Dienstag, 2. April 2013
Das Boot (Director's Cut) (1981)
Regisseur Wolfgang Petersen schuf mit "Das Boot" einen, wenn nicht sogar den Klassiker des U-Boot-Kriegsfilms und einen der bekanntesten und meiner Ansicht nach besten deutschen Filme überhaupt. Petersen gelang es mehr als eindrucksvoll und auf bis heute unerreichte Art und Weise, die angespannte Stimmung, beängstigende, geradezu klaustrophobische Enge und nackte Todesangst an Bord eines U-Bootes auf Zelluloid zu bannen.
Im zweiten Weltkrieg, 1941: Die Besatzung des U-Bootes U 96 feiert ein letztes Mal im französischen Hafen La Rochelle, bevor sie am nächsten Tag wieder in See stechen muss. Mit an Bord ist auch der Kriegsberichterstatter Leutnant Werner (Herbert Grönemeyer), der die künftigen Geschehnisse an Bord aus journalistischer Perspektive schildern soll. Die Besatzung soll im Atlantik auf Jagd gehen und im Anschluss die von Alliierten beherrschte Meerenge von Gibraltar durchqueren und einen sicheren Hafen im besetzten Frankreich anlaufen. Trotz zahlreicher interner Spannungen und bedrohlicher Feindkontakte gelingt der riskante Durchbruch durch die Meerenge, aber am Ziel erwartet die erschöpfte Mannschaft ein vernichtendes Bombardement.
Auch heute, mehr als 30 Jahre nach Erscheinen, fesselt "Das Boot" noch immer. Dies ist in erster Linie der bedrückenden und beklemmenden Atmosphäre geschuldet, in die Petersen seinen mehrstündigen, ungemein packenden Überlebenskampf einbettet. Als Zuschauer fühlt in jeder Sekunde die Gefahr, in der sich die Mannschaft von U 96 befindet, spürt die hohe Anspannung an Bord und kann nachempfinden, dass die Stimmung unter den Männern jederzeit kippen kann. Dabei gibt es immer wieder eindruckvolle wie banale Szenarien, angefangen mit dem bericht, das etwas Schalke das Spiel verloren hat bis zu den ständigen Durchsagen über die Wetterlage. Dies wirkt so beiläufig und deswegen schon fast dokumentarisch. Das Grauen, das an Bord so erschreckend allgegenwärtig ist und die Besatzung bis in die engen übereinandergestapelten Kojen ohne Privatsphäre verfolgt, serviert Petersen auch dem Betrachter eiskalt und packt ihn damit emotional. Er erzeugt diese Empfindungen beim Zuschauer mit eindringlichen, zu gleichen Teilen realistischen wie auch düsteren Bildern, unterfüttert mit der bedrückenden, eingehenden Musik von Klaus Doldinger. Nicht zu vergessen, der Cast: mit Jürgen Prochnow, Herbert Grönemeyer, Otto Sander und Martin Semmelrogge, nicht zu vergessen Klaus Wennemann wurde jede einzelne Rolle nahezu perfekt besetzt. Gerade die Rolle des Johann mit Erwin Leder ist grandios gespielt.
Die hohe Authentizität sowie die äußerst beklemmende Atmosphäre und fast unerträgliche Spannung machen Petersens Kriegs-Drama zu einem der Besten seiner Art. Was den Film aber wirklich unvergesslich macht, ist das dramatische Ende. Ob man heutzutage den Mut hätte so ein Finale zu drehen, wage ich zu bezweifeln. Ich behaupte einfach mal, es würde der Mut dazu fehlen, das Publikum dermaßen schockiert zurück zu lassen.
10/10
"Das Boot" erschien in der "Complete-Edition" im DigiPak. Diese beinhaltet die originale Kinofassung, den Director's Cut, die TV-Fassung, das Hörspiel und den Soundrack auf insgesamt 8 Discs. Dazu gibt es ein 24-seitiges Booklet mit Setfotos und einem filmwissenschaftlichen Essay von Thorsten Hanisch.
Sonntag, 10. Mai 2020
The Neverending Story - Die unendliche Geschichte (1984)
Bastian Balthasar Bux (Barret Oliver) lebt in der Welt der Bücher. Sein Vater (Gerald McRaney) ist nach dem Tod seiner Frau in die Arbeit geflüchtet und findet keine Zeit für seinen Sohn. Mehr Aufmerksamkeit widmen ihm hingegen seine Mitschüler, die Bastian nur zu gerne mobben. Als Bastian eines Tages wieder negative Zuwendung findet, sucht er ausgerechnet in dem Antiquariat von Karl Konrad Koreander (Thomas Hill) Zuflucht vor seinen Verfolgern. Hier entdeckt Bastian ein Buch, das ihn wie magisch anzieht und den viel versprechenden Titel "Die unendliche Geschichte" trägt. Aus einem Impuls heraus stopft sich Bastian das Buch unter die Jacke und flieht auf den Dachboden der Schule, um in aller Ruhe seinen Schatz zu lesen und in die Handlung einzutauchen: Die Kindliche Kaiserin (Tami Stronach), Herrscherin über Phantásien, das Reich der Phantasie, ist schwer erkrankt. Und mit ihr krankt auch das Land und droht vom Nichts verschlungen zu werden. Dem jungen Atréju (Noah Hathaway), vom Volke der Grünhäute, fällt die Aufgabe zu, sich auf die Suche nach dem Retter Phantásiens zu begeben, der mit der Kraft seiner Phantasie der Kindlichen Kaiserin zur Genesung und dem Reich zu neuer Blüte verhelfen soll. Atréju begibt sich auf die gefahrvolle Reise durch das zerfallende Phantásien und macht dabei Bekanntschaft mit der uralten Morla und dem Glücksdrachen Fuchur. Bastian folgt mit Spannung Atréjus Abenteuern. Unmerklich wird er dabei immer mehr Teil der Handlung, bis er feststellen muss, dass er der gesuchte Retter Phantásiens ist...
Es war alles andere als selbstverständlich, dass Michael Endes erfolgreiche Literaturvorlage in Deutschland verfilmt werden würde. Ein solcher Stoff auf die Leinwand zu bringen, benötigte erhebliche finanzielle Mittel, sollte das Fantasieland "Phantásien" und seine Bewohner adäquat dargestellt werden, wenn auch nur die erste Hälfte des Romans verfilmt werden sollte. Es würde den Rahmen normaler deutscher Filmproduktionen von 3-4 Millionen um das Vielfache sprengen. Doch im November 1981 erwarb der junge deutsche Filmproduzent Bernd Eichinger die Filmrechte. Er ließ den Stoff 1983 unter der Regie von Werner Petersen verfilmen, der mit "Das Boot" bereits einen großen internationalen Erfolg bei Publikum und Kritik verzeichnen konnte. Danach standen Petersen in Hollywood alle Türe offen, doch er entschied sich für "Die unendliche Geschichte", die mit 60 Millionen Kosten die teuerste deutsche Filmproduktion wurde. Bei dieser Größenordnung war der Film natürlich für den internationalen Filmmarkt konzipiert. Entsprechend filmte Petersen fast ausschließlich mit englischsprachigen Darstellern. Selbst das Straßenszenario gestaltete er amerikanisch.
Michael Ende, der anfangs noch hinter der Verfilmung stand, distanzierte sich immer mehr von der Produktion und der Konflikt mit Eichinger und Petersen brach offen aus. Noch bevor Ende den fertigen Film gesehen hatte, bezeichnete er ihn als Hollywood-Melodram aus Plüsch und Plastik. Nach Ansicht des Films sprach er von Ausbeutung und Betrug, von Einschüchterung und Bedrohung durch die Filmproduktion. Schließlich zog er sogar seinen Namen zurück, der nicht mehr im Vorspann erschien.
Die negative Reaktion Endes scheint völlig überzogen, denn gerade inhaltlich wurde die Romanvorlage gut umgesetzt - auch wenn Petersen seine eigene Vision verfolgt. Der Film ist keineswegs eine Effektorgie sondern feiert die Fantasie des Menschen und ist ein Appell, sich seine kindlichen Träume zu bewahren, womit er die Aussagekraft der Literaturvorlage wiedergibt. Wenn der Filme Schwächen hat, dann gerade auf der visuellen Ebene. Verglichen mit damaligen Fantasiefilmen wie "E.T." und "Die Rückkehr der Jedi-Ritter", wo die Creatures recht agil gestaltet sind, bewegen sich in "Die unendlichen Geschichte" die von Puppenspielern gelenkten Fantasiegestalten so steif wie die Puppen aus der Augsburger Puppenkiste. Da ist zwar der Kopf sehr beweglich, die Augen klimpern und die Nase rümpft sich, aber der Körper bleibt dagegen völlig starr. So bewegt sich beim Glücksdrachen Fuchur am Körper kein Glied. Wobei er das Aussehen eines Cocker Spaniels hat, der mit einem Drachen nichts gemein hat. Die Effekte haben trotz ihrer hohen Kosten keine Oscar-Nominierung erhalten. Dagegen können die drei Kinder-Darsteller durchweg überzeugen. Beim Publikum kam der Film gut an. Mit einem weltweiten Einspielergebnis von rund 100 Millionen US-$ hat er seine Produktionskosten (umgerechnet rund 27 Mio. US-$) um ein mehrfaches wieder eingespielt und lässt damit keinen Zweifel. an der Qualität der Umsetzung offen. Der Soundtrack von Klaus Doldinger und Limahl passt perfekt und verzaubert noch heute - und erwachsen gewordenen Kindern treibt die eine oder andere Szene immer noch zumindest ein Tränchen ins Auge. "Die unendliche Geschichte" ist und bleibt eben eine der schönsten filmischen Kindheitserinnerungen. Trotz aller Makel.
8/10
Von CONSTANTIN FILM/NAMELESS Media kommt der Film in HD im auf 2.000 Stück limitierten Mediabook:
Mittwoch, 10. August 2022
Clash Of The Titans - Kampf der Titanen (1981)
Den tosenden Wellen des Meeres ausgesetzt, eine Holzkiste als Boot, gelangen der Göttersohn Perseus (Harry Hamlin) und seine Mutter Danae (Vida Taylor) nur durch die Gnade Poseidons (Jack Gwillim) an die Küste einer abgelegenen Insel. Dort kann Perseus in Ruhe aufwachsen, bis sich die Göttin Thetis (Maggie Smith) am Göttervater Zeus (Laurence Olivier) rächen will, dessen Sohn Perseus ist. Durch ihre Intrige gelangt der junge Mann nach Joppe, wo Thetis' in eine abstoßende Kreatur verwandelter Sohn Calibos (Neil McCarthy) Angst und Schrecken verbreitet. Nachdem Perseus die schöne Prinzessin Andromeda (Judi Bowker) getroffen hat, ist er in Liebe für sie entflammt. Aber bevor er seine Angebetete heiraten kann, muss er sich der tödlichen Gefahr eines Rätsels aussetzen, das der selbst in Andromeda verliebte Calibos jedem möglichen Bräutigam stellt. Außerdem droht zusätzliche Gefahr durch ein riesiges Seeungeheuer, dessen Zorn Thetis entfachen will...
"Kampf der Titanen" ist einer der Filme, die gleich von vornherein einen gigantischen Nostalgiebonus ihr eigenen nennen können. Ein Meilenstein der Stop-Motion Technik, dazu spannend und mit Charme umgesetzt. Es ist der letzte große Film, der von Ray Harryhausen produziert wurde und eine kleine
Verbeugung an seine eigenen Arbeiten aus den 50er und 60er Jahren. Sicher liegt das Original aus dem Jahr 1981 irgendwo
zwischen Trash und Kunst, zwischen Kult und Kitsch. Der Stoff und der
hochkarätige Cast laden zum Träumen ein, doch auch ein Bruchstück
griechischer Mythologie lässt sich nicht in knapp 118 Minuten Spielzeit fassen. Zwar wirkt die
Spieldauer gut austariert, aber letztendlich fehlt hier der letzte Kick. Dennoch soll damit nicht gesagt sein, dass "Kampf der Itanen" ein schlechter FIlm ist - ganz im Gegenteil.
Schon unter den Göttern tummeln sich nämlich Schauspielschwergewichte. Ursula Andress spielt die liebreizende Aphrodite, Maggie Smith spielt die
arglistige Göttin Thetis und Pat Roach ist als handfertiger Götter-Schmied Hephaistos zu
sehen. Und wer, wenn nicht Lawrence Olivier hat die notwendige Eleganz
um Göttervater Zeus adäquat zu verkörpern? Burgess Meredith gibt den kauzigen Weisen Ammon jenseits seiner sonst überspitzten
Charaktere. Kurz: Keine der Darstellungen enttäuscht.
Zum nahezu perfekten Unterhaltungs-Spektakel wird der Film durch die
Magie des legendären Trickkünstlers Ray Haryhausen. Neben der stimmigen Ausstattung und den
phantastischen Kulissen (die, zugegeben, hin und wieder von eher
schnodderigen Matte-Collagen unterwandert werden), ist die Effekt-Arbeit
das Highlight schlechthin. Eine derartige Vielfalt an fabulös designten
Wunderwesen gab es bis dahin nirgends zu sehen. Jeder hat seinen ganz
speziellen Harryhausen-Creature-Favoriten, aber die Medusa ist wohl die
eindrucksvollste, faszinierendste und zugleich furchterregendste
Schöpfung des Meisters. Das
Zusammenspiel von gespenstischem Design und eleganten Bewegungen sucht
in der Geschichte der Stop Motion Animation bis heute ihresgleichen.
"Kampf der Titanen" ist und bleibt ein starker Abenteuerfilm, der durch die aufwendigen Harryhausen-Effekte
lebt und definitiv für Unterhaltung sorgt, vor allem, wenn man die griechische
Mythologie mag.
8/10
Quellen:
Inhaltsangabe:Filmstarts
Poster/Artwork: MGM/ Warner Bros.
Mittwoch, 15. April 2020
Heaven's Gate (Director's Cut) (1980)
James Averill (Kris Kristofferson), Absolvent der Harvard-Universität in Neuengland, hat das Amt des Marshals von Johnson County in Wyoming übernommen. Das Land ist Anziehungspunkt für viele arme Menschen aus Osteuropa. In den Augen der reichen Viehbarone sind dies lauter Diebe und Anarchisten, die es auszurotten gilt; daher stellen sie mit Billigung des Gouverneurs eine Todesliste mit 125 Namen auf und setzen Mordschützen auf die Einwanderer an. Averill ekeln diese Machenschaften an. Er liebt die schöne Ella Watson (Isabelle Huppert), die in Johnson County ein Bordell betreibt. Sein Rivale ist Nate Champion (Christopher Walken), ein gefürchteter Einzelgänger, der zunächst gemeinsame Sache mit den Viehzüchtern macht. Als Champion erfährt, dass auch Ellas Name auf der Todesliste steht, wechselt er angewidert die Fronten. Auch Averill ergreift entschlossen Partei für die Siedler, als diese sich gegen die Killer und ihre Hintermänner zur Wehr setzen.
Michael Ciminos legendärer Western-Flop "Heaven's Gate" verschlang seinerzeit mit über 30 Millionen US-Dollar mehr als das Doppelte der ursprünglich veranschlagten Produktionskosten und wurde von Kritikern regelrecht zerrissen. Nach einem angeblich 325-minütigen Rohschnitt lief die ursprünglich 1980 ins Kino gebrachte Version 219 Minuten. Recht schnell kürzte Cimino auf Drängen des Studios nochmal über eine Stunde, diese Variante kam 1981 wieder in die US-Kinos. Weltweit kennt man dennoch seit jeher vor allem den 219-minütigen "Director's Cut", während die 149-minütige "Re-Cut"-Kino-Zweitfassung nur in z. B. Frankreich oder den Niederlanden erschien. "Die Geschichte eines Einschüchterungsfeldzuges amerikanischer Großfarmer gegen osteuropäische Einwanderer, der in einem Blutbad endet (Johnson-County-War 1892). Ein aufwendiger, imposanter Spätwestern, der soziale Anklage, pessimistisch-kritische Geschichtssicht und wehmütigen Abgesang auf die Legenden des Westens verbindet. Die in breiten, schwelgerischen Bildern eingefangene Schönheit wird dabei als humane Gegenkraft zu den grausamen Vorgängen und der fatalistischen Grundstimmung der Geschichte eingesetzt. Als "Nestbeschmutzung" verunglimpft, wurde der an die 50 Mio. Dollar teure Film an den Kinokassen Amerikas ein Misserfolg, der die Produktionsfirma United Artists finanziell ruinierte."
Es waren Kritiken wie diese aus dem "Lexikon des internationalen Films", die die Zuschauer auf den Film aufmerksam machten. Vielleicht waren die Erwartungen vieler dadurch zu hoch, vielleicht waren viele beim Sehen nicht konzentriert genug, aber so ambitioniert der Film auch wirkt - er begeistert schlicht nicht. Im hier besprochenen "Director's Cut" nimmt sich Michael Cimino fast vier Stunden Zeit, ein Epos zu erzählen, welches die amerikanischen Gründerjahre nicht besonders rosig erscheinen läßt. Dabei erzählt er eine Geschichte, die man genauso auch mindestens 90 Minuten kürzer erzählen hätte können. Die Anfangssequenz mit der Uni-Feier ist ebenso überflüssig wie das langatmige Ende auf dem Boot, welches zwar ganz nett wirkt, aber tatsächlichen Nutzen hat der Schwachsinn keinen. Auch die Tatsache, dass in der Haupthandlung in der Mitte die ganzen Immigranten nicht englisch miteinander sprechen, sondern jeder sein eigenes Babylonisch, gibt dem Film zwar ein großes Stück an Authentizität, aber mit Sicherheit kein sonderlich großes Publikum.
Die Bilder sind wirklich imposant, gold- und Brauntöne dominieren. Aber es ist auch zu oft die gleiche Hütte vor den Bergen, zu oft die kleine Siedlung um die Kirche, die sich trotzdem nicht erschließt, weil es immer der gleiche Ausschnitt ist und man kein Gefühl für die Geographie bekommt. Die Schauspielerleistung ist nicht grandios, aber in Ordnung, das Drehbuch ist es nicht: Der Film beginnt mit einer langen Abschlussfeier in Harvard (die in Oxford gedreht wurde). Junge enthusiastische Menschen feiern ausgelassen. Rund 20 Jahre später treffen sich drei davon im kargen Montana wieder, doch spielt dieser Aspekt nur eine Nebenrolle, zeigt höchstens den Kontrast zwischen Ostküste und rückständigen Gebieten. Die Hauptrolle spielt Kris Kristofferson, im Mittelpunkt steht seine Liebe zu der Prostituierten Ella, die aber auch den Revolverhelden Nathan Champion liebt.
Obwohl der Film mit 209 Minuten Zeit genug hat, bleibt vieles unklar. Was macht eigentlich der von Kris Kristofferson verkörperte James Averill? Immer überaus elegant gekleidet wirkt er wie ein Fremdkörper. Er ist offenbar Jurist, zugleich ist der vornehme, reiche Harvard-Absolvent Marshall einer ärmlich Siedlung von Osteuropäern, denen von Viehbaronen zugesetzt wird. Dieser sehr interessante geschichtliche Hintergrund kommt leider etwas zu kurz, man erfährt z.B. nicht, warum Präsident und Kavallerie auf Seiten der Viehzüchter stehen, die offensichtliches Unrecht begehen. Kurz zusammengefasst besteht der Film aus der Harvard-Szene, einem sehr langen Mittelteil, in dem Averill oft Ella in ihrer abgelegenen Behausung besucht, in dem auch Champion Ella in ihrer abgelegenen Behausung besucht und sich bei den Dorfversammlungen auf der Rollschuhbahn ärmliche Osteuropäer in ihrer Muttersprache anbrüllen. Dann gibt es eine große Schlacht zwischen Siedlern und von den Viehbaronen angeheuerten Revolvermännern und ganz zum Schluss eine wortkarge Szene auf einer luxuriösen Jacht vor Rhode Island - 11 Jahre später.
Die Personenzeichnung bleibt meist in Klischees stecken, selbst bei den Hauptfiguren bleibt vieles unklar: Warum setzt sich Averill überhaupt in dieser ärmlichen Gegend für die Siedler ein? Warum liebt er Ella? Warum liebt diese Nathan? Warum glaubt der, mit Averill befreundet zu sein? Trotz gelungener einzelner Sequenzen ist "Heaven's Gate" insgesamt eher eine Enttäuschung, obwohl derart epische Werke eigentlich oft gefallen, doch wurde hier viel zu viel versucht das Bild der damaligen Gesellschaft in an überzogenen Perfektionismus grenzender Art darzustellen. Dennoch sollte der Film von jedem Filmfreund mindestens einmal angeschaut werden, besonders wegen der Schlacht, die trotz seiner Unübersichtlichkeit doch recht interessant anzusehen ist.
5/10
Von CAPELIGHT PICTURES erschien der Film hierzulande in HD in einem tollen Mediabook:













