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Mittwoch, 10. Januar 2024

ゴジラ-1.0 - Gojira Mainasu Wan - Gojira -1.0 - Godzilla Minus One (2023)

https://www.imdb.com/title/tt23289160/

Japan, 1945: Kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs täuscht der Kamikaze-Pilot Koichi Shishima (Ryunosuke Kamiki) technische Probleme bei seinem Flugzeug vor und landet auf der Insel Odo. Hier begegnet er zum ersten Mal der Riesenechse Godzilla, die die gesamte Insel dem Erdboden gleichmacht. Zwei Jahre später: Shishima ist inzwischen nach Tokio zurückgekehrt, wo er Frau und Kind hat. Zur gleichen Zeit machen Berichte die Runde, dass der durch Atomtests im Bikini-Atoll mutierte Godzilla mehrere US-Kriegsschiffe zerstört hat und sich bereits auf den Weg nach Japan befindet... 

"Godzilla" wird 2024 70 Jahre alt, und um das zu feiern, wartete seine Muttergesellschaft Toho Studios bis Ende 2023 mit der Veröffentlichung des ernstesten "Godzilla"-Films der letzten Zeit. "Godzilla Minus One" ist möglicherweise auch der ernüchterndste und am wenigsten extravagante in Japan produzierte "Godzilla"-Film seit dem ursprünglichen Bild der nuklearen Kaiju-Katastrophe von 1954 (obwohl "Godzilla 1985"-Fans vielleicht anderer Meinung sind). Einige Kritiken zu "Godzilla Minus One" lobten den Film bereits als eskapistischen Publikumsliebling. Angesichts des düsteren, aber ausgewogenen Tons der menschenzentrierten Szenen ist der Grund dafür leicht zu verstehen. "Godzilla Minus One" spielt im Jahr 1946 und folgt (nach einer kurzen Einführung) einer erschöpften Gruppe ehemaliger Militärs, die sich zusammenschließen, um den beliebtesten Kaiju-Antihelden aller Zeiten zu besiegen. Hier ist Godzillas Präsenz eine Selbstverständlichkeit, wie sie sie nach Dutzenden von Filmen und Spin-off-Projekten wahrscheinlich auch sein sollte. Und wenn traumatisierte Überlebende wie der in Ungnade gefallene Kamikaze-Pilot Koichi Shikishima (Ryunosuke Kamiki) Godzilla nicht aufhalten können, wird er Ginza zerstören und dann durch ganz Tokio stampfen.

Shikishima ist von der Schuld des Überlebenden motiviert. In einer etablierten Szene auf der Insel Odo zielt Shikishima mit seiner Bordkanone auf Godzilla, kann sich aber nicht dazu durchringen, zu schießen. Infolgedessen sterben mehrere Armeekameraden und der letzte Überlebende, Tachibana, muss ihre Leichen begraben. Die Wiederbelebung von Shikishima letztlich patriotischem Mojo hat Priorität, da diese Art nationalistischer Leidenschaft offenbar für den Kampf gegen Godzilla unerlässlich ist. Gleichzeitig sind Shikishima Angehörige immer noch sehr tot, sodass er sich nun um andere Überlebende kümmern muss, von denen die meisten ebenfalls ihre Angehörigen, ihr Zuhause und ihren Kampfeswillen verloren haben. Dieser letzte Teil ist entscheidend, aber die Überwindung des spirituellen Niedergangs ist auch ein großer Teil von Shikishima und damit der Geschichte von Godzilla in "Godzilla Minus One".

"Ich würde gerne noch einmal versuchen zu leben", sagt Shikishima mit kantiger Aufrichtigkeit. Sein starkes Bedürfnis, sich zu beweisen, wird von anderen Ausgestoßenen wie Kenji Noda (Hidetaka Yoshioka), einem ehemaligen Waffeningenieur, und dem letzten Überlebenden der Insel, Sosaku Tachibana (Munetaka Aoki), zwar erreicht, aber nie vollständig erfüllt. Diese Jungs deuten nur auf ihre inneren Dämonen hin; Sie alle tragen das Trauma des zweiten Weltkrieges oft buchstäblich auf der Zunge, da die Asche und der Schmutz des Nachkriegsaufschwungs sie bereits überholt haben. Einige weibliche Protagonisten, wie Shikishima selbstlose Hausbesetzer-"Freundin" Noriko Oishi (Minami Hamabe) und ihre frisch verwaiste Adoptivtochter Akiko (Sae Nagatani), geben ihm ebenfalls mehr Gründe zum Kämpfen, obwohl ihre Handlungsfähigkeit und Persönlichkeit noch eingeschränkter sind als die von Shikishimas männlichen Co-Stars .

Oh ja, das Kaiju Godzilla ist übrigens auch in "Godzilla Minus One" zu sehen und er wird mit offensichtlicher Ehrfurcht behandelt. "Godzilla Minus One" ist ein gut kalibrierter Popcorn-Film, und man kann ihn in der Art und Weise sehen, wenn seine Macher mit den Assoziationen der Fans spielen. Es ist wahrlich ein Ereignis, wenn er zum ersten Mal in diesem Film brüllt oder seinen Feueratem einsetzt. Godzilla-Fans werden sich wahrscheinlich auch angemessen geschmeichelt fühlen durch die strategische Verwendung einiger Song-Hinweise aus Akira Ifukubes mittlerweile ikonischer "Gojira"-Partitur. Die Musik von Ifukube ist nahtlos eingearbeitet, ohne dabei sehr nach neuer Musik des "Godzilla Minus One"-Komponisten Naoki Sato zu klingen, der eine dröhnende Orchesterklangwand errichtet, über die seine Streicher wie ein Surfer auf einer gewaltigen und immer höher werdenden Welle gleiten. Es ist eine der mitreißendsten und nervenaufreibendsten Originalmusiken in einem aktuellen "Godzilla"-Film. Taktisch eingesetzte Stille und stimmungsvolle Hintergrundgeräusche unterstreichen und verstärken das ohnehin schon überwältigende Geschehen auf dem Bildschirm.

Die Veröffentlichungspolitik und deren Zeitpunkt könnte jedoch nicht undankbarer sein. Dies ist der erste in Japan produzierte Live-Action-Godzilla-Film seit "Shin Godzilla", einem stilistisch abenteuerlichen Katastrophenfilm und politischen Farce (vor allem gegen den Katastrophenschut des Landes) sowie einer modernen Interpretation einer beliebten Figur. Die Toho Studios waren in den letzten sechs Jahren nicht untätig, obwohl man das angesichts der relativen Bedeutung der von Warner Bros. produzierten amerikanischen "MonsterVerse"-Reihe vielleicht annehmen könnte. Der Kinostart in Deutschland war jedenfalls limitiert - und zwar so sehr, dass man schon suchen musste, um überhaupt ein Kino zu finden, dass den Film noch ausstrahlt. 

Doch offensichtlich ist "Godzilla Minus One" Tohos Versuch, die Figur ihres schuppigen Stars als spektakulären und traditionellen Publikumsliebling in den Vordergrund zu rücken. Sie fanden den richtigen Mann für den Job in Regisseur Takashi Yamazaki. Er gibt Godzilla-Fans viele Gründe, "Godzilla Minus One" im Kino zu sehen. Er hat einen klaren Blick für Action und ein gutes Gespür für das Wohlfühlmelodram. Yamazakis Stil wirkt, ebenso wie die Politik seines Films, im Vergleich zu seinen Vorgängern nur konservativ. Und er hat damit einen sehr guten Godzilla-Film gemacht, wenn nicht sogar einen großartigen.

8,5/10

Quellen
Inhaltsangabe: Peppermint Enterprises
Poster/Artwork: Toho Studios

Samstag, 4. Januar 2020

ゴジラvsメカゴジラ - Gojira tai Mekagojira - Godzilla gegen Mechagodzilla II (1993)

https://www.imdb.com/title/tt0107027/

Aus Trümmern künstlich hergestellt und aufgebaut, stellt Mechagodzilla die ultimative Waffe gegen Godzilla dar. Das hochtechnisierte, atombetriebene und diamantengepanzerte Monster wird von Menschen als neue ultimative Waffe gegen Godzilla eingesetzt. Gleichzeitig wird auf einer gesperrten Insel, durch atomare Strahlung verseucht, von einem Forscherteam ein riesiges Ei entdeckt und für Forschungszwecke mitgenommen. Doch als aus dem Ei Babygodzilla schlüpft, machen sich Rodan und Godzilla auf den Weg, um ihren Schützling aus der Hand der Menschen zu befreien. Doch das soll verhindert werden, denn Babygodzilla ist bereits ein beliebtes Forschungsobjekt und wird von dem übermächtigen Mechagodzilla verteidigt. Ein gigantischer Kampf bricht los...

Gegen Mechagodzilla (den man in der deustchen Fassung früher King Kong nannte) durfte Godzilla ja schon mal antreten und um hier keine Missverständnisse herbeizuführen, benannte man den Film nun also "Godzilla gegen Mechagodzilla 2". Ist auch gar nicht so sinnfrei, weil man streng genommen von einer Fortsetzung sprechen kann. Jedenfalls macht der Film seine Sache erneut erstaunlich gut. Man kann sagen, dass die Filme aus den 90ern alle Ideen aus den früheren Filmen wieder aufwärmen, allerdings liegt dazwischen dann doch so viel Zeit, dass dies durchaus Sinn ergibt. Über das Drehbuch kann man sich kaum beklagen. Ist zwar völlig egal, wer hier gegen wen kämpft und warum das Ganze stattfindet, Hauptsache es wird einem interessant verkauft und dem ist so. Die Ideen sind alle ganz brauchbar, wenn auch manchmal recht hirnrissig, doch sie funktionieren und "Godzilla gegen Mechagodzilla 2" schafft es trotz der vielen Kopien stets eigenständig zu wirken. 

Das Godzilla-Baby ist auf seine blöde Art doch niedlich und richtete sich eben an ein jüngeres Publikum. Trotzdem hat man das Monster in diesem Film wesentlich besser dargestellt, was schon mal ein Pluspunkt ist. Daneben gibt es die Maschine zu sehen, Godzilla ist endlich mal von Anfang an mit dabei und ein paar andere Wesen bekommt man auch noch zu Gesicht. Das ist kein Overkill, aber schon recht gut gefüllt. Erneut unter der Regie von Takao Okawara funktioniert "Godzilla gegen Mechagodzilla 2" einfach ziemlich ordentlich. Die Stil-Elemente sind zahlreich vertreten. Trotzdem darf es auch ernst genug werden und für eine Bedrohung ist stets gesorgt. Der Science-Fiction-Anteil ist sowieso etwas gesunken und da es keine Affen-Aliens gibt, bleibt auch der Trashfaktor meist aus. Natürlich schwebt etwas Schwachsinn immer mit darin, das will man ja auch so haben; es wirkt halt nur nicht zu unfreiwillig komisch und besitzt dennoch seinen Charme. Aus handwerklicher Sicht kann man dem Film jedenfalls keine Vorwürfe machen. Das wurde mit Aufwand umgesetzt, sieht optisch ordentlich aus und da freut man sich doch richtig, wenn diese Filme erfolgreich waren, weil man als Zuschauer doch mehr davon hat, als eine billige Herangehensweise.

Gegen die Effekte lässt sich nun echt nichts sagen, die sind so stark wie in den Vorgängern. Dadurch, dass es neue Kreaturen zu sehen gibt, sind sie aber jedes Mal erneut ziemlich interessant. Man hat bei der Gestaltung ganze Arbeit geleistet. Nebenbei wird reichlich viel zerstört und so gibt es genügend Schauwerte zu beobachten. Für Langeweile ist da also kein Platz, dann man wartete nämlich wieder nicht zu lange, bis man zur Sache kommt und baut dann lieber hinterher erst ein paar Pausen ein. Es mangelt also definitiv nicht an Action und an Highlights. Es ist somit auch zu verzeihen, dass die Figuren wie immer nicht sonderlich interessant gestaltet sind. Zu belanglos erscheinen sie nicht, aber die größten Sympathien bauten sich auch nicht auf. Es wird trotzdem solide gespielt und ehrlich gesagt, will man hier sowieso viel mehr die Monster sehen. Da diese reichlich vorkommen, ist alles im grünen Bereich. Somit ein weiterer empfehlenswerter Godzilla-Film, den Fans natürlich nicht verpasst haben sollten.

6,5/10

Montag, 30. April 2018

ゴジラの逆襲 - Gojira No Gyakushû - Godzilla Raids Again - Godzilla kehrt zurück (1955)

https://www.imdb.com/title/tt0048127/

Nach einer Bruchlandung auf einer verlassenen Insel entdecken zwei Piloten die Monster Godzilla und Angilus, die erbittert miteinander Kämpfen und dann ins Meer fallen. Als sie zurück in Japan sind und darüber berichten, dass ein neuer Godzilla aufgetaucht ist, gehen die beiden Monster schon kämpfend in Ôsaka an Land...

Nur ein Jahr nach seinem gelungenen Debüt besucht Godzilla Japan erneut. Dieses Mal hat er einen seiner Feinde, Anguirus, im Schlepptau, einen gigantischen Igelverschnitt. Der Einstieg in den Film spart sich den Vorlauf und ist deutlich rasanter, dafür ist die Atmosphäre weniger bedrohlich, was nicht zuletzt an den schwächeren menschlichen Charakteren der Handlung liegt, die einem irgendwie doch recht egal sind. Der Ort des Geschehens ist dieses Mal Japans Ferienmetropole Osaka, ein gutes Stück südwestlich von Tokyo. Der Kampf der beiden Riesenmonster ist dann zwar gut inszeniert, aber nach der Hälfte der Laufzeit leider schon erledigt. Ab dem Zeitpunkt baut der Film leider dramaturgisch ziemlich ab. Die ohnehin sehr halbherzige Liebesgeschichte drängt sich in den Vordergrund und die Figuren befassen sich mit persönlichen Nebensächlichkeiten in einer ausgelassenen Friede-Freude-Eierkuchen-Stimmung, nur weil Godzilla mal kurz ein Päuschen einlegt. Osaka, vor Stunden noch ein flammendes Inferno, nun in Schutt und Asche, aber das scheint wohl erstmal niemanden zu kümmern. Schließlich kommt doch noch ein wenig Action rein, aber nicht viel Spannung, wenn es - ein wenig monoton - minutenlang heißt: Godzilla vs. eine Menge Flugzeuge.


Motoyoshi Oda drehte glücklicherweise nur diesen und danach auch keine weiteren Godzilla-Filme mehr. Es sollte ganze sieben Jahre dauern, bis Godzilla auf die Leinwand zurückkehrte. Der Film wurde, wie schon im ersten "Godzilla", in schwarz/weiß gedreht und dadurch stechen die Nachbauten und Kostüme nicht ganz so stark hervor. Die zweifarbigen Bilder wurden aber nicht dafür genutzt, um eine düstere Athmosphäre zu erzeugen, wie es 1954 getan wurde, sondern um Unterhaltung zu liefern, was in den weiteren Godzilla-Filmen noch weiter getrieben wurde. Auch das Fehlen der Musik von Akira Ifukube trägt hierzu bei, denn die musikalische Untermalung von Masaru Sato fällt im Vergleich weniger martialisch aus und macht sich im Film meistens eher rar. Insgesamt funktioniert dieses erste Zusammentreffen Godzillas mit einem anderen Riesenmonstern weder als ernsthafter Monsterschocker wegen entsprechend fehlender Atmosphäre noch als durchgängiges Spaßwerk wegen einiger Längen so richtig, aber ein gewisses Unterhaltungspotential ist vorhanden.

6/10

Montag, 23. Dezember 2019

Godzilla (1998)

https://www.imdb.com/title/tt0120685/

Markerschütterndes Gebrüll und bebende Erde: Französische Atombombentests haben eine tödliche, mutierte Riesen-Echse namens Godzilla geschaffen, die Kurs auf Manhattan nimmt und Teile der Stadt in Schutt und Asche legt. Der Biologe Niko Tatopoulos (Matthew Broderick), der sich mit der radioaktiven Verstrahlung von Tieren beschäftigt, wird auf den gefährlichen Mutanten angesetzt, wobei er Unterstützung von dem französischen Geheimagenten Philippe Roache (Jean Reno) erhält. Gemeinsam machen die beiden Männer eine entsetzliche Entdeckung: Godzillas unbändige Wut kommt nicht von ungefähr. Um das Überleben der Menschheit zu sichern, muss schnell und radikal gehandelt werden...

New York ersäuft im prasselnden Dauerregen, und als wäre das nicht schon Grund genug, um mit einer eher gedämpften Stimmung in den grauen Tag zu starten, strandet auch noch eine mutierte Riesenechse in der nass-kalten Millionenstadt – und mit diesem ausgearteten Ungeheuer ist so gar nicht gut Kirschen essen. Diese sich anbahnende Bedrohung der urbanen Destruktion wird vorerst durch einen Fußabdruck, in dem es sich eine Doppelhaushälfte problemlos hätte gemütlich machen können, manifestiert und dem Zuschauer aufgrund des enormen Ausmaßes ein erwartungsvolle Staunen entlockt. Wenn der bevorstehenden Gefahr durch einen verstörten Seefahrer dann noch ein Name verliehen wird ("What did you see, old man?" - "Gojira...Gojira!"), weiß man, dass es nicht mehr lange dauern wird, bis Roland Emmerich alle Register seiner computergenerierten Zerstörungswut im Schuppenpanzer ziehen wird.

Und fürwahr: New York wird von einer Erschütterung auf 20 Meter hohen Stelzen heimgesucht, die den Erdboden vibrieren lässt und Wolkenkratzer allein mit dem Schweif zum Einstürzen bringt. Versetzt man sich zurück in den Kopf eines Kindes und betrachtet diese Augenblicke, eben wenn Godzilla durch die Häuserschluchten brummt und alles unter sich zermalmt, durch die Augen eines solchen, dann ist das höchstarretierend; Realitätsflucht in effektiver Reinform. Hat man die kindliche Phase aber hinter sich gelassen und erwartet von einem Blockbuster schon etwas mehr als stumpfe Gigantomanie und 2-3 gute Bilder, dann erweist sich Roland Emmerichs "Godzilla" als dramaturgische Totgeburt. Es stört ja allein schon, dass Emmerich sich am Kaiju-Ursprung vergriffen hat und diesen unbedingt amerikanisieren musste, aber jeglichen Subtext durch CGI-Geröll austauscht. War Godzilla im Original noch ein kreativer Ausdruck eines nationalen Nachkriegstraumas,  ist Emmerichs Koloss nur tumb und grob, befreit von jener Mythologie und ikonischen Montagen der Massenpanik.

Nein, "Godzilla" ist kein Film, der seinem repräsentativen Titel in irgendeiner Form gerecht wird. Roland Emmerichs Version ist so ungeschliffen und seine Maxime derart ignorant, dass er sich nicht einmal darum bemüht, einem folgenschweren Logikkrater aus dem Wege zu gehen. Es kommt zur echten Parade an Ungereimtheiten, die der Regisseur dem Zuschauer in gnadenloser Überzeugung serviert: Furchtbar platte Figuren, furchtbar aufgewärmte Ami-Klischees und furchtbar dämliche Handlungen im Kampf gegen den gigantischen Antagonisten und seine Brut. Hauptsache Emmerich kann es zünftig scheppern lassen, egal wie debil – und das ist "Godzilla", so sehr, dass es nur mittelmäßig Spaß macht – es auch zugehen möge. Zu allem Überfluss kopiert sich der Regisseur nicht nur selbst; er streckt seine Fühler auch in Richtung "Jurassic Park" aus, den er vorher noch in einer amüsanten Werbekampagne demonstrativ zerquetschte. Hochmut kommt vor dem Fall in einem lauten und aufwendigen Monsterfilm der zwar aufgeblasen und groß, aber inhaltlich ganz klein ausfällt.

4,5/10

Freitag, 20. April 2018

ゴジラ - Gojira - Godzilla: Das Original (1954)

https://www.imdb.com/title/tt0047034/

Vor Japans Küste werden Boote von einem gigantischen Monster angegriffen und versenkt. Die Einwohner der Odo-Insel nennen es Godzilla. Der Wissenschaftler Dr. Yamane vermutet, dass es sich um einen 50 Meter großen Dinosaurier aus der Jura-Periode handelt, der durch Atombomben aufgeschreckt wurde und nun sein Unwesen treibt. Godzilla legt Tokio in Schutt und Asche, das Militär kann das Monster nicht aufhalten. Dr. Serizawa hat eine todbringende Erfindung gemacht, doch er hat Angst, diese einzusetzen. Erst als er sieht, was Godzilla angerichtet hat, kann seine Freundin Emiko ihn überzeugen seine Waffe einzusetzen...

Godzillas erster Auftritt auf der Leinwand ist ein feiner Klassiker, der einen beeindruckenden Blick in die Filmhistorie gestattet. Versteht sich von selbst, dass die einst bahnbrechenden Effekte zunächst etwas gewöhnungsbedürftig wirken, auf der anderen Seite haben die Modelle und die puppenhaften Bewegungen des Monsters ihren ganz speziellen Charme und erzeugen eine feine Retro-Stimmung. Die schwarz-weiß-Bilder sind stellenweise etwas arg dunkel geraten, tragen aber ebenfalls gekonnt zur Stimmung bei, nicht zuletzt, weil das Szenario dadurch an Ernsthaftigkeit gewinnt. Die düster gezeichnete Bedrohung wird getragen von einer, von der ersten Minuten an, fesselnden Handlung - Godzilla ist zwar alt, aber keinesfalls öde – die Dramaturgie funktioniert noch immer und an Aktualität fehlt es dem thematischen Bezug zur nuklearen Bedrohung auch nicht unbedingt.

Dieser erste Film bewegt sich, sieht man mal von den hoffnungslos überholten Spezialeffekten ab, eigentlich nicht im Trashbereich, sondern ist ein intelligenter Mix aus Horror- und Katastrophenfilm, der sein Monster als Symbol für die im Krieg auf Japan abgeworfenen Atombomben versteht. Abgesehen vom bloßen Überlebenskampf sieht der Regisseur die Bedeutung des Ganzen vor allem in der Frage nach sozialer Verantwortung der Menschheit. Noch ist das hier kein plumpes Trashgekloppe, sondern eine Verarbeitung des Weltkriegstraumas und ein Aufruf, sich dem Atomwaffeneinsatz zu verweigern. Klug gemacht und für die Zeit atmosphärisch schon ziemlich packend, denke ich. Als heutiger Zuschauer sollte man sich darauf einlassen und die Effekte nicht belächeln, dann kann "Godzilla" auf all seinen Ebenen überzeugen.

8/10