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Donnerstag, 16. Juli 2026

Shallow Hal - Schwer verliebt (2001)

https://www.imdb.com/de/title/tt0256380/
https://letterboxd.com/film/shallow-hal/

Für den Durchschnittstypen Hal (Jack Black) zählen bei Frauen nur Äußerlichkeiten, und somit muss seine Traumfrau auch Traummaße haben. Als er mit dem Persönlichkeitstrainer Tony Robbins (spielt sich selbst) im Aufzug steckenbleibt, erzählt er ihm von seinen Problemen, eine Frau zu finden. Robbins verspricht ihm zu helfen: durch Hypnose. Nach der Sitzung ist nichts mehr, wie es vorher war. Hal verliebt sich unsterblich in die 300 Pfund schwere Rosemary (Gwyneth Paltrow), die er als gertenschlanke Schönheit wahrnimmt. Als sein Kumpel Mauricio (Jason Alexander) die Gehirnwäsche rückgängig macht, steht Hal vor einer schweren Prüfung...

Die Farrelly-Brüder waren Anfang der 2000er-Jahre vor allem für derbe Komödien wie "Dumm und Dümmer" oder "Verrückt nach Mary" bekannt. Umso überraschender war "Schwer verliebt", eine romantische Komödie, die zwar den typischen Humor der Regisseure beibehält, gleichzeitig aber eine Geschichte über Oberflächlichkeit, Selbstbild und innere Schönheit erzählen möchte. Das Ergebnis ist ein sympathischer und durchaus mutiger Film, der seine Botschaft nicht immer perfekt vermittelt, aber dennoch viel Charme und Herz besitzt. Dabei sind die beiden Hauptdarsteller das A und O des Films. Jack Black beweist hier sein Talent für liebenswerte, etwas chaotische Figuren. Hal ist zwar anfangs oberflächlich und selbstbezogen, bleibt aber sympathisch genug, damit man ihm seine spätere Entwicklung abnimmt. Black verleiht der Figur eine ehrliche Wärme und sorgt dafür, dass die romantischen Momente ebenso gut funktionieren wie die komödiantischen. Gwyneth Paltrow überzeugt in einer der ungewöhnlicheren Rollen ihrer Karriere. Sie spielt Rosemary mit großer Herzlichkeit und verleiht der Figur eine natürliche Ausstrahlung, die deutlich macht, warum Hal sich in sie verliebt. Dabei gelingt es dem Film immer wieder, die Zuschauer daran zu erinnern, dass Attraktivität weit mehr ist als ein äußeres Erscheinungsbild.

Besonders gelungen ist die grundlegende Idee der Geschichte. Die Vorstellung, dass jemand ausschließlich die innere Schönheit eines Menschen wahrnimmt, eröffnet interessante Möglichkeiten für Humor und gesellschaftliche Beobachtungen. Viele Szenen funktionieren gerade deshalb so gut, weil sie den Zuschauer dazu bringen, die eigenen Vorurteile und Schönheitsideale zu hinterfragen. Allerdings liegt hier auch die größte Schwäche des Films. Während "Schwer verliebt" eine positive Botschaft vermitteln möchte, arbeitet er gleichzeitig immer wieder mit Witzen, die sich gerade aus dem Äußeren der Figuren ergeben. Dieser Spagat gelingt nicht immer. Einige Gags wirken aus heutiger Sicht problematisch oder stehen im Widerspruch zu der eigentlich sehr warmherzigen Aussage des Films. Die guten Absichten der Farrelly-Brüder, sind erkennbar, die Umsetzung besitzt aber nicht immer die notwendige Sensibilität. Auch die Handlung verläuft insgesamt recht vorhersehbar. Die romantischen und dramatischen Wendungen folgen weitgehend den bekannten Regeln des Genres, und manche Konflikte werden etwas zu einfach aufgelöst. Zudem verliert der Film im letzten Drittel etwas von seiner Leichtigkeit und bemüht sich stellenweise zu sehr, seine Botschaft zu vermitteln. Dennoch besitzt "Schwer verliebt" eine Aufrichtigkeit, die viele romantische Komödien vermissen lassen. Hinter den Witzen steckt ein ehrliches Interesse an seinen Figuren und die klare Botschaft, Menschen nicht ausschließlich nach ihrem Äußeren zu beurteilen. Gerade dadurch gewinnt der Film eine emotionale Ebene, die ihn über eine gewöhnliche RomCom hinaushebt.

6/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: 20th Century Fox/Conundrum Entertainment

Montag, 5. Januar 2026

Cleaner (2025)

https://www.imdb.com/de/title/tt27812086/

In London wird die jährliche Gala eines Energieunternehmens zum Schauplatz eines gefährlichen Konflikts, als radikale Aktivisten das Gebäude stürmen und 300 Geiseln nehmen, um die Korruption der Gastgeber ans Licht zu bringen. Was zunächst als gerechte Aktion beginnt, eskaliert, als ein Extremist in ihren Reihen die Kontrolle übernimmt. Entschlossen, seine anarchistische Botschaft mit Gewalt zu verbreiten, schreckt er auch vor einem Massaker nicht zurück. Die Rettung der Eingeschlossenen liegt in den Händen einer ehemaligen Soldatin, die inzwischen als Fensterputzerin arbeitet. Joey Locke (Daisy Ridley) hängt 50 Stockwerke hoch an der Außenfassade des Gebäudes – ihre einzige Chance, ihren jüngeren Bruder und die anderen Geiseln vor einer Katastrophe zu bewahren. In einem Wettlauf gegen die Zeit kämpft sie nicht nur gegen die Extremisten, sondern auch gegen ihre eigenen Grenzen.

"Cleaner" ist ein solider, aber letztlich nur mittelmäßiger Beitrag zum modernen Actionkino: kompetent inszeniert, thematisch aktuell, doch zu schematisch, um wirklich nachzuhallen. Der Film folgt Joanna "Joey" Locke, einer früheren Marinesoldatin, die nun als Fensterputzerin an einem Londoner Wolkenkratzer arbeitet und gleichzeitig für ihren autistischen Bruder Michael Verantwortung trägt. Während einer Aktionärsgala stürmt die Klimaaktivistengruppe "Earth Revolution" das Gebäude, nimmt Hunderte Geiseln und prangert die Umweltverbrechen eines Energiekonzerns an. Joey bleibt zunächst buchstäblich außen vor, bevor sie - von der Fassade aus - in einen Kampf gegen Terroristen, moralische Grauzonen und ihre eigene Vergangenheit hineingezogen wird.

Wie John McClane in "Stirb langsam" ist Joey eine Figur, die widerwillig zur Einzelkämpferin wird, während oben im Glasturm Symbole von Macht und Gier belagert werden. Die Blaupause ist unverkennbar: Geiselnahme im Hochhaus, politisch aufgeladene Bösewichte, ein isolierter Protagonist, der via Funk mit der Polizei verbunden ist - nur dass hier eine weibliche Heldin und Öko-Terroristen das bekannte Muster aktualisieren, ohne es wirklich zu erneuern. Der Film nimmt sich Zeit, Joeys Alltag und ihre Beziehung zu Michael zu etablieren, doch im Gegensatz zu McClane, dessen Witz die Action elektrisiert, bleibt Ridleys Figur oft mehr funktionale Projektionsfläche als charakterliches Ereignis. Der Titel spielt indes geschickt mit einer Doppelbedeutung: Joey putzt Glasfassaden, während die Aktivistengruppe vorgibt, die Umwelt und die korrupte Elite sauber zu machen. In den besten Momenten spiegelt der Film dieses Motiv visuell - die Heldin hängt außen, während drinnen ein moralisches Reinigungsritual stattfindet, das zunehmend selbst mit Blut und Lüge verschmutzt wird. Doch die politische Dimension bleibt halbherzig: Die Öko-Terroristen haben zwar Argumente, werden aber rasch zu Genre-Schurken reduziert, wodurch der vermeintliche moralische Cleanup eher wie ein dekoratives Thema wirkt als wie ein ernsthaft verhandelter Konflikt.

Martin Campbell liefert damit routinierte Hochhaus-Action, die in den Außenaufnahmen - Joeys Perspektive in schwindelerregender Höhe - ihre stärksten, physisch spürbaren Momente findet. Die Dynamik zwischen Joey, ihrem opportunistischen Kollegen Noah und dem ambivalenten Anführer Marcus deutet komplexere moralische Spannungen an, wird aber zugunsten erwartbarer Wendungen (Verrat aus den eigenen Reihen, eskalierender Fanatismus) schnell auf Genre-Normalmaß gestutzt. Am Ende ist "Cleaner" ein passabler "Die Hard"-Abkömmling, ohne jemals dessen Klasse zu erreichen, für ein ökologisch beunruhigtes Zeitalter: unterhaltsam genug für einen Abend, aber zu billig und generisch und ohne echte Wow-Momente, um sich im Gedächtnis festzusetzen.

5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: MGM/amazon studios

Freitag, 28. Juni 2024

X-Men '97 (2024)

https://www.imdb.com/title/tt16026746/

"X-Men '97" ist die Fortsetzung von "X-Men: The Animated Series" aus den Jahren 1992-1997. Die Handlung beginnt ein Jahr nach den Ereignissen im Finale, in dem Professor X (Stimme im englischen Original: Ross Marquand) sowohl seine X-Men als auch die Erde verließ. Scott Summers a.k.a. Cyclops (Ray Chase) muss nun als neuer Anführer der X-Men das Erbe von Charles Xavier antreten. Eine neue militante Gruppe, die gegen Mutanten ist - die "Friends Of Humanity" - sorgen dabei von Anfang an für Schwierigkeiten. Doch das ist nichts im Vergleich zur Ankunft von Schurke Magneto (Matthew Waterson), der - laut Xaviers Testament - die Führung über die X-Men übernehmen soll.

https://www.imdb.com/title/tt21350562/
1. Zu mir, meine X-Men (To Me, My X-Men)
Ein Jahr nach dem Anschlag durch Henry Peter Gyrich auf Professor Charles Xavier, welcher Charles dazu brachte, die Erde mit Shi-ar zu verlassen, um seinen eigenen Tod vorzutäuschen, setzen die X-Men ihre Mission fort, Mutanten und Menschen gleichermaßen zu verteidigen. Die Vereinten Nationen (UN) haben die X-Men mittlerweile gesetzlich sanktioniert. Sie retten einen jungen Mutanten, Roberto da Costa, vor der Anti-Mutanten-Gruppe "Friends Of Humanity" (FoH), die Sentinel-Technologie nutzt. Um den Sentinel-Schöpfer Bolivar Trask zu finden, besuchen die X-Men Gyrich im Gefängnis und Jean Gray erforscht seinen Geist mithilfe von Cerebro, um seine übersinnlichen Fähigkeiten zu verstärken. Sie findet Trask auf einem Schrottplatz in der Sahara, erhält aber auch eine schreckliche Vorahnung. Die X-Men zerstören die Überreste mehrerer Sentinels und eines Master-Mold-Supercomputers auf dem Schrottplatz und nehmen Trask fest. Cyclops und eine schwangere Jean geben bekannt, dass sie die X-Men verlassen, um ihren Sohn in Sicherheit großzuziehen. Sie werden von ihrem ehemaligen Widersacher Magneto unterbrochen, der verrät, dass Xavier ihm in seinem Testament die Kontrolle über die X-Men und Xaviers Schule für Mutanten übertragen hat. - 8,5/10

https://www.imdb.com/title/tt31322425/
2. Hoffnung für Mutanten (Mutant Liberation Begins)
Magneto beginnt, sowohl Menschen als auch Mutanten zu retten und verzichtet darauf, Anti-Mutanten-Aktivisten zu töten. Ein misstrauischer Cyclops und Jean beschließen, bei den X-Men zu bleiben, während Rogue Verständnis für Magnetos Probleme hat. Als UN-Truppen unter der Führung von Dr. Valerie Cooper versuchen, Magneto wegen seines früheren Terrorismus zu verhaften, willigt er ein, sich zu ergeben und sich einem Prozess zu stellen, um sich zu beweisen. Während seines Prozesses im UN-Hauptquartier inszenierte das FoH einen Angriff. Ihr Anführer, X-Cutioner, schießt mit einer entkräftenden Strahlungsexplosion auf Magneto; Storm nimmt den Treffer für ihn ein und verliert seine Fähigkeiten. Bei Jean setzen die Wehen ein und Rogue ist gezwungen, das Wissen eines Geburtshelfers in sich aufzunehmen, als er sich weigert, das Baby eines Mutanten zur Welt zu bringen. Jean bringt einen Sohn zur Welt, den sie und Cyclops Nathan nennen. Nachdem Magneto X-Cutioner festgenommen und den Angriff gestoppt hat, wird er begnadigt und es beginnen Gespräche über den Beitritt der Mutantennation Genosha zur UN. Beast erzählt Storm, dass die Explosion sie dauerhaft entkräftet hat und sie verlässt das Team, um einen neuen Sinn im Leben zu finden. Während sie ihre Entscheidung besprechen, werden die X-Men von der plötzlichen Ankunft einer Frau überrascht, die genauso aussieht wie Jean. - 9/10


https://www.imdb.com/title/tt31322434/
3. Eine rätselhafte Begegnung (Fire Made Flesh)
Beast stellt fest, dass es sich bei dem Jean-Doppelgänger tatsächlich um den echten Jean Grey handelt. Der bösartige Mister Sinister kontaktiert die andere Jean und entlarvt sie als einen Klon, den er geschaffen hat, um Zugang zu ihr und der DNA von Cyclops zu erhalten. Sinister übernimmt die Kontrolle über ihren Geist und verwandelt sie in die Koboldkönigin. Sie übergibt Nathan an Sinister und unterwirft die X-Men schrecklichen Visionen, die auf ihren eigenen Ängsten basieren. Morph, der zuvor von Sinister korrumpiert und kontrolliert wurde, führt die X-Men in eines von Sinisters Laboren, wo er Nathan mit einem techno-organischen Virus infiziert, in dem Glauben, dass er das Kind dadurch unbesiegbar machen würde. Die echte Jean konfrontiert die Koboldkönigin telepathisch und nutzt ihre gemeinsamen Erinnerungen, um sie von Sinisters Kontrolle zu befreien. Der Klon Jean und Cyclops retten Nathan, der schwer erkrankt ist, während Sinister entkommt. Der Klon Jean gibt Nathan dem zeitreisenden Verbündeten der X-Men, Bishop, damit dieser in Zukunft versuchen kann, ein Heilmittel für das Virus zu finden. Anschließend nimmt sie den Namen Madelyne Pryor an und verlässt das Team. An anderer Stelle stellt sich ein Mutant namens Forge Storm vor und behauptet, dass er ihre Kräfte wiederherstellen kann. - 8,5/10

https://www.imdb.com/title/tt31322435/
4. Motendo / Leben und Tod - Teil 1 (Motendo / Lifedeath - Part 1)
Jubilee möchte ihren 18. Geburtstag in der Spielhalle feiern, aber Magneto weigert sich und fordert das Team auf, sich auf das Training zu konzentrieren. Roberto tröstet Jubilee, der überrascht ist, in seinem Zimmer eine neue „Motendo“-Videospielkonsole zu finden. Das Paar wird in ein Videospiel hineingezogen, das auf ihren früheren Abenteuern basiert und von dem außerirdischen Sklavenhalter Mojo entwickelt wurde, der von der Interaktion mit dem Publikum lebt. Jubilee genießt es, ihre vergangenen Missionen noch einmal durchzuleben, ist jedoch von Abscissa - einer älteren digitalen Kopie ihrer selbst aus der Betaversion des Spiels - davon überzeugt, dass sie ein leeres Leben führen würde. Abscissa hilft Jubilee und Roberto, Mojo zu besiegen, und das Paar kehrt in die reale Welt zurück. Jubilee küsst Roberto. Forge nimmt Storm mit auf seine Ranch, wo er eine Maschine entwickelt hat, die ihre Kräfte wiederherstellen kann, die jedoch scheinbar versagt. Storm bemerkt eine seltsame Eule, die um die Ranch herumfliegt. Als Forge zugibt, dass er die Technologie entwickelt hat, auf der die Mutanteninhibitorhalsbänder und die Strahlenpistole von X-Cutioner basieren, geht Storm wütend davon. Die Eule entpuppt sich als Dämon namens Widersacher. Es bringt Storm zurück zur Ranch und vergiftet Forge. - 7/10


https://www.imdb.com/title/tt31322436/
5. Erinnere dich (Remember It)
Da Jean nicht erkennen kann, welche Erinnerungen ihr und welche Madelyne gehören, offenbart sie Wolverine ihre emotionale Verwirrung und küsst ihn. Er weist ihre Annäherungsversuche zurück und fordert sie auf, mit Cyclops zu sprechen, von dem sie erfährt, dass er telepathisch mit Madelyne kommuniziert hat. Magneto, Rogue und Gambit reisen nach Genosha, wo der Genoshan-Rat Magneto bittet, das Land zu führen; er stimmt unter der Bedingung zu, dass Rogue mit ihm führt. Rogue erklärt Gambit, dass sie eine geheime Beziehung zu Magneto hatte, als sie jünger war, da seine Fähigkeiten es ihr ermöglichen, ihn zu berühren, ohne ihn zu verletzen, was sie bei Gambit nicht tun kann. Bei einer Gala zur Feier des Beitritts von Genosha zur UN küsst Rogue Magneto und erkennt, dass sie einen Fehler gemacht hat, ihn gegenüber Gambit zu wählen. Der zeitreisende Cable kommt und Madelyne erkennt, dass er ein erwachsener Nathan ist. Cable wird in die Zukunft zurückgeschickt, bevor er alle vor dem Kommenden warnen kann: Ein verbesserter Master Mold und eine Armee von Sentinels greifen Genosha an und töten Tausende von Mutanten. Gambit opfert sich selbst, um die Meisterform zu zerstören, was Rogue untröstlich zurücklässt. - 9,5/10

https://www.imdb.com/title/tt31322437/
6. Leben und Tod - Teil 2 (Lifedeath - Part 2)
Während eines Krieges zwischen dem Schiiten- und dem Kree-Reich gibt die schiitische Kaiserin Lilandra Neramani ihre Verlobung mit dem inzwischen geheilten Xavier bekannt. Deathbird weigert sich, die Heirat ihrer Schwester mit einem Terraner zu akzeptieren, beruft sich auf den Ritus von M'Dashaa und fordert Xavier auf, alle seine Erinnerungen an die Erde zu löschen, um seine Loyalität gegenüber den Schiiten zu beweisen. Xaviers Weigerung, seine Erinnerungen an die X-Men aufzugeben, führt zu einem Kampf zwischen der schiitischen Kaisergarde und den Anhängern von Deathbird, bis Xavier alle auf die Astralebene zieht, um sie über das Zusammenleben aufzuklären. Als diese Lektion durch eine psychische Vision von Gambits Tod unterbrochen wird, beschließt Xavier, zur Erde zurückzukehren. Auf der Ranch nutzt Forge das Zauberbuch seiner Mutter, um den Dämon zu vertreiben, und Storm hilft ihm dann bei der Suche nach einem seltenen Kaktus, der das Gift heilen kann. Storm findet den Kaktus in einer Höhle, wird aber erneut vom Widersacher in die Enge getrieben. Storm überwindet ihre Ängste, erlangt ihre Kräfte zurück und besiegt den Widersacher. Storm heilt Forge und dann erfahren sie von dem Angriff auf Genosha. An anderer Stelle wird Trask von Mister Sinister konfrontiert, der warnt, dass Genosha nur der Anfang war. - 8/10


https://www.imdb.com/title/tt31322438/
7. Hinters Licht geführt (Bright Eyes)
Während die X-Men eine Beerdigung für Gambit abhalten, macht sich Rogue wütend auf die Suche nach Gyrich und Trask. Nachdem er Informationen von General Thunderbolt Ross und Captain America erhalten hat, findet Rogue Gyrich in Mexiko und nimmt seine Erinnerungen auf. Gyrich wird später in der Nacht ermordet. Während sie bei den Wiederherstellungsbemühungen in Genosha helfen, werden die X-Men von einem verängstigten Trask kontaktiert, der ihnen erzählt, dass er sich in Madripoor befindet. Sie bekommen Rogue auf den Weg. Roberto und Jubilee besuchen Robertos Mutter und erzählen ihr, dass er ein Mutant ist; Sie bittet ihn, seine Identität geheim zu halten. In Madripoor erfahren die X-Men, dass Sinister und die geheime UN-Abteilung „OZT“ ein hochentwickeltes Sentinel-Programm entwickelt haben. Rogue lässt Trask in den Tod fallen und aktiviert dabei unwissentlich eine Programmierung, die ihn in einen Mensch-Sentinel-Hybriden verwandelt. Cable kommt an, besiegt Trask mit einem EMP und erklärt, dass Sinister mit einer größeren Bedrohung arbeitet, die sie stoppen müssen. Diese Bedrohung, die Gyrich ermordet hat, ist Bastion. Er enthüllt Sinister, dass Xavier im Weltraum lebt und dass Magneto, der bei dem Genosha-Angriff vermutlich ums Leben gekommen ist, ebenfalls lebt und Bastions Gefangener ist. - 9/10

https://www.imdb.com/title/tt31322442/
8. Toleranz bedeutet Auslöschung - Teil 1 (Tolerance Is Extinction - Part 1)
Die UN enthüllen der Welt, dass Xavier am Leben ist, und provozieren damit einen Anti-Mutanten-Protest vor der Schule. Cable erklärt den X-Men, dass das Genosha-Massaker ein „absoluter Zeitpunkt“ sei, der nicht geändert werden könne, und dass Bastion ihn nutzen werde, um einen 300-jährigen Krieg zu beginnen, der zur Versklavung von Mutanten in einer menschlichen Utopie führen werde. Cyclops, Jean und Cable reisen nach Harmony, Pennsylvania, wo sie erfahren, dass Bastion ein Mensch-Maschine-Hybrid ist, der gezeugt wurde, nachdem sein Vater mit einem Teil des fortschrittlichen, zeitreisenden Sentinel Nimrod infiziert worden war.[b] Mitglieder von „Operation : Zero Tolerance“ (OZT) äußern ihre Besorgnis über das Massaker und bitten Dr. Cooper, Bastion zu überwachen, der ihr erklärt, wie er Menschen mithilfe des techno-organischen Virus von Sinister in Prime Sentinels wie Trask verwandelt. Prime Sentinels werden auf der ganzen Welt aktiviert, greifen Mutanten an und brennen Xaviers Schule nieder. Ein entsetzter Cooper lässt Magneto frei, der einen weltweiten Stromausfall verursacht, der Tausende von Menschen tötet und alle Prime Sentinels lahmlegt. Wolverine befürchtet, dass Magneto den Krieg erklärt hat, als Xavier zurückkehrt und die X-Men herbeiruft. - 9,5/10


https://www.imdb.com/title/tt31322443/
9. Toleranz bedeutet Auslöschung - Teil 2 (Tolerance Is Extinction - Part 2)
Xavier stößt auf einiges Misstrauen, aber die X-Men konzentrieren sich darauf, Bastion aufzuhalten und Magneto davon zu überzeugen, seinen Blackout rückgängig zu machen. Magneto baut auf dem Asteroiden M seinen Zufluchtsort für Mutanten wieder auf, beschließt, die Erde ohne Strom zu lassen und Xaviers Traum von der Koexistenz von Mutanten und Menschen abzulehnen. Er lädt die X-Men ein, sich ihm anzuschließen, was Rogue und Roberto auch tun. Der Rest der X-Men kehrt zu ihrer früheren Basis auf Muir Island zurück, um sich neu zu gruppieren, bevor sie sich in zwei Teams aufteilt: Das blaue Team von Cyclops begibt sich zum Asteroiden M, um Magneto zu konfrontieren, während Storm und Jeans goldenes Team sich auf den Weg zu Bastions Versteck auf den Galapagosinseln machen. Beast und Forge erschaffen ein Halsband, das Bastions Technopathie blockieren und seine Kontrolle über die Sentinels entziehen kann. Das Gold-Team kämpft gegen eine Armee von von der Bastion kontrollierten Sentinels sowie gegen Sinister, der die Kontrolle über Cables Gedanken übernimmt und ihn benutzt, um Jean zu überwältigen. Sie sendet eine verzweifelte psychische Nachricht an Cyclops. Auf Asteroid M versucht Xavier, die Kontrolle über Magnetos Geist zu übernehmen, wird jedoch blockiert. Wolverine ersticht und beleidigt Magneto schwer, der beginnt, das Adamantiummetall aus Wolverines Skelett zu reißen. - 9,5/10

https://www.imdb.com/title/tt31322446/
10. 8. Toleranz bedeutet Auslöschung - Teil 3 (Tolerance Is Extinction - Part 3)
Da Wolverine lebensgefährlich verletzt ist, übernimmt Xavier die Kontrolle über Magneto und stellt die Stromversorgung der Erde wieder her, wodurch Magnetos Verstand zerstört wird. Jean - der sich mit der kosmischen Kraft des Phönix verbindet - legt Bastion das Halsband an, stellt die Menschlichkeit der Prime Sentinels wieder her und macht Sinisters Mutantenerweiterungen rückgängig, wodurch Cable befreit wird. Die X-Men kämpfen darum, zu verhindern, dass Bastion den Asteroiden M auf die Erde schleudert und ein neues Aussterben verursacht, aber er stürzt immer noch ab, nachdem die US-Regierung Raketen auf den Asteroiden abgefeuert hat, in der Hoffnung, ihn zu zerstören. Mit Xaviers Hilfe erlangt Magneto das Bewusstsein zurück und schickt den Asteroiden in den Weltraum. Es explodiert und die meisten X-Men gelten als tot. Sechs Monate später kommt Bishop und erzählt Forge, dass die X-Men in der Zeit gefangen sind: Cyclops und Jean befinden sich im Jahr 3960 n. Chr., einer trostlosen Zukunft, in der sie Mutter Askani und einem jungen Nathan begegnen; und Rogue, Nightcrawler, Beast, Xavier und Magneto sind im alten Ägypten im Jahr 3000 v. Chr., wo sie En Sabah Nur treffen, eine junge Version der Apokalypse. In einer Mid-Credits-Szene findet Apocalypse eine von Gambits Spielkarten im heutigen Genosha. - 9,5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Disney+
Poster/Artwork: 
Disney+

Montag, 13. Mai 2024

Kingdom Of The Planet Of The Apes - Planet der Affen: New Kingdom (2024)

https://www.imdb.com/title/tt11389872/

Etwa 300 Jahre nach der blutigen und verlustreichen Schlacht zwischen den von Caesar (Andy Serkis) angeführten Affen und den Menschen unter Kommando des Colonels (Woody Harrelson), haben sich in der Oase, in die Caesar seine Artgenossen einst geführt hat, mehrere Affengesellschaften parallel entwickelt. Die Menschen hingegen sind wieder Wilde geworden. Einige der Affenclans haben noch nie etwas von Caesar gehört. Andere wiederum nutzen dessen Legendenstatus aus, um seine Lehren zugunsten ehrgeiziger Ziele zu verdrehen. Vor diesem Hintergrund versklavt der Affenanführer Proximus Caesar (Kevin Durand) andere Clans, um eine geheime, menschliche Technologie zu finden. Als der Schimpanse Noa (Owen Teague) mit ansehen muss, wie seine Sippe entführt wird, begibt er sich zusammen mit dem menschlichen Mädchen Mae (Freya Allan) auf die Suche, um seine verschleppten Artgenossen zu finden und zu befreien...

Die von den Twentieth Century Studios 2011 neu gestarteten "Planet der Affen"-Filme wurden zu Riesenerfolgen, indem sie Remix-Versionen der klassischen Geschichte mit einigen der erschreckend beeindruckendsten VFX- und Motion-Capture-Arbeiten präsentierten, die Weta bis dato je produziert hat. Es war auch überraschend, dass eine Reihe von Blockbustern so konstant stark blieb, und Wes Balls "Planet der Affen: New Kingdom" nutzt auch solide die fruchtbare erzählerische Grundlage der vorherigen Filme aus. Aber während die Bilder des Films fantastisch sind und sein Engagement für den Aufbau der Welt bewundernswert ist, wird seine vielversprechende Geschichte über die Art und Weise, wie sich Mythen im Laufe der Zeit entwickeln, von nur allzu bekannten Beats übertönt, die von anderen Actionspektakeln auf der großen Leinwand übernommen wurden.


Nach drei Filmen, die das erste Jahrzehnt und die Veränderung des Lebens auf der Erde nach dem Ausbruch eines Virus dokumentieren, der Affen mehr Intelligenz verleiht und infizierte Menschen tötet, springt "Planet der Affen: New Kingdom" 300 Jahre in die Zukunft. Er stellt eine neue Gruppe von Spielern vor, die versuchen, neue Gesellschaften in den ehemaligen Vereinigten Staaten von Amerika zu gründen. Obwohl seit dem Tod von Caesar, dem ersten superintelligenten Affen und Anführer des revolutionären Aufstands, der seine Art befreite, Jahrhunderte vergangen sind, lebt sein Erbe in den Mythen von Affen wie Noa (Owen Teague), Anaya (Travis Jeffery) und Soona immer noch weiter (Lydia Peckham).

Als Mitglieder des Eagle Clans - einer Gruppe waldbewohnender Schimpansen, die eine sehr menschliche Art der Falknerei entwickelt haben - dreht sich bei Noa und seinen Freunden alles um die Gemeinschaft und ihr Verantwortungsgefühl für die Vögel, die sie für die Jagd trainieren. Aber während die Kultur des Eagle Clans eine einzigartige Schöpfung der heutigen Schimpansen ist, gibt es sehr deutliche Anklänge an die Lehren des ursprünglichen Caesar in ihrem Glauben, dass Affen zusammen stärker sind und dass Gewalt zwischen ihrer Art sie alle in Gefahr bringt. Anderen Affen zu schaden, ist das Letzte, woran Noa denkt, als "Planet der Affen: New Kingdom" eröffnet wird und bevor er und seine Freunde die Vögel empfangen sollen, mit denen sie eine lebenslange Bindung eingehen werden ("Avatar" lässt grüßen).

Die visuellen Effekte, mit denen die modernen Menschen im Planet der Affen, die Mocap-Anzüge tragen, in fotorealistische Affen verwandelt wurden, waren schon immer phänomenal. Aber hier verbinden sich Wetas Postproduktionsarbeit und die Darbietungen der Schauspieler auf eine oft noch kompliziertere, unheimlichere Art und Weise, die deutlich macht, wie sehr sich diese Affen im Vergleich zu ihren mythischen Vorfahren weiterentwickelt haben. Während Noa und seine Freunde spielerisch auf Bäume klettern oder durch das Dorf des Eagle-Clans mit all seinen raffiniert gebauten Holzkonstruktionen rennen, kann man die Ausgelassenheit der Affen allein schon an der Art spüren, wie sie zwischen aufgeregtem Gejohle und Schreien nach Luft schnappen. Es gibt eine spürbare Spannung zwischen Noa und seinem Vater, die sich in der Knappheit ihrer verbalen Gespräche ausdrückt, aber diese kleinen Momente der Unbeholfenheit - Dinge wie verstohlene Blicke und zögernder Körperkontakt - vermitteln wirklich die emotionale Distanz zwischen ihnen.

Das alles verdeutlicht, wie Zeit und Freiheit es den sprechenden Tieren des Königreichs des Planet der Affen ermöglicht haben, Kulturen und Ebenen emotionaler Komplexität zu entwickeln, die dazu führen, dass sie die Menschheit als dominierende Spezies der Welt übertreffen. Doch als ein einsames und scheinbar stummes Menschenmädchen (Freya Allan) beginnt, den Eagle-Clan zu bestehlen, stürzt ihre Anwesenheit sie in einen brutalen Konflikt mit dem evolutionsbesessenen Bonobo-König Proximus Caesar (Kevin Durand), der ihr aller Leben in Gefahr bringt. Es fällt daher immer wieder schwer, nicht an James Camerons "Avatar"-Filme zu denken, wenn man "Planet der Affen: New Kingdom" sieht, weil die Filme ihre Welten so effektiv wirken lassen und sich um konfliktscheue Verwalter fliegender Tiere drehen. Es ist nicht Unobtanium, sondern die Kultur und Identität des Eagle-Clans (und sein Leben), die angegriffen werden, während Proximus sie versklavt. Aber wie in "Avatar" geht auch "Planet der Affen: New Kingdom" davon aus, dass die Zusammenarbeit mit einem guten menschlichen Ersatzpublikum für Noa die einzige Möglichkeit ist, sein Volk zu retten.

Die Echos vergangener Blockbuster werden noch lauter, als Noa - mit dem Menschenmädchen im Schlepptau - sich auf die Suche nach Proximus‘ Festung macht und auf einen gelehrten Orang-Utan namens Raka (Peter Macon) trifft, der beschließt, das Mädchen "Nova" zu nennen. Nova und Kingdoms Rudel wilder, geistig zurückgebildeter Menschen bilden eine der deutlichsten Verbindungslinien zwischen der modernen "Planet der Affen"-Reihe und dem Originalfilm von 1968. Ball ist eine Hommage an den Klassiker von Regisseur Franklin J. Schaffner, besonders gut durch eines der ersten Versatzstücke des neuen Films, das wilde Menschen in die Flucht schlägt, während Proximus‘ Soldaten sie auf der Suche nach Nova jagen. Und während der Name des Mädchens zunächst wie ein scherzhafter Rückruf klingt, ist dies auch eine von vielen Möglichkeiten, mit denen der Film die Idee bekräftigt, dass Legenden und die Bedeutung, die sie in sich tragen, sich im Laufe der Zeit verändern können, wenn sie über Generationen hinweg geteilt werden. Diese Verzerrung verleiht Proximus seine Macht und macht seine Beziehung zum versklavten menschlichen Historiker Trevathan (William H. Macy) so faszinierend anzusehen.

So interessant diese Charaktere konzeptionell auch sind, das Königreich des Planet der Affen bringt sie auf eine ziemlich vorhersehbare Art und Weise zusammen, die eher dazu dient, die Möglichkeit für weitere Fortsetzungen in der Zukunft zu schaffen, als sich wirklich mit dem Inhalt auseinanderzusetzen. Um es klarzustellen: Die Geradlinigkeit des letzten Drittels des Films, in dem Noa versucht, in einen "Fallout"-ähnlichen Tresor einzubrechen, hält den Film nicht davon ab, ein spannender Film zu sein. Doch während "Planet der Affen: New Kingdom" zu Ende geht, kann man sich des Gefühls kaum erwehren, dass die Bühne für das, was als Nächstes kommen könnte, immer noch bereitet wird - selbst nach vier Filmen. 

8/10

Quellen: 
Inhaltsangabe: Twentieth Century Fox
Poster/Artwork: Twentieth Century Fox

Freitag, 19. April 2024

Rebel Moon Part Two: The Scargiver - Rebel Moon Teil 2: Die Narbenmacherin (2024)

https://www.imdb.com/title/tt23137904/

Nach den Ereignissen aus "Rebel Moon Teil 1: Kind des Feuers" treten Kora (Sofia Boutella) und ihre Mitstreiterinnen und Mitstreiter, die sie auf verschiedenen Planeten für ihre Rebellion gegen das tyrannische Imperium gewinnen konnte, auf dem Mond Veldt in einer großen Entscheidungsschlacht gegen ihre übermächtig erscheinenden Feinde an. Der imperiale Admiral Noble (Ed Skrein) erweist sich dabei einmal mehr als fieser Manipulator, während sich die Frauen und Männer auf Koras Seite mit ihrer jeweiligen Vergangenheit auseinandersetzen müssen, wenn sie den Kampf für sich entscheiden wollen...

Denkt man heutzutage an einen Filmemacher, der den modernen Sumpf zwischen Kitsch, Kommerz und Kunst zu einem ansprechenden und dennoch ästhetischen Gobelin verwebt, denkt man automatisch an Zack Snyder. Snyder hat einen sofort erkennbaren Stil und eine unsterbliche Hingabe an seine einzigartige Vision; zudem bietet er sich im Auftrag verschiedener Studios freiwillig an, fast ausschließlich in Franchises, Comics und selbstbewusster Mythenbildung zu denken - ob er nun versucht, diese Mythen zu hinterfragen oder sie einfach nur aufzubauen, damit er sie mit größtmöglicher Kraft und maximalen Chaos zerschlagen kann.

"Rebel Moon", sein Science-Fiction-/Fantasy-Franchise für Netflix, treibt beide Seiten seiner Karriere auf die Spitze. Es handelt sich (vorerst) um einen Multimillionen-Dollar-Zweiteiler, der technisch originell und sehr an das "Star Wars"-Franchise angelehnt ist und in dem Snyders Fanboy-Obsessionen so weit fortgeschritten sind, dass sie wieder zur Nische werden. Selbst seine Scharen von Online-Fans scheinen sich nicht so sehr darum zu kümmern. "Rebel Moon Teil 2: Die Narbenmacherin" soll nach dem Auftakt von "Rebel Moon Teil 1: Kind des Feuers" im letzten Jahr ein explosives Finale werden. Aber da definitiv erweiterte R-Rated-Schnitte beider Filme auf dem Weg sind und in Snyders Gehirn Ideen für noch mehr Fortsetzungen herumschwirren, fühlt sich das ganze Projekt wie ein einziger langer, nie enden wollender Mittelteil an.


Doch vielleicht ist dieser zufällige Mittelweg genau das, was Snyder braucht. Strukturell ist "Rebel Moon Teil 2: Die Narbenmacherin" nicht die Vorstellung, die man sich unter einem eigenständigen Film oder auch nur einer normalen Fortsetzung vorstellt. Der erste Film folgte den Rekrutierungsbemühungen von Kora (Sofia Boutella), einer ehemaligen Soldatin, deren idyllisches Leben auf dem bescheidenen Bauernmond Veldt von imperialen Sturmtupp... - *hüstel* - Streitkräften unterbrochen wird, die ihre gesamte Ernte fordern. Kora und Gunnar (Michiel Huisman) machen sich auf die Suche nach Kriegern, die bereit sind, bei der Verteidigung von Veldt zu helfen. Obwohl "Rebel Moon Teil 1: Kind des Feuers" damit endete, dass der Hauptbösewicht des Imperiums, Atticus Noble (Ed Skrein), in einem präventiven Gefecht sozusagen getötet wurde, wurde er schnell wiederbelebt, sodass "Rebel Moon Teil 2: Die Narbenmacherin" im Grunde als Höhepunkt der Schlacht fungieren kann. Kora und Gunnar kehren zusammen mit ihren Rekruten Nemesis (Doona Bae), Titus (Djimon Hounsou) und Tarak (Staz Nair) nach Veldt zurück und versammeln die Bürger, um sich gegen Noble und die Truppen des Imperiums zu verteidigen. Das ist so ziemlich der ganze Film.

Das bedeutet, dass fast der gesamte Film auf und über Veldt spielt, eine enttäuschende Abwechslung zum fröhlichen Planeten-Hopping des ersten Films. Anstelle verschiedener Sequenzen, in denen Krieger aus verschiedenen "Star-Wars"-Welten geschnappt werden, gibt es hier eine einzige längere Szene, in der die Krieger Geheimnisse der Hintergrundgeschichte austauschen, mit einigen Rückblenden, die außerhalb der Welt liegen, und einer längeren Szene, die mehr über Koras bewegte Vergangenheit enthüllt. Das alles ist Teil der anhaltenden Ruhe vor dem Laserschuß-Sturm; In diesem frühen Abschnitt fügt Snyder auch eine landwirtschaftliche Montage ein, wie es nur der Regisseur von "300" konnte.


Die vergleichsweise ruhigeren Momente münden alle in eine ausgedehnte Kampfsequenz, die Westernfilme über das letzte Gefecht mit einer Zeichentrickversion des Grabenkriegs aus dem Ersten Weltkrieg verbindet und an überladene Digitalkinospektakel der frühen 2000er Jahre wie "Star Wars: Episode II: Angriff der Klonkrieger" oder "Matrix Revolutions" erinnert. Snyder bevorzugt Sperrfeuer gegenüber Versatzstücken und Charakterdesign (das oft entzückend ist) über die Charakterentwicklung (die normalerweise minimal ist); die Nuancen menschlicher Beziehungen entgehen ihm. Er hat sogar Probleme mit Mensch-Maschine-Beziehungen; Jimmy, der von Anthony Hopkins gesprochene mechanische Mann, lungert immer noch herum und kämpft mit seinem Selbstbewusstsein. Dies lässt Boutella, eine muskulöse und anmutige Erscheinung, zurück, um Koras Bedauern, Entschlossenheit und selbstzerstörerische Wut mit der Art von körperlicher Ausdruckskraft zu verkaufen, die in Stummfilmen und fantastischen Motion-Capture-Filmen gleichermaßen zu Hause wäre.

So glücklich Snyder auch sein mag, sie zu haben, der ganze Film ruht nicht auf Boutella. In Snyders Vielseitigkeit steckt auch ein verrückter Eifer. Wenn er die Art von schwebendem/fallendem Riesenluftschiff, die von Kevin Feige in einem halben Dutzend Marvel-Filmen so sehr favorisiert wird, aus dem Weg räumen will, dann veranstaltet er während des Sturzes zumindest einen grandiosen Kampf mit gleitenden Objekten. Wenn er seine eigenen Lichtschwertversionen zeigt, macht er klar, dass diese schärfer und tödlicher sind. Und wenn er seinen neuesten Lieblingstrick als Regisseur anwendet - den Fokus so flach einzustellen, dass jeweils nur eine Minderheit eines Bildes scharf aussieht -, tut er dies mit größter Hingabe, selbst wenn es unsinnig ist (wie bei den Einspielaufnahmen).

So kommt man am Ende zu dem Schluss, dass "Rebel Moon" mit ziemlicher Sicherheit nicht aus zwei mehrfach geschnittenen Filmen bestehen musste. Es hätte wahrscheinlich mit Null auskommen können. Aber als Spielplatz für Snyders Lieblingsstücke wie Geschwindigkeitssteigerung, Flachfokussierung und Ideen-Diebstahl ist es ein harmloser, manchmal erfreulich seltsamer Spaß. Die groß angelegte Sinnlosigkeit fühlt sich beruhigender an als sein früheres Beharren darauf, "Watchmen" in ein Kinoepos zu übersetzen oder Superman in eine gequälte Seele zu verwandeln. Selbst die schamlosen Serialisierungsversuche von "Rebel Moon Teil 2: Die Narbenmacherin" endet im Wesentlichen mit einem weiteren Vorgeschmack auf eine Fortsetzung, dieses Mal für einen Film, der eine gute Chance hat, nie zu erscheinen. Doch sie fühlen sich auch befreiend an, weil sie Snyder von der unangenehmen Aufgabe entbinden, einen apokalyptischen Showdown zu inszenieren, oder , schlimmer noch, eine traurige Philosophie zu vermitteln. Die ganze niederknüppelnde Unternehmung ist so wahnsinnig aufrichtig, man könnte sie fast niedlich nennen.

5,5/10

Quellen: 
Inhaltsangabe: Netflix
Poster/Artwork: Netflix

Montag, 22. Januar 2024

Judas And The Black Messiah (2021)

https://www.imdb.com/title/tt9784798/

In den späten 1960er Jahren wird der 17-jährige Kleinkriminelle William O'Neal (LaKeith Stanfield) in Chicago verhaftet, nachdem er versucht hat, ein Auto zu klauen, während er sich als Bundesbeamter ausgab. FBI-Agent Roy Mitchell (Jesse Plemons) bietet O'Neal an, die Anklage gegen ihn fallen zu lassen, wenn er undercover für das FBI arbeitet. O'Neal wird beauftragt, die Illinois-Sektion der Black Panther Party zu infiltrieren und ihren Anführer Fred Hampton (Daniel Kaluuya) zu bespitzeln. Er beginnt, sich Hampton anzunähern, der daran arbeitet, Allianzen mit rivalisierenden Gangs und Milizgruppen zu bilden, während er die Gemeinde durch das „Free Breakfast for Children“-Programm der Black Panther unterstützt. Als Fred Hampton in der Partei immer weiter aufsteigt und sich unterwegs in die Mitrevolutionärin Deborah Johnson (Dominique Fishback) verliebt, entbrennt ein Kampf um O'Neals Seele...

Vor einem Jahrhundert vertrat Winston Churchill die These, dass "die Geschichte von Siegern geschrieben wird", aber hier im Jahr 2021 haben sogar - und manchmal besonders - diejenigen, die unter dem Stiefel der Autorität erdrückt wurden, Wege gefunden, ihrer Seite Gehör zu verschaffen. Hin und wieder gewinnt mit der Zeit die Underdog-Version der Ereignisse und straft die Propaganda und die Propaganda der Machthaber Lügen. "Judas And The Black Messiah" von Regisseur Shaka King könnte man nun als "Das Evangelium der Black Panther Party" beschreiben, eine intensive, wütende und unbestreitbar zeitgemäße Nacherzählung der Umstände, unter denen der BPP-Kapitelvorsitzende von Illinois Fred Hampton (Daniel Kaluuya) lebt und vom Establishment ermordet wurde. Und die Botschaft des Films ist ganz klar, nämlich die Rechtschaffenheit in einer einst radikalen Sache zu betrachten. Diese Botschaft, fernab des bekannten "Ich bin ein Revolutionär!"-Gedöns, der Gesang, mit dem der 21-jährige Aktivist Hampton seine Anhänger motivierte, passt zu den Black Lives Matter-Protesten, die die USA als Reaktion auf die anhaltende Ermordung schwarzer Männer und Frauen durch genau die Institutionen erfasst haben, die zu schützen und ihnen zu dienen geschworen haben. Was Hampton widerfuhr, war jedoch weitaus heimtückischer als diese Morde, da der Black-Panther-Anführer vom Federal Bureau of Investigation zur Eliminierung ins Visier genommen wurde.

Im Mittelpunkt der Operation stand William O’Neal (Lakeith Stanfield), der ehemalige Sicherheitskapitän der Black Panther, der die Bewegung sabotierte, indem er als Undercover-Informant für den FBI-Agenten Roy Mitchell (Jesse Plemons) fungierte. Eine einzigartige Perspektive auf dieses wenig untersuchte Fiasko, in dem COINTELPRO (ein von Hoover sanktioniertes Killerkommando, das verfassungswidrig war und auch so handelte) sich daran machte, die von Hoover als gefährlich eingestuften politischen Organisationen mit allen notwendigen Mitteln lahmzulegen. O'Neals Erfahrung wird hier als Gewissenskrise dargestellt und stellt eine perverse Umkehrung von Spike Lees "BlackKklansman" dar. Keine Handlung, nicht für Komödie, sondern für Tragödie. Wenn King G-Man (im Amerikanischen ein Slangausdruck unter Gangstern für einen FBI-Beamten, wobei das "G" für "Government" steht) zeigt, sind ihr Rassismus und ihre Missachtung der Bürgerrechte derb-dreist, aber nur allzu plausibel. Laut Plemons' Charakter sind "die Panthers und der Klan ein und dasselbe" - ein fadenscheiniges Argument, mit dem der Agent O’Neal (der verhaftet wurde, weil er sich als Bundesagent ausgab) davon überzeugt, sich in Hamptons Gruppe einzuschleusen. Wie eine gut konstruierte Eröffnungsmontage erinnert, waren Malcolm X und Martin Luther King Jr. im Jahr 1969 beide brutal zum Schweigen gebracht worden. In Großstädten schikanierten die Strafverfolgungsbehörden schwarze Bürger, und als Reaktion darauf schworen die Panthers, die Polizei zu überwachen.

In Chicago tauchte ein charismatischer junger Organisator mit einem Plan auf: Hampton drängte darauf, verschiedene Fraktionen - nicht nur rivalisierende schwarze Gruppen, sondern auch die Young Patriots (weiße Linke im Süden) und die Young Lords (Puertoricaner) - in der sogenannten Regenbogenkoalition zu vereinen. Anstatt untereinander zu kämpfen, so seine Strategie, sollten sie ihre Wut vereinen und gegen das System richten. Hampton war ein leidenschaftlicher und überzeugender Redner, während Kaluuya (der ein Jahrzehnt älter und weniger offen demonstrativ ist) zunächst eine zurückhaltendere Seite der Figur erforscht: ein angespanntes Treffen deeskalieren, Reden nach dem Vorbild von Reverend King einstudieren und schüchtern mit seiner zukünftigen Freundin flirten Deborah Johnson (Dominique Fishback). Intime Momente zwischen Fishback und Kaluuya verleihen Hampton eine willkommene Dimension und vermenschlichen ihn - der von seinen Feinden allzu leicht als Agitator dargestellt wurde - als Liebhaber und Kämpfer. Auf Hoovers Anweisung hin finden die Behörden einen fadenscheinigen Vorwand, um ihn zu verhaften, und denken gleichzeitig über "kreativere" Wege nach, um sein Schweigen zu gewährleisten. Doch nach einem Aufenthalt im Gefängnis zeigt sich der verwundete Panther offener als je zuvor. Hier, in der explosiven zweiten Hälfte des Films, verwandelt sich Kaluuya in den Hampton, den das Publikum am besten kennt, den "Messias" der Bürgerrechte, der Menschenmengen im Dienste einer sozialistischen Agenda aufrütteln könnte. Die Machthaber waren entschlossen, sie um jeden Preis zu unterdrücken. Der Preis belief sich auf nur 300 US-Dollar. Das sind die sprichwörtlichen 30 Silberstücke, für die O’Neal Hampton an die Regierung verkaufte, indem er den Grundriss seiner Wohnung in der West Side zeichnete und ihn in der Nacht der Razzia unter Drogen setzte. Während die Bezeichnung "Judas" passend erscheint, stellte O’Neal später klar, dass dies seiner Meinung nach kein Verrat war. "Ich hatte keine Loyalität zu den Panthers", erklärte der Informant später, obwohl der Film es dramatischer findet, ihn als widersprüchlich darzustellen. Es gibt heute keinen anderen Schauspieler wie Stanfield, der die kühle Ambivalenz in eine erschreckende Art moralischer Distanziertheit verwandelt.

Als Protagonist des Films und von Natur aus sympathischer Schauspieler kann Stanfield leicht die Sympathie des Zuschauers erringen, auch wenn O’Neal die niedrigste vorstellbare Lebensform darstellt: eine Ratte, die von "Schweinen" geschickt wird, um einen Panther zu vergiften. Aber er ist auch ein Baustein in einem Plan, den er unmöglich hätte vorhersehen können. Dieses Projekt zeigt einfach, in welchem Ausmaß die amerikanischen Strafverfolgungsbehörden hochkarätige schwarze Persönlichkeiten ins Visier genommen haben. Das ist die außergewöhnliche Leistung von Kings Ansatz, wenn man bedenkt, dass der Film dem Publikum allen Grund gibt, sich über ein System zu ärgern, das das Leben der Schwarzen so missachtet. Es lässt Hamptons aufrührerische Worte hören und zeigt gleichzeitig den fatalen Extremismus der gefallenen Kameraden Jimmy Palmer (Ashton Sanders), Jake Winters (Algee Smith). und Judy Harmon (Dominique Thorne). In einer früheren Szene halten Hampton und Bobby Rush (Darrell Britt-Gibson) den Unterricht für diese drei und zitieren den Vorsitzenden Mao zum Unterschied zwischen Krieg und Politik: "Krieg ist Politik mit Blutvergießen, und Politik ist Krieg ohne Blutvergießen.". Würde Hoover dem zustimmen? Oder gar der Ex-Präseident Trump? Beide provozierten Gewalt und kamen ungeschoren davon, während Hampton mit der Todesstrafe belegt wurde. Fast kommt es einem so vor, als hätte man mit diesem Film gewartet, bis die Zustände in Amerika erneut Unruhen auslösen (könnten). Und damit wird es heikel, denn "Judas And The Black Messiah" kam exakt in einem Klima in die Kinos, in dem die Spannungen zwischen Behörden und Gleichstellungsbefürwortern erneut zugenommen haben. Der kraftvolle Film stellt den aktuellen Moment in einen neuen historischen Kontext und legt nahe, dass Ambivalenz eine eigene Form des Verrats sein kann.

8/10

Quellen: 
Inhaltsangabe: Warner Bros.
Poster/Artwork: Warner Bros.
Textauszüge: Wikipedia

Montag, 9. Oktober 2023

The Pope's Exorcist (2023)

https://www.imdb.com/title/tt13375076/

Der italienische Priester Gabriele Amorth stieg im Jahr 1986 zum Exorzisten der Diözese Rom auf - er war also so etwas wie der persönliche Exorzist des Papstes. In seiner Zeit in dieser Rolle schrieb er zahlreiche Bücher und Zeitungsartikel, um dem Thema Exorzismus in der Öffentlichkeit wieder mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen. Mit Erfolg: In seiner Zeit wurde die Zahl der katholischen Exorzisten allein in Italien auf etwa 300 erhöht. Lose basierend auf den Aufzeichnungen von Pater Gabriele spielt nun Russell Crowe den Priester, der bei der Dämonenaustreibung im Auftrag des Papstes (Franco Nero) mehr als 98 Prozent der Fälle direkt in ärztliche oder psychiatrische Betreuung überweist, statt tatsächlich einen Exorzismus vorzunehmen. Doch bei den restlichen zwei Prozent stößt Amorth auf das, was er das "pure Böse" nennt. Ein neuer Fall führt den Pater an das Bett eines Jungen (Peter DeSouza-Feighoney), der offenbar von einer Entität besessen ist, die explizit nach dem Chef-Exorzisten verlangt. Hinter dem dämonischen Befall scheint also mehr zu stecken, als der Priester zunächst ahnt, denn offenbar hat der Dämon schon öfter den direkten Kontakt zur römisch-katholischen Kirche gesucht - obwohl in den historischen Schriften keine Erwähnung darüber zu finden ist. Was genau will der Dämon also vom obersten Exorzisten und seinem Chef, dem Papst? 

Russell Crowe spielt Roms obersten Exorzisten mit einem italienischen Akzent, in "The Pope's Exorcist", ein Film, der versucht, alles von (ja, na klar) "Der Exorzist" bis "Hier beliebigen Kriminalfall einfügen"  zu sein, mit gemischten Ergebnissen. Regisseur Julius Avery gibt sich den freakigeren Elementen dämonischer Übergriffe mit einer schmissigen B-Movie-Sensibilität hin, aber zumindest in den Szenen, in denen das funktioniert, ist "The Pope's Exorcist" eine unfreiwillige Horrorkomödie, die nicht versucht, etwas anderes zu sein als ein auf Aggression ausgerichteter religiöser Albtraum, der Heilige verspottet und Sünder quält.

So außergewöhnlich kitschig und klischeehaft Crowes Darstellung auch sein mag, es ist ein angenehmer Genuss, wie seine Figur, Pater Gabriele Amorth, versucht, einen unschuldigen Jungen aus den Fängen eines Dämons zu retten. Amorth macht sich über Gutachter lustig, die es wagen, seine manchmal archaischen Methoden in Frage zu stellen, trinkt Alkohol, und wirft mit verwesten Menschenköpfen um sich, um den schwarzen Humor zu unterstreichen. Crowe spielt Amorth wie einen überlebensgroßen Vatikan-Superagenten und lehnt sich komischerweise stark an die italienische Sprache an - selbst wenn Nebenfiguren Englisch sprechen. Daniel Zovatto als Pater Esquibel klammert sich lediglich an Crows Gewand, um mit ihm Schritt halten zu können, während Crowe sich durch die Szenerie kaut wie eine Scheibe Prosciutto - oder auf seiner entzückenden kleinen Vespa durchfährt, ein Anblick, der allein schon eine Sichtung wert ist. Der blasphemische Fall, der sich hier abspielt, basiert auf den Memoiren des echten Pater Gabriele Amorth und erfüllt alle Erwartungen, die man an eine Exorzismus-Geschichte haben dürfte. Die alleinerziehende Mutter Julia (Alex Essoe) zieht mit ihrer rebellischen Teenagerin Amy (Laurel Marsden) und ihrem traumatisierten, stummen Sohn Henry (Peter DeSouza-Feighoney) in ein gruseliges, historisches, schlossähnliches Haus, das gerade renoviert wird - ein spinnwebenverhangenes Anwesen, in dem es spukt. "The Pope's Exorcist" lässt Julias Familie allein und schutzlos zurück und lässt den kleinen Henry in seiner besessenen Form so schnell wie möglich abscheuliche Sätze sprechen. Er betatscht die Brüste seiner Mutter und gackert über verfaulte Zähne, noch bevor man sein Ave Maria zu Ende gesprochen hat, denn die Autoren bevorzugen Inzest-Unbehagen, vulgäre Sprache und all die typischen Visitenkarten von Satans Armee, um den unbestechlichen Amorth wie eine Herausforderung anzulocken. 

Avery versucht aber immerhin zu verhindern, dass "The Pope's Exorcist" nur ein weiterer Exorzismus-Nachahmer ist. Die Geschichte hat eine gewisse Sperrigkeit, die Amorth und Esquibel katholische Verschwörungen aufdecken lässt, die sie in mit Knochen ausgekleideten Katakomben mit geheimen Kammern untersuchen müssen - wie National Treasure, nur heiliger. Man sieht feurige Explosionen, Leichen, die wie blutige Wasserballons platzen, und Schlüssel, die aus den Fängen verwester Leichen befreit werden - alles Mittel und Wege, mit denen Avery verhindern will, dass "The Pope's Exorcist" nur ein weiterer Abklatsch wird. Manchmal ist er einfach zu ehrgeizig, und die theologiegetriebene Geschichte dreht sich immer weiter in immer unkontrolliertere Richtungen. Das Problem bei "The Pope's Exorcist" ist, dass Avery bei aller Komik, die ankommt, und bei allem Grauen, das ablenkt, Schwierigkeiten hat, einen einheitlichen Ton zu treffen. Essoes gedemütigtes Elternteil ist immer im dramatischen Exorzismus-Thriller-Modus, während Crowe sich durch ein vatikanisches B-Movie blödelt. Es gibt einen 80er-Jahre-Sound, der aus Amys Kopfhörern zu hören ist, aber nur selten an anderer Stelle, wo diese unscheinbare Sammlung von Exorzismus-Highlights präsentiert wird, während die Stimme eines knurrenden Dämons darum kämpft, mit der Lippensynchronisation des jungen Peter DeSouza-Feighoney mitzuhalten. Avery ist gefangen zwischen direkten Anspielungen auf die berühmtesten Exorzismus-Horrorfilme und dem Versuch, seinen eigenen Weg zu gehen, was uns hilft, die wilderen Ausschläge der Geschichte zu schätzen, aber dennoch Klischees oder digitale Effekte auf dem Niveau von Genrefilmen der 2000er Jahre anzuerkennen, die dieselben recycelten scharfzahnigen Bedrohungen gegen die Menschheit zeigen.

Während der "The Pope's Exorcist" glückliche Überraschungen verstreut, über die man auf einem Minenfeld stolpert ist Hauptdarsteller Crowe Segen oder ein Fluch sein, je nach Szene, und wie seine Anwesenheit ein tonales Peitschenhieb erzeugen kann. Esquibel kann nicht anders, als Amorths Befehle vor dem bösen Henry zu ignorieren, was zu einem frustrierenden "Ich hab's dir ja gesagt"-Spiel wird. "The Pope's Exorcist" ist ein Film, den man sich besser für späte Abende mit abenteuerlustigen Horrorfan-Freunden aufhebt, die das Bedürfnis haben, die Neugierde auf einen Russel-Crowe-Exorzismus-Film zu stillen. Kurz und gut: Es gibt viel bessere Filme als "The Pope's Exorcist", aber wenn man die Tiefen eines zunehmend abgestandenen Exorzismus-Horror-Subgenres erforscht, kann man es auch schlechter machen. Russell Crowe ist als Pater Gabriele Amorth schäbiger als ein Osteressen. Er spuckt italienischsprachige Dialoge aus, von denen Chris Pratt für die unvermeidliche Super Mario Bros.-Fortsetzung lernen könnte, und sorgt für starke, zufällige Komik. Man muss sich durch haufenweise direkte Vergleiche mit berühmten Horror-, Thriller- und sogar Action-Abenteuerfilmen durchkämpfen, die eindeutig die Vision von Regisseur Julius Avery inspirieren, was "The Pope's Exorcist" zu einem Film macht, der abgehackte Ideen einem zusammenhängenden Ganzen vorzieht. Diejenigen, die etwas Tiefgründiges wollen, werden völlig enttäuscht sein, während andere, die gerne über fragwürdigen Schund lachen, der unterhalten soll, vielleicht mehr Erleuchtung finden, als sie erwarten.

6/10

Quellen: 
Inhaltsangabe: Sony Pictures
Poster/Artwork: 
Sony Pictures

Sonntag, 23. Juli 2023

The Covenant - Guy Ritchie's The Covenant - Guy Ritchie's Der Pakt (2023)

https://www.imdb.com/title/tt4873118/

Noch eine Mission muss Sgt. John Kinley (Jake Gyllenhaal) absolvieren, dann kann er nach Hause. Doch dann gerät er mit seiner Einheit in einen Hinterhalt. Nahezu alle Mitglieder des Trupps sterben, nur Kinley überlebt schwer verletzt – auch dank des Einsatzes seines Dolmetschers Ahmed (Dar Salim). Der riskiert sein Leben, schleppt den verletzten Soldaten weg von ihren Verfolgern und quer durch Feindesland in ein sicheres Gebiet. Zurück in den USA findet Kinley aber heraus, dass Ahmed und seine Familie weiter in Afghanistan sind. Das versprochene Asyl in den USA wurde ihnen nicht gewährt. Kurzerhand packt er sich seine Ausrüstung und kehrt zurück in das Kriegsgebiet. Nachdem Ahmed sein Leben gerettet hat, will er dem Freund und dessen Familien dies nun zurückgeben. Er ist nämlich fest entschlossen, Ahmed auf eigene Faust da rauszuholen, bevor die diesen verfolgenden Milizen ihn finden... 

Als sich die US-Armee 2021 aus Afghanistan zurückzog, ließ sie Hunderte von afghanischen Dolmetschern im Stich, die im Kampf gegen die Taliban ihr Leben riskiert hatten. Statt wie versprochen Visa für die Übersiedlung in die USA zu erhalten, wurden mindestens 300 Dolmetscher von Taliban-Kräften getötet. Dieser düstere Rahmen mag nicht die offensichtlichste Inspiration für einen Guy Ritchie-Film sein, aber ein "Bube Dame König grAS" ist das auch nicht. Die konkrete Geschichte, die Ritchie erzählt, ist zwar fiktiv, aber ziemlich plausibel und er tut gut daran, die Spannung aufrechtzuerhalten. Während die schiere Entfernung, die Temperaturen und die körperlichen Herausforderungen, denen sich Ahmed stellen muss, beeindruckend sind, wird das Ganze in den Momenten, in denen er auf Taliban-Suchtrupps trifft und in den Standard-Spionage-/Actionfilm-Modus schlüpft, natürlich noch viel spannender. Die Herausforderung für Gyllenhaal besteht darin, dem Zuschauer den Wert von Beharrlichkeit im Angesicht von Gleichgültigkeit nahe zu bringen.

Aber Jake Gyllenhaal ist kein angeberischer Hauptdarsteller, und das ist auch gut so - denn für diese Art von Rolle braucht man einen Gyllenhaal. Nicht jeder Schauspieler würde sich in einem Job wohlfühlen, bei dem er einen großen Teil seiner Leinwandzeit halb bewusstlos in einem behelfsmäßigen Wagen verbringen muss. Und wenn es für Kinley an der Zeit ist, in Aktion zu treten, besteht ein Großteil dieser Aktion darin, dass er sich am Telefon unglaublich aufregt, nachdem er stundenlang von der US-Bürokratie in der Warteschleife gehalten wurde. Glücklicherweise hat sich Gyllenhaal fast schon darauf spezialisiert, diese Art von realistischen Protagonisten zu spielen: beispielsweise einen Anthony Swofford, der Scharfschütze, der in "Jarhead" nicht ein einziges Mal sein Gewehr abfeuert. Diese Energie ist perfekt für den relativ nüchternen "Der Pakt" - und gibt Dar Salim Raum, in einer substanzielleren Hauptrolle zu glänzen, als es die meisten seiner Hollywood-Rollen bisher getan haben. Gemeinsam schaffen die beiden eine überzeugende Darstellung zweier Individuen, die durch das Gefühl verbunden sind, das Richtige in einer Welt tun zu wollen, in der es manchmal unmöglich erscheint, genau das zu tun. 

Man sagt ja üblicherweise, dass man einem alten Hund keine neuen Tricks beibringen kann, aber vielleicht gibt es Ausnahmen: Nach Sichtung von "Der Pakt" kann Guy Ritchie auf jeden Fall lernen, wie man einen Paul-Greengrass-Film macht und ein schönes Stück ernstes Kriegsdrama abliefert.

7,5/10

Quellen:
Inhaltsangabe
: amazon Video