Dienstag, 14. April 2026

Karate Kid: Legends (2025)

https://www.imdb.com/de/title/tt1674782/

Nach einer traumatischen Familientragödie muss das überaus talentierte Kung-Fu-Wunderkind Li Fong (Ben Wang) sein Zuhause in der chinesischen Hauptstadt Beijing verlassen und mit seiner Mutter nach New York City ziehen. Dort fällt es ihm schwer, sich in die neue, ungewohnte Umgebung einzufügen und Anschluss an seine Mitschüler zu finden. Obwohl Li Konflikte meiden möchte, scheint er immer wieder in schwierige Situationen zu geraten. Als ein Freund seine Unterstützung benötigt, entscheidet er sich, an einem Karatewettbewerb teilzunehmen. Doch schnell wird klar, dass seine Fähigkeiten allein nicht ausreichen. Lis Kung-Fu-Lehrer Mr. Han (Jackie Chan) bittet deshalb Karate-Legende Daniel LaRusso (Ralph Macchio) um Unterstützung. Gemeinsam zeigen sie Li, wie er die unterschiedlichen Kampfstile der beiden Meister vereinen kann, um sich auf einen entscheidenden Martial-Arts-Showdown vorzubereiten.

"Karate Kid: Legends" ist ein Film, der mit einer klaren, fast zu vertrauten Geste beginnt: Ein junger Kämpfer, Li Fong, gespielt von Ben Wang, zieht mit seiner Mutter nach New York, gerät dort in Konflikt mit lokalen Gegnern und wird schließlich von zwei alten Größen des Franchise in Form gebracht. Jackie Chan kehrt als Mr. Han zurück, Ralph Macchio als Daniel LaRusso, und der Film baut seine Geschichte darauf auf, dass Li die Kung-Fu-geprägte Schule seines Lehrers mit dem Karate-Mindset von LaRusso verbinden soll. Das Problem mit einem solchen Film ist nicht, dass er das Rad neu erfinden müsste. Das Problem ist, dass er oft so tut, als reiche schon die Wiederbegegnung mit vertrauten Gesichtern, um Wärme, Bedeutung und dramatische Spannung zu erzeugen. Die Grundidee ist einfach und sauber: Li versucht in einer neuen Stadt Fuß zu fassen, findet Anschluss an Mia Lipani, gerät in den Schatten ihres Ex-Freundes und lokalen Champions Conor Day und wird in eine Trainings- und Wettkampfgeschichte gezogen, die ihn dazu bringen soll, seine Angst und seine Trauer zu überwinden. Das klingt nach einem klassischen "Karate Kid"-Gerüst, und auf dem Papier ist es das auch.

Was den Film weniger überzeugend macht, ist die Art, wie es seine Nostalgie verwaltet. Der Film sammelt wiedererkennbare Elemente wie historische Artefakte ein: Mr. Han, Daniel LaRusso, Trainingsmontagen, Turnierlogik, die alte Idee von Balance, Disziplin und innerer Ruhe. Doch genau dort, wo der Film eigentlich neue Energie bräuchte, wirkt er häufig wie ein sorgfältig zusammengestelltes Album aus Franchise-Erinnerungen, das die Gegenwart der Figuren nicht immer ernst genug nimmt. Der stärkste Vorwurf ist aber trotzdem nicht die Wiederholung an sich, sondern der Mangel an organischem Wachstum: Alles fühlt sich bekannt an, aber nicht immer verdient.
 

Ben Wang ist dabei der entscheidende Faktor, der dem Film überhaupt Richtung gibt. Als Li Fong bringt er genug Verletzlichkeit und Beweglichkeit mit, um die Rolle über reine Franchise-Funktion hinaus zu heben. Seine Figur trägt die Last einer familiären Tragödie, und der Film versucht, daraus ein emotionales Zentrum zu formen, das mit neuer Stadt, neuer Schule und neuem Kampffeld zusammenhängt. Wenn der Film funktioniert, dann oft deshalb, weil Wang die innere Unruhe seines Charakters glaubhaft macht und nicht bloß die Choreografie zwischen den Kämpfen abspult. Doch um Li wirklich wachsen zu lassen, müsste der Film mehr Vertrauen in seine eigene Gegenwart haben. Stattdessen wirkt die Welt von "Karate Kid: Legends" erstaunlich klein für einen Film, der zwei Mythologien zusammenführen will. New York ist Kulisse, nicht wirklich sozialer Organismus; die Rivalitäten sind funktional, nicht erschütternd; die Nebenfiguren um Mia, Victor und Conor füllen die Struktur, aber erweitern sie selten spürbar. Dadurch bleibt die Welt seltsam flach, obwohl sie technisch größer geworden ist. 

Auch die Zusammenführung von Mr. Han und Daniel LaRusso ist mehr Versprechen als Erfüllung. Dass Jackie Chan und Ralph Macchio gemeinsam auftreten, besitzt unbestreitbar nostalgische Anziehungskraft, und in einzelnen Momenten ist es reizvoll zu sehen, wie zwei sehr unterschiedliche Franchise-Identitäten nebeneinander existieren. Aber der Film verlässt sich dabei zu sehr auf das bloße Nebeneinander der Ikonen, statt aus dieser Begegnung wirklich eine neue erzählerische Spannung zu ziehen. Man spürt die Geschäftsidee, die Generationen verbinden will; man spürt weniger die dramatische Notwendigkeit, die das rechtfertigt. Die Kampfszenen selbst sind solide, gelegentlich ordentlich aufgeladen, aber auch sie tragen denselben Nachgeschmack des Zusammensetzens statt Verdichtens. Tempo und Schnitt lassen zu wünschen übrig und überhaupt fehlt eine gewisse mechanische Struktur, die den Film schneller wirken lässt, als er innerlich ist. Das ist bedauerlich, weil das "Karate Kid"-Franchise in seinen besten Momenten nie nur auf Schläge und Turniere setzte, sondern auf das langsame Vertrauen, das aus Training und Beobachtung wächst. Genau diese Geduld fehlt dem Film oft, wenn es lieber zur nächsten Referenz, zur nächsten Rückversicherung oder zum nächsten nostalgischen Signal springt.

Vergleicht man den Film mit dem Original von 1984, wird der Unterschied besonders deutlich. Damals gab es eine gelungene Mischung aus Wärme, Freundschaft und emotionaler Klarheit in einem Film, der seine einfache Geschichte mit echter menschlicher Bewegung füllte. "Karate Kid: Legends" besitzt diese Klarheit nicht immer; es ist eher ein Film über die Erinnerung an das "Karate Kid"-Gefühl als über dessen erneute Entdeckung. Das macht ihn nicht wertlos, aber es macht ihn weniger lebendig, als seine Besetzung und sein Vermächtnis es eigentlich erlauben würden. Am Ende ist "Karate Kid: Legends" ein gut gemeinter, gelegentlich charmanter, aber zu oft aus vorbereiteten Teilen zusammengesetzter Franchise-Film. Er hat den richtigen Instinkt für die Rückkehr der Figuren, die richtige Sympathie für seinen jungen Hauptdarsteller und die richtige historische Aura, um alte Fans anzulocken. Aber er wächst zu selten über das hinaus, was man schon von Anfang an erwarten konnte. Und gerade in einer Reihe, die immer von Ausdauer, Fokus und innerer Entwicklung handelte, ist das ein schwerer Makel.

5,5/10

Quellen:
InhaltsangabeFilmstarts
Poster/Artwork: Columbia Pictures/Sunswept Entertainment/Georgia Department of Economic Development

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