Freitag, 17. Februar 2023

추격자 - Chugyeokja - The Chaser (2008)

https://www.imdb.com/title/tt1190539/

Der ehemalige Polizist und jetzige Zuhälter Joong-ho (Yun-seok Kim) vermisst zwei seiner Mädchen, die von ihrem Kunden nicht zurückgekehrt sind. Eines Nachts muss er deshalb Mi-jin (Seo Yeong-hee) zu einem Freier schicken. Als sie bereits unterwegs ist, stellt er fest, dass es sich dabei um denselben Kunden handelt, der bereits die anderen zwei Prostituierten bestellt hatte.
Joon-ho denkt, dass der Mann seine Mädchen verkaufen will und beschließt, ihn aufzuspüren. Zur gleichen Zeit ist Mi-jin in der Gewalt von ihrem Freier, dem psychopathischen Killer Young-min (Jung-woo Ha), der genau in dem Moment von einem älteren Pärchen gestört wird, als er das Mädchen umbringen will. Joon-Ho macht sich an anderer Stelle ohne die Hilfe der Polizei, die ihrer Meinung nach Besseres zu tun hat, auf die Suche nach Mi-jin. Bei ihm ändern sich dabei auch die Motive seiner Suche. Ging es ihm zunächst nur ums Geld, denkt er jetzt an das Mädchen und ihre kleine Tochter Eun-ji (Kim Yoo-jeong). Plötzlich hat er einen Autounfall und der Fahrer, mit dem er zusammengestoßen ist, ist kein geringerer als Young-min...

Der südkoreanische Film "The Chaser" von Regisseur Hong-jin Na handelt in seiner ersten halben Stunde quasi als Prämisse bereits ab, wofür andere Filme zwei Stunden brauchen. Viele Crime-Thriller dieser Art enden mit dem Geständnis des Killers, nicht aber "The Chaser". Wo andere Filmemacher ihre Schlussnote setzen, da legt Na überhaupt erst richtig los und wandelt damit auf ausgesprochen interessanten erzählerischen Pfaden, entfesselt er seine zunehmend finsterer werdenden menschlichen Abgründe erst so richtig, wenn der Täter vermeintlich sicher hinter Schloß und Riegel sitzt. Das Geständnis des Täters eben nicht an den Schluss zu setzen, sondern zum Aufhänger und Ausgangspunkt für eine ungleich spannendere Geschichte zu machen, das zeugt von großartigem Handwerk in puncto Drehbuch und Spannungsbogen. Zudem bedarf es durchaus auch etwas an Mut, mit Joong-ho Eom einen Zuhälter zur treibenden Kraft des Filmes zu machen, der dazu zumindest anfangs noch nicht sonderlich sympathisch wirkt. Zwar wandelt sich dessen Verhalten im Laufe des Plots genre-gemäß deutlich hin zum Positiven, bis zum bitteren Schlusspunkt jedoch bleibt der Blick auf diese Figur ausgesprochen ambivalent und Na stilisiert ihn nie zum strahlenden Helden oder läuft Gefahr der Glorifizierung.

Ihm gegenüber steht Young-min Jee als Serienkiller ohne jegliches Unrechtsbewusstsein und vollkommen ohne Empathie. Wie Jung-woo Ha diesen verkörpert, das kann einem echt unter die Haut gehen. Er ist absolut unberechenbar in seinen Aussagen und Reaktionen, ist eben noch der freundliche Nachbar von nebenan und im nächsten Moment ein abscheuliches Monster. Wenn er auf dem Polizeirevier im Verhör detailliert schildert, wie er seine Opfer fachgerecht zerlegt und entsorgt, dann geschieht das mit einer kaum zu fassenden Selbstverständlichkeit, als würden Kochrezepte ausgetauscht werden. Überhaupt verbringt der Film nicht unähnlich dem ebenfalls aus Südkorea stammenden Thriller "Memories Of Murder" von Joon-ho Bong relativ viel Zeit auf dem Polizeirevier und prangert unfähige Polizisten, Ermittlungspannen, willkürliche Polizeigewalt und eine festgefahrene Justiz an, wenn das alles in Kombination mit Glück und Zufall Young-min immer wieder zu Gute kommt und hilft, denn der ist alles andere als sonderlich intelligent und macht Fehler zuhauf. Auch Joong-ho hat Glück bei der Suche nach seinen Mädchen, kann aber auch Hartnäckigkeit und Akribie in die Waagschale werfen. Die atemlose Jagd kulminiert dann in einem meisterhaft inszenierten und regelrecht schweißtreibendem, emotional anstrengendem letzten Drittel, in welchem Na nochmals gewaltig an der Spannungsschraube dreht und schließlich Young-min auf Joong-ho treffen lässt. Alles mündet in einem brachialen und rohen Schlusskampf, weit entfernt von hübsch choreografierten Szenen und ist vielmehr dreckig, unangenehm und schmerzhaft anzusehen. Erlösung gibt es keine, nur Schmerz, Wut und Trauer. Die letzte Einstellung ist sehr bezeichnend, wenn Joong-ho müde, erschöpft, blutüberströmt und am Ende seiner Kräfte auf einem Stuhl am Krankenhausbett der kleinen Eun-ji einfach in sich zusammen sinkt.

Wenn man bedenkt, das "The Chaser" die erste Regiearbeit von Hong-jin Na ist, dann fällt es noch schwerer zu glauben, wie selbstbewusst und smart er seinen Film inszeniert und sich vielmehr auf die Stärken des Drehbuchs, die hervorragend geschriebenen Figuren sowie starke Dialoge verlässt als auf plumpe Action und lautes Spektakel. Darüberhinaus sieht "The Chaser" auf der visuellen Ebene geradezu unverschämt gut aus und versteht es gekonnt, diese eine lange Nacht in den Vororten von Seoul in einprägsame Bilder zu überführen. Solche Erstlingswerke verdienen Respekt.

8/10

Quellen
Inhaltsangabe: MFA+ Filmdistribution

Intrusion (2021)

https://www.imdb.com/title/tt5563324/

Meera (Freida Pinto) und Henry (Logan Marshall-Green) ziehen in ihr Traumhaus, das Henry für sie entworfen hat. Dann wird eines Nachts bei den beiden eingebrochen und es gibt einen Toten. Meera ist anschließend traumatisiert, fühlt sich sowohl in dem Haus als auch in der naheliegenden Kleinstadt, in der sie und ihr Mann neu sind, nicht mehr wohl. Denn Meera wird den Verdacht nicht los, dass dort irgendetwas nicht stimmt und die Menschen möglicherweise nicht so sind, wie sie vorzugeben scheinen. Doch kann sich Meera nach dem Trauma des Einbruchs überhaupt noch auf ihre eigene Einschätzung verlassen? Sie beginnt, Nachforschungen anzustellen. Recht schnell wird ihr jedoch deutlich gemacht, dass Schnüffler in dem Ort, in dem bereits mehrere Personen vermisst werden, nicht erwünscht sind. 

Der Netflix-Thriller "Intrusion" reicht dem interessierten Zuschauer eine ausreichende Spur von Brotkrümeln, die einen zunächst in ein bestimmtes Subgenre führt, bevor es einen ganz anderen Weg einschlägt. Leider ist weder das eine noch das andere Thema besonders originell oder die Enthüllung am Ende besonders aufschlussreich (der Gesamtgenuss hängt davon ab, wie viel Déjà-vu man in einer Sitzung verkraften kann), aber man kann sich auf dem Weg dorthin einfach und mit geringem Einsatz amüsieren, ein passabler Freitagabend-Thriller, der sich in nichts auflöst, sobald der Abspann zu sehen ist. Das scheint in letzter Zeit auf die meisten Netflix-Filme zuzutreffen. Freida Pinto und Logan Marshall-Green spielen die Hauptrollen in dem zuverlässigen Thriller, in dem alles genauso ist, wie man es erwartet: das gutaussehende heterosexuelle Paar, das das perfekte Haus, den perfekten Job und die perfekte Beziehung. 

Seit "The Strangers" erscheinen mit relativer Häufigkeit weitere Filme aus dem Home-Invasion-Genre, ein einfaches Subgenre, das an die grundlegende Angst appelliert, sich an dem Ort unsicher zu fühlen, an dem sich eigentlich am sichersten fühlen sollte. Das Interessante an "Intrusion" ist, dass der Einbruch in das Haus nur der Anfang ist und der Autor Chris Sparling sich damit beschäftigt, was passiert, wenn die Scherben aufgelesen und gesichtet werden. Meeras Detektivarbeit ist das beste Element am Film. Wo sie am Ende landet, ist zwar keine große Überraschung, aber es ist eine Wendung, die man wohlwollend annhemen kann und den Film von einem Thriller zu einem Horror wandelt und zu einem passendne Finale führt.

Das funktioniert in dem Moment, ist aber zu wenig, um wirklichen Wiedersehenswert zu bieten. Zudem bleibt "Intrusion" durchgehend an der Oberfläche. Während das Haus und seine Bewohner eine jenseitige Schönheit besitzen, sieht der Film, der sie umgibt, vorhersehbar langweilig aus, und Regisseur Adam Salky schafft es nicht, vom abgedroschenen Netflix-Drehbuch abzuweichen. Die einfache Handlung von A bis B bis C ist so spannend, dass man sich bald nicht wirklich dafür interessiert, was passiert, aber zumindest mitbekommt, wie unangenehm das Ganze wird. Der Hauch von Perversität in der Mitte von "Intrusion" hebt den Film von der Norm ab und weckt kurz auf, bevor man auf das Finale wartet.

5/10

Quellen
Inhaltsangabe: Netflix

Donnerstag, 16. Februar 2023

발신제한 - Balsinjehan - Hard Hit (2021)

https://www.imdb.com/title/tt14980972/

Für den angesehenen Bankmanager Sung-kyu (Joo Woo-jin) gehören Meetings mit internationalen Großinvestoren zum Alltag. Auch an diesem Morgen steht ein Treffen mit einem potenziellen Kunden an - und es geht für Sung-kyu um verdammt viel Geld! Am Steuer seines Wagens beginnt er bereits mit den ersten Gesprächen, um seine Untergebenen einzuweisen, während er seine beiden Kinder zur Schule bringt. Gerade als die Beiden aussteigen wollen, erhält Sung-kyu einen mysteriösen Anruf mit unterdrückter Nummer. Der Fremde am anderen Ende der Leitung gibt an, er habe eine Bombe unter dem Fahrersitz installiert - und da er die Bombe kontrolliert, soll Sung-kyu weder die Polizei alarmieren, noch den Kindern gestattet, das Auto zu verlassen. Stattdessen soll eine Menge Geld auf ein Privatkonto überwiesen werden. Unter Zeitdruck muss Sung-kyu nun alles dafür tun, um das Lösegeld schnellstmöglich zu besorgen... 

In gewisser Weise ruft der koreanische "Hard Hit" Bilder von "Speed" aus dem Jahr 1994 in Erinnerung. Der Film über einen Bankmanager, der erfährt, dass sich eine Bombe unter dem Sitz in seinem Auto befindet, ist nämlich ein Remake. Sogar das Remake eines Remakes. Das Original ("El Desconocido"/"Anrufer unbekannt") stammt aus Spanien, und statt in einem Bus spielt sich die Handlung in einem Genesis-Luxuswagen ab. 2018 folgte das deutsche Remake unter dem Titel "Steig. Nicht. Aus!" von Christian Alvart. Der koreanischen Beitrag verschiebt etwas den Fokus und legt weniger Wert auf die Bombe als auf seine Hauptfiguren. Es gibt keine aufkeimende Liebesgeschichte, stattdessen steht das Motiv im Mittelpunkt. Es wäre daher angemessener, den Film mit anderen Actionthrillern der 90er Jahre zu vergleichen als mit dem Keanu Reeves-Blockbuster.

Das bedeutet aber nicht, dass die drohende Explosion zur Nebensache wird - vor allem, nachdem der Bombenleger zeigt, wie weit im Voraus er alles geplant hat. Ein ständiges Gefühl der Verzweiflung schwirrt durch "Hard Hit". Offensichtlich spürt Sung-kyu (Joo Woo-jin) dies, während er durch die Stadt rast. Er versucht nicht nur, das Lösegeld zu kassieren und seine Kinder in Sicherheit zu bringen, er muss auch der Polizei entkommen. 


Im krassen Gegensatz dazu wirkt der mysteriöse Bombenleger vollkommen berechnend, entspannt und ruhig. Und das macht ihn gefährlich. Doch schon bald verschiebt sich die anfängliche Illusion der Ruhe und wird durch ein Gefühl der Verzweiflung ersetzt. Das macht den Film noch viel interessanter und spannender. Der Zuschauer hat nun ständig das Gefühl, dass jederzeit alles passieren kann. Das bedeutet auch, dass viel vom Motiv des Bombenlegers abhängt. Leider funktioniert das nicht so gut wie der Rest von "Hard Hit". Der größte Teil des Films ist eine gelungene Mischung aus Action und Drama. Die wahren Beweggründe des Anrufers sind ein wenig zu melodramatisch und bringen fast das gesamte Drehbuch zum Entgleisen. Doch "Hard Hit" kommt schnell wieder in Gang, was zu einem sehr spannenden Ende führt. Man muss sich zwar auf eine Menge Unglaubwürdigkeit en gefasst machen, aber das ist bei dieser Art von Filmen oft der Fall. Das Publikum verzeiht aber auch gern die Prämisse, solange es sich auf das Geschehen einlässt. "Hard Hit" ist ein unterhaltsamer Film, der für einen willkommenen Adrenalinschub sorgt. Empfehlenswert!

7/10

Quellen
Inhaltsangabe: Capelight

Dziewczyny z Dubaju - Girls To Buy (2021)

https://www.imdb.com/title/tt11871074/

Die attraktive Polin Emi (Paulina Galazka) ist eine hochbezahlte Escort-Dame, die ihr Geld hauptsächlich bei Partys mit Ölscheichs und Angehörigen von Königshäusern im Mittleren Osten verdient. Es dauerte nicht lange, bis sie sich an hohe Gagen für wenig Anstrengung, an Erste-Klasse-Flüge nach Dubai, Trips auf Luxus-Yachten, Champagnerbäder oder teure Geschenke ihrer Kunden in Form von wunderschönen Kleidern und wertvollem Schmuck gewöhnt hat. Irgendwann startet sie ihren eigenen Escort-Service und engagiert dazu Freundinnen und schließlich sogar prominente Frauen aus der Warschauer Gesellschaft. Zunächst florieren die Geschäfte - doch bald muss sie die Schattenseiten des Business kennenlernen und versucht auszusteigen. Was gar nicht so einfach ist. Denn sie hat mächtige Kunden, die nicht abserviert werden wollen. Zudem weiß Emi nicht, ob sie es überhaupt schaffen würde, in ein deutlich bescheideneres Dasein zurückzukehren. 

Der reißerische Titel und das Plakat des polnischen Dramas "Girls To Buy" sind eher irreführend. Denn diese Geschichte über Sexarbeiterinnen ist weniger erotisch als spannend und ähnelt eher einem "Scarface" als einem "Eyes Wide Shut". Die Leinwand ist naturgemäß voller attraktiver Frauen in verführerischen Kleidern, aber es gibt relativ wenig Sex und Nacktheit, verglichen mit dem, was man bei dem behandelten Thema erwarten könnte. Nicht dass dies missverständlich gelesen werden könnte: Nackte Tatsachen gibt es schon hier und da, doch angesichts der Geschichte und der Altersfreigabe hätte man mehr erwarten können ohne gleich als geifernder Lustmolch angesehen zu werden. Doch die Frauen sind umwerfend, ebenso wie die Kulissen und die Szenerie, wenn man sie auf Luxusjachten, in noblen Hotels und unglaublichen Villen feiern sieht. Die meiste Zeit des Films scheint das Geschäft auch glamourös und lukrativ zu sein, bevor es wirklich düster wird. Hauptdarstellerin Paulina Galazka hat als Emi das Aussehen und die emotionale Bandbreite für einen großen Star.


Wäre nur die Geschichte insgesamt leicht und spielerisch geblieben, hätte sie auch mehr Gewicht gehabt. Aber der Film basiert auf den realen Erfahrungen osteuropäischer Sexarbeiterinnen und dem 2018 erschienenen Roman "Girls from Dubai" von Piotr Krysiak und zeigt sowohl die Anziehungskraft als auch die Schattenseiten dieser Arbeitswelt, die - Überraschung! - letztlich eher deprimierend als erheiternd ist. Da die Botschaft vor allem eine Warnung an junge Frauen ist, die durch den Schein des Glamours in diesem Gewerbe angelockt werden, beginnt der Abspann mit einigen alarmierenden Statistiken über Sexarbeit und Menschenhandel. Alles in allem ist es dann aber doch ein guter, fesselnder Film, wenn man sich darauf eingestellt hat, dass es sich um ein ernstes Drama und nicht um einen Soft-Core-Porno handelt.

6,5/10

Quellen
Inhaltsangabe: Tiberius Film

The Lighthouse - The Lighthouse: Einsamkeit. Angst. Wahnsinn. (2016)

https://www.imdb.com/title/tt3520714/

Basierend auf einer wahren Begebenheit an der Küste von Wales im Jahr 1801: Der streng gläubige Christ Thomas Howell (Michael Jibson) und sein atheistischer Namensvetter Thomas Griffith (Mark Lewis Jones) sollen die Lichtmaschine eines Leuchtturms auf einer kleinen Insel warten, die 46 Kilometer vor der Küste inmitten des offenen Meeres liegt. Doch kaum sind sie dort angekommen, bricht ein verheerender Sturm über sie herein und schneidet sie von der Außenwelt ab - und zwar für mehrere Monate! Die extreme Situation stellt die geistige Gesundheit der beiden auf eine ernste Probe. Vor allem, weil beide sehr unterschiedliche Methoden haben, damit umzugehen. Griffith ertränkt seinen Kummer in Alkohol, während Howell Trost in der Bibel sucht. Als dann auch noch einer der beiden bei einem mysteriösen Unfall ums Leben kommt, werden Angst und Wahnsinn zu ständigen Begleitern für den verbleibenden Überlebenden... 

Es ist eine filmische Faustregel, dass in einem Leuchtturm nie etwas Gutes passiert: Eine einsame Insel, ein Leuchtturm, Boote werden ins Unglück gesteuert, Menschen stürzen (oder werden in den von Möwen gepickten Tod auf den Felsen gestoßen). Und dann ein Sturm, der die Insel für Monate von der Außenwelt abschneidet und die Menschen vollständig isoliert. Das läuft eigentlich immer so ab. Der Spielfilm des walisischen Genre-Machers Chris Crow, "The Lighthouse", steht also ebenso in dieser düsteren Tradition und ist ein Psychodrama auf niedrigem Niveau, das sich um zwei streitende Wächter desselben klapprigen hölzernen Leuchtturms dreht, die von widrigen Wetterbedingungen in Gefahr, Wahnsinn und Schlimmeres gebracht werden.

Basierend auf wahren, tragischen Ereignissen aus dem frühen 19. Jahrhundert, die zu einer kritischen Änderung der britischen Sicherheitspraktiken für Leuchttürme führten, ist Crows Film ein im Allgemeinen fähiges und beklemmend düsteres Kammerstück, dessen zunehmende Klaustrophobie jedoch nie ganz den puren Angstschweiß beim Zuschauer ausbrechen lässt, den es androht - selbst als der Himmel einstürzt und sich auf seinem deliranten, aber budgetär begrenzten Höhepunkt scheinbar ein Höllenschlund öffnet. Ein Großteil von "The Lighthouse" entfaltet sich wie ein theatralischer Doppelgänger, mit knackigem Sounddesign als Hauptindikator für die wütenden Elemente im Freien: "Bin ich in der Hölle?" fragt sich Howell an einer Stelle laut, und das scheint keine allzu voreilige Einschätzung der Atmosphäre zu sein.

Crow und seine beiden Hauptdarsteller Michael Jibson und Mark Lewis Jonesengagieren sich voll und ganz für die leidvolle, nervenzerfetzende Sache, aber ihre Bemühungen können nicht über eine gewisse Dünnheit des dramatischen Materials hinwegtäuschen: Das Drehbuch, das Crow und Jibson gemeinsam mit Paul Bryant in einem überwiegend modernen Idiom verfasst haben, zeichnet Griffith und Howell von Anfang an lediglich als gegensätzliche männliche Archetypen, ohne dass hinter der griesgrämigen, von Tragödien geprägten Miene der beiden Männer eine authentische Persönlichkeit zum Vorschein kommt. Sparsam eingesetzte Effekte verleihen dem aufziehenden Sturm ein echtes Gefühl von ängstlichem Getöse, aber Spannung und Schrecken lassen sich in einer so kargen und emotional einseitigen Erzählung nur schwer heraufbeschwören. Die Art und Weise, wie Crows Team mit offensichtlich begrenzten Mitteln arbeitet und die Stilisierung des Ambientes über den Umfang stellt, hat etwas von Bühnenkunst. Es gibt hier nicht viel lebendigen geografischen Sinn für den Ort, aber Tim Dickels knarziges, nahes, oft nebelverhangenes Produktionsdesign konzentriert sich mehr darauf, den verwirrten psychologischen Zustand der Charaktere nach außen zu tragen, während Kameramann Alexander Metcalfe, wie man erwarten könnte, mit einer durchweg düsteren, verschwimmenden Palette von Regenwolken-Grautönen malt. Aber wie man dieses Szenario besser präsentiert, zeigte Robert Eggers 2019 mit "The Lighthouse"

6/10

Quellen
Inhaltsangabe: Lighthouse

Mittwoch, 15. Februar 2023

Ant-Man And The Wasp: Quantumania (2023)

https://www.imdb.com/title/tt10954600/

Als Scott Langs (Paul Rudd) Tochter Cassie (Kathryn Newton) ein Gerät entwickelt, durch das eine Kommunikation mit dem Quantum-Reich möglich werden soll, ist das keine gute Idee. Und bald finden sich nicht nur Cassie, "Ant-Man" Scott und seine Mitstreiterin "The Wasp" Hope Van Dyne (Evangeline Lilly) in dem mystischen Reich wieder. Gemeinsam mit Hopes Eltern Hank Pym (Michael Douglas) und Janet Van Dyne (Michelle Pfeiffer) müssen sie einen Ausweg finden, doch bahnen sich erst einmal ihren Weg durch diese mysteriöse Welt, in welcher sie auf auf fremde Kreaturen und eine versteckte Zivilisation treffen. Dabei erfahren sie, dass viel mehr möglich ist, als sie jemals gedacht haben und auch Janet noch Geheimnisse aus ihren Jahrzehnten da unten hat. Und sie treffen auf einen so mysteriösen wie mächtigen Mann: Kang (Jonathan Majors)...

Es ist soweit: Phase 5 des MCU startet mit "Ant-Man And The Wasp: Quantumania" und auch hier gab es im Vorfeld viel zu berichten. Unter anderem sprach Hauptdarsteller Paul Rudd über die Vorbereitungen für seine Rolle als Ant-Man im dritten Teil des Franchise und führte aus, dass er sich körperlich stark verändert und hart gearbeitet hat, um in Form zu kommen. Frühe Kritiker schrieben nach den ersten Presse-Screenings, dass der dritte Teil der "Ant-Man"-Reihe "wie eine psychedelische Achterbahn voller beängstigender und witziger Kuriositäten, plus einem sehr bedrohlichen Kang" sei. Zudem träfen wohl "große "Star Wars"-Vibes auf das MCU in seiner freakigsten und originellsten Form". Und nicht zuletzt berichteten die Reviewer von dem "Mechanical Organism Designed Only for Killing", kurz M.O.D.O.K., der im Jahr 2021 sein Debüt in seiner gleichnamigen, animierten Serie "M.O.D.O.K." feierte und über einen Jonathan Majors" in Höchstform.

Wenn man "Ant-Man And The Wasp: Quantumania" sieht, fallen einem sofort zwei Dinge auf: Erstens lässt der Film San Francisco, den Schauplatz der früheren Ant-Man-Abenteuer ziemlich schnell hinter sich und begibt sich auf eine ausgedehnte Reise in die Geheimnisse und Wunder des Quantenreichs; und zweitens haben sich die Hauptdarsteller - Scott Lang / Ant-Man (Paul Rudd), Hope Van Dyne / The Wasp (Evangeline Lilly), Hank Pym (Michael Douglas), Janet Van Dyne (Michelle Pfeiffer) und Cassie Lang (Kathryn Newton) - zu nichts Geringerem als einer echten, dynamischen Superheldenfamilie zusammengefunden. Das weckt wohl nicht ganz zufällig Erinnerungen an die Fantastischen Vier zu, die schon in den 1960er Jahren als solche bezeichnet wurden. Und obwohl noch zwei Jahre bis zu deren offiziellen Start im MCU vor uns liegen, haben einige Aspekte der Vier, wie die zänkische Familieneinheit und die Abenteuer in psychedelischen kosmischen Gefilden, ihren Weg in die "Ant-Man"-Filme gefunden, insbesondere in Quantumania. Das sollte allerdings keine große Überraschung sein. 

Der Regisseur der "Ant-Man"-Trilogie, Peyton Reed, entwickelte bereits 2003 einen "Fantastic Four"-Film für 20th Century Fox, Jahre bevor das MCU ins Leben gerufen wurde und sogar noch länger, bevor die Muttergesellschaft der Marvel Studios, Disney, Fox aufkaufte und die Rechte an den Vier zurücknahm. "Ich habe 'Fantastic Four' damals, ich glaube 2002 oder 2003, etwa ein Jahr lang entwickelt, lange vor dem MCU", erklärt Reed. "Und das habe ich absolut in diese Filme einfließen lassen, besonders in Quantumania. Ich bin mit der Liebe zu den 'Fantastic Four' aufgewachsen, und dann habe ich bei der 'Ant-Man'-Familie Regie geführt, und es gibt Ähnlichkeiten. Sie sind eine Art dysfunktionale Familie von Superhelden im Marvel-Universum. Und bei den Fantastischen Vier gingen sie in die Negative Zone, und hier ist es das Quantenreich." Reeds aufgegebener "Fantastic Four"-Film sollte in den 1960er Jahren spielen und das Team in seinem Alltag begleiten, aber seine Vision wurde vom damaligen Fox-Chef Tom Rothman zugunsten einer traditionelleren Ursprungsgeschichte in der Gegenwart verworfen. Unter der Regie von Tim Story wurde "Fantastic Four" 2005 mit mittelmäßigen Kritiken, aber soliden Einspielergebnissen veröffentlicht. Es folgte "Fantastic Four: Rise Of The Silver Surfer" im Jahr 2007 und ein katastrophales Reboot im Jahr 2015, bevor Marvel die Rechte zurückbekam.

Wenn es jedoch um die "Ant-Man"-Filmreihe geht, konnte man bereits 2015 das Potenzial sehen, das Edgar Wright in das Projekt einbrachte, bevor er den Regiestuhl an Peyton Reed übergab. In der Fortsetzung von 2018, einem Film, der eine Erkundung des faszinierenden und seltsamen Quantenreichs versprach, bekam man nur sehr wenig von diesem mysteriösen Gebiet zu sehen. Die Ant-Man-Filme gingen auch sparsam mit der fesselnden Technologie um, um die sich die Geschichte dreht, und sparten sich die großen Geschütze oft für klimatische Schlachten und gelegentliche Gags auf. Sogar Scott Langs (Paul Rudd) Lieblingsmomente als Held drehen sich selten um Ereignisse aus seinen eigenen Abenteuern, denn er spricht eher über den Kampf an der Seite von Captain America in "Civil War" oder als er half, Thanos zu besiegen, als über irgendetwas, das in Peyton Reeds Filmreihe passiert ist. Eine Zeit lang fühlt sich "Ant-Man And The Wasp: Quantumania" wie die Verwirklichung von Scott Langs Möglichkeiten an, da der dritte Film dieser Reihe endlich die Seltsamkeiten, die verrückte Technik und die Familienbande, die die ersten beiden Filme versprachen, aufgreift. "Ant-Man And The Wasp: Quantumania" wird zu einer Mischung aus Fantastic Voyage und den Knowhere-Segmenten aus "Guardians Of The Galaxy" - eine interessante Mischung, die den Film sofort von den bisherigen Abenteuern von Ant-Man und Wasp (Evangeline Lilly) abhebt. Ein Vibe von "Star Wars" und sogar "Starship Troopers" schwebt mit - das passt und gefällt.

Tatsächlich sieht man Kang (Jonathan Majors), der in der grandiosen Serie "Loki" eingeführt wurde, hier noch vor Scott Lang, denn "Ant-Man And The Wasp: Quantumania" beginnt im Quantenreich, und wir erfahren, dass Janet van Dyne (Michelle Pfeiffer), während sie dreißig Jahre lang in diesem subatomaren Universum festsaß, auch mit dem Mann zusammentraf, den man später als Kang kennenlernen wird. Bevor Scott und Hope überhaupt auftauchen können, hat Kang bereits Anspruch auf diesen Film erhoben. Zurück im normalen Universum in der Gegenwart ist Scott ein Star, der ständig auf der Straße gesehen wird, der kostenlosen Kaffee bekommt (obwohl der Barista in einer sentimental wirkenden Anspielung auf Stan Lees Cameos in den vorherigen Filmen des MCU bis zu seinem Tod, glaubt, er sei "Spider-Man") und der jetzt mit seinem Buch "Look Out For The Little Guy" ein Bestseller-Autor ist. Er ist endlich wieder mit seiner Freundin, der umwerfenden Tech-CEO Hope Van Dyne (Evangeline Lilly), ihren Eltern Hank (Douglas) und Janet (Michelle Pfeiffer), die in "Ant-Man And The Wasp" von 2018 aus dem Quantenreich gerettet wurden, und seiner Tochter Cassie (Kathryn Newton) vereint. (Letztere ist zum Teenager gealtert, während er jenseits der Zeit festsaß und Hope, Hank und Janet aufgrund der Ereignisse von "Avengers: Infinity War" und "Avengers: Endgame".) Cassie arbeitet mit Hank Pym (Michael Douglas) und Hope an einem Weg, das Quantenreich zu erforschen, ohne jemals wieder hineingehen zu müssen. Cassie führt ihre Erfindung der ganzen Familie vor, und Janet bringt sie sofort dazu, das Gerät abzuschalten, da es ein Signal an ihren Standort sendet. Doch bevor sie das Signal abstellen können, werden Scott, Hope, Hank, Janet und Cassie in die Quantenwelt gesaugt und treffen bei ihrem erneuten Fluchtversuch auf die Kreaturen, die diese Welt bewohnen.

Die Ant-Man-Filme haben die verrückte Wissenschaft der Pym-Partikel nie vollständig in die Filme integriert, da wir meist nur einen Vorgeschmack auf die Möglichkeiten bekommen und wie Ant-Man hat sich auch das Quantenreich je nach Bedarf des MCU weiterentwickelt. Einst war es eine Leere zwischen Elementarteilchen, aus der noch nie jemand zurückgekehrt war, dann wurde es zu einem Zeitreise-McGuffin, und jetzt ist es ein ganzes Fantasy-Abenteuer-Universum, das in den mikroskopischen Räumen unseres eigenen existiert. Das ist ein Comic-Konzept, das noch nie einen Sinn ergeben hat und auch nie ergeben wird, und das deshalb ein zuverlässiges Vehikel für Spaß bleibt. Das Quantenreich ist ein Land, das weiter erforscht werden sollte, da man fast sofort eine solide Gruppe neuer Charaktere kennenlernt, darunter den telepathischen Quaz (William Jackson Harper), die Freiheitskämpferin Jentorra (Katy O'Brian) und einen riesigen Bottich voller Glibber, der von David Dastmalchian gesprochen wird. Schon nach ein paar Minuten im Quantenreich sehen wir, dass dies viel interessanter ist als alles in den beiden vorherigen "Ant-Man"-Filmen.

"Ant-Man And The Wasp: Quantumania" gelingt es auch gut, die Dinge, die in den ersten beiden Filmen gut funktioniert haben, weiterzuentwickeln. Zum Beispiel wird die Technologie hier durchgehend auf lustige Weise eingesetzt. Es gibt intelligente Ameisen, verrückte Schiffe, die anscheinend von Schleimwürmern gesteuert werden, und jede Menge Possen, die die Größe verändern. Wir bekommen sogar die Rückkehr von Corey Stolls Darren Cross, der jetzt M.O.D.O.K. spielt, mit einem riesigen Kopf, der immer wieder beunruhigend gruselig ist. Die meisten der Ant-Man-Kräfte beschränken sich immer noch auf Scott, Hope und jetzt Cassie, die klein schrumpfen, jemanden schlagen und dann wieder groß werden, aber wenigstens sieht diese Welt endlich, welche Möglichkeiten sie hat. Aber Majors als Kang der Eroberer wirbelt das alles durcheinander - im Guten wie im Schlechten. Majors' Kang liefert eine ganz andere, aber nicht weniger unglaubliche Leistung ab. Er ist ein hervorragender Bösewicht, der seiner Figur Nuancen und Subtilität verleiht. Vor allem in den Rückblenden mit Janet sehen wir Kang als eine Figur, die unter der Last des Wissens um alles, was in der gesamten Zeit und in jedem Multiversum geschehen kann und wird, begraben scheint. Er glaubt, dass seine Handlungen gut sind, weil er weiß, wie sich alles entwickeln wird, doch die Zeitlinien sind durch sein Wissen zerstört worden. Majors macht diese Figur anfangs sympathisch, verbirgt aber auch nie die Bedrohung und den Schrecken, die er jederzeit auslösen kann. Wie man aus der Serie "Loki" gelernt hat, gibt es viele Kangs in der Welt, und dies wird in Zukunft sicherlich zu vielen Gelegenheiten für Majors führen, mit der Breite, den Details und den Schichten dieser Figur(en) zu spielen. Mehr als alles andere ist "Ant-Man And The Wasp: Quantumania" eine großartige Einführung in die Arbeit von Majors mit dieser Figur, von der wir in den nächsten Jahren noch viel mehr sehen werden, und es ist wirklich aufregend zu sehen, was er mit dieser Figur in Zukunft machen wird.

Eine Variante dieses berüchtigten Marvel-Comic-Bösewichts hat man ja bereits in der Disney+ Show "Loki" kennengelernt, aber während "He Who Remains" extravagant und wild war, ist Kang stählern und finster. Majors trifft den facettenreichen Charakter von Kang voll und ganz, ein Mann, der sich mit der Zeit mit seiner Domäne belastet fühlt und dennoch den feurigen Willen hat, sie zu nutzen, um unvorstellbare Ziele zu erreichen. Es wird so viel Aufwand betrieben, um zu zeigen, wie mächtig und gefährlich Kang ist, dass die Ironie umso köstlicher wird, wenn er gegen den Trottel antreten muss, der mit Ameisen spricht. Zu sagen, dass die Kräfteverhältnisse zwischen Ant-Man und Kang ungleich sind, ist eine starke Untertreibung. In den Comics ist Kang eine Bedrohung auf Avengers-Niveau, die Thanos ebenbürtig ist - eine Bedrohung, bei der selbst ein komplettes Team der Avengers froh wäre, wenn es aus einem direkten Kampf als Sieger hervorgehen würde. Es ist also ein Verdienst von Drehbuchautor Jeff Loveness und Regisseur Peyton Reed, dass sie Wege gefunden haben, wie Ant-Man tatsächlich eine Chance hat, und diese Ideen sorgen für einige kreative Actionszenen. Allerdings werden die Einsätze in diesen Kämpfen oft zu kurz gegriffen, so dass die Gefahren, die aufgebaut werden, letztlich etwas zahnlos wirken.

Davon abgesehen ist das die primäre Funktion von "Ant-Man And The Wasp: Quantumania" - die Einführung des nächsten großen Bösewichts für die nächsten Phasen des Masterplans des MCU. Obwohl die Geschichte mit der coolen Technologie und der Familiendynamik auf eine Art und Weise beginnt, die eindrucksvoller ist als in allen vorherigen Filmen, wird der Film schnell zur Kang-Show. Und das ist nicht unbedingt schlecht, denn Majors ist absolut das Beste an diesem Film, aber es fühlt sich an wie die Einführung eines Hauptcharakters, der sich auf die erste Scott-Lang-Geschichte stürzt, die tatsächlich weiß, was sie tun soll.

Darüber hinaus sind alle Zutaten für ein solides Scott Lang/Hope van Dyne-Familienabenteuer vorhanden, und die beiden Schauspieler liefern einige ihrer besten Leistungen im MCU ab, aber die Geschichte wird überholt. Während Scott schon immer von seiner Tochter motiviert wurde, steht hier Cassies und Scotts Bindung im Vordergrund, was zu einigen süßen Wortwechseln und Momenten führt, die Ant-Man das Gefühl geben, mehr ein Held zu sein als nur ein kleiner Witz. Es könnte auch ein ganzer Film mit Douglas und Pfeiffer sein, die hier beide hervorragend sind. Indem hier Douglas erlaubt wird, die seltsame Pym-Technologie zu übernehmen, bekommt man einige lustige Momente über seine Liebe zu Ameisen zu sehen, und Pfeiffer bekommt endlich die Gelegenheit, in diesem Universum etwas Zeit im Rampenlicht zu verbringen, vor allem, wenn man auf ihre Zeit im Quantenreich zurückblickt. Newton ist ebenfalls eine gute Ergänzung zu dieser Superheldenfamilie und stellt einen weiteren großartigen neuen Charakter im MCU dar, der leicht in die Fußstapfen eines unserer ursprünglichen Helden treten könnte. 

In "Ant-Man And The Wasp: Quantumania" gibt hier eine faszinierende Welt zu erkunden, und Ant-Man kommt endlich der vollen Entfaltung des Potenzials seiner Figur und dieses Konzepts nahe, aber leider wird das alles vom Eroberer Kang überholt. Fast die gesamte Geschichte spielt im Quantenreich, einem bizarren Ort, an dem die Wesen Brokkoli als Köpfe haben und fliegende Mitochondrien als Transportmittel benutzen. Es gibt zwar jede Menge noch nie dagewesenes Sci-Fi-Material zu bestaunen, jedoch wirkt alles etwas wie computergenerierte Dekoration, die nichts mit den Ereignissen zu tun hat. Über diese unübersehbaren Kleinigkeiten in den visuellen Effekten könnte man hinwegsehen, wenn sich "Ant-Man And The Wasp: Quantumania" nicht so sehr auf das visuelle Spektakel als eines seiner Hauptmerkmale stützen würde. Das Tempo des Films ist geradezu halsbrecherisch. Doch auch wenn die Geschichte zwar etwas klobig wirkt, und der Look des Films selbstbewusst, sicher und fesselnd - das alles wirkt in sich rund. Zum Vergleich: In Disneys jüngstem Animationsfilm "Strange World" verirrt sich ebenfalls eine Familie in einer unheimlichen Sci-Fi-Landschaft - aber es gibt eine Erklärung, die all die Merkwürdigkeiten miteinander verbindet. In ähnlicher Weise treffen wir in der Quantenwelt auf eine Gruppe von Charakteren, aber genau wie ihre Heimat tragen sie nicht viel mehr zu "Ant-Man And The Wasp: Quantumania" bei, außer ein paar Witzen und einer Möglichkeit, die Handlung voranzutreiben. Niemand verkörpert dieses Problem mehr als Bill Murrays Figur, dessen eine Szene völlig belanglos wirkt. "Ant-Man And The Wasp: Quantumania" ist damit ein vielversprechender Start für Phase 5 des Marvel Cinematic Universe, und es ist toll zu sehen, wohin die Reise gehen könnte.

8,5/10

Quellen
Inhaltsangabe: Marvel / Disney
Quellen: DenOfGeek

Dienstag, 14. Februar 2023

Flatliners (2017)

https://www.imdb.com/title/tt2039338/

Was sie in ihren Vorlesungen lernen, reicht den fünf jungen Medizinstudenten Courtney (Ellen Page), Ray (Diego Luna), Jamie (James Norton), Sophia (Kiersey Clemons) und Marlo (Nina Dobrev) nicht: Sie wollen noch viel mehr über den menschlichen Körper und Geist erfahren und sind bereit, für neue Erkenntnisse auch gefährliche Grenzen zu übertreten. Um herauszufinden, ob es ein Leben nach dem Tod gibt, beginnen sie mit einem riskanten Selbstversuch. Sie stoppen ihre Herzen für einen kurzen Zeitraum und bringen sich so an die Schwelle des Todes. Begeistert von dem, was dann geschieht, lassen die Studenten immer mehr Minuten verstreichen, bis sie sich gegenseitig per Defibrillator ins Leben zurückholen. Doch die Experimente bringen ungeahnte Nebenwirkungen mit sich und bald wachsen sie der Gruppe über den Kopf...

Bei "Flatliners" handelt sich um eine eigentlich absolut unnötige Neuverfilmung des Films "Flatliners: Heute ist ein schöner Tag zum Sterben" aus dem Jahr 1990 und basiert wie dieser auf einem Drehbuch von Peter Filardi, das von Ben Ripley für die Neuauflage angepasst wurde. Es ist ja so: Bei Remakes muss man echt vorsichtig sein und seine Erwartungshaltung meistens sehr weit herunterschrauben. Bei manchen Remakes fragt man sich sogar, ob diese wirklich notwendig waren. "Flatliners" hält sich irgendwo in der Schwebe. Er kommt defintiv nicht an das Original heran, ist aber auch alles andere als ein Reinfall. Wer das Original kennt, wird sofort wissen worum es geht und der wird dann hier auch keinerlei Überraschung mehr erleben, denn man hält sich doch sehr an das Originaldrehbuch. Hier und da ein paar kleine Änderungen und Modernisierungen, aber das war es auch schon. Der Reiz des Originals ist dabei nahezu verschwunden. Die Grundidee ist immer noch stark und reizvoll, doch "Flatliners" weiß dies überhaupt nicht zu nutzen. Die fünf Hauptprotagonisten unterziehen sich nach und nach der Nahtoderfahrung und erhalten dadurch verbesserte Fähigkeiten. Allerdings kommt auch etwas Böses mit, nachdem man sie reanimiert hat. Den Verlauf kennt man und das überarbeitete Drehbuch hat dem absolut nichts hinzuzufügen. Deshalb besitzt das für mich auch kaum eine Daseinsberechtigung, denn etwas Eigenständigkeit darf da schon mit dabei sein. Gerade bei einem solch komplexen und nicht groß erforschten Thema, ist doch genügend Platz für Kreativität. Doch "Flatliners" nutzt das Ganze einfach nur für Klischees und vorhersehbare Wendungen. Der Film ist deshalb schon alleine wegen dem Drehbuch zum Scheitern verurteilt.

Der Rest macht es aber auch nicht unbedingt besser. Das geht schon bei den leider nicht sehr interessanten Charakteren weiter. Das sind alles Schönlinge, die ziemlich oberflächlich dargestellt werden und das Ganze nicht bereichern. Etwas markantere Figuren mit mehr Profil hätten da echt nicht geschadet. So wundert es auch kaum, dass die Darsteller nicht viel aus diesen dünnen Figuren herausholen können. Das Schauspiel ist daher relativ schwach. Natürlich ist Ellen Page gut, man bemerkt jedoch schon, dass sie ziemlich unterfordert ist. Für Fans des Originals ist es dann sicherlich schön, dass sogar Kiefer Sutherland mit dabei ist, aber leider bleibt auch seine Rolle sehr belanglos und viel ist er sowieso nicht zu sehen. Scheinbar war mal im Gespräch, dass er dieselbe Rolle spielen sollte, wie im Original. Das hat man wohl fallen gelassen, doch gebracht hätte dies sowieso nicht viel.

Wer sich ebenfalls einen Vorwurf gefallen lassen muss, ist der dänische Regisseur Niels Arden Oplev, denn der hat es kaum verstanden, das Ganze visuell gut umzusetzen. "Flatliners" ist optisch einfach nur glattgebügelt und kommt im Hochglanz daher, hat ansonsten jedoch nicht viel zu bieten. Gerade wie man die Nahtoderfahrungen visuell umgesetzt hat, enttäuscht. Das Original besitzt zusätzlich etwas Horror und wird dann mit der Zeit immer bedrohlicher. Das wollte man ganz sichtlich auch beim Remake erreichen, nur leider kommt der gewünschte Effekt nicht zustande. Da die Figuren einem sowieso egal sind, funktioniert das mit den Emotionen nicht. Dem Zuschauer ist die Frage nach der Schuld somit völlig egal und deshalb kann der Rest ebenfalls nicht funktionieren. Die knapp zwei Stunden Laufzeit gestalten sich wirklich als eher zäh, weil es keine Highlights gibt. Umso länger das läuft, desto uninteressanter wird es eigentlich. Umgekehrt wäre besser gewesen. Besonders viele Effekte gibt es zudem nicht und das Ganze ist dann auch noch erschreckend zahm. Mit abruptem Ende. Hm.

5,5/10

Quellen
Inhaltsangabe: Sony Pictures