Samstag, 25. April 2026

Mārama - Marama (2025)

https://www.imdb.com/de/title/tt15284556/

Die junge Māori-Lehrerin Mary Stevens (Ariāna Osborne) reist 1859 aus Neuseeland nach England, um nach einem mysteriösen Brief ihre wahre Herkunft und leiblichen Eltern zu erfahren - doch der Absender ist bereits tot, und sie strandet im abgelegenen Anwesen des wohlhabenden Walfängers Sir Nathaniel Cole (Toby Stephens). Dort nimmt sie eine Stelle als Gouvernante für Coles Enkelin Anne (Evelyn Towersey) an und stößt auf seine Sammlung geraubter Māori-Artefakte, die seine brutale koloniale Vergangenheit in Neuseeland offenbaren, einschließlich Handel mit konservierten Köpfen und Gewalt gegen ihr Volk. Mary wird von Visionen und Erinnerungen geplagt, die sie mit ihrer "Whakapapa" (Ahnenforschung) und spirituellen Matakite-Kräften verbinden, wodurch sie erkennt, dass Coles Taten auch ihre Familie zerstört haben. Sie nimmt ihre wahre Identität als Mārama an und wandelt ihre Suche in einen blutigen Rachefeldzug gegen Cole um, der das Anwesen in eine Arena kolonialer Abrechnung verwandelt.

"Mārama" ist ein finsterer, blutiger Gothic-Horror, der den Horror eines viktorianischen Hauses mit Māori-Mythen und Kolonialrache durchmischt - und ein Debüt, das Taratoa Stappard als aufstrebenden Regisseur markiert und Genre-Klischees mit einer Wut neu besetzt, die man spürt. Als Māori Gothic vermarktet, ist der Film weniger subtiler Geisterfilm als Rachefabel, die koloniale Grausamkeiten als Horror entlarvt und Marys Kampf um Identität in ein blutiges Manifest verwandelt. Ariāna Osborne spielt die Protagonistin Mary mit nuancierter Intensität: Von naiver Sucherin zu rachsüchtiger Kriegerin, mit physischer Präsenz und emotionaler Tiefe, die die kulturelle Entwurzelung greifbar macht. Toby Stephens als Nathaniel ist der perfekte Gegenspieler: charmant, paternalistisch und letztlich sadistisch. Nebenrollen wie Umi Myers und Erroll Shand füllen das Ensemble mit Bedrohlichkeit, ohne zu überladen. Die Figuren sind archetypisch (kolonialer Tyrann vs. indigene Heldin), aber durch Māori-Perspektive wirken sie frisch - kein reiner Revenge-Porno, sondern kulturelle Abrechnung. 

Stappards Regie mischt Horror mit (Māori-)Ästhetik: Nebelige Außenaufnahmen, finstere Innenräume, Sounds traditioneller Musikinstrumente, orchestraler Score, der Spannung aufbaut. Die Kamera nutzt Wide-Shots für Isolation, Close-Ups für Visionshorror und vermischt Gothic-Klischees (verstaubte Porträts, knarrende Türen) mit indigener Mythologie (Ahnen, Whakapapa). Der Gore ist explizit, aber symbolisch: Blut als Reinigung, Zerstörung als Heilung. Die größten Schwächen: Plotholes und Ungereimtheiten lassen Fragezeichen zurück, manche Twists sind zu vorhersehbar und das Tempo stockt bis zum Mittelteil spürbar. Mit der Erforschung der Kolonialisierung, der Unterdrückung der Māori und der spirituellen Welt geht "Mārama" jedoch deutlich tiefer in die Story als es die Genre-Norm vorlebt: Mary's Kampf ist kulturelle Reklamation - gegen Unterdrückung, Identitätsdiebstahl, spirituellen Raub - und unterm Strich ein atmosphärischer, blutiger Māori-Gothic-Horror, der Kolonialrache mit Genre-Klischees gekonnt verschmilzt; Osborne strahlt, Stappard debütiert stark und trotz kleinerer Abstriche ein guter Film.

6,5/10

Quellen:
InhaltsangabeFilmstarts
Poster/Artwork: New Zealand Film Commission/Vendetta Films/The Black List/Sweetshop & Green

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