Samstag, 25. April 2026

まがまがおんな - Maga Maga Onna - Mag Mag (2026)

https://www.imdb.com/title/tt38263629/

Die traumatisierte Sanae Uehara (Sara Minami) stürzt nach dem brutalen Mord an ihrem Partner durch den rachsüchtigen "Mag Mag"-Geist  eine moderne Variante des klassischen Onryō (ein fiktives Geisterwesen der japanischen Mythologie) in einen blutigen Rachefeldzug. Getrieben von unerbittlicher Trauer und Wut beginnt Sanae, übernatürliche Rituale und verbotene Exorzismen zu praktizieren, stößt dabei jedoch auf schockierende Enthüllungen: Die wahre Identität des Mörders ist nicht der Geist, sondern jemand aus ihrem nahen Umfeld, was ihre gesamte Mission auf den Kopf stellt. Ihre Verbündeten - darunter Rumi (Aoi Yamada) als skeptische Freundin, Akira Watase (Tetsu Hirahara) als zwielichtiger Okkult-Experte und Suzuka Yoshida (Atsuko Hirata) als mysteriöse Mentorin - geraten mit in das Chaos aus Geistererscheinungen, Identitätsverwirrungen und absurden Wendungen...

"Maga Maga Onna"/"Mag Mag" ist einer dieser Filme, bei denen man nach dem Abspann eher über das Gesehene staunt als es sortiert: eine grob gemixte Emulsion aus Rache-Geister-Horror, grotesker Körperkomik, Liebesfilm und femininer Wutfantasie. Der Film kontrastiert traditionelle J-Horror-Elemente und blutige Visionen mit meta-humorvollen Brechungen der Genre-Klischees, wildem Indie-Stil und einer rasanten Eskalation zu einem Höhepunkt voller Verrat und übernatürlicher Abrechnung. Als Spielfilmdebüt der Comedienne Yuriyan Retriever, basierend auf ihren eigenen Beziehungserfahrungen, ist es ein Werk, das sich bewusst weigert, sich zu benehmen und genau darin steckt sein Reiz, aber auch sein Risiko. Die Besetzungsliste versammelt ein junges, markantes Ensemble: Neben Minami treten Aoi Yamada und Mai Fukagawa sowie weitere junge, aber bereits versierte Schauspielerinnen an, die das emotionale Spektrum von Verletzlichkeit bis Wahnsinn glaubhaft abdecken. Sanae selbst ist kein Final Girl, sondern eher ein kleiner Freak - eine Figur, deren Verhalten auch im Kontext des Genres immer wieder irritiert, weil sie nicht aufhört, die Grenze zwischen Selbstzerstörung und Emanzipation zu überschreiten. Die titelgebende "Maga Maga Onna" ist weniger ein klar konturierter Dämon als eine Projektionsfläche: Der Film zeichnet jede Frau so, als trüge sie eine potenziell furchterregende Seite in sich - nicht im Sinne misogynen "Bitches are crazy"-Horrors, sondern als Folge dessen, wie Frauen sich in einer patriarchalen Gesellschaft wappnen müssen. Die Unheimlichkeit wird so zur Waffe und zur Rüstung zugleich, ein Motiv, das den Film über viele generische J‑Horror‑Produktionen hinaushebt.

Yuriyan Retriever nutzt ihr Regiedebüt, um Grenzen bewusst zu sprengen. "Maga Maga Onna" könnte man bequem in die Tradition klassischer japanischer Rachegeister, das sich zugleich an Vorbildern wie "Ring" oder "The Grudge" abarbeitet, einordnen, überzeichnet diese aber bewusst parodistisch. Die Bildsprache bedient sich folkloristischer Rituale, pseudo-religiöser Handlungen und grotesker Körperbilder, die so eklig sind, dass es wieder lustig wird. Dialoge und Szenen sind in vielerlei Hinsicht so überzogen, dass das Unbehagen in Lachen kippt. Die Rituale, die Herkunftslegende der "Maga Maga Onna" und die wiederkehrenden, beinahe ethnografisch anmutenden Details verleihen dem Film eine deutliche volkskundliche Note, die über reines Schockkino hinausreicht. Inhaltlich kreist "Maga Maga Onna" um die Frage, wie weibliche Wut und Trauer in einer Gesellschaft kodiert werden, die ihnen wenig Raum lässt. Die unheimliche Frau ist hier nicht bloß das Monster, das es zu bannen gilt, sondern eine Verdichtung jener Emotionen, die aus dem Rahmen des Normalen herauslaufen. Dass diese Exzesse dennoch erstaunlich frisch wirken, ist die eigentliche Paradoxie des Films: Er zeigt grenzüberschreitendes Verhalten, aber entzieht es einer einfachen moralischen Verurteilung. Gleichzeitig bleibt die Form auch noch bewusst poppig: Die Rachegeschichte, der Geistermythos und die Liebestragödie funktionieren auch auf der Oberfläche als wendungsreicher Horrorfilm.

"Maga Maga Onna" ist in guter wie in schlechter Weise komplett durchgeknallt. Dass er trotzdem funktioniert, liegt an der überwältigenden Kreativität - ein ernstzunehmender, wenn auch chaotischer Erstling. Er ist formell ungleichmäßig, tonal wild, stellenweise durchaus überzeichnet, aber er hat eine klare, unverwechselbare Stimme, die bereit ist, sich lächerlich zu machen, um etwas Wahrhaftiges über Wut, Begehren und weibliche Subjektivität zu sagen. Nicht perfekt, aber lebendiger als viele sauberere Genreprodukte.

6,5/10

Quellen:
InhaltsangabeFilmstarts
Poster/Artwork: Third Window Films

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen