Die Medizinstudentin Hana (Midori Francis) kann ihren Augen kaum glauben, als sie eine alte Freundin wiedersieht: Diese ist nach einer radikalen Diät kaum wiederzuerkennen. Bei ihrer Suche nach der eigenen körperlichen Selbstoptimierung wird sie von ihrem Crush Alanya (Madeleine Madden), Fitness-Influencerin und Personal Trainerin an der Universität, zu einem zwölfwöchigen "Body Transformation"-Programm eingeladen. Hana hört von einer wundersamen, aber viel zu teuren Abnehmpille und greift so auf Gratisproben zurück, die sie im Labor untersucht. Dort macht sie eine überraschende, aber fatale Entdeckung, die darin gipfelt, dass sie Knochen von den Leichen aus der Anatomie stiehlt und menschliche Asche konsumiert. Das Mittel wirkt, doch zieht es zugleich eine finstere Präsenz an, der sie sich nicht zu entziehen vermag.
Ein zeitgemäße Body-Horror-Geschichte, der sich anfühlt wie eine süßlich-verführerische Falle - das ist "Saccharine". Eine junge Medizinstudentin entdeckt eine obskure Diät-Methode - das Essen von menschlichen Asche -, die ihr hilft, ihr Gewichtsproblem zu bekämpfen, aber zu einem grotesken körperlichen und psychischen Abstieg führt. Natalie Erika James, die mit "Relic: Dunkles Vermächtnis" bereits Familiendrama und Horror verknüpft hat, nimmt hier aktuelle Trends wie Bodyshaming und Wellness-Influencer und verwandelt sie in ein knapp 2-stündiges Drama aus Ekel, Grusel und Selbstzerstörung - visuell ansprechend, thematisch reichhaltig, aber leider überladen und nicht immer kohärent.
Midori Francis' Hana ist anfangs sympathisch unsicher, wird zur besessenen Figur, deren Verwandlung durch brillante Prosthetik, Kostüm und Make-up greifbar wird - mit einer nuancierten, physisch beeindruckenden Leistung. Die Mutter fügt eine Prise emotionale Tiefe hinzu, doch Nebenfiguren wie Gym-Coach (Madeleine Madden) oder Pillen-Freundin (Annie Shapero) bleiben unterentwickelt. Das Drehbuch entwickelt schon bald zu viele Ideen über Body-Images, Trauma, Wellness-Kultur und quetscht diese in die bislang schon völlig ausreichende Handlung, was zu einem Gefühl von Überladung führt. James' Inszenierung ist ein Fest für die Augen: Die Pillen als Metapher, groteske Effekte (verwesende Leichen, deformierender Körper) und ein Score, der Appetit und Ekel vermischt. Der erste Akt baut subtil auf, der zweite eskaliert in Jump Scares und Enthüllungen, das Finale hingegen wirkt etwas gezwungen und gibt einen eher merkwürdigen Kommentar zur Körperpositivität ab. Da hätte die Regisseurin lieber bis zum bitteren Ende durchziehen sollen, anstatt frühzeitig auf die Bremse zu treten und die Geschichte gut ausgehen lassen.
"Saccharine" thematisiert Essstörungen, mütterliche Erwartungen und Scham mit Cronenberg'scher Intensität, doch die Fülle an Subplots (Body-Shaming, Geister-Horror) überfrachtet die Metapher. Großartige Effekte, großartige Ideen, letztere aber in einem Maß, welches den Rahmen des Films spürbar sprengt. Visuell und schauspielerisch stark, zeitgemäß provokant; ein überambitioniertes Skript verhindert Größe und das Finale übertreibt in einer Art, die den Aspekt der Abnehmpille besser bis zum Ende durchexerziert hätte. James beweist einmal mehr ihr Talent, bleibt aber unter "Relic: Dunkles Vermächtnis".

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