Donnerstag, 9. April 2026

Ready Or Not 2: Here I Come - Ready Or Not 2 (2026)

https://www.imdb.com/de/title/tt33978029/

Grace (Samara Weaving) hat zwar das tödliche Versteckspiel gegen die Le Domas', die Familie ihres frisch angetrauten Ehemanns, überlebt, doch damit ist die Sache noch lange nicht überstanden. Ehe sie es sich versieht, wird sie direkt in die nächste mörderische Hetzjagd vermittelt, bei der es dieses Mal um alles oder nichts geht. An ihrer Seite ist dabei nun ihre Schwester Faith (Kathryn Newton), die als Druckmittel eingesetzt wurde, um Grace dazu zu zwingen, erneut ihr Leben auf Spiel zu setzen. Dieses Mal werden die Schwestern von ganzen vier Familien ins Visier genommen – darunter auch die superreichen Danforths (u.a. Sarah Michelle Gellar und David Cronenberg), die sich durch einen Sieg im mörderischen Spiel zu einem höheren Rang aufschwingen wollen. An denen müssen Grace und Faith jedoch erst mal vorbei, um so schließlich den Hohen Rat und damit die blutige Spiele ein für alle Mal beenden zu können.

"Ready Or Not 2: Here I Come" knüpft unmittelbar an die Ereignisse des ersten Films an und verschiebt das Überleben von Grace in eine größere, härtere und zugleich problematischere Arena. Samara Weaving kehrt als Grace zurück, diesmal an der Seite ihrer entfremdeten Schwester Faith, gespielt von Kathryn Newton, während mehrere rivalisierende Elitefamilien sie jagen und um einen Sitz in einer machtbesetzten Ordnung kämpfen. Genau hier liegt der Reiz des Films, aber auch sein größtes Problem. Was im ersten Teil als präzise zugespitzter, fast bösartig klarer Klassen-Horror funktionierte, wächst hier zu einem komplizierteren Geflecht aus Schwesternkonflikt, Ritualmythologie und weltumspannender Verschwörung an, ohne sich immer organisch aus dem bereits Etablierten zu entwickeln. Das Ergebnis ist ein Film, der sichtbar mehr will, aber nicht immer besser weiß, wie er die einzelnen Einfälle zu einem wirklich lebendigen Ganzen verbindet. 

Vor allem die Schwesternschaft zwischen Grace und Faith trägt den Film. Die Idee, Grace nicht mehr nur als Einzelkämpferin gegen eine toxische Familie, sondern als Frau mit einer emotional beschädigten Verbindung zur eigenen Schwester zu zeigen, ist die stärkste menschliche Erweiterung des Stoffes. Samara Weaving spielt diese neue Form von Überlebenswut mit der gleichen elektrischen Präsenz wie zuvor, während Kathryn Newton der Figur der Faith eine Mischung aus Verletztheit, Trotz und spitzer Unberechenbarkeit gibt. Ihre Szenen haben dann die Wirkung, die der Rest des Films so oft sucht: Sie sind komisch, bitter und kurzfristig aufrichtig zugleich. Doch gerade weil die Schwesterndynamik so viel verspricht, fällt auf, wie oft der Film sie unter Schichten von Weltbau und Folklore begräbt. Statt die Beziehung der beiden über kleine Verschiebungen, alte Kränkungen und neue Bündnisse langsam zu vertiefen, stapelt der Film neue Regeln, neue Familien und neue Machtstrukturen aufeinander. Das macht ihn größer, aber nicht zwingend reichhaltiger. Man spürt die Absicht, die Mythologie auszubauen, doch oft wirkt dieses Wachstum eher wie das Hinzufügen weiterer Etagen zu einem Haus, dessen Fundament schon im ersten Stock zu wackeln begann.

Auch die zusammengestückelten Ideen sind schwer zu übersehen. Der Film will zugleich Fortsetzung, Satire auf Elitenmacht, blutige Spielvariante, Familienmelodram und expansionistisches Weltmodell sein. Einzelne Einfälle blitzen auf und sind in ihrer Bosheit oder Absurdität durchaus reizvoll, doch nicht jeder Gedanke bekommt die dramaturgische Luft, die er braucht. Dadurch entsteht bisweilen das Gefühl, man sehe weniger einen souverän gebauten Film als eine Kette cleverer, aber nicht immer sauber vernähter Ideen. Am deutlichsten zeigt sich das in der Welt des Films. Der erste Teil lebte gerade davon, dass seine absurde Prämisse klar begrenzt war: eine Familie, ein Ritual, eine Nacht, ein scharf umrissener Klassenhorror. Das Sequel öffnet diese Welt nun für Rivalen, Räte und globale Machtfragen, doch mit der Vergrößerung geht ein Teil der ursprünglichen Eleganz verloren. Die Welt wird breiter, aber nicht wirklich tiefer; sie wirkt weniger wie ein organisch gewachsenes Universum als wie ein nützlicher Schauplatz, der auf Abruf neue Spiele und neue Gegner liefern soll. 

Trotzdem ist "Ready Or Not 2: Here I Come" nicht bloß ein Fall von mehr Lärm als Substanz. Der Film besitzt Energie, Biss und genug schauspielerische Spielfreude, um die Lücken zeitweise zu kaschieren. Gerade Weaving hält alles zusammen; ihre Grace wirkt wie jemand, der gelernt hat, dass Überleben nicht nur Kampf, sondern auch Form der Selbstbehauptung ist. Wenn der Film die Konzentration auf sie und Faith nicht verliert, gewinnt er an menschlicher Spannung, die ihm seine Konstruktion sonst häufig wieder entzieht. So bleibt am Ende ein Sequel, das den richtigen Instinkt hat, den Stoff nicht einfach zu wiederholen, sondern zu vergrößern. Aber die Erweiterung kostet Klarheit, und die Lust am Weltaufbau ersetzt nicht automatisch die emotionale Genauigkeit, die den ersten Film so giftig und so wirkungsvoll machte. Das Ergebnis ist ein noch unterhaltsamer, oft sehr wilder und gelegentlich scharf beobachteter Horror-Satire-Mix, der vor allem dann überzeugt, wenn er bei den beiden Schwestern bleibt und nicht glaubt, dass mehr Mythologie automatisch mehr Bedeutung bedeutet. 

5,5/10

Quellen:
InhaltsangabeFilmstarts
Poster/Artwork: Searchlight Pictures/Radio Silence Productions/Project X

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