Die vierstündige Schnittfassung vereint "Kill Bill Vol. 1" und "Kill Bill Vol. 2" zu einem einzigen, durchgehenden Film. Diese epische Version des Kult-Actionfilms lag jahrelang unveröffentlicht im Archiv und wird nun erstmals überhaupt auf der Kinoleinwand zu sehen sein.
Nach über 20 Jahren kommt Quentin Tarantinos epische Rache-Odyssee nun endlich in ihrer ungekürzten, viereinhalbstündigen Fassung als "Kill Bill: The Whole Bloody Affair" und entfaltet sich wie ein Feuerwerk aus asiatischen Martial-Arts-Klassikern, Italowestern und pulpiger Gewaltpoesie - ein Film, der nicht nur blutet, sondern pulsiert. Ursprünglich als Zweiteiler 2003 ("Kill Bill Vol. 1") und 2004 ("Kill Bill Vol. 2") im Abstand von etwa einem halben Jahr veröffentlicht, weil Tarantinos 190-seitiges Skript den Studios zu lang für ein Kinoprogramm war, wurde die vollständige Version erst Ende 2025 in den USA und 2026 in Deutschland freigegeben, mit einer Laufzeit von satten 275 Minuten.
"Kill Bill: The Whole Bloody Affair" schweißt nun beide Teile nahtlos zusammen, entfernt aber gezielt Elemente, die den Zweiteiler als Serienprodukt tarnten: Das ikonische Cliffhanger-Ende von "Kill Bill Vol. 1" - Bills Frage "Does she know her daughter is still alive?" an die verstümmelte Sofie - fällt weg, ebenso der zusammenfassende Rückblick der Braut am Anfang zu zu "Kill Bill Vol. 2", um Redundanzen zu vermeiden. Hinzugefügt wurde eine neue siebenminütige, extrem blutige Anime-Sequenz, die Tarantinos Hommage an Exploitation-Kino vertieft, sowie kleinere Anpassungen unter anderem die bereits aus der Japan-Fassung bekannte farbige Schwertkampfszene im "House of Blue Leaves". Wobei dies noch nicht einmal eine gute Anpassung darstellt - der Kniff, die Sequenz in schwarz-weiß ablaufen zu lassen, die mit dem Herausreißen des Auges beginnt und mit dem Blinzeln der Braut endet, war im Grunde die bessere, stimmigere Fassung - auch angesichts der zahlreichen Stil- und Formatwechsel, die sich durch den ganzen Filme ziehen. Diese Änderungen, wie sie in detaillierten Vergleichen (u.a. schnittberichte.com) dokumentiert sind, machen die Fassung kohärenter, wenngleich sie den epischen Schwung der separaten Teile opfert - ein Trade-off zwischen Purismus und Dramaturgie.Uma Thurmans Braut, Beatrix Kiddo, eine rachsüchtige Mutter, die sich mit dem ikonischen Hattori-Hanzo-Schwert durch Yakuza-Clans und Viper-Assassinen mäht, in hochstilisierten Duellen, die an Bruce Lee und Kurosawa erinnern ist noch heute großartig. David Carradine als Bill verkörpert den philosophischen Killer mit mythischer Aura, während Lucy Liu als O-Ren Ishii und Chiaki Kuriyama als Gogo Yubari ikonische Bösewichte abgeben - alles getragen von Tarantinos Cut-up-Narrativ, das Rückblenden und Anime-Inserts zu einem Rausch verwebt. Die Ästhetik explodiert in Farben, Blutfontänen und Soundtrack-Perlen wie Tomoyasu Hoteis "Battle Without Honor Or Humanity" ("バトル・ウィズアウト・オナー・オア・ヒューマニティー"). Und wie bei Tarantino übliche sind Dialoge, Monologe, überhaupt das Spiel der Figuren mit- und gegeneinander ein reines Fest, bei dem man gern zusieht und sich selbst über Dinge, die aus dem Nichts kommen, wie ein kleines Kind freut, beispielsweise Bills Superman-Monolog, "um seinen Standpunkt zu verdeutlichen". Grandios. Mit Referenzen an Popkultur, Zitaten aus Film und Musik ist, war und bleibt Tarantino einer der ganz großen - und kein anderer Regisseur verarbeitet Filme, Musik und Popkultur so wie er.
Natürlich muss man bei 275 Minuten, 4 Stunden und 35 Minuten, Sitzfleisch mitbringen - doch diese Zeit geht herum wie nichts. Denn auch wenn die Filme in- und auswendig kennt: es ist ein pures Vergnügen für Cineasten und Fans von Quentin Tarantino "Kill Bill: The Whole Bloody Affair" noch einmal in all seiner Pracht auf der großen Kinoleinwand zu erleben.





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