Die chaotische Mary (Hannah Lynch), die bislang nur schwer ihren Platz im Leben findet, steht vor einer großen Herausforderung. Alles gerät aus den Fugen, als sie plötzlich feststellt, dass sie schwanger ist und das ungeborene Kind offenbar nicht von dieser Welt stammt. Mit dieser ungewöhnlichen Situation stößt Mary bei Ärzten auf große Skepsis. Unterstützung erhält sie kaum, denn auch der werdende Vater erweist sich als wenig hilfreich. Zusätzlich mischt sich ihre Mutter ungefragt in jedes Detail ein und teilt ihre Ansichten nur allzu bereitwillig mit der Außenwelt.
"Mum, I'm Alien Pregnant" ist ein neuseeländischer Body-Horror-Comedy, die sich wie eine berauschende Mischung aus Taika Waititis absurder Fantasie eines "5 Zimmer Küche Sarg" und David Cronenbergs "Society" anfühlt: Eine faule, unmotivierte Millennialin wird durch einen peinlichen Sexunfall mit einem intersexuellen Nachbarn schwanger und kämpft gegen mutierenden Körper, ignorante Ärzte und eine klatschsüchtige Mutter - ein Vergnügen, das mit schleimigen Tentakeln, ehrlicher Wut und neuseeländischem Understatement punktet. Das Regie-Duo Thunderlips (Jordan Mark Windsor, Sean Wallace) debütiert mit 85 Minuten, die allerlei Körperflüssigkeiten, Slapstick und Coming-of-Age zu einem wilden Chaos verweben - visuell dreckig, thematisch provokant, aber unter einem rasanten Tempo leicht überladen.
Zwischen grotesken Setpieces - seltsame Ultraschall-Bilder, laktierende Nippel, mütterliche Überfürsorge - ringt Mary um Autonomie, während ihr Hybrid-Baby rasend schnell heranwächst. Irgendwie ein radikal ehrlicher Body-Horror über Schwangerschaft als bedrohliche Invasion. Hannah Lynch spielt Mary mit einer Performance, die rohe Verletzlichkeit mit trotziger Wut paart - ihre Couch-Potato-Frustration wird zur existentiellen Schlacht gegen ihren Körper. Arlo Green macht Boo zum liebenswerten Freak - unsicher, zärtlich, tragisch -, ihre Chemie verleiht Wärme inmitten des Schlamassels und Yvette Parsons als Cynthia liefert eine comicartige Figur mit bissigen One-Linern in der falschen Situation, die einen immer wieder zum Lachen bringen. "Mum, I'm Alien Pregnant" besticht durch praktische Effekte (säureartiger Samen, aufquellende Bäuche, schleimiger Ausfluss) sind ekstatisch eklig - an "Braindead" erinnernd -, Farben knallen, das Tempo rast wie ein Adrenalinrausch. Der Score mischt kitschige 80er-Synths mit organischen Schleim-Geräuschen, und die Choreografie macht Geburts-Szenen zu einem groteskem Ballett. Dabei bleibt das alles in einer absurden, unangenehmen, aber überraschend menschlichen Balance und hält das alles radikal ehrlich. Leider ist das Tempo etwas zu hoch und überrollt so manches mal emotionale Beats - vor allem der dritte Akt wirkt gehetzt. Doch der Film seziert gekonnt Schwangerschaft als Body-Horror: Mary's Körper wird zur Schlachtbank für Alien-DNA, Ärzte pathologisieren sie, Mütter kolonialisieren sie. Es geht um intersexuelle Erfahrungen, queere Isolation, medizinische Gewalt und birassische Identität in Kiwi-Kontext. Das Einfluss von Waititi ist unübersehbar, die revolutionäre Ehrlichkeit sticht hervor - kein Pamphlet, sondern rohe Katharsis mit Humor.Letztlich ist "Mum, I'm Alien Pregnant"aber eine charmante Body-Horror-Komödie, ein Highlight mit Schwächen im Tempo und überladenen Subplots. Thunderlips mischt Splatterstick mit Herz; Lynch glänzt. Chaotisch, aber ein Ding, das in seiner Absurdität Spaß macht und unterhält.


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