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Donnerstag, 21. September 2017

Kingsman: The Golden Circle (2017)

http://www.imdb.com/title/tt4649466/

Nachwuchsspion Gary "Eggsy" Unwin (Taron Egerton) und sein Kollege Merlin (Mark Strong) werden mit einer neuen Gefahr konfrontiert: Die skrupellose Poppy (Julianne Moore) zerstört die Hauptquartiere ihrer Geheimorganisation Kingsman und hält die ganze Welt als Geisel. Doch glücklicherweise machen sie die Entdeckung, dass es noch eine weitere Spionageagentur wie die ihre gibt, die parallel in den USA gegründet wurde. Also verbünden sich mit der von Agent Champagne (Jeff Bridges) geleiteten Organisation Statesman, um Poppy das Handwerk zu legen und einmal mehr die Welt zu retten. Dafür müssen die britischen Spione mit ihren amerikanischen Kollegen Agent Tequila (Channing Tatum) und Agent Whiskey (Pedro Pascal) zusammenarbeiten und ihr ganzes Können aufbringen, aber zum Glück hat Eggsy ja schon jede Menge Erfahrung darin, die Welt zu retten...

Matthew Vaughn schafft es also auch nicht und scheitert an der goldenen Regel welche besagt, dass Fortsetzungen meist schlechter als ihre Vorgänger sind - Ausnahmen bestätigen hier die Regel. "Kingsman: The Golden Circle" tappt in die klassischen Fettnäpfchen von Fortsetzungen und liefert kaum neuen Ansätze. Der Bonus des Überraschungshits ist weitestgehend verspielt und man muss hier ernüchtert feststellen, dass eben nicht alles Gold ist was glänzt. Ist der neue "Kingsman" deswegen ein schlechter Film? Nein, beileibe nicht, denn Matthew Vaughn ist schon ein kleiner Gauner. Er etabliert in seinen Filmen immer die eine oder andere Figur, mit der man sich als Zuschauer zu Teilen identifizieren kann und reißt ihn so von Anfang an mit.  Das war schon bei "Der Sternwanderer" so, das klappte bei "Kick-Ass" und 2014 auch bei "Kingsman: The Secret Service", wo man sich von Anfang an in die Rolle des Gary "Eggsy" Unwin hineinversetzen konnte, so übertrieben und unglaublich diese auch angelegt war. Nun schrie ja quasi alles nach einem Nachfolger des übermäßig coolen, witzigen und actionreichen Vorgängers und mit "Kingsman: The Golden Circle" wird die Geschichte rund um den Agenten Eggsy beinahe nahtlos fortgeführt. Teilweise herrlich übertrieben, insgesamt pompös inszeniert und natürlich auch nach der Devise "packen wir halt noch eine Schippe drauf". Das funktioniert fast vollständig, obwohl der zweite Teil auf die "Freshness" des Vorgängers verständlicherweise verzichten muss, da hier schon alle Figuren etabliert sind und auch im Film vorausgesetzt wird, dass man "Kingsman: The Secret Service" bereits gesehen und nahezu verinnerlicht hat.


"Kingsman: The golden Circle" ist damit nach wie vor ein spaßiger Ritt über durchweg unterhaltsame 140 Minuten, welche die von vielen gefeierten Elemente aus dem Vorgänger beinhalten und von einem tollen Soundtrack begleitet werden. Man bekommt sehr gute Charaktere, spannend inszenierte Action, derbe Sprüche und so manche Parodie auf ähnlich gelagerte Agentenfilme an den Kopf geworfen. Aber wo der Erstling noch mit gewissen Dingen überraschen konnte und damit einen tollen Einstieg in diese neue Welt der Superagenten dargestellt hat, versucht Teil 2 einfach die bewährte Formel zu kopieren und gleichzeitig auf die Spitze zu treiben. Neue Ideen sucht man vergebens oder hat selbige bereits im Trailer zu Gesicht bekommen. Dazu gesellen sich ungewohnt einige Längen, was aber auch mit dem etwas zu dümmlichen Plot zu tun hat. Auch in "Kingsman: The Golden Circle" landet der Zuschauer mit voller Wucht im Geschehen, indem Vaughn gescheiterte Figuren aus dem Vorgänger als Gegner präsentiert und sich diese gleich mal mit dem Protagonisten eine mehrminütige Verfolgungsjagd durch die Londoner Innenstadt liefert. Hier versteckt sich aber auch gleich das erste Manko des Films, denn obwohl die Actionszenen grandios übertrieben sind und die Kamera beinahe beständig um das Geschehen herumfährt, so leicht ist es dann auch, hier ganz schnell den Überblick zu verlieren. Während nämlich die Kämpfe unglaublich übertrieben und gleichzeitig perfekt choreographiert wirken, zerstört die Kameraarbeit die Sichtweise und so manches Detail geht verloren, obwohl sich darauf versucht wurde, zu fixieren.


Die Fortsetzung versucht sich nun mit vielen Rückblenden an den Vorgänger zu klammern, macht selbigen aber gleichzeitig teilweise obsolet. Tote werden nach Belieben wieder zum Leben erweckt, was besonders schade ist. Denn gerade diese Kompromisslosigkeit wusste in "Kingsman" zu gefallen und sorgte so auch für eine der größten Überraschungen. So sehr man Colin Firth auch schätzen mag, er hätte tot bleiben dürfen. Vor allem da seine Figur hier völlig austauschbar ist. Dabei hätte man einen passenden Sidekick für Eggsy bereit gehabt, der auch im Trailer so suggeriert wurde. Nämlich Channing Tatum als Agent 'Tequila'! Wie doof es auch scheinen mag, dass das amerikanische Kingsman Pendant - die Statesman - sich ihre Namen von Hochprozentigem leihen, das Potenzial für eine herrliche Kollaboration dieser zwei Kulturen wäre vorhanden gewesen. Stattdessen verschwindet Tatum’s Charakter aber schneller als er gekommen ist und taucht erst gegen Ende für einen unnötigen Cliffhanger wieder auf. Die restlichen Statesman dienen nur noch für lustige One-Liner, vergnügliche Actionsequenzen oder mutieren gegen Ende auf seltsame Art sogar zu Bösewichten.

Diese Bösewichter allerdings sind (erneut) herrlich übertrieben und mit allerlei Gadgets ("Arm-ageddon" - Brüller!) ausgestattet und Julianne Moore als fanatisches 50er-Jahre Girl mit Roboterhunden, welche sich auf einer Insel das Set von "American Graffiti" im tiefsten Dschungel nachgebaut hat, ist zwar amüsant, aber leider auch austauschbar. Sie ist kein Vergleich zu Samuel L Jackson, welcher auch bei weitem besser geschrieben und dessen Plan nachvollziehbarer und teuflischer war. Und warum kidnappt eine Frau, welche explizit den 'American Way Of Life' zelebrieren möchte, ausgerechnet Elton John? Natürlich ist das irgendwo lustig, aber warum Elton John? Na weil Regisseur Matthew Vaughn das eben selbst lustig fand - aus keinem anderen Grund. Dass diese "Poppy" wohl nicht der stärkste Bösewicht sein wird, haben sich wohl auch die Autoren gedacht. Darum zog man noch den (neuen) US-Präsidenten auf die Seite der Antagonisten und torpediert die Geschichte damit gleich selber. Seine Motivation Böses zu tun ist weitaus nachvollziehbarer und man hätte sich gerne auf diesen Charakter fokussieren dürfen, ja ihn zum Haupt-Bösewichten machen müssen. Aber na gut.


In diesem Konstrukt hangeln sich die verbleibenden Protagonisten von Actionsequenz zu Actionsequenz, hechten, fluchen, schiessen oder quatschen. Eggsy ist zudem mit seinem Love-Interest vom Ende des ersten Films in einer recht unglaubwürdigen Beziehung. Und die Prinzessin scheint wie er selber ein Doppelleben zu führen, welches auch selbst überhaupt nicht glaubwürdig erscheint. Aber man musste dem Charakter wohl eine Motivation geben sich durch diese Fortsetzung auch bis zum Ende zu kämpfen. Und gekämpft wird zwischen viel Füllmaterial oft. Man versuchte die Bar-Szene mit einer neuen Figur zu kopieren. Aber einen echten Grund warum es dort zu einer Schlägerei kommt sucht man vergeblich. Die Macher kopieren hier nach Belieben, um den Fans das zu bieten was sie sich wünschen, dieselben Szenen wie beim Erstling. Wozu braucht es dann überhaupt eine Fortsetzung?
Aber man kann sich auch fragen, wozu steckt Julianne Moore Typen in einen Fleischwolf und lässt diesen zu einem Cheeseburger verarbeiten? Warum zerstört Sie nur die "Kingsman", hat aber sonst keine Sorgen mit anderen Geheimdiensten wie den "Statesman"? Warum vergiftete Sie ihre eigenen Konsumenten? Und warum will ein "Statesman" um jeden Preis erreichen, dass die Aktienpreise des Whiskeys steigen? Nur für einen geilen Schlussfight? Naja. Wozu die (zugegeben: coolen) Roboterhunde aber sonst keine Roboterkrieger? Warum sind da Landminen und da wieder nicht? Hm.

Mit all diesen Fragen im Gepäck muss man letztlich zu dem Schluss kommen, dass "Kingsman: The Golden Circle" ein zweiter Teil ohne Mut und scheinbar ohne Inspiration auf den tatsächlichen Stärken des Vorgängers aufzubauen, ist. Viele Gelegenheiten für eine erneut einzigartige Action-Agenten-Persiflage werden verschenkt. Man war sichtlich bemüht viel zu bieten, ist aber über das Ziel hinausgeschossen. Der Film fühlt sich einfach nicht mehr so frisch, so unberechenbar und so cool an. Denn wenn die größten Stärken eines Films seine Actionsequenzen sind, dann möchte man diesen auch möglichst schnell über den Weg laufen. Immerhin bekommt man am Ende noch eine (wenn auch etwas unnötige) Sequenz, die gleich mal noch die Doppeldeutigkeit des "Golden Circle" offenbart und damit immerhin noch ein Lächeln aufs Gesicht des Zuschauers zaubern kann. Warten wir also auf den (angekündigten) dritten Teil, der vielleicht das Niveau wieder hebt und zu alter Stärke zurück findet.

7/10

Quellen:
Inhaltsangabe
: Twentieth Century Fox

Montag, 3. August 2015

Kingsman: The Secret Service (2014)

http://www.imdb.com/title/tt2802144/

Harry Hart (Colin Firth) ist ein britischer Geheimagent der alten Schule - cool, charmant und abgebrüht. Er arbeitet für einen der geheimsten Nachrichtendienste überhaupt: die Kingsman. Die Agenten, die sich selbst als moderne Ritter verstehen, sind ständig auf der Suche nach neuen Rekruten. Eines Tages wird Harry auf den Straßenjungen Eggsy (Taron Egerton) aufmerksam, der, wie er findet, einiges an Potenzial zeigt. Allerdings liebäugelt Eggsy auch mit der Welt jenseits des Gesetzes und kennt keine Disziplin. Da Eggsys Vater Harry einst das Leben rettete, bewahrt der Agent den jungen Erwachsenen vor dem Gefängnis und schleust ihn in das harte Rekrutierungsprogramm seiner Organisation ein. Währenddessen untersucht er selbst das Verschwinden mehrerer hochrangiger Persönlichkeiten und gerät dabei an den Milliardär Richmond Valentine (Samuel L. Jackson), der bei einem ominösen Plan zur Rettung der Erde vor nichts und niemandem Halt macht.

James Bond kann einpacken, hier kommen die "Kingsman"! Und nach der Sichtung des Streifens ist mir einmal mehr aufgefallen, dass ich ein Fan von Matthew Vaughn bin, da ich wirklich ausnahmslos(!) jeden seiner Filme, angefangen von "Layer Cake", über "Der Sternwanderer", "X-Men: First Class" und "Kick-Ass" bis nun hin zu "Kingsman" genial finde.

Nun lässt Vaughn hier einen Agentenfilm vom Stapel, der einfach Spaß macht wie Sau, Parodie und Hommage zugleich ist, der Comedy und klassisches Geheimdienst-Flair samt Gentleman-Charme mit ultrabrutaler Action und bissigen Polit- und Sozialbezügen kreuzt. "Kingsman: The Secret Service", ist wohl eine der größten Überraschungen 2015. Vaughn legt nun seinen eigenen Bond-Ableger im lässigen Stil der 1960er Connery- bis 1980er Moore-Doppelnullfilme vor, mit einem perfekten Samuel L. Jackson als lispelnder Superschurke, der immer wieder für einen Lacher gut ist, eine schneidige Assassine und einen meilenweit hergeholten Plan zur Auslösung des globalen Chaos mitbringt, während die Guten neben Asskicker-Qualifikationen auch typisch britische Lektionen über Manieren und Etikette parat haben. Hier werden Klischees liebevoll aufs Korn genommen und alte Filmgepflogenheiten wieder in die Moderne geholt.

"Kingsman: The Secret Service" legt dabei ein paar herrliche Spagate hin. Der Film wechselt Tonfall und Gangart zigmal, britisches Arbeiter- und Unterschicht-Drama mit der Gräuel häuslicher Gewalt im einen Moment, abgefahrenes Coming of Age-Young Adult-Entertainment im nächsten, lässig-genrereflexiver Klamauk hier, hypergewalttätige Blutrausch-Fights da. "Kingsman" hat wieder alles, was zu einem Vaughn-Film gehört und ihn auszeichnet. Positiv fallen in erster Linie die brillant choreographierten und gefilmten Kampfszenen, die stellenweise äusserst brutal und vor allem blutig sind, auf. Dazu gesellen sich derber Humor, coole Sprüche, Emotionen, sympathische Charaktere, eine illustre Besetzung, verrückte Einfälle und eine spannende Geschichte, die den einen oder anderen Haken schlägt. Zudem kommt das wohl schamloseste und originellste McDonalds-Product-Placement ever. Der Spannungsbogen von "Kingsman: The Secret Service" verdient ebenfalls ein Lob, denn einzelne Szenen, vor allem während der Ausbildung von "Eggsy" sind tatsächlich sehr fesselnd und nicht unbedingt vorhersehbar. Neuentdeckung Taron Egerton schlägt sich dabei auch mit Bravour, ob nun als Ghetto-Proll, Kampfmaschine, Gentleman oder Womanizer. Hut ab!

Mark Strong, Jack Davenport, Mark Hamill und Michael Cain spielen hervorragend und Colin Firth ist geradezu prädestiniert für die Rolle des englischen Gentleman. "Kingsman: The Secret Service" ist verdammt gutes Unterhaltungskino und trotz seiner Laufzeit von knapp 130 Minuten hat der Film keine Längen, sondern ist unglaublich unterhaltsam und somit eine dicke Empfehlung wert.

8,5/10

Quellen:
Inhaltsangabe
: Twentieth Century Fox

Mittwoch, 23. Februar 2022

The King's Man - The King's Man: The Beginning (2021)

https://www.imdb.com/title/tt6856242/

Der junge Conrad (Harris Dickinson) wird vom Duke of Oxford (Ralph Fiennes) in die geheime Welt der britischen Spionage eingeführt. Dabei trifft er auf zahlreiche historische Figuren wie den britischen General Herbert Kitchener (Charles Dance) und den serbischen Attentäter Gavrilo Princip (Robert Aramayo), sowie den mysteriösen und ebenso gefährlichen Russen Grigori Rasputin (Rhys Ifans), der gemeinsam mit dem geheimnisvollen Hirten (Matthew Goode) und den Monarchen George V., Wilhelm II. und Nikolaus II. (alle gespielt von Tom Hollander) eine Verschwörung ausgeheckt hat, die die Welt ins Verderben stürzen könnte. Nun liegt es an Conrad und dem Duke, die Menschheit vor dem Untergang zu bewahren - und dafür stehen ihnen nicht nur außergewöhnliche Gerätschaften, sondern auch ganz besondere Kampffertigkeiten zur Verfügung...

"The King's Man" behandelt nun nach "Kingsman: The Secret Service" und "Kingsman: The Golden Circle" die Vorgeschichte der Spionage-Organisation "Kingsman" und zeigt die Geschichte über deren Entstehung Anfang des 20. Jahrhunderts.  Während die ersten beiden Teile ein Garant für spaßige Actionkost waren, ist dieses Prequel einfach nur erschütternd, zu keiner Sekunde spaßig und sogar ziemlich frustrierend. Es ist eigentlich kaum zu glauben, dass hier Matthew Vaughn wieder Regie geführt hat, denn der Film wirkt so, als wäre er nie für ein "Kingsman"-Prequel konzipiert worden.

Die Welt scheint gespalten, politische Befindlichkeiten bestimmen das Weltgeschehen und könnten bald den ersten Weltkrieg provozieren. Mittendrin ist Conrad Oxford, der im Militär seinem Heimatland England dienen möchte. Sein Vater, der Duke von Oxford, möchte seinen Sohn auf keinen Fall an der Frontlinie sehen. Notgedrungen mischt er sich mit seinen Gehilfen in die Außenpolitik ein und versucht weitere Eskalationen zwischen den Herrschern Englands, Russlands und Deutschlands zu verhindern. Der Hirte, der Drahtzieher hinter all den Machenschaften, hat nur leider auf alles eine Gegenantwort und lenkt die führenden Politiker immer weiter in seine Richtung.

"The Kings Man" kann sich zu keiner Sekunde entscheiden, was er überhaupt sein möchte. Ist es ein Vater-Sohn Drama? Ist es ein Kriegsfilm? Doch ein Actioner? Ein Politik-Thriller? Oder doch ein Trashfest? Denn all diese Versatzstücke sind irgendwo vorhanden und nichts passt zusammen. Das schlimmste ist aber, dass der Film sich zu keiner Sekunde wie "Kingsman " anfühlt. Schon gar nicht wie ein Prequel. Ja, der Zuschauer erfährt, dass die Organisation in einer Schneiderei gegründet wurde. Überraschend. Noch dazu ist der Film - ganz im Gegenteil zu seinen beidne Vorgängern - nie spaßig, sondern todernst und dazu noch manipulativ-deprimierend. Als wäre das nicht genug, serviert Vaughn dem Publikum auch noch homophobe und sexistische Bilder. Darüber hinaus ist die Darstellung der Kriegsthematik echt unappetitlich.

Warum der Film dennoch so halbwegs im gehobenen Mittelmaß schwimmt, liegt vor allem an den choreographierten Actionszenen und an den Darstellern. Ralph Fiennes macht als Hauptdarsteller eine tolle Figur, auch wenn er Teil einer Fremdschäm-Szene ist. Harris Dickinson bleibt leider total blass und auch noch ziemlich unsympathisch. Sein Verhalten macht teilweise echt wütend und selten kann man ihn überhaupt nachvollziehen. Gemma Arterton kommt leider viel zu kurz, obwohl sie eine richtig tolle Ausstrahlung hat. Djimon Hounsou überrascht sehr und macht als Actionstar eine gute Figur. Ein kleines Highlight ist Rhys Ifans als Rasputin. Auch wenn es homophobe und sexistische Szenen mit ihm gibt, sind die Actionszenen mit ihm spektakulär und zumindest da kommt ein leichtes "Kingsman"-Feeling rüber. Es gibt auch einen geheimen Hauptschurken, den dr gewissenhafte Zuschauer aber auch nach wenigen Sekunden enttarnt hat.

"The Kings Man" ist damit ein unwürdiger Vertreter für dieses Franchise. Vorhersehbar, sexistisch und hässlich-depressiv. Zu keiner Sekunde kommt das Feeling auf, welches die beiden vorigen "Kingsman"-Filmen auszeichnete und inhaltlich gibt es viele zweifelhafte Szenen. Die Kriegsdarstellung ist ekelerregend und zu keinem Zeitpunkt ist der Film gut fokussiert. Was bleibt sind gute Darsteller, eine tolle Ausstattung, ein beeindruckendes Setting, ein guter Soundtrack und vereinzelt gute Actionszenen. Der Rest ist ziemlich unangenehm. Vor allem die traurigen Szenen, die das Publikum in eine manipulativ-emotionale Richtung lenken soll. Das ist schlicht schade.

6/10

Quellen:
Inhaltsangabe
: Disney+ / Twentieth Century Studios

Mittwoch, 17. August 2022

素人特工 - Su Ren Te Gong - The Rookies (2019)

https://www.imdb.com/title/tt7773340/

Der Extremsportler Zhou Feng (Talu Wang) wurde durch Zufall in einen illegalen Handel verwickelt. Nun muss er der internationalen Spezialagentin Bruce (Milla Jovovich) nach Budapest folgen. Zusammen mit der miesen Polizistin Miao Yan (Sandrine Pinna), dem unprofessionellen Wissenschaftler Ding Shan (Timmy Xu) und der arbeitslosen Ärztin LV (Meitong Liu) bilden sie eine Amateureinheit zur Verbrechensbekämpfung. In Begleitung der Senioragentin Bruce beginnen diese vier Rookies einen ebenso spannenden wie urkomischen Kampf gegen die Terroristen... 

Was im Trailer die Erwartungshaltung nach einer Mischung aus "Kingsman" und "James Bond" schürte, verpufft im fertigen Film zu einer Social-Media-gesteuerten Actionkomödie zum Fremdschämen. Mit schon fast überdreht asiatischer Albernheit ist der optisch sicherlich ansprechende, aber oft durch miese CGI abgewertete, Film kein wirklicher Genuss. Denn anstatt sich auf sein Thema zu konzentrieren, entscheidet sich "The Rookies" nicht wirklich, ob er lieber Actionfilm oder Komödie sein will. Er macht einfach, was ihm in den Sinn kommt und verschenkt noch dazu Milla Jovovich, von der man angesichts aktueller Produktionen das Gefühl hat, dass sie in keinem wirklich großen Film mehr mitspielen will.


Neben oftmals reichlich dämlichen Dialogen, unsymphatischen Darstellern und wirrer Story überzeugt an "The Rookies" eigentlich nichts. Unter den Tisch gekehrt werden soll allerdings nicht, dass manche Albernheiten ihren ganz eigenen Charme haben. Doch lediglich nur ein paar Aktionen sind gut in Szene gesetzt, aber das täuscht in keinster Weise darüber hinweg, dass der überwiegende Teil des Films totaler Müll ist und die macher von großen Glück sprechen können, wenn der Zuschauer nicht schon nach 20 Minuten komplett abgeschalten hat.

2/10

Quellen
Inhaltsangabe: EuroVideo

 

Freitag, 10. April 2020

Rocketman (2019)

https://www.imdb.com/title/tt2066051/

Mitte der 60er Jahre in einem Vorort von London: Reginald Dwight (Taron Egerton) ist ein ganz normaler Junge – ein bisschen kräftiger gebaut und ziemlich schüchtern. Nur wenn er am Klavier sitzt, kommt er so richtig aus sich heraus. Seine wahre Leidenschaft allerdings gilt dem Rock’n’Roll, den er aber erst nach seinem Umzug in die englische Hauptstadt ausleben kann. Gemeinsam mit Texter Bernie Taupin (Jamie Bell) mischt er die Londoner Szene schon bald auf, nur der richtige Name fehlt ihm noch. Mit seiner Umbenennung in Elton John beginnt für ihn schließlich der Aufstieg zu einer der schillerndsten Figuren, die die britische Unterhaltungsbranche jemals hervorbrachte. Er fällt mit seinen aufwändigen Kostümen auf, in denen er einen Nummer-1-Hit nach dem anderen abliefert – bis er eines Tages feststellt, dass nach einem raketenhaften Aufstieg ein tiefer Fall droht. Er kann nicht auf ewig Rocketman bleiben...

Nachdem die Geschichte Freddy Mercurys mit "Bohemian Rhapsody" Millionen Zuschauer in die Kinos lockte und vier Oscars abstauben konnte, kommt gefühlt nur kurze Zeit später das Biopic "Rocketman" in die Kinos. Es lässt sich dabei nicht vermeiden, diese beiden Filme zu vergleichen, erzählen sie doch beide die Geschichte eines berühmten, ehemals drogensüchtigen Sängers und das auch noch aus der Hand des gleichen Regisseurs, Dexter Fletcher. Doch eigentlich ist ein Vergleich unnötig, denn "Rocketman" wählt eine andere Form für seine Geschichte über Elton John: das Musical. Auch "Rocketman" steigt früh in die Geschichte ein. Reginald Dwight (Taron Egerton) entdeckte schon als Kind sein Talent. Er wächst bei seinen lieblosen Eltern (Bryce Dallas Howard und Steven Mackintosh) auf, die aber sein Talent fördern. Klavierstunden, die erste Band und schlussendlich das Treffen mit dem Songwriter Bernie Taupin (Jamie Bell) machen aus ihm einen Solosänger, der sich bald Elton John nennt. Seine Karriere wird schnell angekurbelt und zusammen mit Bernie schafft er viele Hits. Doch als Erwachsener klappt es nicht so richtig mit der Liebe, obwohl er sein Herz seinem Manager John Reid (Richard Madden) geschenkt hat und so flüchtet er sich in Luxus und Drogen.

Meistens entstehen Biopics bekannter Musiker erst nach deren Ableben. So verwundert es schon, dass es nun einen Spielfilm über Elton John gibt, der natürlich seinen Segen dafür gegeben hat. Verkörpert wird er von Taron Egerton – die beiden haben sich am Set von "Kingsman: The Golden Circle" kennengelernt, in welchem Elton John ein Cameo hatte. Vielleicht hat dort alles begonnen. Der Drehbuchautor Lee Hall schrieb für Elton John eine äußerst klassische Geschichte, die natürlich auf wahren Eckpunkten aus dem Leben des Musikers beruht. Der Film behandelt die Kindheit, geprägt von den lieblosen Eltern, das Erwachsenwerden, die Suche nach der Liebe und der Umgang mit Erfolg, der auch hier ohne Drogen und falsches Verhalten nicht zu bewältigen ist. Natürlich endet dieser Film nicht mit dem Tod, sondern mit einer positiven Botschaft, was gut zu dem Leben passt, was Elton John nun führt. Man könnte den Film als zu konventionell und ja auch vielleicht zu gefällig einordnen, aber die wahren Hintergründe und vor allem die Inszenierung als Musical, welche der Regisseur Dexter Fletcher wählte, geben dem Film den richtigen Drift, bei dem auch Stereotypen und Klischees keine kritikfähige Rolle spielen.

Denn als Musicaladaption glänzt "Rocketman" wie kein Zweiter. Gekonnt werden hier die biographischen Eckpunkte von einer rückblickenden Rahmenhandlung ausgehend, chronologisch erzählt und mit Musical-Elementen verbunden. Aus der Situation heraus, werden passende Songs in die Lebensschilderungen eingebunden und auch als Auftritte wiedergegeben. Dabei handelt es sich bei den Songs aber nicht um reine Wiedergaben bekannter Elton John-Songs, sondern die Arrangements gehen teilweise einen eigenen Weg und bekommen eine besondere Note durch die Darbietung der Darsteller. Natürlich überzeugt nicht jeder Schauspieler als großer Sänger, doch die Mischung stimmt und nimmt einen mit auf die Reise. Das liegt aber auch vor allem an Taron Egerton, der bereits beim Animationsfilm "Sing" sein Gesangstalent unter Beweis stellte, als er dem Affen Johnny seine Stimme gab und hier als Elton John glänzt. Er gibt seiner Figur etwas Eigenes, das eine gute Balance zwischen Fiktion und Realität findet. Zudem spielt er souverän die verschiedenen Stadien von Johns Leben, ohne dabei in irgendwelche Klischee-Fallen zu geraten und überzeugt mit seiner Bandbreite an Gefühlen. An seiner Seite spielt Jamie Bell. Er ist als Bernie Taupin die stimmige Inkarnation des Songschreibers, der die Stimme der Vernunft bleibt, und der perfekte Gegenpart zu Egerton. Dieses Ensemble, das mit viel Verve die Songs vertont und das Leben mit allen seinen Höhen und Tiefen schildert, ist neben der Musik die große Stärke des Films. Hinzu kommt eine mehr als souveräne Umsetzung, welche die Zuschauer wunderbar in die Zeit zurückversetzt und eine große Sorgfalt darauf legte, John selbst, seine Kleidung und seine verrückte Kostüme über die Jahre detailgetreu wiederzugeben. Am Ende des Films fühlt man sich glücklich, berührt, auch etwas schlauer und hat mit Sicherheit den einen oder anderen neuen Song für sich entdeckt.

"Rocketman" ist unterm Strich ein klassisches Biopic über Elton John, getaucht in ein wunderbares Musical-Kostüm. Hervorragend besetzt, allen voran mit Taron Egerton und Jamie Bell, verbindet der Film wunderbar die Lebensstationen mit der schmissigen Neu-Intonationen der bekannten Songs. Die Mischung funktioniert ebenso, wie auch die Liebe zum Detail, so dass man nach dem Abspann beschwingt noch tagelang die Songs weiter summt.

9/10

Donnerstag, 24. Dezember 2015

The Man From U.N.C.L.E. - Codename U.N.C.L.E. (2015)

http://www.imdb.com/title/tt1638355/

Anfang der 1960er Jahre: Auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges kommt es zu einer brisanten Zusammenarbeit zwischen den zwei Supermächten USA und Sowjetunion: CIA-Agent Napoleon Solo (Henry Cavill) und KGB-Spion Illya Kuryakin (Armie Hammer) sind gezwungen, die Feindseligkeiten ruhen zu lassen, um gemeinsam gegen ein geheimnisvolles internationales Verbrechersyndikat mit Verbindung zu Nazis vorzugehen, das eine Atomwaffe besitzt und somit das Gleichgewicht der Supermächte bedroht. Bei der Mission sind die Agenten auf die Hilfe der Tochter eines verschwundenen deutschen Wissenschaftlers angewiesen: Gaby Teller (Alicia Vikander). Nur sie ist in der Lage, Solo und Kuryakin in das Syndikat einzuschleusen. Zusammen mit Teller machen sich die zwei Spione an die Arbeit. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt…

Guy Ritchie nimmt den Zuschauer in "Codename U.N.C.L.E." auf einen kleinen, aber feinen Agenten-Komödien-Trip mit, mit man durchaus sein Spaß haben kann und in dem die Hauptprotagonisten zudem wunderbar zusammen agieren. Zwar beinhaltet der Film einige Elemente von Guy Ritchie-typischen Filmelementen, aber er ist doch ein wenig anders. Was ganz gut ist und so zumindest etwas frischen Wind in die mittlerweile altbekannte Art Ritchies bringt.

Auch ist der Film nicht übertrieben witzig, aber die eine oder andere Szene lassen zumindest ein gefälliges Schmunzeln über die Mundwinkel huschen. Auch die Actioneinlagen sind gut choreografiert und mitreißend, spannend und immer wieder auf ihre eigene Art cool. Trotzdem ist die Action nie so übermäßig präsent, dass der Film den Charme, den Guy Ritchie eingefangen hat, auch nur ansatzweise übertrumpfte. Die Story ist typisch für solch eine Art von Film und wartet daher nur wenig mit überraschenden Momenten auf. Soll heißen: kennt man einen, kennt man alle. Und das trifft leider auch auf Ritchies Film zu. Das Setting hingegen macht dann einiges wett, sodass man sich ein wenig an die alten Agentenfilme zurückerinnert fühlt. Immer schön sachte, adrett gekleidet und immer einen coolen Spruch auf den Lippen.

Natürlich hat der Film auch seine Schwächen in Logik und Aufbau, auch die Story ist - wie bereits erwähnt - nicht gerade die neueste, aber Cast & Crew machen ihre Sache mit Eifer und freude und das ist dem Streifen anzumerken. "Codename U.N.C.L.E." ist also nach dem großartigen "Kingsman: The Secret Service" bereits die zweite gelungene Action-Komödie in Folge. Die Story ist zwar etwas dünn, doch der Film legt den Fokus auf Witz, Charaktere und Inszenierung und in diesen Bereichen weiß "Codename U.N.C.L.E." in großem Maße zu überzeugen. Eine großartig besetzte, stilvolle, rasante und lustige Action-Komödie untermalt von einem fantastischen (aber nicht immer stimmigen) Soundtrack, machen Guy Ritchies neuen Film zu einem mehr als sehenswerten Agenten-Film.

7,5/10

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Quellen
Inhaltsangabe: Warner Bros.