugehen. Hinzu kommt das Mysterium des unbekannten Objektes, das wieder auftaucht...

James Cameron weiß wie es ist, wenn das Meer langsam sein strahlendes Blau verliert und das bedrohliche Tiefschwarz der Meeresgräben das schummerige Scheinwerferlicht vollends verschlingt. Seine Begeisterung für die Ozeanografie ist weitreichend bekannt, er selbst darf sich sogar zu den wenigen Menschen zählen, die in das westpazifische Challengertief im Marianengraben hinuntergetaucht sind - dem tiefsten Punkt der Weltmeere, dem letzten unerschlossenen Territorium unseres Planeten. Und selbstverständlich versteht auch James Cameron das Meer in all seiner einschüchternden Anmut als transzendente Erfahrung. Der Nachweis dafür lässt sich in seinem Film "The Abyss" erkennen, der durchweg deutlich macht, welch inbrünstige Kräfte die maritimen Weiten mit sich bringen, da ist der Druck auf den Ohren des Zuschauers über die 170-minütige Laufzeit der "Extended Version" eine Garantie.

Es war der letzte der groß angelegten Abenteuerfilme des Sommers 1989. James Cameron, der mit "Aliens" und "Terminator" bereits Kassenschlager in die Kinos brachte, zeigte nun sein nächstes Mammutprojekt, 'The Abyss''. Ein gigantisches Unterwasserabenteuer über Beziehungen, Tod, Atomkrieg und außerirdische Lebensformen. Und trotz des bis heute anhaltendes Hypes um diesen Film ist er letztlich mit wenigen Worten beschrieben: "E.T." unter Wasser. Und die wohl beste Art und Weise, diesen überwältigenden Abenteuer-Actionfilm zu genießen, ist es, sich ihm mit dem Hintergrundwissen, dass er spektakulär albern ist, zu ergeben - etwas, das der Autor und Regisseur James Cameron bis heute nicht zugibt. Glücklicherweise gleicht Cameron seine anspruchsvollen Themen mit leuchtenden Unterwasseraufnahmen, außergewöhnlichen Spezialeffekten und unzähligen Beinahe-Katastrophen aus. Aber ''The Abyss'' beweist auch, dass viele intensive, gleichzeitig ablaufende Plots manchmal weniger effektiv sind als ein scharf fokussiertes Ziel. Die Prämisse von 'The Abyss'' ist dabei etwas verworren und der Zuschauer braucht eine kleine Weile, um sich zurecht zu finden. Vielleicht macht das den Film aber auch so interessant. Ein hoch gepokertes Kalkül, welches allerdings ohne weitere Fragen aufgeht.

Der wirkliche Hauptdarsteller ist das Set-Desing. Die Optik ist bahnbrechend. Während die Figuren in das Wrack eintauchen oder in ihren kleinen Mini-U-Booten (wie Kisten auf Pontons, mit Sondierungsscheinwerfern) durch den dunklen Ozean fahren, scheint der gesamte Film von einem unheimlichen blauen Leuchten und einer Aura des Geheimnisvollen durchdrungen. "The Abyss" vermittelt glaubwürdig die beklemmende Enge, Dunkelheit und Kälte der Tiefsee. Ein Großteil der Handlung wurde in einem Tank gedreht, der Millionen von Gallonen Wasser enthält, und Cameron vermittelt dem Zuschauer schnell das Gefühl, zusammen mit der Crew in einem unheilvollen, mächtigen und gleichwohl unergründlichen Meer zu schweben. Aber die Unterwasserfotografie wird nur eine weitere Kulisse, wenn irgendwann fremde Meeresbewohner in verschiedenen Formen auftauchen. Manchmal ist diese intelligente Lebensform ein glühender Ball aus violettem Licht, ein anderes Mal hat sie das aus "E.T." und "Unheimliche Begegnung der dritten Art" bekannte längliche Gesicht und erscheint von orchestraler Musik untermalt in der Szenerie. In seiner originellsten Form tritt es als eine riesige Schlange aus dem Meerwasser in die Station "Deepcore" ein und verwandelt sich in eine transparente Maske aus Lindseys Gesicht und dann in das von Bud. Und trotz aller weiteren spektakulären Unterwassereffekte ist diese computergenerierte Wasserschlange der verblüffendste (und zu dem Zeitpunkt sicher innovativste) Effekt. Er wurde die Blaupause des T-1000 in "Terminator 2".

Handwerklich ein Meisterwerk seiner Zeit, aber in der zweiten Hälfte wird mir die Story zu langgezogen und kitschig. Der Überlebenskampf ist plötzlich vergessen, stattdessen sind wieder alle Ressourcen frei um waghalsige Stunts aller Art auszuführen und noch mehr kaputt zu machen. Die Story ist vor allem am Ende eher banal, aber Action, Darsteller und Musik stimmen, womit "The Abyss" prächtig zu unterhalten weiß. Aufgesetzt ist hingegen die etwas gar träumerische Alien-Romantik mit ihrer infantilen Aussage. James Cameron allerdings offenbart nämlich in seinem harmonieheischenden Habitus eine überraschend rührselige Nähe zum Kino des Steven Spielberg und lässt es sich sogar nicht nehmen, zur plakativen Vermittlung pazifistischer Werten überzugehen, während "The Abyss" im Kern eine Liebesgeschichte erzählt: Und die Unter-Wasser-Tour-de-Force ist natürlich ein komfortabler Austragungsort, um die zwischenmenschlichen Wogen der krisengeschüttelten Partnerschaft nach und nach zu glätten. Es sind indes seine formalen Attribute, die wirklich einnehmen, die klaustrophobische Stimmung, die exquisit konzipierten Spannungsmomente, in denen durchweg alles auf dem Spiel steht, und der überirdische Überbau, der "The Abyss" einen flirrend-mystischen Anstrich verleiht. Angesichts dieser Bilder ist man beinahe schon gewillt, darüber hinwegzusehen, dass James Cameron der Emanzipation der Frau doch nicht ganz über den Weg traut und sie lieber dem heldenhaften Schatten eines Ed Harris unterwirft.

Aber über die alberne Überfrachtung des Films zu lachen, bedeutet, gegen Mr. Camerons humorlosen Versuch, Wunder und Angst zu erzeugen, anzukämpfen. Und das sollte man nicht tun. Wenn er seine Prämisse fallen lässt, treibt Cameron die Figuren gekonnt an den Rand des Todes. Aber er verliert sich an Überlängen und einem etwas zu kitschig-plastischen Ende. Cameron ist kein großer Geschichtenerzähler, bietet dafür aber jedem Zuschauer optisch brachiale Unterhaltung, mit Satire und geradlinig-gnadenlosem Thrill. Hier findet er meiner Meinung nach nicht die richtige Mischung und versinkt ein wenig selbst im Abgrund seiner Fantasien. "The Abyss" ist Camerons wohl größter Film, aber nicht sein bester. Selbst wenn die "Extended Version" die "rundere" Fassung ist.

8/10

Quellen: 
Inhaltsangabe: Twentieth Century Fox

Donnerstag, 3. September 2020

The Rift - Endless Descent - Sirene 1 (1990)

https://www.imdb.com/title/tt0099701/

Das Forschungs-U-Boot "Sirene 1" ist in den Tiefen des Atlantiks, nahe dem gefürchteten "Dannekin-Graben", spurlos verschwunden. Die Besatzung der "Sirene 2" enthält den Auftrag, das Unglücksgebiet zu untersuchen. Doch was der eigensinnige Architekt Vick (Jack Scalia), der herrschsüchtige Captain Phillips (R. Lee Ermey) und die aufregend schöne Biologin Nina (Deborah Adair) im Graben vorfinden, lässt ihnen das Blut in den Adern gefrieren: Durch genetische Experimente der "Sirene 1" wurde in den Tiefen des Meeres ein Monster freigesetzt, das neben sich kein anderes Leben duldet...

Mit "The Abyss" läutetet James Cameron 1989 eine neue Ära des Unterwasser-Horrors ein und viele  Produktionen versuchten, im Fahrtwasser dieses genialen Films, auf das fahrenden U-Boot aufzuspringen und von dem Hype zu profitieren. "Leviathan", "Deep Star Six" und eben auch "The Rift". 1990 lag der Hype gerade noch in den letzten Zügen, als Trash- und Ekelexperte Juan Piquer Simon daran machte, diesen Unterwasser Schocker nachzuschieben. Simon schaffte es sogar einen, für seine Verhältnisse, sensationellen Cast zusammenzutrommeln - mit R. Lee Ermey und Ray Wise in den Hauptrollen. Die Handlung ist nicht einmal als rudimentär zu bezeichnen, ziemlich hanebüchener und schnell zusammengeschriebener Quatsch und sie ist es auch nicht, was diesen Film erwähnenswert macht.

Eigentlich ist es es eher die pure Unverfrohrenheit mit der Juan Piquer Simon sein mit beschränkten finanziellen Mitteln beseeltes Projekt vorantreibt und dabei anscheinend völlig vergisst, dass "The Abyss", "Leviathan" und "Deep Star Six" allesamt älter sind, dem Zuschauer aber eine Tricktechnik vorsetzt, die aus dem Jahr 1975 stammen könnte. Die Brücke des U-Boots sieht aus wie aus alten "Raumschiff Enterprise"-Episoden und es ist äusserst witzig, dass Computer hier einfach aus Tafeln mit vielen bunten Glühlampen bestehen, die fröhlich vor sich hin blinken. Die Crew ist durch die Bank weg stereotyp, aber ausreichend sympathisch, damit sich der Zuschauer um ihr Schicksal sorgt. Die Handlung ist dumm und vorhersehbar, bietet aber auch manch spannenden Moment. Simon holpert dennoch merklich unbeholfen durch die Dramaturgie, liefert aber letztendlich trotzdem einen höchst unterhaltsamen Film ab, denn das Leben unter Wasser zaubert kreative Gummi-Monster hervor, die in ihren verschiedenen Formen und Größen hübsch mutieren. Unterwasseraufnahmen und U-Boot-Tricks erinnern an unbeholfene Modellversuche und die einzig wirklich überzeugenden Effekte sind die Splattertricks und der Gore. Mit knapp 79 Minuten Laufzeit ist der Film auch gerade kurz genug, um kaum bis keine Langeweile aufkommen zu lassen und beim Zsuchauer genügend Interesse aufrechtzuerhalten.

"The Rift" ist einer dieser billigen Sci-Fi/Horror-Filmen, die einen immer zum Lächeln bringen, auch wenn das sicherlich von den Machern so nicht beabsichtigt war. "The Rift" - ein kurzweiliger, teilweise an die "Alien"-Rip-Off-Produktionen Roger Cormans erinnernder Unterwasser-Horror, der trotz des im Vergleich zu ähnlichen Produktionen der Zeit geradezu lächerlichen Budgets nicht mit Kreaturen- und auch Splattereffekten geizt und besonders in der zweite Hälfte auch ein sehr ordentliches Tempo an den Tag legt. Durchaus empfehlenswert.

6,5/10

Von WICKED VISION erschien der Film im limitierten Mediabook, welches den Film auf BD und DVD beinhaltet und dazu mit jeder Menge informativen Bonusmaterial ausgestattet ist.


Quellen: 
Inhaltsangabe: Wicked Vision