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Mittwoch, 20. Juli 2022

Fantastic Beasts: The Secrets Of Dumbledore - Phantastische Tierwesen: Dumbledores Geheimnisse (2022)

https://www.imdb.com/title/tt4123432/

Schwarzmagier Gellert Grindelwald (Mads Mikkelsen ersetzt Johnny Depp) ist dabei, neue Anhänger für seine dunklen Pläne um sich zu scharen. Hogwarts-Lehrer Albus Dumbledore (Jude Law) weiß um die Gefahr, die von dem charismatischen Zauberer ausgeht und befürchtet, dass es Grindelwald tatsächlich gelingen könnte, die Macht in der Zaubererwelt vollends an sich zu reißen. Doch allein kann er Grindelwald nicht aufhalten, weshalb er den Magizoologen Newt Scamander (Eddie Redmayne) und dessen Freunde, zu denen auch der Muggel Jacob (Dan Fogler) gehört, einmal mehr um Hilfe bittet. Auf ihrer gefährlichen Mission lernen Newt und seine Truppe neben magischen Tierwesen auch die fanatischen Anhänger Grindelwalds kennen. Ein brodelnder Konflikt zwischen Gut und Böse bahnt sich an, den Albus Dumbledore aktiv mitentscheiden muss - und bei dem auch sein Bruder Aberforth (Richard Coyle) und der mysteriöse Credence (Ezra Miller) eine Rolle spielen werden...

Der dritte Teil der "Phantastische Tierwesen"-Saga sorgte, wie so viele andere Big-Budget-Filme in den letzten Jahren, bereits im Vorfeld für große Schlagzeilen. Regie führt wie bei den ersten beiden Filmen der Reihe David Yates, das Drehbuch schreibt abermals Joanne K. Rowling. Laut Kevin Tsujihara, dem Präsidenten von Warner Bros. Entertainment, arbeitete diese sehr hart am Drehbuch, damit der dritte Teil besser als sein Vorgänger werde. Allerdings sei man seitens des Studios sehr zufrieden mit der Richtung, in die Rowling gehen wolle. Noch vor der Veröffentlichung des zweiten Teils wurde bekannt, dass Johnny Depp auch im dritten Teil der Reihe die Rolle von Gellert Grindelwald übernehmen sollte. Er teilte jedoch im November 2020 mit, nicht mehr in der Filmreihe aufzutreten, nachdem er zuvor ein Gerichtsverfahren gegen die SUN über Falschaussagen wegen häuslicher Gewalt gegen seine Ex-Frau Amber Heard verloren hatte und im Anschluss von Warner Bros. gebeten wurde, auf die Rolle zu verzichten. Sie wurde mit Mads Mikkelsen neu besetzt. Da Depp jedoch bereits eine Szene gedreht und zuvor einen "Pay-or-Play"-Vertrag unterschrieben hatte, musste Warner Bros. ihm seine gesamte Gage in Höhe von 16 Millionen US-Dollar auszahlen. Doch dies war nur die Spitze des Eisberges. Auch die Teaser und Trailer, die veröffentlicht wurden, erzielten nicht den gewünschten Erfolg. Grund war unter anderem die Umbesetzung von Depp, der vielen Fans sauer aufstieß. 

Und nun verspricht "Phantastische Tierwesen: Dumbledores Geheimnisse" im Titel zwei Dinge, welche im fertigen Film nicht wirklich identifizierbar sind. Während die phantastischen Tierwesen im ersten Film des eigenen Franchise noch eine/die zentrale Rolle in der Handlung und dem Motiv des Hauptcharakters eingenommen haben, verkommen sie im zweiten und dritten Teil eher zu Beiwerk, welches allein als Rechtfertigung, weiterhin auf Newt Scamander als Protagonist zu setzen, dient. 

Würde letzterer einfach seine ganz eigenen Filme bekommen, in denen er sich mit Wilderei, Überfischung und Missbrauch der Zauber-Wesen auseinander setzen müsste, wäre vermutlich jeder Zuschauer damit vollkommen zufrieden, aber hier wirkt er manchmal etwas deplatziert. Die Story wirkt konstruiert und lenkt in eine völlig gegensätzliche Richtung zu dem, was man eigentlich erwarten würde. Daher bekommt Redmaynes Charakter in diesem Teil der Reihe allerdings auch weniger Screentime und überlässt diese dem anderen Namensstifter des Titels. Dumbledore ist, wie eigentlich immer, auch hier Mentor für die restliche Gruppe. Seine romantische Vergangenheit mit Grindelwald wird, in einer so großen Produktion überraschend, direkt zu Beginn offenbart, verbleibt jedoch immer auf einer Ebene der geistigen Einheit. Von Körperlichkeit ist im Film nichts mitzubekommen.

Ebenso wenig von den titelgebenden Geheimnissen. Man kann nur rätseln, was für ein Geheimnis der Schulleiter von Hogwarts verborgen haben soll, vielleicht war er damit also einfach zu erfolgreich. Es handelt sich ja laut Titel sogar um mehrere, Plural. Ist damit beispielsweise der Blutschwur gemeint, welcher Dumbledore den gesamten Konflikt lang davon abhält, persönlich gegen Grindelwald vorzugehen, nur um dann am Ende völlig überdramatisiert ein offensichtliches Schlupfloch zu finden? Oder sein großer Plan, welcher keiner ist und somit nur als billiger Platzhalter für eine drehbuchwürdige Lösung fungiert? Oder ist gar nicht Albus, sondern sein Bruder Aberforth gemeint? Es bleibt… geheim. 

Die größere Gruppe rund um Newt und Co. teilt sich im Laufe der Geschichte des Öfteren auf und eröffnet dadurch neue Handlungsstränge, die es, um die geschichte voranzutreiben, gar nicht gebraucht hätte. Immer wieder stehen unsere Helden wieder am Anfang, aber irgendwie wissen sie auch ausnahmslos sofort, was jetzt zu tun ist und wo sie hin müssen. Dies geht jederzeit zufällig auf und sie treffen auf genau die richtige Person zur richtigen Zeit. Für die Handlung sind Szenen wie jene mit den Krabbentieren um Verlies allerdings nicht wichtig. Selbst Credence, welcher im Vorgänger noch groß für die kommenden Teile angekündigt wurde, verschwindet hier völlig in der Irrelevanz und seine Zukunft scheint im Sand zu verlaufen.

Auch die Hauptstory macht es nicht viel besser. Mads Mikkelsen als neuer Grindelwald ist zwar charismatisch und trägt weite Teile des Films, seine Bedrohung wird jedoch zum Schluss dermaßen abrupt und scheinbar restlos gestoppt, dass man sich fragen darf, wofür er in den Vorjahren den ganzen Aufwand betrieben hat. Seine teils durch und durch böse, aus wütenden Menschenmassen bestehenden Gefolgsleute verbreiten den Film über Chaos auf den Straßen und Grindelwalds Aufstieg wurde in der Vergangenheit nicht umsonst mit der zeitgleichen Machtübernahme Hitlers in der Muggelwelt verglichen. Und eben jene Fanatiker lassen sich hier scheinbar durch Rationalität und Vertrauen in die Politik in ihre Schranken weisen und werden zu zahmen Schoßhündchen. Klar muss sich das in den kommenden Filmen, welche zur Zeit wohl auf der Kippe stehen, noch anders entwickeln. Als Einzelwerk betrachtet wirkt der dritte Teil aber nichts desto trotz oft inkonsequent.

Das unterstützt ebenfalls die allgemeine These, dass die einzelnen Teile der Reihe nicht so ganz zusammenpassen wollen. Das Umschreiben bestimmter Figuren zwischen den Filmen hinterlässt kein besonders befriedigendes Seherlebnis - vor allem, wenn alle Teile aneinandergereiht geschaut werden. Natürlich hat eine Produktion dieser Größe auch seine guten Seiten. Die Leistung der Darsteller ist durchweg gut bis sehr gut, auch wenn die meisten nicht besonders viel zu tun hatten. Die vielfältigen Kulissen, ob real oder, wie meist der Fall, CGI sind sehr schön anzusehen und unbedingt etwas für die große Leinwand. Ebenso die Zaubereffekte, obwohl große Duell-Highlights ausbleiben und mancher Spruch etwas kindlich präsentiert wird. Wer also die Wizarding World mag, mehr von den weiterhin liebenswürdigen Charakteren der Vorgänger sehen oder einfach nur Mads Mikkelsen in diesmal nur eines seiner blauen Augen schauen will kann hier ohne zu zögern reinschauen. Wer allerdings emotionale Konflikte, durchdachte Intrigen und einen auslaugenden Widerstandskampf (vielleicht inklusive politischer Querverweise) erwartet ist hier fehl am Platz. Würde man also mit anderen Erwartungen an "Phantastische Tierwesen: Dumbledores Geheimnisse" herangehen, hätte es womöglich auch für ein Pünktchen mehr gereicht.

6,5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Warner Bros.

Textauszüge: Wikipedia

Donnerstag, 4. April 2019

Fantastic Beasts: The Crimes Of Grindelwald - Phantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen (2018)

https://www.imdb.com/title/tt4123430/

Gellert Grindelwald (Johnny Depp), für dessen Verhaftung Newt Scamander (Eddie Redmayne) gesorgt hat, ist die Flucht gelungen. Und nicht nur das: Der Schurke hat zwischenzeitlich eine noch größere Anhängerschaft aus Zauberern um sich geschart, um seinen düsteren Plan umzusetzen, der die Vorherrschaft der reinblütigen Magier über die Muggel vorsieht. Einzig Grindelwalds ehemaliger Liebhaber Albus Dumbledore (Jude Law) wäre in der Lage, ihn zu stoppen, kann aber nicht selbst gegen Grindelwald vorgehen. Darum benötigt er die Hilfe seines früheren Schülers Scamander, der so in sein nächstes Abenteuer stürzt – und dieses Mal verschlägt es ihn nach Europa, genauer gesagt nach Paris. Denn dort ist der mysteriöse Credence (Ezra Miller) untergetaucht, den Grindelwald für sich gewinnen will. Newts Freundin Tina (Katherine Waterston) ist in Paris bereits auf der Suche nach dem Obscurial und als auch ihre Schwester Queenie (Alison Sudol) dorthin reist, brechen schließlich Newt und sein Freund, der Muggel Jacob Kowalski (Dan Fogler), ebenfalls Richtung Frankreich auf...

Im zweiten Teil der "Phantastische Tierwesen"-Reihe rückt Schwerverbrecher Gellert Grindelwald (Johnny Depp) in den Vordergrund und degradiert Newt Scamander (Eddie Redmayne) und seine Begleiter zu weniger interessanten Nebenfiguren. "Phantastische Tiewesen: Grindelwalds Verbrechen" ist damit leider der typische zweite Teil einer geplanten mehrteiligen Filmreihe. Eine überlange Einleitung für ein großes Finale (das irgendwann später ansteht), die keinen richtigen Anfang und kein richtiges Ende hat. Es ist schon ziemlich zäh, was hier von David Yates und J.K. Rowling geboten wird. "Phantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen" ist zwar deutlich düsterer als sein Vorgänger, weiß seine vielen Handlungsstränge und Figuren jedoch nicht immer ins Gleichgewicht zu bringen und verliert sich stattdessen in der Erforschung von Stammbäumen. Die namensgebenden Tierwesen spielen eine untergeordnete Rolle, dürfen vielleicht mal einen Kampf entscheiden, müssen sich ansonsten aber der Story rund um Grindelwald unterordnen, was auch der Dynamik nicht gut tut.


Die interessanteste Frage nach Ende des ersten Teils dürfte gewesen sein, wie es J.K. Rowling gelingen wird, die höchst spannende Beziehung zwischen Grindelwald und Albus Dumbledore (Jude Law) in das Tierwesen-Universum rund um Newt und seine Freunde zu integrieren. Das Zwischenergebnis fällt dafür nach dem zweiten Teil eher dürftig aus, denn "Phantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen" gelingt es bis auf wenige Spitzen kaum, diese beiden Pole miteinander zu verbinden. Während Grindelwald und Dumbledore die Handlung vorantreiben, sind Newt und seine Freunde kaum mehr als Sidekicks - zuständig für visuelle Spielereien und seltsam unausgegorene Lovestories. So pocht Queenie (Alison Sudol), die sich am Ende des Vorgängers noch in der Annäherungsphase mit Jacob (Dan Fogler) befand, hier gleich zu Beginn auf eine Heirat. Unterdessen befindet sich Newt in einem holprig erzählten Liebesdreieck mit Tina (Katherine Waterstone) und Leta Lestrange (Zoë Kravitz). Zusätzlich wird auch noch der Frage nach der wahren Herkunft von Credence (Ezra Miller) nachgegangen, bei der jedoch bis zur finalen Auflösung unklar bleibt, warum sie für den Zuschauer überhaupt relevant sein sollte.


"Phantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen“ wirkt dadurch zu kaum einem Zeitpunkt in irgendeiner Form magisch. Im Gegenteil, wenn der blass-autistisch wirkende Held durch teure aber matschige Digital-Effekte schleicht, die Story nur hohl und unzusammenhängend wirkt, dann ist dieses Star-Power-Upgrade des Vorgängers ein Beispiel wie jegliche Phantasie verloren gehen kann.

Stärker als alle bisherigen Filme aus Rowlings magischer Welt fühlt sich "Phantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen" auch nach einem bloßen Bindeglied zwischen anderen Teilen an und kann dementsprechend nur begrenzt für sich allein stehen. Im Unterschied zu den "Harry Potter"-Filmen zeigt sich zudem, dass mit Erklärungen für bestimmte Vorgänge und Zaubereien gespart wird, der Zuschauer nicht mehr so stark bei der Hand genommen wird. Daher kann es mitunter schwer fallen, nachzuvollziehen, warum eine Figur plötzlich über diese oder jene Fähigkeit verfügt oder welcher Zauber denn nun gerade wieder am Werk ist. So hat Newt etwa in einer Szene zur rechten Zeit Vielsafttrank bei sich, verwandelt sich kurzerhand in seinen Bruder Theseus (Callum Turner) und nach wenigen Sekunden wieder zurück, ohne dass der Schwindel groß auffallen würde. Auch bleibt offen, welche Rolle nun Nagini (Claudia Kim) in diesem Film einnimmt oder weshalb die mit der Gabe des Gedankenlesens gesegnete Queenie auf Grindelwalds Verlockungen herein fällt.


Viel schlimmer ist allerdings die komplett konfus zusammengezimmerte Familiengeschichte um Credence, die eine unglaubwürdige Wendung nach der anderen nimmt und in einer ziemlich peinlichen finalen Wahrheit ohne Belang gipfelt. Die gut begonnene Geschichte aus dem Vorgänger wird nur sehr bescheiden weitergeführt, dazu passt auch, dass Newt Scamanders Rückkehr auf die Bühne wenig einfallsreich und ziemlich künstlich daherkommt. Weshalb Dumbledore - bei dem sich nebenbei die Frage stellt, wie aus dem eleganten und adrett gekleideten Mann später dieser exzentrisch angezogene, langbärtige Kauz werden konnte - ausgerechnet Newt auf die Jagd nach Grindelwald schickt, kann nicht zufriedenstellend erklärt werden. Der durchaus aktuell-politisch interpretierbare Plot über den aufkommenden Reinblut-Faschismus, der jede Form von Nicht-magischen Wesen ausrotten will, wird mit einem nahezu hilflos-polterigen Drehbuch erzählt. Ständig ist der Film damit beschäftigt irgendwelche Schlüsselfiguren vorstellen, die dann den Grundstein für weitere Teile legen sollen.

Gerettet werden viele Passagen nur von Dan Fogler, der als Muggel Jacob wieder einige Highlights für sich beanspruchen darf. Immerhin bietet "Grindelwalds Verbrechen" auch wieder zahlreiche kreative Ideen, einige starke visuelle Effekte und gewinnt mit Dumbledore und Grindelwald zwei komplexe Hauptfiguren hinzu, die von Jude Law und Johnny Depp ausgezeichnet verkörpert werden. Besonders im letzten Drittel nimmt dieser zweite Teil dann auch noch einmal Fahrt auf und führt die zuvor recht wirren Handlungsstränge einigermaßen zufriedenstellend zusammen. Aber der Showdown, der sich letztendlich nur als großer Cliffhanger entpuppt, hinterlässt wenig Eindruck. Gelingt es Rowling in den kommenden Teilen der Beziehung zwischen Grindelwald und Dumbledore weiter Tiefe zu verleihen und noch konsequenter Seitenhiebe auf die aktuelle Weltpolitik einzustreuen, darf auf einen Anstieg der Formkurve in diesem Franchise gehofft werden. Einstweilen markiert "Grindelwalds Verbrechen" aber einen vorläufigen Tiefpunkt und die nächste Fortsetzung, für den dieser Film letztendlich geopfert wurde, muss dem Rechnung tragen.

6,5/10

Exklusiv bei amazon.de gibt es den Film auch im limitierten Steelbook: 


Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Warner Bros.

Dienstag, 29. November 2016

Fantastic Beasts And Where To Find Them - Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind (2016)

http://www.imdb.com/title/tt3183660/

In New York wird die magische Welt 1926 von einer unbekannten Macht bedroht, die die Gemeinschaft der Zauberer an fanatische No-Majs (Amerikanisch für Muggels) verraten will. Von all diesen Spannungen ahnt der exzentrische und hochbegabte britische Zauberer Newt Scamander (Eddie Redmayne) noch nichts, denn der hat gerade erst eine weltweite Forschungsreise abgeschlossen, mit der er die Vielfalt magischer Wesen erforschen will. Einige von ihnen trägt er sogar in seinem Koffer mit sich herum. Doch als der ahnungslose Jacob Kowalski (Dan Fogler) versehentlich einige der Geschöpfe freilässt, droht eine Katastrophe. Bei ihrem Versuch sie wieder einzufangen, treffen Newt und Jacob auf Tina Goldstein (Katherine Waterston), die ihnen unter die Arme greift. Doch ihre Unternehmungen werden durch Percival Graves (Colin Farrell) erschwert, dem Direktor für magische Sicherheit im MACUSA (Magischer Kongress der USA). Der hat es nämlich auf Newt und Tina abgesehen...

Mit dieser Verfilmung der Entstehung des fiktiven Lehrbuchs "Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind" wird Joanne K. Rowlings "Harry Potter"-Universum nach 5 Jahren erweitert. Wobei die Fans nicht lange warte mussten. Bereits am 12. September 2013 ließ Warner Bros. verlauten, dass J. K. Rowling bei diesem Film ihr Debüt als Dreh­buch­schreiberin geben werde und dies den Anfang einer geplanten Reihe von Produktionen markiere, die auf den "Harry Potter"-Begleitbüchern basiere. Zu Beginn dieser neuen Reihe, die in den 1920er Jahren spielt, wird das Leben des Newt Scamander beschrieben, eines Autors magischer Bücher, der 70 Jahre, bevor Harry Potter nach Hogwarts kommt, lebt. Der erste Film der geplanten Reihe soll jedoch weder ein Prequel noch ein Sequel zu den "Harry Potter"-Romanverfilmungen darstellen und dies ist er auch nicht geworden. Kein Wunder also, dass sicher einige Fanboys enttäuscht den Kinosaal verliesen. Wer sich jedoch von dem jungen Zauberer lossagen kann und bereit ist, die von Rowling erschaffene Zauberwelt mit anderen Augen zu erkunden, der wird in "Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind" einen mitreißenden, zauberhaften und durchgängi unterhaltsamen Streifen finden, der viel von der Magie innehat, ohne jedoch das etablierte Franchise für Fans zu stark in Mitleidenschaft zu ziehen.


Es gelingt Joanne K. Rowling eben auch ohne Zugpferde Harry Potter aus dem als Sachbuch erschienenen "Fantastische Tiere und wo sie zu finden sind" eine gelungene Leinwandadaption, die sich auch für Nichtkenner der "Harry Potter"-Reihe eignet, zu kreieren. Eddie Redmayne ist ein sympathischer Protagonist, mit dem der Zuschauer schon bald seine Liebe für außergewöhnliche Tiere teilt. Die Musik ertönt, es beginnt mit einem Knall und geht über in eine Montage von Zeitungsartikeln. Der Regisseur von "Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind", David Yates, der auch für die letzten vier "Harry Potter"-Teile verantwortlich war, holt den Zuschauer von Anfang an sofort ab und schafft es auch, ihn über die meiste Zeit voll und ganz bei sich behalten. Und das 3D-Erlebnis ist schlichtweg Wahnsinn.

Der Film macht unglaublich viel richtig. Die Figuren werden ausführlich vorgestellt, zudem sind sie allesamt sympathisch und interessant. Eddie Redmayne verkörpert den etwas ungelenken, schüchternen, sowie zurückgezogenen Newt Scamander überzeugend. Er schafft es, mit Mimik und Gestik einen eigenständigen und unverwechselbaren Charakter darzustellen. Dan Fogler bringt den No-Maj ("No-Match", amerik. für Muggel) Jacob Kowalski derart sympathisch rüber, dass man sich gerne mit ihm identifiziert und diese neue Welt mit ihm erkunden möchte und die Schwestern Porpentina und (die wunderschöne) Queenie Goldstein, gespielt von Katherine Waterston und Alison Sudol sind als dynamisches Duo eine interessante Ergänzung zu den beiden Kerlen. Allzu viel wird von den Figuren noch nicht erzählt, doch es reicht für den Moment aus und macht definitiv Lust auf mehr. Selbst Percival Graves, gespielt von Colin Farrell, bietet einen herrlich mysteriösen Gegenpart zu den vier Hauptprotagonisten und Credence, verkörpert von Ezra Miller, bietet in diesem Film die wohl tragischste und zugleich spannendste Figur. Und wer während des Film genau aufpasst, bekommt sogar schon den neuen Oberbösewicht präsentiert, der am Ende sogar noch einen Auftritt bekommt und von keinem geringeren gespielt wird als... aber das möchte ich an dieser Stelle nicht verraten, zu viel Freude würde ich nehmen.


Der Film an sich hat immer wieder Momente, die die Lachmuskeln beanspruchen und er strahlt eine enorme, wohlige Wärme aus, die man in den kalten Monaten zu Weihnachten gerne um sich hat. Trotzdem wird die Grundatmosphäre einer Gefahr deutlich spürbar. "Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind" ist stellenweise deutlich ernst und zum Teil auch sehr düster. Er hat unter der oberflächlich inszenierten Darstellung einiger Szenen einen makaberen Unterton und vermittelt, dass es hier nicht nur um das spaßige Einfangen einiger niedlicher Tierwesen geht. Trotz dessen sei gesagt, dass diese Jagd nach diesen Wesen einen Heidenspaß bereitet. Der Niffler, der neue Liebling für wohl beinahe jeden Kinogängers, hinterlässt im Film die drolligsten Momente. Oder ein Erumpent, der es auf Dan Foglers Charakter Jacob Kowalski abgesehen hat, sorgt für eine Menge Spaß. Obwohl das in diesem speziellen Fall für einige etwas gewöhnungsbedürftig sein könnte und Geschmackssache ist, wenn ein paarungswilliges Nilpferd ähnliches Geschöpf Jagd auf einen Menschen macht.

Die Erzählweise von "Phantastische Tierwesen" kann im ersten Moment etwas hakelig wirken, jeoch findet man sich schnell zurecht. Neben den vier Hauptprotagonisten werden etliche andere Charaktere vorgestellt, die ihre eigene Geschichte und ihren eigenen Hintergrund besitzen und dies macht es dem Zuschauer oft schwer, Ihnen sofort zu folgen. Das ist kein neues Problem, auch viele Serien tragen diese Problematik mit sich herum, die sich erst im Verlauf derselben (oder in Fortsetzung) auflösen und man den lang erwarteten Aha-Effekt erhält. Der Film springt zuweilen von Entdecken von Tierwesen zu düsterer Exekution zu einem niedlichem Niffler-Moment und zurück zu einem intensivem Mordanschlag. Das hätte leicht nach hinten los gehen können, doch der Film hält sich meistens in Waage und bietet ein abwechslungsreiches Abenteuer, das bis zum Schluss annehmbar miteinander zusammen gefügt wird und auf einen stimmigen Nenner kommt. Hier und da wirken einige Szenen schnell eingefügt, doch das trübt nicht den Gesamteindruck. Die Atmosphäre des knapp 135 Minuten langen Films macht da einiges wieder wett.


Es passiert tatsächlich viel in "Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind" und erinnerungswürdige Botschaften, welche beinahe eindeutiger und intensiver sind als in so manchem "Harry Potter"-Film, ziehen sich wie ein roter Faden durch das Geschehen. Somit ist auch hier wieder noch mehr Interesse auf die angekündigten Fortsetzungen geweckt worden. Lediglich die Szenen um die Personen rund um den Wahlkampf der No-Majs (rund um Senator Shaw) wirkten leicht deplatziert und dienten wohl nur als Mittel zum Zweck. Dem Film gelingt es, und das kann man ihm durchaus hoch anrechnen, sich vollends auf seine Geschichte zu konzentrieren. Es werden keine viel zu offensichtlichen Anspielungen auf "Harry Potter" gemacht. Es werden natürlich altbekannte Namen erwähnt, mal ist eine Kreatur aus den vorangegangenen Filmen zu erkennen oder die längst erlernten Zaubersprüche werden verwendet, aber da ist auch nichts anderes zu erwarten. Es ist und bleibt eine Geschichte aus der magischen Welt von "Harry Potter".

Hinzu kommt die komplett neue Musik von James Newton Howard, die extrem gut zu gefallen weiß. Der Score hat einfach seinen eigenen Charakter, vermittelt in den Szenen sehr gut die Atmosphäre und kann sogar dazu veranlassen eine Gänsehaut auszulösen. Und natürlich ist es auch mal schön ein paar recyclete Klänge der alten Melodie zu hören, die sich manchmal heimlich, still und leise hinein schleicht. Die CGI Effekte sind durch die Bank weg grandios und fühlen sich trotzdem nicht nach einem CGI-Overkill an. Aber Newts Kofferinhalt ist auch wahrlich magisch und birgt so einige interessante Nischen und Ecken. Das Finale trumpft dann noch einmal mit brachialer Action auf, die wahrlich wuchtig und zum Hang der Übertreibung daher kommt. Allerdings auch nichts, was man dem Film negativ anrechnen müsste.

Aber ob es nun am wahrlich zauberhaften Score von James Newton Howard liegt oder nicht, "Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind" ist einfach ein durchgängig toller Film, der sicher fast jeden abholen kann, unterhält, begeistert und rührt und ihn mit einem wohlig-warmen Gefühl im Bauch aus dem Saal entlässt. Bitte mehr davon!

8,5/10

Exklusiv bei amazon.de gibt es den Film auch im limitierten Steelbook:


Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Warner Bros.