Samstag, 25. April 2026

Nervures - Veins (2026)

https://www.imdb.com/title/tt8776976/

Die junge Isabelle (Romane Denis) kehrt nach Jahren des Kontaktabbruchs in den abgelegenen, wirtschaftlich maroden Waldort Saint-Étienne zurück. Bei ihrer Ankunft erfährt sie von ihrer abwesend wirkenden Mutter Thérèse (Marie-Thérèse Fortin) den Schock: Ihr Vater Maurice ist bereits seit Tagen tot, und auch ihr schwerkranker Cousin sowie der alte Familienhund sind spurlos verschwunden. Der undurchsichtige Dr. Toupin (Sylvain Marcel) scheint in diese mysteriösen Todesfälle verwickelt, da seine botanischen Experimente seltsame, organische Phänomene hervorrufen, die mit der Familie und der Natur verschmelzen. Während sich Symbiose und Parasitismus, Degeneration und Regeneration vermischen, deckt Isabelle die unheimlichen Grenzen zwischen Individuum und Familie auf, die durch pulsierende Adern symbolisiert werden und das fragile Gefüge der Verwandtschaft in einen albtraumhaften Zerfall stürzen.

Ein kanadischer Body-Horror, der wie ein "Akte X"-Mystery-der-Woche wirkt; einem faszinierenden, wenn auch hier holprig umgesetzten Konzept: Eine junge Frau erfährt beim Besuch ihrer Eltern vom Tod ihres Vaters, und bemerkt, dass ihre Mutter sich eigenartig, abweisend verhält und verwirrt zu sein scheint. Regisseur Raymond Saint-Jean debütiert mit einem Werk, das durch überzeugende Spezialeffekte und eine starke Hauptfigur punktet, aber unter einem chaotischen Drehbuch leidet, das seine eigenen Ideen nicht zu Ende denkt. Würde man diesen Film im "Akte X"-Kontext sehen, wäre es ein "Akte X" ohne Mulder und in völliger Isolation: Kein Internet, keine Handys, irgendwie seltsam. Der erste Akt ist fokussiert, mitreißend und fesselt durch seine Präzision, doch der zweite Akt gerät ins Stocken, mit unverbundenen Handlungssträngen, absurden thematischen Schwüngen und einem Finale, das mit "erzwungen" wohlwollend beschrieben ist..

Isabelle wird von Romane Denis mit einer Mischung aus naiver Intelligenz und wachsender Verzweiflung verkörpert, was ihre Reaktion auf die greifbaren Spezialeffekte umso glaubwürdiger macht. Die Eltern- und Nachbarrollen sind solide besetzt, bleiben aber funktional; der Film verschwendet wenig Zeit an Nebenfiguren, was dem klaustrophobischen Ton zugutekommt, aber auch Tiefe vermissen lässt. Saint-Jeans Regie glänzt technisch: Die Effekte sind erstklassig, die pflanzlichen Mutationen wirken greifbar und ekelerregend, und die Atmosphäre baut sich durch isolierte Settings und ein sparsames Sounddesign effektiv auf. Thematisch greift "Veins" das Trauma des Vaterverlusts auf, um familiäre Geheimnisse und körperliche Dekonstruktion zu verknüpfen - eine potente Idee, die an Cronenberg erinnert, aber nie richtig ausgereizt wird. Stattdessen dominiert ein chaotisches Tempo, das die Ambitionen erdrückt. Faszinierende Effekte und eine starke Lead tragen den Film, doch ein ungebändigtes Skript lässt das Potenzial verkümmern. Für Body-Horror-Fans ist der 94-minütige Film sicherlich ein solider Genuss, für Story-Fans ist er enttäuschend und hinterlässt eher einen zwiespältigen Eindruck: visuell packend, narrativ unfertig. 

5/10


Quellen:
InhaltsangabeFilmstarts
Poster/Artwork: Reason8

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