Dienstag, 21. April 2026

The Chair (Short) (2023)

https://www.imdb.com/de/title/tt15408560/

Curry Barkers "The Chair" ist ein Kurzfilm, der aus einem alltäglichen Fund eine kleine, langsam wachsende Krise des Geistes macht. Reese, gespielt von Anthony Pavone, bringt einen antiken Stuhl nach Hause, den er am Straßenrand gefunden hat, und mit diesem scheinbar harmlosen Gegenstand beginnen sich Wahrnehmung, Beziehung und Wirklichkeit allmählich gegeneinander zu verschieben. Der Film macht daraus keinen einfachen Spuk, sondern ein psychologisches Rätsel: Ist der Stuhl verflucht, oder löst er nur etwas in Reese selbst aus, das schon vorher da war? Die Stärke des Kurzfilms liegt in seiner Geduld. Statt sofort auf Schocks zu setzen, lässt Barker die Irritationen wachsen, bis selbst die vertrautesten häuslichen Räume unsicher werden. Julie, Reeses Freundin, gespielt von Haley Schwartz, wird dabei zu einer wichtigen Gegenstimme, weil sie den Stuhl von Anfang an als Störung empfindet und damit den Konflikt zwischen Rationalität und Verdrängung offenlegt. Auch Old Man Franklin, verkörpert von Jonnathon Cripple, trägt zur unheimlichen Atmosphäre bei, indem er wie eine ungebetene Erinnerung am Rand der Geschichte steht. Was "The Chair" besonders macht, ist seine Mehrdeutigkeit. Einerseits könnte man den Film als Allegorie auf Angst vor Alter, Gedächtnisverlust deuten, andererseits als den Zerfall von Identität, und gerade diese Offenheit verleiht ihm Gewicht. Der Stuhl ist dann nicht bloß ein Spukobjekt, sondern ein Auslöser für das, was ohnehin in Reese arbeitet: Unsicherheit, Kontrollverlust und die Furcht, den Halt an der eigenen Wirklichkeit zu verlieren. Formal bleibt der Film knapp und konzentriert, was seiner Wirkung sehr zugutekommt. Mit einer Laufzeit von rund 20 Minuten hat er keine Zeit für Umwege und nutzt jede Szene, um Spannung aufzubauen oder eine neue Verschiebung einzuführen. Das macht ihn zu einem dieser Kurzfilme, die nicht wie verkleinerte Spielfilme wirken, sondern wie eigenständige, präzise gesetzte Albträume. Zudem ist er angenehm intensiv und unvorhersehbar, verlässt sich aber nicht nur auf sein Gruselmoment-Potenzial. Genau darin liegt seine Qualität: "The Chair" ist nicht nur eine Geschichte über einen unheimlichen Gegenstand, sondern über die Fragilität der Wahrnehmung und die Angst, dass etwas Gewöhnliches plötzlich das eigene Leben aus den Angeln heben kann.

7/10

Quellen:
InhaltsangabeThat's A Bad Idea
Poster/Artwork: That's A Bad Idea

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